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Urteile zum Arbeitsrecht: 9 Sa 1011/06
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| Schlagworte: |
Ausschlussfrist |
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| Gericht: |
Landesarbeitsgericht Köln |
| Aktenzeichen: |
9 Sa 1011/06 |
| Typ: |
Urteil |
| Entscheidungsdatum: |
16.01.2007 |
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| Leitsätze: |
Ist einzelvertraglich vereinbart, dass die Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verfallen, wenn sie nicht innerhalb von 3 Monaten nach Fälligkeit gegenüber der anderen Vertragspartei schriftlich geltend gemacht werden (1. Stufe), und sie nach Ablehnung oder Nichterklärung nicht innerhalb eines Monats gerichtlich geltend gemacht werden (2. Stufe), berührt die Unwirksamkeit der zweiten Stufe der Ausschlussklausel nicht die Wirksamkeit der ersten Stufe.
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| Vorinstanzen: |
Arbeitsgericht Köln |
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Tenor
- Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Köln vom 25. Juli 2006 - 11 Ca 2180/06 - wird kostenpflichtig zurückgewiesen.
- Die Revision gegen dieses Urteil wird zugelassen.
Tatbestand
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1
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Die Parteien streiten über Prämienansprüche aus dem Jahr 2004.
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2
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Der Kläger, geboren am 2. Juli 1953, war aufgrund eines
schriftlichen Formular-Arbeitsvertrages vom 3. Juli 2002 bei der Beklagten
als Geschäftsleiter zu einem monatlichen Gehalt in Höhe von zuletzt EUR
4.600,00 beschäftigt. |
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3
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Unter Ziff. 17 des Arbeitsvertrages hatten die Parteien
Folgendes bestimmt: |
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4
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"Alle beiderseitigen Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag und
solche, die mit dem Arbeitsvertrag in Verbindung stehen, verfallen, wenn
sie nicht innerhalb von drei Monaten nach Fälligkeit gegenüber der anderen
Vertragspartei schriftlich erhoben werden. Lehnt die Gegenpartei den Anspruch
ab oder erklärt sie sich nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Geltendmachung
des Anspruchs, so verfällt dieser, wenn er nicht innerhalb eines Monats
nach Ablehnung oder Fristablauf gerichtlich geltend gemacht wird." |
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5
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Unter dem 17. Dezember 2003 vereinbarten die Parteien eine
Prämienregelung, wonach an den Kläger als Geschäftsleiter eine vierteljährliche
Umsatzprämie in Höhe von EUR 4.500,00 erhalten sollte, wenn der budgetierte
Umsatz der Niederlassung mit einem Grad von mindestens 104,0 % erreicht
wurde. Zugleich sollte der Kläger eine Jahresprämie in Höhe von EUR 20.000,00
erhalten, wenn das budgetierte Ergebnis der Niederlassung mit einem Grad
von mindestens 110,0 % erreicht wurde. |
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6
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Unter Ziff. 5 der Prämienregelung wurde u. a. bestimmt,
dass es sich um freiwillige Leistungen handle, auf die kein Rechtsanspruch
für Folgejahre bestehe. Insbesondere stehe der Beklagten auch das Recht
zu, die Höhe der Prämien sowie die zur Berechnung relevanten Eckwerte entsprechend
der wirtschaftlichen Entwicklung sowie bei betrieblichen Erfordernissen
einseitig zu ändern. Reklamationen des Prämienempfängers müssten innerhalb
von 4 Wochen nach Feststellung der Prämienhöhe bzw. Zahlung erfolgen. Danach
gelte die Prämie als richtig anerkannt. |
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Der Kläger erfüllte die genannten Prämienvoraussetzungen
sowohl hinsichtlich der Umsatzprämie für das 4. Quartal 2004 als auch hinsichtlich
der Jahresprämie für das Jahr 2004. Die Beklagte zahlte mit der Abrechnung
für Januar 2005 die Umsatzprämie für das 4. Quartal 2004 lediglich in Höhe
von EUR 2.250,00 brutto und mit der Abrechnung für April 2005 die Jahresprämie
für das Jahr 2004 lediglich in Höhe von EUR 10.000,00 brutto. |
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8
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Nachdem die Beklagte das Arbeitsverhältnis mit Schreiben
vom 22. Februar 2006 zum 30. April 2006 gekündigt hatte, erhob der Kläger
mit einem am 15. März 2006 beim Arbeitsgericht Köln eingegangenen Schriftsatz
sowohl Kündigungsschutzklage als auch Klage auf Zahlung der restlichen Umsatzprämie
in Höhe von EUR 2.250,00 brutto und der Jahresprämie in Höhe von EUR 10.000,00
brutto. Die Parteien vereinbarten durch gerichtlichen Teilvergleich eine
Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 30. April 2006 und die Zahlung einer
Abfindung in Höhe von EUR 8.500,00 brutto durch die Beklagte an den Kläger.
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9
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Der Kläger hat erstinstanzlich vorgetragen, seine Prämienansprüche
seien nicht verfallen, obwohl er sie nicht binnen der unter Ziff. 17 des
Arbeitsvertrages bestimmten Ausschlussfrist schriftlich geltend gemacht
habe. Es liege eine mehrdeutige Verfallregelung vor, weil unter Ziff. 5
der Prämienregelung nur eine formlose Geltendmachung innerhalb von 4 Wochen
nach der Zahlung vorausgesetzt worden sei. Abgesehen davon sei die Verfallfristenregelung
insgesamt unwirksam, weil die Regelung über die gerichtliche Geltendmachung
als zweite Stufe zu einer unangemessenen Benachteiligung führe. |
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10
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Der Kläger hat beantragt, |
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die Beklagte zu verurteilen, an ihn EUR 12.250,00 nebst
Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszins von EUR 2.250,00
seit dem 15 .Januar 2005 und von EUR 10.000,00 seit dem 1. Mai 2005 zu zahlen.
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12
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Die Beklagte hat beantragt, |
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die Klage abzuweisen. |
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Die Beklagte hat erstinstanzlich vorgetragen, der Kläger
selbst habe gegenüber ihrem Geschäftsführer erklärt, dass seine Zahlen nicht
gut seien. Sie hat sich auf die vertragliche Ausschlussfristenregelung berufen.
Die Bestimmung, wonach die Ansprüche binnen 3 Monaten nach Fälligkeit schriftlich
geltend zu machen seien, sei wirksam. |
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15
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Das Arbeitsgericht Köln hat durch Urteil vom 25. Juli 2006
die Klage abgewiesen. Zu Begründung hat es ausgeführt, die erste Stufe der
Ausschlussfrist mit der Bestimmung über die schriftliche Geltendmachung
binnen 3 Monaten nach Fälligkeit sei wirksam. Die Unwirksamkeit der zweiten
Stufe der Ausschlussfrist mit der Bestimmung über die gerichtliche Geltendmachung
binnen eines weiteren Monats sei zwar unwirksam und deshalb ersatzlos zu
streichen. Dies berühre aber nicht die Wirksamkeit der Regelung über die
schriftliche Geltendmachung. |
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16
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Das Urteil ist dem Kläger am 4. August 2006 zugestellt worden.
Er hat hiergegen am 4. September 2006 Berufung einlegen und diese - nach
Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist bis zum 6. November 2006 - am
6. November 2006 beim Landesarbeitsgericht begründen lassen. |
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Er ist weiterhin der Ansicht, aufgrund der gesonderten Bestimmung
unter Ziff. 5 der Prämienvereinbarung liege eine mehrdeutige Verfallregelung
vor. Zudem führe die Unwirksamkeit der zweiten Stufe der Verfallfrist auch
zur Unwirksamkeit der ersten Stufe, da die Fristenregelungen aufeinander
aufbauten. |
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18
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In der mündlichen Verhandlung am 16. Januar 2007 hat er
erklärt, er habe nach Erhalt der Zahlungen jeweils binnen 2 Wochen bei Treffen
mit dem Geschäftsführer der Beklagten reklamiert, dass ihm nicht die Umsatzprämie
in Höhe von EUR 4.500,00 und die Jahresprämie in Höhe von EUR 20.000,00
gezahlt worden seien. Seine Arbeitsleistung sei gut gewesen, was sich schon
aus dem Grad ergebe, mit dem er die Umsatzvorgabe erreicht habe. Er habe
von der weiteren Geltendmachung Abstand genommen, nachdem ihm der Geschäftsführer
für diesen Fall den Ausspruch einer Kündigung angedeutet habe. |
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19
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Der Kläger beantragt, |
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unter Abänderung des Urteils des Arbeitsgerichts Köln vom
25. Juli 2006 - 11 Ca 2180/06 - entsprechend dem erstinstanzlichen Antrag
zu erkennen. |
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21
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Die Beklagte beantragt, |
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die Berufung zurückzuweisen. |
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23
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Sie ist weiter der Ansicht, der Anspruch sei verfallen,
weil der Kläger die erste Stufe der Ausschlussfrist nicht gewahrt habe.
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24
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In der mündlichen Verhandlung am 16. Januar 2007 hat die
Beklagte geltend gemacht, nach Ziff. 5 der Prämienvereinbarung sei sie berechtigt
gewesen, die Prämien abweichend von den grundsätzlich geltenden Berechnungssätzen
"entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung sowie bei betrieblichen Erfordernissen"
in der gezahlten Höhe festzulegen. Der Kläger habe nicht durch seinen Arbeitseinsatz
die Umsätze in der Niederlassung erzielt. Vielmehr seien sie wesentlich
auf die vorübergehende Schließung eines in der Nähe befindlichen Konkurrenzbetriebes
zurückzuführen. Der Kläger habe nicht mündlich darauf bestanden, ihm höhere
Prämien zu zahlen. |
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25
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Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes
wird auf den Akteninhalt verwiesen.
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Entscheidungsgründe
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I. Die Berufung ist zulässig. |
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27
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Sie ist nach § 64 Abs. 2 b ArbGG statthaft und innerhalb
der Fristen nach § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG eingelegt und begründet worden.
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28
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II. Die Berufung ist aber nicht begründet. |
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29
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Der Kläger hat keinen Anspruch gegen die Beklagte auf Zahlung
einer höheren Prämie für das 4. Quartal 2004 und für das Jahr 2004. |
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30
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1. Zwar ist der Anspruch des Klägers auf Zahlung der Prämien
in der von ihm verlangten Höhe nach Ziff. 1 (Umsatzprämie) und Ziff. 2 (Jahresprämie)
der Vereinbarung vom 17. Dezember 2003 entstanden. |
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31
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Die Beklagte hat nicht bestritten, dass dem Kläger nach
den unter Ziff. 1 und 2 der Prämienregelung festgelegten Voraussetzungen
ein Anspruch auf eine Prämie für das 4. Quartal 2004 in Höhe von EUR 4.500,00
und für das Jahr 2004 in Höhe von EUR 20.000,00 zustand. |
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32
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Aus dem erstmals in der Berufungsverhandlung erfolgten bloßen
Hinweis der Beklagten auf den Freiwilligkeitsvorbehalt (Ziff. 5 Abs. 1 S.
2) und den einseitigen Änderungsvorbehalt (Ziff. 5 Abs. 1 S. 3) ergibt sich
nicht einmal, welche "wirtschaftliche Entwicklung und welche betrieblichen
Erfordernisse" zu einer Abänderung der Prämienhöhe und der zur Berechnung
relevanten Eckwerte geführt haben sollen. Abgesehen davon begegnet die Regelung
auch rechtlichen Bedenken, sowohl was den Freiwilligkeits- als auch den
Änderungsvorbehalt angeht. Aus der allgemein gehaltenen Fassung der Prämienbestimmungen
für Geschäftsleiter ergibt sich, dass die Regelung im Betrieb der Beklagten
standardmäßig Anwendung findet und es sich daher um Allgemeine Geschäftsbedingungen
im Sinne der §§ 305 ff. BGB handelt. Nach §§ 307 Abs. 1 und Abs. 2, 308
Nr. 4 BGB müssen die Voraussetzungen und der Umfang der vorbehaltenen Änderungen
möglichst konkretisiert werden. Der Arbeitnehmer muss erkennen können, was
ggf. auf ihn zukommt. Es reicht nicht, allgemein auf die "wirtschaftliche
Entwicklung" oder "betriebliche Erfordernisse" abzustellen (vgl. BAG, Urteil
vom 11. Oktober 2005 - 5 AZR 721/05 -; für Freiwilligkeitsvorbehalte: Lakies,
AGB im Arbeitsrecht, Rdn. 620 ff.). |
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33
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2. Die Geltendmachung des Anspruchs auf Zahlung der höheren
Prämien ist auch nicht nach Ziff. 5 Absatz 4 der Prämienregelung ausgeschlossen.
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34
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Danach müssen Reklamationen des Prämienempfängers innerhalb
von 4 Wochen nach Feststellung der Prämienhöhe bzw. Zahlung erfolgen, ansonsten
gilt die Prämie als richtig anerkannt. Für die Reklamationen besteht keine
Formvorschrift. |
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35
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Der Kläger hat vorgetragen, er habe nach Erhalt der Zahlungen
jeweils binnen 2 Wochen mündlich bei dem Geschäftsführer beanstandet, dass
ihm die Umsatz- und die Jahresprämie nicht in voller Höhe gezahlt worden
seien. Die Beklagte hat zwar bestritten, dass der Kläger die Zahlung der
höheren Prämien verlangt hat. Jedoch ergibt sich auch aus ihrem Vorbringen,
dass über die Berechnung der Prämie gesprochen worden ist. Ihr Vorbringen,
der Kläger habe im Zusammenhang mit der Prämie erklärt, seine Zahlen seien
nicht gut und er werde keine weiteren Prämienansprüche geltend machen, macht
nur Sinn, wenn zuvor die unzutreffende Berechnung erörtert worden war. |
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Abgesehen davon bestehen rechtliche Bedenken gegen die Wirksamkeit
dieser Bestimmung. |
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37
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Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei der Prämienregelung
um Allgemeine Geschäftsbedingungen im Sinne der §§ 305 ff. BGB. Nach § 308
Ziff. 5 BGB sind Regelungen über fingierte Erklärungen unwirksam, es sei
denn, dass dem Vertragspartner eine angemessene Frist zur Abgabe einer ausdrücklichen
Erklärung eingeräumt ist und der Verwender sich verpflichtet, den Vertragspartner
bei Beginn der Frist auf die vorgesehene Bedeutung seines Verhaltens besonders
hinzuweisen. |
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38
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Danach ist die Klausel schon deshalb unwirksam, weil sie
nicht klarstellt, dass die Erklärungsfiktion nur dann eintritt, wenn die
Beklagte den erforderlichen Hinweis auf die Erklärungsfiktion (Anerkennung
der Prämienhöhe) tatsächlich erteilt hat (vgl. PWW/KP Berger, BGB, § 308
Rdn. 41). Im Übrigen bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beklagte
bei Zahlung der Prämien auch einen solchen Hinweis tatsächlich erteilt hat.
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39
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3. Jedoch ist der Anspruch auf Zahlung der höheren Prämien
nach Ziff. 17 S. 1 des schriftlichen Arbeitsvertrages vom 3. Juli 2002 verfallen,
weil der Kläger nicht binnen 3 Monaten nach Fälligkeit den jeweiligen Differenzbetrag
schriftlich gegenüber der Beklagten geltend gemacht hat. |
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a. Die vertraglich vereinbarte Verfallklausel ist rechtswirksam,
soweit sie die schriftliche Geltendmachung der beiderseitigen Ansprüche
aus dem Arbeitsvertrag innerhalb von 3 Monaten nach Fälligkeit vorschreibt.
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41
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aa. In Formulararbeitsverträgen können Ausschlussfristen
vereinbart werden. Die §§ 305 ff. BGB enthalten keine Bestimmungen, die
Ausschlussfristen generell für unwirksam erklären. |
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42
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Die zwischen den Parteien vereinbarte Ausschlussklausel
unterliegt der Inhaltskontrolle gemäß §§ 307 bis 309 BGB. Die Ausschlussfrist
stellt eine von Rechtsvorschriften abweichende Regelung (§ 307 Abs. 3 S.
1 BGB) dar; denn gesetzlich bleiben Ansprüche abgesehen von einer Verwirkung
(§ 242 BGB) erhalten und sind nur im Rahmen des Verjährungsrechts geltend
zu machen. Die Klausel entspricht auch nicht einer tariflichen Bestimmung
oder anderen Norm im Sinne des § 310 Abs. 4 S. 3 BGB, die auf das Arbeitsverhältnis
der Parteien unmittelbar Anwendung finden kann (vgl. BAG, Urteil vom 1.
März 2006 - 5 AZR 511/05 -). |
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43
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bb. Zunächst kann angesichts der äußeren Gestaltung der
Vertragsbestimmung und der Üblichkeit von ein- und zweistufigen Ausschlussklauseln
im Arbeitsleben von einer überraschenden oder ungewöhnlichen Klausel im
Sinne des § 305 c BGB keine Rede sein (vgl. BAG, Urteil vom 25. Mai 2005
- 5 AZR 572/04 -). |
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44
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cc. Die Klausel ist nicht nach § 307 Abs. 1 S. 1 in Verbindung
mit Abs. 2 Nr. 1 BGB unwirksam. Nach dieser Rechtsnorm sind Bestimmungen
in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner
des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen.
Eine einzelvertragliche Ausschlussfrist, die die schriftliche Geltendmachung
aller Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb einer Frist von 3 Monaten
ab Fälligkeit verlangt, benachteiligt den Arbeitnehmer nicht unangemessen
(vgl. BAG, Urteil vom 28. September 2005 - 5 AZR 52/05 -). |
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dd. Die Regelung verstößt auch nicht gegen das Transparenzgebot
des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass die
Ansprüche bei unterlassener schriftlicher Geltendmachung "verfallen". Soweit
der Kläger geltend macht, aus dem Nebeneinander der arbeitsvertraglichen
Ausschlussfrist und der besonderen Regelung unter Ziff. 5 Absatz 4 der Prämienvereinbarung
über die Frist für Reklamationen ergebe sich die fehlende Transparenz, kann
dem nicht gefolgt werden. Die Regelungen haben einen unterschiedlichen Inhalt.
Unter Ziff. 5 Absatz 4 der Prämienvereinbarung geht es ausschließlich um
die Beanstandung, die Prämie sei nicht richtig berechnet worden, wohingegen
die Ausschlussfrist eine schriftliche Geltendmachung verlangt, wenn die
Prämie nicht gezahlt wird. |
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46
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ee. Die Unwirksamkeit der zweiten Stufe der Ausschlussklausel
führt nicht zum ersatzlosen Wegfall der gesamten Verfallregelung. |
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47
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Die Unwirksamkeit der Regelung, wonach bei Ablehnung oder
Nichterklärung nach schriftlicher Geltendmachung innerhalb eines Monats
eine gerichtliche Geltendmachung erfolgen muss, ergibt sich aus § 307 Abs.
1 S. 1 in Verbindung mit Abs. 2 Nr. 1 BGB, da die Frist zu kurz ist und
deshalb zu einer unangemessenen Benachteiligung führt. Eine sog. geltungserhaltende
Reduktion in dem Sinne, dass die Ausschlussklausel auf eine gerade noch
oder in jedem Falle zulässige Dauer auszudehnen wäre, kommt nicht in Betracht.
§ 306 BGB sieht eine solche Rechtsfolge nicht vor (vgl. BAG, Urteil vom
25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 -). |
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48
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Die zulässige erste Stufe der Ausschlussklausel wird aber
nicht dadurch unwirksam, dass zur Wahrung der Ausschlussfrist zusätzlich
noch in der zweiten Stufe die gerichtliche Geltendmachung verlangt wird
und diese Frist zu kurz bemessen ist. Denn die Klausel ist teilbar, d. h.
sie lässt sich mit ihrer wirksamen ersten Stufe aufrechterhalten. Sie ist
aus sich heraus verständlich und lässt sich sinnvoll in einen zulässigen
Regelungsteil (1. Stufe) und einen unzulässigen (2. Stufe) trennen. Eine
sprachlich abtrennbare Bestimmung liegt vor, wenn der unwirksame Teil der
Vertragsbestimmung gestrichen werden kann, ohne das der Sinn der restlichen
Klausel darunter leidet (sog. blue-pencil-test). Dies kollidiert nicht mit
dem Verbot der geltungserhaltenden Reduktion, weil nicht das Gericht eine
Klausel von sich aus auf das zulässige Maß reduziert, sondern eine sprachlich
und inhaltlich teilbare Klausel ohne ihre unzulässigen Bestandteile mit
ihrem zulässigen Inhalt aufrechterhalten wird (vgl. dazu: Palandt-Heinrichs,
BGB, 65. Aufl., Vorb. Vor § 307 Rdn. 11; PWW/KP Berger, BGB, § 306 Rdn.
6; Lakies, AGB im Arbeitsrecht, Rdn. 373 f., 554; Reinecke BB 2005, S. 378,
382). |
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49
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Die Parteien haben sowohl von der Satzstellung als auch
vom Inhalt her die erste Stufe von der zweiten Stufe der Ausschlussklausel
getrennt. Der erste Satz der Ausschlussregelung betrifft ausschließlich
die schriftliche Geltendmachung. Anders als bei der im zweiten Satz geregelten
Geltendmachung durch eine Klage besteht keine Abhängigkeit von der anderen
Stufe. Nach Streichen des zweiten Satzes ergibt sich eine im Arbeitsleben
übliche und zulässige einzelvertragliche einstufige Ausschlussfrist (vgl.
dazu: BAG, Urteil vom 28. September 2005 - 5 AZR 52/05 -). |
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50
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b. Der Kläger hat unstreitig nicht binnen 3 Monaten nach
Fälligkeit der Umsatzprämie im Januar 2005 und der Jahresprämie im April
2005 die Zahlung der höheren Prämie schriftlich verlangt. Für die Richtigkeit
seines von der Beklagten bestrittenen Vorbringens, der Geschäftsführer der
Beklagten habe ihm eine Maßregelung durch den Ausspruch einer Kündigung
angedroht für den Fall, dass er die entstandenen Ansprüche auf höhere Prämien
geltend mache, hat er keinen Beweis angetreten. |
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51
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Nach alledem war die Berufung mit der Kostenfolge nach §
97 ZPO zurückzuweisen. |
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Die Revision war zuzulassen wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage,
wie sich die Unwirksamkeit der zweiten Stufe der Ausschlussfrist auf die
erste Stufe auswirkt.
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
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Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
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Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
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Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
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