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Arbeitsrecht aktuell: 11/244 Anfechtung einer Vertragsänderung wegen Drohung mit unzulässiger Lohnkürzung
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Droht der Arbeitgeber mit einer rechtlich unzulässigen rückwirkenden Lohnkürzung, kann der Arbeitnehmer die mit dieser Droherung erreichte Zustimmung zur Vertragsänderung anfechten
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 19.08.2011, 16 Sa 833/10
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07.12.2011. Eine Lohnkürzung kann der Arbeitgeber meist nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers durchsetzen. Sogar dann, wenn eine Änderungskündigung als Brechstange eingesetzt wird, braucht der Arbeitgeber das OK des Arbeitnehmers zur Gehaltskürzung. Denn die Änderungskündigung führt erst einmal zur Beendigung des Arbeitsvertrags und nur dann zur gewünschten Vertragsänderung, wenn der Arbeitnehmer sein Einverständnis dazu erklärt.
Da niemand gerne auf Geld verzichtet, müssen Arbeitgeber betroffene Arbeitnehmer unter Druck setzen, um die gewünschte Lohnkürzung bzw. Vertragsänderungen durchzusetzen. Ein solches "druckvolles Verhandeln" ist im Prinzip erlaubt. Die Grenze liegt dort, wo der Arbeitgeber mit einer "widerrechtlichen Drohung" arbeitet. Dann kann eine Vertragsänderung, die eine Lohnkürzung beinhaltet, auch einmal mit Erfolg angefochten werden, wie eine aktuelle Entscheidung des Landesarbeitsgerichts (LAG) Niedersachsen zeigt (Urteil vom 19.08.2011, 16 Sa 833/10).
von Rechtsanwältin Nina Lüking, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Hannover
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Hannover
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Wer einem Vertrag zustimmt, weil ihm eine Pistole an den Kopf gehalten wird, kommt von dem Vertrag wieder los. Er kann nämlich eine Anfechtung gemäß § 142 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) erklären, und zwar wegen widerrechtlicher Drohung (§ 123 BGB). "Widerrechtlich" ist eine solche Drohung, weil der Drohende kein Recht hat, den Bedrohten bei Verweigerung der Unterschrift zu erschießen.
Aber ohne Druck und Gegendruck gibt es keine Vertragsverhandlungen, und daher ist nicht jede Drohung bei Vertragsverhandlungen schon widerrechtlich und der Vertrag daher anfechtbar. Droht der Arbeitgeber z.B. mit einer fristlosen Kündigung, um den Arbeitnehmer wegen eines Pflichtverstoßes zu einem Aufhebungsvertrag zu drängen, ist Anfechtung nur möglich, wenn die angedrohte Kündigung mehr oder weniger offensichtlich unwirksam wäre. Und all das (die Drohung selbst und die Unhaltbarkeit der angedrohten Kündigung) muss der Arbeitnehmer beweisen können, wenn er den Aufhebungsvertrag mit Erfolg anfechten will.
Solche Anfechtungen haben daher vor Gericht selten Erfolg. Noch seltener gelingt eine Vertragsanfechtung, wenn es "nur" um eine Lohnkürzung geht. Trotzdem hatte der Arbeitnehmer eines Baumarktes damit vor kurzem Erfolg.
Geklagt hatte ein Baumarkt-Mitarbeiter, der lange Zeit als Wareneingangsleiter gearbeitet hatte und dafür rund 2.500,00 EUR bekam. Nach einer Umstrukturierung wurde er nur noch als Servicekraft eingesetzt. Aus Sicht des Arbeitgebers war sein Gehalt daher um 500,00 EUR zu hoch. Mit einer Gehaltssenkung erklärte sich der Arbeitnehmer aber trotz vieler Personalgespräche nicht bereit - bis die Marktleiterin eines Tages mit einer rückwirkenden Gehaltsreduzierung für den Fall drohte, dass er weiter hartnäckig bleiben sollte. Daraufhin unterschrieb der Arbeitnehmer eine Vertragsänderung.
Die bereute er schnell und erklärte die Anfechtung, die der Arbeitgeber wiederum nicht akzeptierte. Das Arbeitsgericht Braunschweig (Urteil vom 09.04.2010, 7 Ca 225/09) und das LAG urteilten, dass die Anfechtung wirksam und die vertragliche Lohnkürzung daher null und nichtig sei. Denn die Drohung mit einer rückwirkenden Lohnkürzung war widerrechtlich, da ein vertraglich vereinbarter Lohn nur einvernehmlich und in keinem Fall rückwirkend gekürzt werden kann.
Fazit: Der Arbeitnehmer hatte Glück gehabt, denn der Arbeitgeber hatte die unrechtmäßige Drohung vor Gericht nicht bestritten. So etwas kommt selten vor. Arbeitnehmer sollten daher nie (!) direkt im Personalgespräch eine nachteilige Vertragsänderung oder gar einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, sondern immer (!) auf einer mehrtätigen Bedenkzeit bestehen.
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Letzte Überarbeitung: 1. März 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Berlin, 05.04.2012 Unkündbarkeit:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 07.02.2012, 7 Sa 2164/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
Berlin, 14.03.2012 Wettbewerbsverbot:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.09.2011, 10 AZR 198/10
Hamburg, 12.03.2012 Provision:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 06.12.2011, 1 Sa 13 a/11
Hannover, 11.03.2012 Befristung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.06.2011, 7 AZR 6/10
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