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ARBEITSRECHT AKTUELL // 10/054

XL-Märk­te bei Schle­cker

Miss­brauch der Zeit­ar­beit?
Wanduhr Schle­cker: Miss­brauch der Leih­ar­beit?
18.03.2010. In Ar­beits­recht ak­tu­ell 10/053 "Pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se bei Schle­cker" be­rich­te­ten wir über den Auf­stieg des In­ha­bers der Schle­cker-Dro­ge­rie­markt­ket­te An­ton Schle­cker.

Nach ei­ner stra­te­gi­schen Neu­ori­en­tie­rung von Schle­cker wur­den bun­des­weit grö­ße­re Fi­lia­len, so ge­nann­te XL-Märk­te er­rich­tet.

Die­se wur­den zu­meist in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der al­ten Fi­lia­len, die dann ge­schlos­sen wur­den, er­öff­net. Die bis­he­ri­gen Mit­ar­bei­ter der al­ten Fi­lia­len wur­den zu nied­ri­ge­ren Löh­nen un­ter Ta­rif und teil­wei­se über ein Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men neu ein­ge­stellt. In der Öf­fent­lich­keit wur­de Schle­cker des­halb für den Miss­brauch der Zeit­ar­beit, Ta­rif­flucht und Lohn­dum­ping kri­ti­siert. Der vor­lie­gen­de Bei­trag be­leuch­tet das Kon­zept der XL-Märk­te ge­nau­er.

Mit­te 2008 be­schloss die Fa­mi­lie Schle­cker an­ge­sichts des veränder­ten Markt­um­fel­des ei­nen Stra­te­gie­wech­sel - weg von bil­lig wir­ken­den Stand­or­ten hin zu den bei den Wett­be­wer­bern be­lieb­ten Großläden.

Seit­dem wur­den et­wa 1.000 um­satz­schwa­che AS-Märk­te ge­schlos­sen und cir­ca 250 "XL-Märk­te" eröff­net. Die­se neu­en, großen Märk­te wer­den von der Schle­cker XL GmbH be­trie­ben, die En­de 2008 ge­gründet wur­de.

Oberflächlich be­trach­tet liegt da­bei nur ei­ne Funk­ti­ons­nach­fol­ge und kein Be­triebsüber­gang im Sin­ne des § 613a Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) vor. Dem­ent­spre­chend ge­hen die Ar­beits­verhält­nis­se der AS-Mit­ar­bei­te­rin­nen nicht auf die XL-Märk­te über. Die­se er­hal­ten statt­des­sen ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung und ver­lie­ren mit ih­rem Ar­beits­verhält­nis zu­gleich ih­ren Kündi­gungs­schutz, ih­ren Ta­rif­lohn, ih­re deut­lich über dem ge­setz­li­chen Min­des­t­ur­laub lie­gen­den Ur­laubs­ansprüche und - je­den­falls be­zo­gen auf ei­ni­ge Fi­lia­le - ih­re Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung.

Ei­ni­gen der AS-Mit­ar­bei­te­rin­nen wird von der Leih­ar­beits­fir­ma MENIAR Per­so­nal­ser­vice GmbH ei­ne Stel­le an­ge­bo­ten. Wer die­se an­nimmt, ar­bei­tet fort­an zu Ar­beits­be­din­gun­gen, die an dem Ta­rif­ver­trag der um­strit­te­nen Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Zeit­ar­beit (CG­ZP) aus­ge­rich­tet sind. Ef­fek­tiv be­deu­tet dies im Ein­zel­fall ein bis zu 50 % nied­ri­ge­rer St­un­den­lohn, ein deut­li­cher re­du­zier­ter Jah­res­laub und kein Weih­nachts- oder Ur­laubs­geld. Aus­ge­lie­hen wer­den die Mit­ar­bei­te­rin­nen an die Schle­cker XL GmbH. Im Er­geb­nis wird die Stamm­be­leg­schaft al­so durch bil­li­ge Leih­ar­beit­neh­mer aus­ge­tauscht und auf die­se Wei­se mas­siv an den Per­so­nal­kos­ten ge­spart.

Schle­cker be­strei­tet, dass hin­ter der Sch­ließung von AS-Märk­ten und der Eröff­nung von XL-Märk­ten ein ein­heit­li­ches Kon­zept steht. Dies würde nämlich zur An­nah­me ei­ner Be­triebsände­rung im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­rech­tes führen und da­mit den Be­triebsräten Möglich­kei­ten der Mit­be­stim­mung in wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten eröff­nen. So­wohl das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg als auch das LAG Nie­der­sach­sen moch­ten an­ge­sichts der Umstände ei­ne Be­triebsände­rung im Sin­ne von § 111 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) in Form der Be­triebs­ein­schränkung und der grund­le­gen­den Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nicht aus­sch­ließen und setz­ten auf An­trag des je­weils zuständi­gen Be­triebs­ra­tes ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le zur Re­ge­lung ei­nes So­zi­al­plans und In­ter­es­sen­aus­gleichs ein (wir be­rich­te­ten über den Fall des LAG Ber­lin-Bran­den­burg in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 09/173 Schle­cker ver­liert ge­gen Be­triebs­rat).

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Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

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