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Dum­ping­löh­ne: Wie weist man das all­ge­mei­ne Lohn­ni­veau nach?

Dum­ping­löh­ne: Das all­ge­mei­ne Lohn­ni­veau muss an­hand ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges oder mit Sta­tis­ti­ken be­wie­sen wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 31.08.2010, 5 Sa 121/10
Taschenrechner auf Geldscheinen Dum­ping­löh­ne muss der Ar­beit­neh­mer be­wei­sen

27.07.2011. Auch oh­ne Ta­rif­bin­dung müs­sen Ar­beit­ge­ber das Ta­rif­lohn­ni­veau in ih­rer Bran­chen im Au­ge be­hal­ten.

Denn "freie" ar­beits­ver­trag­li­che Lohn­ver­ein­ba­run­gen sind ge­mäß § 138 Abs.1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) we­gen "Sit­ten­wid­rig­keit" un­wirk­sam, wenn sie mehr als ein Drit­tel un­ter dem re­gio­na­len Bran­chen­ta­rif­lohn lie­gen (Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 22.04.2009, 5 AZR 436/08).

Gibt es kei­nen ein­schlä­gi­gen Ta­rif­ver­trag, ist das all­ge­mei­ne Lohn­ni­veau im Wirt­schafts­ge­biet der Ver­gleichs­maß­stab.

Für sel­te­ne Tä­tig­kei­ten gibt es oft kei­nen Ta­rif­ver­trag. Dann ist der Nach­weis ei­ner sit­ten­wid­rig ge­rin­gen Hö­he des ver­ein­bar­ten Lohns für den Ar­beit­neh­mer schwer, aber für ei­ne er­folg­rei­che Kla­ge auf wei­te­ren Lohn not­wen­dig. Denn der ver­trag­lich ver­ein­bar­te Lohn ist - bis zum Nach­weis der Un­ter­schrei­tung des all­ge­mei­nen Lohni­veaus um mehr als ein Drit­tel - erst ein­mal ver­bind­lich. Das zeigt ein Fall des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Schles­wig-Hol­stein (Ur­teil vom 31.08.2010, 5 Sa 121/10).

Ein Kor­rek­tor war voll­zei­tig für zu­nächst et­wa 2.500 und spä­ter für et­wa 2.800 EUR bei ei­ner Lek­to­rats­fir­ma be­schäf­tigt, die für ih­re Kun­den Tex­te be­ar­bei­te­te. Der Kor­rek­tor hielt sei­nen Lohn für sit­ten­wid­rig und be­rief sich auf ei­nen Ta­rif­ver­trag für das Zeit­schrif­ten­ver­lags­ge­wer­be. Die­sen Ta­rif hiel­ten aber we­der das Ar­beits­ge­richt Lü­beck (Ur­teil vom 20.01.2010, 5 Ca 1982/09) noch das LAG für maß­geb­lich. Denn ei­ne Lek­to­rats­fir­ma ge­hört nicht zur Zeit­schrif­ten­ver­lags­bran­che.

Fa­zit: Ar­beit­neh­mer, die mit sel­ten aus­ge­üb­ten Tä­tig­kei­ten be­fasst sind und de­ren Ar­beit­ge­ber ei­ne Ni­schen­dienst­leis­tung an­bie­tet, kön­nen sich bei Lohn­dif­fe­renz­kla­gen prak­tisch nie auf ein­schlä­gi­ge Bran­chen­ta­rif­ver­trä­ge be­ru­fen, denn sol­che Ta­rif­ver­trä­ge gibt es nicht. Dann bleibt nur der Nach­weis des all­ge­mei­nen Lohn­ni­veaus in der je­wei­li­gen Mi­ni-„Bran­che“. Oh­ne gründ­li­che Vor­be­rei­tung mit an­walt­li­cher Un­ter­stüt­zung ist kla­ge­wil­li­gen Ar­beit­neh­mer da­her von ei­ner Lohn­dif­fe­renz­kla­ge ab­zu­ra­ten.

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Letzte Überarbeitung: 3. März 2016

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