HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/154

Kün­di­gung we­gen Be­lei­di­gung nicht oh­ne Ab­mah­nung

Ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung we­gen ei­ner Be­lei­dung ("Ja­wohl mein Füh­rer") setzt ei­ne vor­he­ri­ge Ab­mah­nung we­gen ei­nes ähn­li­chen Pflicht­ver­sto­ßes vor­aus: Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Ur­teil vom 20.01.2011, 11 Sa 353/10
Hand mit gelber Karte Ei­ne ernst­ge­mein­te Ent­schul­di­gung kann den Ar­beits­platz ret­ten

10.08.2011. Ge­nießt ein Ar­beit­neh­mer Kün­di­gungs­schutz, braucht der Ar­beit­ge­ber für ei­ne or­dent­li­che Kün­di­gung ei­nen Grund im Sin­ne von § 1 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG).

Das kann z.B. ein Pflicht­ver­stoß sein, der zu ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung be­rech­tigt.

Ei­ne sol­che Kün­di­gung ist in al­ler Re­gel nur rech­tens, wenn der Ar­beit­neh­mer schon ein­mal we­gen ei­nes ähn­li­chen Pflicht­ver­sto­ßes ab­ge­mahnt wur­de, d.h. der Kün­di­gungs­an­lass muss ei­nen Wie­der­ho­lungs­fall dar­stel­len.

Zwar kann bei ei­nem ex­trem schwe­ren Fehl­ver­hal­ten ei­ne Ab­mah­nung ent­behr­lich sein, doch ist dann meist ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung die rich­ti­ge Re­ak­ti­on. Ist sie "ge­ra­de so eben" nicht mehr ver­hält­nis­mä­ßig und da­mit un­wirk­sam, füh­len sich vie­le Ar­beit­ge­ber da­zu be­rech­tigt, dann "zu­min­dest" ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung aus­zu­spre­chen, und zwar auch oh­ne vor­he­ri­ge ein­schlä­gi­ge Ab­mah­nung. Da­mit lie­gen sie aber meist falsch, wie ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Rhein­land-Pfalz zeigt (Ur­teil vom 20.01.2011, 11 Sa 353/10).

Ein Be­reichs­lei­ter ei­nes Le­bens­mit­tel-Dis­coun­ters hat­te die An­wei­sung ei­nes Vor­ge­setz­ten mit den Wor­ten „Ja­wohl, mein Füh­rer“ kom­men­tiert, sich da­für aber spä­ter ent­schul­digt. We­gen die­ser Be­lei­di­gung er­hielt er ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Kün­di­gung und klag­te ge­gen sie mit Er­folg. Dar­auf­hin setz­te es ei­ne or­dent­li­che ver­hal­tens­be­ding­te Kün­di­gung. Auch sie war un­wirk­sam, weil ei­ne vor­he­ri­ge ein­schlä­gi­ge Ab­mah­nung fehl­te, so das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz (Ur­teil vom 08.06.2010, 12 Ca 137/10) und das LAG.

Fa­zit: Hier lag ei­ne Be­lei­di­gung vor, die an sich zu ei­ner or­dent­li­chen ver­hal­tens­be­ding­ten Kün­di­gung be­rech­ti­gen wür­de. Aber vor al­lem we­gen der Ent­schul­di­gung mein­te das LAG, dass der Ar­beit­neh­mer im Fal­le ei­ner Ab­mah­nung ver­mut­lich sein Ver­hal­ten än­dern wür­de, so dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne Ab­mahnng statt ei­ner Kün­di­gung hät­te aus­spre­chen müs­sen. Ar­beit­neh­mern ist zu ra­ten, sich für schlüpf­ri­ge oder ge­schmack­lo­se Be­mer­kun­gen so­fort zu ent­schul­di­gen, wenn die­se als Be­lei­di­gung be­wer­tet wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche,
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

HENSCHE Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-Mail: berlin@hensche.de

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de