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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/074

Sach­grund­lo­se Be­fris­tung von Ar­beits­ver­trä­gen er­leich­tert

Sach­grund­lo­ser Zeit­ver­trag nach drei Jah­ren Pau­se er­neut mög­lich: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 06.04.2011, 7 AZR 716/09
Sanduhr mit rotem Sand Zank­ap­fel Be­fris­tung
14.04.2011. Ein Ar­beits­ver­hält­nis darf oh­ne ei­nen sach­li­chen Grund bis zu zwei Jah­re lang be­fris­tet wer­den (§ 14 Abs. 2 Satz 1 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz - Tz­B­fG). Das gilt nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG aber nicht, "wenn mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber be­reits zu­vor ein be­fris­te­tes oder un­be­fris­te­tes Ar­beits­ver­hält­nis be­stan­den hat“. Durch die­se Re­ge­lung sol­len Be­fris­tungs­ket­ten, d.h. ein Miss­brauch be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trä­ge ver­hin­dert wer­den.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hielt die ge­setz­li­che Re­ge­lung bis­her für ein­deu­tig und mein­te, dass auch weit in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­de "Zu­vor-Be­schäf­ti­gun­gen" ei­ne sach­grund­lo­se Be­fris­tung aus­schlie­ßen (BAG, Be­schluss vom 29.07.2009, 7 AZN 368/09). Nur we­ni­ge ju­ris­ti­sche Au­to­ren hal­ten ein so weit­rei­chen­des Ver­bot für über­trie­ben. Es war des­halb über­ra­schend, dass sich das BAG er­neut die Fra­ge stell­te, wel­che zeit­li­che Reich­wei­te § 14 Abs.2 Satz 2 Tz­B­fG hat (Ur­teil vom 06.04.2011, 7 AZR 716/09).

In dem vom BAG ent­schie­de­nen Fall hat­te ei­ne Leh­re­rin die Ent­fris­tung ih­res Ar­beits­ver­tra­ges ge­klagt, weil sie sechs Jah­re zu­vor für ih­ren Ar­beit­ge­ber als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft tä­tig ge­we­sen war. Sie blieb in al­len drei In­stan­zen, d.h. vor dem Ar­beits­ge­richt Chem­nitz, dem Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 15.09.2009, 7 Sa 13/09) und dem BAG er­folg­los. Die Be­fris­tung ist sach­grund­los mög­lich ge­we­sen, weil mehr als drei Jah­re zwi­schen den Ar­beits­ver­hält­nis­sen la­gen, so das BAG.

Fa­zit: Mit die­ser über­ra­schen­den Än­de­rung sei­ner Recht­spre­chung zieht das BAG als "Er­satz-Ge­setz­ge­ber" ei­ne fes­te zeit­li­che Gren­ze, bis zu der das Ver­bot der Zu­vor-Be­schäf­ti­gung an­zu­wen­den ist. Bis­her liegt le­dig­lich ei­ne Pres­se­mit­tei­lung vor. Die ge­naue Be­grün­dung des Ur­teils ist da­her noch nicht be­kannt. In je­dem Fall steht fest, dass län­ger als drei Jah­re zu­rück­lie­gen­de Ar­beits­ver­hält­nis­se künf­tig ei­nem oh­ne Sach­grund be­fris­te­ten er­neu­ten Ar­beits­ver­trag nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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