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Arbeitsrecht aktuell: 11/215 Abmahnung wegen Beleidigung bei respektlosem Abschiedsgruß




Ein "Scheisswochende" sollte man niemandem wünschen

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.08.2011, 3 Sa 150/11

04.11.2011. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich zur gegenseitigen Höflichkeit verpflichtet. Ein normales Maß an Respekt kann auch im Arbeitsverhältnis erwartet werden.

Wer massiv gegen Höflichkeitsregeln verstößt, muss mit einer Abmahnung rechnen.

Ein aktueller Fall des Landesarbeitsgerichtes (LAG) Rheinland-Pfalz zeigt, dass Arbeitsgerichte wenig Verständnis für massive Rüpeleien haben (Urteil vom 23.08.2011, 3 Sa 150/11).

von Rechtsanwältin Eva-Maria Reuter, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Stuttgart

Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Stuttgart

Wann droht eine Abmahnung wegen einer Beleidigung?

Mit einer Abmahnung beanstandet der Arbeitgeber ein bestimmtes Verhalten des Arbeitnehmers als Vertragsverstoß (Rügefunktion der Abmahnung), fordert ihn zur Verhaltensänderung auf (Aufforderungsfunktion der Abmahnung) und macht klar, dass im Wiederholungsfall eine Kündigung droht (Warnfunktion der Abmahnung).

Dabei muss der mit der Abmahnung erhobene Vorwurf richtig sein, d.h. auf nachweisbaren Tatsachen beruhen, die natürlich auch richtig bewertet werden müssen. Sonst ist eine Abmahnung rechtswidrig und aus der Personalakte zu entfernen. Außerdem darf eine Abmahnung nicht zu hart bzw. „unverhältnismäßig“ sein, d.h. der Arbeitgeber darf nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Wann eine respektlose Äußerungen zur Abmahnung berechtigt, ist eine Frage, die nicht allgemein zu beantworten ist. Hier kommt es auf die Umstände des Einzefalls an. Eine regelrechte (strafbare) Beleidigung ist aber nicht unbedingt nötig, um eine Abmahnung zu rechtfertigen, wie das Urteil des LAG Rheinland-Pfalz vom vom 23.08.2011 (3 Sa 150/11) belegt.

LAG Rheinland-Pfalz: Wer seinem Vorgesetzten ein „Scheisswochenende“ bzw. ein „beschissenes Wochenende“ wünscht, riskiert eine Abmahnung

Ein Schichtführer und Betriebsratsvorsitzender arbeitete in einem Betrieb, wo wegen vieler Überstunden dicke Luft herrschte. Der Betriebsratsvorsitzende entlud seinen Ärger unvorsichtigerweise gegenüber seinen Vorgesetzten, indem er ihnen in verschiedenen sprachlichen Varianten ein „Scheisswochenende“ wünschte. Dafür kassierte er zwei Abmahnungen.

Das Arbeitsgericht Koblenz hatte für die Verärgerung des Arbeitnehmers Verständnis und gab seiner Klage auf Entfernung der Abmahnungen statt (Urteil vom 03.12.2010, 2 Ca 1043/10). Anders das LAG, das die Klage abwies. Begründung: Ob die Aussagen strafrechtlich gesehen eine Beleidigung waren, war einerlei, da der Kläger das gebotene Mindestmaß an Respekt gegenüber seinen Vorgesetzten vermissen ließ. Die Äußerung war auch keine „Bagatelle“, so dass eine Abmahnung eine angemessene Reaktion war, so das LAG.

Die Abmahnschreiben waren schließlich auch formal korrekt. Da sie im Urteil wörtlich zitiert werden, kann das LAG-Urteil als Muster für eine Abmahnung wegen respektloser Äußerungen herangezogen werden.

Fazit: Wer wegen einer Beleidigung oder groben Respektlosigkeit eine Abmahnung erhält, sollte sich gut überlegen, ob er dagegen gerichtlich vorgeht. Denn dadurch fällt er ein zweites Mal unangenehm auf, und verliert er den Prozess, weiß der Arbeitgeber, dass seine Abmahnung rechtens war. Weniger riskieren Arbeitnehmer, die die Füße stillhalten. Denn sollte es später zu einer verhaltensbedingten Kündigung kommen, wird die Berechtigung einer Abmahnung so oder so als „Vorstufe“ einer verhaltensbedingten Kündigung im Rahmen einer Kündigungsschutzklage geprüft.

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Letzte Überarbeitung: 19. April 2012

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Arbeitsrecht aktuell:


München, 16.05.2012
Altersversorgung:

Betriebliche Übung und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung bei Krankheit

Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
Leiharbeit:

Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
Whistleblowing:

Fristlose Kündigung wegen Strafanzeige

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

Gehaltsüberzahlung bei Überstundenvergütung

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel

Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
Kündigung und Krankheit:

Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11

Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10

Köln, 24.04.2012
Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

Frankfurt, 23.04.2012
Fristlose Kündigung:

Kündigung wegen Stalkings

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Berlin, 05.04.2012
Unkündbarkeit:

Außerordentliche betriebsbedingte Kündigung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.02.2012, 7 Sa 2164/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10

Berlin, 14.03.2012
Wettbewerbsverbot:

Wettbewerbsverbot - Anrechung von Arbeitslosengeld auf die Karenzentschädigung?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10

Hamburg, 12.03.2012
Provision:

Provisionsvorschuss - Rückzahlung auch ohne Vertrag

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.12.2011, 1 Sa 13 a/11

Hannover, 11.03.2012
Befristung:

Befristeter Arbeitsvertrag und auflösende Bedingung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.06.2011, 7 AZR 6/10