HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/065

Streik­recht in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen mit Ta­rif­bin­dung

Wer Ta­rif­ver­trä­ge an­wen­det, darf auch be­streikt wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ur­teil vom 23.03.2011, 2 Sa 83/10
Streik viele Streikende Streik­recht von Ar­beit­neh­mern der Kir­che
01.04.2011. Streiks sind nur von Art.9 Abs.3 Grund­ge­setz (GG) ge­deckt und da­mit er­laubt, wenn Ge­werk­schaf­ten da­zu auf­ru­fen mit dem Ziel, der Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­zu­han­deln. Oh­ne ta­rif­ver­trag­li­ches Re­ge­lungs­ziel sind Streiks im All­ge­mei­nen un­zu­läs­sig.

Ist der Ar­beit­ge­ber ei­ne kirch­li­che Ein­rich­tung, tref­fen Streik­recht und kirch­li­ches Selbst­be­stim­mungs­recht (Art. 140 GG, 137 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung - WRV) auf­ein­an­der. Im Rah­men ih­rer Selbst­be­stim­mung re­geln die meis­ten evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen ih­re Rechts­be­zie­hun­gen zu Ar­beit­neh­mern durch Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en (AVR) und nicht durch Ta­rif­ver­trä­ge. Streiks sind dann un­zu­läs­sig, da sie kein ta­rif­li­ches Re­ge­lungs­ziel ha­ben, und kirch­li­che Ta­rif­muf­fe­lei müs­sen Ge­werk­schaf­ten hin­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ham­burg hat nun ent­schie­den, ob das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen Streiks auch aus­schließt, wenn der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber aus­nahms­wei­se Ta­rif­ver­trä­ge an­wen­det (Ur­teil vom 23.03.2011, 2 Sa 83/10).

Die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund woll­te in dia­ko­ni­schen Kran­ken­häu­sern der nord­el­bi­schen Lan­des­kir­che ei­nen Ta­rif­ver­trag ha­ben und führ­te Streiks durch, die die Kir­che für un­zu­läs­sig hielt. Ar­beits­ge­richt Ham­burg (Ur­teil vom 01.09.2010, 28 Ca 105/10) und LAG sa­hen das an­ders, weil die nord­el­bi­sche Lan­des­kir­che im Prin­zip Ta­rif­ver­trä­ge an­wen­det - und da­mit Ja zum Streik sagt, so das LAG. Der Ver­zicht der Kir­che auf Aus­sper­run­gen ist eh­ren­wert, schränkt das Streik­recht aber nicht ein.

Fa­zit: Soll­te die vom LAG zu­ge­las­se­ne Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den, wird sein Ur­teil ver­mut­lich durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­stä­tigt. Denn es ist in­kon­se­quent, sich als kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber erst für das "streit­lus­ti­ge" Ta­rif­ver­trags­sys­tem zu ent­schei­den und dem Geg­ner dann sein stärks­tes Kampf­mit­tel neh­men zu wol­len. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen wiegt zwar schwer, aber je­den­falls in die­sem Fall nicht schwe­rer als die eben­falls vom GG ge­schütz­te Streik­frei­heit der Ar­beit­neh­mer.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. September 2015

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Sebastian Schroeder
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10, 20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08
E-Mail: hamburg@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de