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Arbeitsrecht aktuell: 10/053 Prekäre Arbeitsverhältnisse bei Schlecker




Aufstieg der Drogeriekette Schlecker

17.03.2010. Anton Schlecker begann als Betreiber einiger vom Vater übernommener Metzgereifilialen und expandierte seit Mitte der 70er Jahre mit Discount-Drogerie-Märkten.

Der Erfolg des der Drogeriemarktkette "Schlecker" wird allerdings seit längerem von öffentlicher Kritik an prekären Arbeitsverhältnissen begleitet. Aktuelle Stichworte sind Lohndumping und Tarifflucht durch die Einschaltung eines zum Konzern gehörenden, jedenfalls eng mit der Konzernleitung verbundenen Zeitarbeitsunternehmens.

Im folgenden finden Sie einige Informationen zum Hintergrund des Aufstiegs des Selfmademanns Anton Schlecker.

von Rechtsanwalt Sebastian W. Kreuziger, Berlin

Anton Schlecker

Anton Schlecker kann auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurückblicken. Bereits 1965, im Alter von 21 Jahren, trat er in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein, das damals noch aus einer Fleischwarenfabrik und einigen Metzgereifilialen bestand. Als im Jahr 1974 die Preisbindung für Markenartikel durch eine Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) wegfiel, bewies Schlecker Spürsinn und begann, die damals noch wenig verbreiteten Discount-Drogerie-Märkte zu eröffnen.

Aufstieg eines Selfmademans

In den folgenden drei Jahrzehnten war seine Unternehmenspolitik durch aggressive Expansion geprägt. Die Zahl der "AS-Märkte" wuchs schnell bis tief in den vierstelligen Bereich. Anders als seine Mitbewerber setzte der Selfmade-Milliardär nicht auf attraktive, weiträumige Läden, sondern auf kleine Flächen mit niedrigen Mieten und ein - wie es auf der Schlecker -Homepage umschrieben wird - straff organisiertes Management. Seit Mitte der neunziger Jahre gilt Schlecker als Marktführer unter den Drogeriemärkten.

Seitdem allerdings drangen immer öfter Informationen über prekäre Arbeitsbedingungen bei Schlecker an die Öffentlichkeit. Besonders unrühmlich (und von ver.di immer wieder gern erwähnt) ist dabei ein Stuttgarter Strafbefehl aus dem Jahr 1998. Wegen Betruges wurden Anton Schlecker und seine Frau Christa seinerzeit zu jeweils zehn Monate auf Bewährung sowie Geldstrafen von insgesamt einer Million Euro verurteilt. Das Paar hatte jahrelang einer Reihe seiner Angestellten eine tarifliche Bezahlung vorgetäuscht. Sicherlich auch motiviert durch die mit dieser Verurteilung verbundene schlechte Publicity schloss Schlecker im Jahr 2001 mit der damals frisch gegründeten Gewerkschaft ver.di einen Anerkennungstarifvertrag, durch den sich das Unternehmen im Wesentlichen dazu verpflichtete, seinen Angestellten die im Einzelhandel üblichen Tariflöhne zu zahlen.

Wachsender Konkurrenzdruck

Im Laufe der letzten Dekade verschärften sich die Wettbewerbsbedingungen für Schlecker zunehmend. Mitbewerber wie dm und Rossmann gewannen mit geräumigen, lichtdurchfluteten Ladenausstattungen immer mehr Marktanteile. Erneute Skandale um die Arbeitsbedingungen bei Schlecker erschütterten den Konzern. Das Konzept, die Kosten um jeden Preis niedrig zu halten und ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis hatten seinerseits ihren Preis.

Enge, vollgepackte Filialen in unattraktiven (und damit kostengünstigen) Lagen führten zu einem Schmuddelimage. Systematische Überwachungen durch Kameras, Detektive und Kontrollbesuche durch die Familie Schlecker erweckten in der Öffentlichkeit den Eindruck, es werde ein Klima der Angst geschaffen. Auch bei den Personalkosten sparte Schlecker. Oft werden die Läden nur durch einen Verkäufer pro Schicht geführt, der für alle betrieblichen Aspekte von der Beratung über den Verkauf bis hin zur Warenverteilung allein verantwortlich ist. Damit verbunden ist ein enormes Risiko für die - zumeist weiblichen - Angestellten. Schlecker selbst räumt ein, dass sich die Zahl der jährlichen Überfälle auf seine Filialen "im unteren dreistelligen Bereich" bewegt.

Wie genau die Geschäftslage von Schlecker in den letzten zwei Jahren aussieht, ist nicht näher bekannt. Die Familie Schlecker hält sich traditionell bedeckt. Alle in der Presse kursierenden Zahlen sind - ebenso wie die Schätzungen von ver.di - daher mit Vorsicht zu betrachten. Tatsache ist, dass der zunehmende Konkurrenzdruck an dem Marktführer nagt. Den niedrigen Mieten und der dünnen Personaldecke stehen ein hoher logistischer Aufwand und teilweise fehlende Rendite in einer Reihe der Kleinfilialen gegenüber.

Nähere Informationen finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2011

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Arbeitsrecht aktuell:


Berlin, 19.05.2012
Teilzeitanspruch:

Arbeitszeitverringerung im Eilverfahren

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11

Berlin, 17.05.2012
Outsourcing:

Tarifvertrag und Betriebsübergang

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10

Berlin, 17.05.2012
Öffentlicher Dienst:

Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

München, 16.05.2012
Altersversorgung:

Betriebliche Übung und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung bei Krankheit

Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
Leiharbeit:

Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
Whistleblowing:

Fristlose Kündigung wegen Strafanzeige

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

Gehaltsüberzahlung bei Überstundenvergütung

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel

Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
Kündigung und Krankheit:

Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11

Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10

Köln, 24.04.2012
Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

Frankfurt, 23.04.2012
Fristlose Kündigung:

Kündigung wegen Stalkings

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10

Berlin, 14.03.2012
Wettbewerbsverbot:

Wettbewerbsverbot - Anrechung von Arbeitslosengeld auf die Karenzentschädigung?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10