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Arbeitsrecht aktuell: 12/061 Chefarzt - Privatliquidationsrecht durch Schadensersatzanspruch gesichert




BAG erleichtert unberechtigt gekündigten Chefärzten die Durchsetzung ihres Privatliquidationsrechts

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09

08.02.2012. Zur Vergütung eines Chefarztes gehört das Recht, an den Erlösen der Behandlung von Privatpatienten beteiligt zu werden. Traditionell ist der Chefarzt berechtigt, diese Leistungen direkt gegenüber dem Patienten abzurechnen.

Dieses Liqudationsrecht kann der Chefarzt allerdings nicht nutzen, wenn der Krankenhausträger ihm infolge einer Kündigung die Beschäftigung verweigert. Stellt sich die Kündigung dann später als unberechtigt heraus, kann der Chefarzt einen finanziellen Ausgleich für die Einkommensverluste verlangen, die ihm infolge der unterbliebenen Behandlung von Privatpatienten entstanden sind.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat diese Regressmöglichkeit in einer aktuellen Entscheidung auf eine einheitliche und für Chefärzte günstige Grundlage gestellt (Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09).

Wie kann ein Chefarzt kündigungsbedingt entgangene Liquidationerlöse geltend machen?

Ein Chefarzt erhält für seine Tätigkeit nicht nur eine vom Krankenhausträger zu zahlende Festvergütung, sondern einen mehr oder weniger großen Anteil an den Honoraren für die Behandlung von Privatpatienten. Der Umfang dieser Erlöse ist vom Krankenhaus natürlich nicht garantiert, sondern hier muss der Chefarzt selbst zusehen, dass er Honorare erwirtschaftet.

Rechnet er Privatrechnungen vorsätzlich falsch ab, riskiert er eine verhaltensbedingte Kündigung. Da ein Chefarzt aber nach der Rechtsprechung des BAG praktisch immer Arbeitnehmer ist und daher dem Kündigungsschutzgesetz untersteht, muss der Krankenhausträger bei einer Kündigung "wegen unrichtiger Abrechnungen" nachweisen, dass der Chefarzt seine Pflichten tatsächlich schuldhaft verletzt hat. Unrichtige Abrechnungen sind dabei zwar oft leicht nachzuweisen, ein entsprechender Vorsatz aber nur selten, da eine objektiv unrichtige Abrechnung auf einem Versehen, d.h. auf Fahrlässigkeit beruhen kann. Die richtige Reaktion des Krankenhausträgers wäre dann eine Abmahnung, d.h. eine Kündigung wäre unverhältnismäßig und daher unwirksam.

Während der Dauer einer Kündigungsschutzklage wird der Chefarzt wie jeder Arbeitnehmer nicht mehr beschäftigt und kann daher sein Behandlungs- und Liquidationsrecht faktisch nicht ausüben. Das BAG hat in einer aktuellen Entscheidung die Möglichkeit des Chefarztes verbessert, den bei einer unwirksamen Kündigung entgehenden Liquidationserlös geltend zu machen.

BAG: Chefarzt kann bei entgangener Liquidationsmöglichkeit Schadensersatz verlangen

Einem Chefarzt gelang es nach einem jahrelang erbittert geführten Rechtsstreit, verschiedene Kündigungen wegen angeblichen Abrechnungsbetrugs abzuwehren. Während der Dauer des Verfahrens konnte er sein vertragliches Recht zur Behandlung von Privatpatienten bzw. zur Privatliquidation nicht ausüben. Den dadurch entgangenen Liquidationserlös klagte er ein.

Nach einer Niederlage vor dem Landesarbeitsgericht Hamm (Urteil vom 04.06.2009, 16 Sa 1557/08) hatte er vor dem BAG Erfolg. Das BAG stützte seine Entscheidung - anders als bisher - einheitlich auf einen Schadensersatzanspruch aus § 280 Abs.1 Satz 1 und § 283 Satz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Das Krankenhaus hätte nämlich in dem hier entschiedenen Fall, so das BAG, nicht davon ausgehen dürfen, dass seine Kündigungen wirksam waren. Es hatte dem Chefarzt daher schuldhaft die Ausübung seines Liquidationsrechts unmöglich gemacht und musste ihn daher so stellen, als hätte es diesen Fehler nicht begangen. Dass die Abrechnungen, die Auslöser der unrechtmäßigen Kündigungen waren, möglicherweise unrichtig erstellt worden waren, führt nicht zu einem Mitverschulden des Chefarztes und damit auch nicht zu einer Kürzung seiner Ansprüche, so das BAG.

Fazit: Das Urteil des BAG überzeugt im Ergebnis und in der Begründung. Eine unwirksame Kündigung und die damit verbundene unberechtigte Verweigerung der Beschäftigung des Arbeitnehmers ist letztlich Vertragsbruch. Nach einer unberechtigten Chefarzt-Kündigung müssen Krankenhausträger daher für sämtliche finanziellen Einbußen geradestehen, die dem unwirksam gekündigten Chefarzt durch diese rechtliche Fehlleistung des Krankenhauses entstanden sind. Bei der Berechnung ihrer Ansprüche können Chefärzte auf die Einnahmen verangegangner Jahre oder auf die Erlöse ihrer Nachfolger verweisen.

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Letzte Überarbeitung: 19. März 2012

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Berlin, 22.05.2012
Konkurrentenklage:

Mit Konkurrentenklage rechtswidrige Stellenbesetzung verhindert

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11

Berlin, 19.05.2012
Teilzeitanspruch:

Arbeitszeitverringerung im Eilverfahren

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11

Berlin, 17.05.2012
Outsourcing:

Tarifvertrag und Betriebsübergang

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10

Berlin, 17.05.2012
Öffentlicher Dienst:

Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

München, 16.05.2012
Altersversorgung:

Betriebliche Übung und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
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Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
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Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
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Fristlose Kündigung wegen Strafanzeige

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

Gehaltsüberzahlung bei Überstundenvergütung

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel

Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
Kündigung und Krankheit:

Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11

Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

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Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

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Fristlose Kündigung:

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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10