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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/135

Kün­di­gung we­gen au­ßer­dienst­li­cher NPD-Ak­ti­vi­tät

In­nen­dienst­mit­ar­bei­ter der Fi­nanz­ver­wal­tung kann we­gen rechts­ra­di­ka­ler Be­tä­ti­gung in der Frei­zeit nicht ge­kün­digt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 12.05.2011, 2 AZR 479/09
Rechte Hand mit roter Karte Wie kün­digt man ei­nen im In­nen­dienst ar­bei­ten­den Frei­zeit-Na­zi?

14.07.2011. Ar­beit­neh­mer des öf­fent­li­chen Diens­tes ris­kie­ren durch ver­fas­sungs­feind­li­che Ak­ti­vi­tä­ten ihr Ar­beits­ver­hält­nis.

Will der Dienst­herr aus die­sem Grun­de das Ar­beits­ver­hält­nis be­en­den, er­klärt er oft ne­ben ei­ner Kün­di­gung die An­fech­tung des Ar­beits­ver­trags we­gen „arg­lis­ti­ger Täu­schung“ ge­mäß § 123 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB), falls der Ar­beit­neh­mer bei der Ein­stel­lung Fra­gen zu ver­fas­sungs­feind­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten falsch be­ant­wor­tet hat.

Dem Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zu­fol­ge sind ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gun­gen in sol­chen Fäl­len nur bei kon­kre­ten be­trieb­li­chen Stö­run­gen (Un­zu­frie­den­heit von „Kun­den“, Streit in der Be­leg­schaft) rech­tens.

Und per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gun­gen we­gen feh­len­der Eig­nung ge­hen meist nur durch, wenn der Ge­kün­dig­te re­prä­sen­tie­ren­de und/oder mei­nungs­bil­den­de Auf­ga­ben hat, z.B. als Leh­rer. Die­se in den 80er an­hand von Kün­di­gungs­schutz­kla­gen links­ra­di­ka­ler Ar­beit­neh­mer ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze hat das BAG kürz­lich be­kräf­tigt (Ur­teil vom 12.05.2011, 2 AZR 479/09).

Ein im In­nen­dienst der Fi­nanz­ver­wal­tung tä­ti­ger Ar­beit­neh­mer war in sei­ner Frei­zeit für die NPD ak­tiv. Da­her kas­sier­te er die ver­hal­tens- und per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung so­wie die An­fech­tung des Ar­beits­ver­trags, weil er - nach Ab­mah­nung - auf ei­ner NPD-Ver­an­stal­tung ak­tiv teil­ge­nom­men hat­te. Al­les nicht rech­tens, so das Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg (Ur­teil vom 02.06.2009, 14 Sa 101/08) und das BAG, da er wei­ter­hin für sei­ne Ar­beit ge­eig­net war und die­se be­an­stan­dungs­frei ver­rich­te­te.

Fa­zit: Das von ei­nem Ar­beit­neh­mer des öf­fent­li­chen Diens­tes zu er­war­ten­de Maß an po­li­ti­scher Loya­li­tät er­gibt sich aus sei­ner Stel­lung und sei­nem kon­kre­ten Auf­ga­ben­kreis. Wä­re der Klä­ger Schul­di­rek­tor, wä­re sei­ne Ent­las­sung rech­tens ge­we­sen. Wer aber ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te In­nen­dienst­tä­tig­keit kor­rekt ver­rich­tet, kann we­gen „ver­fas­sungs­feind­li­cher Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten“ nicht ent­las­sen wer­den. Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che soll­ten da­her vor al­lem das dienst­li­che Ver­hal­ten von NPD-Ak­ti­vis­ten be­ob­ach­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. September 2016

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