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Arbeitsrecht aktuell: 11/236 Diskriminierung bei der Bewerbung, wenn sehr gute Deutschkenntnisse gefordert werden?
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Diskriminierung bei der Bewerbung wegen der Herkunft: Eine Stellenanzeige kann sehr gute Deutschkenntnisse fordern, wenn sie für den Job erforderlich sind
Landesarbeitsgericht Nürnberg, Urteil vom 05.10.2011, 2 Sa 171/11
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25.11.2011. Eine Diskriminierung bei der Bewerbung wegen der ehtnischen Herkunft ist rechtlich umfassend verboten: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet nicht nur eine Ausländer diskriminierende Stellenbesetzung, sondern schon im Vorfeld der Bewerberauswahl eine Stellenausschreibung, die so abgefasst ist, dass sie eine Bewerbung von objektiv geeigneten Ausländern chancenlos erscheinen lässt (§ 7 Abs.1 in Verb. mit § 11 AGG).
Da kaum ein Arbeitgeber offen bekanntgibt, nur Deutsche einstellen zu wollen, wird in der Praxis meist darüber gestritten, ob eine bestimmtes Anforderungsprofil eine mittelbare Diskriminierung im Sinne von § 3 Abs.2 AGG darstellt. Wird über eine Diskriminierung bei der Bewerbung aus Gründen der Herkunft gestritten, geht es meist um das Thema Sprache: Wer von einem Stellenbewerber ein perfektes Deutsch verlangt, sagt natürlich nicht, dass er nur Deutsche einstellen möchte. Aber da Deutsche meist besser deutsch können als Ausländer, werden Ausländer dadurch u.U. von einer Bewerbung abgehalten und damit mittelbar diskriminiert.
Ein aktuelles Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Nürnberg zeigt, wann Deutschkenntnisse zurecht gefordert werden können und dann nicht für eine Diskriminierung sprechen (Urteil vom 05.10.2011, 2 Sa 171/11).
von Rechtsanwältin Eva-Maria Reuter, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Nürnberg
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Nürnberg
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Erleidet ein Bewerber eine Diskriminierung wegen seiner ethnischen Herkunft, steht ihm wie anderen Diskriminierungsopfern eine angemessene Entschädigung in Geld zu (§ 15 Abs.2 AGG). Wer bei der Bewerbung diskriminiert wurde, kann dabei Summen zwischen einem und drei Monatsgehältern einklagen.
Dabei müssen abgelehnte Bewerber im Prozess nicht die Diskriminierung selbst beweisen, sondern nur Indizien, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine Diskriminierung bei der Bewerbung hindeuten (§ 22 AGG). "Ideale" Diskriminierungsindizien sind Stellenanzeigen. Arbeitgeber, die bei der Stellenanzeige z.B. "einen erfahrenen Geschäftsführer" suchen, müssen mit Entschädigungsforderungen abgelehnter Bewerberinnen rechnen.
Eine diskriminierende Einstellungsvoraussetzung wäre z.B. "Deutsch als Muttersprache". Aber "sehr gute Deutschkenntnisse" können Muttersprachler und Bewerber mit Migrationshintergrund haben. Ob hier ein mittelbare Diskriminierung von Ausländern im Sinne von § 3 Abs.2 AGG vorliegt, ist nicht leicht zu beantworten.
Eine in Russland geborene Programmiererin lebt seit langem in Deutschland und spricht gut deutsch. Sie bewarb sich auf eine Stellenanzeige, in der „sehr gutes Deutsch und gutes Englisch“ gewünscht wurde. Neben Programmiertätigkeiten sah die Stellenbeschreibung die Erstellung von Dokumentationen und den deutschlandweiten Einsatz in namhaften Unternehmen vor.
Die Bewerbung hatte keinen Erfolg und die Programmiererin klagte auf eine Entschädigung. Vor Gericht legte sie als Indiz für eine Diskriminierung wegen der Herkunft die Stellenanzeige vor. Das Arbeitsgericht Nürnberg (Urteil vom 23.02.2011, 2 Ca 7205/10) und das LAG wiesen die Klage ab. Die Stellenanzeige war kein Indiz für eine Diskriminierung bei der Bewerbung, so das LAG. Denn aus der Anzeige ergab sich, dass der Job nicht nur im Back-Office stattfinden sollte, sondern umfangreiche deutschsprachige Kommunikation erforderte. Es gab also sachliche Gründe für die geforderten Sprachkenntnisse.
Fazit: Es ist zulässig, in einer Stellenausschreibung sehr gute Sprachkenntnisse zu fordern, wenn diese für die Tätigkeit nötig sind. Das alles sollte dann aber aus der Stellenanzeige hervorgehen. Damit können Arbeitgeber Entschädigungsklagen zwar nicht verhindern, aber sie haben es leichter, vor Gericht ihre sachlichen Motive zu belegen.
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Letzte Überarbeitung: 12. Januar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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