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ARBEITSRECHT AKTUELL // 26/014

Voll­stre­ckung ei­nes Zeug­nis­an­spruchs bei Vor­schlags­recht des Ar­beit­neh­mers

Ver­pflich­tet sich der Ar­beit­ge­ber durch ge­richt­li­chen Ver­gleich zur Zeug­nis­er­tei­lung nach ei­nem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers, kann dar­aus voll­streckt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 07.05.2026, 8 AZB 25/25
Arbeitszeugnis

17.06.2026. Ar­beits­ge­richt­li­che Strei­tig­kei­ten en­den oft da­mit, dass sich die Par­tei­en auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses durch ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich ei­ni­gen, der un­ter an­de­rem die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers ent­hält, ein gu­tes Zeug­nis zu er­tei­len.

Vor kur­zem hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) klar­ge­stellt, dass der Ar­beit­neh­mer auch dann aus ei­nem Zeug­nis Ver­gleich voll­stre­cken kann, wenn die­ser den Wort­laut des Zeug­nis­ses nicht aus­drück­lich ent­hält, son­dern le­dig­lich die Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers, ein Zeug­nis nach dem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers zu er­tei­len: BAG, Be­schluss vom 07.05.2026, 8 AZB 25/25.

Wenn es schnell ge­hen muss: Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers zur Zeug­nis­er­tei­lung nach dem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers

Ist man sich in ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess über den Be­en­di­gungs­zeit­punkt und die Höhe der Ab­fin­dung ei­nig ge­wor­den, sind die wei­te­ren Be­stand­tei­le des Ver­gleichs für die Par­tei­en meist we­ni­ger wich­tig. Zu die­sen eher zweit­ran­gi­gen The­men hört die Pflicht des Ar­beit­ge­bers, ein Zeug­nis zu er­tei­len.

Am bes­ten ist es, wenn sich die Par­tei­en auf den Wort­laut des Zeug­nis­ses ab­sch­ließend verständi­gen, und wenn Sie den Wort­laut des Zeug­nis­ses in den Ver­gleich auf­neh­men. Das ist an sich kein Pro­blem, kos­tet aber Zeit.

Da­her wählen die Par­tei­en auf die zweit­bes­te Möglich­keit und ver­ein­ba­ren, dass sich der Ar­beit­ge­ber da­zu ver­pflich­tet, ein Zeug­nis nach dem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers zu er­tei­len, und dass der Ar­beit­ge­ber von ei­nem sol­chen Ent­wurf nur "aus wich­ti­gem Grun­de" ab­wei­chen darf. Gibt es später Streit darüber, ob ein vom Ar­beit­neh­mer er­stell­ter Ent­wurf vom Ar­beit­ge­ber eins zu eins in das Zeug­nis zu neh­men ist, stellt sich die Fra­ge, ob ei­ne sol­che Ver­gleichs­klau­sel voll­streck­bar ist.

Die­se Fra­ge hat das BAG be­reits vor 2011 mit ja be­ant­wor­tet (BAG, Be­schluss vom 09.09.2011, 3 AZB 35/11). Al­ler­dings wa­ren in der Fol­ge ei­ni­ge Lan­des­ar­beits­ge­rich­te (LAG) an­de­rer Mei­nung. So zum Bei­spiel das LAG Düssel­dorf (Be­schluss vom 04.03.2014, 13 Ta 645/13; Be­schluss vom 27.10.2025, 13 Ta 199/25) und das LAG Köln (Be­schluss vom 26.07.2016, 7 Ta 58/16). Vor kur­zem hat das BAG sei­ne Li­nie noch ein­mal be­kräftigt.

Im Streit: Be­schrei­bung der Auf­ga­ben ei­nes Kran­ken­haus­ma­na­gers im Zeug­nis

Ein kaufmänni­scher Geschäftsführer ei­ner Kli­nik war im Rah­men ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den.
In dem ge­richt­li­chen Ver­gleich war fol­gen­de Re­ge­lung ent­hal­ten:

„4. Die Kli­nik W GmbH er­stellt und über­sen­det an den Kläger ein wohl­wol­len­des, qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis mit gu­ter Leis­tungs- und Ver­hal­tens­be­ur­tei­lung so­wie Dan­kes-, Be­dau­erns- und Wunsch­for­mel. Der Kläger hat das Recht ei­nen Ent­wurf ein­zu­rei­chen, von wel­chem die Kli­nik W GmbH nur aus wich­ti­gem Grund ab­wei­chen darf.“

Der vom ehe­ma­li­gen Geschäftsführer nach ei­ni­gem Hin und Her zu­letzt ein­ge­reich­te Ent­wurf wur­de von der Kli­nik ab­ge­lehnt, wes­halb der Geschäftsführer ein Zwangs­geld be­an­trag­te.

Die Kli­nik be­rief sich auf den Grund­satz der Zeug­nis­wahr­heit. Der Ent­wurf, so die Kli­nik, ent­hal­te fal­sche An­ga­ben zu den Ar­beits­auf­ga­ben. Da­her hat­te die Kli­nik aus ih­rer Sicht ei­nen "wich­ti­gen Grund", den Ent­wurf zu über­neh­men.

Kon­kret ging es um die Reich­wei­te der ope­ra­ti­ven Lei­tung der Kli­nik durch den Geschäftsführer, der die Lei­tung ge­mein­sam mit ei­nem Geschäftsführer­kol­le­gen zu ver­ant­wor­ten hat­te. Außer­dem stell­te die Kli­nik in Ab­re­de, dass der Geschäftsführer das fi­nan­zi­el­le Ma­nage­ment al­lein durch­geführt ha­be, und dass er Gebäude­ma­nage­ment und In­stand­hal­tung ge­plant ha­be.

Das Ar­beits­ge­richt So­lin­gen (Be­schluss vom 22.07.2025, 4 Ca 1144/24) und das LAG Düssel­dorf (Be­schluss vom 27.10.2025, 13 Ta 199/25) wie­sen den An­trag auf Verhängung ei­nes Zwangs­gel­des zurück. Das LAG mein­te, dass der Ti­tel nicht voll­streck­bar sei.

BAG: Zeug­nis­ti­tel ent­spre­chend dem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers sind voll­streck­bar

Das BAG be­kräftig­te sei­ne Ent­schei­dung aus dem Jahr 2011.

Denn die Fest­set­zung von Zwangs­mit­teln in ei­nem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nach § 888 ZPO setzt zwar vor­aus, dass der zu voll­stre­cken­de Ti­tel hin­rei­chend be­stimmt, doch ist die­se Vor­aus­set­zung bei Klau­seln wie der hier strei­ti­gen Ver­gleichs­klau­sel ge­ge­ben. Sie hat ei­nen „voll­streck­ba­ren In­halt“ (BAG, Rn.16).

Dies wird auch da­durch nicht in­fra­ge ge­stellt, dass sich der Ver­gleich auf ei­ne zum Ab­schluss­zeit­punkt noch nicht exis­ten­te Ur­kun­de be­zieht. Denn die­se an­de­re Ur­kun­de, der Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers kann später vom Ar­beit­neh­mer vor­ge­legt wer­den und ist dann im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren „leicht und si­cher fest­stell­bar“ (BAG, Rn.17).

Das gilt auch dann, wenn der Ar­beit­neh­mer ver­schie­de­ne Entwürfe vor­legt, um mit dem Ar­beit­ge­ber ei­ne Ei­ni­gung zu er­zie­len. Denn wenn bei Ein­lei­tung der Zwangs­voll­stre­ckung klar ist, wel­cher Ent­wurf maßgeb­lich ist, sind die Grund­la­gen der Voll­stre­ckung ein­deu­tig.

Im Streit­fall zog der Ma­na­ger trotz­dem vor dem BAG den Kürze­ren. Denn die Kli­nik hat­te sich auf Umstände be­ru­fen, aus de­nen sich er­gab, dass der Ent­wurf des Geschäftsführers mögli­cher­wei­se mit dem Grund­satz der Zeug­nis­wahr­heit un­ver­ein­bar war. Wer hier recht hat­te - die Kli­nik oder der Geschäftsführer - war im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nicht zu prüfen, so das BAG.

Fa­zit: Zeug­nis­klau­sel mit Vor­schlags­recht als Kom­pro­miss

Zeug­nis­ti­tel nach dem Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers sind grundsätz­lich voll­streck­bar. Mit der Voll­streck­bar­keit ist es aber vor­bei, so­bald der Ar­beit­ge­ber mit kon­kre­ten Ar­gu­men­ten ge­gen den Ent­wurf des Ar­beit­neh­mers ein­wen­det, dass er fal­sche An­ga­ben zu den Ar­beits­auf­ga­ben enthält.

Macht der Ar­beit­ge­ber da­ge­gen kei­ne sol­che Ein­wen­dun­gen, kann der Ar­beit­neh­mer ge­gen ihn die Zwangs­voll­stre­ckung be­trei­ben.
Für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ist es da­her wei­ter­hin am bes­ten, den vollständi­gen Wort­laut des Zeug­nis­ses in den Ver­gleich auf­zu­neh­men. Dann ist al­les klar und es kann kei­nen späte­ren Streit ge­ben.

Bleibt dafür kei­ne Zeit, ist die zweit­bes­te Lösung, zu­min­dest die Ar­beits­auf­ga­ben in den Ver­gleich auf­zu­neh­men und den Wort­laut der zu­sam­men­fas­sen­den Leis­tungs­be­wer­tung und der ab­sch­ließen­den Dan­kens- und Be­dau­erns­for­mel.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Be­schluss vom 07.05.2026, 8 AZB 25/25

LAG Düssel­dorf, Be­schluss vom 27.10.2025, 13 Ta 199/25

 

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem span­nen­den The­ma fin­den Sie un­ter an­de­rem hier: Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/072 Ar­beits­zeug­nis voll­stre­cken, aber wie?

 

Hand­buch Ar­beits­recht: Auf­he­bungs­ver­trag

Hand­buch Ar­beits­recht: Ab­wick­lungs­ver­trag

Hand­buch Ar­beits­recht: Kündi­gung des Ar­beits­ver­trags (Über­blick)

Hand­buch Ar­beits­recht: Kündi­gungs­schutz­kla­ge

Hand­buch Ar­beits­recht: Zeug­nis

 

BAG, Ur­teil vom 09.09.2011, 3 AZB 35/11

LAG Düssel­dorf, Ur­teil vom 10.06.2011, 13 Ta 203/11

ArbG Es­sen, Ur­teil vom 16.03.2011, 6 Ca 1532/10

Letzte Überarbeitung: 17. Juni 2026

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