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LAG Düs­sel­dorf, Be­schluss vom 12.01.2015, 9 TaBV 51/14

   
Schlagworte: Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Facebook
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 9 TaBV 51/14
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 12.01.2015
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Düsseldorf, 14 BV 104/13
   

9 TaBV 51/14
14 BV 104/13
Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf  

Verkündet am 12.01.2015

Dr. Ul­rich, Vor­sit­zen­der
Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt
als Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF
IM NA­MEN DES VOL­KES
BESCHLUSS

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

un­ter Be­tei­li­gung

1. des Kon­zern­be­triebs­rats der DRK Blut­spen­de­dienst West gGmbH, ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den F. U.-S., T. str. 15, N.,

- An­trag­stel­ler und Be­schwer­de­geg­ner -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte N. u.a ., P. str. 2, N.,

2. der DRK Blut­spen­de­dienst West gGmbH, ver­tre­ten durch die Geschäftsführer Dr. X. von I. und Herrn A., G. str. 180 - 186, I.,

- Be­tei­lig­te zu 2) und Be­schwer­deführe­rin -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte C. & C., D.-U.-Str. 6, E.,

3. des Be­triebs­rats Zen­trum für Trans­fu­si­ons­me­di­zin: DRK Blut­spen­de­dienst West gGmbH, C., ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den L.
T., M. Weg 1, S.,

- Be­tei­lig­ter zu 3) -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte N. L. G., E. Str. 21, 5. S.,

4. des Be­triebs­rats Zen­trum für Trans­fu­si­ons­me­di­zin I.: DRK-Blut­spen­de­dienst West gGmbH, I., ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den S. U., G. str. 180 – 186, I.,

 

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- Be­tei­lig­ter zu 4) -

5. des Be­triebs­rats Zen­trum für Trans­fu­si­ons­me­di­zin N.: der DRK Blut­spen­de­dienst West gGmbH, N., ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den F.
U.-S., T. str. 15, N.

- Be­tei­lig­ter zu 5) -

6. des Ge­samt­be­triebs­rats für Trans­fu­si­ons­me­di­zin N.: der DRK Blut­spen­de­dienst West gGmbH, N., ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den F.
U.-S., T. str. 15, N.,

- Be­tei­lig­ter zu 6) -

7. des Be­triebs­rats der DRK Blut­spen­de­dienst Ost­west­fa­len-Lip­pe gGmbH, ver­tre­ten durch die Vor­sit­zen­de C. H., I. str. 45, Bad T.,

- Be­tei­lig­ter zu 7) -

8. des Be­triebs­rats der DRK Blut­spen­de­dienst Rhein­land-Pfalz und Saar­land gGmbH, Bad L., ver­tre­ten durch den Vor­sit­zen­den X. I., C. weg
5 – 7, Bad L.

- Be­tei­lig­ter zu 8) -

hat die 9. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf
auf die münd­li­che Anhörung vom 12.01.2015
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ul­rich als
Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Klin­ge­biel und den
eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Hamm

b e s c h l o s s e n :

1. Auf die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 27.06.2014 - Az.: 14 BV 104/13 ab­geändert und der An­trag zurück­ge­wie­sen.

2. Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.

 

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G r ü n d e:

I.

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin (Be­tei­lig­te zu 2.) ei­ne von ihr be­trie­be­ne face­book-Sei­te nicht wei­ter zu be­trei­ben.

Die Ar­beit­ge­be­rin nimmt in fünf Trans­fu­si­ons­zen­tren Blut­spen­den ent­ge­gen, ver­ar­bei­tet und veräußert die­se. Kon­zern­weit wer­den ca. 1.300 Ar­beit­neh­mer beschäftigt.

Der An­trag­stel­ler ist der bei der Ar­beit­ge­be­rin auf Kon­zern­ebe­ne ge­bil­de­te Kon­zern­be­triebs­rat. Wei­te­re Be­tei­lig­te sind die ge­bil­de­ten Ein­zel­be­triebsräte so­wie der be­ste­hen­de Ge­samt­be­triebs­rat.

Am 15.04.2013 eröff­net die Ar­beit­ge­be­rin bei der In­ter­net­platt­form face­book ver­schie­de­ne, u. a. die im An­trag ge­nann­te Sei­te. Im Rah­men die­ses Auf­trit­tes wird es face­book-Nut­zern ermöglicht, Kom­men­ta­re (sog. Pos­tings) ab­zu­ge­ben, die dann auf ei­ner vir­tu­el­len Pinn­wand ein­ge­stellt wer­den und von al­len face­book-Nut­zern an­ge­se­hen bzw. wei­ter kom­men­tiert wer­den können. Da­zu gehört auch die Kenn­zeich­nung mit ei­nem „Gefällt mir“, ei­nem sog. „Li­ke“.

Die Ar­beit­ge­be­rin leg­te bei den von ihr durch­geführ­ten Spen­de­ter­mi­nen Flugblätter aus, die die Spen­der auf den face­book-Auf­tritt hin­wie­sen, Bl. 20 GA. Die Ar­beit­ge­be­rin in­for­mier­te zu­dem ih­re Mit­ar­bei­ter mit der Lohn­ab­rech­nung ab et­wa Mit­te April 2013 über den Be­trieb der Sei­te, Bl. 21 GA. Zu­dem über­mit­tel­te sie den Mit­ar­bei­tern ei­nen Leit­fa­den zum Um­gang mit So­ci­al Me­dia im DRK vom Ge­ne­ral­se­kre­ta­ri­at des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes, Bl. 22 – 23 GA. Un­ter an­de­rem enthält die­ser Leit­fa­den ei­nen Ab­schnitt: „Wie stel­le ich das DRK dar“. Dort heißt es un­ter an­de­rem:

„Je­der eh­ren­amt­li­che und haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter des Ro­ten Kreu­zes ver­pflich­tet sich den Rot­kreuz­grundsätzen. ... . Dein Ton soll­te im­mer freund­lich sein. Es gilt die all­ge­mei­ne Ne­ti­quet­te.“

Am 15.04.2013 stell­te ein Blut­spen­der ei­nen kri­ti­schen Kom­men­tar auf der Pinn­wand der face­book-Sei­te ein, der wie folgt lau­te­te:

 

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„Ich war am 14. April 2013 in N. mein kost­ba­res ab­zap­fen las­sen. Ge­he schon spen­den seit ich 18 bin. Muss aber sa­gen die ges­tern die Na­del ge­setzt hat, sol­le es noch ler­nen. Ste­chen kann die nicht.“

Am 16. April um 13.15 Uhr wur­de die­ser Kom­men­tar sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin kom­men­tiert. Un­ter dem 14.06.2013 ging ein wei­te­rer Kom­men­tar über ei­nen Arzt ein, dem vor­ge­wor­fen wur­de, er ha­be die Un­ter­su­chung vor der Blut­ab­nah­me nicht re­gel­ge­recht vor­ge­nom­men. Dar­auf­hin sei ei­ne älte­re Spen­de­rin bei­na­he kol­la­biert und ha­be per Infu­si­on sta­bi­li­siert wer­den müssen, Bl. 118 GA.

Die face­book-Sei­te wird von ei­ner Grup­pe von et­wa zehn Mit­ar­bei­tern be­treut. Sie be­fas­sen sich ne­ben der all­ge­mei­nen Pfle­ge der Sei­te ins­be­son­de­re mit der Ein­stel­lung von In­for­ma­tio­nen und der Kom­men­tie­rung von Pos­tings. Da­zu können sich die­se Mit­ar­bei­ter auf die Sei­te auf­schal­ten. Er­for­der­lich hier­zu ist ein Ad­mi­nis­tra­to­ren­zu­gang. Da­bei verfügt die Ar­beit­ge­be­rin über ei­nen all­ge­mei­nen Ad­mi­nis­tra­to­ren­zu­gang. Zu­dem wies sie den be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­tern zunächst auch in­di­vi­du­el­le Ad­mi­nis­tra­to­ren­ken­nun­gen für ih­re Pfle­ge­ar­bei­ten zu. Mit die­sen Ken­nun­gen ist nach­zu­voll­zie­hen, wann wel­cher Ar­ti­kel auf die face­book-Sei­te ein­ge­stellt wor­den ist bzw. mit wel­cher Ken­nung wann wel­ches Pos­ting kom­men­tiert wor­den ist. Die Ar­beit­ge­be­rin hat die­se Ver­fah­rens­wei­se im lau­fen­den Ver­fah­ren geändert und die Mit­ar­bei­ter an­ge­wie­sen, nur noch ei­ne zen­tra­le Ad­mi­nis­tra­to­ren­ken­nung zu ver­wen­den.

Nach­dem ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter Be­den­ken am Be­trieb der face­book-Sei­te an­ge­mel­det ha­ben und sich an ih­ren ört­li­chen Be­triebs­rat wen­de­ten, re­kla­mier­te der An­trag­stel­ler mit Schrei­ben vom 07.05.2013 ge­genüber der Ar­beit­ge­be­rin die Ver­let­zung sei­ner Mit­be­stim­mungs­rech­te, Bl. 25 GA. Hier­auf re­agier­te die Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 08.05.2013, Bl. 26/27 GA. So­dann for­der­te der An­trag­stel­ler mit Schrei­ben vom 13.05.2013 die Ab­schal­tung der face­book Sei­te, Bl. 27 GA.

Es gilt kon­zern­weit die EDV-Kon­zern­rah­men­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.03.2009 (nach­fol­gend „KRBV“). Für die Ein­zel­hei­ten der Re­ge­lun­gen der KRBV wird auf Bl. 8 – 16 GA. ver­wie­sen.

Mit sei­ner am 03.06.2013 bei dem Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf ein­ge­gan­ge­nen und der Ar­beit­ge­be­rin am 06.06.2013 zu­ge­stell­ten An­trags­schrift ver­folgt der An­trag­stel­ler sein Be­geh­ren auf Ab­schal­tung der Sei­te wei­ter.

 

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Am 31.07.2013 über­reich­te der An­trag­stel­ler dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Ent­wurf ei­ner Ver­fah­rens­kon­zern­be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Einführung und Be­trieb des In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tems „face­book-Un­ter­neh­mens­sei­te“ (vgl. Bl. 47 – 49 d. A.). Ei­ne Ei­ni­gung kam auch im fol­gen­den Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren bis­lang nicht zu­stan­de.

Der An­trag­stel­ler hat erst­in­stanz­lich die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm stünde ein An­spruch auf Un­ter­las­sung des Be­triebs der face­book Sei­te zu, weil die Ar­beit­ge­be­rin durch den Be­trieb der Sei­te sei­ne Rech­te ver­let­ze, wor­aus ein Un­ter­las­sungs­an­spruch fol­ge. So ha­be die Ar­beit­ge­be­rin sei­ne In­for­ma­ti­ons-und Mit­be­stim­mungs­rech­te aus § 9 der KRBV und aus § 87 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 6 Be­trVG ver­letzt. Ein Mit­be­stim­mungs­recht er­ge­be sich ins­be­son­de­re dar­aus, dass face­book-Nut­zer sich kri­tisch über die Beschäftig­ten, de­ren Na­men sich aus dem während der Spen­de­ter­mi­nen zu tra­gen­den Na­mens­schil­dern ergäben, äußern könn­ten. Da die­se Kri­tik ei­nem un­be­grenz­ten Per­so­nen­kreis zugäng­lich ge­macht wer­de und den an­ge­spro­che­nen Beschäftig­ten auch oh­ne Na­men zu­ge­ord­net wer­den könn­ten, stel­le der Be­trieb der Sei­ten nicht nur ei­ne Maßnah­me zur tech­ni­schen Ver­hal­tens- und Leis­tungs­kon­trol­le, son­dern auch ei­ne zur Ver­hal­tens­steue­rung dar. Wei­ter sei zu be­ach­ten, dass face­book über die Such­funk­ti­on „graph se­arch“ die Möglich­keit bie­te, bei face­book zur Verfügung ste­hen­de Da­ten tech­nisch aus­sa­ge­kräftig zu­sam­men­zuführen und bei­spiels­wei­se zu er­mit­teln, wel­che Ak­ti­vitäten Ar­beit­neh­mer während Krank­heits­zei­ten un­ter­nom­men hätten. Die Such­funk­ti­on sei für je­den zugäng­lich, der sich bei face­book an­ge­mel­det ha­be und sei auch bald in Deutsch verfügbar. Sie ermögli­che dem Nut­zer auf al­le Da­ten zu­zu­grei­fen, die je­mals bei face­book ein­ge­stellt wur­den mit Aus­nah­me der­je­ni­gen Da­ten, die von den Nut­zern als nicht öffent­lich ver­merkt wor­den sei­en. Je nach Such­pa­ra­me­tern könne man um­fang­rei­che Aus­wer­tun­gen vor­neh­men. Es kom­me da­bei nicht auf die tatsächli­che Durchführung durch den Ar­beit­ge­ber an, son­dern al­lein auf die Möglich­keit ei­ner der­ar­ti­gen Nut­zung. Ein Mit­be­stim­mungs­recht bestünde je­den­falls hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter, die den face­book-Auf­tritt des Ar­beit­ge­bers pfleg­ten. Denn de­ren Hand­lun­gen könn­ten mit den face­book ei­ge­nen Bord­mit­teln über­wacht wer­den. In­so­weit zeich­ne face­book auf, zu wel­chem Zeit­punkt ei­ne Veröffent­li­chung er­fol­ge. Darüber hin­aus gäbe es er­heb­li­che da­ten­schutz­recht­li­che Ge­sichts­punk­te ins­be­son­de­re bezüglich der Pos­tings vom 14.06.2013, da es sich um Ge­sund­heits­da­ten han­de­le.

 

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Der An­trag­stel­ler hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,

1. die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, bei der In­ter­net­platt­form face­book die Sei­te
www.face­book.com/drk.blut­spen­de­dienst.west ab­zu­mel­den;

2. hilfs­wei­se,

die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, es zu un­ter­las­sen, den Nut­zern der In­ter­net­platt­form face­book die Sei­te www.face­book.com/drk.blut­spen­de­dienst.west zur Über­mitt­lung (Pos­ting) von In­for­ma­tio­nen zur Verfügung zu stel­len, so­lan­ge nicht die Zu­stim­mung des Kon­zern­be­triebs­rats oder ei­nen die Zu­stim­mung er­set­zen­der Be­schluss der Ei­ni­gungs­stel­le vor­liegt;

3. wei­ter hilfs­wei­se,

fest­zu­stel­len, dass der Ar­beit­ge­ber bei der An­mel­dung der In­ter­net­platt­form face­book bei der Eröff­nung der Sei­te
www.face­book.com/drk.blut­spen­de­dienst.west ein
Mit­be­stim­mungs­recht des Kon­zern­be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 6 Be­trVG ver­letzt hat.

Die Be­tei­lig­te zu 2) hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

die Anträge zurück­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­te zu 2) hat erst­in­stanz­lich be­haup­tet, sie ha­be bei der Eröff­nung und dem Be­trieb der face­book Sei­te kei­ne Mit­be­stim­mungs­rech­te des An­trag­stel­lers ver­letzt. Dies be­tref­fe zunächst die Grup­pe der von et­wai­gen ne­ga­ti­ven Pos­tings be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter. Ein Mit­be­stim­mungs­recht er­ge­be sich we­der aus den § 87 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 6 Be­trVG noch aus der KRBV. Sie er­he­be kei­ne Da­ten zum Zwe­cke der Kon­trol­le oder Steue­rung und ver­ar­bei­te die­se auch nicht. Je­den­falls sei ihr face­book Auf­tritt nicht „zur Kon­trol­le be­stimmt“, da face­book selbst kei­ne Da­ten über Leis­tun­gen und Ar­beits­ver­hal­ten tech­nisch er­he­be. Es han­de­le sich um ein Mar­ke­ting­in­stru­ment. Pos­tings sei­en auch kei­ne „Er­he­bung“, son­dern würden ihr von Drit­ten „auf­ge­drängt“. Im Er­geb­nis han­de­le es sich nur um ei­nen wei­te­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal. Sie wer­te auch nichts aus, ins­be­son­de­re auch nicht aus face­book. Hier müsse ein Mensch zwi­schen­ge­schal­tet wer­den. Die

 

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Funk­ti­on graph se­arch sei in Deutsch we­der verfügbar, noch wer­de sie ge­nutzt und ent­hal­te auch nicht den vom An­trag­stel­ler be­haup­te­ten Kon­troll­um­fang. Mit an­de­ren Such­diens­ten könn­te man ent­spre­chen­de Ab­fra­gen eben­falls star­ten. Fra­gen der Ord­nung des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb sei­en nicht be­trof­fen, auch nicht durch den Leit­fa­den So­ci­al Me­dia. Auch hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter, die mit der Pfle­ge der Sei­te be­fasst sei­en, bestünde kein Mit­be­stim­mungs­recht. Es sei ge­ra­de nicht nach­voll­zieh­bar, wer wel­che In­for­ma­tio­nen auf ih­re face­book-Sei­te ein­stel­le.

Das Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf hat dem An­trag in vol­lem Um­fang ent­spro­chen. Dem An­trag­stel­ler stünde der gel­tend ge­mach­te Un­ter­las­sungs­an­trag zu. Die An­ge­le­gen­heit fal­le in den Re­ge­lungs­be­reich des Kon­zern­be­triebs­ra­tes, weil der kon­zern­wei­te face­book-Auf­tritt der Be­tei­lig­ten zu 2) im Streit stünde. Das ver­letz­te Mit­be­stim­mungs­recht des Kon­zern­be­triebs­ra­tes er­ge­be sich aus § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG. Da­nach ha­be der Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men bei Einführung und An­wen­dung von tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die da­zu be­stimmt sei­en, das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Ar­beit­neh­mer zu über­wa­chen. Bei der face­book-Sei­te der Ar­beit­ge­be­rin han­de­le es sich um ei­ne der­ar­ti­ge tech­ni­sche Ein­rich­tung. face­book sei ei­ne in­ter­net­ba­sier­te kom­mer­zi­el­le so­zia­le Soft­ware, die der Kom­mu­ni­ka­ti­on der bei ihr re­gis­trier­ten Nut­zer die­ne und die die Ar­beit­ge­be­rin durch ih­re Re­gis­trie­rung bei face­book Inc. und die Veröffent­li­chung der Sei­ten ein­geführt ha­be und an­wen­de. Sie erfülle auch die wei­te­ren Merk­ma­le der Ver­hal­tens- und Leis­tungs­kon­trol­le, weil in zwei­fa­cher Wei­se tech­nisch gestützt Da­ten er­ho­ben würden. Zum Ei­nen würden durch die Pos­tings von Blut­spen­dern un­mit­tel­bar Aus­sa­gen über das Ar­beits- und Leis­tungs­ver­hal­ten ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter und da­mit Da­ten auf die Pinn­wand ein­ge­stellt. Zum An­de­ren er­fol­ge ei­ne tech­nisch gestütz­te Da­ten­er­he­bung da­durch, dass die bei der Ar­beit­ge­be­rin mit der Pfle­ge der Sei­te, bzw. mit der Kom­men­tie­rung der Pos­tings be­fass­ten Ar­beit­neh­mer in ih­rem Ver­hal­ten bzw. ih­rer Leis­tung über­wacht würden. Der Kon­trol­le des Ar­beits- und Leis­tungs­ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer stünde nicht ent­ge­gen, dass die Er­he­bung der Kon­troll­da­ten nicht durch die Soft­ware selbst er­fol­ge, son­dern durch Drit­te. Denn je­de tech­ni­sche Ein­rich­tung müsse mit Da­ten „gefüttert“ wer­den. Ent­schei­dend sei nach Sinn und Zweck der Norm die Si­che­rung des Persönlich­keits­rech­tes der Mit­ar­bei­ter. Durch die Möglich­keit der Pos­tings er­wei­te­re der Ar­beit­ge­ber im Rah­men des Schutz­be­rei­ches der Norm sei­ne Über­wa­chungsmöglich­kei­ten, in­dem er den Spen­dern ermögli­che, Kom­men­ta­re über das In­ter­net zum Ar­beits- und Leis­tungs­ver­hal­ten sei­ner Ar­beit­neh­mer ab­zu­ge­ben. In­so­weit be­die­ne er sich der Spen­der als wei­te­re Kon­troll­in­stanz. Ir­re­le­vant sei, dass die­se Kon­troll­da­ten nicht tech­nisch er­ho­ben würden. Aus­rei­chend sei, dass die Ver­hal­tens- und Leis­tungs­da­ten elek­tro­nisch er­fasst

 

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und da­mit zur Aus­wer­tung zur Verfügung stünden. Der Ar­beit­ge­ber er­wei­te­re sei­ne Möglich­kei­ten der Über­wa­chung der Ar­beit­neh­mer, in­dem er sich der Spen­der als wei­te­re Über­wa­chungs­me­di­en be­die­ne und die so ge­won­ne­ne Da­ten durch Zur­verfügung­stel­lung ei­nes Spei­cher­me­di­ums auch mit­tels ei­ner tech­ni­schen Ein­rich­tung fest­hal­te. Je­den­falls er­fol­ge ei­ne tech­nisch gestütz­te, das Mit­be­stim­mungs­recht auslösen­de Da­ten­er­he­bung da­durch, dass die bei der Ar­beit­ge­be­rin mit der Pfle­ge der Sei­te, bzw. mit der Kom­men­tie­rung der Pos­tings be­fass­ten Ar­beit­neh­mer in ih­rem Ver­hal­ten bzw. ih­rer Leis­tung über­wacht wer­den. Bei den mit der Pfle­ge der Sei­te be­trau­ten Mit­ar­bei­ter sei nach­zu­voll­zie­hen, wann die­se Pfle­ge­ar­bei­ten zeit­lich voll­zo­gen wor­den sind und durch wen. Un­mit­tel­bar durch die face­book-Soft­ware wer­de fest­ge­hal­ten, zu wel­chen Zeit­punk­ten die ent­spre­chen­den Pos­tings kom­men­tiert wor­den sei­en. Da der mit­be­stim­mungs­wid­ri­ge Zu­stand ein­ge­tre­ten sei, sei die Ar­beit­ge­be­rin zu ver­pflich­ten, den mit­be­stim­mungs­wid­ri­gen Zu­stand zu be­sei­ti­gen.

Ge­gen den ihr am 06.08.2014 zu­ge­stell­ten Be­schluss hat die Be­tei­lig­te zu 2) mit ei­nem am 13.08.2014 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 02.10.2014 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Die Be­tei­lig­te zu 2) ver­folgt mit der Be­schwer­de ihr ursprüng­li­ches Be­geh­ren der Zurück­wei­sung der Anträge wei­ter. Sie meint, das Ar­beits­ge­richt sei rechts­feh­ler­haft da­von aus­ge­gan­gen, dass ein Mit­be­stim­mungs­recht des An­trag­stel­lers bestünde. Die face­book-Sei­te würde durch Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung Öffent­lich­keits­ar­beit be­treut. Ziel des Auf­tritts sei es, Spen­der auch über das Me­di­um face­book an­zu­spre­chen. Dies sei we­sent­lich, da sie auf die Mit­wir­kung frei­wil­li­ger Spen­der an­ge­wie­sen sei. Von den 70 in der Ab­tei­lung Öffent­lich­keits­ar­beit beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern sei­en 10 mit der Pfle­ge der face­book-Sei­te be­fasst. Die­se 10 Mit­ar­bei­ter verfügten über ein in­di­vi­du­el­les Zu­gangs­pro­fil, weil die Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­te bei ihr, der Be­tei­lig­ten zu 2) lägen. Ne­ben den in­di­vi­du­el­len Pro­fi­len exis­tie­re noch ein all­ge­mei­nes an­ony­mes Zu­gangs­pro­fil, auf das die 10 Mit­ar­bei­ter zu­grei­fen könn­ten. In­so­weit sei rich­tig, dass an Hand der in­di­vi­du­el­len Ken­nung des je­wei­li­gen Zu­gangs nach­voll­zo­gen wer­den könne, wel­cher Mit­ar­bei­ter wann ei­nen Bei­trag bei face­book ein­ge­stellt ha­be. Anläss­lich des Ver­fah­rens ha­be man die 10 Mit­ar­bei­ter mit Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­ten aber an­ge­wie­sen, für das Ein­stel­len von Beiträgen auf face­book künf­tig den all­ge­mei­nen Ad­mi­nis­tra­to­ren­zu­gang zu be­nut­zen. So­weit die­ses Pro­fil nun ver­wen­det wer­de, sei nicht mehr nach­zu­voll­zie­hen, wer wann wel­chen Bei­trag ein­ge­stellt ha­be. Schnitt­stel­len mit den IT-Sys­te­men exis­tier­ten nicht. Je­den­falls seit­her grei­fe auch hin­sicht­lich der

 

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Ad­mi­nis­tra­to­ren kein Mit­be­stim­mungs­recht aus § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG. Es könne aber oh­ne­hin nur nach­voll­zo­gen wer­den, wann ein Bei­trag veröffent­licht wor­den sei. Denn das Da­tum der Veröffent­li­chung wer­de in der sog. Chro­nik ge­nannt. Das Da­tum las­se aber kei­ne Rück­schlüsse dar­auf zu, wie lan­ge an die­sem Bei­trag ge­ar­bei­tet wor­den sei, oder durch wen. Zu­dem könn­ten Ad­mi­nis­tra­to­ren se­hen, wel­che Beiträge für ei­ne zukünf­ti­ge Veröffent­li­chung ein­ge­stellt sei­en. Die­se In­for­ma­ti­on ver­schwände aber mit der Veröffent­li­chung. Für die Öffent­lich­keit sei oh­ne­hin im­mer nur der DRK Blut­spen­de­dienst West als Ver­fas­ser er­sicht­lich. Da nun nur noch der all­ge­mei­ne Ad­mi­nis­tra­to­ren­zu­gang be­nutzt wer­de, sei auch nicht mehr nach­voll­zieh­bar, wel­cher Mit­ar­bei­ter den kon­kret veröffent­li­chen Bei­trag ein­ge­stellt ha­be. Denn es han­de­le sich um ei­ne Grup­pe von 10 Ad­mi­nis­tra­to­ren. Zu­dem ma­che die Ar­beit der Ad­mi­nis­tra­to­ren am Ac­count we­ni­ger als 5% ih­rer Tätig­keit aus. Es würden auch kei­ne Da­ten er­mit­telt, de­nen Be­deu­tung für Ver­hal­ten und Leis­tung zu­kom­me. Es han­de­le sich le­dig­lich um Mo­ment­auf­nah­men. Im Hin­blick auf die Größe der Grup­pe sei auch kei­ne In­di­vi­dua­li­sie­rung möglich. Denn die Da­ten könn­ten ein­zel­nen Mit­ar­bei­tern gar nicht zu­ge­ord­net wer­den. Auch würde kein Über­wa­chungs­druck er­zeugt. Im Hin­blick auf et­wai­ge – ne­ga­ti­ve – Pos­tings von Drit­ten über Mit­ar­bei­ter feh­le es schon an dem Merk­mal der „Er­he­bung“ von Da­ten. Denn dies set­ze ein ak­ti­ves Tun vor­aus. In­so­weit ver­an­las­se sie je­doch nichts, son­dern stel­le nur ei­nen Brief­kas­ten zur Verfügung. Die Nut­zer würden auch nicht auf­ge­for­dert, Kom­men­ta­re über Mit­ar­bei­ter ab­zu­ge­ben. Rich­tig sei zwar, dass das Me­di­um face­book In­ter­ak­ti­on ermögli­che. Al­lein die Frei­schal­tung der Pinn­wand­funk­ti­on stel­le aber kei­ne Da­ten­er­he­bung dar. Der face­book-Sei­te selbst feh­le auch ei­ne ein Be­zug zu den persönli­chen Da­ten der Mit­ar­bei­ter. Je­den­falls stel­le die Ein­rich­tung der face­book-Sei­te kei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung dar. face­book ken­ne die Mit­ar­bei­ter gar nicht und zeich­ne selbst nichts auf. Es könne nur sein, dass Blut­spen­der Be­ob­ach­tun­gen mit­tei­len, et­wa wie De­tek­ti­ve. Da­bei er­fol­ge aber die Wahr­neh­mung auch durch die Blut­spen­der selbst und ge­ra­de nicht tech­nisch. Dies aber sei das ent­schei­den­de Merk­mal, weil In­for­ma­tio­nen von der Ein­rich­tung selbst tech­nisch er­mit­telt und do­ku­men­tiert wer­den müss­ten. Zu­dem sei die face­book-Sei­te nicht zur Über­wa­chung ge­eig­net. Denn das BAG for­de­re ei­ne ob­jek­tiv ei­genständi­ge Über­wa­chungs­wir­kung der Ein­rich­tung. Die­se Eig­nung feh­le hier, weil die ein­ge­rich­te­te Kom­men­tar­funk­ti­on den Nut­zern le­dig­lich ei­ne wei­te­re Kom­mu­ni­ka­ti­onsmöglich­keit bie­te. Der In­halt der Kom­mu­ni­ka­ti­on sei of­fen und ha­be kei­nen Be­zug zu ih­ren Mit­ar­bei­tern. Zwar sei es denk­bar, dass Pos­tings über Mit­ar­bei­ter er­folg­ten und die­sen dann auch zu­ge­ord­net wer­den könn­ten. Dies sei aber nicht das Ziel der Kom­mu­ni­ka­ti­on und be­tref­fe auch nur ei­nen völlig un­ter­ge­ord­ne­ten Teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Es sei ei­ne bloße Mo­ment­auf­nah­me ei­ner Un­mutsäußerung. Auch oh­ne Face­book

 

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sei es möglich, dass sich Spen­der in Brief­form über die Mit­ar­bei­ter be­schwer­ten. Auch dies zei­ge, dass es le­dig­lich um ei­nen wei­te­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg ge­he. Die Mit­ar­bei­ter würden durch die eröff­ne­te face­book-Sei­te eben­falls nicht zum Ob­jekt ei­ner Über­wa­chungs­tech­nik de­gra­diert. Es würden kei­ne Da­ten ver­ar­bei­tet. Die Funk­ti­on „graph se­arch“ ände­re dar­an nichts. Denn die­se Funk­tio­na­lität ha­be nichts mit dem Ar­beit­ge­ber zu tun. Die­se Funk­ti­on sei auch gar nicht nutz­bar und stünde, wenn sie nutz­bar wäre, je­dem Nut­zer bei face­book zur Verfügung. Sch­ließlich sei die Nut­zung von Hard- und Soft­ware oh­ne­hin be­reits durch die EDV-Kon­zern­be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 04.03.2009 ge­re­gelt. In­so­weit würde die Be­treu­ung des so­zia­len Netz­wer­kes von die­ser Re­ge­lung er­fasst. Da­mit sei ein et­wa be­ste­hen­des Mit­be­stim­mungs­recht je­den­falls aus­geübt wor­den. Letzt­lich sei­en auch die Anträge fälsch­li­cher­wei­se aus­ge­ur­teilt wor­den. In kei­nem Fall könne der An­trag­stel­ler gel­tend ma­chen, dass die Sei­te ab­ge­schal­tet wer­de. Dies sei zu weit­ge­hend. Soll­te das Mit­be­stim­mungs­recht ver­letzt sein, rei­che die Ab­schal­tung der Pinn­wand­funk­ti­on aus.

Die Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­rich­tes Düssel­dorf vom 27.06.2014 - Az.: 14 BV 104/13 ab­zuändern und die Anträge zurück­zu­wei­sen.

Der An­trag­stel­ler be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Der An­trag­stel­ler ver­tei­digt in ers­ter Li­nie den an­ge­foch­te­nen Be­schluss und macht un­ter Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ergänzend gel­tend: Zu­tref­fend ha­be das Ar­beits­ge­richt ent­schie­den, dass beim Be­trieb ei­ner tech­ni­schen Ein­rich­tung die Möglich­keit zur Über­wa­chung aus­rei­che. Zwar könn­ten die Spen­der auch ei­ne E-Mail an die Ar­beit­ge­be­rin schrei­ben. Dar­auf kom­me es aber nicht an, weil mit face­book ei­ne wei­te­re tech­ni­sche Ein­rich­tung ge­ra­de ne­ben ei­nem E-Mail­sys­tem un­ter­hal­ten wer­de. Ent­schei­dend sei die elek­tro­ni­sche Form und die Spei­che­rung der face­book Nut­zung, wo­bei aus­rei­che, dass per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten un­ter die­sen Da­ten sein könn­ten. Die­ser Ge­sichts­punkt zei­ge die Be­trof­fen­heit des Schutz­be­rei­ches von § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG. Auch die Tat­sa­che, dass je­mand, der von sol­chen Ein­trägen erfährt, dar­auf re­agie­ren können muss, zei­ge, dass ein Re­ge­lungs­be­darf bestünde. Dass zu­dem sta­tis­ti­sche Aus­wer­tun­gen zur Verfügung stünden, ha­be die Ar­beit­ge­be­rin im Schrei­ben

 

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vom 03.11.2014 selbst ein­geräumt. Auch die Funk­ti­on „graph se­arch“ ermögli­che Aus­wer­tun­gen, was durch Sach­verständi­gen­gut­ach­ten un­ter Be­weis ge­stellt wer­de. Auch hin­sicht­lich der Ad­mi­nis­tra­to­ren er­ge­be sich die Mit­be­stim­mungs­pflich­tig­keit. Es er­ge­be sich, wann und wie die Ad­mi­nis­tra­to­ren ih­rer Ar­beit bei der Pfle­ge des Sys­tems nach­kom­men. De­ren Auf­ga­be sei es auch, si­cher­zu­stel­len, dass die Beiträge kei­ne Se­kun­de länger als nötig auf der Sei­te blie­ben. In­so­weit wer­de die Leis­tung die­ser Per­so­nen elek­tro­nisch er­fasst.

Die Be­tei­lig­te zu 2) hat re­pli­ziert, dass sich der An­trag­stel­ler mit sei­ner Er­wi­de­rung in kei­ner Wei­se recht­lich mit den auf­ge­wor­fe­nen Pro­ble­men be­fasst ha­be. Es wer­de nicht deut­lich, wor­aus sich das Mit­be­stim­mungs­recht im Hin­blick auf § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG er­ge­ben sol­le. All­ge­mei­ne Ausführun­gen zum Volkszählungs­ur­teil sei­en fehl am Platz. All­ge­mei­ne Fra­gen zur Spei­che­rung von Da­ten beträfen das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG nicht. Ent­schei­dend sei der Über­wa­chungs­zweck der tech­ni­schen Ein­rich­tung. Es blei­be da­bei, dass we­der ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung vor­lie­ge, noch tech­ni­sche Da­ten er­ho­ben würden. Die an­ge­spro­che­nen Re­ports bezögen sich aus­sch­ließlich auf den Ein­satz von face­book als Mar­ke­ting­in­stru­ment, et­wa bei der Auf­lis­tung der An­zahl der Be­su­cher, de­ren geo­gra­phi­sche Zu­ord­nung, so­wie die In­hal­te nach An­zahl der „li­kes“. Da­bei han­de­le es sich um ei­ne an­ony­mi­sier­te Aus­wer­tung der vie­len tau­send face­book-Nut­zer. Mit den Mit­ar­bei­tern ha­be dies nichts zu tun. face­book bie­te kei­ne Möglich­kei­ten zur Aus­wer­tung der Mit­ar­bei­ter­da­ten. Auch hin­sicht­lich der Ad­mi­nis­tra­to­ren sei kein Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand be­trof­fen. Der Ar­beit­ge­ber ha­be die an­ge­spro­che­nen Möglich­kei­ten nicht, weil eben der all­ge­mei­ne Zu­gang ge­nutzt wer­de.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird ergänzend Be­zug ge­nom­men auf die in bei­den In­stan­zen zu den Ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie die Pro­to­kol­le und Er­geb­nis­se der Anhörung.

 

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II.

Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ist zulässig und be­gründet. Denn ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Ar­beits­ge­rich­tes be­steht kein Un­ter­las­sungs­an­spruch des Kon­zern­be­triebs­ra­tes. Denn der Be­trieb der face­book-Sei­te durch die Ar­beit­ge­be­rin be­trifft Mit­be­stim­mungs­rech­te des An­trag­stel­lers nicht. Ins­be­son­de­re stellt der Be­trieb der face­book-Sei­te im kon­kre­ten Fall kei­ne An­wen­dung ei­ner tech­ni­schen Ein­rich­tung dar, die da­zu be­stimmt ist, das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Ar­beit­neh­mer zu über­wa­chen. Hin­sicht­lich der Mit­ar­bei­ter, die von ne­ga­ti­ven Kom­men­ta­ren be­trof­fen sein können, fehlt es schon an ei­ner tech­ni­schen Da­ten­er­he­bung. Denn face­book selbst zeich­ne in­so­weit nichts auf. Hin­sicht­lich der Ad­mi­nis­tra­to­ren wer­den Da­ten zwar er­fasst, die er­ho­be­nen Da­ten können aber nicht kon­kre­ten Per­so­nen zu­ge­ord­net wer­den. An­de­re Mit­be­stim­mungs­rech­te, et­wa § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG grei­fen nicht Platz.

Im Ein­zel­nen:

A) Die Be­schwer­de der Be­tei­lig­ten zu 2) ist zulässig. Ins­be­son­de­re ist sie form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 89 Abs. 1, 2, 87 Abs. 2, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG i.V.m. §§ 519 Abs. 4, 520 Abs. 4, 130 Nr. 6 ZPO).

Als not­wen­di­ge Be­tei­lig­te des Ver­fah­rens wa­ren kei­ne wei­te­ren Gre­mi­en zu be­tei­li­gen, nach­dem schon das Ar­beits­ge­richt ne­ben dem Ge­samt­be­triebs­rat auch die je­wei­li­gen ört­li­chen Be­triebsräte be­tei­ligt hat.

Nach § 83 Abs. 3 ArbGG sind in ei­nem Be­schluss­ver­fah­ren ne­ben dem An­trag­stel­ler die­je­ni­gen Stel­len zu hören, die nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz im ein­zel­nen Fall be­tei­ligt sind. Be­tei­lig­te in An­ge­le­gen­hei­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes ist da­bei nach herr­schen­der Auf­fas­sung je­de Stel­le, die durch die be­gehr­te Ent­schei­dung in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 09.07.2013 – 1 ABR 17/12, ju­ris; BAG v. 28.03.2006 – 1 ABR 59/04, AP Nr. 128 zu § 87 Be­trVG 1972 Lohn­ge­stal­tung; BAG v. 16.05.2007 -7 ABR 63/06 Rz. 11, AP Nr. 3 zu § 96a ArbGG 1979 Rn. 11; LAG Düssel­dorf v. 14.09.2010 – 16 TaBV 11/10, ju­ris).

Auf die­ser Grund­la­ge hat das Ar­beits­ge­richt zu Recht die übri­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Gre­mi­en be­tei­ligt. Denn die Zu­wei­sung der

 

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Zuständig­keit an den Kon­zern­be­triebs­rat be­trifft die Fra­ge der Kom­pe­tenz­ab­gren­zung zwi­schen den exis­tie­ren­den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gre­mi­en. Von der Ent­schei­dung über das Be­ste­hen des be­haup­te­ten Mit­be­stim­mungs­rech­tes sind die an­de­ren Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen in ih­rer be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Stel­lung un­mit­tel­bar be­trof­fen.

B) Die Be­schwer­de ist auch be­gründet. Denn dem An­trag­stel­ler steht ge­gen die Be­tei­lig­te zu 2) kein Un­ter­las­sungs­an­spruch zu. Der An­trag des An­trag­stel­lers ist zwar zulässig, aber un­be­gründet.

1. Der An­trag ist zulässig.

a) Der Haupt­an­trag des An­trag­stel­lers ist hin­rei­chend be­stimmt. Er ist ge­rich­tet auf die Un­ter­las­sung des Be­triebs der kon­kret be­zeich­ne­ten face­book-Sei­te. Dies er­gibt die Aus­le­gung der Anträge.

aa) Der An­trag be­darf der Aus­le­gung. Denn aus­drück­lich for­mu­liert hat der An­trag­stel­ler ei­ne Ver­pflich­tung, die kon­kret be­zeich­ne­te face­book-Sei­te „ab­zu­mel­den“.

Ein An­trag kann ent­spre­chend dem Rechts­schutz­ziel des An­trag­stel­lers aus­ge-legt wer­den. Für das Verständ­nis ei­nes An­trags ist nicht an dem buchstäbli­chen Wort­laut der An­trags­fas­sung zu haf­ten. Bei Zwei­feln ist der An­trag aus­zu­le­gen. Das Ge­richt hat den erklärten Wil­len zu er­for­schen, wie er aus der Kla­ge­be­gründung, dem Pro­zess­ziel und der In­ter­es­sen­la­ge her­vor­geht. Die für Wil­lens­erklärun­gen gel­ten­den Aus­le­gungs­re­geln (§§ 133, 157 BGB) sind für die Aus­le­gung von Kla­ge­anträgen her­an­zu­zie­hen (BAG v. 22.12.2009 - 3 AZN 753/09, ju­ris; BAG v. 16.12.2008 – 9 AZR 164/08, DB 2009, 1246).

Der An­trag lau­tet zwar auf „Ver­pflich­tung“, die Sei­te „ab­zu­mel­den“. Dem An­trag­stel­ler geht es je­doch nicht um „Ab­schal­tung“ im tech­ni­schen Sin­ne, son­dern um die Un­ter­las­sung des wei­te­ren Be­trei­bens der face­book-Sei­te durch die Ar­beit­ge­be­rin. Sein Ziel ist es, dass die kon­kret be­zeich­ne­te Sei­te künf­tig nicht mehr im In­ter­net verfügbar ist, so­lan­ge nicht sei­ne Zu­stim­mung zum Be­trieb vor­liegt bzw. die Zu­stim­mung durch die Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist. In­so­weit ist der An­trag da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass der Ar­beit­ge­ber nicht „ver­pflich­tet“ wird, die Sei­te „ab­zu­mel­den“, son­dern dass der An­trag­stel­ler die Un­ter­las­sung be­gehrt, die kon­kret be­zeich­ne­te Sei­te wei­ter­zu­be­trei­ben, so­lan­ge nicht sei­ne Zu­stim­mung vor­liegt, oder die­se Zu­stim­mung durch Be­schluss der Ei­ni­gungs­stel­le er­setzt wor­den ist.

 

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bb) Mit die­sem In­halt ist der An­trag auch zulässig.

(1) Wird ein Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend ge­macht, mit dem der An­trags­geg­ner zur künf­ti­gen Un­ter­las­sung ein­zel­ner Hand­lun­gen ver­pflich­tet wer­den soll, müssen die­se so ge­nau be­zeich­net sein, dass kein Zwei­fel be­steht, wel­che Maßnah­men im Ein­zel­nen be­trof­fen sind. Rich­tet sich der An­trag auf die Un­ter­las­sung mit­be­stim­mungs­wid­ri­gen Ver­hal­tens, ist die­sem Be­stimmt­heits­er­for­der­nis nur genügt, wenn die Fall­ge­stal­tung kon­kret be­zeich­net wird, für die ein Mit­be­stim­mungs­recht be­haup­tet wird. An­dern­falls könn­te je­weils erst im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren an­hand ei­nes dann ge­ge­be­nen kon­kre­ten be­trieb­li­chen Vor­gangs ent­schie­den wer­den, ob es sich um ei­ne dem Mit­be­stim­mungs­recht un­ter­lie­gen­de Maßnah­me han­delt oder nicht. Da­mit wäre aber der Be­frie­dungs­zweck des Be­schluss­ver­fah­rens ver­fehlt (grund­le­gend: BAG v. 03.05.1994 – 1 ABR 24/93, NZA 1995, 40; BAG v. 24.04.2007 – 1 ABR 47/06, NZA 2007, 1475; LAG Hes­sen v. 11.11.2010 – 5 TaBV 60/10, ju­ris; LAG Hamm v. 22.10.2010 – 10 TaBV­Ga 19/10, ju­ris). In die­sem Zu­sam­men­hang ist auch ein sog. Glo­balan­trag, mit dem für ei­nen be­stimm­ten Vor­gang ge­ne­rell ein Mit­be­stim­mungs­recht gel­tend ge­macht wird, hin­rei­chend be­stimmt (grund­le­gend: BAG v. 03.05.1994 – 1 ABR 24/93, NZA 1995, 40; BAG v. 24.04.2007 – 1 ABR 47/06, NZA 2007, 1475). Denn auch bei die­sem An­trag könne es nicht zu Un­klar­hei­ten bei der Zwangs­voll­stre­ckung kom­men. Ent­schei­dend ist nur, dass der Schuld­ner ge­nau weiß, was er zu un­ter­las­sen hat und wann er we­gen ei­nes Ver­s­toßes mit der Verhängung ei­nes Ord­nungs­gel­des rech­nen muss (BAG v. 24.04.2007 – 1 ABR 47/06, NZA 2007, 1475; BAG v. 03.05.1994 – 1 ABR 24/93, NZA 1995, 40; BAG v. 17.11.1998 – 1 ABR 12/98, NZA 1999, 662).

(2) Dies ist hier der Fall. Ent­schei­dend ist, dass aus dem An­trag klar er­sicht­lich ist, für wel­che Fälle die gel­ten­de ge­mach­te Un­ter­las­sung Platz grei­fen soll. In­so­weit un­ter­liegt die gel­tend ge­mach­te Un­ter­las­sung, die kon­kret be­zeich­ne­te Sei­te wei­ter zu be­trei­ben, kei­nen Be­den­ken, weil sich das Ziel und der Um­fang der gel­tend ge­mach­ten Un­ter­las­sung ein­deu­tig er­ge­ben. Bei ei­ner dem An­trag statt­ge­ben­den Ent­schei­dung kann die Be­tei­lig­te zu 2) ein­deu­tig er­ken­nen, wel­cher Hand­lun­gen sie sich ent­hal­ten soll und wann sie we­gen ei­nes Ver­s­toßes mit der Verhängung ei­nes Ord­nungs­gel­des rech­nen muss. Dies be­ruht vor al­lem dar­auf, dass der An­trag­stel­ler die kon­kre­te Sei­te, de­ren Be­trieb die Ar­beit­ge­be­rin un­ter­las­sen soll, im An­trag ganz kon­kret be­zeich­net hat.

 

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b) Der Dar­le­gung ei­nes be­son­de­ren Rechts­schutz­in­ter­es­ses be­darf es nicht, weil es sich bei ei­nem Un­ter­las­sungs­an­trag um ei­nen Leis­tungs­an­trag han­delt. Dies gilt auch für Anträge auf zukünf­ti­ge Un­ter­las­sung (BAG v. 03.06.2003 – 1 AZR 349/02, ju­ris; BAG v. 22.10.1985 – 1 ABR 38/83, EzA Nr. 10 zu § 87 Be­trVG be­trieb­li­che Lohn­ge­stal­tung; BAG v. 25.08.1983 – 6 ABR 52/80, AP Nr. 14 zu § 59 KO; LAG Hes­sen v. 11.11.2010 – 5 TaBV 60/10, ju­ris; Schwab/Weth, § 81 ArbGG Rz. 90). Aus­nah­men sind al­len­falls denk­bar, wenn der An­trag­stel­ler der Ent­schei­dung nicht be­darf, et­wa weil er be­reits über ei­nen Ti­tel verfügt, aus dem voll­streckt wer­den könn­te. So liegt der Fall hier aber nicht.

2. Der Haupt­an­trag ist aber un­be­gründet. Denn der Be­trieb der face­book-Sei­te durch die Ar­beit­ge­be­rin be­trifft Mit­be­stim­mungs­re­che des An­trag­stel­lers nicht.

a) Der An­trag­stel­ler ist al­ler­dings zuständig.

aa) Die Zuständig­keits­ver­tei­lung in­ner­halb der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gre­mi­en re­gelt das Be­trVG selbst. Die Ausübung der Mit­be­stim­mungs­rech­te nach dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ob­liegt da­nach grundsätz­lich dem von den Ar­beit­neh­mern un­mit­tel­bar gewähl­ten Be­triebs­rat. Er hat die In­ter­es­sen der Be­leg­schaf­ten wahr­zu­neh­men (BAG v. 19.06.2012 – 1 ABR 19/11, NZA 2012, 1237; BAG v. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, NZA 2008, 1248).

Der Kon­zern­be­triebs­rat ist nach § 58 Abs. 1 Be­trVG zuständig für die Be­hand­lung von An­ge­le­gen­hei­ten, die den Kon­zern oder meh­re­re Kon­zern­un­ter­neh­men be­tref­fen und die nicht durch die ein­zel­nen Ge­samt­be­triebsräte in­ner­halb ih­rer Un­ter­neh­men ge­re­gelt wer­den können. Da­bei ist ein Kon­zern­be­triebs­rat ori­ginär zuständig, wenn die An­ge­le­gen­heit den Kon­zern oder meh­re­re Kon­zern­un­ter­neh­men be­trifft und das Re­ge­lungs­ziel nur durch ei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung auf Kon­zern­ebe­ne er­reicht wer­den kann. Ein ent­spre­chen­des zwin­gen­des Er­for­der­nis für die kon­zern­ein­heit­li­che Re­ge­lung kann sich aus tech­ni­schen oder recht­li­chen Gründen er­ge­ben. Ent­schei­dend sind der In­halt so­wie das Ziel, das durch die Re­ge­lung er­reicht wer­den soll (BAG v. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, NZA 2008, 1248; BAG v. 19.06.2007 – 1 AZR 454/06, AP Nr. 4 zu § 58 Be­trVG 1972; BAG v. 14.11.2006 – 1 ABR 4/06, NZA 2007, 399; LAG Köln v. 03.07.1987 – 5 TaBV 11/87; Fit­ting, § 58 Rz.10; Däubler/Kitt­ner/Kle­be, § 58 Rz. 26).

Gem. § 50 Be­trVG ist der Ge­samt­be­triebs­rat zuständig für die Be­hand­lung von An­ge­le­gen­hei­ten, die das Ge­samt­un­ter­neh­men oder meh­re­re Be­trie­be

 

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be­tref­fen und nicht durch die ein­zel­nen Be­triebsräte in­ner­halb ih­rer Be­trie­be ge­re­gelt wer­den können. Da­bei ist im Rah­men der wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten bei Be­triebsände­run­gen an­er­kannt, dass der Ge­samt­be­triebs­rat zu be­tei­li­gen ist, wenn die Maßnah­me das gan­ze Un­ter­neh­men oder meh­re­re Be­trie­be des Un­ter­neh­mens be­trifft und not­wen­di­ger­wei­se nur ein­heit­lich ge­re­gelt wer­den können, et­wa bei der Zu­sam­men­le­gung meh­re­rer Be­trie­be oder die Still­le­gung al­ler Be­trie­be des Un­ter­neh­mens (BAG v. 19.06.2012 – 1 ABR 19/11, NZA 2012, 1237; BAG v. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, NZA 2008, 1248; BAG v. 24.01.1996 - 1 AZR 542/95, AP Nr. 16 zu § 50 Be­trVG; BAG v. 11.12.2001 – 1 AZR 193/01, NZA 2002, 688).

Dem­ge­genüber ist in al­len Fällen außer­halb die­ser ge­setz­li­chen Zuständig­keits­zu­wei­sung die Zuständig­keit des Be­triebs­ra­tes ge­ge­ben.

Ob und in wel­cher Wei­se ein be­triebs- oder un­ter­neh­mensüberg­rei­fen­der Re­ge­lungs­be­darf be­steht, rich­tet sich al­so nach den Umständen des Ein­zel­falls (BAG v. 11.02.2001 – 1 AZR 193/01, NZA 2002, 688). Ins­be­son­de­re liegt das Mit­be­stim­mungs­recht dann nicht beim Be­triebs­rat, wenn ein Sys­tem be­triebs-oder un­ter­neh­mensüberg­rei­fend ein­geführt wer­den soll und ei­ne un­ter­schied­li­che Aus­ge­stal­tung in den Be­trie­ben mit der ein­heit­li­chen Funk­ti­on des Sys­tems nicht ver­ein­bar wäre. Dies gilt nach Auf­fas­sung des BAG ins­be­son­de­re bei der Nut­zung ei­nes ein­heit­li­chen Ser­vers (BAG v. 14.11.2006 – 1 ABR 4/06, NZA 2007, 399, zum GBR). Nicht an­ders, wenn der nach ei­ner Re­ge­lung vor­ge­se­he­ne Da­ten­zu­griff nur ein­heit­lich kon­zern­weit möglich sein soll (BAG v. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, NZA 2008, 1248). Ent­schei­dend sind al­so der In­halt der Re­ge­lung so­wie das an­ge­streb­te Ziel. Er­for­der­lich ist, dass es sich zum ei­nen um ei­ne meh­re­re Be­trie­be bzw. das Un­ter­neh­men be­tref­fen­de An­ge­le­gen­heit han­delt und zum an­de­ren ob­jek­tiv ein zwin­gen­des Er­for­der­nis für ei­ne un­ter­neh­mens­ein­heit­li­che oder be­triebsüberg­rei­fen­de Re­ge­lung be­steht. Das Vor­lie­gen ei­nes zwin­gen­den Er­for­der­nis­ses be­stimmt sich nach In­halt und Zweck des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands, der ei­ner zu re­geln­den An­ge­le­gen­heit zu­grun­de liegt. Al­lein der Wunsch des Ar­beit­ge­bers nach ei­ner un­ter­neh­mens­ein­heit­li­chen oder be­triebsüberg­rei­fen­den Re­ge­lung,
sein Kos­ten- oder Ko­or­di­nie­rungs­in­ter­es­se so­wie rei­ne Zweckmäßig­keits­ge­sichts­punk­te genügen nicht, um in An­ge­le­gen­hei­ten der zwin­gen­den Mit­be­stim­mung die Zu­stim­mung des Ge­samt­be­triebs­rats zu be­gründen (BAG v. 19.06.2012 – 1 ABR 19/11, NZA 2012, 1237; BAG v. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, NZA 2008, 1248; BAG v. 14.11.2006 – 1 ABR 4/06, BA­GE 120, 146; BAG v. 24.01.2006 – 3 AZR 483/04, NZA-RR 2007, 595; BAG v. 15.01.2002 – 1 ABR 10/01, BA­GE 100, 57).

 

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bb) Auf die­ser Grund­la­ge ist die er­ken­nen­de Kam­mer - eben­so wie das Ar­beits­ge­richt - der Auf­fas­sung, dass der An­trag­stel­ler als Kon­zern­be­triebs­rat zuständig ist. Denn es be­steht bei dem Be­trieb der face­book-Sei­te durch den Ar­beit­ge­ber ein klar er­kenn­ba­res ob­jek­tiv zwin­gen­des Er­for­der­nis für ei­ne un­ter­neh­mens­ein­heit­li­che Re­ge­lung. Der Ar­beit­ge­ber als Rechts­sub­jekt schließt ei­nen Ver­trag mit face­book, in­fol­ge des­sen er auf die Ser­ver der Fir­ma face­book zu­grei­fen kann. Da­durch wird er in die La­ge ver­setzt, den Auf­tritt bei face­book un­ter­neh­mens­ein­heit­lich zu steu­ern. Der un­ter­neh­mens­ein­heit­li­che Auf­tritt des Ar­beit­ge­bers ist auch nicht zu be­an­stan­den, da es sich bei face­book für den Ar­beit­ge­ber im We­sent­li­chen um ei­ne Wer­be­platt­form han­delt, die zen­tral ge­steu­ert und ge­pflegt wer­den muss.

b) Durch den Be­trieb der kon­kret im An­trag be­zeich­ne­ten face­book-Sei­te der Ar­beit­ge­be­rin wer­den Rech­te des An­trag­stel­lers nicht ver­letzt. Ins­be­son­de­re be­steht we­der ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG noch nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG.

aa) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG kann sich ein Be­triebs­rat ge­gen zu er­war­ten­de Verstöße des Ar­beit­ge­bers ge­gen ein Mit­be­stim­mungs­recht aus § 87 Abs. Be­trVG un­abhängig von den Vor­aus­set­zun­gen des § 23 Abs. 3 Be­trVG im We­ge ei­nes all­ge­mei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruchs weh­ren (grund­le­gend BAG v. 03.05.1994 – 1 ABR 24/93, NZA 1995, 40; BAG v. 24.04.2007 – 1 ABR 47/06, NZA 2007, 1475; BAG v. 03.05.2006 – 1 ABR 14/05, AP Nr. 119 zu § 87 Be­trVG Ar­beits­zeit; BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 63/10,EzA Nr. 6 z § 87 Be­trieb­li­che Ord­nung; BAG v. 25.09.2012 – 1 ABR 49/11, NZA 2013, 159). Die­ser An­spruch wird zwar in § 87 Be­trVG nicht aus­drück­lich ge­re­gelt. Un­ter­las­sungs­ansprüche können aber als selbständi­ge, ein­klag­ba­re Ne­ben­leis­tungs­ansprüche auch oh­ne ge­setz­li­che Nor­mie­rung be­ste­hen. Der An­spruch er­gibt sich in­so­weit bei so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten im Sin­ne von § 87 Be­trVG aus der be­son­de­ren Rechts­be­zie­hung, die zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat be­steht. Das ist mitt­ler­wei­le un­be­strit­ten (grund­le­gend wie­der­um BAG v. 03.05.1994 – 1 ABR 24/93, NZA 1995, 40). In­so­weit be­ruht die An­er­ken­nung des Un­ter­las­sungs­an­spruchs in die­sem Be­reich dar­auf, dass im Rah­men der ge­nann­ten Mit­be­stim­mungs­tat­bestände jeg­li­ches Han­deln des Ar­beit­ge­bers der Zu­stim­mung des Be­triebs­rats be­darf. Die Be­rech­ti­gung, ei­ne Maßnah­me bei Ein­hal­tung ei­nes be­stimm­ten Ver­fah­rens un­be­scha­det ih­rer ma­te­ri­ell-recht­li­chen Rechtmäßig­keit vorläufig durch­zuführen, be­steht in An­ge­le­gen­hei­ten des § 87 Abs. 1 Be­trVG nicht.

 

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bb) Da­bei muss der An­trag mit der Ver­let­zungs­hand­lung kor­re­spon­die­ren.

Es ist all­ge­mein an­er­kannt, dass die vom An­trag­stel­ler be­gehr­te Un­ter­las­sung ei­nen Be­zug zu den gerügten und be­an­stan­de­ten Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers ha­ben muss. Ent­schei­dend ist, dass die Un­ter­las­sung ge­rich­tet ist auf die­je­ni­gen Hand­lun­gen, die den Ver­let­zungs­ge­gen­stand bil­den. Es geht al­so dar­um, ei­nen Glo­balan­trag aus­zu­sch­ließen. In­so­weit be­steht bei ei­nem Un­ter­las­sungs­an­trag auf Grund­la­ge von § 87 Be­trVG die be­gehr­te Rechts­fol­ge in dem Ver­bot ei­ner be­stimm­ten – als rechts­wid­rig an­ge­grif­fe­nen Ver­hal­tens­wei­se, die der An­trag­stel­ler dann auch in sei­nem An­trag be­schrei­ben muss (so aus­drück­lich BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; vgl. da­zu auch die kon­kret be­zeich­ne­ten Un­ter­las­sun­gen in: BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359; LAG Rhein­land-Pfalz v. 04.11.2010 – 5 TaBV 21/10, ju­ris, je­weils im Rah­men von § 23 Abs. 3 Be­trVG).

Dies ist hier grundsätz­lich un­pro­ble­ma­tisch, weil sich aus der be­haup­te­ten Ver­let­zungs­hand­lung – Mit­be­stim­mungs­recht bei dem Be­trieb der face­book-Sei­te – un­mit­tel­bar der gel­tend ge­mach­te Un­ter­las­sungs­an­spruch er­gibt. Denn bei ei­ner Ver­let­zung des Mit­be­stim­mungs­rech­tes des An­trag­stel­lers beim Be­trieb der Sei­te wäre der Be­trieb der Sei­te in Gänze un­zulässig.

cc) Ein Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG liegt nicht vor.

(1) Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG hat der Be­triebs­rat u.a. mit­zu­be­stim­men bei der An­wen­dung von tech­ni­schen Ein­rich­tun­gen, die da­zu be­stimmt sind, das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Ar­beit­neh­mer zu über­wa­chen. „Über­wa­chung“ im Sin­ne der ge­nann­ten Vor­schrift ist ein Vor­gang, durch den In­for­ma­tio­nen über das Ver­hal­ten oder die Leis­tung des Ar­beit­neh­mers er­ho­ben und - je­den­falls in der Re­gel - auf­ge­zeich­net wer­den, um sie auch späte­rer Wahr­neh­mung zugäng­lich zu ma­chen. Die In­for­ma­tio­nen müssen auf tech­ni­sche Wei­se er­mit­telt und do­ku­men­tiert wer­den, so dass sie zu­min­dest für ei­ne ge­wis­se Dau­er verfügbar blei­ben und vom Ar­beit­ge­ber her­an­ge­zo­gen wer­den können (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 27.01.2004 - 1 ABR 7/03 - ju­ris). Die Über­wa­chung muss aber durch die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst be­wirkt wer­den. Da­zu muss die­se auf­grund ih­rer tech­ni­schen Na­tur un­mit­tel­bar, d.h. we­nigs­tens in ih­rem Kern die Über­wa­chung vor­neh­men, in­dem sie das Ver­hal­ten oder die Leis­tung der Ar­beit­neh­mer kon­trol­liert. Das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG setzt da­her vor­aus, dass die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst und au­to­ma­tisch die Da­ten über be­stimm­te Vorgänge ver­ar­bei­tet (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v.

 

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08.11.1994 - 1 ABR 20/94, ju­ris). Aus­rei­chend ist, wenn le­dig­lich ein Teil des Über­wa­chungs­vor­gangs mit­tels ei­ner tech­ni­schen Ein­rich­tung er­folgt (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 15.12.1992 - 1 ABR 24/92, ju­ris). Zur Über­wa­chung „be­stimmt“ sind tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen dann, wenn sie ob­jek­tiv ge­eig­net sind, Ver­hal­tens- oder Leis­tungs­in­for­ma­tio­nen der Ar­beit­neh­mer zu er­he­ben und auf­zu­zeich­nen; auf die sub­jek­ti­ve Über­wa­chungs­ab­sicht des Ar­beit­ge­bers kommt es nicht an (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris).

Sinn der Vor­schrift ist es, Ein­grif­fe in den Persönlich­keits­be­reich der Ar­beit­neh­mer durch Ver­wen­dung an­ony­mer tech­ni­scher Kon­troll­ein­rich­tun­gen nur bei gleich­be­rech­tig­ter Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats zu­zu­las­sen (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 27.01.2004 - 1 ABR 7/03, ju­ris). Die auf tech­ni­schem Weg er­folg­te Er­mitt­lung und Auf­zeich­nung von In­for­ma­tio­nen über den Ar­beit­neh­mer ber­gen die Ge­fahr in sich, dass in des­sen Persönlich­keits­be­rei­che ein­ge­drun­gen wird, die ei­ner nicht tech­ni­schen Über­wa­chung nicht zugäng­lich sind, und dass der Ar­beit­neh­mer zum Ob­jekt ei­ner Über­wa­chungs­tech­nik ge­macht wird, der er sich nicht ent­zie­hen kann (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 18.02.1986 - 1 ABR 21/84, ju­ris). Das Persönlich­keits­recht des Ar­beit­neh­mers wird bei ei­ner tech­ni­sier­ten Er­mitt­lung von Ver­hal­tens- und Leis­tungs­da­ten we­gen der - ge­genüber ei­ner Über­wa­chung durch Men­schen - un­gleich größeren Möglich­keit zur durch­ge­hen­den Da­ten­ver­ar­bei­tung be­son­ders gefähr­det. Darüber hin­aus sind die Abläufe der tech­nik­gestütz­ten Da­tenermitt­lung für den Ar­beit­neh­mer viel­fach nicht wahr­nehm­bar und es fehlt re­gelmäßig an ei­ner Möglich­keit, sich ihr zu ent­zie­hen. Die Ein­bin­dung in ei­ne von ihm nicht be­ein­fluss­ba­re Über­wa­chungs­tech­nik kann zu erhöhter Abhängig­keit führen und da­mit die freie Ent­fal­tung sei­ner Persönlich­keit hin­dern (BAG v. 10.12.2013 – 1 ABR 43/12, ju­ris; BAG v. 08.11.1994 - 1 ABR 20/94, ju­ris).

(2) Auf die­ser Grund­la­ge un­ter­liegt der Be­trieb der face­book-Sei­te des Ar­beit­ge­bers nicht der Mit­be­stim­mung des An­trag­stel­lers aus § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG.

(i) Aus Sicht der Kam­mer be­steht ein Mit­be­stim­mungs­recht zunächst nicht, weil Mit­ar­bei­ter von ei­ner ne­ga­ti­ven Be­wer­tung auf der face­book-Sei­te durch Blut­spen­der be­trof­fen sein könn­ten. Al­lein, dass Mit­ar­bei­ter auf der face­book Sei­te ne­ga­tiv be­wer­tet wer­den und dass der Ar­beit­ge­ber mit den face­book-ei­ge­nen Möglich­kei­ten ge­zielt nach ne­ga­ti­ven Ein­trägen su­chen könn­te, führt nicht da­zu, dass er ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung be­treibt. Denn ent­schei­dend ist aus Sicht der Kam­mer, dass es an der not­wen­di­gen Leis­tungs- oder Ver­hal­tens­kon­trol­le durch die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst fehlt. Er­for­der­lich ist

 

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nach Über­zeu­gung der Kam­mer, dass ein Vor­gang er­folgt, bei dem In­for­ma­tio­nen über Ver­hal­ten und die Leis­tung er­ho­ben und auf­ge­zeich­net wer­den, um sie späte­rer Wahr­neh­mung zugäng­lich zu ma­chen. Auch die Ver­ga­be der Über­wa­chungstätig­keit an ei­nen Drit­ten schlösse das Mit­be­stim­mungs­recht nicht aus (BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris). Stets ist aber er­for­der­lich, dass die Über­wa­chung durch die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst er­folgt, in­dem der Kern der Über­wa­chung durch die Ein­rich­tung selbst vor­ge­nom­men wird, d.h. aus ih­rer tech­ni­schen Na­tur her­aus selbst und au­to­ma­tisch Da­ten über be­stimm­te Vorgänge er­ho­ben und ver­ar­bei­tet wer­den.

In­so­weit ist aus Sicht der Kam­mer zunächst von Be­deu­tung, dass durch face­book sei­tens der Mit­ar­bei­ter, die et­wai­gen ne­ga­ti­ven Pos­tings aus­ge­setzt sind, selbst nichts auf­ge­zeich­net wird. face­book bie­tet in­so­weit selbst kei­ner­lei Über­wa­chungstätig­keit. Die Mit­ar­bei­ter wer­den al­so selbst nicht durch ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung von face­book in der Blut­spen­de­ein­rich­tung über­wacht. Es ist le­dig­lich so, dass Blut­spen­der auf der face­book-Sei­te Nach­rich­ten mit di­ver­sen In­hal­ten hin­ter­las­sen können, et­wa zu­stim­men­de Kom­men­ta­re, all­ge­mei­ne Kom­men­ta­re oder eben auch ne­ga­ti­ve Kom­men­ta­re. Al­lein, dass ein ne­ga­ti­ver per­so­nen­be­zo­ge­ner Kom­men­tar durch den Blut­spen­der ver­fasst und auf der face­book-Sei­te ge­pos­tet wird, führt aber nicht da­zu, dass ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung ei­nen Über­wa­chungs­vor­gang auslöst. Denn in­so­weit gibt ein Blut­spen­der nur sei­ne Be­ob­ach­tun­gen wie­der und schreibt sie auf, eben­so, wie er auch ei­ne E-Mail oder ei­nen Brief über die Be­klag­te schrei­ben könn­te. Das hat mit Über­wa­chung durch ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung aus Sicht der Kam­mer nichts zu tun. Denn face­book selbst er­fasst die Tätig­keit der Mit­ar­bei­ter nicht. Es geht nicht um ei­ne tech­nisch aus­gelöste Über­wa­chung durch das Me­di­um face­book. face­book kennt den Mit­ar­bei­ter gar nicht.

Die­ser Vor­gang wird auch nicht da­durch zu ei­ner tech­ni­schen Über­wa­chung, weil mit den face­book ei­ge­nen „Bord­mit­teln“ ei­ne Su­che auf der face­book-Sei­te durch den Ar­beit­ge­ber möglich ist. In­so­weit ist dem An­trag­stel­ler zwar zu­zu­ge­ben, dass ein Auf­fin­den oder ei­ne Per­pe­tu­ie­rung ei­nes et­wai­gen ne­ga­ti­ven Pos­tings durch Suchmöglich­kei­ten denk­bar ist. Da­bei spielt es aber kei­ne Rol­le, ob die Funk­ti­on „graph-Se­arch“ bei face­book verfügbar ist oder nicht. Denn es be­steht oh­ne­hin die Möglich­keit, mit der all­ge­mei­nen Such­funk­ti­on bei face­book sämt­li­che face­book-Sei­ten zu durch­su­chen. Dies ist ei­ne Be­son­der­heit der Such­ma­schi­ne, weil sie eben - an­ders als et­wa Goog­le - nicht das ge­sam­te In­ter­net, son­dern ge­zielt nur face­book durch­sucht. In­so­weit kann man bei face­book nach Beiträgen, Fo­tos, Or­ten, Sei­ten, Grup­pen, Apps und Ver­an­stal­tun­gen su­chen. Die Er­geb­nis­se wer­den in ei­ne Lis­te ein­ge­tra­gen. Des­halb kann je­der, der bei face­book an­ge­mel­det ist, auch Pos­tings auf der

 

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Sei­te der Be­tei­lig­ten zu 2) fin­den. In glei­cher Wei­se könn­te mit der all­ge­mei­nen Such­funk­ti­on ein Mit­ar­bei­ter­na­me ein­ge­ge­ben wer­den, um zu prüfen, in wel­chem an­de­ren Zu­sam­men­hang (ins­be­son­de­re auf wel­chen an­de­ren fache­book-Sei­ten) er auf face­book-Sei­ten Spu­ren hin­ter­las­sen hat. Al­lein das Vor­hal­ten ei­ner Such­funk­ti­on, mit der man bei face­book nach In­for­ma­tio­nen (auch) über Mit­ar­bei­ter su­chen kann, stellt aber we­der ei­ne Einführung noch ei­ne An­wen­dung ei­ner tech­ni­schen Ein­rich­tung zur Über­wa­chung dar. Selbst wenn der Ar­beit­ge­ber hier tatsächlich nach Mit­ar­bei­tern su­chen würde, fehlt es an der not­wen­di­gen Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le durch ei­ne tech­ni­sche Ein­rich­tung. Die Über­prüfung der Mit­ar­bei­ter wird dann nämlich nicht au­to­ma­ti­siert durch face­book in Gang ge­setzt, son­dern aus­sch­ließlich durch men­sch­li­ches Han­deln. Ein mit der Über­prüfung be­fass­ter Mit­ar­bei­ter müss­te ei­genständig über den Ein­satz der Such­ma­schi­ne ent­schei­den und dann ge­zielt ge­pos­te­te In­for­ma­tio­nen von Drit­ten in ei­nen Zu­sam­men­hang brin­gen. So­dann müss­te er ge­ge­be­nen­falls wei­te­re Schrit­te zur Aufklärung des Sach­ver­hal­tes ein­lei­ten, et­wa Be­fra­gun­gen der übri­gen am Blut­spen­de­ter­min an­we­sen­den Mit­ar­bei­ter durchführen. Es ist al­so so, dass kei­ne au­to­ma­ti­sier­te Leis­tungs-und Ver­hal­tens­kon­trol­le er­folgt, son­dern der Ein­satz von Such­ma­schi­nen bei face­book durch men­sch­li­ches Han­deln aus­gelöst wird und die Er­kennt­nis­se und wei­te­ren Schrit­te von der Re­ak­ti­on der Per­son abhängt, die die Su­che durchführt.

Nichts an­de­res er­gibt sich aus den von face­book an­ge­bo­te­nen sta­tis­ti­schen Aus­wer­tun­gen. Denn die­se be­tref­fen gar nicht die Mit­ar­bei­ter. Es geht bei der Funk­tio­na­lität „Mes­sun­gen und Sta­tis­ti­ken“ um die Aus­wer­tung der Kun­den­be­lan­ge. Dies gilt ins­be­son­de­re für die „Sei­ten­sta­tis­ti­ken“, die Tools für ei­ne Ana­ly­se der ei­ge­nen face­book Sei­te be­reit­stel­len, in dem sie In­for­ma­tio­nen auf­zei­gen, wer die Sei­te be­sucht und wie die­se Per­so­nen auf die be­reit­ge­stell­ten In­hal­te re­agie­ren (z.B. An­zahl der „li­kes“). Eben­so wird die Reich­wei­te der Beiträge er­mit­telt. All dies be­zieht sich aber von vorn­her­ein nicht auf die Beschäftig­ten, son­dern auf die Per­so­nen, die face­book nut­zen, so dass schon kei­ne Funk­tio­na­lität für ei­ne Kon­trol­le be­steht, weil die Aus­wer­tun­gen in die­sem Verhält­nis gar kei­ne Rol­le spie­len. Dies gilt in glei­cher Wei­se für die bei face­book mögli­chen „Ziel­grup­pen­sta­tis­ti­ken“, die de­mo­gra­fi­sche In­for­ma­tio­nen über die Ziel­gru­pe, et­wa Al­ter oder Ge­schlecht be­reit­stel­len. „Con­ver­si­on Tracking“ be­inhal­tet eben­falls nur die Möglich­keit, ei­ge­ne Wer­be­an­zei­gen auf ih­ren Wir­kungs­grad zu un­ter­su­chen. Zwar mögen hier­bei auch Mit­ar­bei­ter er­fasst wer­den. Dies aber nicht in ih­rer Ei­gen­schaft als Mit­ar­bei­ter, son­dern weil die­se Mit­ar­bei­ter ein ei­ge­nen face­book-Ac­count un­ter­hal­ten und Beiträge auf der Sei­te des Ar­beit­ge­bers z. B. „ge­li­ked“ ha­ben können. In­so­fern han­delt es sich aber oh­ne­hin nur um an­ony­me sta­tis­ti­sche Aus­wer­tun­gen.

 

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Auch ei­ne et­wai­ge Be­trof­fen­heit des Persönlich­keits­rech­tes der Mit­ar­bei­ter be­gründet das Ein­grei­fen des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des nicht. Sinn und Zweck ist – wie be­reits auf­ge­zeigt – der Schutz des Persönlich­keits­rech­tes vor an­ony­mer Kon­trol­le durch die tech­ni­sche Auf­zeich­nung selbst. Hier aber geht es nicht um die Ge­fah­ren durch die tech­ni­sche Kon­trol­le selbst, son­dern um men­sch­lich kon­trol­lier­tes Han­deln. Dies be­ginnt schon mit dem Auf­zeich­nungs­vor­gang. Ein Blut­spen­der, der vom Ar­beit­ge­ber we­der be­auf­tragt noch in sons­ti­ger Wei­se in­stru­iert ist, äußert sich frei und un­abhängig im Rah­men sei­ner Mei­nungs­frei­heit im vom Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ge­stell­ten Me­di­um. Die Su­che nach die­sem Pos­ting wird von men­sch­li­chem Han­deln aus­gelöst. Das „ob und wie“ der Su­che und die Ein­lei­tung von Aufklärungs­maßnah­men steht dann im Er­mes­sen des „Su­chen­den“. Ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Au­to­ma­tik der Su­che und der Ver­knüpfung von Er­geb­nis­sen und Re­ak­tio­nen be­steht nicht.

(ii) Das Mit­be­stim­mungs­recht des § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG be­steht auch nicht hin­sicht­lich der Ad­mi­nis­tra­to­ren. Zu­zu­ge­ben ist dem An­trag­stel­ler, dass Mit­ar­bei­ter mit der Pfle­ge der Sei­te be­fasst sind. Da­bei geht es zum Ei­nen um die Be­ar­bei­tung von Pos­tings der Blut­spen­der. In­so­weit ist es möglich und ge­schieht auch, dass die Be­klag­te die von Blut­spen­dern ein­ge­stell­ten Pos­tings mit Kom­men­ta­ren ver­sieht. Zum An­de­ren muss die Sei­te ge­pflegt wer­den, so dass es Mit­ar­bei­ter gibt, die Blut­spen­de­ter­mi­ne oder sons­ti­ge In­for­ma­tio­nen auf der face­book-Sei­te veröffent­li­chen. Eben­so ist dem An­trag­stel­ler zu­zu­ge­ben, dass bei der Ein­stel­lung von In­for­ma­tio­nen und Kom­men­ta­ren nach­voll­zo­gen wer­den kann, wann die­se In­for­ma­ti­on veröffent­lich wor­den ist.

Auf Grund­la­ge der auf­ge­zeig­ten Recht­spre­chung bestünde nach Auf­fas­sung der Kam­mer in Übe­rein­stim­mung mit der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­rich­tes ein Mit­be­stim­mungs­recht, wenn nach­voll­zo­gen wer­den könn­te, wel­cher Mit­ar­bei­ter wann wel­che Nach­richt oder Kom­men­tar auf der face­book-Sei­te veröffent­licht hat. Denn dann er­folg­te durch face­book selbst ei­ne Da­ten­er­fas­sung über den Zu­griff auf die face­book-Sei­te, die dem Ar­beit­ge­ber über die ver­ge­be­nen Zu­griffs­rech­te die Nach­voll­zie­hung des er­folg­ten Zu­griffs ermöglich­te. Es wäre al­so er­kenn­bar, mit wel­chem Zu­griffs­recht wel­cher Bei­trag wann veröffent­licht wor­den ist. Hier­aus könn­ten un­mit­tel­bar Er­kennt­nis­se über das Ar­beits­ver­hal­ten des be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ters ge­won­nen wer­den (vgl. nur BAG v. 06.12.1983 – 1 ABR 43/81, RZ. 179, ju­ris; BAG v. 26.07.1994 – 1 ABR 6/94, ju­ris).

Das Ein­grei­fen des Mit­be­stim­mungs­rech­tes hängt aber in je­dem Fall da­von ab, dass ei­ne be­stimm­te Ken­nung mit ei­nem kon­kre­ten Mit­ar­bei­ter in Ver­bin­dung

 

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ge­bracht wer­den kann. Dies ist nicht der Fall. Da­zu muss man die Funk­ti­ons­wei­se der ver­ge­be­nen Ken­nun­gen berück­sich­ti­gen. Die Pfle­ge der face­book-Sei­te er­folgt über Zu­gangs­ken­nun­gen. In­so­fern kann man bei face­book „Ad­mi­nis­tra­to­ren-Ken­nun­gen“ ver­ge­ben. Die­se Ken­nun­gen be­rech­ti­gen zum Auf­schal­ten auf den Ac­count und da­mit zum Zu­griff auf die Sei­te, um dort Nach­rich­ten etc. ein­stel­len zu können. In­so­weit un­terhält die Be­tei­lig­te zu 2) un­strei­tig ei­nen Pool von et­wa zehn Mit­ar­bei­tern, die mit der Pfle­ge der Sei­te be­fasst sind, al­so über Ad­mi­nis­tra­to­ren-Rech­te verfügen. Da­zu hat­te die Be­tei­lig­te zu 2) bis­her je­dem der et­wa zehn Ad­mi­nis­tra­to­ren ein ei­ge­nes Ad­mi­nis­tra­to­ren-Zu­griffs­recht ein­ge­rich­tet, al­so ei­ne in­di­vi­du­el­le Ken­nung. Da­ne­ben be­steht aber eben­so auch ei­ne all­ge­mei­ne Ad­mi­nis­tra­to­ren Zu­griffs­ken­nung. Die Be­tei­lig­te zu 2) hat nun die mit der Pfle­ge der Sei­te be­fass­ten Mit­ar­bei­ter im Lau­fe des Ver­fah­rens an­ge­wie­sen, nur noch das all­ge­mei­ne Kenn­wort zu be­nut­zen, so dass ei­ne In­di­vi­dua­li­sie­rung der Zu­grif­fe aus Sicht der Kam­mer nicht mehr möglich ist.

Denn für ein Ein­grei­fen des Mit­be­stim­mungs­rech­tes reicht es nicht aus, dass Kon­troll­da­ten nur ei­ner Grup­pe von Ar­beit­neh­mern zu­ge­ord­net wer­den können, oh­ne dass ei­ne wei­te­re Iden­ti­fi­zie­rung möglich ist und oh­ne dass ein Grup­pen­druck er­zeugt wird.

Zunächst ist ei­ne Iden­ti­fi­zie­rung der Mit­ar­bei­ter aus Sicht der Kam­mer bei dem vom Ar­beit­ge­ber an­ge­wen­de­ten Ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen. Dies auch nicht durch die Zu­hil­fe­nah­me wei­te­rer Er­kennt­nis­quel­len. Zwar ist dem An­trag­stel­ler zu­zu­ge­ben, dass die Be­rech­ti­gung zur Nut­zung des Pass­wor­tes in Lis­ten fest­ge­hal­ten ist. Ei­ne wei­te­re Iden­ti­fi­zie­rung könn­te aber nur dann das Mit­be­stim­mungs­recht auslösen, wenn – wie et­wa bei der Nut­zung ei­nes Fahr­ten­schrei­bers – fest­stell­bar wäre, wel­cher Mit­ar­bei­ter un­mit­tel­bar be­trof­fen ist. So liegt der Sach­ver­halt hier aber nicht.

Das BAG geht in ständi­ger Recht­spre­chung da­von aus, dass ei­ne Über­wa­chung durch tech­ni­sche Ein­rich­tun­gen im Sin­ne von § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG auch vor­aus­setzt, dass die er­mit­tel­ten und auf­ge­zeich­ne­ten Ver­hal­tens-und Leis­tungs­da­ten auch ein­zel­nen Ar­beit­neh­mern zu­ge­ord­net wer­den können, der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer al­so iden­ti­fi­zier­bar sein muss. Mit­be­stim­mungs­pflich­tig ist nicht die Er­he­bung von Ver­hal­tens- und Leis­tungs­da­ten schlecht­hin, son­dern die Er­he­bung sol­cher auf den Ar­beit­neh­mer be­zo­ge­ner Da­ten, weil de­ren Persönlich­keits­be­reich vor ei­ner tech­ni­sier­ten an­ony­men Über­wa­chung geschützt wer­den soll. Das Er­fas­sen der Leis­tung oder des Ver­hal­tens ei­ner gan­zen Ab­tei­lung oder Grup­pe reicht nicht aus (BAG v. 06.12.1983 – 1 ABR 43/81, Rz. 179, ju­ris). Ei­ne Aus­nah­me sei nur

 

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dann denk­bar, wenn er­fass­te Ver­hal­tens- und Leis­tungs­da­ten nur ei­ner Grup­pe von Ar­beit­neh­mern zu­ge­ord­net wer­den können, die als Grup­pe auch für ei­ne be­stimm­te Leis­tung oder ein be­stimm­tes Ver­hal­ten ge­mein­schaft­lich ver­ant­wort­lich ist (BAG v. 26.07.1994 – 1 ABR 6/94, ju­ris; BAG v. 18.02.1986 – 1 ABR 21/84, ju­ris; BAG v. 06.12.1983 – 1 ABR 43/81, RZ. 179, ju­ris). In die­sem Fall sind dann Größe und Or­ga­ni­sa­ti­on so­wie die Art der Tätig­keit und die sich für das Grup­pen­mit­glied er­ge­ben­den An­pas­sungs­zwänge zu berück­sich­ti­gen (BAG v. 26.07.1994 – 1 ABR 6/94, ju­ris). Auf wel­che Wei­se er­fass­te Leis­tungs- und Ver­hal­tens­da­ten be­stimm­ten Ar­beit­neh­mern zu­ge­ord­net wer­den können, die­se Ar­beit­neh­mer al­so iden­ti­fi­zier­bar sind, ist gleichgültig. Die Iden­ti­fi­zie­rung muss nicht durch die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst er­fol­gen. Es genügt, dass die er­fass­ten Leis­tungs- und Ver­hal­tens­da­ten auch in Ver­bin­dung mit an­de­ren be­kann­ten oder außer­halb der tech­ni­schen Ein­rich­tung ge­won­ne­nen Da­ten die Zu­ord­nung zu ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer er­lau­ben. So wer­den et­wa die durch ei­nen Fahr­ten­schrei­ber auf­ge­zeich­ne­ten Da­ten ei­nem Ar­beit­neh­mer erst da­durch zu­ge­ord­net, dass fest­ge­stellt wird, wel­cher Ar­beit­neh­mer das Fahr­zeug während des Auf­zeich­nungs­zeit­rau­mes ge­fah­ren hat (BAG v. 06.12.1983 – 1 ABR 43/81, Rz. 179, ju­ris).

Zunächst er­folgt die Iden­ti­fi­ka­ti­on nicht durch die tech­ni­sche Ein­rich­tung selbst. Auch in Ver­bin­dung mit wei­te­ren Er­kennt­nis­quel­len ist der kon­kre­te Mit­ar­bei­ter nicht iden­ti­fi­zier­bar. Denn durch die Ver­wen­dung der iden­ti­schen Ken­nung kom­men al­le Mit­glie­der der Grup­pe für das Ein­stel­len des Kom­men­tars oder der In­for­ma­ti­on in Be­tracht. Auch wenn man nach­voll­zie­hen könn­te, dass be­stimm­te Mit­ar­bei­ter aus­schei­den, weil sie sich in Ur­laub be­fin­den, ver­bleibt stets ei­ne Grup­pe von meh­re­ren Ar­beit­neh­mern, die auf­grund ih­rer Auf­ga­ben­stel­lung für die Ein­stel­lung des Kom­men­tars oder der In­for­ma­ti­on in Be­tracht kom­men. Es ist nicht an­satz­wei­se er­sicht­lich, in wel­cher Wei­se aus der Grup­pe der Ad­mi­nis­tra­to­ren ei­ne kon­kre­te In­ter­ak­ti­on auf der face­book-Sei­te zu­ge­ord­net wer­den könne. Denn auch wenn face­book den Zu­griff zusätz­lich noch mit ei­ner IP-Num­mer er­fas­sen soll­te – was nicht ein­mal be­haup­tet wor­den ist - würden al­le Zu­grif­fe aus der Grup­pe die­sel­be IP-Num­mer auf­wei­sen. Auch aus der Tätig­keit der Ad­mi­nis­tra­to­ren er­gibt sich kei­ne Zu­ord­nung als sol­che. Denn die Mit­ar­bei­ter sind al­le­samt zuständig für die Pfle­ge der Sei­ten. In­so­weit darf auch nicht über­se­hen wer­den, dass die Pfle­ge der face­book-Sei­te nicht das „Haupt­geschäft“ die­ser Mit­ar­bei­ter ist. Ins­be­son­de­re sind sie nicht ständig „on­line“, um die Sei­te zu pfle­gen. Viel­mehr er­folgt der Zu­griff le­dig­lich von „Zeit zu Zeit“. Dass auf­grund der Ak­ten der Ar­beit­ge­be­rin ir­gend­wie nach­voll­zieh­bar wäre, wel­cher Mit­ar­bei­ter sich mit wel­cher The­ma­tik be­fasst hat, ist nicht er­sicht­lich. Ins­be­son­de­re können auch

 

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kei­ne Rück­schlüsse aus be­han­del­ten „The­men“ ge­zo­gen wer­den, weil es stets ei­ne Grup­pe ist, die sich mit der Pfle­ge der Sei­te be­fasst. Dies vor al­lem auch des­halb, weil die Veröffent­li­chung des Bei­trags auch gar nicht durch den Ver­fas­ser des Bei­trags, son­dern durch je­den der Mit­ar­bei­ter mit Ad­mi­nis­tra­to­ren­rech­ten er­fol­gen kann. Darüber hin­aus zeigt ge­ra­de das Ak­ti­vitäten­pro­to­koll, dass die Zu­gangs­ken­nung ge­ra­de nicht er­sicht­lich ist, An­la­ge AG 2. Im Er­geb­nis ist al­so al­lein aus der Ver­wen­dung der all­ge­mei­nen Ad­mi­nis­tra­to­ren­ken­nung kein Rück­schluss auf ei­nen be­stimm­ten Mit­ar­bei­ter möglich. Ei­ne Iden­ti­fi­zie­rung ist auch nicht auf sons­ti­ge Wei­se möglich. Denn es han­delt sich um ei­ne Grup­pe von et­wa 10 Mit­ar­bei­tern, die für die je­wei­li­ge Veröffent­li­chung in Be­tracht kom­men.

Nichts an­de­res er­gibt sich aus der Größe der Grup­pe. Es wird ins­be­son­de­re kein Über­wa­chungs­druck er­zeugt, der die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit ver­hin­dert. Denn da­zu ist die Grup­pe zu groß und die vor­han­de­nen In­for­ma­tio­nen, die le­dig­lich den Zeit­punkt der Ein­stel­lung ei­nes Bei­trags er­ken­nen las­sen, er­zeu­gen ihn nicht. Es ist des­halb ins­be­son­de­re nicht er­sicht­lich, dass al­lein durch die vor­han­de­nen Da­ten be­wirkt wer­den könn­te, dass ein Mit­ar­bei­ter da­zu be­stimmt wird, sein ei­ge­nes Ver­hal­ten an dem der Grup­pe aus­zu­rich­ten. Mag dies auch für klei­ne Ak­kord­grup­pen bis zu sechs Mit­ar­bei­ter zu­tref­fen. Hier wird aber we­der im Ak­kord ge­ar­bei­tet, noch ist die Grup­pe nach der An­zahl der Mit­ar­bei­ter klein. In­so­weit er­zeugt al­lein die Auf­zeich­nung des Rah­men­da­tums „Ein­stel­lung“ kei­nen Über­wa­chungs­druck in der Wei­se, dass dies die Grup­pe der­art be­ein­flus­sen kann, das Ver­hal­ten hier­an aus­zu­rich­ten. Die Kam­mer hält es für aus­ge­schlos­sen, dass sich in­fol­ge der Größe und der Or­ga­ni­sa­ti­on der Grup­pe so­wie der Art der Tätig­keit An­pas­sungs­zwänge er­ge­ben. Auch hier ist wie­der­um zu be­ach­ten, dass die Pfle­ge der face­book-Sei­te nur ei­nen klei­nen Teil der Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer aus­macht, was wie­der­um ei­nen „Grup­pen­druck“ aus­sch­ließt.

dd) Der An­spruch er­gibt sich auch nicht aus ei­ner Ver­let­zung des § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG. Denn auch in­so­weit be­steht kein Mit­be­stim­mungs­recht.

(1) Nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG hat der Be­triebs­rat mit­zu­be­stim­men in Fra­gen der Ord­nung des Be­triebs und des Ver­hal­tens der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb. Ge­gen­stand die­ses Mit­be­stim­mungs­rechts ist das be­trieb­li­che Zu­sam­men­le­ben und Zu­sam­men­wir­ken der Ar­beit­neh­mer (22.07.2008 – 1 ABR 40/07, ju­ris; BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG v. 08.06.1999 - 1 ABR 67/98, ju­ris; BAG v. 28.05.2002 - 1 ABR 32/01, ju­ris; BAG v. 11.06.2002 - 1 ABR 46/01, ju­ris). Die­ses kann der Ar­beit­ge­ber kraft sei­ner Lei­tungs­macht durch Ver­hal­tens­re­geln oder sons­ti­ge Maßnah­men be­ein­flus­sen und

 

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ko­or­di­nie­ren (BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG 11.06.2002 - 1 ABR 46/01, ju­ris). Zweck des Mit­be­stim­mungs­rechts ist es, die Ar­beit­neh­mer hier­an zu be­tei­li­gen. Sie sol­len an der Ge­stal­tung des be­trieb­li­chen Zu­sam­men­le­bens gleich­be­rech­tigt teil­neh­men (BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG v. 28.05.2002 - 1 ABR 32/01). Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BAG hat der Be­triebs­rat da­bei nur mit­zu­be­stim­men bei Maßnah­men, die das sog. Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer im Be­trieb be­tref­fen (BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG v. 28.05.2002 - 1 ABR 32/01, ju­ris). Nicht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig sind da­ge­gen Maßnah­men, die das sog. Ar­beits­ver­hal­ten re­geln sol­len. Dies sind sol­che Maßnah­men, mit de­nen die Ar­beits­pflicht un­mit­tel­bar kon­kre­ti­siert und ab­ge­for­dert wird (22.07.2008 – 1 ABR 40/07, ju­ris; BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG v. 11.06.2002 - 1 ABR 46/01). Da­nach ist das außer­be­trieb­li­che Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer der Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Be­triebs­par­tei­en ent­zo­gen. Dem­ent­spre­chend be­rech­tigt § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG die Be­triebs­par­tei­en nicht, in die pri­va­te Le­bensführung der Ar­beit­neh­mer ein­zu­grei­fen (BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris). Der "Be­trieb" i. S. d. § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG ist al­ler­dings nicht auf die Be­triebsstätte be­schränkt. Der Be­griff des Be­triebs ist nicht räum­lich, son­dern funk­tio­nal zu ver­ste­hen. Das folgt aus dem Sinn und Zweck des Mit­be­stim­mungs­rechts. Die­ses be­trifft nicht die Or­ga­ni­sa­ti­on der dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung ste­hen­den Sach­mit­tel, son­dern das Zu­sam­men­wir­ken der Ar­beit­neh­mer. Das Mit­be­stim­mungs­recht soll im­mer dann aus­geübt wer­den können, wenn der Ar­beit­ge­ber das mit ih­rer Tätig­keit ver­bun­de­ne Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer re­gelt. Da­her be­steht es auch dann, wenn es um das Ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer außer­halb der Be­triebsstätte geht. Auch dann ist das "be­trieb­li­che" Ver­hal­ten be­trof­fen (vgl. 22.07.2008 – 1 ABR 40/07, ju­ris; BAG v. 27.01.2004 – 1 ABR 7/03, ju­ris; BAG v. 11.06.2002 - 1 ABR 46/01, ju­ris; BAG v. 28.05.2002 - 1 ABR 32/01, ju­ris).

(2) Auch in­so­weit be­steht kein Mit­be­stim­mungs­recht. Die Eröff­nung der face­book-Sei­te selbst be­trifft of­fen­sicht­lich nicht das „Ord­nungs­ver­hal­ten“ der Mit­ar­bei­ter in die­sem Sin­ne. Auch die An­wei­sung der Ad­mi­nis­tra­to­ren zur Pfle­ge der Sei­te stellt nur ei­ne An­wei­sung be­tref­fend das Ar­beits­ver­hal­ten dar.

Denk­bar wäre es aber, dass der vom Ar­beit­ge­ber er­stell­te und an die Mit­ar­bei­ter ver­teil­te Leit­fa­den zum Um­gang mit So­ci­al Me­dia Mit­be­stim­mungs­rech­te nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG auslöst. Die­ser Leit­fa­den erklärt zum Ei­nen das Me­di­um face­book. Er gibt zum An­de­ren aber auch Hin­wei­se zur Nut­zung des Me­di­ums im pri­va­ten Be­reich, so­weit sich die Mit­ar­bei­ter auf face­book als Mit­ar­bei­ter des DRK zu er­ken­nen ge­ben. So ist

 

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et­wa der Hin­weis ent­hal­ten, dass der­je­ni­ge, der sich als Mit­ar­bei­ter der Be­tei­lig­ten zu 2) zu er­ken­nen gibt, auf po­li­ti­sche Äußerun­gen ver­zich­ten muss.

Es kann al­ler­dings aus Sicht der Kam­mer of­fen blei­ben, ob der Leit­fa­den dem Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG un­terfällt. Denn der Leit­fa­den be­trifft nicht den Be­trieb der face­book-Sei­te des Ar­beit­ge­bers. Der An­trag­stel­ler be­gehrt nicht et­wa die Un­ter­las­sung der wei­te­ren Ver­wen­dung des Leit­fa­dens, son­dern möch­te den Be­trieb der face­book-Sei­te un­ter­bin­den. Die Nut­zung der face­book Sei­te aber ist un­abhängig vom Leit­fa­den. Denn der Leit­fa­den be­trifft nicht den Be­trieb der ei­ge­nen Sei­te, son­dern be­fasst sich all­ge­mein mit der Nut­zung des Me­di­ums face­book. Er gibt zwar auch Hin­wei­se für das kon­kre­te Ver­hal­ten der Mit­ar­bei­ter (ne­ti­quet­te), auch ist An­lass der ei­ge­ne face­book-Auf­tritt der Ar­beit­ge­be­rin. Bezüglich der ei­ge­nen face­book-Sei­te wer­den die Mit­ar­bei­ter le­dig­lich ein­ge­la­den, zu fol­gen.

Ein et­wai­ger Ver­s­toß ge­gen das Mit­be­stim­mungs­recht hat aber nicht die Ab­schal­tung der face­book-Sei­te, son­dern nur ei­ne Un­ter­las­sung der wei­te­ren Ver­wen­dung des Leit­fa­dens zur Fol­ge. Denn Mit­be­stim­mungs­recht und gel­tend ge­mach­tes Be­geh­ren müssen kor­re­spon­die­ren, ge­ra­de aus­ge­rich­tet an der kon­kre­ten Ver­let­zungs­hand­lung. Dies ist hier aus Sicht der Kam­mer nicht der Fall. Denn der Be­trieb der face­book-Sei­te als sol­che be­trifft nicht das Ord­nungs­ver­hal­ten der Ar­beit­neh­mer. Viel­mehr han­del­te es sich um ein be­trieb­li­ches Me­di­um zur Kun­den­bin­dung. Der Leit­fa­den ist da­von zu ab­stra­hie­ren und mag sei­ner­seits dem Mit­be­stim­mungs­recht des An­trag­stel­lers un­ter­lie­gen. Ei­ne Aus­wir­kung auf den Be­trieb der un­ter­neh­mens­ei­ge­nen Seit hat dies aber aus Sicht der Kam­mer nicht.

c) Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch er­gibt sich vor dem Hin­ter­grund der be­haup­te­ten Ver­let­zung von da­ten­schutz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen auch nicht aus § 80 Be­trVG.

In­so­weit hat der An­trag­stel­ler gel­tend ge­macht, der Be­trieb der face­book-Sei­te ver­s­toße ge­gen Be­stim­mun­gen des BDSG, ei­nem Nor­men­kom­plex, der zu den „gel­ten­den Ge­set­zen“ im Sin­ne des § 80 Be­trVG gehöre.

Dem An­trag­stel­ler ist zu­zu­ge­ben, dass der Nor­men­kom­plex des BDSG zu den „gel­ten­den Ge­set­zen“ gehört und dass ihm des­halb ei­ne Über­wa­chungs­be­fug­nis zu­steht (BAG v. 17.03.1983, AP Nr. 29 zu § 80 Be­trVG). Der An­trag­stel­ler kann da­mit auf Grund­la­ge von § 80 Be­trVG auch die Ein­hal­tung der da­ten­schutz­recht­li­chen Be­stim­mun­gen prüfen.

 

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Es ist aber schon nicht er­sicht­lich, dass der Ar­beit­ge­ber mit dem Be­trieb der ei­ge­nen Sei­te, al­so sei­nem ei­ge­nen face­book-Auf­tritt ge­gen Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen im In­ter­es­se der Ar­beit­neh­mer ver­s­toßen würde. Al­lein, dass Blut­spen­der ne­ga­ti­ve Kom­men­ta­re über Mit­ar­bei­ter ab­ge­ge­ben können, ver­letzt das BDSG of­fen­bar nicht. Denn der Ar­beit­ge­ber er­hebt in­so­weit gar kei­ne per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten sei­ner Mit­ar­bei­ter im Sin­ne von § 1 BDSG.

Dar­auf kommt es je­doch auch nicht an. Denn nach all­ge­mei­ner und zu­tref­fen­der Auf­fas­sung folgt aus dem Über­wa­chungs­recht des Be­triebs­ra­tes kein ei­genständi­ger, ge­richt­lich durch­setz­ba­rer An­spruch auf Un­ter­las­sung der be­an­stan­de­ten Maßnah­me (vgl. nur BAG v. 17.05.2011 - 1 ABR 121/09, ju­ris; BAG v. 28.05.2002 – 1 ABR 40/01, ju­ris; Fit­ting, § 80 Rz. 13). Denn et­wai­ge Rechts­verstöße des Ar­beit­ge­bers be­gründen kei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­ge La­ge im Verhält­nis zum Be­triebs­rat. Das Über­wa­chungs­recht gewährt kein zusätz­li­ches Mit­be­stim­mungs­recht. Es ist dar­auf be­schränkt, ei­ne Nicht­be­ach­tung oder feh­ler­haf­te Durchführung des Ta­rif­ver­trags beim Ar­beit­ge­ber zu be­an­stan­den und auf Ab­hil­fe zu drängen (BAG v. 28.05.2002 – 1 ABR 40/01, ju­ris).

d) Eben­so we­nig be­steht ein Un­ter­las­sungs­an­spruch aus § 90 Be­trVG. Denn auch die­se Norm ver­mit­telt – selbst im Fal­le ih­rer Ver­let­zung – nach zu­tref­fen­der und all­ge­mei­ner Auf­fas­sung kei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch, son­dern wie­der­um nur In­for­ma­ti­ons­rech­te. Auf Grund­la­ge von § 90 Be­trVG sind al­so nur Be­ra­tungs­rech­te durch­setz­bar (so die ganz h.M. Fit­ting, Be­trVG, § 90 Rz. 48/49; ErfK/Ka­nia, § 90 Rz. 13; H/W/K-Cle­menz, § 90 Rz. 19; Ri­char­di/An­nuß, § 90 Rz. 42). Darüber hin­aus ist aber auch of­fen­sicht­lich kein Recht im Sin­ne des § 90 Be­trVG be­trof­fen. Denn der Be­trieb ei­ner face­book-Sei­te des Ar­beit­ge­bers be­trifft die Pla­nung der dort ge­nann­ten An­ge­le­gen­hei­ten nicht. Der Ar­beit­ge­ber eröff­net le­dig­lich ein neu­es Wer­be­fo­rum und In­for­ma­ti­onsmöglich­kei­ten für Blut­spen­der, um die Reich­wei­te sei­ne Blut­spen­de­auf­ru­fe zu erhöhen. Das hat mit der Pla­nung von Ar­beitsplätzen oder Ar­beits­ver­fah­ren nichts zu tun. Es gibt le­dig­lich ei­ne Grup­pe von 10 Ar­beit­neh­mern, de­nen in un­ter­ge­ord­ne­tem Um­fang wei­te­re Auf­ga­ben – nämlich die Pfle­ge der face­book-Sei­te – über­tra­gen wor­den sind.

e) Der An­trag­stel­ler kann die be­gehr­te Un­ter­las­sung auch nicht aus § 75 Be­trVG her­lei­ten.

Ein An­spruch aus § 75 Be­trVG schei­tert dar­an, dass we­der der ge­for­der­te Ein­griff in die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit der Ar­beit­neh­mer vor­liegt noch

 

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ei­ne et­wai­ge Ver­let­zung des Mit­be­stim­mungs­rech­tes ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch be­gründet. Zu­zu­ge­ben ist dem An­trag­stel­ler, dass auch bei dem Be­trieb von Da­ten­ver­ar­bei­tungs­an­la­gen die freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit be­trof­fen sein kann. Al­lein die Möglich­keit, dass ne­ga­ti­ve Kom­men­ta­re von Blut­spen­dern auf der Sei­te ein­ge­stellt wer­den können, ver­letzt das Persönlich­keits­recht der Mit­ar­bei­ter aber nicht. Denn in glei­cher Wei­se ist es möglich, dass der kon­kre­te Spen­der ei­nen Brief schreibt und sich über Mit­ar­bei­ter be­schwert. Dies gehört zur Mei­nungs­frei­heit da­zu, zu­mal sich die Be­klag­te – eben­so wie ih­re Mit­ar­bei­ter – im öffent­li­chen Dis­kurs be­fin­den. Sie or­ga­ni­siert Blut­spen­de­ter­mi­ne und führt die­se durch. Dass Blut­spen­der in­so­weit Kom­men­ta­re über die Leis­tung der han­deln­den Per­so­nen ab­ge­ben ist we­der über­ra­schend, noch zu be­an­stan­den. Durch die hy­po­the­ti­sche Möglich­keit, dass Stel­lung­nah­men be­lei­di­gen­den In­halt ha­ben können, ver­letzt der Ar­beit­ge­ber das Persönlich­keits­recht der Mit­ar­bei­ter nicht. Denn er be­lei­digt die Mit­ar­bei­ter nicht, son­dern stellt nur ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­onsmöglich­keit be­reit. Zu­dem darf nicht über­se­hen wer­den, dass der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit hat, der­ar­ti­ge ne­ga­ti­ve Kom­men­ta­re wie­der zu löschen und mit ei­ge­nen Kom­men­ta­ren zu ver­se­hen. Die­se Möglich­keit wahrt die Persönlich­keits­rech­te der Mit­ar­bei­ter.

Je­den­falls aber schei­det auch in­so­weit ein Un­ter­las­sungs­an­trag aus § 75 Be­trVG von vorn­her­ein aus, weil die­se Norm kei­nen der­ar­ti­gen An­spruch ermöglicht. Denn die­se Vor­schrift be­gründet kein Mit­be­stim­mungs­recht, des­sen Be­ach­tung durch ei­nen all­ge­mei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch geschützt wäre. Ein Un­ter­las­sungs­an­spruch ist in § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG auch nicht ge­son­dert ge­re­gelt. Die Vor­schrift be­gründet bei ein­sei­ti­gen Maßnah­men kei­ne Rech­te der Be­triebs­par­tei­en un­ter­ein­an­der. Viel­mehr re­gelt sie Schutz- und Förder­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers und des Be­triebs­rats je­weils im Verhält­nis zu den be­triebs­an­gehöri­gen Ar­beit­neh­mern. Das ver­pflich­tet sie da­zu, bei ei­ge­nen Maßnah­men al­les zu un­ter­las­sen, was das Recht der Be­triebs­an­gehöri­gen auf freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit ver­let­zen könn­te. Im Verhält­nis der Be­triebs­par­tei­en zu­ein­an­der be­steht die­se Pflicht bei ge­mein­sa­mem Han­deln. In die­sem Sin­ne be­schränkt § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG die Re­ge­lungs­be­fug­nis der Be­triebs­par­tei­en, nor­miert aber kei­ne wech­sel­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten bei je­weils ein­sei­ti­gen Maßnah­men. Das gilt auch für die in § 75 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ge­re­gel­te Schutz­pflicht, die Ar­beit­ge­ber wie Be­triebs­rat da­zu anhält, sich bei Verstößen ge­gen das Recht auf freie Ent­fal­tung der Persönlich­keit von Ar­beit­neh­mern um Ab­hil­fe zu. Das schließt nicht die Be­fug­nis ein, aus ei­ge­nem Recht zu ver­lan­gen, persönlich­keits­ver­let­zen­de Maßnah­men ge­genüber den un­mit­tel­bar Be­trof­fe­nen künf­tig zu un­ter­las­sen (BAG v. 28.05.2002 – 1 ABR 32/01, ju­ris; Kreutz GK-Be­trVG aaO § 75 Rn. 92, 94).

 

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f) Auch aus der EDV-Kon­zern-Rah­men­be­triebs­ver­ein­ba­rung er­gibt sich kein Un­ter­las­sungs­an­spruch des An­trag­stel­lers. Denn die Ein­rich­tung der face­book-Sei­te fällt schon nicht in den Re­ge­lungs­be­reich die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung. Denn die­se er­fasst nur die Einführung, den Be­trieb und die Ände­rung von EDV-An­wen­dungs­sys­te­men oder Sys­te­men der In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik. Ein sol­ches Sys­tem ist face­book nicht. Denn es darf nicht über­se­hen wer­den, dass der face­book-Auf­tritt des Ar­beit­ge­bers über die be­ste­hen­den IT-An­wen­dungs­sys­te­me läuft. Der Ar­beit­ge­ber hat al­so selbst we­der ei­ne neue Hard- noch ei­ne neue Soft­ware ein­geführt. Er steu­ert über die vor­han­de­ne und mit dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gre­mi­en ver­ein­bar­te In­ter­net­nut­zung le­dig­lich ei­ne neue Sei­te an und rich­tet auf ei­nem für ihn frem­den Ser­ver, i.e. den face­book-Ser­vern ei­ne Wer­be­sei­te ein, die dann von den Mit­ar­bei­tern der Ab­tei­lung Öffent­lich­keits­ar­beit ge­pflegt wird. Die in der An­la­ge 1) zu die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­nann­ten tech­ni­schen Sys­te­me ermögli­chen oh­ne ir­gend­ei­ne Er­wei­te­rung den Zu­griff auf den face­book-Ser­ver. Die­se Si­tua­ti­on ist letzt­lich ver­gleich­bar mit dem An­steu­ern ei­ner an­de­ren In­ter­net-Sei­te. Durch die Zu­stim­mung zur Nut­zung der In­ter­net-Da­ten­lei­tun­gen ist es dem Ar­beit­ge­ber möglich, sämt­li­che verfügba­ren In­ter­net­sei­ten an­zu­steu­ern. Da­zu gehört auch die face­book-Sei­te. Neue An­wen­dungs­sys­te­me sind hier­zu nicht er­for­der­lich. Es be­darf nur der be­ste­hen­den In­ter­net­ver­bin­dung, die aber nach An­la­ge 1) F be­reits kon­sen­tiert ist. Darüber hin­aus wur­de be­reits auf­ge­zeigt, dass – so­weit es sich tatsächlich um ein neu­es An­wen­dungs­sys­tem han­deln soll­te – die­ses nicht da­zu ge­eig­net ist, Per­so­nal­in­for­ma­tio­nen zu er­he­ben oder zu ver­ar­bei­ten.

g) Der An­spruch er­gibt sich auch nicht aus § 23 Abs.3 Be­trVG.

Nach § 23 Abs. 3 Be­trVG kann der Be­triebs­rat dem Ar­beit­ge­ber bei ei­nem gro­ben Ver­s­toß ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz durch das Ar­beits­ge­richt auf­ge­ben las­sen, ei­ne Hand­lung zu un­ter­las­sen. Ein gro­ber Ver­s­toß des Ar­beit­ge­bers ist bei ei­ner ob­jek­tiv er­heb­li­chen und of­fen­sicht­lich schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung zu be­ja­hen (BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359; BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871). Die­se An­for­de­run­gen sind re­gelmäßig erfüllt, wenn er mehr­fach und er­kenn­bar ge­gen sei­ne Pflich­ten aus dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­s­toßen hat (BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359; BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; BAG v. 18.08.2009 – 1 ABR 47/08). Ei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung in­di­ziert die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr (BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359;

 

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BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; BAG v. 29.04.2004 – 1 ABR 30/02, BA­GE 110, 252). Die­se ist nur dann aus­ge­schlos­sen, wenn aus fak­ti­schen oder recht­li­chen Gründen ei­ne Wie­der­ho­lung des be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ver­hal­tens aus­schei­det (BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359; BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871; BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; Fit­ting, § 23 Rz. 65). Die Zu­si­che­rung, zukünf­tig be­triebs­ver­ein­ba­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten zu un­ter­las­sen, genügt hierfür nicht (BAG v. 07.02.2012 – 1 ABR 77/10, NZA-RR 2012, 359; BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659; BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871; BAG v. 23.06.1992 – 1 ABR 11/92, AP Nr. 20 zu § 23 Be­trVG). Auch schei­det ein gro­ber Ver­s­toß aus, wenn er sei­ne Rechts­po­si­ti­on in ei­ner schwie­ri­gen und un­geklärten Rechts­fra­ge ver­tei­digt (so auch: BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871; BAG v. 19.01.2010 – 1 ABR 55/08, NZA 2010, 659). Die Pflicht­ver­let­zung muss zu­dem be­reits be­gan­gen wor­den sein. Ein Ver­schul­den ist nicht er­for­der­lich (BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871; BAG v. 26.07.2005 – AP Nr. 43 zu § 95 Be­trVG Nr. 43). Ent­schei­dend ist, dass der Ver­s­toß ob­jek­tiv so er­heb­lich ist, dass un­ter Berück­sich­ti­gung des Ge­bo­tes der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit die An­ru­fung des Ar­beits­ge­rich­tes durch den Be­triebs­rat ge­recht­fer­tigt er­scheint (BAG v. 09.03.2011 – 7 ABR 137/09, NZA 2011, 871).

Auf die­ser Grund­la­ge fehlt es be­reits an ei­nem gro­ben Ver­s­toß ge­gen Mit­be­stim­mungs­rech­te. Die Kam­mer hat be­reits dar­ge­legt, dass aus ih­rer Sicht kei­ner­lei Mit­be­stim­mungs­rech­te ver­letzt wor­den sind. Dar­auf wird Be­zug ge­nom­men. So­weit die Kam­mer als mögli­cher­wei­se ver­letz­tes Mit­be­stim­mungs­recht § 87 Abs. 1 Nr. 1 Be­trVG iden­ti­fi­ziert hat, schei­det ein Un­ter­las­sungs­an­spruch ge­rich­tet auf Ab­schal­tung der face­book-Sei­te aus, weil da­mit al­len­falls die Wei­ter­ver­wen­dung des Leit­fa­dens be­gehrt wer­den könn­te. So­weit ent­ge­gen der hier ver­tre­te­nen Auf­fas­sung tatsächlich das Persönlich­keits­recht der Mit­ar­bei­ter ver­letzt sein soll­te, läge je­den­falls kein gro­ber Ver­s­toß ge­gen die Rech­te aus dem Be­trVG, weil der Ar­beit­ge­ber in­so­weit nur das Me­di­um zur Über­mitt­lung des ne­ga­ti­ven Ein­trags be­reit stellt. Er nimmt den Ein­trag und da­mit den Ein­griff in das Persönlich­keits­recht nicht selbst vor und hat zu­dem Möglich­kei­ten, der­ar­ti­ge Kom­men­ta­re zu ent­fer­nen.

3. Auch die Hilfs­anträge sind un­be­gründet.

a) Der auf Un­ter­las­sung ge­rich­te­te Hilfs­an­trag zu 2) be­zieht sich dar­auf, dass die Ar­beit­ge­be­rin – so­weit ei­ne Ab­schal­tung der face­book-Sei­te nicht in Be­tracht kom­me – den Nut­zern die Kom­men­tar­funk­ti­on nicht zur Verfügung stel­len dürfe. Dass dem An­trag­stel­ler kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der

 

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Ab­schal­tung der face­book-Sei­te zu­steht, wur­de be­reits un­ter Zif­fer 1. dar­ge­legt. In­so­weit schei­tert auch ein An­trag auf Ein­schränkung der Nut­zung der Platt­form.

b) Auch der wei­ter ge­stell­te Hilfs­an­trag zu 3) geht in die Lee­re. In­so­weit be­gehrt der An­trag­stel­ler die Fest­stel­lung, dass die Be­tei­lig­te zu 2) bei der Eröff­nung der face­book-Sei­te sein Mit­be­stim­mungs­recht ver­letzt hat. Auch die­se Fest­stel­lung kommt schon aus den un­ter Zif­fer 1. dar­ge­leg­ten ma­te­ri­el­len Gründen nicht in Be­tracht. Denn die Be­tei­lig­te zu 2) be­treibt die face­book-Sei­te oh­ne Ver­let­zung von Mit­be­stim­mungs­rech­ten.

III.

Da der Rechts­sa­che grundsätz­lich Be­deu­tung zu­kommt, hat die Kam­mer die Rechts­be­schwer­de an das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu Guns­ten des un­ter­le­ge­nen An­trag­stel­lers zu­ge­las­sen (vgl. § 72 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 2 ArbGG i. V. m. § 92 Abs. 1 Satz 2 ArbGG). Denn bis­lang fehlt ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Rechts­fra­gen ins­be­son­de­re zu § 87 Abs. 1 Nr. 6 Be­trVG für die Eröff­nung ei­ner Sei­te beim An­bie­ter face­book durch den Ar­beit­ge­ber.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­sen Be­schluss kann vom An­trag­stel­ler

R E C H T S B E S C H W E R D E

ein­ge­legt wer­den.

Für die Be­tei­lig­te zu 2) ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.

Die Rechts­be­schwer­de muss

in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat

nach der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1
99084 Er­furt
Fax: 0361-2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

 

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Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Be­schlus­ses, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Rechts­be­schwer­de­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Rechts­be­schwer­de­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Be­tei­lig­te, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen sind, können sich selbst ver­tre­ten.

Bezüglich der Möglich­keit elek­tro­ni­scher Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I Sei­te 519) ver­wie­sen.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

Dr. Ul­rich 

Klin­ge­biel 

Hamm

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