HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

EuGH, Ur­teil vom 23.04.2020, C-710/18

   
Schlagworte: Arbeitnehmerfreizügigkeit, Tarifvertrag: Vordienstzeiten, Tarifvertrag: Stufenzuordnung, Eigruppierung: Stufenzuordnung, Ausländer
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Aktenzeichen: C-710/18
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 23.04.2020
   
Leitsätze: Art. 45 Abs. 1 AEUV ist dahin auszulegen, dass er einer nationalen Regelung entgegensteht, die für die Ermittlung der Höhe des Entgelts eines als Lehrer bei einer Gebietskörperschaft beschäftigten Arbeitnehmers die Vordienstzeiten, die von diesem Arbeitnehmer bei einem in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen anderen Arbeitgeber als dieser Gebietskörperschaft zurückgelegt wurden, nur im Umfang von insgesamt bis zu drei Jahren berücksichtigt, wenn diese Tätigkeit derjenigen gleichwertig ist, die der Arbeitnehmer im Rahmen dieser Tätigkeit als Lehrer auszuüben hat.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Lüneburg, Urteil vom 03.12.2015, 4 Ca 150/15,
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 09.03.2017, 4 Sa 86/16,
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 18.10.2018, 6 AZR 232/17 (A)
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Sieb­te Kam­mer)

23. April 2020

 

„Vor­la­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung – Freizügig­keit der Ar­beit­neh­merArt. 45 Abs. 1 AEUV – Ent­loh­nung – Zu­ord­nung zu den Stu­fen ei­nes Ent­gelt­sys­tems – Ent­gelt­sys­tem, das ein höhe­res Ent­gelt an die Dau­er der Beschäfti­gung beim sel­ben Ar­beit­ge­ber knüpft – Be­grenz­te An­rech­nung der ein­schlägi­gen Vor­dienst­zei­ten, die bei ei­nem in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem Her­kunfts­mit­glied­staat ansässi­gen Ar­beit­ge­ber zurück­ge­legt wur­den“

 

 

In der Rechts­sa­che C‑710/18

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 AEUV, ein­ge­reicht vom Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) mit Ent­schei­dung vom 18. Ok­to­ber 2018, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 14. No­vem­ber 2018, in dem Ver­fah­ren

WN

ge­gen

Land Nie­der­sach­sen

erlässt


 

DER GERICH­TSHOF (Sieb­te Kam­mer)


 

un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten P. G. Xue­r­eb so­wie der Rich­ter A. Ara­b­ad­jiev (Be­richt­er­stat­ter) und A. Ku­min,

Ge­ne­ral­an­walt: M. Sz­pu­nar,

Kanz­ler: A. Ca­lot Es­co­bar,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

  • von WN, ver­tre­ten durch Rechts­an­walt K. Ot­te,
  • des Lan­des Nie­der­sach­sen, ver­tre­ten durch Rechts­anwältin J. Ra­sche,
  • der deut­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch J. Möller und S. Ei­sen­berg als Be­vollmäch­tig­te,
  • der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on, ver­tre­ten durch M. van Beek und B.‑R. Kill­mann als Be­vollmäch­tig­te,

auf­grund des nach Anhörung des Ge­ne­ral­an­walts er­gan­ge­nen Be­schlus­ses, oh­ne Schluss­anträge über die Rechts­sa­che zu ent­schei­den,

fol­gen­des

 

Ur­teil

 

Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 45 AEUV und von Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 5. April 2011 über die Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Uni­on (ABl. 2011, L 141, S. 1).
2

Es er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits zwi­schen WN und dem Land Nie­der­sach­sen (Deutsch­land) über die teil­wei­se An­rech­nung der ein­schlägi­gen Vor­dienst­zei­ten, die die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens bei ei­nem in Frank­reich ansässi­gen Ar­beit­ge­ber zurück­ge­legt hat, für die Be­stim­mung der Höhe ih­res Ent­gelts.

 

Recht­li­cher Rah­men

Uni­ons­recht

3

Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung Nr. 492/2011 sieht vor:

 

„Ein Ar­beit­neh­mer, der Staats­an­gehöri­ger ei­nes Mit­glied­staats ist, darf auf­grund sei­ner Staats­an­gehörig­keit im Ho­heits­ge­biet der an­de­ren Mit­glied­staa­ten hin­sicht­lich der Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Ent­loh­nung, Kündi­gung und, falls er ar­beits­los ge­wor­den ist, im Hin­blick auf be­ruf­li­che Wie­der­ein­glie­de­rung oder Wie­der­ein­stel­lung, nicht an­ders be­han­delt wer­den als die inländi­schen Ar­beit­neh­mer.“

4 Art. 1 der Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 zu der EGB-UN­ICE‑CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge (ABl. 1999, L 175, S. 43, im Fol­gen­den: Rah­men­ver­ein­ba­rung) sieht die Durchführung die­ser Ver­ein­ba­rung im An­hang die­ser Richt­li­nie vor.
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Pa­ra­graf 3 („De­fi­ni­tio­nen“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung lau­tet:

 

„Im Sin­ne die­ser Ver­ein­ba­rung ist:

 

  1. ‚be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer‘ ei­ne Per­son mit ei­nem di­rekt zwi­schen dem Ar­beit­ge­ber und dem Ar­beit­neh­mer ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag oder ‑verhält­nis, des­sen En­de durch ob­jek­ti­ve Be­din­gun­gen wie das Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Da­tums, die Erfüllung ei­ner be­stimm­ten Auf­ga­be oder das Ein­tre­ten ei­nes be­stimm­ten Er­eig­nis­ses be­stimmt wird.
  2. ‚ver­gleich­ba­rer Dau­er­beschäftig­ter‘ ein Ar­beit­neh­mer des­sel­ben Be­triebs mit ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag oder ‑verhält­nis, der in der glei­chen oder ei­ner ähn­li­chen Ar­beit/Beschäfti­gung tätig ist, wo­bei auch die Qua­li­fi­ka­tio­nen/Fer­tig­kei­ten an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen sind. Ist in dem­sel­ben Be­trieb kein ver­gleich­ba­rer Dau­er­beschäftig­ter vor­han­den, er­folgt der Ver­gleich an­hand des an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trags oder in Er­man­ge­lung ei­nes sol­chen gemäß den ein­zel­staat­li­chen ge­setz­li­chen oder ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen oder Ge­pflo­gen­hei­ten.“
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Pa­ra­graf 4 („Grund­satz der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung“) der Rah­men­ver­ein­ba­rung hat fol­gen­den Wort­laut:

 

  1. Be­fris­tet beschäfti­ge Ar­beit­neh­mer dürfen in ih­ren Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen nur des­we­gen, weil für sie ein be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag oder ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis gilt, ge­genüber ver­gleich­ba­ren Dau­er­beschäftig­ten nicht schlech­ter be­han­delt wer­den, es sei denn, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung ist aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.
  2. Es gilt, wo dies an­ge­mes­sen ist, der Pro-ra­ta-tem­po­ris-Grund­satz.
  3. Die An­wen­dungs­mo­da­litäten die­ser Be­stim­mung wer­den von den Mit­glied­staa­ten nach Anhörung der So­zi­al­part­ner und/oder von den So­zi­al­part­nern un­ter Berück­sich­ti­gung der Rechts­vor­schrif­ten der Ge­mein­schaft und der ein­zel­staat­li­chen ge­setz­li­chen und ta­rif­ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen und Ge­pflo­gen­hei­ten fest­ge­legt.
  4. In Be­zug auf be­stimm­te Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen gel­ten für be­fris­tet beschäfti­ge Ar­beit­neh­mer die­sel­ben Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten wie für Dau­er­beschäftig­te, es sei denn, un­ter­schied­li­che Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten sind aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt.“

 

Deut­sches Recht

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Der im Rah­men des Aus­gangs­rechts­streits an­wend­ba­re Ta­rif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Länder in der Fas­sung des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 7 vom 9. März 2013 (im Fol­gen­den: TV-L) sieht in § 12 („Ein­grup­pie­rung“) vor:

 

„(1)  Die/Der Beschäftig­te erhält Ent­gelt nach der Ent­gelt­grup­pe, in der sie/er ein­grup­piert ist.
…“  

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§ 16 TV-L legt die Stu­fen in­ner­halb ei­ner Ent­gelt­grup­pe in der Ent­gelt­ta­bel­le wie folgt fest:

 

„(1) Die Ent­gelt­grup­pen 9 bis 15 um­fas­sen fünf Stu­fen …

 

(2) Bei der Ein­stel­lung wer­den die Beschäftig­ten der Stu­fe 1 zu­ge­ord­net, so­fern kei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung vor­liegt. Verfügen Beschäftig­te über ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr aus ei­nem vor­he­ri­gen be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber, er­folgt die Stu­fen­zu­ord­nung un­ter An­rech­nung der Zei­ten der ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung aus die­sem vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis. Ist die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens ei­nem Jahr in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­wor­ben wor­den, er­folgt die Ein­stel­lung in die Stu­fe 2, be­zie­hungs­wei­se – bei Ein­stel­lung nach dem 31. Ja­nu­ar 2010 und Vor­lie­gen ei­ner ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung von min­des­tens drei Jah­ren – in Stu­fe 3. Un­abhängig da­von kann der Ar­beit­ge­ber bei Neu­ein­stel­lun­gen zur De­ckung des Per­so­nal­be­darfs Zei­ten ei­ner vor­he­ri­gen be­ruf­li­chen Tätig­keit ganz oder teil­wei­se für die Stu­fen­zu­ord­nung berück­sich­ti­gen, wenn die­se Tätig­keit für die vor­ge­se­he­ne Tätig­keit förder­lich ist.

 

Pro­to­kollerklärun­gen zu § 16 Ab­satz 2:

 

1. Ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung ist ei­ne be­ruf­li­che Er­fah­rung in der über­tra­ge­nen oder ei­ner auf die Auf­ga­be be­zo­gen ent­spre­chen­den Tätig­keit.

 

3. Ein vor­he­ri­ges Ar­beits­verhält­nis im Sin­ne des Sat­zes 2 be­steht, wenn zwi­schen dem En­de des vor­he­ri­gen und dem Be­ginn des neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses ein Zeit­raum von längs­tens sechs Mo­na­ten liegt; …

 

(3) Die Beschäftig­ten er­rei­chen die je­weils nächs­te Stu­fe – von Stu­fe 3 an in Abhängig­keit von ih­rer Leis­tung gemäß § 17 Ab­satz 2 – nach fol­gen­den Zei­ten ei­ner un­un­ter­bro­che­nen Tätig­keit in­ner­halb der­sel­ben Ent­gelt­grup­pe bei ih­rem Ar­beit­ge­ber (Stu­fen­lauf­zeit):

 

  • Stu­fe 2 nach ei­nem Jahr in Stu­fe 1,
  • Stu­fe 3 nach zwei Jah­ren in Stu­fe 2,
  • Stu­fe 4 nach drei Jah­ren in Stu­fe 3,
  • Stu­fe 5 nach vier Jah­ren in Stu­fe 4 …“
9 Die Richt­li­nie 1999/70 zur Durchführung der Rah­men­ver­ein­ba­rung wur­de mit dem Ge­setz über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge (Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz) vom 21. De­zem­ber 2000 in der durch das Ge­setz vom 20. De­zem­ber 2011 geänder­ten Fas­sung (im Fol­gen­den: Tz­B­fG) in deut­sches Recht um­ge­setzt.
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§ 4 („Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung“) Abs. 2 Tz­B­fG sieht vor:

 

„Ein be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer darf we­gen der Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges nicht schlech­ter be­han­delt wer­den … als ein ver­gleich­ba­rer un­be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer, es sei denn, dass sach­li­che Gründe ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung recht­fer­ti­gen. Ei­nem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ist Ar­beits­ent­gelt oder ei­ne an­de­re teil­ba­re geld­wer­te Leis­tung, die für ei­nen be­stimm­ten Be­mes­sungs­zeit­raum gewährt wird, min­des­tens in dem Um­fang zu gewähren, der dem An­teil sei­ner Beschäfti­gungs­dau­er am Be­mes­sungs­zeit­raum ent­spricht. Sind be­stimm­te Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen von der Dau­er des Be­ste­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses in dem­sel­ben Be­trieb oder Un­ter­neh­men abhängig, so sind für be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer die­sel­ben Zei­ten zu berück­sich­ti­gen wie für un­be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer, es sei denn, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Berück­sich­ti­gung aus sach­li­chen Gründen ge­recht­fer­tigt ist.“

 

Aus­gangs­rechts­streit und Vor­la­ge­fra­ge

11 Zwi­schen 1997 und 2014 war WN, die deut­sche Staats­an­gehöri­ge ist, un­un­ter­bro­chen in Frank­reich an ver­schie­de­nen Collèges und Lycées als Leh­re­rin tätig. Am 8. Sep­tem­ber 2014, d. h. we­ni­ger als sechs Mo­na­te nach Be­en­di­gung die­ser Tätig­keit, wur­de sie vom Land Nie­der­sach­sen als Leh­re­rin ein­ge­stellt. Ihr Ar­beits­ver­trag wird durch den TV-L ge­re­gelt, der ih­re Ein­stu­fung nach der Stu­fe in der Ent­gelt­ta­bel­le be­stimmt.
12 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung geht her­vor, dass die von WN in Frank­reich er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung vom Land Nie­der­sach­sen für ih­re Ein­stu­fung in die­se Ta­bel­le als ein­schlägig im Sin­ne von § 16 Abs. 2 TV-L an­er­kannt wur­de.
13 Die in Frank­reich zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­zei­ten wur­den vom Land Nie­der­sach­sen bei der Er­mitt­lung der Stu­fe, der WN zu­zu­ord­nen war, je­doch nur teil­wei­se an­ge­rech­net. Da­her wur­de sie der Stu­fe 3 der Ent­gelt­grup­pe 11 der Ent­gelt­ta­bel­le zu­ge­ord­net. Das vor­le­gen­de Ge­richt führt aus, dass nach § 16 Abs. 2 TV-L, der ei­ne Be­gren­zung der An­rech­nung der bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­wor­be­nen ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung vor­se­he, nur drei der von WN in Frank­reich zurück­ge­leg­ten 17 Jah­re be­ruf­li­cher Tätig­keit an­ge­rech­net wor­den sei­en.
14 WN ist der An­sicht, dass sie, wenn sie ei­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von 17 Jah­ren im Rah­men ei­nes frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber im Sin­ne von § 16 Abs. 2 TV-L, im vor­lie­gen­den Fall dem Land Nie­der­sach­sen, er­wor­ben hätte, ab dem Be­ginn ih­res neu­en Ar­beits­verhält­nis­ses mit die­sem Ar­beit­ge­ber gemäß die­ser Be­stim­mung der Stu­fe 5 der Ent­gelt­grup­pe 11 der Ent­gelt­ta­bel­le zu­ge­ord­net wor­den wäre.
15 Des­halb be­an­trag­te WN am 20. Ok­to­ber 2014 beim Land Nie­der­sach­sen ih­re Neu­ein­stu­fung in Stu­fe 5 der Ent­gelt­grup­pe 11 der Ent­gelt­ta­bel­le und die rück­wir­ken­de Zah­lung des ent­spre­chen­den Ent­gelts. Das Land Nie­der­sach­sen lehn­te die­sen An­trag mit der Be­gründung ab, dass die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung von mehr als drei Jah­ren, auf die sich WN be­ru­fen könne, bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber als dem Land Nie­der­sach­sen er­wor­ben wor­den sei und da­her nicht vollständig an­ge­rech­net wer­den könne.
16 WN er­hob ge­gen die­se Ent­schei­dung Kla­ge beim zuständi­gen Ar­beits­ge­richt ers­ter In­stanz, der statt­ge­ge­ben wur­de und zu ei­ner Über­prüfung der Ein­stu­fung der Be­trof­fe­nen führ­te. Nach An­ga­ben des vor­le­gen­den Ge­richts hat­te WN gel­tend ge­macht, dass ih­re Ein­stu­fung in Stu­fe 3 die­ser Ent­gelt­grup­pe feh­ler­haft sei, weil die feh­len­de vollständi­ge Berück­sich­ti­gung ih­rer in Frank­reich er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung ei­ne Un­gleich­be­hand­lung dar­stel­le, die ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung und die Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit ver­s­toße. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) gab der vom Land Nie­der­sach­sen ein­ge­leg­ten Be­ru­fung statt und hob das erst­in­stanz­li­che Ur­teil auf. WN leg­te dar­auf­hin Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (Deutsch­land) ein und be­an­tragt die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.
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Da das vor­le­gen­de Ge­richt Zwei­fel an der Ver­ein­bar­keit der in Re­de ste­hen­den na­tio­na­len Rechts­vor­schrift mit dem Uni­ons­recht hat, hat es das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

Sind Art. 45 Abs. 2 AEUV und Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 492/2011 da­hin ge­hend aus­zu­le­gen, dass sie ei­ner Re­ge­lung wie der in § 16 Abs. 2 TV-L ge­trof­fe­nen ent­ge­gen­ste­hen, wo­nach die bei dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber er­wor­be­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung bei der Zu­ord­nung zu den Stu­fen ei­nes ta­rif­li­chen Ent­gelt­sys­tems nach der Wie­der­ein­stel­lung pri­vi­le­giert wird, in­dem die­se Be­rufs­er­fah­rung gemäß § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L un­ein­ge­schränkt an­er­kannt wird, während die bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern er­wor­be­ne ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung gemäß § 16 Abs. 2 Satz 3 TV-L nur mit höchs­tens drei Jah­ren berück­sich­tigt wird, wenn die­se Pri­vi­le­gie­rung durch Pa­ra­graf 4 Nr. 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung uni­ons­recht­lich ge­bo­ten ist?

 

Zur Vor­la­ge­fra­ge

18 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es nach ständi­ger Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs im Rah­men des durch Art. 267 AEUV ge­schaf­fe­nen Ver­fah­rens der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den na­tio­na­len Ge­rich­ten und dem Ge­richts­hof Auf­ga­be des Ge­richts­hofs ist, dem na­tio­na­len Ge­richt ei­ne für die Ent­schei­dung des bei ihm anhängi­gen Rechts­streits sach­dien­li­che Ant­wort zu ge­ben. Aus die­sem Blick­win­kel ob­liegt es dem Ge­richts­hof ge­ge­be­nen­falls, die ihm ge­stell­ten Fra­gen um­zu­for­mu­lie­ren. Der Um­stand, dass ein na­tio­na­les Ge­richt ei­ne Vor­la­ge­fra­ge ih­rer Form nach un­ter Be­zug­nah­me auf be­stimm­te Vor­schrif­ten des Uni­ons­rechts for­mu­liert hat, hin­dert den Ge­richts­hof nicht dar­an, die­sem Ge­richt al­le Aus­le­gungs­hin­wei­se zu ge­ben, die ihm bei der Ent­schei­dung über die bei ihm anhängi­ge Rechts­sa­che von Nut­zen sein können, und zwar un­abhängig da­von, ob es bei der For­mu­lie­rung sei­ner Fra­gen dar­auf Be­zug ge­nom­men hat oder nicht. Der Ge­richts­hof hat in­so­weit aus dem ge­sam­ten vom ein­zel­staat­li­chen Ge­richt vor­ge­leg­ten Ma­te­ri­al, ins­be­son­de­re aus der Be­gründung der Vor­la­ge­ent­schei­dung, die­je­ni­gen Ele­men­te des Uni­ons­rechts her­aus­zu­ar­bei­ten, die un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­gen­stands des Rechts­streits ei­ner Aus­le­gung bedürfen (Ur­teil vom 28. März 2019, Co­ge­co Com­mu­ni­ca­ti­ons, C‑637/17, EU:C:2019:263, Rn. 35).
19 Im vor­lie­gen­den Fall geht aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Re­ge­lung un­ter­schieds­los auf sämt­li­che von ei­nem Bun­des­land ein­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer un­abhängig von ih­rer Staats­an­gehörig­keit an­wend­bar ist. Sie be­gründet aber ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer nach Maßga­be des Ar­beit­ge­bers, bei dem die Be­rufs­er­fah­rung er­wor­ben wur­de.
20 Im Un­ter­schied zu der Rechts­sa­che, in der das Ur­teil vom 5. De­zem­ber 2013, Zen­tral­be­triebs­rat der ge­meinnützi­gen Salz­bur­ger Lan­des­kli­ni­ken (C‑514/12, EU:C:2013:799), er­gan­gen ist, in dem die in Re­de ste­hen­de na­tio­na­le Maßnah­me vom Land Salz­burg (Öster­reich) ein­ge­stell­te Ärz­te und An­gehöri­ge von Ge­sund­heits­be­ru­fen aus an­de­ren Mit­glied­staa­ten als der Re­pu­blik Öster­reich be­traf, geht im vor­lie­gen­den Fall aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung her­vor, dass WN deut­sche Staats­an­gehöri­ge ist, die sich, be­vor sie als Leh­re­rin an ei­ner Schu­le des Lan­des Nie­der­sach­sen ein­ge­stellt wur­de, in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat auf­hielt und dort an ver­schie­de­nen Schu­len und Gym­na­si­en un­ter­rich­te­te. So­mit las­sen die dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten nicht die An­nah­me zu, dass WN ei­ne Ar­beit­neh­me­rin ist, die Staats­an­gehöri­ge ei­nes Mit­glied­staats ist und we­gen ih­rer Staats­an­gehörig­keit im Ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats in Be­zug auf die Ar­beits- und Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen an­ders be­han­delt wur­de.
21 In die­sem Kon­text kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass das Aus­gangs­ver­fah­ren durch das Vor­lie­gen ei­ner auf der Staats­an­gehörig­keit be­ru­hen­den Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von Art. 45 Abs. 2 AEUV und Art. 7 Abs. 1 der Ver­ord­nung Nr. 492/2011 ge­kenn­zeich­net ist.
22 Da­her ist in An­be­tracht der vom vor­le­gen­den Ge­richt ge­mach­ten An­ga­ben die Vor­la­ge­fra­ge um­zu­for­mu­lie­ren, um dem vor­le­gen­den Ge­richt sach­dien­li­che Aus­le­gungs­hin­wei­se zu ge­ben.
23 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung geht nämlich her­vor, dass sich das Bun­des­ar­beits­ge­richt in Wirk­lich­keit die Fra­ge stellt, ob Art. 45 Abs. 1 AEUV da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der für die Er­mitt­lung der Höhe des Ent­gelts ei­nes bei ei­ner Ge­bietskörper­schaft als Leh­rer beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers die ein­schlägi­gen Vor­dienst­zei­ten, die von die­sem Ar­beit­neh­mer bei ei­nem in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ansässi­gen an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft zurück­ge­legt wur­den, nur im Um­fang von ins­ge­samt bis zu drei Jah­ren an­ge­rech­net wer­den.
24 Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sämt­li­che Be­stim­mun­gen des AEU-Ver­trags über die Freizügig­keit so­wie die Be­stim­mun­gen der Ver­ord­nung Nr. 492/2011 den An­gehöri­gen der Mit­glied­staa­ten die Ausübung be­ruf­li­cher Tätig­kei­ten al­ler Art im Ge­biet der Uni­on er­leich­tern sol­len und Maßnah­men ent­ge­gen­ste­hen, die die An­gehöri­gen der Mit­glied­staa­ten be­nach­tei­li­gen könn­ten, wenn sie ei­ne un­selbständi­ge Er­werbstätig­keit im Ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats ausüben wol­len (Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 40).
25 Die Staats­an­gehöri­gen der Mit­glied­staa­ten ha­ben ins­be­son­de­re das un­mit­tel­bar aus dem Ver­trag ab­ge­lei­te­te Recht, ih­ren Her­kunfts­mit­glied­staat zu ver­las­sen, um sich zur Ausübung ei­ner Tätig­keit in das Ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats zu be­ge­ben und sich dort auf­zu­hal­ten. Folg­lich steht Art. 45 AEUV je­der na­tio­na­len Maßnah­me ent­ge­gen, die ge­eig­net ist, die Ausübung der durch die­se Vor­schrift verbürg­ten Grund­frei­heit durch die Uni­ons­an­gehöri­gen zu be­hin­dern oder we­ni­ger at­trak­tiv zu ma­chen (Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 41).
26 Ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung, die nicht al­le in ei­nem an­de­ren als dem Her­kunfts­mit­glied­staat des Wan­der­ar­beit­neh­mers zurück­ge­leg­ten gleich­wer­ti­gen Vor­dienst­zei­ten an­rech­net, ist nämlich ge­eig­net, die Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer un­ter Ver­s­toß ge­gen Art. 45 Abs. 1 AEUV we­ni­ger at­trak­tiv zu ma­chen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C‑224/01, EU:C:2003:513, Rn. 74, und vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 54).
27 In Be­zug auf das Aus­gangs­ver­fah­ren ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach § 16 Abs. 2 TV-L die ein­schlägi­ge Be­rufs­er­fah­rung ei­ner vom Land Nie­der­sach­sen ein­ge­stell­ten Per­son, die bei an­de­ren Ar­beit­ge­bern als die­ser Ge­bietskörper­schaft er­wor­ben wur­de, nur teil­wei­se an­ge­rech­net wird.
28 Wie aus der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs her­vor­geht, ist, wenn es spe­zi­ell um die teil­wei­se An­rech­nung der ein­schlägi­gen Be­rufs­er­fah­rung geht, ei­ne gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung auf der ei­nen Sei­te von je­der an­de­ren Art von Be­rufs­er­fah­rung, die für die Ausübung der Tätig­keit als Leh­rer nütz­lich ist, auf der an­de­ren Sei­te zu un­ter­schei­den (Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 51).
29 Was die gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung be­trifft, ist fest­zu­stel­len, dass deut­sche Wan­der­ar­beit­neh­mer – ein­sch­ließlich der­je­ni­gen, die aus Nie­der­sach­sen stam­men –, die be­ab­sich­ti­gen, mehr als drei Jah­re ei­ne Tätig­keit als Leh­rer oder ei­ne ver­gleich­ba­re Tätig­keit an ei­ner oder meh­re­ren Schu­len oder ver­gleich­ba­ren Ein­rich­tun­gen außer­halb die­ses Bun­des­lands oder in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­zuüben, da­von ab­ge­hal­ten wer­den, dies zu tun. So wer­den die­se Ar­beit­neh­mer ins­be­son­de­re dann da­von ab­ge­hal­ten, ih­ren Her­kunfts­mit­glied­staat zu ver­las­sen, um sich in ei­nen an­de­ren Mit­glied­staat zu be­ge­ben, um dort ei­ne Tätig­keit als Leh­rer oder ei­ne ver­gleich­ba­re Tätig­keit aus­zuüben, wenn bei ih­rer Rück­kehr nach Nie­der­sach­sen trotz im We­sent­li­chen glei­cher Ar­beit in die­sem an­de­ren Mit­glied­staat bei ih­rer Ent­gelt­ein­stu­fung durch das Land Nie­der­sach­sen nicht die ge­sam­te gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung an­ge­rech­net wird (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­tei­le vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C‑224/01, EU:C:2003:513, Rn. 74, und vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 47).
30 Im vor­lie­gen­den Fall hätte die An­rech­nung der ge­sam­ten gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung, die von deut­schen Wan­der­ar­beit­neh­mern ein­sch­ließlich der­je­ni­gen aus Nie­der­sach­sen an ei­ner Schu­le oder ei­ner gleich­wer­ti­gen Ein­rich­tung in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­wor­ben wur­de, zur Fol­ge, dass für die­se Ar­beit­neh­mer, die mehr als drei Jah­re ei­ne Tätig­keit als Leh­rer oder ei­ne ver­gleich­ba­re Tätig­keit aus­geübt ha­ben, für die Zwe­cke ih­rer Ent­gelt­ein­stu­fung die­sel­ben Be­din­gun­gen gälten wie für die Ar­beit­neh­mer des Lan­des Nie­der­sach­sen, die den Be­ruf als Leh­rer während gleich lan­ger Beschäfti­gungs­zei­ten an Schu­len die­ses Bun­des­lands ausüben. Da­her ist die An­nah­me ge­recht­fer­tigt, dass es sich hier­bei um ei­nen As­pekt han­delt, der für die Ar­beit­neh­mer von Re­le­vanz ist, wenn es um die Ent­schei­dung geht, sich um ei­ne Stel­le als Leh­rer an Schu­len in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu be­wer­ben und ih­ren Her­kunfts­mit­glied­staat zu ver­las­sen (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 49).
31 Da­ge­gen ist die An­rech­nung der ge­sam­ten Be­rufs­er­fah­rung, die, oh­ne gleich­wer­tig zu sein, für die Ausübung der Tätig­keit als Leh­rer schlicht nütz­lich ist, nach dem in Art. 45 AEUV auf­ge­stell­ten Grund­satz der Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit nicht er­for­der­lich, da es ih­rer nicht be­darf, um si­cher­zu­stel­len, dass für die vom Land Nie­der­sach­sen beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, die nie von ih­rem Recht auf Freizügig­keit Ge­brauch ge­macht ha­ben, und die­je­ni­gen, die da­von Ge­brauch ge­macht ha­ben, für die Zwe­cke ih­rer Ent­gelt­ein­stu­fung die­sel­ben Be­din­gun­gen gel­ten. Die An­nah­me, dass ein Ar­beit­neh­mer, des­sen ge­sam­te gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung, die er in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als sei­nem Her­kunfts­mit­glied­staat er­wer­ben kann, bei sei­ner anfäng­li­chen Ent­gelt­ein­stu­fung als Leh­rer an ei­ner Schu­le des Lan­des Nie­der­sach­sen an­ge­rech­net wird, da­von ab­ge­hal­ten würde, sei­nen Her­kunfts­mit­glied­staat zu ver­las­sen, wenn al­le an­de­ren Ar­ten von Be­rufs­er­fah­rung, die er in die­sem an­de­ren Mit­glied­staat er­wer­ben kann, sämt­lich nicht an­ge­rech­net würden, würde sich nämlich au­gen­schein­lich auf ei­ne Ge­samt­heit von Umständen stützen, die zu un­ge­wiss und zu in­di­rekt sind, um von ei­ner Be­hin­de­rung der Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit aus­ge­hen zu können (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 50).
32 Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den Ak­ten her­vor, dass nach den na­tio­na­len Vor­schrif­ten, die eng aus­zu­le­gen sind, die von WN in Frank­reich er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung vom Land Nie­der­sach­sen als Be­rufs­er­fah­rung an­er­kannt wur­de, die im Rah­men ei­ner Tätig­keit er­wor­ben wur­de, die der­je­ni­gen, für die sie von die­sem Bun­des­land ein­ge­stellt wur­de, im We­sent­li­chen gleich­wer­tig war.
33 Folg­lich ist ei­ne Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, so­fern sie nicht sämt­li­che gleich­wer­ti­ge Vor­dienst­zei­ten, die in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem Her­kunfts­mit­glied­staat ei­nes Wan­der­ar­beit­neh­mers zurück­ge­legt wur­den, berück­sich­tigt, ge­eig­net, die Ar­beit­neh­mer­freizügig­keit un­ter Ver­s­toß ge­gen Art. 45 Abs. 1 AEUV we­ni­ger at­trak­tiv zu ma­chen, und stellt da­mit ei­ne Be­ein­träch­ti­gung die­ser Frei­heit dar.
34 Ei­ne sol­che Maßnah­me ist nur dann zulässig, wenn mit ihr ei­nes der im AEU-Ver­trag ge­nann­ten le­gi­ti­men Zie­le ver­folgt wird oder wenn sie durch zwin­gen­de Gründe des All­ge­mein­in­ter­es­ses ge­recht­fer­tigt ist. Darüber hin­aus muss in ei­nem der­ar­ti­gen Fall ih­re An­wen­dung ge­eig­net sein, die Ver­wirk­li­chung des in Re­de ste­hen­den Ziels zu gewähr­leis­ten, und darf nicht über das hin­aus­ge­hen, was zu sei­ner Er­rei­chung er­for­der­lich ist (Ur­teil vom 10. Ok­to­ber 2019, Krah, C‑703/17, EU:C:2019:850, Rn. 55).
35 Was als Ers­tes die Fra­ge be­trifft, ob die­se Maßnah­me mit dem Ziel ge­recht­fer­tigt wer­den kann, die Be­ach­tung des Grund­sat­zes der Gleich­be­hand­lung von be­fris­tet und un­be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern si­cher­zu­stel­len, führt das vor­le­gen­de Ge­richt aus, dass § 16 Abs. 2 Satz 2 TV-L auf den Fall der Wie­der­ein­stel­lung von be­fris­tet Beschäftig­ten durch den­sel­ben Ar­beit­ge­ber zu­ge­schnit­ten sei. Die na­tio­na­le Be­stim­mung be­zwe­cke, Ar­beit­neh­mern bei wie­der­hol­ten Be­fris­tun­gen den Stu­fen­auf­stieg zu ermögli­chen. § 4 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG, mit dem Pa­ra­graf 4 Nr. 4 der Rah­men­ver­ein­ba­rung durch­geführt wer­de, sei dafür ge­schaf­fen, dass be­fris­tet und un­be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer in Be­zug auf die An­er­ken­nung ih­res Dienst­al­ters gleich be­han­delt würden.
36 Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass aus den Ak­ten her­vor­geht, dass nach § 16 Abs. 2 TV-L die An­rech­nung der ge­sam­ten er­wor­be­nen gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung kei­nes­wegs den Per­so­nen vor­be­hal­ten ist, die ih­re Be­rufs­er­fah­rung im Rah­men be­fris­te­ter Ar­beits­verträge er­wor­ben ha­ben. Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass ei­ne Per­son, die ih­ren un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, den sie mit dem Land Nie­der­sach­sen ge­schlos­sen hat­te, kündigt, vor dem Ab­lauf ei­nes Zeit­raums von sechs Mo­na­ten zwi­schen dem En­de des frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses und dem Be­ginn des neu­en be­sch­ließt, wie­der ei­nen Ar­beits­ver­trag mit die­sem Bun­des­land zu schließen, und in den Ge­nuss der in § 16 Abs. 2 TV-L vor­ge­se­he­nen Re­gel kom­men kann.
37 Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten nicht her­vor, ob das Ar­beits­verhält­nis von WN in Frank­reich un­be­fris­tet war oder nicht. Al­ler­dings ist die­ser tatsächli­che Ge­sichts­punkt nicht von Be­lang. Für WN gilt nämlich beim Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags mit dem Land Nie­der­sach­sen je­den­falls die in § 16 Abs. 2 TV-L vor­ge­se­he­ne Ober­gren­ze, während bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, der ei­ne der Tätig­keit von WN gleich­wer­ti­ge Tätig­keit im Rah­men ei­nes frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Land Nie­der­sach­sen aus­geübt hat, beim Ab­schluss ei­nes neu­en Ar­beits­ver­trags mit die­sem Bun­des­land un­abhängig von der be­fris­te­ten oder un­be­fris­te­ten Dau­er sei­nes al­ten Ar­beits­ver­trags sei­ne ge­sam­te gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung an­ge­rech­net würde.
38 Um die Gleich­be­hand­lung von be­fris­tet und un­be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern si­cher­zu­stel­len, ist es im Übri­gen nicht er­for­der­lich, die gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung der Ar­beit­neh­mer, die für ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber ge­ar­bei­tet ha­ben, teil­wei­se aus­zu­sch­ließen. Außer­dem ver­langt der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung kei­nes­wegs, dass be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer im Ver­gleich zu ei­ner solch an­de­ren Ka­te­go­rie von Ar­beit­neh­mern be­vor­zugt wer­den.
39 Als Zwei­tes ma­chen das Land Nie­der­sach­sen und die deut­sche Re­gie­rung als Recht­fer­ti­gung gel­tend, dass die beim sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung dem be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer er­lau­be, sei­ne Leis­tun­gen bes­ser zu er­brin­gen. Um die Lohn­ge­rech­tig­keit si­cher­zu­stel­len, könne die­ser Vor­teil so­mit da­durch be­lohnt wer­den, dass den Ar­beit­neh­mern, die über ei­ne sol­che Be­rufs­er­fah­rung verfügten, ein höhe­res Ent­gelt ge­zahlt wer­de.
40 Hier­zu genügt der Hin­weis, dass aus den dem Ge­richts­hof vor­lie­gen­den Ak­ten her­vor­geht, dass die von WN in Frank­reich er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung vom Land Nie­der­sach­sen als ei­ne Be­rufs­er­fah­rung an­er­kannt wur­de, die im Rah­men ei­ner Tätig­keit er­wor­ben wur­de, die der­je­ni­gen, die sie im Rah­men ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses mit die­sem Bun­des­land aus­zuüben hat, im We­sent­li­chen gleich­wer­tig war. Da im vor­lie­gen­den Fall die­se Er­fah­rung als der an Schu­len des Lan­des Nie­der­sach­sen er­wor­be­nen Er­fah­rung im We­sent­li­chen gleich­wer­tig an­ge­se­hen wur­de, ist die Tat­sa­che, dass sie in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat er­wor­ben wur­de, nicht ge­eig­net, die Be­gren­zung der An­rech­nung zu recht­fer­ti­gen. Bei ei­ner na­tio­na­len Maßnah­me wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den, die ei­ne be­grenz­te An­rech­nung der gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung vor­sieht, kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie auf die um­fas­sen­de An­rech­nung die­ser Er­fah­rung ab­zielt, so dass die­se Maßnah­me nicht ge­eig­net ist, die Ver­wirk­li­chung des ge­nann­ten Ziels zu gewähr­leis­ten (vgl. in die­sem Sin­ne Ur­teil vom 8. Mai 2019, Öster­rei­chi­scher Ge­werk­schafts­bund, C‑24/17, EU:C:2019:373, Rn. 88).
41 Als Drit­tes ma­chen das Land Nie­der­sach­sen und die deut­sche Re­gie­rung gel­tend, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me durch das Ziel der Bin­dung der Ar­beit­neh­mer an ih­ren Ar­beit­ge­ber ge­recht­fer­tigt sei. Im Rah­men die­ses Vor­brin­gens fügt die deut­sche Re­gie­rung hin­zu, dass im Un­ter­schied zu der Rechts­sa­che, in der das Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler (C‑224/01, EU:C:2003:513), er­gan­gen sei, in der ver­schie­de­ne öster­rei­chi­sche Uni­ver­sitäten un­ter­ein­an­der kon­kur­riert hätten, im Aus­gangs­ver­fah­ren be­stimm­te Ar­beits­be­din­gun­gen wie der Lehr­stoff und die Be­zah­lung an al­len staat­li­chen nie­dersäch­si­schen Schu­len gleich sei­en. Dar­aus fol­ge, dass die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung ge­eig­net sei, die Ver­wirk­li­chung des Ziels der Bin­dung der Ar­beit­neh­mer zu gewähr­leis­ten.
42 Hier­zu ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es in der Rechts­sa­che, in der das Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler (C‑224/01, EU:C:2003:513), er­gan­gen ist, in der drit­ten Fra­ge des vor­le­gen­den Ge­richts u. a. dar­um ging, ob ei­ne spe­zi­el­le von den öster­rei­chi­schen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­ne Dienst­al­ters­zu­la­ge als Prämie an­ge­se­hen wer­den konn­te, mit der die Treue der öster­rei­chi­schen Uni­ver­sitätspro­fes­so­ren zu ih­rem ein­zi­gen Ar­beit­ge­ber, nämlich dem öster­rei­chi­schen Staat, be­lohnt wer­den soll­te. Wie auch in je­ner Rechts­sa­che sind im Aus­gangs­ver­fah­ren die Leh­rer staat­li­cher Schu­len zwar Beschäftig­te ei­nes ein­zi­gen Ar­beit­ge­bers, nämlich des Lan­des Nie­der­sach­sen, doch sind sie auf ver­schie­de­ne staat­li­che Schu­len in­ner­halb die­ses Bun­des­lands ver­teilt.
43 In die­sem Kon­text ist zum ei­nen fest­zu­stel­len, dass selbst un­ter der An­nah­me, dass be­stimm­te Ar­beits­be­din­gun­gen wie der Lehr­stoff und die Be­zah­lung an al­len staat­li­chen nie­dersäch­si­schen Schu­len gleich sind, nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass es an­de­re Be­din­gun­gen wie z. B. den Ruf die­ser Schu­len gibt, die Kon­kur­renz zwi­schen ih­nen schaf­fen können. Je­den­falls kon­kur­rie­ren die­se Schu­len auf dem Ar­beits­markt für Leh­rer staat­li­cher Schu­len mit den Schu­len an­de­rer Ge­bietskörper­schaf­ten, an­de­rer Mit­glied­staa­ten so­wie Drittländern.
44 Da­her ist ent­ge­gen dem in Rn. 41 des vor­lie­gen­den Ur­teils wie­der­ge­ge­be­nen Vor­brin­gen des Lan­des Nie­der­sach­sen und der deut­schen Re­gie­rung die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Maßnah­me nicht ge­eig­net, die Treue ei­nes Leh­rers zu fördern, da ihm sei­ne ent­spre­chend sei­ner Be­rufs­er­fah­rung be­stimm­te Be­zah­lung auch dann ge­schul­det wird, wenn er die Schu­le in­ner­halb die­ses Bun­des­lands wech­selt (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C‑224/01, EU:C:2003:513, Rn. 84, und Be­schluss vom 10. März 2005, Mar­hold, C‑178/04, nicht veröffent­licht, EU:C:2005:164, Rn. 36).
45 Zum an­de­ren ist ei­ne na­tio­na­le Re­ge­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de ge­eig­net, sich auf die Ent­schei­dung der Leh­rer zwi­schen ei­ner Stel­le an ei­ner Schu­le des Lan­des Nie­der­sach­sen und ei­ner Stel­le an ei­ner außer­halb die­ses Bun­des­lands oder ei­ner außer­halb der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land lie­gen­den Schu­le aus­zu­wir­ken (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C‑224/01, EU:C:2003:513, Rn. 85, und Be­schluss vom 10. März 2005, Mar­hold, C‑178/04, nicht veröffent­licht, EU:C:2005:164, Rn. 37).
46 Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung führt so­mit zu ei­ner Ab­schot­tung des Ar­beits­markts für Leh­rer in Nie­der­sach­sen und läuft dem Grund­satz der Freizügig­keit der Ar­beit­neh­mer zu­wi­der (vgl. ent­spre­chend Ur­teil vom 30. Sep­tem­ber 2003, Köbler, C‑224/01, EU:C:2003:513, Rn. 86, und Be­schluss vom 10. März 2005, Mar­hold, C‑178/04, nicht veröffent­licht, EU:C:2005:164, Rn. 38).
47 In An­be­tracht der be­son­de­ren Merk­ma­le der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Maßnah­me ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Be­ein­träch­ti­gung, die sie be­inhal­tet, im vor­lie­gen­den Fall nicht mit dem Ziel der Bin­dung der Ar­beit­neh­mer an ih­re Ar­beit­ge­ber ge­recht­fer­tigt wer­den kann.
48 Als Vier­tes macht das Land Nie­der­sach­sen gel­tend, dass die An­er­ken­nung der ge­sam­ten bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung die Ar­beit­neh­mer zur Rück­kehr be­we­ge, die ei­ne sol­che Er­fah­rung er­wor­ben hätten und die von die­sem Ar­beit­ge­ber in­ner­halb von sechs Mo­na­ten nach dem En­de des frühe­ren Ar­beits­verhält­nis­ses wie­der ein­ge­stellt würden.
49 Hier­zu ist fest­zu­stel­len, dass WN, wie aus Rn. 11 des vor­lie­gen­den Ur­teils her­vor­geht, we­ni­ger als sechs Mo­na­te nach dem En­de ih­res vor­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses mit ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber vom Land Nie­der­sach­sen als Leh­re­rin ein­ge­stellt wur­de.
50 Die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de Re­ge­lung enthält zwei Ge­sichts­punk­te, nämlich ers­tens die vollständi­ge An­rech­nung der Beschäfti­gungs­zei­ten, die im Dienst der Ge­bietskörper­schaft zurück­ge­legt wur­den, und zwei­tens den Aus­schluss ei­nes Teils der gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung, die bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft er­wor­ben wur­de. Das Land Nie­der­sach­sen macht gel­tend, dass die vollständi­ge An­rech­nung der im Dienst der Ge­bietskörper­schaft zurück­ge­leg­ten Beschäfti­gungs­zei­ten die Ar­beit­neh­mer nach der Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses zur Rück­kehr be­we­ge, es erläutert aber nicht, aus wel­chen Gründen sei­ner An­sicht nach die Be­gren­zung der An­rech­nung der gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung, die bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft er­wor­ben wur­de, zur Rück­kehr in den Dienst die­ses Bun­des­lands beiträgt.
51 Je­den­falls be­wegt ei­ne na­tio­na­le Maßnah­me wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de, die ei­nen Teil der gleich­wer­ti­gen Be­rufs­er­fah­rung aus­sch­ließt, die bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber als der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­den Ge­bietskörper­schaft oder bei ei­nem in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ansässi­gen Ar­beit­ge­ber er­wor­ben wur­de, ih­rer Art nach nicht die Ar­beit­neh­mer zur Rück­kehr, die Er­fah­rung bei die­ser Ge­bietskörper­schaft ge­sam­melt ha­ben. Sie hin­dert sie viel­mehr dar­an, ei­ne gleich­wer­ti­ge Be­rufs­er­fah­rung bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft, der in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ansässig ist, zu er­wer­ben. Dar­aus folgt, dass die­se Maßnah­me nicht als ge­eig­net an­ge­se­hen wer­den kann, die Ver­wirk­li­chung des ver­folg­ten Ziels zu gewähr­leis­ten.
52

Nach al­le­dem ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass Art. 45 Abs. 1 AEUV da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, nach der für die Er­mitt­lung der Höhe des Ent­gelts ei­nes bei ei­ner Ge­bietskörper­schaft als Leh­rer beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers die Vor­dienst­zei­ten, die von die­sem Ar­beit­neh­mer bei ei­nem in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ansässi­gen an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft zurück­ge­legt wur­den, nur im Um­fang von ins­ge­samt bis zu drei Jah­ren an­ge­rech­net wer­den, wenn die­se Tätig­keit der­je­ni­gen gleich­wer­tig ist, die der Ar­beit­neh­mer im Rah­men die­ser Tätig­keit als Leh­rer aus­zuüben hat.

 

Kos­ten

53

Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem beim vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

 

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Sieb­te Kam­mer) für Recht er­kannt:


 

Art. 45 Abs. 1 AEUV ist da­hin aus­zu­le­gen, dass er ei­ner na­tio­na­len Re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die für die Er­mitt­lung der Höhe des Ent­gelts ei­nes als Leh­rer bei ei­ner Ge­bietskörper­schaft beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers die Vor­dienst­zei­ten, die von die­sem Ar­beit­neh­mer bei ei­nem in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat ansässi­gen an­de­ren Ar­beit­ge­ber als die­ser Ge­bietskörper­schaft zurück­ge­legt wur­den, nur im Um­fang von ins­ge­samt bis zu drei Jah­ren berück­sich­tigt, wenn die­se Tätig­keit der­je­ni­gen gleich­wer­tig ist, die der Ar­beit­neh­mer im Rah­men die­ser Tätig­keit als Leh­rer aus­zuüben hat.


 

Un­ter­schrif­ten

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