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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/392

Ge­set­zes­än­de­run­gen zum Ja­nu­ar 2017

Ge­set­ze zur Ar­beits­markt- und So­zi­al­po­li­tik: Was än­dert sich im neu­en Jahr?

29.12.2016. Im fol­gen­den fin­den Sie ei­nen kur­zen Über­blick über die we­sent­li­chen Ge­set­zes­än­de­run­gen im Ar­beits­recht und im So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht, die zum 01.01.2017 in Kraft tre­ten.

Wie in je­dem Jahr wer­den auch zu Be­ginn des Jah­res 2017 die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung nach oben an­ge­passt. An­ge­ho­ben wer­den auch die Pflicht­ver­si­che­rungs­gren­zen und Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung. Zu­dem er­hö­hen sich die Re­gel­be­darfs­sät­ze bei der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de ("Hartz IV").

Ei­ne wei­te­re Neue­rung be­trifft den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn. Er wird ab Ja­nu­ar 2017 von 8,50 EUR brut­to pro St­un­de auf 8,84 EUR brut­to an­ge­ho­ben.

Au­ßer­dem tre­ten auf­grund des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes zum Ja­nu­ar 2017 ei­ni­ge neue Vor­schrif­ten zum Schwer­be­hin­der­ten­recht in Kraft.

Min­dest­lohn

Erst­mals seit sei­ner Einführung zum Au­gust 2015 wird der ge­setz­li­che Min­dest­lohns an­ge­ho­ben. Er steigt ab dem 01.01.2017 von 8,50 EUR brut­to pro St­un­de auf 8,84 EUR.

Nach­dem der Min­dest­lohn seit Au­gust 2015 un­verändert blieb, wird er künf­tig ein­mal pro Jahr zum 01. Ja­nu­ar an­ge­passt, was al­ler Vor­aus­sicht nach auf ei­ne jähr­li­che Erhöhung hin­ausläuft. Grund­la­ge der An­pas­sung sind die Be­schlüsse der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on, die von der Bun­des­re­gie­rung um­ge­setzt wer­den.

Der An­he­bung zum 01.01.2017 liegt ein Be­schluss Min­dest­lohn­kom­mis­si­on vom Ju­ni 2016 zu­grun­de (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/203 Min­dest­lohn steigt auf 8,84 EUR).

Schwer­be­hin­der­ten­recht

Durch das Ge­set­z zur Stär­kung der Teil­ha­be und Selbst­be­stim­mung von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen (Bun­des­teil­ha­be­ge­setz) wur­den die Rech­te und da­mit die Ar­beitsmöglich­kei­ten der be­trieb­li­chen Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen ver­bes­sert (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/291 Ge­setz­ent­wurf zum Bun­des­teil­ha­be­ge­setz). Die Ände­run­gen tre­ten zum 01.01.2017 in Kraft.

Während nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge ei­ne Frei­stel­lung der Ver­trau­ens­leu­te der Schwer­be­hin­der­ten erst ab 200 schwer­be­hin­der­ten Men­schen im Be­trieb möglich war, ist die Frei­stel­lung künf­tig be­reits ab 100 schwer­be­hin­der­ten Ar­beit­neh­mern möglich. Außer­dem können die Ver­trau­ens­leu­te der Schwer­be­hin­der­ten leich­ter als bis­her Stell­ver­tre­ter in ih­re Ar­beit ein­bin­den und un­ter er­leich­ter­ten Vor­aus­set­zun­gen Fort­bil­dun­gen in An­spruch neh­men.

Ei­ne wich­ti­ge Ände­rung ge­genüber der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge be­trifft die Ein­be­zie­hung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung in ei­ne vom Ar­beit­ge­ber ge­plan­te Kündi­gung. Ei­ne der vie­len Ge­set­zesände­run­gen, die Fol­ge des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes sind, ist der neu ge­schaf­fe­nen § 178 Abs.2 Satz 2 Neun­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB IX). Da­nach ist die Kündi­gung ei­nes schwer­be­hin­der­ten Men­schen, die der Ar­beit­ge­ber oh­ne ei­ne Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung aus­spricht, ge­ne­rell un­wirk­sam.

Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung

Wie bis­her wer­den auch zum Ja­nu­ar 2017 die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung und in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung wie­der nach oben an­ge­passt.

Wer mit sei­nem Ein­kom­men über der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze liegt, muss zwar im­mer noch Beiträge zur Ren­ten- und zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zah­len. Die über die­ser Gren­ze lie­gen­den Ge­halts­be­stand­tei­le sind aber in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung bei­trags­frei. Das heißt, dass be­zo­gen auf die­se Ge­halts­be­stand­tei­le kei­ne Beiträge ab­geführt wer­den.

In der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung (West) steigt die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zum Jah­res­wech­sel von der­zeit 6.200,00 EUR auf 6.350,00 EUR pro Mo­nat an. In den neu­en Bun­desländern steigt die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze zum Jah­res­wech­sel von der­zeit 5.400,00 EUR auf 5.700,00 EUR pro Mo­nat.

Dem­ent­spre­chend erhöhen sich die Jah­res­wer­te von der­zeit 74.400,00 EUR (West) auf 76.200,00 EUR (West) bzw. von bis­her 62.800,00 EUR (Ost) auf 68.400,00 EUR (Ost).

Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ist iden­tisch mit der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der all­ge­mei­nen ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 341 Abs.4 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB III). Die o.g. Ein­kom­mens­gren­zen gel­ten da­her auch für die Bei­trags­pflicht zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­zen und Bei­trags­be­mes­sungs­gren­zen in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung

In der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) gilt ei­ne ein­heit­li­che Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze für das ge­sam­te Bun­des­ge­biet, d.h. für West- und für Ost­deutsch­land. Die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze erhöht sich zum 01.01.2017 von bis­her 56.250,00 EUR brut­to pro Jahr auf 57.600 EUR brut­to pro Jahr. Auf den Mo­nat be­zo­gen wird die Gren­ze dem­nach von 4.687,50 EUR brut­to auf 4.800,00 EUR an­ge­ho­ben.

Das be­deu­tet für bes­ser ver­die­nen­de Ar­beit­neh­mer: Wer im Jahr mehr als 57.600 EUR bzw. im Mo­nat mehr als 4.800,00 EUR ver­dient, kann selbst ent­schei­den, ob er sich bei ei­ner der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ver­si­chern möch­te oder lie­ber bei ei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung.  

Ne­ben der Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze gibt es auch in der GKV ei­ne Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze. Sie liegt un­ter­halb der Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze. Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der GKV steigt zum Ja­nu­ar 2017 von bis­her 50.850,00 EUR brut­to pro Jahr auf 52.200,00 EUR brut­to pro Jahr bzw. von bis­her 4.237,50 EUR brut­to pro Mo­nat auf 4.350,00 EUR brut­to pro Mo­nat.

Ar­beit­neh­mer, die die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze in der GKV von 57.600 EUR nicht über­schrei­ten und da­her ver­si­che­rungs­pflich­tig in der GKV sind, un­ter­lie­gen in­fol­ge der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze nur mit dem Ein­kom­mens­teil von 50.850,00 EUR pro Jahr der Bei­trags­pflicht zur GKV. Die darüber lie­gen­den Ge­halts­be­stand­tei­le sind in der GKV bei­trags­frei.

Die Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze und die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der GKV gel­ten auch für die Pfle­ge­ver­si­che­rung.

Fle­xi­ren­te

Wer ei­ne Re­gel­al­ters­ren­te be­zieht und trotz­dem wei­ter­ar­bei­tet, pro­fi­tiert durch die Neu­re­ge­lun­gen des Fle­xi­ren­ten­ge­set­zes (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 16/331 Was bringt das Fle­xi-Ren­ten­ge­setz?). Er kann ab Ja­nu­ar 2017 sei­nen Ren­ten­an­spruch erhöhen, wenn er wei­ter Ren­ten­beiträge zahlt. Da­zu muss der Hin­zu­ver­die­ner ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber auf die Ver­si­che­rungs­frei­heit sei­nes Hin­zu­ver­diens­tes ver­zich­ten (§ 5 Abs.4 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - SGB VI, neue Fas­sung).

Darüber hin­aus wer­den Ar­beit­ge­ber ab 2017 von den Beiträgen zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ent­las­tet, die sie nach bis­he­ri­ger Rechts­la­ge für hin­zu­ver­die­nen­de Rent­ner auch dann abführen muss­ten, wenn die Hin­zu­ver­die­ner die Re­gel­al­ters­gren­ze in der Ren­ten­ver­si­che­rung er­reicht hat­ten. Die­ser Bei­trag, der nur vom Ar­beit­ge­ber (nicht aber vom Hin­zu­ver­die­ner) auf­zu­brin­gen war, entfällt zeit­lich be­grenzt für die Dau­er von fünf Jah­ren.

Hartz IV

Die Un­terstützungs­leis­tun­gen in der Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de ("Hartz IV"), die auf der Grund­la­ge des Zwei­ten Buchs So­zi­al­ge­setz­buch (SGB II) ge­zahlt wer­den, wer­den zum Ja­nu­ar 2017 an­ge­ho­ben.

Da­bei steigt der Re­gel­satz für Al­lein­ste­hen­de von der­zeit mo­nat­lich 404 EUR auf 409 Eu­ro (Re­gel­be­darfs­stu­fe 1). Bei Paa­ren, die in ei­nem ge­mein­sa­men Haus­halt le­ben, beträgt der Grund­be­trag an­statt der bis­he­ri­gen 364 EUR ab Ja­nu­ar 2017 je­weils 368 Eu­ro pro Per­son (Re­gel­be­darfs­stu­fe 2).

Er­wach­se­ne Leis­tungs­be­rech­tig­te, die kei­nen ei­ge­nen und kei­nen ge­mein­sa­men Haus­halt mit ei­nem Part­ner führen, be­kom­men bis­her 324 EUR mo­nat­lich und ab Ja­nu­ar 327 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 3).

Sch­ließlich gibt es für Ju­gend­li­che von 14 bis un­ter 18 Jah­re mo­nat­lich 311 EUR (bis­her: 306 EUR - Re­gel­be­darfs­stu­fe 4), für Kin­der von sechs bis 13 Jah­ren mo­nat­lich 291 EUR (bis­her: 270 EUR - Re­gel­be­darfs­stu­fe 5) und für Kin­der bis fünf Jah­ren wie bis­her mo­nat­lich 237 EUR (Re­gel­be­darfs­stu­fe 6), d.h. hier gibt es kei­ne An­he­bung.

Letzte Überarbeitung: 1. Januar 2017

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