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LAG Nie­der­sach­sen, Be­schluss vom 28.08.2014, 7 TaBV 83/13

   
Schlagworte: Fremdpersonal, Fremdfirmen, Outsourcing
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Niedersachsen
Aktenzeichen: 7 TaBV 83/13
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 28.08.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Göttingen, Beschluss vom 01.08.20136, 1 BV 4/13
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 08.11.2016, 1 ABR 57/14
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt
Nie­der­sach­sen

Verkündet am:
28.08.2014

Ge­richts­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

IM NA­MEN DES VOL­KES

BESCHLUSS
7 TaBV 83/13

1 BV 4/13 ArbG Göttin­gen

In dem Be­schluss­ver­fah­ren
mit den Be­tei­lig­ten

Be­triebs­rat der A., A-Straße, A-Stadt

An­trag­stel­ler, Be­schwer­deführer und Be­tei­lig­ter zu 1

Verf.-Bev.: Rechts­anwälte D., D-Straße, D-Stadt

und

A., A-Straße, A-Stadt

Be­tei­lig­te zu 2

Verf.-Bev.: Rechts­anwälte B., B-Straße, B-Stadt

hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen auf­grund der Anhörung am 28. Au­gust 2014 durch
den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Lei­bold,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Klei­er,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Herrn Fel­gen­treu

be­schlos­sen:

Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Göttin­gen vom 01.08.2013, 1 BV 4/13, wird zurück­ge­wie­sen.
Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.

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Gründe

I.

Die Be­tei­lig­ten strei­ten darüber, ob der Ein­satz von Mit­ar­bei­tern, die bei ei­ner Dritt­fir­ma beschäftigt sind, in der Pfor­te des von der Ar­beit­ge­be­rin be­trie­be­nen Kran­ken­hau­ses ei­ne Ein­stel­lung im Sin­ne des § 99 Be­trVG dar­stellt und ob dem Be­triebs­rat hier­bei ein Mit­be­stim­mungs­recht zu­steht.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt in A-Stadt und E-Stadt psych­ia­tri­sche Fach­kli­ni­ken mit rund 1.100 Ar­beit­neh­mern. Der Be­tei­lig­te zu 1 ist der für bei­de Kli­ni­ken gewähl­te Be­triebs­rat.

Ursprüng­lich be­stand für bei­de Fach­kli­ni­ken je­weils ein Emp­fang/Pfor­te/In­for­ma­ti­ons­dienst (künf­tig nur „Pfor­te“) mit 3-6 Ar­beit­neh­mern in E-Stadt und den 3 Ar­beit­neh­mern F., G. und H. in A-Stadt, die nun­mehr in an­de­ren Be­rei­chen ein­ge­setzt wer­den. Bis En­de De­zem­ber 2012 ka­men in die­sen Be­rei­chen zu­dem Ar­beit­neh­mer ei­nes Fremd­un­ter­neh­mens (N.) zum Ein­satz, de­ren Tätig­kei­ten ab Ja­nu­ar 2013 durch Ar­beit­neh­mer der O. GmbH aus­geführt wer­den.

Seit dem 29.03.2013 setzt die Ar­beit­ge­be­rin kei­ne ei­ge­nen Ar­beit­neh­mer/in­nen mehr in dem Be­reich Pfor­te ein. Die Pfor­te im Kli­ni­kum E-Stadt wur­de auf­gelöst, den bis da­hin dort beschäftig­ten Mit­ar­bei­tern wur­den an­de­re Tätig­kei­ten zu­ge­wie­sen. Die Auf­ga­ben der Pfor­te im Kli­ni­kum A-Stadt wer­den seit die­sem Zeit­punkt nur noch von Ar­beit­neh­mern der O. GmbH er­le­digt, dar­un­ter die Ar­beit­neh­mer I., J., K. und L..

Grund­la­ge für den Ein­satz die­ser Mit­ar­bei­ter ist ein zwi­schen der Ar­beit­ge­be­rin und der O. GmbH ab­ge­schlos­se­ner Ver­trag „Werk­ver­trag Pfor­te“, der nicht in un­ter­zeich­ne­ter Form vor-liegt. Der schrift­li­che Ent­wurf (Bl. 42 - 57 d.A.), nach dem der Ver­trag ge­lebt wird, enthält u.a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

§ 1 Ver­trags­ge­gen­stand
Der Auf­trag­ge­ber überträgt dem Auf­trag­neh­mer die re­gel­haft an­fal­len­den Ar­bei­ten am Emp­fang des AF A-Stadt.
Der Auf­trag­ge­ber überträgt dem Auf­trag­neh­mer die

Lei­tung der Haupt­pfor­te

§ 2 Ver­trags­be­stand­teil
Als Ver­trags­be­stand­tei­le gel­ten:

1.1 AQR Hand­buch Pfor­te
1.2 Leis­tungs­be­schrei­bung

§ 3 Leis­tun­gen des Auf­trags­neh­mers
Der Auf­trag­neh­mer ver­pflich­tet sich, die nach die­sem Ver­trag zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen fach- und frist­ge­recht aus­zuführen. Art und Um­fang der Auf­ga­ben sind in der Leis­tungs­be­schrei­bung fest­ge­hal­ten. Darüber hin­aus­ge­hen­de Ar­bei­ten bedürfen der ge­son­der­ten schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung und Vergütung.

§ 4 Ver­pflich­tun­gen des Auf­trag­neh­mers
Per­so­nal

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Der Auf­trag­neh­mer stellt die er­for­der­li­chen Ar­beits­kräfte. Er ver­pflich­tet sich da­bei, zu­verlässi­ges Per­so­nal ein­zu­set­zen.


§ 5 Ver­pflich­tun­gen des Auf­trag­ge­bers


Nut­zung von Räum­en und Be­triebs­mit­tel
Die zur Auf­trags­erfüllung not­wen­di­gen Räume und Be­triebs­mit­tel wer­den dem Auf­trag­neh­mer un­ent­gelt­lich zur Verfügung ge­stellt.

In der dem Ver­trags­ent­wurf bei­gefügten Leis­tungs­be­schrei­bung (Bl. 48 d. A.) heißt es:

Emp­fang/Re­zep­ti­on:

  • Lei­tung der Haupt­pfor­te durch ei­ne Team­lei­tung
  • Be­die­nung der zen­tra­len Te­le­fon­an­la­ge; An­nah­me, Be­ant­wor­tung und Wei­ter­ver­mitt­lung von Te­le­fon­an­ru­fen
  • Ein­gangs­post sor­tie­ren und wei­ter­lei­ten
  • Aus­gangs­post be­ar­bei­ten (fran­kie­ren, etc.)
  • Pa­ti­en­ten­auf­nah­me (Kurz­auf­nah­me) außer­halb der Dienst­zei­ten der zen­tra­len Pa­ti­en­ten­auf­nah­me
  • An­sprech­part­ner Pa­ti­en­ten­te­le­fon ein­sch­ließlich Hil­fe­stel­lung zum Kas­sen­au­to­ma­ten
  • Ver­kauf und Be­stel­lung von Brief­mar­ken und Kopfhörern für die Pa­ti­en­ten
  • Über­wa­chung des Haupt­ein­gan­ges
  • Be­die­nung der Brand­mel­de­zen­tra­le
  • Alarm­steue­rung bis zur Zu­sam­men­set­zung der Kran­ken­haus­ein­satz­lei­tung
  • Führung und Ab­rech­nung der Bar­geld­ne­ben­kas­se
  • Wah­rung von Ord­nung und Sau­ber­keit im Ver­ant­wor­tungs­be­reich (ggf. Rei­ni­gung, Tech­nik oder Ver­wal­tungs­lei­tung in­for­mie­ren, Aus­la­gen und Fly­er auffüllen, ord­nen und ggf. aus­sor­tie­ren, etc.)
  • Wei­ter­lei­ten von Störungs­mel­dun­gen
  • Schlüssel­ver­wal­tung (Aus­ga­be und An­nah­me von Schlüsseln)
  • Zen­tra­le Stel­le für Fund­sa­chen
  • Ko­pier­ar­bei­ten, Fax­ar­bei­ten, ku­ver­tie­ren und Ver­sand von Post­sen­dun­gen
  • Er­tei­lung von Weg­be­schrei­bun­gen
  • Un­terstützung bei der Ab­la­ge

In dem vor­lie­gen­den Be­schluss­ver­fah­ren be­gehrt der Be­triebs­rat die Auf­he­bung der Ein­stel­lung der 4 Ar­beit­neh­mer I., J., K. und L. so­wie die Fest­stel­lung, dass Ein­stel­lun­gen im Be­reich Pfor­te oh­ne sei­ne Be­tei­li­gung sein Mit­be­stim­mungs­recht ver­letzt.

Das Ar­beits­ge­richt hat durch ei­nen dem Be­triebs­rat am 21.08.2013 zu­ge­stell­ten Be­schluss vom 01.08.2013, auf des­sen In­halt zur wei­te­ren Dar­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Sach- und

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Streit­stan­des und des­sen Würdi­gung durch das Ar­beits­ge­richt Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 76 - 88 d.A.), die Anträge zurück­ge­wie­sen.

Hier­ge­gen rich­tet sich die am 17.09.2013 ein­ge­leg­te und am 21.10.2013 be­gründe­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats.

Der Be­triebs­rat ist der Auf­fas­sung, dass die Mit­ar­bei­ter der Pfor­te wei­ter­hin ein Teil des Kli­nik­be­trie­bes sei­en und im Sin­ne des § 99 Be­trVG ein­ge­stellt würden. Der In­halt der Tätig­keit, wie er tatsächlich aus­geübt wer­den müsse, sei un­ge­eig­net, ei­nen ei­ge­nen Pfor­ten­be­trieb der O. GmbH an­zu­neh­men.

An­ge­sichts des Auf­ga­ben­be­rei­ches der Mit­ar­bei­ter in der Pfor­te könne es nicht ver­mie­den wer­den, dass den be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­tern zur Erfüllung ih­rer Ar­beit re­gelmäßig ab­lauf- und per­so­nen­be­zo­ge­ne Wei­sun­gen von Sei­ten des Kli­nik­per­so­nals er­teilt wer­den. Ärz­te, Pfle­ger, Ver­ant­wort­li­che des Ser­vice­be­rei­ches und lei­ten­de Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter ständen von Fall zu Fall in ei­nem lau­fen­den Aus­tausch mit den Mit­ar­bei­tern der Pfor­te. Die an­de­ren Ab­tei­lun­gen der Kli­nik so­wie sämt­li­che Sta­tio­nen sei­en auf ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit und Ko­ope­ra­ti­on mit der Pfor­te an­ge­wie­sen.

Es ge­be ei­ne Viel­zahl von Tätig­kei­ten, die von den Vor­ga­ben des Kli­nik­per­so­nals, der Pa­ti­en­ten, der Be­su­cher, der Lie­fe­ran­ten und der ex­ter­nen Dienst­leis­ter abhängig sei­en. Kein Mit­ar­bei­ter der Pfor­te könne sich für un­zuständig erklären, wenn die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Kli­nik­per­so­nal, Pa­ti­en­ten und Be­su­chern oder un­ter den Mit­ar­bei­tern der Ab­tei­lun­gen ko­or­di­niert wer­den müsse.

Ins­be­son­de­re würden sich die in dem Werk­ver­trag be­nann­ten ex­tern ver­ge­be­nen Auf­ga­ben mit Auf­ga­ben der Mit­ar­bei­ter in der Post­stel­le, in der Pa­ti­en­ten­ver­wal­tung so­wie im sons­ti­gen Post­ser­vice über­schnei­den. Es fände in­so­weit ein ständi­ger Aus­tausch statt. Es ge­be Über­schnei­dun­gen, die ei­ne Fest­le­gung und Dis­po­si­ti­on des Ein­sat­zes der Ar­beits­kräfte für be­stimm­te Auf­ga­ben nach zeit­li­chen, ört­li­chen und auf­ga­ben­ge­bun­de­nen As­pek­ten not­wen­dig ma­che.

So sei die Pa­ti­en­ten­auf­nah­me außer­halb der Dienst­zei­ten der zen­tra­len Pa­ti­en­ten­auf­nah­me ge­schul­det. Hier müss­ten re­gelmäßig Ar­beits­schrit­te auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den.

Es spre­che vie­les dafür, dass der O. GmbH nicht der Pfor­ten­dienst als sol­cher, son­dern le­dig­lich die Be­triebsführung der Pfor­te über­tra­gen wor­den sei.

Die Tätig­keit in der Pfor­te als sol­che ha­be sich nicht geändert. Seit der Ver­ga­be ha­be sich ein Wech­sel le­dig­lich im Be­reich der Ver­ant­wort­li­chen voll­zo­gen. Die for­mal Vor­ge­setz­te der Pfor­ten­mit­ar­bei­ter Frau M. sei nicht mehr Ar­beit­neh­me­rin der Kli­nik, son­dern der O. GmbH. Sie sei je­doch nicht die ein­zi­ge wei­sungs­be­fug­te Per­son in der Kli­nik. Al­le Ärz­te, Pfle­ger, Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter usw. könn­ten und müss­ten den Pfor­ten­mit­ar­bei­tern Vor­ga­ben ma­chen, wann

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wel­che Tätig­kei­ten im tägli­chen Ab­lauf kon­kret zu ver­rich­ten sei­en. Le­dig­lich grundsätz­li­che Fra­ge­stel­lun­gen soll­ten über die Pfor­ten­lei­tung geklärt wer­den.

Der Dienst in der Pfor­te sei nicht au­to­nom und ab­grenz­bar von den sonst an­fal­len­den Tätig­kei­ten in der Kli­nik. Die Pfor­te sei die zen­tra­le An­lauf­stel­le für Pa­ti­en­ten und Be­su­cher, für Lie­fe­ran­ten und sons­ti­ge Dienst­leis­ter. Von hier aus würden im Rah­men ei­nes ste­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­aus­tau­sches al­le Sta­tio­nen und Ab­tei­lun­gen der Kli­nik mit In­for­ma­tio­nen ver­sorgt wer­den.

Ent­ge­gen der von dem Ar­beits­ge­richt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung könne der Pfor­ten­be­trieb nicht ei­gen­ver­ant­wort­lich be­trie­ben wer­den. Die Team­lei­te­rin M. sei außer Stan­de, die im Werk­ver­trag ge­nann­ten Leis­tun­gen zu er­brin­gen. Sie sei, wie zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig, le­dig­lich von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr an­we­send. Sie sei auch nicht in der La­ge, die Ar­beits­ausführung zu über­wa­chen. Der Pfor­ten­dienst ließe sich nicht von der Ar­beit am Pa­ti­en­ten ab­kop­peln.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­tra­ges des Be­triebs­rats im Be­schwer­de­ver­fah­ren wird Be­zug ge­nom­men auf den Schrift­satz sei­ner Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 18.10.2013.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des an­ge­foch­te­nen Be­schlus­ses

1. der Be­tei­lig­ten zu 2) auf­zu­ge­ben, die am 29.03.2013 er­folg­ten (er­neu­ten) Ein­stel­lun­gen im Be­reich Pfor­te/Emp­fang/Te­le­fon­dienst

a) der Frau I.
b) der Frau J.
c) des Herrn K. und
d) des Herrn L.

auf­zu­he­ben,

2. a) es zu un­ter­las­sen, Ein­stel­lun­gen im Be­reich Pfor­te/ Emp-fang/Te­le­fon­dienst vor­zu­neh­men oh­ne den An­trag­stel­ler un­ter­rich­tet und sei­ne Zu­stim­mung ein­ge­holt zu ha­ben oder ei­ne ver­wei­ger­te Zu­stim­mung er­set­zen zu las­sen oder ihn im Sin­ne ei­ner vorläufi­gen Ein­stel­lung nach § 100 Be­trVG be­tei­ligt zu ha­ben,
hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 2a
b) fest­zu­stel­len, dass Ein­stel­lun­gen im Be­reich Pfor-te/Emp­fang/Te­le­fon­dienst un­ter Ver­s­toß ge­gen das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats er­fol­gen, so­fern von Sei­ten des An­trags­geg­ners kein An­trags­ver­fah­ren auf Zu­stim­mung nach § 99 Be­trVG ein­ge­lei­tet wird,

3. der Be­tei­lig­ten zu 2) für je­den Fall der Zu­wi­der­hand­lung ge­gen die Ver­pflich­tung aus Zif­fer 1 - be­zo­gen auf je­den Tag der Zu­wi­der­hand­lung und je Ar­beit­neh­mer/in - ein Zwangs­geld bis zu 250,00 € an­zu­dro­hen.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

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die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt den an­ge­foch­te­nen Be­schluss nach Maßga­be des Schrift­sat­zes ih­rer Pro­zess-be­vollmäch­tig­ten vom 25.11.2013.


II.

Die gemäß § 87 Abs. 1 ArbGG statt­haf­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist gemäß den §§ 87 Abs. 2, 89 Abs. 1 und 2, 66 Abs. 1 ArbGG frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit ins­ge­samt zulässig.

Sie ist je­doch nicht be­gründet.

Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass der Ein­satz von Mit­ar­bei­tern der O. GmbH in der Pfor­te kei­ne Ein­stel­lung im Sin­ne von § 99 Be­trVG ist, und dass dem Be­triebs­rat in­so­weit auch kein Mit­be­stim­mungs­recht zu­steht. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt nimmt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen in dem ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss Be­zug.

Das Ar­beits­ge­richt ist bei sei­ner Ent­schei­dung von den Grundsätzen aus­ge­gan­gen, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt für den Ein­satz von Fremd­ar­beit­neh­mern auf­ge­stellt hat. Da­nach kommt es für die Mit­be­stim­mung bei Ein­stel­lun­gen nach § 99 Abs. 1 Be­trVG§ auf die Ein­glie­de­rung der Beschäftig­ten in den Be­trieb und nicht auf die Na­tur des Rechts­verhält­nis­ses an, in dem die Per­so­nen zum Be­triebs­in­ha­ber ste­hen. Da­bei setzt ei­ne Ein­stel­lung nicht not­wen­dig die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus. Das Rechts­verhält­nis zum Be­triebs­in­ha­ber kann auch ein Dienst- oder Werk­ver­trag sein oder wie bei ei­nem Leih­ar­beit­neh­mer ganz feh­len (BAG vom 13.05.2014, 1 ABR 50/12, Rn. 18).

Ein­ge­glie­dert in die­sem Sin­ne ist, wer ei­ne ih­rer Art nach wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­keit ver­rich­tet, die der Ar­beit­ge­ber or­ga­ni­siert (BAG vom 23.06.2010, 7 ABR 1/09, Rn. 13). Der Beschäftig­te muss so in die be­trieb­li­che Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on in­te­griert sein, dass der Ar­beit­ge­ber das für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­sche Wei­sungs­recht in­ne­hat und die Ent­schei­dung über den Ein­satz nach In­halt, Ort und Zeit trifft. Da­bei kann es aus­rei­chend sein, dass der Be­triebs­in­ha­ber zu­min­dest teil­wei­se die für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­schen Ent­schei­dun­gen über den Ar­beits­ein­satz des Fremd­per­so­nals trifft. Ent­schei­dend ist, ob ihm Wei­sungs­be­fug­nis­se zu­ste­hen und des­halb ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich re­le­van­te, zu­min­dest par­ti­el­le Ar­beit­ge­ber­stel­lung zu­kommt (BAG vom 13.05.2014, 1 ABR 50/12, Rn. 18).

Nicht aus­rei­chend ist, dass bei ei­nem Ein­satz von Fremd­ar­beit­neh­mern auf­grund ei­nes Dienst- oder Werk­ver­tra­ges die zu er­brin­gen­de Dienst- oder Werkleis­tung hin­sicht­lich Art, Um­fang, Güte, Zeit und Ort in den be­trieb­li­chen Ar­beits­pro­zess ein­ge­plant ist. Denn der Auf­trag­ge­ber kann, wie sich aus § 645 Abs. 1 Satz 1 BGB er­gibt, dem Werk­un­ter­neh­mer selbst

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oder des­sen Erfüllungs­ge­hil­fen An­wei­sun­gen für die Ausführun­gen des Wer­kes er­tei­len. Ent­spre­chen­des gilt für Dienst­verträge (BAG vom 18.01.2012, 7 AZR 723/10, Rn. 27 AP Nr. 10 zu § 9 AÜG). Viel­mehr müssen die Fremd­ar­beit­neh­mer so in den Be­trieb ein­ge­glie­dert sein, dass der Be­triebs­in­ha­ber die für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­schen Ent­schei­dun­gen über den Ar­beits­ein­satz des Fremd­per­so­nals trifft (BAG vom 13.05.2014, 1 ABR 50/12, Rn. 21).

Un­ter Berück­sich­ti­gung des In­halts der münd­li­chen Ver­hand­lun­gen und des ge­sam­ten wech­sel­sei­ti­gen Vor­trags der Be­tei­lig­ten konn­te vor­lie­gend nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die in der Pfor­te ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter der O. GmbH so in den Kli­nik­be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­glie­dert sind, dass die Ar­beit­ge­be­rin ty­pi­sche Ent­schei­dun­gen über de­ren Ar­beits­ein­satz trifft.

Das Ar­beits­ge­richt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die im Be­reich der Pfor­te bei der Ar­beit­ge­be­rin an­fal­len­den Auf­ga­ben hin­rei­chend ab­grenz­bar sind und im Rah­men ei­nes Dienst­ver­tra­ges auf ein Drit­t­un­ter­neh­men über­tra­gen wer­den können. In der dem Ver­trag mit der O. GmbH bei­gefügten Leis­tungs­be­schrei­bung ist im Ein­zel­nen aus­geführt, wel­che Auf­ga­ben die Mit­ar­bei­ter der Pfor­te aus­zuführen ha­ben. An­hand der dort be­schrie­be­nen Leis­tun­gen ist durch­aus fest­stell­bar, dass ei­ne Ver­zah­nung der die Tätig­keit der Pfor­te mit an­de­ren Tätig­keits­be­rei­chen in der Kli­nik vor­han­den ist und vor­han­den sein muss, um ei­nen ord­nungs­gemäßen Kli­nik­be­trieb gewähr­leis­ten zu können. Dar­aus folgt je­doch nicht, dass die Ar­beit­ge­be­rin auch be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich re­le­van­te Ent­schei­dun­gen über den Ar­beits­ein­satz trifft.

Unschädlich ist, wenn den be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­tern zur Erfüllung ih­rer Ar­beit re­gelmäßig ab­lauf- und per­so­nen­be­zo­ge­ne Wei­sun­gen von Mit­ar­bei­tern der Kli­nik wie Ärz­ten, Pfle­ge­per­so­nal oder Ver­ant­wort­li­chen des Ser­vice­be­rei­ches und lei­ten­den Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­tern er­teilt wer­den. Es ist nicht er­sicht­lich, dass die­se Wei­sun­gen über das hin­aus­ge­hen, was der Werk­be­stel­ler dem Werk­un­ter­neh­mer selbst oder des­sen Erfüllungs­ge­hil­fen für die Ausführun­gen der ge­schul­de­ten Leis­tung er­tei­len darf. Ins­be­son­de­re lie­gen kei­ne An­halts­punk­te dafür vor, dass das Di­rek­ti­ons­recht gemäß § 106 Ge­wO bei der Ar­beit­ge­be­rin liegt. Nach der ge­trof­fe­nen Ver­trags­ge­stal­tung wird die­ses viel­mehr al­lein von der Team­lei­te­rin M. aus­geübt, die ih­rer­seits eben­falls bei der O. GmbH beschäftigt ist.

Die Kam­mer weist im Übri­gen dar­auf hin, dass Ärz­te, Pfle­ger und Ver­ant­wort­li­che des Ser­vice­be­rei­ches auch in der Ver­gan­gen­heit nicht wei­sungs­be­fugt ge­genüber den bei der Ar­beit­ge­be­rin in ei­nem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den Mit­ar­bei­tern der Pfor­te wa­ren. Je­den­falls seit dem 29.03.2013 ist vor­lie­gend ei­ne kla­re Tren­nung er­folgt, da die Ar­beit­ge­be­rin kei­ne ei­ge­nen Ar­beit­neh­mer mehr in die­sem Be­reich ein­setzt.

Über­schnei­dun­gen mit Auf­ga­ben der Mit­ar­bei­ter in der Post­stel­le oder der Pa­ti­en­ten­ver­wal­tung lie­gen eben­falls nicht vor. Nach dem un­wi­der­spro­chen ge­blie­be­nen Vor­trag der Ar­beit­ge­be­rin ist die Pfor­te le­dig­lich dafür zuständig, die dort auf­ge­lau­fe­ne Post an die Post­zen­tra­le wei­ter­zu­lei­ten. Es han­delt sich mit­hin um ei­ne Tätig­keit, die mit dem Trans­port­dienst ei­ner Kli­nik ver­gleich­bar ist. Auch die Be­ar­bei­tung der Aus­gangs­post, ins­be­son­de­re das Fran­kie­ren

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der Post, ist in die­sem Sin­ne ein­deu­tig ab­grenz­bar und spricht nicht für ei­ne Ein­glie­de­rung im be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Sinn.

Ent­spre­chen­des gilt für die von den Mit­ar­bei­tern der Pfor­te wahr­zu­neh­men­de Pa­ti­en­ten­auf­nah­me. Hier liegt ei­ne Zuständig­keit der Mit­ar­bei­ter der Pfor­te nur außer­halb der Dienst­zeit in der zen­tra­len Pa­ti­en­ten­auf­nah­me vor, so dass Über­schnei­dun­gen nicht vor­lie­gen. Ins­be­son­de­re ist ei­ne Dis­po­si­ti­on des Ein­sat­zes der Ar­beits­kräfte durch die Ar­beit­ge­be­rin nicht er­for­der­lich.

In der Na­tur der Sa­che liegt, dass sich die Tätig­keit in der Pfor­te als sol­che durch die Aus­glie­de­rung nicht verändert hat. Dar­auf kommt es aber nach den dar­ge­stell­ten Grundsätzen nicht an, da ei­ne Ein­glie­de­rung noch nicht vor­liegt, wenn die zu er­brin­gen­de Leis­tung hin­sicht­lich Art, Um­fang, Güte, Zeit und Ort in den be­trieb­li­chen Ar­beits­pro­zess ein­ge­plant ist (BAG vom 13.05.2014, 1 ABR 50/12 Rn. 21).

Un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les, auch so­weit sie vor­ste­hend nicht aus­drück­lich erwähnt wur­den, muss­te des­halb fest­ge­stellt wer­den, dass die Ar­beit­ge­be­rin bezüglich der in der Pfor­te ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter nicht das für ein Ar­beits­verhält­nis ty­pi­sche Wei­sungs­recht in­ne­hat und die Ent­schei­dung über den Ein­satz nach In­halt, Ort und Zeit trifft. Viel­mehr ob­lie­gen die Ge­stal­tung des Dienst­plans, die Ur­laubs­pla­nung, die Ausübung des Wei­sungs­rechts nach § 106 Ge­wO und al­le an­de­ren Maßnah­men, für die ein Mit­be­stim­mungs­recht ei­nes Be­triebs­rats be­ste­hen kann, aus­sch­ließlich der O. GmbH.

Der Be­triebs­rat hat des­halb kei­nen An­spruch auf Auf­he­bung der im Streit ste­hen­den Per­so­nal­maßnah­men gemäß § 101 Satz 1 Be­trVG. Die Ar­beit­ge­be­rin muss­te den Be­triebs­rat auch nicht vor ei­nem Ein­satz von Mit­ar­bei­tern der O. GmbH in der Pfor­te un­ter­rich­ten und ihn gemäß § 99 Be­trVG be­tei­li­gen. Ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­steht nicht.

Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats war mit­hin zurück­zu­wei­sen.

Die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de be­ruht auf §§ 92, 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

Lei­bold
Klei­er
Fel­gen­treu

 


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