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LAG Köln, Ur­teil vom 26.11.2015, 7 Sa 534/15

   
Schlagworte: Betriebliche Altersversorgung, Übergangszuschuss
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Aktenzeichen: 7 Sa 534/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 26.11.2015
   
Leitsätze: 1. Bei dem sog. Übergangszuschuss nach der Gesamtbetriebsvereinbarung der Siemens AG "Vereinbarung zum Übergangszuschuss bei Pensionierung im Tarifkreis" vom 22.12.1981 handelt es sich um eine Leistung der betrieblichen Altersversorgung, die insolvenzgeschützt ist.
2. Auf den Übergangszuschuss ist das Rechtsinstitut der unverfallbaren Versorgunganwartschaft anwendbar. Entsprechend ist bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis eine zeitratierliche Kürzung vorzunehmen.
3. Teilweise parallel zu LAG Köln 7 Sa 626/15 vom 11.02.2016 (jetzt BAG 3 AZR 373/16) und LAG Köln 7 Sa 129/16 vom 23.06.2016 (jetzt BAG 3 AZR 861/16).

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 27.03.2015, 17 Ca 9163/14
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2018, 3 AZR 277/16
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 7 Sa 534/15


Te­nor:

Auf die (*1) Re­vi­si­on des Klägers hin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.03.2015 in Sachen17 Ca 9163/14 ab­geändert:

Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 27.880,40 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 01.01.2015 zu zah­len.

Die wei­ter­ge­hen­de Zins­for­de­rung wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den dem Be­klag­ten auf­er­legt.

Die Re­vi­si­on wird für den Be­klag­ten zu­ge­las­sen.


1 T a t b e s t a n d
2 Die Par­tei­en strei­ten um ei­nen An­spruch des Klägers auf Zah­lung ei­nes Über­g­angs­zu­schus­ses für die ers­ten sechs Mo­na­te nach sei­nem Ein­tritt in den Ru­he­stand.
3 Der am 1951 ge­bo­re­ne Kläger trat zum 05.02.1973 als Ar­beit­neh­mer in die Diens­te der S AG. Er er­hielt ei­ne Be­triebs­ren­ten­zu­sa­ge nach dem all­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­werk der S AG (S Al­tersfürsor­ge „SAF“). Als Stich­tag für die pen­si­onsfähi­ge Dienst­zeit der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung wur­de der 07.11.1971 fest­ge­setzt (Bl. 87 d. A.).
4 Un­ter dem 22.12.1981 schloss die S AG mit ih­rem Ge­samt­be­triebs­rat ei­ne „Ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­zu­schuss bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis“, die un­strei­tig auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers An­wen­dung fand. Die GBV vom 22.12.1981 lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:
5 „Mit­ar­bei­ter des Ta­rif­krei­ses er­hal­ten nach ih­rer Pen­sio­nie­rung ei­nen Über­g­angs­zu­schuss. Da­mit soll den Mit­ar­bei­tern der Über­tritt in den Ru­he­stand wirt­schaft­lich er­leich­tert wer­den.
6 Im Ein­zel­nen gilt fol­gen­des:
7 1.
8 Die S AG räumt ih­ren Mit­ar­bei­tern ei­nen Rechts­an­spruch auf den Über­g­angs­zu­schuss ein.
9 2. Vor­aus­set­zung ist, dass der Mit­ar­bei­ter
10 - min­des­ten 10 Dienst­jah­re (oh­ne Aus­bil­dungs­zei­ten) nach Voll­endung des 18. Le­bens­jah­res bei der S AG ab­ge­leis­tet hat und
11 - im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ak­ti­ve Dienst­zeit bei der S AG pen­sio­niert wird.
12 3. Die Höhe des Über­g­angs­zu­schus­ses, der für 6 Mo­na­te ge­zahlt wird, ent­spricht der Dif­fe­renz zwi­schen dem zu­letzt be­zo­ge­nen Brut­to-Mo­nats­ent­gelt bei re­gelmäßiger ta­rif­li­cher oder ab­wei­chend ver­ein­bar­ter Ar­beits­zeit (oh­ne ein­ma­li­ge Zu­wen­dun­gen, ta­rif­li­cher vermögens­wirk­sa­mer Leis­tun­gen, Vergütun­gen für Mehr­ar­beit, zusätz­li­ches Ur­laubs­geld, Kran­ken­lohn so­wie Zu­schläge für Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit) und dem SAF-Ru­he­geld.
13
14 5. Der An­spruch auf Über­g­angs­zu­schuss ist nicht über­trag­bar und nicht ver­erb­lich.
15 Für Wit­wen von ver­stor­be­nen Mit­ar­bei­tern ver­bleibt es bei der bis­he­ri­gen Re­ge­lung, nach der SAF be­fris­te­te Bei­hil­fen gewährt wer­den.
16 …“
17 (Bl. 11 R/12 d. A.).
18 In ei­nem von der S AG im Ein­ver­neh­men mit ih­rem Ge­samt­be­triebs­rat anläss­lich des Ab­schlus­ses der Be­triebs­ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­zu­schuss her­aus­ge­ge­be­nen Rund­schrei­ben vom 23.12.1981 heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:
19 „SAF-Richt­li­ni­en/Über­g­angs­zu­schuss
20 Mit Wir­kung vom 01.04.1979 trat die „Ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­geld bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis“ in Kraft. Die Be­zeich­nung „Über­g­angs­geld“ hat ver­schie­dent­lich da­zu geführt, die­se Leis­tung mit dem Über­g­angs­geld des öffent­li­chen Diens­tes in Ver­bin­dung zu brin­gen, das ei­nen ganz an­de­ren Rechtscha­rak­ter hat und ei­nem an­de­ren Zweck dient.
21 Um wei­te­ren Miss­verständ­nis­sen vor­zu­beu­gen, wird da­her ab so­fort un­ser Über­g­angs­geld in „Über­g­angs­zu­schuss“ um­be­nannt. Die Höhe des Über­g­angs­zu­schus­ses ent­spricht der Dif­fe­renz zwi­schen dem zu­letzt be­zo­ge­nen Brut­to-Mo­nats­ent­gelt und dem SAF-Ru­he­geld. Die Ge­samt­leis­tun­gen, die Mit­ar­bei­ter er­hal­ten, blei­ben un­verändert.
22 …“
23 (Bl. 11 d. A.).
24 Die S AG kündig­te die GBV vom 22.12.1981 frist­ge­recht zum 30.09.1983. Un­ter dem 29.07.1983 schloss die S AG mit dem Ge­samt­be­triebs­rat zum Über­g­angs­zu­schuss ei­ne wei­te­re Ver­ein­ba­rung fol­gen­den In­halts:
25 „Die Ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­zu­schuss bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis vom 22.12.1981 wur­de fir­men­seits zum 30.09.1983 gekündigt. Da­zu wird ab dem 01.10.1983 fol­gen­des ver­ein­bart:
26 1) Mit­ar­bei­ter, de­ren Ar­beits- bzw. Aus­bil­dungs­verhält­nis mit der S AG nach dem 30.09.1983 be­ginnt, er­wer­ben kei­nen An­spruch mehr auf Zah­lung ei­nes Über­g­angs­zu­schus­ses bei Pen­sio­nie­rung.
27
28 2) Für Mit­ar­bei­ter, de­ren Ar­beits- bzw. Aus­bil­dungs­verhält­nis bis zum 30.09.1983 be­gon­nen hat, bleibt es bei der bis­he­ri­gen Re­ge­lung.
29 …“
30 (Bl. 13 R d. A.).
31 Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers ging zu ei­nem nicht näher mit­ge­teil­ten Zeit­punkt im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die S GmbH über, wo die Ansprüche aus dem S -Ver­sor­gungs­werk so­wie aus den S -Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­run­gen fort­geführt wur­den.
32 Am 26.09.2012 wur­de über das Vermögen der S GmbH das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers wur­de vom In­sol­venz­ver­wal­ter be­triebs­be­dingt zum 31.12.2012 gekündigt. Der Kläger war in der Fol­ge­zeit vom 01.01.2013 bis 31.12.2014 nach ei­ge­nem Be­kun­den ar­beits­los. Seit dem 01.01.2015 be­zieht der Kläger ei­ne Al­ters­ren­te für be­son­ders langjährig Ver­si­cher­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Eben­falls seit dem 01.01.2015 be­zieht der Kläger von dem Be­klag­ten die in­sol­venz­geschütz­te, ra­tier­lich gekürz­te Be­triebs­ren­te aus dem all­ge­mei­nen S -Ver­sor­gungs­werk in Höhe von 439,41 € mo­nat­lich.
33 Auf An­ra­ten der Ge­mein­schuld­ne­rin mel­de­te der Kläger ei­ne For­de­rung auf Zah­lung des Über­g­angs­zu­schus­ses in ei­ner Ge­samthöhe von 33.281,39 € zur In­sol­venz­ta­bel­le an. Die For­de­rung wur­de als auf­schie­bend be­dingt fest­ge­stellt. Zah­lun­gen hier­auf er­folg­ten nach An­ga­ben des Klägers bis­lang nicht.
34 Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er könne von dem Be­klag­ten die Aus­zah­lung des ihm auf der Grund­la­ge der GBV vom 22.12.1981 zu­ge­sag­ten Über­g­angs­zu­schus­ses ver­lan­gen; denn hier­bei han­de­le es sich um ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, die in­sol­venz­geschützt sei.
35 Dem An­spruch ste­he auch nicht ent­ge­gen, dass er vor Ein­tritt des 65. Le­bens­jah­res und 2 Jah­re vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den sei, zu­mal dies nicht auf sei­ne ei­ge­ne Ver­an­las­sung, son­dern durch ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te Kündi­gung ver­ur­sacht wor­den sei. Wenn außer­dem Zif­fer 4.6.2 der ‚All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen‘ für die ‚Bei­trags­ori­en­tier­te S Al­ters­ver­sor­gung Ta­rif­kreis‘ (Bl. 28 ff d. A.) vor­se­he, dass der Mit­ar­bei­ter sein Al­ter­s­ka­pi­tal auf An­trag und mit Zu­stim­mung des Un­ter­neh­mens auch dann vor­zei­tig in An­spruch neh­men könne, wenn das Ar­beits­verhält­nis mit oder nach Voll­endung des 60. Le­bens­jah­res, aber vor Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze en­det, dann müsse er auch den Über­g­angs­zu­schuss vor­zei­tig in An­spruch neh­men können.
36 Der Kläger hat be­an­tragt,
37
38 1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn 33.281,39 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 17.12.2014 zu zah­len;
39 2. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihm bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les Leis­tun­gen aus der „Ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­zu­schuss bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis“ in Höhe von 33.281,39 € zu er­brin­gen.
40
41 Der Be­klag­te hat be­an­tragt,
42 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
43 Der Be­klag­te hat in ers­ter Li­nie die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass et­wai­ge Ansprüche des Klägers auf den Über­g­angs­zu­schuss nicht in­sol­venz­geschützt sei­en, da es sich nicht um Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung han­de­le. Über­dies ha­be der Kläger auch die An­spruchs­vor­aus­set­zung nicht erfüllt, dass er „im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ak­ti­ve Dienst­zeit bei der S AG pen­sio­niert“ wor­den wäre. Aus Zif­fer 4.6.2 der All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen könne der Kläger eben­falls nichts für ei­nen An­spruch auf den Über­g­angs­zu­schuss her­lei­ten.
44 Im Übri­gen hat der Be­klag­te die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein et­wai­ger An­spruch des Klägers auf den Über­g­angs­zu­schuss je­den­falls zeitra­tier­lich gekürzt wer­den müsse, im Verhält­nis der mögli­chen Dienst­zeit bis zum Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze des 65. Le­bens­jah­res zu der tatsächli­chen Dienst­zeit vom Ein­tritt des Klägers bis zum Si­che­rungs­fall der In­sol­ven­zeröff­nung. Auf die Be­rech­nung des Be­klag­ten gemäß Schrift­satz vom 19.03.2015 (Bl. 105 d. A.) wird Be­zug ge­nom­men.
45 Mit Ur­teil vom 27.03.2015 hat die 17. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Köln die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, dass es sich zwar ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Be­klag­ten bei dem Über­g­angs­zu­schuss gemäß der GBV vom 22.12.1981 sehr wohl um ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung han­de­le, dass der Kläger aber die be­son­de­re An­spruchs­vor­aus­set­zung nicht erfülle, wo­nach er „im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ak­ti­ve Dienst­zeit bei der S AG pen­sio­niert“ wer­den muss­te.
46 Das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil wur­de dem Kläger am 21.04.2015 zu­ge­stellt. Der Kläger hat hier­ge­gen am 21.05.2015 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Frist bis zum 19.07.2015 am 17.07.2015 be­gründet.
47 Der Kläger wie­der­holt und ver­tieft sei­ne erst­in­stanz­li­che Rechts­auf­fas­sung. Er tritt der An­sicht des Ar­beits­ge­richts bei, dass es sich bei dem Über­g­angs­zu­schuss gemäß der GBV vom 22.12.1981 um ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung han­de­le. Der Kläger meint aber, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts schei­te­re der An­spruch nicht dar­an, dass er – un­ge­wollt – zwei Jah­re vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis ha­be aus­schei­den müssen.
48 Der Höhe nach macht sich der Kläger nun­mehr die Be­rech­nung des Be­klag­ten aus des­sen Schrift­satz vom 19.03.2015 zu Ei­gen und re­du­ziert sei­ne For­de­rung so­mit um den dort er­rech­ne­ten zeitra­tier­li­chen Kürzungs­be­trag.
49 Der Kläger und Be­ru­fungskläger be­an­tragt nun­mehr,
50 das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.03.2015, 17 Ca 9163/14, ab­zuändern und den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 27.880,40 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über den je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.
51 Der Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,
52 die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.
53

Der Be­klag­te kri­ti­siert die An­sicht des Ar­beits­ge­richts, dass es sich bei dem An­spruch auf den Über­g­angs­zu­schuss um ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung han­de­le. Je­den­falls ha­be das Ar­beits­ge­richt aber rich­tig er­kannt, dass die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen der GBV vom 22.12.1981 nicht vollständig erfüllt sei­en.

54 Auf den vollständi­gen In­halt der kläge­ri­schen Be­ru­fungs­be­gründung und der Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung des Be­klag­ten wird ergänzend Be­zug ge­nom­men.
55 E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e
56 I. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 27.03.2015 ist zulässig. Die Be­ru­fung ist gemäß § 64 Abs. 2, lit. b) ArbGG statt­haft. Die Be­ru­fung wur­de auch form- und frist­ge­recht un­ter Ein­hal­tung von § 66 Abs. 1 ArbGG ein­ge­legt und be­gründet.
57 II. Die Be­ru­fung des Klägers ist auch er­folg­reich. Dem Kläger steht zur Über­zeu­gung des Be­ru­fungs­ge­richts ge­gen den Be­klag­ten ein in­sol­venz­geschütz­ter An­spruch auf Zah­lung des Über­g­angs­zu­schus­ses aus der GBV vom 22.12.1981 zu. Es han­delt sich hier­bei um ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Der Um­stand, dass der Kläger zwei Jah­re vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te und ge­rau­me Zeit vor Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res (fes­te Al­ters­gren­ze der S -Ver­sor­gungs­ord­nung) aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis zu sei­ner letz­ten Ar­beit­ge­be­rin aus­ge­schie­den ist, ist dem Grun­de nach für sei­nen An­spruch unschädlich. Er führt nur da­zu, dass dem Kläger kein Voll­an­spruch auf den Über­g­ang­zu­schuss zu­steht, son­dern nur ei­ne un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft, die im Verhält­nis zum Voll­an­spruch nach §§ 7 Abs. 2 Satz 3 und 4 i. V. m. § 2 Abs. 1 Be­trAVG zeitra­tier­lich zu kürzen ist. Ob der Be­klag­te den sich aus der zeitra­tier­li­chen Kürzung er­ge­ben­den Be­trag im Schrift­satz vom 19.03.2015 kor­rekt be­rech­net hat oder ob nicht die Be­rech­nung in sei­nem Schrift­satz vom 18.03.2015, Sei­te 3 (Bl. 104 d. A.). zu­tref­fend ge­we­sen wäre, kann da­hin­ge­stellt blei­ben, da der Kläger sich den nied­ri­ge­ren der bei­den Beträge in sei­nem Be­ru­fungs­an­trag zu Ei­gen ge­macht hat.
58 1. Bei dem An­spruch des Klägers aus der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 22.12.1981 auf Zah­lung ei­nes so­ge­nann­ten Über­g­angs­zu­schus­ses bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis han­delt es sich um ei­nen An­spruch auf ei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Das Be­ru­fungs­ge­richt stimmt in­so­weit den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts un­ter I. 1. sei­ner Ent­schei­dungs­gründe zu und macht sich die­se zu Ei­gen.
59 a. Zur Fra­ge, nach wel­chen Kri­te­ri­en zu be­ur­tei­len ist, ob ei­ne ei­nem Ar­beit­neh­mer un­ter der Be­zeich­nung ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ oder ähn­lich zu­ge­sag­te Leis­tung ih­rem Rechtscha­rak­ter nach der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung dient oder ob dies nicht der Fall ist, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nem Ur­teil vom 18.03.2003, 3 AZR 315/02, DB 2004, 1624 fol­gen­de Ori­en­tie­rungssätze auf­ge­stellt:
60 1. Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 Be­trAVG ist das Ver­spre­chen ei­ner Leis­tung zum Zweck der Ver­sor­gung, ein den Ver­sor­gungs­an­spruch auslösen­des bio­lo­gi­sches Er­eig­nis wie Al­ter, In­va­li­dität oder Tod, und die Zu­sa­ge an ei­nen Ar­beit­neh­mer aus An­lass des Ar­beits­verhält­nis­ses. Ent­schei­dend ist al­lein der Ver­sor­gungs­zweck der Zu­sa­ge, auf die Art der ver­spro­che­nen Leis­tung kommt es nicht an.
61 2. Ver­spricht der Ar­beit­ge­ber Mit­ar­bei­tern während der ers­ten drei Mo­na­te nach ih­rer Pen­sio­nie­rung ei­nen Über­g­angs­zu­schuss, der ne­ben dem Ru­he­geld ge­zahlt wird, so liegt dar­in ei­ne Zu­sa­ge auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. We­der dient der Über­g­angs­zu­schuss der Über­brückung ei­ner Ar­beits­lo­sig­keit noch der Er­leich­te­rung ei­nes Wech­sels des Ar­beits­plat­zes, da er den Ein­tritt in den Ru­he­stand vor­aus­setzt. Un­ge­ach­tet der miss­verständ­li­chen Be­zeich­nung der Leis­tung als „Über­g­angs­zu­schuss“ be­steht der Zweck der Zu­sa­ge aus­sch­ließlich in der Ver­sor­gung des Leis­tungs­empfängers bei Ein­tritt in den Ru­he­stand.“
62 b. Nach Maßga­be die­ser Ori­en­tie­rungssätze han­delt es sich bei dem An­spruch des Klägers auf ei­nen Über­g­angs­zu­schuss aus der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 22.12.1981 um ei­nen An­spruch auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Aus­gelöst wird der An­spruch durch das bio­lo­gi­sche Er­eig­nis Al­ter. In den Ge­nuss des An­spruchs auf den Über­g­angs­zu­schuss kommt nur, wer be­reits den Al­ters­ru­he­stand er­reicht hat und die für den Ver­sor­gungs­fall ‚Al­ter‘ aus­ge­lob­te Be­triebs­ren­te be­reits be­zieht. Nur wer be­reits Pen­si­onär bzw. (Be­triebs-)Rent­ner ist, kann in den Ge­nuss des Über­g­angs­zu­schus­ses ge­lan­gen. Be­son­ders dar­aus wird der Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter des ‚Über­g­angs­zu­schus­ses‘ deut­lich. Ge­ra­de nicht soll der ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ da­zu die­nen, War­te­zei­ten zu über­brücken, die ent­ste­hen können, wenn ein Mit­ar­bei­ter aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det, ge­rau­me Zeit be­vor er Al­ters­ren­te in An­spruch neh­men kann.
63 c. Ar­beit­ge­be­rin und Ge­samt­be­triebs­rat ha­ben in der GBV vom 22.12.1981 den Zweck des Über­g­angs­zu­schus­ses selbst wie folgt be­schrie­ben: „Da­mit soll den Mit­ar­bei­tern der Über­tritt in den Ru­he­stand wirt­schaft­lich er­leich­tert wer­den.“ Die­se „wirt­schaft­li­che Er­leich­te­rung“ wird da­durch er­reicht, dass der Pen­si­onär bzw. Rent­ner in den An­fangs­mo­na­ten sei­nes Pen­si­onärs- bzw. Rent­ner­da­seins ei­ne Be­triebs­ren­te erhält, die bis zur Höhe des letz­ten ak­ti­ven Ge­halts auf­ge­stockt wird.
64 d. Der Wort­be­stand­teil „Zu­schuss“ setzt ei­ne an­de­re Leis­tung vor­aus, zu der der „Zu­schuss“ in Ergänzung tre­ten soll. Bei die­ser an­de­ren Leis­tung han­delt es sich ge­ra­de um die S -Be­triebs­ren­te. Der Über­g­angs­zu­schuss ist nach der Aus­ge­stal­tung der GBV dem Grun­de und der Höhe nach von der S -Be­triebs­ren­te abhängig. Die­ser en­ge Zu­sam­men­hang mit der Be­triebs­ren­te be­legt wie­der­um den Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter des Über­g­angs­zu­schus­ses. Der Über­g­angs­zu­schuss stellt der Sa­che nach nichts an­de­res dar als ei­ne zeit­lich be­schränk­te Auf­sto­ckung der Be­triebs­ren­te.
65 e. Sch­ließlich stel­len auch die Ver­laut­ba­run­gen vom 23.12.1981 und vom 08.08.1983 (Bl. 13 d. A.) ge­wich­ti­ge In­di­zi­en dafür dar, dass da­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin und Ge­samt­be­triebs­rat den Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter des Über­g­angs­zu­schus­ses be­wusst er­kannt und ge­wollt ha­ben und von an­de­ren For­men von ‚Über­g­angs­gel­dern‘ im herkömmli­chen Sin­ne ab­ge­grenzt wis­sen woll­ten.
66 aa. In dem Rund­schrei­ben Nr. 29/83 vom 08.08.1983 erläutert die Ar­beit­ge­be­rin, war­um sie die GBV über den Über­g­angs­zu­schuss vom 22.12.1981 gekündigt hat. Es heißt in dem Rund­schrei­ben wört­lich:
67 „Die ste­tig stei­gen­de Zahl von Pen­si­onären, de­nen im­mer we­ni­ger Ak­ti­ve ge­genüber­ste­hen, wird in den nächs­ten Jahr­zehn­ten die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung, aber auch die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung [Her­vor­he­bung nur hier] vor große fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me stel­len. Um die­ser Ent­wick­lung lang­fris­tig Rech­nung zu tra­gen, wur­de die „Ver­ein­ba­rung zum Über­g­angs­zu­schuss bei Pen­sio­nie­rung im Ta­rif­kreis“ vom 22.12.1981 (vgl. ZP Rund­schrei­ben Nr. 10/82 vom 23.12.1981) fir­men­seits zum 30.09.1983 gekündigt.“
68 Mit die­ser For­mu­lie­rung ord­net die Ar­beit­ge­be­rin selbst den Über­g­angs­zu­schuss dem Be­reich der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu.
69 bb. Das Rund­schrei­ben vom 23.12.1981 dien­te be­kannt­lich der Erläute­rung, war­um die da­ma­li­gen Be­triebs­par­tei­en die bis zu je­nem Zeit­punkt als ‚Über­g­angs­geld‘ be­zeich­ne­te Leis­tung nun­mehr in ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ um­be­nannt hat­ten. In dem Rund­schrei­ben vom 23.12.1981 heißt es:
70 „Die Be­zeich­nung ‚Über­g­angs­geld‘ hat ver­schie­dent­lich da­zu geführt, die­se Leis­tung mit dem Über­g­angs­geld des öffent­li­chen Diens­tes in Ver­bin­dung zu brin­gen, das ei­nen ganz an­de­ren Rechtscha­rak­ter hat und ei­nem an­de­ren Zweck dient [Her­vor­he­bung nur hier]. Um wei­te­ren Miss­verständ­nis­sen vor­zu­beu­gen, wird da­her ab so­fort un­ser Über­g­angs­geld in ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ um­be­nannt.“
71 Das ins­be­son­de­re in §§ 62 ff. BAT ge­re­gel­te ‚Über­g­angs­geld‘ des öffent­li­chen Diens­tes stell­te aber ge­ra­de kei­ne Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung dar, son­dern ei­ne Über­brückungs­hil­fe im herkömmli­chen Sin­ne für vorüber­ge­hen­de Zei­ten der Ar­beits- bzw. Ein­kom­mens­lo­sig­keit. Wenn die Be­triebs­par­tei­en der GBV vom 22.12.1981 den ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ hier­mit nicht ver­wech­selt wis­sen woll­ten, spricht dies deut­lich für den er­kann­ten und ge­woll­ten Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter des Über­g­angs­zu­schus­ses.
72 2. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts schei­tert der An­spruch des Klägers auf den Über­g­angs­zu­schuss nicht dar­an, dass er be­reits zwei Jah­re vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te und Be­ginn des Be­triebs­ren­ten­an­spruchs bzw. mehr als drei Jah­re vor Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze der S -Richt­li­ni­en aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis zu sei­ner letz­ten Ar­beit­ge­be­rin aus­ge­schie­den und so­mit nicht „im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ak­ti­ve Dienst­zeit bei der S -AG pen­sio­niert“ wor­den ist.
73 a. Die in Zif­fer 2.) der GBV vom 22.12.1981 for­mu­lier­te An­spruchs- „vor­aus­set­zung“, dass der Mit­ar­bei­ter im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an die ak­ti­ve Dienst­zeit bei der S -AG pen­sio­niert wird, stellt in Wirk­lich­keit kei­ne spe­zi­el­le, ge­ra­de auf das Ver­sor­gungs­in­stru­ment ‚Über­g­angs­zu­schuss‘ zu­ge­schnit­te­ne An­spruchs­vor­aus­set­zung dar, son­dern gibt nur ei­nem all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­ken Aus­druck, der na­he­zu je­dem Be­triebs­ren­ten­ver­spre­chen zu Grun­de liegt. Der die Al­ters­ver­sor­gung ver­spre­chen­de Ar­beit­ge­ber geht re­gelmäßig von dem als Ide­al­fall und Nor­mal­fall an­ge­se­he­nen Sze­na­rio aus, dass der Empfänger des Ver­sor­gungs­ver­spre­chens bis zum Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te oder bis zum Er­rei­chen ei­ner in der Ver­sor­gungs­ord­nung de­fi­nier­ten fes­ten Al­ters­gren­ze in den Diens­ten des Un­ter­neh­mens ak­tiv blei­ben wird. Dem­ent­spre­chend fin­den sich iden­ti­sche oder ähn­li­che For­mu­lie­run­gen wie die in Zif­fer 2.) zwei­ter Spie­gel­strich der GBV vom 22.12.1981 in zahl­rei­chen – ins­be­son­de­re älte­ren – Ver­sor­gungs­ord­nun­gen schon als ‚Vor­aus­set­zung‘ für die zu­ge­sag­te Be­triebs­ren­te an sich.
74 b. Da je­doch der Ar­beit­neh­mer in An­be­tracht der re­gelmäßig auf äußerst lang­fris­ti­ge Zeiträume an­ge­leg­ten Be­triebs­ren­ten­ver­spre­chen in sei­nen Möglich­kei­ten zur Dis­po­si­ti­on über sei­ne ei­ge­ne Al­ters­ver­sor­gung geschützt wer­den muss, wur­de das Rechts­in­sti­tut der un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft ent­wi­ckelt und im Be­triebs­ren­ten­ge­setz ver­an­kert.
75 c. Der Schutz­zweck des Rechts­in­sti­tuts der un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft greift auch im vor­lie­gen­den Fall: Der not­wen­di­ge Ver­trau­ens­schutz des Empfängers ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge be­zieht sich nicht nur auf das Ob des Ver­spre­chens ei­ner Be­triebs­ren­te, son­dern auch auf de­ren zu­ge­sag­te Höhe. Wie be­reits aus­geführt stellt der Über­g­angs­zu­schuss nach der GBV vom 22.12.1981 nur ei­ne Va­ri­an­te der Zu­sa­ge ei­ner Erhöhung der ver­spro­che­nen Be­triebs­ren­te für ei­nen be­fris­te­ten Zeit­raum dar. Wem auf der Grund­la­ge der GBV vom 22.12.1981 ein Über­g­angs­zu­schuss zu­ge­sagt wor­den ist, kann da­mit kal­ku­lie­ren, dass er in den ers­ten sechs Mo­na­ten ab Ein­tritt in die Pen­si­on bzw. Al­ters­ren­te ei­ne auf die Höhe sei­nes letz­ten vol­len Brut­to­ge­halts auf­ge­stock­te Be­triebs­ren­te zur Verfügung ha­ben wird. Würde dem Zu­sa­ge­empfänger, wie im vor­lie­gen­den Fall dem Kläger, die­se Leis­tung ge­nom­men, ob­wohl er sämt­li­che ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ner un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft un­strei­tig erfüllt hat, nur weil er kur­ze Zeit vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te bzw. vor Er­rei­chen der fes­ten Al­ters­gren­ze aus der Ver­sor­gungs­ord­nung aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist bzw. aus­schei­den muss­te, so entstünde im Ver­gleich zu dem zu­ge­sag­ten Ver­sor­gungs­vo­lu­men ei­ne nicht un­er­heb­li­che Lücke, die der Kläger im Zeit­punkt des Aus­schei­dens aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis im Zwei­fel nicht mehr durch an­der­wei­ti­ge Dis­po­si­tio­nen hätte schließen können.
76 d. Das Ar­beits­ge­richt ar­gu­men­tiert nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts wi­dersprüchlich, wenn es ausführt: „Die Ein­ord­nung des Zu­schus­ses als be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und ihr hierfür maßgeb­li­cher Zweck zwin­gen be­reits da­zu, dass der Kläger un­mit­tel­bar mit dem Er­rei­chen der Pen­sio­nie­rung aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det. Das ist das vom Zu­schuss ab­ge­bil­de­te Ver­sor­gungs­bedürf­nis.“ Träfe es zu, dass ge­ra­de der Ver­sor­gung­s­cha­rak­ter ei­ner zu­ge­sag­ten Leis­tung die Not­wen­dig­keit des Ver­bleibs im ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis bis zum Er­rei­chen der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te in­di­zier­te, wäre das Rechts­in­sti­tut ei­ner un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft kon­ter­ka­riert. Zur Über­zeu­gung des Be­ru­fungs­ge­richts ist viel­mehr ge­ra­de das Ge­gen­teil der Fall: Wenn man, wie das Ar­beits­ge­richt selbst mit über­zeu­gen­den Ar­gu­men­ten her­aus­ge­ar­bei­tet hat, den Cha­rak­ter des Über­g­angs­zu­schus­ses als Leis­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung be­jaht, so folgt dar­aus zwin­gend, dass dar­auf auch das Rechts­in­sti­tut der un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft und ins­be­son­de­re § 2 Abs. 1 Be­trAVG An­wen­dung fin­den muss.
77 e. Bei al­le­dem kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts auch nicht dar­auf ab­ge­stellt wer­den, dass der Kläger des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens vor Ein­tritt in die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te und vor Auf­nah­me der Be­triebs­ren­ten­zah­lun­gen zwei Jah­re lang ar­beits­los ge­we­sen ist mit der Fol­ge, dass für ihn persönlich an­ders als bei Mit­ar­bei­tern, die bis zu­letzt im ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis ge­stan­den hat­ten, mit dem Ein­tritt in die Pen­si­on kei­ne si­gni­fi­kan­te Ab­sen­kung des Ein­kom­mens­ni­veaus mehr ver­bun­den war. Die not­wen­di­ge abs­trakt-ge­ne­rel­le Aus­le­gung der Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung kann nicht von zufälli­gen Sach­ver­halts­kon­stel­la­tio­nen des Ein­zel­falls abhängen. Die Fra­ge, ob der An­spruch des Klägers auf den Über­g­angs­zu­schuss we­gen sei­nes vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens aus dem ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis un­ter­ge­gan­gen ist oder nicht, hätte sich nämlich in glei­cher Wei­se ge­stellt, wenn es dem Kläger ge­lun­gen wäre, für den Zeit­raum bis zum 31.12.2014 noch ei­ne an­der­wei­ti­ge Stel­le zu fin­den, in der er ei­nen gleich ho­hen Ver­dienst er­zielt hätte wie zu­vor bei der Ge­mein­schuld­ne­rin. Auch in die­sem Fal­le hätte das Ar­beits­ge­richt auf der Grund­la­ge sei­ner Rechts­mei­nung ei­nen An­spruch des Klägers auf den Über­g­angs­zu­schuss ver­nei­nen müssen, ob­wohl für den Kläger oh­ne den Über­g­angs­zu­schuss mit dem Ein­tritt in das Pen­si­ons­al­ter der­sel­be Ein­kom­mens­ein­bruch ver­bun­den ge­we­sen wäre, wie wenn er bis zum Schluss bei der Ge­mein­schuld­ne­rin hätte ak­tiv blei­ben können.
78 f. Der Kläger hat­te da­her ge­gen den Be­klag­ten ei­nen An­spruch aus ei­ner un­ver­fall­ba­ren An­wart­schaft auf den Über­g­angs­zu­schuss gemäß GBV vom 22.12.1981, des­sen Höhe sich nach § 7 Abs. 2 Satz 3 und 4 i. V. m. § 2 Abs. 1 Be­trAVG rich­tet.
79 3. Das Zins­da­tum war zu kor­ri­gie­ren, da die erst­ma­li­ge Fällig­keit der Al­ters­ver­sor­gungs­ansprüche des Klägers ge­gen den Be­klag­ten erst nach Rechtshängig­keit der vor­lie­gen­den Kla­ge ein­ge­tre­ten ist.
80 III. Die Kos­ten­fol­ge rich­tet sich nach § 91 Abs. 1 ZPO.
81 Nach Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts war gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG für den Be­klag­ten die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.
82 RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
83 Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei
84 R E V I S I O N
85 ein­ge­legt wer­den.
86 Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
87 Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim
88 Bun­des­ar­beits­ge­richt
89 Hu­go-Preuß-Platz 1
90 99084 Er­furt
91 Fax: 0361-2636 2000
92 ein­ge­legt wer­den.
93
94 Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
95 Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
96 1. Rechts­anwälte,
97 2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
98 3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
99 In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
100 Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
101 Bezüglich der Möglich­keit elek­tro­ni­scher Ein­le­gung der Re­vi­si­on wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I Sei­te 519) ver­wie­sen.
102 * ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.
103 Am 25.04.2016 er­ging fol­gen­der Be­rich­ti­gungs­be­schluss:
104 wird in dem Ver­fah­ren 7 Sa 534/15, K ge­gen P der Ur­teils­te­nor vom 26.11.2015 we­gen ei­ner of­fen­sicht­lich irrtümli­chen Un­rich­tig­keit im Sin­ne von § 319 ZPO wie folgt be­rich­tigt:
105 Die ein­lei­ten­de For­mu­lie­rung „auf die Re­vi­si­on des Klägers hin…“ ist zu strei­chen und zu er­set­zen durch die For­mu­lie­rung: „auf die (*1) Be­ru­fung des Klägers hin…“.

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