HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

EuGH, Ur­teil vom 29.07.2010, C-151/09 - UGT-FSP

   
Schlagworte: Betriebsübergang
   
Gericht: Europäischer Gerichtshof
Aktenzeichen: C-151/09
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 29.07.2010
   
Leitsätze:

Eine übertragene wirtschaftliche Einheit behält ihre Selbständigkeit im Sinne von Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 2001/23/EG des Rates vom 12. März 2001 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Unternehmens- oder Betriebsteilen, wenn die Befugnisse, die innerhalb der Organisationsstrukturen des Veräußerers den für diese Einheit Verantwortlichen gewährt worden sind - nämlich die Befugnis, die Arbeit innerhalb der genannten Einheit bei der Verfolgung der wirtschaftlichen Tätigkeit, die ihr eigen ist, relativ frei und unabhängig zu organisieren, und insbesondere die Befugnisse, Weisungen und Instruktionen zu erteilen, Aufgaben auf die untergeordneten Arbeitnehmer, die zu der fraglichen Einheit gehören, zu verteilen und über die Verwendung der materiellen Ressourcen, die ihr zur Verfügung stehen, zu entscheiden, und zwar ohne unmittelbares Eingreifen anderer Organisationsstrukturen des Inhabers -, innerhalb der Organisationsstrukturen des Erwerbers im Wesentlichen unverändert bleiben.

Der bloße Austausch der obersten Dienstvorgesetzten kann als solcher der Selbständigkeit der übertragenen Einheit keinen Abbruch tun, es sei denn, die neuen obersten Dienstvorgesetzten verfügen über Befugnisse, die es ihnen ermöglichen, unmittelbar die Tätigkeit der Arbeitnehmer dieser Einheit zu organisieren und somit bei der Entscheidungsfindung innerhalb dieser Einheit an die Stelle der unmittelbaren Vorgesetzten dieser Arbeitnehmer zu treten.

Vorinstanzen:
   

UR­TEIL DES GERICH­TSHOFS (Drit­te Kam­mer)

29. Ju­li 2010(*)

„Über­gang von Un­ter­neh­men - Richt­li­nie 2001/23/EG - Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer -
Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer - Selbständig­keit der über­tra­ge­nen Ein­heit“

In der Rechts­sa­che C-151/09

be­tref­fend ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 234 EG, ein­ge­reicht vom Juz­ga­do de lo So­ci­al Úni­co de Al­ge­ci­ras (Spa­ni­en) mit Ent­schei­dung vom 26. März 2009, beim Ge­richts­hof ein­ge­gan­gen am 28. April 2009, in dem Ver­fah­ren

Federaci6n de Ser­vici­os Públi­cos de la UGT (UGT-FSP)

ge­gen

Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea de la Concepci6n,
María del Ro­sa­rio Ve­ci­no Uri­be,
Mi­nis­te­rio Fis­cal

erlässt

DER GERICH­TSHOF (Drit­te Kam­mer)

un­ter Mit­wir­kung des Kam­mer­präsi­den­ten K. Lena­erts, der Rich­te­rin R. Sil­va de La­pu­er­ta so­wie der Rich­ter G. Ares­tis, J. Ma­le­n­ovský (Be­richt­er­stat­ter) und D. Šváby,

Ge­ne­ral­anwältin: E. Sharps­ton,

Kanz­ler: R. Grass,

auf­grund des schrift­li­chen Ver­fah­rens,

un­ter Berück­sich­ti­gung der Erklärun­gen

- des Mi­nis­te­rio Fis­cal, ver­tre­ten durch J. L. M. Ret­a­mi­no als Be­vollmäch­tig­ten,

- der spa­ni­schen Re­gie­rung, ver­tre­ten durch B. Pla­za Cruz als Be­vollmäch­tig­te,

- der Kom­mis­si­on der Eu­ropäischen Ge­mein­schaf­ten, ver­tre­ten durch J. En­e­gren und R. Vi­dal Pu­ig als Be­vollmäch­tig­te,

nach Anhörung der Schluss­anträge der Ge­ne­ral­anwältin in der Sit­zung vom 6. Mai 2010

fol­gen­des

Ur­teil

1 Das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen be­trifft die Aus­le­gung von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 82, S. 16).
2 Die­ses Er­su­chen er­geht im Rah­men ei­nes Rechts­streits, in dem sich die Fe­der­a­ción de Ser­vici­os Públi­cos de la UGT (UGT-FSP) auf der ei­nen und der Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea de la Con­cep­ción (im Fol­gen­den: Ay­un­ta­mi­en­to [Ge­mein­de­rat] de La Línea), Frau del Ro­sa­rio Ve­ci­no Uri­be und 19 wei­te­re Be­klag­te so­wie das Mi­nis­te­rio Fis­cal auf der an­de­ren Sei­te we­gen der Wei­ge­rung des Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea ge­genüber­ste­hen, die Ei­gen­schaft als ge­setz­li­cher Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer Per­so­nen zu­zu­er­ken­nen, die gewählt wur­den, um die­se Auf­ga­be in ver­schie­de­nen Un­ter­neh­men wahr­zu­neh­men, die mit Kon­zes­sio­nen für auf die­se Ge­mein­de über­ge­gan­ge­ne Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen be­traut wa­ren.

Recht­li­cher Rah­men

Uni­ons­recht

3 Die Richt­li­nie 2001/23 ko­di­fi­ziert die Richt­li­nie 77/187/EWG des Ra­tes vom 14. Fe­bru­ar 1977 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len (ABl. L 61, S. 26) in der durch die Richt­li­nie 98/50/EG des Ra­tes vom 29. Ju­ni 1998 (ABl. L 201, S. 88) geänder­ten Fas­sung.
4 Dem drit­ten Erwägungs­grund der Richt­li­nie 2001/23 zu­fol­ge „sind Be­stim­mun­gen not­wen­dig, die die Ar­beit­neh­mer bei ei­nem In­ha­ber­wech­sel schützen und ins­be­son­de­re die Wah­rung ih­rer Ansprüche gewähr­leis­ten“.
5 In Art. 1 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie heißt es:

„a) Die­se Richt­li­nie ist auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.

b) Vor­be­halt­lich Buch­sta­be a) und der nach­ste­hen­den Be­stim­mun­gen die­ses Ar­ti­kels gilt als Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie der Über­gang ei­ner ih­re Iden­tität be­wah­ren­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit im Sin­ne ei­ner or­ga­ni­sier­ten Zu­sam­men­fas­sung von Res­sour­cen zur Ver­fol­gung ei­ner wirt­schaft­li­chen Haupt- oder Ne­bentätig­keit.

c) Die­se Richt­li­nie gilt für öffent­li­che und pri­va­te Un­ter­neh­men, die ei­ne wirt­schaft­li­che Tätig­keit ausüben, un­abhängig da­von, ob sie Er­werbs­zwe­cke ver­fol­gen oder nicht. Bei der Über­tra­gung von Auf­ga­ben im Zu­ge ei­ner Um­struk­tu­rie­rung von Ver­wal­tungs­behörden oder bei der Über­tra­gung von Ver­wal­tungs­auf­ga­ben von ei­ner Behörde auf ei­ne an­de­re han­delt es sich nicht um ei­nen Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie.“

6 Art. 2 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie sieht vor:

„Im Sin­ne die­ser Richt­li­nie gel­ten fol­gen­de Be­griffs­be­stim­mun­gen:

c) ‚Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer‘ oder ein ent­spre­chen­der Aus­druck be­zeich­net die Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer nach den Rechts­vor­schrif­ten oder der Pra­xis der Mit­glied­staa­ten.

…“

7 Art. 6 der Richt­li­nie lau­tet:

„(1) So­fern das Un­ter­neh­men, der Be­trieb oder der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil sei­ne Selbständig­keit behält, blei­ben die Rechts­stel­lung und die Funk­ti­on der Ver­tre­ter oder der Ver­tre­tung der vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen er­hal­ten, wie sie vor dem Zeit­punkt des Über­gangs auf­grund von Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung be­stan­den ha­ben, so­fern die Be­din­gun­gen für die Bil­dung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung erfüllt sind.

Un­ter­ab­satz 1 fin­det kei­ne An­wen­dung, wenn gemäß den Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder der Pra­xis der Mit­glied­staa­ten oder durch Ver­ein­ba­rung mit den Ver­tre­tern der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer die Be­din­gun­gen für die Neu­be­stel­lung der Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer oder die Neu­bil­dung der Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer erfüllt sind.

Wur­de ge­gen den Veräußerer un­ter der Auf­sicht ei­ner zuständi­gen öffent­li­chen Stel­le (wor­un­ter auch ein von ei­ner zuständi­gen Behörde ermäch­tig­ter In­sol­venz­ver­wal­ter ver­stan­den wer­den kann) ein Kon­kurs­ver­fah­ren oder ein ent­spre­chen­des In­sol­venz­ver­fah­ren mit dem Ziel der Auflösung des Vermögens des Veräußerers eröff­net, können die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men er­grei­fen, um si­cher­zu­stel­len, dass die vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bis zur Neu­wahl oder Be­nen­nung von Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern an­ge­mes­sen ver­tre­ten sind.

Behält das Un­ter­neh­men, der Be­trieb oder der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil sei­ne Selbständig­keit nicht, so tref­fen die Mit­glied­staa­ten die er­for­der­li­chen Maßnah­men, da­mit die vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, die vor dem Über­gang ver­tre­ten wur­den, während des Zeit­raums, der für die Neu­bil­dung oder Neu­be­nen­nung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung er­for­der­lich ist, im Ein­klang mit dem Recht oder der Pra­xis der Mit­glied­staa­ten wei­ter­hin an­ge­mes­sen ver­tre­ten wer­den.

(2) Er­lischt das Man­dat der Ver­tre­ter der vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer auf­grund des Über­gangs, so gel­ten für die­se Ver­tre­ter wei­ter­hin die nach den Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder der Pra­xis der Mit­glied­staa­ten vor­ge­se­he­nen Schutz­maßnah­men.“

Na­tio­na­les Recht

8 Die Richt­li­nie 2001/23 wur­de durch das Re­al De­cre­to Le­gis­la­tivo 1/1995 vom 24. März 1995 zur Bil­li­gung der Neu­fas­sung des Ge­set­zes über das Ar­beit­neh­mer­sta­tut (BOE Nr. 75 vom 29. März 1995, S. 9654) in der Fas­sung des Ge­set­zes 12/2001 vom 9. Ju­li 2001 (BOE Nr. 164 vom 10. Ju­li 2001, S. 24890) (im Fol­gen­den: Ar­beit­neh­mer­sta­tut) um­ge­setzt.
9 Art. 44 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts be­stimmt:

„1. Wech­selt der In­ha­ber ei­nes Un­ter­neh­mens, ei­ner Beschäfti­gungs­stel­le oder ei­ner selbständi­gen Pro­duk­ti­ons­ein­heit, so führt dies nicht au­to­ma­tisch zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern der neue Un­ter­neh­mer tritt in die ar­beits- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Rech­te und Pflich­ten des frühe­ren Un­ter­neh­mers ein, ein­sch­ließlich der Ren­ten­ver­bind­lich­kei­ten nach Maßga­be der in­so­weit gel­ten­den be­son­de­ren Vor­schrif­ten so­wie all­ge­mein al­ler Ver­pflich­tun­gen im Be­reich des zusätz­li­chen so­zia­len Schut­zes, die der Veräußerer ein­ge­gan­gen ist.

5. Behält das über­tra­ge­ne Un­ter­neh­men, die über­tra­ge­ne Beschäfti­gungs­stel­le oder die über­tra­ge­ne selbständi­ge Pro­duk­ti­ons­ein­heit sei­ne bzw. ih­re Selbständig­keit, bringt der In­ha­ber­wech­sel als sol­cher nicht das Man­dat der ge­setz­li­chen Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer zum Erlöschen, die wei­ter­hin ih­re Auf­ga­ben un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen wie zu­vor ausüben.“

10 Art. 67 Abs. 1 a. E. des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts sieht für den Fall ei­ner Erhöhung der Zahl der Beschäftig­ten die Möglich­keit zur Durchführung von Teil­wah­len in ei­nem Un­ter­neh­men nach fol­gen­der Maßga­be vor:

„Teil­wah­len können nach Fällen des Aus­schei­dens oder der Ab­be­ru­fung oder zur An­pas­sung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung an ei­ne Erhöhung der Zahl der Beschäftig­ten durch­geführt wer­den. Ta­rif­verträge können not­wen­di­ge Maßnah­men zur An­pas­sung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung an er­heb­li­che Re­du­zie­run­gen der Be­leg­schaft ei­nes Un­ter­neh­mens vor­se­hen. In Er­man­ge­lung sol­cher Be­stim­mun­gen ist ei­ne sol­che An­pas­sung durch ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Un­ter­neh­men und den Ver­tre­tern der Ar­beit­neh­mer vor­zu­neh­men.“

11 Art. 67 Abs. 3 des Ar­beit­neh­mer­sta­tuts sieht vor:

„Die Dau­er des Man­dats der Ver­tre­ter des Per­so­nals und der Mit­glie­der des Be­triebs­rats beträgt vier Jah­re, wo­bei sie ih­re Auf­ga­ben bei der Ausübung ih­rer Zuständig­kei­ten und Ga­ran­ti­en so lan­ge ausüben, bis Neu­wah­len an­ge­setzt und durch­geführt wor­den sind.

Ver­tre­ter des Per­so­nals und Mit­glie­der des Be­triebs­rats können während ih­res Man­dats nur auf Ent­schei­dung der Ar­beit­neh­mer, die sie gewählt ha­ben, durch ei­ne hier­zu ein­be­ru­fe­ne Ver­samm­lung, die min­des­tens ein Drit­tel der Wahl­be­rech­tig­ten um­fasst, mit ab­so­lu­ter Mehr­heit und in persönli­cher, frei­er, di­rek­ter und ge­hei­mer Wahl ab­be­ru­fen wer­den. Je­doch kann ei­ne sol­che Ab­be­ru­fung nicht während Ta­rif­ver­hand­lun­gen und auch nicht vor Ab­lauf von min­des­tens sechs Mo­na­ten er­fol­gen.“

Aus­gangs­rechts­streit und Vor­la­ge­fra­ge

12 Am 25. Au­gust 2008 er­ließ der Bürger­meis­ter des Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea ein De­kret, mit dem er be­schloss, ei­ne Rei­he von Kon­zes­sio­nen für Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen ab­zulösen, de­ren Er­brin­gung bis da­hin vier pri­va­ten Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men über­tra­gen war. Die Dienst­leis­tun­gen, die Ge­gen­stand der ab­gelösten Kon­zes­sio­nen wa­ren, be­tra­fen Haus­meis­ter­diens­te und die Rei­ni­gung öffent­li­cher Schu­len, die Straßen­rei­ni­gung so­wie den Un­ter­halt der Park­an­la­gen und Gärten.
13 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung geht her­vor, dass, nach­dem die ver­schie­de­nen Kon­zes­sio­nen für Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen durch den Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea ab­gelöst wor­den wa­ren, die Ar­beit­neh­mer, die zur Be­leg­schaft der bis­he­ri­gen Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men gehörten, von der Ge­mein­de­ver­wal­tung über­nom­men und in de­ren Per­so­nal ein­ge­glie­dert wur­den; die­se Ar­beit­neh­mer wer­den je­doch aus­nahms­los auf den­sel­ben Ar­beitsplätzen wei­ter­beschäftigt und ver­se­hen die glei­chen Auf­ga­ben wie vor der Ablösung, und zwar an den­sel­ben Beschäfti­gungsstätten un­ter Wei­sung der­sel­ben un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten, oh­ne we­sent­li­che Ände­run­gen ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen mit dem ein­zi­gen Un­ter­schied, dass jetzt ih­re obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten ober­halb der vor­ge­nann­ten Vor­ge­setz­ten die zuständi­gen gewähl­ten Ver­tre­ter sind, d. h. die Ge­mein­deräte oder der Bürger­meis­ter.
14 Die ge­setz­li­chen Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer je­des die­ser Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men be­an­trag­ten in­fol­ge der Ablösung der Kon­zes­sio­nen beim Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea die Be­wil­li­gung von Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tungs­stun­den. Mit Ent­schei­dung vom 10. Sep­tem­ber 2008 wur­den die­se Anträge mit der Be­gründung ab­ge­lehnt, dass die be­tref­fen­den Ar­beit­neh­mer in An­be­tracht ih­rer Ein­glie­de­rung in das Ge­mein­de­per­so­nal nicht mehr ih­re Auf­ga­ben als ge­setz­li­che Ver­tre­ter wahrnähmen.
15 In die­sem Zu­sam­men­hang ver­lang­te die Kläge­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens, die UGT‑FSP, nach­dem sie von die­ser Ent­schei­dung am 28. Ok­to­ber 2008 Kennt­nis er­hal­ten hat­te, vom Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea Klar­stel­lun­gen und er­hob so­dann am 13. No­vem­ber 2008 beim Juz­ga­do de lo So­ci­al Úni­co de Al­ge­ci­ras Kla­ge ge­gen die ge­nann­te Ent­schei­dung.
16 Mit Ent­schei­dung vom 26. März 2009 hat der Juz­ga­do de lo So­ci­al Úni­co de Al­ge­ci­ras be­schlos­sen, das Ver­fah­ren aus­zu­set­zen und dem Ge­richts­hof die fol­gen­de Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen:

Ist die Vor­aus­set­zung der Selbständig­keit, auf die Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 Be­zug nimmt, bei ei­nem Sach­ver­halt (wie dem­je­ni­gen des Aus­gangs­ver­fah­rens) erfüllt, bei dem nach der Ablösung ver­schie­de­ner Kon­zes­sio­nen für Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen durch ei­ne Ge­mein­de­ver­wal­tung die Ar­beit­neh­mer, die der Be­leg­schaft der ein­zel­nen Un­ter­neh­men an­gehörten, die bis da­hin die Kon­zes­sio­nen be­saßen, von die­ser Ge­mein­de­ver­wal­tung über­nom­men und in de­ren Per­so­nal ein­ge­glie­dert wer­den, je­doch eben die­se Ar­beit­neh­mer (aus­nahms­los) auf den­sel­ben Ar­beitsplätzen wei­ter­beschäftigt wer­den und die glei­chen Auf­ga­ben wie vor der Ablösung ver­se­hen, und zwar an den­sel­ben Beschäfti­gungsstätten un­ter Wei­sung der­sel­ben un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten (Dienst­vor­ge­setz­ten), oh­ne we­sent­li­che Ände­run­gen der Ar­beits­be­din­gun­gen mit dem ein­zi­gen Un­ter­schied, dass jetzt die obers­ten Vor­ge­setz­ten (ober­halb der vor­ge­nann­ten Vor­ge­setz­ten) die ent­spre­chen­den öffent­li­chen Amts­träger (Ge­mein­deräte oder Bürger­meis­ter) sind?

Zur Vor­la­ge­fra­ge

17 Mit sei­ner Fra­ge möch­te das vor­le­gen­de Ge­richt im Kern wis­sen, ob ei­ne über­tra­ge­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 behält, wenn die Ar­beit­neh­mer, die ih­rer Be­leg­schaft an­gehörten, von ei­ner Ge­mein­de über­nom­men und in de­ren Per­so­nal ein­ge­glie­dert wer­den und die­se Ar­beit­neh­mer auf den­sel­ben Ar­beitsplätzen wei­ter­beschäftigt wer­den und die glei­chen Auf­ga­ben wie vor der Ablösung ver­se­hen, und zwar an den­sel­ben Beschäfti­gungsstätten un­ter Wei­sung der­sel­ben un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten, oh­ne we­sent­li­che Ände­run­gen ih­rer Ar­beits­be­din­gun­gen mit dem ein­zi­gen Un­ter­schied, dass gewähl­te Ver­tre­ter die obers­ten Vor­ge­setz­ten der über­tra­ge­nen Ein­heit wer­den.
18 Die spa­ni­sche Re­gie­rung ist der An­sicht, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23 nicht ge­ge­ben sei­en. Zwi­schen den Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men und dem Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea ha­be kein Über­gang von nen­nens­wer­ten ma­te­ri­el­len Res­sour­cen statt­ge­fun­den, da die öffent­li­chen Schu­len, die Straßen so­wie die Park­an­la­gen und Gärten der Ge­mein­de be­reits dem Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea gehört hätten. Es sei al­lein die ge­sam­te Be­leg­schaft, die die Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men beschäftigt hätten, über­nom­men wor­den. Man könne, selbst wenn die men­sch­li­che Ar­beits­kraft hier­bei ein wich­ti­ger Fak­tor sei, den ma­te­ri­el­len As­pekt nicht außer Acht las­sen, auf dem die Haus­meis­ter‑, Rei­ni­gungs‑ und Un­ter­halts­dienst­leis­tun­gen be­ruh­ten, die den ge­nann­ten Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men über­tra­gen ge­we­sen sei­en.
19 Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ist so­mit vor­ab zu be­stim­men, ob ein Über­gang wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren in Re­de ste­hen­de un­ter Art. 1 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2001/23 fällt. Nur wenn die­se Fra­ge be­jaht wird, stellt sich die Fra­ge nach der Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23.

Zum Vor­lie­gen ei­nes Über­gangs im Sin­ne von Art. 1 der Richt­li­nie 2001/23

20 Aus der Vor­la­ge­ent­schei­dung geht her­vor, dass es im Aus­gangs­ver­fah­ren um die Über­nah­me ei­ner Rei­he von Kon­zes­sio­nen von Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen durch ei­ne Ge­mein­de, ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts, geht, de­ren Er­brin­gung bis da­hin ver­schie­de­nen pri­va­ten Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men über­tra­gen ge­we­sen war. Der Rechts­akt, mit dem die­ser Über­gang er­folg­te, ist ein Ge­mein­de­de­kret.
21 Nach ih­rem Art. 1 Abs. 1 ist die Richt­li­nie 2001/23 auf den Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­tei­len auf ei­nen an­de­ren In­ha­ber durch ver­trag­li­che Über­tra­gung oder durch Ver­schmel­zung an­wend­bar.
22 Nach ständi­ger Recht­spre­chung soll die Richt­li­nie 2001/23 die Kon­ti­nuität der im Rah­men ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se un­abhängig von ei­nem In­ha­ber­wech­sel gewähr­leis­ten. Ent­schei­dend für ei­nen Über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie ist da­her, ob die frag­li­che Ein­heit ih­re Iden­tität be­wahrt, was na­ment­lich dann zu be­ja­hen ist, wenn der Be­trieb tatsächlich wei­ter­geführt oder wie­der auf­ge­nom­men wird (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 18. März 1986, Spi­jkers, 24/85, Slg. 1986, 1119, Rand­nrn. 11 und 12, so­wie vom 15. De­zem­ber 2005, Güney-Görres und De­mir, C-232/04 und C-233/04, Slg. 2005, I‑11237, Rand­nr. 31 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
23 Der Ge­richts­hof hat zur Richt­li­nie 77/187 in der durch die Richt­li­nie 98/50 geänder­ten Fas­sung ent­schie­den, dass die Tat­sa­che al­lein, dass der Er­wer­ber ei­ne ju­ris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts, im vor­lie­gen­den Fall ei­ne Ge­mein­de, ist, es nicht aus­sch­ließt, dass ein in den An­wen­dungs­be­reich der ge­nann­ten Richt­li­nie fal­len­der Über­gang vor­liegt (Ur­teil vom 26. Sep­tem­ber 2000, Ma­y­eur, C-175/99, Slg. 2000, I-7755, Rand­nr. 33). Ein der­ar­ti­ger Schluss ist auch un­ter der Gel­tung der Richt­li­nie 2001/23 zwin­gend.
24 Der Um­stand, dass die Ent­schei­dung, mit der die Über­nah­me der Kon­zes­sio­nen von Ge­mein­wohl­dienst­leis­tun­gen er­folg­te, ein De­kret ist, nämlich ei­ne Ent­schei­dung, die der Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea ein­sei­tig ge­trof­fen hat, steht der Fest­stel­lung ei­nes Über­gangs im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23 zwi­schen den Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men und dem Ay­un­ta­mi­en­to de La Línea nicht ent­ge­gen.
25 Der Ge­richts­hof hat nämlich be­reits ent­schie­den, dass der Um­stand, dass der Über­gang auf ein­sei­ti­gen Ent­schei­dun­gen der staat­li­chen Stel­len und nicht auf ei­ner Wil­lensübe­rein­stim­mung be­ruht, die An­wen­dung der Richt­li­nie nicht aus­sch­ließt (Ur­teil vom 19. Mai 1992, Red­mond Sticht­ing, C-29/91, Slg. 1992, I-3189, Rand­nrn. 15 bis 17, so­wie vom 14. Sep­tem­ber 2000, Col­li­no und Chiap­pe­ro, C‑343/98, Slg. 2000, I-6659, Rand­nr. 34).
26 Die Richt­li­nie 2001/23 ist an­wend­bar, wenn ei­ne auf Dau­er an­ge­leg­te wirt­schaft­li­che Ein­heit über­nom­men wird, de­ren Tätig­keit nicht auf die Ausführung ei­nes be­stimm­ten Vor­ha­bens be­schränkt ist (vgl. ins­be­son­de­re Ur­teil vom 19. Sep­tem­ber 1995, Ry­gaard, C-48/94, Slg. 1995, I-2745, Rand­nr. 20). Der Be­griff der wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­zieht sich so­mit auf ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Per­so­nen und Sa­chen zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­nem Zweck (vgl. ins­be­son­de­re Ur­tei­le vom 11. März 1997, Süzen, C-13/95, Slg. 1997, I-1259, Rand­nr. 13, vom 20. No­vem­ber 2003, Ab­ler u. a., C-340/01, Slg. 2003, I-14023, Rand­nr. 30, so­wie Güney-Görres und De­mir, Rand­nr. 32).
27

Bei der Prüfung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für den Über­gang ei­ner auf Dau­er an­ge­leg­ten wirt­schaft­li­chen Ein­heit erfüllt sind, müssen sämt­li­che den be­tref­fen­den Vor­gang kenn­zeich­nen­den Tat­sa­chen berück­sich­tigt wer­den, wo­zu na­ment­lich die Art des be­tref­fen­den Un­ter­neh­mens oder Be­triebs, der et­wai­ge Über­gang ma­te­ri­el­ler Be­triebs­mit­tel wie Gebäude und be­weg­li­che Güter, der Wert der im­ma­te­ri­el­len Ak­ti­va zum Zeit­punkt des Über­gangs, die et­wai­ge Über­nah­me der Haupt­be­leg­schaft durch den neu­en In­ha­ber, der et­wai­ge Über­gang der Kund­schaft so­wie der Grad der Ähn­lich­keit zwi­schen den vor und nach dem Über­gang ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten und die Dau­er ei­ner even­tu­el­len Un­ter­bre­chung die­ser Tätig­kei­ten gehören. Die­se Umstände sind je­doch nur Teil­as­pek­te der vor­zu­neh­men­den Ge­samt­be­wer­tung und dürfen des­halb nicht iso­liert be­trach­tet wer­den (vgl. Ur­tei­le Spi­jkers, Rand­nr. 13, Red­mond Sticht­ing, Rand­nr. 24, Süzen, Rand­nr. 14, Ab­ler u. a., Rand­nrn. 33 und 34, so­wie Güney-Görres und De­mir, Rand­nrn. 33 und 34).

28 Außer­dem hat der Ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit in be­stimm­ten Bran­chen oh­ne nen­nens­wer­te ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Be­triebs­mit­tel tätig sein kann, so dass die Wah­rung der Iden­tität ei­ner sol­chen Ein­heit über die sie be­tref­fen­de Trans­ak­ti­on hin­aus nicht von der Über­tra­gung der­ar­ti­ger Be­triebs­mit­tel abhängen kann (vgl. Ur­tei­le Süzen, Rand­nr. 18, vom 10. De­zem­ber 1998, Hernández Vi­dal u. a., C-127/96, C-229/96 und C-74/97, Slg. 1998, I-8179, Rand­nr. 31, und Hi­dal­go u. a., C-173/96 und C-247/96, Slg. 1998, I-8237, Rand­nr. 31).
29 So hat der Ge­richts­hof ent­schie­den, dass in be­stimm­ten Bran­chen, in de­nen es im We­sent­li­chen auf die men­sch­li­che Ar­beits­kraft an­kommt, ei­ne Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern, die durch ei­ne ge­mein­sa­me Tätig­keit dau­er­haft ver­bun­den sind, ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stel­len kann und dass in die­sem Fall ei­ne sol­che Ein­heit ih­re Iden­tität über ih­ren Über­gang hin­aus be­wah­ren kann, wenn der neue Un­ter­neh­mens­in­ha­ber nicht nur die be­tref­fen­de Tätig­keit wei­terführt, son­dern auch ei­nen nach Zahl und Sach­kun­de we­sent­li­chen Teil der Be­leg­schaft über­nimmt, die sein Vorgänger ge­zielt für die­se Tätig­keit ein­ge­setzt hat­te. Denn dann er­wirbt der neue Un­ter­neh­mens­in­ha­ber ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Fak­to­ren, die ihm die Fort­set­zung der Tätig­kei­ten oder be­stimm­ter Tätig­kei­ten des über­tra­gen­den Un­ter­neh­mens auf Dau­er er­laubt (Ur­tei­le Süzen, Rand­nr. 21, Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 32, und Hi­dal­go u. a., Rand­nr. 32).
30 Im Ein­zel­nen hat der Ge­richts­hof in Be­zug auf ein Rei­ni­gungs­un­ter­neh­men ent­schie­den, dass ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­samt­heit von Ar­beit­neh­mern, de­nen ei­gens und auf Dau­er ei­ne ge­mein­sa­me Auf­ga­be zu­ge­wie­sen ist, ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit dar­stel­len kann, oh­ne dass wei­te­re Be­triebs­mit­tel vor­han­den sind (Ur­teil Hernández Vi­dal u. a., Rand­nr. 27).
31 Wie die Ge­ne­ral­anwältin in Nr. 39 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, er­weist sich der Um­stand, dass im Aus­gangs­ver­fah­ren Ge­genstände wie die Schul­gebäude, die Straßen, die Park­an­la­gen und die öffent­li­chen Gärten, auf die sich die von den pri­va­ten Kon­zes­si­ons­un­ter­neh­men er­brach­ten Dienst­leis­tun­gen be­zo­gen, nicht über­tra­gen wor­den sind, als be­lang­los. Denn die ma­te­ri­el­len Vermögens­wer­te, die ge­ge­be­nen­falls in Be­tracht ge­zo­gen wer­den müss­ten, sind die Ein­rich­tun­gen, Ma­schi­nen und/oder Ausrüstungs­ge­genstände, die tatsächlich zur Er­brin­gung der Haus­meis­ter-, Rei­ni­gungs- und Un­ter­halts­dienst­leis­tun­gen ver­wen­det wer­den.
32 Es ist Sa­che des vor­le­gen­den Ge­richts, an­hand al­ler vor­ste­hen­den Aus­le­gungs­ge­sichts­punk­te fest­zu­stel­len, ob im Aus­gangs­ver­fah­ren ein Über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23 statt­ge­fun­den hat.

Zum Be­griff „Selbständig­keit“ im Sin­ne von Art. 6 der Richt­li­nie 2001/23

33 Die spa­ni­sche Re­gie­rung trägt vor, dass der Be­griff „Selbständig­keit“ in Art. 6 der Richt­li­nie 2001/23 als dem Be­griff „Iden­tität“ in Art. 1 Abs. 1 Buchst. b die­ser Richt­li­nie gleich­wer­tig aus­zu­le­gen sei. Die­ser Aus­le­gung ist je­doch nicht zu fol­gen.
34 Wie nämlich aus Art. 1 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2001/23 her­vor­geht, ist die Fra­ge nach der Wah­rung der Iden­tität zum Zeit­punkt der ver­trag­li­chen Über­tra­gung oder Ver­schmel­zung der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit zu be­ur­tei­len. Nur wenn die Iden­tität die­ser Ein­heit ge­wahrt bleibt, kann ein der­ar­ti­ger Vor­gang als „Über­gang“ im Sin­ne die­ser Richt­li­nie ein­ge­stuft wer­den.
35 Die Fra­ge nach der Wah­rung der Selbständig­keit be­ur­teilt sich hin­ge­gen erst ab dem Zeit­punkt, zu dem be­reits fest­ge­stellt wor­den ist, dass ein Über­gang im Sin­ne der Richt­li­nie 2001/23 vor­liegt. Denn die­se Richt­li­nie soll auf je­den Über­gang an­wend­bar sein, der den Vor­aus­set­zun­gen von Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie ent­spricht, un­abhängig da­von, ob die über­tra­ge­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Selbständig­keit in­ner­halb der Struk­tur des Er­wer­bers behält oder nicht (vgl. Ur­teil vom 12. Fe­bru­ar 2009, Kla­ren­berg, C-466/07, Slg. 2009, I-803, Rand­nr. 50).
36 Wären die Be­grif­fe „Iden­tität“ und „Selbständig­keit“ gleich­wer­tig, verlöre der ein­lei­ten­de Teil von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2001/23, der die Vor­aus­set­zung auf­stellt, dass das frag­li­che Un­ter­neh­men, der frag­li­che Be­trieb oder der frag­li­che Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil sei­ne Selbständig­keit behält, sei­ne prak­ti­sche Wirk­sam­keit, da Art. 6 Abs. 1 die­ser Richt­li­nie au­to­ma­tisch an­wend­bar wäre, wenn die Iden­tität der geschäft­li­chen Ein­heit im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie ge­wahrt bleibt. Folg­lich sind die­se Be­grif­fe nicht gleich­wer­tig, und die Fra­ge, ob ein Un­ter­neh­men sei­ne Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 der Richt­li­nie 2001/23 behält, ist erst zu prüfen, wenn fest­ge­stellt wor­den ist, dass ein Über­gang im Sin­ne die­ser Richt­li­nie tatsächlich statt­ge­fun­den hat.
37 Zum Selbständig­keits­be­griff ist fest­zu­stel­len, dass der ge­nann­te Art. 6 ihn nicht de­fi­niert. Auch in den übri­gen Ar­ti­keln der Richt­li­nie wird die­ser Be­griff nicht de­fi­niert.
38 Nach ständi­ger Recht­spre­chung folgt aus dem Ge­bot der ein­heit­li­chen An­wen­dung des Rechts der Uni­on wie auch aus dem Gleich­heits­satz, dass die Be­grif­fe ei­ner Vor­schrift des Uni­ons­rechts, die für die Er­mitt­lung ih­res Sinns und ih­rer Trag­wei­te nicht aus­drück­lich auf das Recht der Mit­glied­staa­ten ver­weist, in der Re­gel in der ge­sam­ten Eu­ropäischen Uni­on ei­ne au­to­no­me und ein­heit­li­che Aus­le­gung er­hal­ten müssen (vgl. in die­sem Sin­ne zu­letzt Ur­teil vom 3. De­zem­ber 2009, Ya­e­su Eu­ro­pe, C-433/08, Slg. 2009, I-0000, Rand­nr. 18 und die dort an­geführ­te Recht­spre­chung).
39 Nach eben­falls ständi­ger Recht­spre­chung sind Be­deu­tung und Trag­wei­te von Be­grif­fen, die das Recht der Uni­on nicht de­fi­niert, ent­spre­chend ih­rem Sinn nach dem gewöhn­li­chen Sprach­ge­brauch und un­ter Berück­sich­ti­gung des Zu­sam­men­hangs, in dem sie ver­wen­det wer­den, und der mit der Re­ge­lung, zu der sie gehören, ver­folg­ten Zie­le zu be­stim­men (vgl. in die­sem Sin­ne u. a. Ur­tei­le vom 10. März 2005, ea­sy­Car, C-336/03, Slg. 2005, I-1947, Rand­nr. 21, vom 22. De­zem­ber 2008, Wal­len­tin-Her­mann, C-549/07, Slg. 2008, I-11061, Rand­nr. 17, und vom 5. März 2009, Kom­mis­si­on/Frank­reich, C-556/07, Rand­nr. 50).
40 Zunächst ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Richt­li­nie 2001/23 die Wah­rung der Ansprüche der Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Wech­sel des In­ha­bers des Un­ter­neh­mens da­durch gewähr­leis­ten soll, dass sie ih­nen die Möglich­keit gibt, ihr Beschäfti­gungs­verhält­nis mit dem neu­en Ar­beit­ge­ber zu eben den Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen, die mit dem Veräußerer ver­ein­bart wa­ren (vgl. u. a. Ur­tei­le vom 10. Fe­bru­ar 1988, Fo­re­nin­gen af Ar­be­jds­le­de­re i Dan­mark, 324/86, Slg. 1988, 739, Rand­nr. 9, vom 9. März 2006, Wer­hof, C-499/04, Slg. 2006, I-2397, Rand­nr. 25, und vom 27. No­vem­ber 2008, Ju­uri, C-396/07, Slg. 2008, I‑8883, Rand­nr. 28). Der An­spruch der Ar­beit­neh­mer auf Ver­tre­tung bil­det hier­von kei­ne Aus­nah­me. Dar­aus folgt, dass die­se Ver­tre­tung durch den Über­gang im All­ge­mei­nen nicht be­ein­träch­tigt wer­den darf.
41 Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2001/23, der die all­ge­mei­ne Vor­schrift für die Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer enthält, be­stimmt nämlich, dass, so­fern das Un­ter­neh­men, der Be­trieb oder der Un­ter­neh­mens- bzw. Be­triebs­teil sei­ne Selbständig­keit behält, die Rechts­stel­lung und die Funk­ti­on der Ver­tre­ter oder der Ver­tre­tung der vom Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen er­hal­ten blei­ben, wie sie vor dem Zeit­punkt des Über­gangs be­stan­den ha­ben.
42 So­dann ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass nach dem gewöhn­li­chen Sprach­ge­brauch der Be­griff „Selbständig­keit“ das Recht be­zeich­net, sich von sei­nen ei­ge­nen Re­geln lei­ten zu las­sen.
43 An­ge­wandt auf ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit be­zeich­net die­ser Be­griff die den für die­se Ein­heit Ver­ant­wort­li­chen gewähr­ten Be­fug­nis­se, die Ar­beit in­ner­halb der ge­nann­ten Ein­heit bei der Ver­fol­gung der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit, die ihr ei­gen ist, re­la­tiv frei und un­abhängig zu or­ga­ni­sie­ren, und ins­be­son­de­re die Be­fug­nis­se, Wei­sun­gen und In­struk­tio­nen zu er­tei­len, Auf­ga­ben auf die un­ter­ge­ord­ne­ten Ar­beit­neh­mer, die zu der frag­li­chen Ein­heit gehören, zu ver­tei­len und über die Ver­wen­dung der ma­te­ri­el­len Res­sour­cen, die ihr zur Verfügung ste­hen, zu ent­schei­den, und zwar oh­ne un­mit­tel­ba­res Ein­grei­fen an­de­rer Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des In­ha­bers (im Fol­gen­den: Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se).
44 Da­her wird grundsätz­lich die Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 ge­wahrt, wenn die Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se der für die über­tra­ge­ne Ein­heit Ver­ant­wort­li­chen nach dem Über­gang in­ner­halb der Struk­tu­ren des Er­wer­bers im Ver­gleich zu der La­ge vor dem Über­gang im We­sent­li­chen un­verändert blei­ben.
45 So­mit muss in die­sem Fall das Recht der Ar­beit­neh­mer auf Ver­tre­tung grundsätz­lich un­ter den glei­chen Be­din­gun­gen wie vor dem Über­gang aus­geübt wer­den können.
46 Da­ge­gen sind in ei­ner La­ge, in der die Ar­beit­neh­mer nach dem Über­gang un­ter Ver­ant­wort­li­chen ar­bei­ten, de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se be­schnit­ten wor­den sind und nicht mehr als selbständig ein­ge­stuft wer­den können, die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer nicht mehr die­sel­ben, und die Be­din­gun­gen ih­rer Ver­tre­tung müssen sich folg­lich den ein­ge­tre­te­nen Ände­run­gen an­pas­sen. Da­her muss, wie aus Art. 6 Abs. 1 Un­terabs. 4 der Richt­li­nie 2001/23 her­vor­geht, das Man­dat der vom Über­gang be­trof­fe­nen Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall auf den Zeit­raum be­schränkt wer­den, der er­for­der­lich ist, um ei­ne neue Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer zu bil­den oder zu be­nen­nen.
47 Was den Fall ei­ner et­wai­gen Um­ver­tei­lung be­stimm­ter Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se in­ner­halb der über­tra­ge­nen Ein­heit be­trifft, so kann ei­ne sol­che Um­ver­tei­lung grundsätz­lich de­ren Selbständig­keit nicht be­ein­träch­ti­gen. Wich­tig ist, dass sämt­li­che für die über­tra­ge­ne Ein­heit Ver­ant­wort­li­chen die Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­fug­nis­se, über die sie be­reits vor dem Über­gang verfügten, ge­genüber an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des neu­en In­ha­bers ausüben können.
48 Der bloße Aus­tausch der obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten wie im Aus­gangs­ver­fah­ren kann als sol­cher der Selbständig­keit der über­tra­ge­nen Ein­heit kei­nen Ab­bruch tun.
49 Al­lein Be­fug­nis­se, die es die­sen Dienst­vor­ge­setz­ten er­lau­ben würden, un­mit­tel­bar die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer die­ser Ein­heit zu or­ga­ni­sie­ren und in­ner­halb die­ser Ein­heit an de­ren Stel­le Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, könn­ten die Selbständig­keit der ge­nann­ten Ein­heit be­ein­träch­ti­gen. Da­bei kann al­ler­dings ei­ne der­ar­ti­ge Er­set­zung bei der Ent­schei­dungs­fin­dung in­ner­halb der über­tra­ge­nen Ein­heit nicht als ih­rer Selbständig­keit ab­träglich an­ge­se­hen wer­den kann, wenn sie aus­nahms­wei­se un­ter dring­li­chen Umständen wie ei­nem schwe­ren, dem Funk­tio­nie­ren die­ser Ein­heit ab­trägli­chen Zwi­schen­fall zeit­wei­lig und auf­grund der hierfür fest­ge­leg­ten Re­geln er­folgt.
50 Ei­ne bloße Kon­troll­be­fug­nis der obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten be­ein­träch­tigt im All­ge­mei­nen nicht die Selbständig­keit der über­tra­ge­nen Ein­heit, es sei denn, die­se Be­fug­nis um­fasst auch Be­fug­nis­se wie die in der vor­ste­hen­den Rand­num­mer ge­nann­ten.
51 Ei­ne der­ar­ti­ge Aus­le­gung des Selbständig­keits­be­griffs ermöglicht es im Übri­gen, die prak­ti­sche Wirk­sam­keit von Art. 6 der Richt­li­nie 2001/23 zu wah­ren, da der Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens, ei­nes Be­triebs oder ei­nes Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­teils in der Pra­xis fast im­mer mit dem Aus­tausch der obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten ein­her­geht.
52 Die­se Aus­le­gung kann nicht durch das Vor­brin­gen der spa­ni­schen Re­gie­rung in Fra­ge ge­stellt wer­den, dass ei­ne der­ar­ti­ge Aus­le­gung, die im Aus­gangs­ver­fah­ren den Fort­be­stand der be­ste­hen­den Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer be­deu­ten würde, zum ei­nen ei­ne Art „Dop­pel­ver­tre­tung“ in­ner­halb der Be­leg­schaft des neu­en In­ha­bers schaf­fen und zum an­de­ren dar­auf hin­aus­lau­fen würde, den wirt­schaft­li­chen Scha­den außer Acht zu las­sen, der dem neu­en In­ha­ber in An­be­tracht sei­ner Ver­pflich­tung ver­ur­sacht würde, den über­ge­gan­ge­nen Ver­tre­tern der Ar­beit­neh­mer „Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tungs­stun­den“ zu gewähren. Denn mit die­sem Vor­brin­gen wer­den le­dig­lich die Rechts­fol­gen der Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers der Uni­on bei der Einführung von Art. 6 der Richt­li­nie 2001/23 in Fra­ge ge­stellt.
53 Zurück­zu­wei­sen ist auch das Vor­brin­gen der spa­ni­schen Re­gie­rung, das aus ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung und ei­nem Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ge­genüber den Per­so­nal­ver­tre­tern und Ge­werk­schafts­ver­tre­tern des vor­han­de­nen Per­so­nals des neu­en In­ha­bers her­ge­lei­tet wird.
54 Wie die Ge­ne­ral­anwältin hier­zu in Nr. 88 ih­rer Schluss­anträge aus­geführt hat, wäre, selbst un­ter­stellt, dass die La­ge der über­ge­gan­ge­nen und die der bei dem neu­en In­ha­ber beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ver­gleich­bar wäre, die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung, die aus ei­nem mögli­chen Un­gleich­ge­wicht in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­on des neu­en In­ha­bers zu­las­ten der Ge­werk­schafts­ver­tre­ter, die dort be­reits ver­tre­ten sind, und der be­tref­fen­den Per­so­nal­ver­tre­ter, de­ren Zahl un­verändert bleibt, entstünde, im Licht des Ziels der Richt­li­nie 2001/23 ge­recht­fer­tigt, das dar­in be­steht, im Rah­men des Mögli­chen in der Pra­xis zu gewähr­leis­ten, dass die neu­en Ar­beit­neh­mer durch den Über­gang ge­genüber der Si­tua­ti­on vor dem Über­gang nicht be­nach­tei­ligt wer­den.
55 Zum Vor­brin­gen ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der Ko­ali­ti­ons­frei­heit des be­ste­hen­den Per­so­nals genügt die Fest­stel­lung, dass die spa­ni­sche Re­gie­rung nicht dar­tut, in­wie­fern un­ter den im Aus­gangs­ver­fah­ren ob­wal­ten­den Umständen die Ausübung die­ser Frei­heit durch die Bei­be­hal­tung der Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer der über­tra­ge­nen Ein­heit be­ein­träch­tigt wird.
56 An­ge­sichts der vor­ste­hen­den Erwägun­gen ist auf die Vor­la­ge­fra­ge zu ant­wor­ten, dass ei­ne über­tra­ge­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23 behält, wenn die Be­fug­nis­se, die in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Veräußerers den für die­se Ein­heit Ver­ant­wort­li­chen gewährt wor­den sind - nämlich die Be­fug­nis, die Ar­beit in­ner­halb der ge­nann­ten Ein­heit bei der Ver­fol­gung der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit, die ihr ei­gen ist, re­la­tiv frei und un­abhängig zu or­ga­ni­sie­ren, und ins­be­son­de­re die Be­fug­nis­se, Wei­sun­gen und In­struk­tio­nen zu er­tei­len, Auf­ga­ben auf die un­ter­ge­ord­ne­ten Ar­beit­neh­mer, die zu der frag­li­chen Ein­heit gehören, zu ver­tei­len und über die Ver­wen­dung der ma­te­ri­el­len Res­sour­cen, die ihr zur Verfügung ste­hen, zu ent­schei­den, und zwar oh­ne un­mit­tel­ba­res Ein­grei­fen an­de­rer Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des In­ha­bers -, in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Er­wer­bers im We­sent­li­chen un­verändert blei­ben. Der bloße Aus­tausch der obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten kann als sol­cher der Selbständig­keit der über­tra­ge­nen Ein­heit kei­nen Ab­bruch tun, es sei denn, die neu­en obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten verfügen über Be­fug­nis­se, die es ih­nen ermögli­chen, un­mit­tel­bar die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer die­ser Ein­heit zu or­ga­ni­sie­ren und so­mit bei der Ent­schei­dungs­fin­dung in­ner­halb die­ser Ein­heit an die Stel­le der un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten die­ser Ar­beit­neh­mer zu tre­ten.

Kos­ten

57 Für die Par­tei­en des Aus­gangs­ver­fah­rens ist das Ver­fah­ren ein Zwi­schen­streit in dem bei dem vor­le­gen­den Ge­richt anhängi­gen Rechts­streit; die Kos­ten­ent­schei­dung ist da­her Sa­che die­ses Ge­richts. Die Aus­la­gen an­de­rer Be­tei­lig­ter für die Ab­ga­be von Erklärun­gen vor dem Ge­richts­hof sind nicht er­stat­tungsfähig.

Aus die­sen Gründen hat der Ge­richts­hof (Drit­te Kam­mer) für Recht er­kannt:

Ei­ne über­tra­ge­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit behält ih­re Selbständig­keit im Sin­ne von Art. 6 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len, wenn die Be­fug­nis­se, die in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Veräußerers den für die­se Ein­heit Ver­ant­wort­li­chen gewährt wor­den sind - nämlich die Be­fug­nis, die Ar­beit in­ner­halb der ge­nann­ten Ein­heit bei der Ver­fol­gung der wirt­schaft­li­chen Tätig­keit, die ihr ei­gen ist, re­la­tiv frei und un­abhängig zu or­ga­ni­sie­ren, und ins­be­son­de­re die Be­fug­nis­se, Wei­sun­gen und In­struk­tio­nen zu er­tei­len, Auf­ga­ben auf die un­ter­ge­ord­ne­ten Ar­beit­neh­mer, die zu der frag­li­chen Ein­heit gehören, zu ver­tei­len und über die Ver­wen­dung der ma­te­ri­el­len Res­sour­cen, die ihr zur Verfügung ste­hen, zu ent­schei­den, und zwar oh­ne un­mit­tel­ba­res Ein­grei­fen an­de­rer Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des In­ha­bers -, in­ner­halb der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren des Er­wer­bers im We­sent­li­chen un­verändert blei­ben.

Der bloße Aus­tausch der obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten kann als sol­cher der Selbständig­keit der über­tra­ge­nen Ein­heit kei­nen Ab­bruch tun, es sei denn, die neu­en obers­ten Dienst­vor­ge­setz­ten verfügen über Be­fug­nis­se, die es ih­nen ermögli­chen, un­mit­tel­bar die Tätig­keit der Ar­beit­neh­mer die­ser Ein­heit zu or­ga­ni­sie­ren und so­mit bei der Ent­schei­dungs­fin­dung in­ner­halb die­ser Ein­heit an die Stel­le der un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten die­ser Ar­beit­neh­mer zu tre­ten.

Un­ter­schrif­ten

* Ver­fah­rens­spra­che: Spa­nisch.

Quel­le: Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on (EuGH), http://cu­ria.eu­ro­pa.eu

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