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BAG, Ur­teil vom 08.06.2016, 7 AZR 339/14

   
Schlagworte: Befristung des Arbeitsvertrags, Befristung: Vergleich
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 7 AZR 339/14
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 08.06.2016
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Potsdam, Urteil vom 22.04.2013, 9 Ca 94/13
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 12.12.2013, 25 Sa 1079/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 AZR 339/14
25 Sa 1079/13
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
08. Ju­ni 2016

UR­TEIL

Wirth, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

be­klag­tes, be­ru­fungs­be­klag­tes und re­vi­si­ons­be­klag­tes Land,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 8. Ju­ni 2016 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Renn­pferdt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Was­kow so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Au­hu­ber und Meißner für Recht er­kannt:

 

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Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 12. De­zem­ber 2013 - 25 Sa 1079/13 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2012 ge­en­det hat.

Die Kläge­rin war bei dem be­klag­ten Land zunächst auf­grund ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags in der Zeit vom 25. Mai 2009 bis zum 24. Mai 2011 beschäftigt. In dem sich an­sch­ließen­den Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren blieb die Be­wer­bung der Kläge­rin un­berück­sich­tigt. Das be­klag­te Land stell­te ei­ne an­de­re Be­wer­be­rin ein. Dar­auf­hin er­hob die Kläge­rin ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der Be­fris­tung zum 24. Mai 2011 und be­an­trag­te fer­ner die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung im Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren so­wie ih­re Ein­stel­lung auf der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le. Das Ar­beits­ge­richt wies die Kla­ge ab. Im Lau­fe des Be­ru­fungs­ver­fah­rens bot das be­klag­te Land der Kläge­rin zur Bei­le­gung des Rechts­streits den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags im We­ge ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs an. Nach­dem die Par­tei­en über die Be­din­gun­gen der be­fris­te­ten Beschäfti­gung Ei­nig­keit er­zielt hat­ten, bat der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin den Be­klag­ten­ver­tre­ter, de m Lan­des­ar­beits­ge­richt den Ver­gleichs­vor­schlag mit­zu­tei­len, er wer­de ihn so­dann an­neh­men. Dar­auf­hin teil­te der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des be­klag­ten Lan­des dem Lan­des­ar­beits­ge­richt mit Schrift­satz vom 2. De­zem­ber 2011 Fol­gen­des mit:

 

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„In dem Rechts­streit …

ha­ben die Par­tei­en sich ge­ei­nigt und bit­ten gem. § 278 Abs. 6 ZPO zu be­sch­ließen, dass nach­ste­hen­der Ver­gleich zu­stan­de ge­kom­men ist.

1. Die Par­tei­en sind sich ei­nig, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de in dem Ände­rungs­ver­trag vom 21.05.2010 zum Ar­beits­ver­trag vom 15.05.2009 zum 24.05.2011 ge­en­det hat.

2. Die Par­tei­en sind sich ei­nig, dass die zu­un­guns­ten der Kläge­rin er­gan­ge­ne Aus­wah­l­ent­schei­dung des be­klag­ten Lan­des zur Be­set­zung der Stel­le als Be­ar­bei­te­rin/Be­ar­bei­ter Auf­sicht für un­terstützen­de Wohn­for­men (Kenn­zahl:) im De­zer­nat Auf­sicht für un­terstützen­de Wohn­for­men am Stand­ort P wirk­sam ist.

3. Das be­klag­te Land Bran­den­burg beschäftigt die Kläge­rin ab dem 01.01.2012 bis zum 31.12.2012 als Be­ar­bei­te­rin Auf­sicht für un­terstützen­de Wohn­for­men in der Außen­stel­le P un­ter Auf­recht­er­hal­tung des Di­rek­ti­ons­rechts in der Ent­gelt­grup­pe 6. Ei­ne Pro­be­zeit be­steht nicht.

4. Das Ar­beits­verhält­nis en­det zum 31.12.2012, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf (§ 14 Abs. 1 Nr. 8 Tz­B­fG).

5. Die Be­ru­fungskläge­rin trägt die ihr ent­stan­de­nen Kos­ten des Rechts­strei­tes so­wie die Kos­ten des be­klag­ten Lan­des in dem Be­ru­fungs­ver­fah­ren.

6. Da­mit ist der Rechts­streit 18 Sa 2018/11 er­le­digt.“

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt un­ter­brei­te­te dar­auf­hin den Par­tei­en un­ter dem 5. De­zem­ber 2011 ei­nen Ver­gleichs­vor­schlag, der mit dem Ver­gleichs­vor­schlag des Be­klag­ten­ver­tre­ters übe­rein­stimm­te. Es for­der­te zur Stel­lung­nah­me bin­nen zwei Wo­chen auf und führ­te ergänzend aus, es ge­he von der An­nah­me des Ver­gleichs sei­tens des be­klag­ten Lan­des aus, da der Ver­gleichs­vor­schlag des­sen An­re­gung ent­spre­che. Nach­dem der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin mit Schrift­satz vom 21. De­zem­ber 2011 sein Ein­verständ­nis erklärt hat­te, stell­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt am 22. De­zem­ber 2011 das Zu­stan­de­kom­men des Ver­gleichs fest. Am 30. De­zem­ber 2011 un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en ei­nen zum 31. De­zem­ber 2012 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag.

 

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Mit ih­rer am 16. Ja­nu­ar 2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und dem be­klag­ten Land am 24. Ja­nu­ar 2013 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat die Kläge­rin die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­fris­tung sei man­gels ei­nes sie recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds un­wirk­sam. Sie be­ru­he nicht auf ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich iSv. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG. Zwi­schen den Par­tei­en ha­be im Zeit­punkt des Ver­gleichs­schlus­ses kein of­fe­ner Streit über die Wirk­sam­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung zum 24. Mai 2011 be­stan­den. Es feh­le außer­dem an der er­for­der­li­chen Mit­wir­kung des Ge­richts an dem Ab­schluss des Ver­gleichs. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be den zwi­schen den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Par­tei­en ver­ein­bar­ten Ver­gleich oh­ne in­halt­li­che Prüfung als ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag über­nom­men. Der Ver­gleich sei nicht nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO zu­stan­de ge­kom­men.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis auf­grund des Ar­beits­ver­trags und der dar­in ent­hal­te­nen Be­fris­tungs­ab­re­de vom 30. De­zem­ber 2011 so­wie des ge­richt­li­chen Ver­gleichs mit Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg zum Geschäfts­zei­chen - 18 Sa 2018/11 - vom 22. De­zem­ber 2011 nicht zum 31. De­zem­ber 2012 ge­en­det hat, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen darüber hin­aus fort­be­steht.

Das be­klag­te Land hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Das be­klag­te Land hat die An­sicht ver­tre­ten, der Ver­gleich sei nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO zu­stan­de ge­kom­men und recht­fer­ti­ge da­her die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG. Je­den­falls sei es der Kläge­rin nach § 242 BGB ver­wehrt, sich auf die Un­wirk­sam­keit der in dem Ver­gleich ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zu be­ru­fen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Be­geh­ren wei­ter. Das be­klag­te Land be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.

 

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Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2012 ge­en­det.

I. Bei dem Fest­stel­lungs­an­trag han­delt es sich aus­sch­ließlich um ei­ne ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2012 ge­rich­te­te Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge iSv. § 17 Satz 1 Tz­B­fG. Die Kläge­rin greift die Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2012 an, die Ge­gen­stand des am 22. De­zem­ber 2011 fest­ge­stell­ten Ver­gleichs ist und im Ar­beits­ver­trag vom 30. De­zem­ber 2011 noch­mals de­kla­ra­to­risch fest­ge­hal­ten wur­de. Hier­bei han­delt es sich um ei­nen ein­heit­li­chen Streit­ge­gen­stand. Dem letz­ten Halb­satz des Kla­ge­an­trags („… son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen darüber hin­aus fort­be­steht“) ist kei­ne ei­genständi­ge Be­deu­tung im Sin­ne ei­ner all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­kla­ge iSv. § 256 Abs. 1 ZPO bei­zu­mes­sen, da an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände nicht im Streit sind.

II. Die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ist un­be­gründet. Die Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2012 ist nach § 14 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt, da sie auf ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich be­ruht.

1. Die Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2012 gilt nicht be­reits nach § 17 Satz 2 Tz­B­fG iVm. § 7 Halbs. 1 KSchG als wirk­sam, denn die Kläge­rin hat de­ren Un­wirk­sam­keit recht­zei­tig in­ner­halb der Drei-Wo­chen-Frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG gel­tend ge­macht. Die Kla­ge­schrift vom 16. Ja­nu­ar 2013 ist beim Ar­beits­ge­richt am sel­ben Tag ein­ge­gan­gen und dem be­klag­ten Land am 24. Ja­nu­ar 2013 und da­mit demnächst iSv. § 167 ZPO zu­ge­stellt wor­den.

 

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2. Die Be­fris­tung des letz­ten Ar­beits­ver­trags zum 31. De­zem­ber 2012, die auf­grund der vor­an­ge­gan­ge­nen Beschäfti­gung der Kläge­rin bei dem be­klag­ten Land ei­nes sach­li­chen Grunds be­durf­te, ist nach § 14 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt.

a) Nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG liegt ein sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags vor, wenn sie auf ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich be­ruht.

aa) Vor­aus­set­zung für den Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG ist die Ver­ein­ba­rung ei­ner Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich, so­weit die Par­tei­en dar­in zur Be­en­di­gung ei­nes Kündi­gungs­schutz­ver­fah­rens oder ei­nes sons­ti­gen Rechts­streits über den Fort­be­stand oder die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ei­ni­gung er­zie­len (vgl. BAG 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 23; 12. No­vem­ber 2014 - 7 AZR 891/12 - Rn. 13, BA­GE 150, 8; 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 13, BA­GE 140, 368).

(1) Der ge­richt­li­che Ver­gleich, mit dem die Par­tei­en zur Bei­le­gung ei­ner Rechts­strei­tig­keit ein be­fris­te­tes oder auflösend be­ding­tes Ar­beits­verhält­nis ver­ein­ba­ren, un­ter­liegt kei­ner wei­te­ren Be­fris­tungs­kon­trol­le. De­ren Funk­ti­on erfüllt das Ar­beits­ge­richt durch sei­ne ord­nungs­gemäße Mit­wir­kung beim Zu­stan­de­kom­men des Ver­gleichs. Dem Ge­richt als Grund­rechts­ver­pflich­te­ten iSd. Art. 1 Abs. 3 GG ob­liegt im Rah­men der ar­beits­ge­richt­li­chen Be­fris­tungs­kon­trol­le die Auf­ga­be, den Ar­beit­neh­mer vor ei­nem grund­lo­sen Ver­lust sei­nes Ar­beits­plat­zes zu be­wah­ren und da­mit ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich der wech­sel­sei­ti­gen, grund­rechts­geschütz­ten In­ter­es­sen der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zu fin­den. Die­se aus Art. 12 Abs. 1 GG ab­ge­lei­te­te Schutz­pflicht erfüllt das Ge­richt nicht nur durch ein Ur­teil, son­dern auch im Rah­men der gütli­chen Bei­le­gung ei­nes Rechts­streits. Schlägt das Ar­beits­ge­richt zur Be­en­di­gung des Ver­fah­rens über den Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ei­nen Ver­gleich vor, der ei­ne wei­te­re, al­ler­dings zeit­lich be­grenz­te Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor­sieht, ist das im Re­gel­fall ei­ne hin­rei­chen­de Gewähr dafür, dass die­se Be­fris­tung nicht des­we­gen gewählt wor­den ist, um dem Ar­beit­neh­mer grund­los den ge­setz­li-

 

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chen Be­stands­schutz zu neh­men (vgl. BAG 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 24; 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 13, BA­GE 140, 368; 23. No­vem­ber 2006 - 6 AZR 394/06 - Rn. 55, BA­GE 120, 251).

(2) Der Sach­grund des ge­richt­li­chen Ver­gleichs setzt ne­ben der Mit­wir­kung des Ge­richts am Zu­stan­de­kom­men des Ver­gleichs das Be­ste­hen ei­nes of­fe­nen Streits der Par­tei­en über den Fort­be­stand oder die Fort­set­zung des zwi­schen ih­nen be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses vor­aus. Da­bei er­for­dert der Sach­grund des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG nicht, dass der Ver­gleich zur Bei­le­gung ei­ner Be­stands­strei­tig­keit über den Ein­tritt oder die Wirk­sam­keit ei­nes Be­en­di­gungs­tat­be­stands (Kündi­gung, Be­fris­tung, auflösen­de Be­din­gung, Auf­he­bungs­ver­trag) ab­ge­schlos­sen wird. Auch ein Ver­gleich in ei­nem Rechts­streit, mit dem ein Ar­beit­neh­mer die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Ab­schluss ei­nes Fol­ge­ver­trags er­rei­chen will, kann die in dem Ver­gleich ver­ein­bar­te Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG recht­fer­ti­gen. Der­ar­ti­ge Strei­tig­kei­ten können bei­spiels­wei­se Ansprüche aus Art. 33 Abs. 2 GG, aus ver­trag­li­chen Zu­sa­gen, ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen wie in § 30 Abs. 2 TVöD/TV-L, aus § 242 BGB bei ei­nem Be­triebsüber­gang nach Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung (vgl. BAG 13. Mai 2004 - 8 AZR 198/03 - zu II 2 d cc der Gründe, BA­GE 110, 336) oder aus § 78 Satz 2 Be­trVG iVm. § 280 Abs. 1, § 823 Abs. 2, § 249 Abs. 1 BGB bei Be­nach­tei­li­gung von Be­triebs­rats­mit­glie­dern zum Ge­gen­stand ha­ben (vgl. BAG 12. No­vem­ber 2014 - 7 AZR 891/12 - Rn. 17, BA­GE 150, 8). Die Par­tei­en müssen da­bei ge­gensätz­li­che Rechts­stand­punk­te darüber ein­ge­nom­men ha­ben, ob bzw. wie lan­ge zwi­schen ih­nen ein Ar­beits­verhält­nis be­steht. Ins­be­son­de­re muss der Ar­beit­neh­mer nach­drück­lich sei­ne Rechts­po­si­ti­on ver­tre­ten und ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­macht ha­ben. Der Ar­beit­ge­ber muss es dar­auf­hin ab­ge­lehnt ha­ben, den Ar­beit­neh­mer ent­spre­chend sei­ner For­de­rung zu beschäfti­gen (BAG 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 13, BA­GE 140, 368).

(3) Ein nach § 278 Abs. 6 ZPO zu­stan­de ge­kom­me­ner Ver­gleich erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs iSv. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG nur dann, wenn das Ge­richt am Ver­gleich ver­ant­wort­lich mit­wirkt. Des-

 

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halb genügt in der Re­gel nur ein nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO zu­stan­de ge­kom­me­ner ge­richt­li­cher Ver­gleich den An­for­de­run­gen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG. Nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO wird ein Ver­gleich da­durch ge­schlos­sen, dass die Par­tei­en ei­nen schrift­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag des Ge­richts durch Schrift­satz ge­genüber dem Ge­richt an­neh­men. Durch den Ver­gleichs­vor­schlag wirkt das Ge­richt am In­halt des Ver­gleichs ver­ant­wort­lich mit. Das gilt auch dann, wenn das Ge­richt sich ei­nen von den Par­tei­en vor­ge­leg­ten Ei­ni­gungs­ent­wurf als sei­nen Vor­schlag zu ei­gen macht und die­sen den Par­tei­en un­ter­brei­tet (vgl. BAG 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 28; 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 25, BA­GE 140, 368; 23. No­vem­ber 2006 - 6 AZR 394/06 - Rn. 55 f., BA­GE 120, 251).

bb) Wird der Ver­gleich hin­ge­gen nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO da­durch ge­schlos­sen, dass die Par­tei­en dem Ge­richt ei­nen übe­rein­stim­men­den schrift­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag un­ter­brei­ten, fehlt es in der Re­gel an der er­for­der­li­chen ver­ant­wort­li­chen Mit­wir­kung des Ge­richts (BAG 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 26; 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 19, BA­GE 140, 368). Bei ei­nem sol­chen Ver­gleich ist der ge­richt­li­che Bei­trag - ab­ge­se­hen von der Prüfung von Verstößen ge­gen Straf­ge­set­ze und ge­gen §§ 134, 138 BGB - re­gelmäßig auf ei­ne Fest­stel­lungs­funk­ti­on be­schränkt (vgl. BAG 14. Ja­nu­ar 2015 - 7 AZR 2/14 - Rn. 28; 15. Fe­bru­ar 2012 - 7 AZR 734/10 - Rn. 25, aaO). Ei­ne auf ei­nem sol­chen Ver­gleich be­ru­hen­de Be­fris­tung ist des­halb in der Re­gel nicht nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG sach­lich ge­recht­fer­tigt.

b) Im Streit­fall sind die an ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich iSv. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG zu stel­len­den An­for­de­run­gen erfüllt. Es kann da­hin­ste­hen, ob der Ver­gleich nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO zu­stan­de ge­kom­men ist. Je­den­falls erfüllt der Ver­gleich die Vor­aus­set­zun­gen des § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO. In die­ser Form genügt er aus­nahms­wei­se als Sach­grund für die Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG, da er un­ter ver­ant­wort­li­cher Mit­wir­kung des Ge­richts zu­stan­de ge­kom­men ist.

 

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aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, der Ver­gleich sei nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO zu­stan­de ge­kom­men. Der ge­richt­li­che Ver­gleichs­vor­schlag vom 5. De­zem­ber 2011 sei nicht nur von der Kläge­rin, son­dern auch sei­tens des be­klag­ten Lan­des be­reits vor­ab mit Schrift­satz vom 2. De­zem­ber 2011 an­ge­nom­men wor­den. Die Fra­ge, ob ei­ne Par­tei schon vor der Un­ter­brei­tung ei­nes ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlags des­sen An­nah­me erklären kann, ist höchst­rich­ter­lich nicht geklärt (of­fen­ge­las­sen von BGH 14. Ju­li 2015 - VI ZR 326/14 - Rn. 21, BGHZ 206, 219; ver­nei­nend OLG Hamm 13. Ja­nu­ar 2012 - 9 U 45/11 -; Nun­geßer NZA 2005, 1027, 1031). Dem könn­ten der Wort­laut von § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 2 ZPO und die im In­ter­es­se der Rechts­si­cher­heit grundsätz­lich ge­bo­te­ne Form­s­tren­ge beim Ab­schluss ei­nes Ver­gleichs ent­ge­gen­ste­hen.

bb) Die­se Fra­ge be­darf kei­ner Ent­schei­dung, da der Ver­gleich den An­for­de­run­gen des § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO genügt und die­ser Ver­gleich aus­nahms­wei­se die Be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG recht­fer­tigt.

(1) Der Ver­gleichs­schluss nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO setzt vor­aus, dass die Par­tei­en dem Ge­richt ei­nen übe­rein­stim­men­den Ver­gleichs­vor­schlag un­ter­brei­ten. Der Vor­schlag muss die Pro­zes­serklärung ent­hal­ten, die Par­tei­en be­ab­sich­tig­ten ei­nen Ver­gleichs­schluss nach § 278 Abs. 6 ZPO. Ein Ver­gleichs­vor­schlag bei­der Par­tei­en iSv. § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO liegt auch dann vor, wenn ei­ne Par­tei dem Ge­richt ei­nen Ver­gleichs­vor­schlag un­ter­brei­tet und die an­de­re Par­tei ge­genüber dem Ge­richt erklärt, sie sei mit die­sem Ver­gleichs­vor­schlag ein­ver­stan­den (vgl. et­wa Mu­sielak/Voit/Fo­ers­te ZPO 13. Aufl. § 278 Rn. 17a; Wiec­zo­rek/Schütze/Ass­mann 4. Aufl. § 278 ZPO Rn. 84; Nun­geßer NZA 2005, 1027, 1029).

(2) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind erfüllt. Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des be­klag­ten Lan­des hat mit Schrift­satz vom 2. De­zem­ber 2011 dem Ge­richt ei­nen Ver­gleichs­vor­schlag un­ter­brei­tet. Er hat den In­halt des ab­zu­sch­ließen­den Ver­gleichs mit­ge­teilt und um ei­nen Be­schluss nach § 278 Abs. 6 ZPO er­sucht. Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat mit Schrift­satz vom 21. De­zem­ber 2011 dem Ge­richt mit­ge­teilt, mit die­sem Ver­gleichs­vor­schlag be­ste­he Ein­ver-

 

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ständ­nis. Er hat zwar erklärt, den ge­richt­li­chen Ver­gleichs­vor­schlag an­zu­neh­men. Da der ge­richt­li­che Ver­gleichs­vor­schlag je­doch mit dem Ver­gleichs­vor­schlag des be­klag­ten Lan­des übe­rein­stimm­te, lag in die­ser Erklärung zu­gleich die An­nah­me des Vor­schlags des be­klag­ten Lan­des.

(3) Der nach § 278 Abs. 6 Satz 1 Alt. 1 ZPO zu­stan­de ge­kom­me­ne Ver­gleich genügt aus­nahms­wei­se den an ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 Tz­B­fG zu stel­len­den An­for­de­run­gen, da das Ge­richt durch sei­nen Ver­gleichs­vor­schlag am In­halt des Ver­gleichs ver­ant­wort­lich mit­ge­wirkt hat. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das Ge­richt sich den Ver­gleichs­vor­schlag des be­kla­gen Lan­des zu ei­gen ge­macht und die­sen den Par­tei­en un­ter­brei­tet hat. Es gibt kei­nen An­halts­punkt für die An­nah­me, das Ge­richt sei hier­bei sei­ner aus Art. 12 Abs. 1 GG ab­ge­lei­te­ten Schutz­pflicht nicht nach­ge­kom­men. Der Um­stand, dass die Kläge­rin ih­re Be­ru­fung noch nicht be­gründet hat­te, schloss ei­ne in­halt­li­che Prüfung nicht aus.

cc) Die Par­tei­en ha­ben den Ver­gleich zur Be­en­di­gung ei­nes of­fe­nen Streits über die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­schlos­sen. Die Kläge­rin hat­te nicht nur ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge in Be­zug auf die Be­fris­tung zum 24. Mai 2011 er­ho­ben, son­dern auch un­ter Be­ru­fung auf Art. 33 Abs. 2 GG die Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung im Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren so­wie ih­re Ein­stel­lung auf der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le be­an­tragt. Die­ser of­fe­ne Streit über die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses wur­de aus­weis­lich der Re­ge­lung in Zif­fer 2 des Ver­gleichs bei­ge­legt. Auf den Ein­wand der Kläge­rin, es ha­be kein of­fe­ner Streit über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung be­stan­den, kommt es da­her nicht an.

 

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III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Gräfl

Was­kow

M. Renn­pferdt

Au­hu­ber

Meißner

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