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ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/204

Mit Kon­kur­ren­ten­kla­ge rechts­wid­ri­ge Stel­len­be­set­zung ver­hin­dert

LAG stoppt rechts­wid­ri­ge Stel­len­be­set­zung in Pots­da­mer Mi­nis­te­ri­um mit einst­wei­li­ger Ver­fü­gung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 14.03.2012, 15 Sa­Ga 2383/11
Feuerwehrmann Polizist Arzt Öf­fent­li­chen Stel­len sind nach Be­fä­hi­gung und Leis­tung zu ver­ge­ben - auch in Pots­dam?

22.05.2012. Ge­mäß Art.33 Abs.2 Grund­ge­setz (GG) hat je­der Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Be­fä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zu­gang zu je­dem öf­fent­li­chen Am­te. Die­ses Grund­recht gilt nicht nur im Be­am­ten­recht, wenn öf­fent­li­che Stel­len an Be­am­te ver­ge­ben wer­den sol­len, son­dern auch im Ar­beits­recht, d.h. bei der Stel­len­be­set­zung mit Ar­beit­neh­mern.

Wie je­de Rechts­re­gel wird auch das Recht auf glei­chen Zu­gang zu öf­fent­li­chen Äm­tern manch­mal miss­ach­tet. Der be­nach­tei­lig­te Be­wer­ber kann sich dann mit der Kon­kur­ren­ten­kla­ge da­ge­gen weh­ren, dass die Stel­len­be­set­zung zu sei­nen Un­guns­ten ent­schie­den wird. Vor kur­zem hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg der Kon­kur­ren­ten­kla­ge ei­nes beim Land Bran­den­burg be­schäf­tig­ten An­ge­stell­ten ent­schie­den. Die­se Kla­ge be­traf ei­nen be­son­ders dreis­ten Fall von Günst­lings­wirt­schaft: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 14.03.2012, 15 Sa­Ga 2383/11.

Kon­kur­ren­ten­kla­ge oder zügi­ge Stel­len­be­set­zung - was geht vor?

Wer sich auf ei­ne Stel­le im öffent­li­chen Dienst be­wirbt und der am bes­ten ge­eig­ne­te Be­wer­ber, hat nicht nur gemäß Art.33 Abs.2 GG ein Recht dar­auf, dass er bei der Stel­len­be­set­zung zum Zu­ge kommt. Er kann auch in dem Fall, dass ihm ein an­de­rer vor­ge­zo­gen wur­de, die un­rechtmäßige Be­set­zung der Stel­le mit dem Kon­kur­ren­ten ver­hin­dern.

Durch ei­ne sol­che Kon­kur­ren­ten­kla­ge ver­hin­dert der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber, dass der Dienst­herr Fak­ten schafft, in­dem er die Stel­le ein­fach an den we­ni­ger ge­eig­ne­ten Be­wer­ber ver­gibt und später be­haup­tet, die­se Ent­schei­dung könne nun "lei­der" nicht mehr rückgängig ge­macht wer­den. Da­bei muss der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber, will er vor Ge­richt Er­folg ha­ben, nicht nur ein re­guläres Ge­richts­ver­fah­ren an­stren­gen, son­dern auch ein Eil­ver­fah­ren: Er muss ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung be­an­tra­gen mit dem Ziel, dass das Ge­richt dem Dienst­herrn die Stel­len­be­set­zung mit dem Kon­kur­ren­ten vorläufig ver­bie­tet.

Wer ei­ne sol­che Kon­kur­ren­ten­kla­ge an­strengt, muss sich dar­auf ein­stel­len, dass er den kürze­ren zieht. So kann sich ver­klag­te Dienst­herr meist mit Er­folg dar­auf be­ru­fen, dass das von ihm er­stell­te Stel­len­pro­fil nach sach­li­chen Kri­te­ri­en er­ar­bei­tet wur­de, und da­bei hat er ei­nen wei­ten Be­ur­tei­lungs­spiel­raum. Be­haup­tet der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber vor Ge­richt, das An­for­de­rungs­pro­fil sei bloßer "Schm­uh", um die Stel­le ei­nem vor­ab aus­gewähl­ten Be­wer­ber zu­zu­schan­zen, wird er da­mit nur sel­ten gehört. Al­ler­dings soll­te es der Dienst­herr da­bei nicht zu toll trei­ben, wie die Ent­schei­dung des LAG zeigt.

Vet­tern­wirt­schaft im Bran­den­bur­gi­schen Mi­nis­te­ri­um für In­fra­struk­tur und Land­wirt­schaft (MIL) oder: Wie sieht die "rich­ti­ge" Stel­len­aus­schrei­bung für Frau F. aus?

Im Streit­fall hat­ten für Per­so­nal­fra­gen ver­ant­wort­li­che Kräfte im bran­den­bur­gi­schen MIL be­schlos­sen, ei­ner dort seit 1991 beschäftig­ten Mit­ar­bei­te­rin künf­tig statt ih­rer bis­he­ri­gen Ent­gelt­grup­pe E9 künf­tig Ent­gelt­grup­pe E11 zu­kom­men zu las­sen. Zu dem Zweck wur­de die Stel­le künst­lich auf­ge­wer­tet und dem Schein nach aus­ge­schrie­ben, wo­bei von vorn­her­ein fest­stand, dass die der­zei­ti­ge Stel­len­in­ha­be­rin, ei­ne Frau F., auch die künf­ti­ge Stel­len­in­ha­be­rin sein soll­te - sonst hätte die Ge­halts­auf­bes­se­rung ja nicht funk­tio­niert.

Um ganz si­cher­zu­stel­len, dass kei­ner der an­de­ren Be­wer­ber das Ren­nen ma­chen könn­te, wur­de das Stel­len­pro­fil in­di­vi­du­ell auf die Stel­len­in­ha­be­rin zu­ge­schnit­ten. Das ging aus ei­ner in­ter­nen E-Mail her­vor, in der man sich die letz­ten De­tails ab­stimm­te. In die­ser E-Mail hieß es:

"Und Frau Fr. F. hat nach mei­ner Kennt­nis kein ein­schlägi­ges Stu­di­um. Bit­te prüfen, ob Ergänzung >gleich­wer­ti­ge Kennt­nis­se, Fähig­kei­ten und Er­fah­run­gen< er­for­der­lich ist."

Ein un­ter­le­ge­ner Be­wer­ber, der über das ver­lang­te Stu­di­um verfügte und auch sonst gu­te Aus­sich­ten dar­auf hat­te, bei ob­jek­ti­ver Be­wer­be­r­aus­wahl die Stel­le zu er­hal­ten, ver­klag­te das Land Bran­den­burg im Eil­fver­fah­ren mit dem Ziel, das Land zur vorläufi­gen Of­fen­hal­tung der Stel­le zu ver­pflich­ten. Da­mit hat­te er vor dem Ar­beits­ge­richt Pots­dam zunächst kei­nen Er­folg (Ar­beits­ge­richt Pots­dam, Ur­teil vom 26.10.2011, 8 Ga 32/11). Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg hob die­se Ent­schei­dung al­ler­dings auf und gab dem An­trag des Be­wer­bers statt.

Denn hier wur­de ein An­for­de­rungs­pro­fil mit sach­frem­den Erwägun­gen er­stellt, in­dem es von vorn­her­ein auf die Per­son der vor­ab "gewünsch­ten" Be­wer­be­rin zu­ge­schnit­ten wur­de. In ei­nem sol­chen Fall, so das LAG, hat der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber ei­nen An­spruch auf er­neu­te Ent­schei­dung über sei­ne Be­wer­bung. Außer­dem scha­de­te es dem Kläger auch nicht, dass er sich die ge­setz­li­che Frist für die Be­gründung sei­ner Be­ru­fung in vol­lem Um­fang von zwei Mo­na­ten aus­geschöpft hat­te. Das las­se, so das LAG, die Eil­bedürf­tig­keit des Verfügungs­an­trags nicht ent­fal­len. Da­mit stellt sich das LAG ge­gen an­de­re Ar­beits­ge­rich­te und Lan­des­ar­beits­ge­rich­te, die vom Kläger in Kon­kur­ren­ten­kla­ge ha­sen­ar­ti­ge Ei­le in je­der La­ge des Pro­zes­ses ver­lan­gen.

Fa­zit: Die Ent­schei­dung des LAG ist rich­tig und wi­der­spricht da­mit ei­ni­gen ver­fehl­ten Ur­tei­len, de­nen zu­fol­ge die Fest­le­gung des An­for­de­rungs­pro­fils an­geb­lich dem frei­en, ge­richt­lich nicht über­prüfba­ren Er­mes­sen des Dienst­herrn un­ter­lie­gen soll. Da­von kann je­den­falls dann kei­ne Re­de sein, wenn das Stel­len­pro­fil ziel­ge­rich­tet auf ei­nen vor­ab ins Au­ge ge­fass­ten "Günst­ling" zu­ge­schnit­ten wird, um an­de­ren Be­wer­bern von vorn­her­ein möglichst kei­ne Chan­cen zu ge­ben. Ein sol­ches Aus­wahl­ver­fah­ren ist rechts­wid­rig, und zwar be­reits von An­fang an, d.h. bei der Er­stel­lung des An­for­de­rungs­pro­fils.

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Letzte Überarbeitung: 28. Juli 2014

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