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Arbeitsrecht aktuell: 11/222 Kündigungsschutzklage und Betriebsübergang
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Die Kündigungsschutzklage führt allein der Betriebsverkäufer, wenn er vor Betriebsübergang gekündigt hat
Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 20.09.2011, 5 Sa 333/10
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11.11.2011. Bei einem Betriebsübergang im Sinne von § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) wird der Betriebserwerber kraft Gesetzes automatisch neuer Arbeitgeber aller Arbeitnehmer des Betriebes. Auch Arbeitsverhältnisse, die vor dem Betriebsübergang vom alten Inhaber gekündigt worden waren und nur noch bis zum Ende der Kündigungsfrist laufen, gehen auf den Betriebserwerber über.
Wehrt sich ein vom alten Betriebsinhaber gekündigter Arbeitnehmer gegen die Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage, stellt sich für den Betriebserwerber die Frage, ob er bei diesem Kündigungsschutzprozess „ein Wörtchen mitzureden“ hat. Nein, hat er nicht, so das Landesarbeitsgericht (LAG) Mecklenburg-Vorpommern (Urteil vom 20.09.2011, 5 Sa 333/10).
von Rechtsanwalt Sebastian Schroeder, Hamburg
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Hamburg
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Ein Betriebsübergang liegt kurz gesagt dann vor, wenn nur der Inhaber wechselt und ansonsten alles weitgehend beim Alten bleibt. Die „Identität“ des Betriebs, also die konkrete Mischung aus Betriebsabläufen, Kundenbeziehungen, technischen Einrichtungen, Arbeitsverhältnissen usw., „lebt“ dann weiter. Daher gibt es bei einem Betriebsübergang - anders als bei einer Betriebsstilllegung - auch keinen Grund für betriebsbedingte Kündigungen.
Trotzdem sprechen Betriebsverkäufer vor dem Betriebsübergang oft noch betriebsbedingte Kündigungen aus, um den Betrieb mit einer nach den Käuferwünschen "gesundgeschrumpften" Belegschaft übergeben zu können. Arbeitnehmer, die sich gegen solche Kündigungen mit einer Kündigungsschutzklage wehren, haben gute Chancen, ihren Prozess zu gewinnen. Von einer erfolgreichen Kündigungsschutzklage betroffen ist dann der Erwerber: Er muss die Arbeitnehmer, die sich wieder hineingeklagt haben, weiter beschäftigen.
Gewinnt der Arbeitnehmer seine gegen den alten Betriebsinhaber gerichtete Kündigungsschutzklage in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht, fragt sich daher, ob der Erwerber dagegen Berufung einlegen kann.
Eine wirtschaftlich angeschlagene Druckerei entließ zu Ende August 2009 viele Arbeitnehmer und stellte den Betrieb zu diesem Stichtag offiziell ein. Schon im September wurde aber am selben Ort, mit derselben Druckmaschine und mit Teilen der alten Belegschaft ein „neuer“ Betrieb eröffnet. Eine der gekündigten Arbeitnehmerinnen erhob Kündigungsschutzklage und verlangte vom neuen Betriebsinhaber Weiterbeschäftigung.
Das Arbeitsgericht Schwerin ging von einem Betriebsübergang aus, hielt die Kündigung deshalb für unwirksam und verurteilte den Neuinhaber zur Weiterbeschäftigung (Urteil vom 24.11.2010, 55 Ca 1545/09). Gegen das Urteil wehrte sich nur der Neuinhaber. Das LAG stellte klar, dass das nur hinsichtlich des Weiterbeschäftigungsantrages zulässig war. Da aber durch das mittlerweile rechtskräftige Urteil des Arbeitsgerichts feststand, dass die Kündigung unwirksam war, musste der Erwerber die Arbeitnehmer weiter beschäftigen und bezahlen.
Fazit: Kündigt ein Betriebsveräußerer vor dem Betriebsübergang einem Arbeitnehmer und erhebt dieser Kündigungsschutzklage, ist der Erwerber dem Prozessergebnis ausgeliefert. Er kann sein Risiko nur dadurch verringern, dass er dem klagenden Arbeitnehmer eine befristete (Prozess-) Beschäftigung anbietet, und natürlich kann er auch selbst vorsorglich kündigen. Und für gekündigte Arbeitnehmer gilt: Neben der Kündigungsschutzklage, die sich gegen den alten Betriebsinhaber richtet, sollte man zugleich den neuen Inhaber verklagen, nämlich auf Beschäftigung und auf Zahlung von Annahmeverzugslohn. Dann steigen die Chancen, eine gute Abfindung herauszuschlagen.
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Letzte Überarbeitung: 7. Dezember 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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