HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/071

Glei­cher Lohn für Leih­ar­beit­neh­mer und Aus­schluss­frist

Der An­spruch von Leih­ar­beit­neh­mern mit CG­ZP-Ar­beits­ver­trä­gen auf glei­chen Lohn un­ter­liegt ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2013, 5 AZR 954/11
Sanduhr mit rotem Sand Aus­schluss­fris­ten und Equal-Pay-An­sprü­che: Wie ge­won­nen, so zer­ron­nen?

18.03.2013. Nach § 9 Nr. 2 Ar­beit­neh­mer­über­las­sungs­ge­setz (AÜG) ha­ben Leih­ar­beit­neh­mer ei­nen An­spruch auf glei­che Be­zah­lung ("equal pay") wie ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer im Be­trieb des Ent­lei­hers.

Die­ser Grund­satz gilt nicht, wenn die die Zeit­ar­beits­fir­ma Leih­ar­beits-Ta­rif­ver­trä­ge an­wen­det. Bei Zeit­ar­beits­fir­men sehr be­liebt wa­ren hier frü­her die Ta­rif­ver­trä­ge der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und Per­so­nal­ser­vice­agen­tu­ren (CG­ZP), bis die CG­ZP im De­zem­ber 2010 vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) für ta­rif­un­fä­hig er­klärt wur­de.

Seit­dem kön­nen Leih­ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­ver­trä­ge ei­nen Ver­weis auf die un­wirk­sa­men Schein-Ta­rif­ver­trä­ge der CG­ZP ent­hal­ten, Lohn­nach­for­de­run­gen auf der Grund­la­ge des Equal-Pay-Grund­sat­zes stel­len. Die­se For­de­run­gen sind aber von ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­klau­seln be­droht: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 13.03.2013, 5 AZR 954/11.

Ist der An­spruch von Leih­ar­beit­neh­mern auf glei­che Be­zah­lung durch ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten be­droht?

Ver­lan­gen Leih­ar­bei­ter gemäß dem Equal-Pay-Grund­satz rück­wir­kend für ver­gan­ge­ne Zeiträume den (Ta­rif-)Lohn ver­gleich­ba­rer Stamm­kräfte des Ent­lei­her­be­triebs, be­ru­fen sich Zeit­ar­beits­fir­men oft auf ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten.

Da­nach müssen Ansprüche in­ner­halb ei­ner kur­zen Frist von meist drei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, wenn sie nicht er­satz­los un­ter­ge­hen sol­len. Außer­dem fin­det sich in Leih­ar­beits-Ar­beits­verträgen ne­ben die­ser Aus­schluss­frist "ers­ter Stu­fe" meist noch ei­ne Aus­schluss­frist zwei­ter Stu­fe, die den An­spruchs­in­ha­ber ver­pflich­tet, bin­nen ei­ner wei­te­ren Frist Kla­ge zu er­he­ben.

Frag­lich ist, ob sol­che ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten ne­ben den Aus­schluss­fris­ten gel­ten können, die in den Leih­ar­beits­ta­rif­verträgen der CG­ZP ent­hal­ten sind. Denn wenn Leih­ar­beits­fir­men im Ar­beits­ver­trag auf die CG­ZP-Ta­rif­verträge ver­wei­sen, sind da­mit auch die Aus­schluss­fris­ten in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen, die in die­sen CG­ZP-Ta­rif­verträgen ent­hal­ten sind. Und die­se können an­de­re Fris­ten als der Ar­beits­ver­trag vor­se­hen.

Dann stellt sich die Fra­ge, ob die­ses Ne­ben­ein­an­der ta­rif­li­cher und ver­trag­li­cher Aus­schluss­fris­ten un­ter­schied­li­cher Länge nicht un­klar ist und da­her gemäß § 307 Abs.1 Satz 2 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) un­wirk­sam.

Der Streit­fall: Leih­ar­beit­neh­me­rin klagt An­fang 2011 Equal Pay für 2009 und 2010 ein

Im Streit­fall er­hob ei­ne nach CG­ZP-"Ta­rif" be­zahl­te Leih­ar­beit­neh­me­rin im März 2011 Kla­ge auf 16.285,05 EUR brut­to Dif­fe­renz­lohn nach dem Equal-Pay-Grund­satz. Denn von Mai 2009 bis Ju­ni 2010 war sie in ei­nem Ent­lei­her­be­trieb ein­ge­setzt, des­sen Stamm­kräfte bes­ser als sie be­zahlt wur­den.

Die Zeit­ar­beits­fir­ma be­rief sich auf ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­klau­sel, die auf der ers­ten Stu­fe ei­ne Frist von drei Mo­na­ten nach Fällig­keit für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen vor­sah und auf der zwei­ten Stu­fe ei­ne Drei­mo­nats­frist zur Kla­ge­er­he­bung.

Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt (Oder) ver­ur­teil­te die Zeit­ar­beits­fir­ma zur Zah­lung (Ur­teil vom 09.06.2011, 3 Ca 422/11), und auch das für die Be­ru­fung zuständi­ge Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ent­schied ge­gen die Zeit­ar­beits­fir­ma (Ur­teil vom 20.09.2011, 7 Sa 1318/11).

Nach An­sicht des LAG war die ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­klau­sel un­wirk­sam, da sie zu­sam­men mit den ab­wei­chen­den ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten zu ei­ner ins­ge­samt un­kla­ren Re­ge­lung führ­te. Außer­dem mein­te das LAG, dass der Lauf der ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist "frühes­tens" mit dem CG­ZP-Be­schluss des BAG vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) be­gon­nen hat­te. Denn erst ab die­sem Zeit­punkt hat­te die Leih­ar­beit­neh­me­rin Kennt­nis von ih­ren Equal-Pay-Ansprüchen, so das LAG.

BAG: Ar­beits­verträge können trotz ei­nes Ver­wei­ses auf CG­ZP-Ta­rif­verträge ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­fris­ten ent­hal­ten

Das BAG hob das LAG-Ur­teil auf und wies die Kla­ge "we­gen Ver­falls der Ansprüche" ab. Zur Be­gründung heißt es in der der­zeit al­lein vor­lie­gen­den Sam­mel-Pres­se­mit­tei­lung des BAG, dass Equal-Pay-Ansprüche "wirk­sam ver­ein­bar­ten Aus­schluss­fris­ten" un­ter­lie­gen.

Of­fen­bar ist das BAG der An­sicht, dass zwi­schen dem im Ar­beits­ver­trag in Be­zug ge­nom­me­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag (MTV) AMP-CG­ZP vom 15.03.2010 und den ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten kein Wi­der­spruch be­steht, je­den­falls im Hin­blick auf die drei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist der ers­ten Stu­fe. Denn bei­de Fris­ten be­tra­gen drei Mo­na­te.

Außer­dem folgt das BAG nicht der Mei­nung, dass Aus­schluss­fris­ten erst mit sei­nem CG­ZP-Be­schluss vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) zu lau­fen be­gin­nen.

Fa­zit: Das BAG hat Equal-Pay-Kla­gen von Leih­ar­beit­neh­mern, die auf der Grund­la­ge der un­wirk­sa­men CG­ZP-Ta­ri­fe be­zahlt wur­den, ei­nen Dämp­fer ver­passt. Al­ler­dings sind nur sol­che Ar­beit­neh­mer von die­sem Ur­teil be­trof­fen, de­ren Ar­beitssverträge ei­ne drei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist und zu­gleich ei­nen Ver­weis auf den MTV AMP-CG­ZP vom 15.03.2010 ent­hal­ten.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das BAG sei­ne Ent­schei­dungs­gründe veröffent­licht. Das vollständig be­gründe­te Ur­teil des BAG fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 8. November 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de