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Arbeitsrecht aktuell: 12/002 Urlaub und Urlaubsabgeltung bei Krankheit - nur 15 Monate lang?
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Ansprüche auf Urlaub und Urlaubsabgeltung gehen 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres unter
LAG Baden-Württemberg (Kammern Freiburg), Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Gemäß § 7 Abs.3, 4 BUrlG muss Urlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Wird er aus betrieblichen oder persönlichen Gründen nicht genommen und dann (ausnahmsweise) auf das Folgejahr übertragen, verfällt er zum 31. März des Folgejahres. Können bestehende Urlaubsansprüche wegen des Ende des Arbeitsverhältnisses nicht mehr erfüllt werden, gibt es Geld, d.h. eine Urlaubsabgeltung.
Dahinter steht Art.7 der Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. November 2003 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung, der vier Wochen Mindesturlaub vorschreibt. Nachdem der EuGH Anfang 2009 entschieden hatte, das Urlaub deshalb nicht bei langer Krankheit verfallen kann (EuGH, Urteil vom 20.01.2009, C-350/06 - Schultz-Hoff), setzte das Bundesarbeitsgericht (BAG) diese EuGH-Rechtsprechung durch eine richtlinienkonforme Auslegung von § 7 Abs.3 BUrlG in deutsches Recht um (BAG, Urteil vom 24.03.2009, 9 AZR 983/07). Das "31.-März-Messer" schneidet seitdem in Krankheitsfällen keine Urlaubsansprüche mehr ab.
Bei Langzeiterkrankungen kann es daher zu einem jahrelangen Ansammeln von Urlaubs bzw. Urlaubsabgeltungsansprüchen kommen. Doch Ende November 2011 entschied der EuGH, dass Tarifverträge dieses Ansammeln von Urlaubsansprüchen auf 15 Monate ab dem Ende des Urlaubsjahres beschränken können (Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte). Aber eine solche 15-Monatsgrenze lässt sich dem BUrlG nicht entnehmen, oder etwa doch?
Im Streitfall endete das Arbeitsverhältnis eines langzeiterkrankten Arbeitnehmers in 2010. Seine Klage auf Urlaubsabgeltung für Krankheitszeiten vor 2009 hatte vor dem LAG keinen Erfolg, da nach dessen Auffassung die Urlaubsansprüche für diese Jahre bei seinem Ausscheiden untergegangen waren.
Laut LAG-Pressemitteilung meint das Gericht, dass das BAG mit einer „richtlinienkonformen Rechtsfortbildung“ von § 7 Abs.3 BUrlG abgewichen sei und dass so etwas nur in dem Umfang geschehen darf, wie dies europarechtlich zwingend geboten ist. Aus dem jüngsten EuGH-Urteil folgert das LAG, dass der Urlaubsanspruch auch in Krankheitsfällen nach 15 Monaten, gerechnet ab dem Ende des Urlaubsjahres, verfallen darf, und wenn das Europarecht vom deutschen Urlaubsrecht nicht mehr verlangt, ist eben auch auf Basis des BUrlG nach 15 Monaten Schluss.
Fazit: Die Argumentation des LAG ist zweifelhaft. Denn in dem zuletzt vom EuGH entschiedenen Fall gab es einen Tarifvertrag, der die Urlaubssicherung bei Krankheitsfällen auf 15 Monate begrenzte. Eine solche Grenze einfach in § 7 Abs.3 BUrlG "hineinzulesen" ist mit den Prinzipien der juristischen Gesetzesauslegung nicht zu vereinbaren. Außerdem stimmt es gar nicht, dass das BAG Anfang 2009 "auf Befehl des EuGH" das BUrlG "fortgebildet" hat, sondern es ist nur zu der Auslegung zurückgekehrt, die es schon in den 70er Jahren praktiziert hatte.
Eine rechtlich sichere Begrenzung des krankheitsbedingten Ansammelns von Urlaubsansprüchen gibt es daher derzeit nur auf Basis von Tarifverträgen, da Arbeitsverträge nicht zulasten des Arbeitnehmers vom BUrlG bzw. der derzeit (noch) gültigen BAG-Interpretation des BUrlG abweichen können. So oder so hat sich der Wind aber gedreht: Langzeitig erkrankte Arbeitnehmer müssen bei Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse künftig wieder mit deutlich geringeren Urlaubsabgeltungen rechnen.
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Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:
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Letzte Überarbeitung: 16. Mai 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hamburg, 24.05.2012 Fristlose Kündigung:
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11
Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
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