|
|
 |
Arbeitsrecht aktuell: 11/251 Stuttgart: Kündigung eines Daimler-Betriebsrats unzulässig
|
 |

|
Arbeitsgericht Stuttgart verweigert OK zur außerordentlichen Kündigung eines Betriebsrats der Daimler AG
Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 14.12.2011, 31 BV 248/11
|
Stuttgart, 16.12.2011. Auch Mitglieder eines Betriebsrats können eine ordentliche Kündigung erhalten, und dazu muss der Betriebsrat als Gremium auch nicht sein OK geben. Eine solche Kündigung ist aber nur aus betriebsbedingten Gründen möglich und kommt selten vor, da sie nur zulässig ist, wenn der gesamte Betrieb oder zumindest eine Betriebsabteilung stillgelegt wird (§ 15 Abs.4 und 5 Kündigungsschutzgesetz).
In den meisten Fällen ist die Kündigung eines Betriebsrats daher nur als außerordentliche Kündigung möglich. Und dazu braucht der Arbeitgeber nicht nur einen "wichtigen Grund" im Sinne von § 626 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), sondern auch die vorherige Zustimmung des Betriebsrats als Gremium (§ 15 Abs.1 KSchG). Verweigert der Betriebsrat die Zustimmung zu der Kündigung eines seiner Mitglieder, muss der Arbeitgeber vor Gericht ziehen mit dem Ziel, dass das Gericht die Zustimmung ersetzt.
In einem solchen Gerichtsverfahren hat das Arbeitsgericht Stuttgart vor zwei Tagen die von der Daimler AG beantragte Ersetzung der Zustimmung zu der Kündigung eines Betriebsrats des Werkes Stuttgart-Untertürkheim abgelehnt: Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 14.12.2011, 31 BV 248/11.
von Rechtsanwältin Eva-Maria Reuter, Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Stuttgart
|
Arbeitszeitbetrug heißt, dass man nicht arbeitet, während der Arbeitgeber dies nicht erfährt und daher brav den Lohn bezahlt - für nicht geleistete Arbeit. Dabei können schon kleinere Unpünktlichkeiten als Arbeitszeitbetrug gewertet werden. Und auch nach langer Beschäftigungsdauer ist eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung möglich, wenn der Arbeitnehmer sein Vorgehen "mit System" verschleiert. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) vor kurzem bestätigt (BAG, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10 - wir berichteten in: Arbeitsrecht aktuell 11/176 Fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs).
Andererseits beachten Arbeits- und Landesarbeitsgerichte seit dem Urteil des BAG im Fall "Emmely (Urteil vom 10.06.2010, 2 AZR 541/09) stärker als bisher, dass auch massive Pflichtverstöße des Arbeitnehmers eine fristlose Kündigung nicht immer rechtfertigen. Daher sind auch bei einer Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs alle für den Arbeitnehmer sprechenden Umstände zu berücksichtigen.
Dass ein Betriebsrat von der Arbeit freigestellt ist und daher nur noch sein Betriebsratsarbeit verrichten muss, entlastet ihn allerdings nicht von vornherein von dem Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs (denn dann muss er eben seine Betriebsratsarbeit verrichten, was er nicht kann, wenn er "abtaucht"). Allerdings kann eine lange Beschäftigungsdauer bei der Abwägung den Ausschlag pro Betriebsrat geben, wie die Entscheidung des Arbeitsgerichts Stuttgart zeigt (Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 14.12.2011, 31 BV 248/11).
In dem Streitfall des Arbeitsgerichts Stuttgart soll ein freigestellter Betriebsrat des Werks Stuttgart-Untertürkheim Arbeitszeitbetrug begangen haben. Er soll, so ein anonymer Hinweis, an drei Tagen im Juli und August 2011 im Werk Untertürkheim erst eingestempelt haben, dann aber seine Ehefrau an ihren Arbeitsplatz zum Werk Mettingen gebracht haben und dann erst wieder ins Werk Stuttgart-Untertürkheim zurückgefahren sein.
Außerdem besteht laut Daimler der Verdacht, dass der Betriebsrat schon früher gleichgelagerte Pflichtverletzungen begangen hat. Der Betroffene ist 1952 geboren und seit über 40 Jahre bei der Daimler AG beschäftigt. Seit 1990 ist er Betriebsratsmitglied in Stuttgart. Er hat sich u.a. damit verteildigt, der Daimler AG gehe es auch darum, sein Nachrücken als Ersatzmitglied in den Aufsichtsrat zu verhindern.
Das Arbeitsgericht Stuttgart hat den Zustimmungsersetzungsantrag der Daimler AG zurückgewiesen. Zur Begründung heißt es, dass die drei angeblichen Arbeitszeitverstöße im Sommer 2011 eine außerordentliche Kündigung nicht rechtfertigen könnten. Die Interessenabwägung fiel angesichts des Alters des Arbeitnehmers und seiner über 40-jährigen beanstandungsfreien Betriebszugehörigkeit zu seinen Gunsten aus. Und der von der Daimler AG vorgetragene Verdacht ähnlicher Pflichtverstöße in der Vergangenheit war auf Basis der derzeitigen Verdachtsmomente nicht "dringend", so das Arbeitsgericht Stuttgart.
Fazit: Der Fall des Stuttgarter Betriebsrats zeigt, dass auch freigestellte Betriebsräte einen Arbeitszeitbetrug begehen können. Andererseits können sie wie "gewöhnliche" Arbeitnehmer verlangen, dass eine lange Betriebszugehörigkeit und ein vorgerücktes Alter bei der Interessenabwägung einer Kündigung letztlich doch entgegenstehen können.
Nähere Informationen finden Sie hier:
Sie möchten regelmäßig die neuesten Fachartikel unserer Kanzlei zum Arbeitsrecht,
Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten?
Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter Arbeitsrecht!

Unsere Büros können Sie von Montag bis Freitag, jeweils von 09:00 Uhr bis 20:00
Uhr, unter folgenden Anschriften in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg
und Stuttgart erreichen:
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin
Lützowstraße 32
10785 Berlin
Tel: 030 / 26 39 62 0
Fax: 030 / 26 39 62 499
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Berlin
E-Mail: berlin@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt
Gutleutstraße 169 - 171
60327 Frankfurt
Tel: 069 / 71 03 30 04
Fax: 069 / 71 03 30 05
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Frankfurt
E-Mail: frankfurt@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg
Neuer Wall 80
20354 Hamburg
Tel: 040 / 69 20 68 04
Fax: 040 / 69 20 68 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hamburg
E-Mail: hamburg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover
Georgstraße 38
30159 Hannover
Tel: 0511 / 899 77 01
Fax: 0511 / 899 77 02
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Hannover
E-Mail: hannover@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln
Hansaring 61
50670 Köln
Tel: 0221 / 709 07 18
Fax: 0221 / 709 07 31
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Köln
E-Mail: koeln@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München
Nymphenburger Straße 4
80335 München
Tel: 089 / 21 56 88 63
Fax: 089 / 21 56 88 67
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro München
E-Mail: muenchen@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg
Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Tel: 0911 / 953 32 07
Fax: 0911 / 953 32 08
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Nürnberg
E-Mail: nuernberg@hensche.de
Anfahrt
|
|
Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart
Königstraße 26
70173 Stuttgart
Tel: 0711 / 470 97 10
Fax: 0711 / 470 97 96
Kontakt:
Rechtsanwalt im Büro Stuttgart
E-Mail: stuttgart@hensche.de
Anfahrt
|
|

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.
Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.
Letzte Überarbeitung: 12. Januar 2012
| © 1997 - 2012: |
| Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin |
| Lützowstraße 32, 10785 Berlin |
| Telefon: |
030 - 26 39 62 0 |
| Telefax: |
030 - 26 39 62 499 |
| E-mail: |
hensche@hensche.de |
|
 |
|
 |
 |
Arbeitsrecht aktuell: |
 |
|
Hamburg, 24.05.2012 Fristlose Kündigung:
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11
Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
|
|
 |
|