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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/122

Kein Ver­fall von TVöD-Mehr­ur­laub nach Krank­heit

Mehr­ur­laub nach dem TVöD ver­fällt nicht in­fol­ge lang an­dau­ern­der Krank­heit: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Ur­teil vom 24.02.2011, 16 Sa 727/10
Urlaub am Meer, Palme, Luftmatratze, Sonnenhut und Badestrand Ur­laub und Krank­heit: Der Teu­fel steckt im De­tail...
27.06.2011. Neh­men Ar­beit­neh­mer bis zum En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses ih­ren Ur­laub nicht, kön­nen sie Ur­laubs­ab­gel­tung ver­lan­gen (§ 7 Abs. 4 Bun­des­ur­laubs­ge­setz - BUrlG). An sich ver­fällt der Jah­res­ur­laub spä­tes­tens am 31. März des Fol­ge­jah­res (§ 7 Abs. 3 BUrlG). Das gilt laut Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) aber nicht, wenn Ar­beit­neh­mer ih­ren Ur­laub we­gen lan­ger Krank­heit jah­re­lang nicht neh­men kön­nen. Dann wächst der (Rest-)Ur­laub im­mer wei­ter an. Da­hin­ter steckt die Richt­li­nie 2003/88/EG, die in Art. 7 Abs. 1 ei­nen Min­dest­jah­res­ur­laub von vier Wo­chen vor­sieht.

Oft ge­hen ta­rif­ver­trag­li­che Ur­laubs­an­sprü­che über den Min­des­t­ur­laub hin­aus. Dann fragt sich, ob der ta­rif­li­che Mehr­ur­laub bei lan­ger Krank­heit ver­fal­len soll. Da­zu muss der Ta­rif­ver­trag ei­gen­stän­di­ge, vom ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub ab­wei­chen­de Über­tra­gungs­re­geln ent­hal­ten. Ob das beim Ta­rif­ver­trag für den öf­fent­li­chen Dienst (TVöD) so ist, muss­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm ent­schei­den (Ur­teil vom 24.02.2011, 16 Sa 727/10).

Ein Ar­beit­neh­mer klag­te nach Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses auf Ab­gel­tung von Mehr­ur­laub nach dem TVöD. Im Streit wa­ren krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ner Rest­ur­laubs­ta­ge. Wäh­rend er vor dem Ar­beits­ge­richt Rhei­ne un­ter­lag (Ur­teil vom 07.04.2010, 3 Ca 1029/09), gab ihm das LAG Recht. Denn die Ur­laubs­re­ge­lun­gen des TVöD ori­en­tie­ren sich am BUrlG. Da­her lau­fen die An­sprü­che auf Min­des­t­ur­laub und auf ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub in punc­to Über­tra­gung und Ab­gel­tung gleich, so das LAG.

Fa­zit: Das Ur­teil des LAG über­zeugt, weil die Ur­laubs­re­ge­lun­gen des TVöD kein "eingstän­di­ges Ur­laubs­re­gime" sind. An­de­re Ge­rich­te se­hen das aber an­ders und las­sen Mehr­ur­laub da­her bei lan­ger Krank­heit ver­fal­len. Hier wird aber das BAG das letz­te Wort ha­ben. Auch im Fall des LAG ist ei­ne Re­vi­si­on an­hän­gig (9 AZR 292/11). Ar­beit­neh­mer soll­ten ta­rif­li­chen Mehr­ur­laub, den sie we­gen lan­ger Krank­heit nicht neh­men konn­ten, zur Wah­rung von Aus­schluss­fris­ten schrift­lich an­mah­nen und not­falls ein­kla­gen.

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Letzte Überarbeitung: 5. Juli 2015

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