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LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 15.10.2008, 3 Sa 104/08

   
Schlagworte: Befristung: Sachgrund
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Aktenzeichen: 3 Sa 104/08
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 15.10.2008
   
Leitsätze:

1. Die haushaltsrechtlichen Vorschriften müssen, um eine befristete Beschäftigung aus Haushaltsmitteln sachlich rechtfertigen zu können, hinreichend konkret die erkennbare Widmung für eine zeitlich begrenzte Aufgabe enthalten, damit ihnen eine den Anforderungen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG genügende Zwecksetzung entnommen werden kann.

 

2. Allein die Formulierung in einem Haushaltsplan, "mit der zeitlichen Befristung werde die Erwartung verbunden, dass der Bedarf für Aufgaben nach dem SGB II infolge der Arbeitsmarktentwicklung zurückgehen wird", stellt keinen tätigkeitsbezogenen Sachgrund im Sinne des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 TzBfG zur Erledigung von nur vorübergehenden Aufgaben dar.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Kiel
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein

Ak­ten­zei­chen: 3 Sa 104/08
ö. D. 2 Ca 1943 b/07 ArbG Kiel (Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

 

Verkündet am 15.10.2008

Gez. ...
als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

pp.

hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 15.10.2008 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­de und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin ... als Bei­sit­ze­rin

für Recht er­kannt:

 

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Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel vom 28.01.2008 – öD 2 Ca 1943 b/07 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann durch Ein­rei­chung ei­ner Re­vi­si­ons­schrift bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt in 99084 Er­furt, Hu­go-Preuß-Platz 1, Te­le­fax: (0361) 26 36 - 20 00 Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss

bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen sein.

Der Re­vi­si­onskläger muss die Re­vi­si­on be­gründen. Die Re­vi­si­ons­be­gründung ist, so­fern sie nicht be­reits in der Re­vi­si­ons­schrift ent­hal­ten ist, in ei­nem Schrift­satz bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen. Die Frist für die Re­vi­si­ons­be­gründung beträgt

zwei Mo­na­te.

Die Fris­ten für die Ein­le­gung und die Be­gründung der Re­vi­si­on be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss das Ur­teil be­zeich­nen, ge­gen das die Re­vi­si­on ge­rich­tet wird, und die Erklärung ent­hal­ten, dass ge­gen die­ses Ur­teil Re­vi­si­on ein­ge­legt wer­de.

Die Re­vi­si­on und Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten,

 

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so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen. Die Per­so­nen, die für die­se Or­ga­ni­sa­tio­nen han­deln, müssen über die Befähi­gung zum Rich­ter­amt verfügen.

Der Re­vi­si­ons­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils bei­gefügt wer­den.

Der Schrift­form wird auch durch Ein­rei­chung ei­nes elek­tro­ni­schen Do­ku­ments genügt, wenn es für die Be­ar­bei­tung durch das Ge­richt ge­eig­net ist. Schriftsätze können da­zu über ei­ne ge­si­cher­te Ver­bin­dung in den elek­tro­ni­schen Ge­richts­brief­kas­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts ein­ge­legt wer­den. Die er­for­der­li­che Zu­gangs- und Über­tra­gungs­soft­ware kann li­zenz­kos­ten­frei über die In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts (www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de) her­un­ter­ge­la­den wer­den. Das Do­ku­ment ist mit ei­ner qua­li­fi­zier­ten Si­gna­tur nach dem Si­gna­tur­ge­setz zu ver­se­hen. Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den sich auf der In­ter­net­sei­te des Bun­des­ar­beits­ge­richts (s.o.) so­wie un­ter www.egvp.de.

(Rechts­mit­tel­schrif­ten, Rechts­mit­tel­be­gründungs­schrif­ten und wech­sel­sei­ti­ge Schriftsätze im Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt sind in sie­ben­fa­cher - für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne wei­te­re - Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.)

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31.12.2007.

Der 1952 ge­bo­re­ne Kläger war auf­grund wie­der­hol­ter be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se vom 01.04.2005 bis zum 31.12.2007 bei der Be­klag­ten als Ar­beits­ver­mitt­ler in der AR­GE tätig. Auf der Grund­la­ge ei­nes am 31.03.2005 ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­tra­ges war er zunächst vom 01.04.2005 bis zum 31.12.2005 als voll­beschäftig­ter An­ge­stell­ter sach­grund­los be­fris­tet gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ein­ge­setzt (An­la­ge I – Bl. 4 d. A.). Am 27. De­zem­ber 2005 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­nen wei­te­ren Ar­beits­ver­trag, nach des­sen In­halt der Kläger mit Wir­kung ab dem 01.01.2006 be­fris­tet bis zum 31.03.2007 wei­ter­beschäftigt wur­de (An­la­ge II – Bl. 6 f d. A.). Un­ter dem 11.10.2006 schlos­sen die Par­tei­en in­so­weit ei­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zum Zwe­cke der Fest­schrei­bung des neu­en Ta­rif­ver­tra­ges für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der B. f. A.– TV-BA (An­la­ge III – Bl. 8, 9 d. A.). Ab­sch­ließend ka­men die Par­tei­en am

 

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26.03.2007 übe­rein, den Ar­beits­ver­trag vom 01.01.2006 in der Fas­sung vom 11.10.2006 da­hin­ge­hend zu ändern, dass der Kläger als Voll­zeit­beschäftig­ter bis zum 31.12.2007 wei­ter beschäftigt wur­de (An­la­ge IV – Bl. 10 d. A.). Die­sem Ver­trag wur­de ein „Ver­merk zum be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag“, eben­falls vom 26.03.2007 bei­gefügt. Da­nach er­folg­te die Ver­trags­verlänge­rung des Klägers als Ar­beits­ver­mitt­ler im Be­reich SGB II in der AR­GE K. mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag nach dem Tz­B­fG für den Zeit­raum vom 01.04.2007 bis 31.12.2007 bei der Agen­tur für Ar­beit K. mit dem Be­fris­tungs­grund „§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG (Haus­halts­mit­tel)“ (Bl. 11 d. A.).

Dem Be­fris­tungs­grund „Haus­halts­mit­tel“ liegt fol­gen­der Sach­ver­halt zu Grun­de:

Der am 15. De­zem­ber 2004 durch die Bun­des­re­gie­rung ge­neh­mig­te Haus­halts­plan der Be­klag­ten für das Haus­halts­jahr 2005 weist in Ka­pi­tel 5 Ti­tel 425 02 (im Fol­gen­den :Haus­halts­ti­tel 5/425 02) Haus­halts­mit­tel un­ter der Zweck­be­stim­mung „Vergütun­gen und Löhne der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ aus (An­la­gen­ord­ner, An­la­ge BB 4 – Sei­te 78). Bezüglich wei­te­rer Erläute­run­gen die­ses Ti­tels ver­weist der Haus­halts­plan auf sei­ne An­la­ge 2-Per­so­nal­haus­halt. Die­se An­la­ge 2 sieht für 2005 un­ter der „Ge­samtüber­sicht zur Ober­grup­pe 42 für A u f g a b e n n a c h d e m S G B II“ un­ter der Über­schrift „Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag und Ar­bei­ter“ 5.000 Ermäch­ti­gun­gen, das heißt den Ab­schluss von bun­des­weit 5.000 be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen vor (An­la­gen­ord­ner An­la­ge BB 4 – Sei­te 102). Zum Haus­halts­plan gibt es Haus­halts­ver­mer­ke. Im „Haus­halts­ver­merk“ der „An­la­ge 2 zum Haus­halts­plan der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für das Haus­halts­jahr 2005 – Per­so­nal­haus­halt“ heißt es zum Haus­halts­ti­tel 5/425 02 wie folgt:

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 “für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ sind 5000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“ (An­la­ge B2 Bl. 25 d. A. bzw. An­la­gen­ord­ner, An­la­ge BB4 – Sei­te 122).

Der Haus­halts­plan für das Jahr 2006 ist mit Aus­nah­me des ent­fal­le­nen Sat­zes 2 des Haus­halts­ver­mer­kes in­so­weit iden­tisch.

 

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Im No­vem­ber 2006 wur­de der Haus­halts­plan 2007 be­schlos­sen und am 13.12.2006 durch die Bun­des­re­gie­rung ge­neh­migt. Er weist wie­der­um für das Haus­halts­jahr 2007 Per­so­nal­aus­ga­ben im Haus­halts­ti­tel 5/425 02 für „Gehälter der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ aus. Die An­la­ge 2 sieht für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag er­neut un­verändert 5.000 Ermäch­ti­gun­gen vor (An­la­ge B1, Bl. 22 d. A.). Der Haus­halts­ver­merk 1 zu Ti­tel 425 02 (An­la­ge BB 1 – Sei­te 127 / B1, Bl. 23 d. A.) ist iden­tisch mit dem Haus­halts­ver­merk aus dem Jahr 2006. Ein Haus­halts­ver­merk 2 zu die­sem Ti­tel exis­tiert nicht.

Gleich­zei­tig weist die­se An­la­ge 2 un­ter der Über­schrift „Ge­samtüber­sicht zu Ober­grup­pe 42 für A u f g a b e n n a c h d e m S G B II Plan­stel­len, Stel­len, Lehr­stel­len“ im Ti­tel 425 01 an Stel­le von 16.015 Plan­stel­len im Jah­re 2006 nun­mehr 20.457,5 Plan­stel­len für Ar­beit­neh­mer aus. Das be­inhal­tet die Schaf­fung von 4.442,5 neu­en Plan­stel­len im Auf­ga­ben­be­reich SGB II (An­la­ge B 1, Bl. 22 d. A.). Mit Schrei­ben der B. f. A., Re­gio­nal­di­rek­ti­on Nord, vom 28. März 2007 wird zum Per­so­nal­haus­halt 2007 / Stel­len­plan 2007 mit­ge­teilt, dass für den Be­reich der Dienst­stel­len Nord mit Wir­kung vom 1. Ja­nu­ar 2007 die Stel­len­pläne für das Haus­halts­jahr 2007 bei den Ka­pi­teln 5 (für Auf­ga­ben des Rechts­krei­ses SGB III und für Auf­ga­ben des Rechts­krei­ses SGB II) in Kraft tre­ten. Wei­ter heißt es dort wie folgt:

„3.6.5 Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag bei Ka­pi­tel 6 Tit. 425 02 (SGB II)

Mit der Eta­ti­sie­rung von bun­des­weit 4.750 Stel­len der TE IV (4.000 im HH-Jahr 2007 und 750 im HH-Jahr 2008) für den SGB II-Be­reich (...) ist nicht der Weg­fall der bun­des­weit 5.000 Ermäch­ti­gun­gen bei Kap. 6 Tit. 425 02 ver­bun­den, viel­mehr ste­hen die­se gem. HH-Ver­merk Nr. 1 zu Tit. 425 02 für die Dau­er bis 31.12.2007 im bis­he­ri­gen Um­fang zur Verfügung.

Von der Möglich­keit der ge­gen­sei­ti­gen De­ckungsfähig­keit von Ein­glie­de­rungs- und Ver­wal­tungs­bud­get darf erst Ge­brauch ge­macht wer­den, wenn ein An­satz „not­lei­dend“ ge­wor­den ist (vgl. VV Nr. 1 zu § 46 BHO). Da­nach sind zunächst vor­ran­gig al­le Ermäch­ti­gun­gen bei Kap. 6 Tit. 425 02 aus­zuschöpfen.

Mit den Eta­ti­sie­run­gen in den Haus­halts­jah­ren 2007 und 2008 hat das BMAS die Er­war­tung ver­bun­den, dass der ho­he An­teil be­fris­te­ter Beschäfti­gungs­verhält­nis­se im Per­so­nalkörper des Rechts­krei­ses SGB II deut­lich re­du­ziert wird.
Aus per­so­nal­wirt­schaft­li­cher Sicht ist es da­her an­ge­zeigt, die aus der Eta­ti­sie­rung verfügba­ren Stel­len zügig, möglichst bis 30.03.2007 (s. Te­le­fon­kon­fe­renz vom 16.02.2007) und möglichst mit vor­han­de­nen ein­ge­ar­bei­te­ten Fach­kräften, zu be­set­zen,

 

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um den Um­fang be­fris­tet Beschäftig­ter schnell zu re­du­zie­ren...(An­la­ge B3- Bl. 31, 32 d. A.).“

Die Agen­tur K. er­hielt für den Be­reich SGB II von der Re­gio­nal­di­rek­ti­on Nord mit die­sem Schrei­ben vom März 2007 ins­ge­samt 300 Mo­nats­ermäch­ti­gun­gen aus dem Haus­halts­ver­merk Nr. 1 zu Ti­tel 5/425 02. Die­se 300 Mo­nats­ermäch­ti­gun­gen er­ge­ben ins­ge­samt 25 Jah­res­ermäch­ti­gun­gen. Auf­ge­teilt auf die AR­GEN K. und P. er­hielt die AR­GE K. 14 Jah­res­ermäch­ti­gun­gen (Bl. 28 d. A.).

Der Kläger er­hielt zeit­gleich sei­nen drit­ten, den streit­be­fan­ge­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für den Zeit­raum 01.04.2007 – 31.12.2007. Seit Som­mer 2007 bemüht er sich um Ent­fris­tung. Mit sei­ner am 5. No­vem­ber 2007 beim Ar­beits­ge­richt Kiel ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat er die Un­wirk­sam­keit der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­fris­tungs­ab­re­de man­gels Vor­lie­gens ei­ner sach­li­chen Recht­fer­ti­gung gel­tend ge­macht. Ei­ne wirk­sa­me Be­fris­tung we­gen Haus­halts­mit­tel­be­schränkung lie­ge nicht vor. Es han­de­le sich bei den Auf­ga­ben im Be­reich SGB II um die Er­le­di­gung von Dau­er­auf­ga­ben. Der Haus­halts­ge­setz­ge­ber ha­be kei­ne hin­rei­chend kon­kre­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­be­stim­mung für die Ver­wen­dung der Haus­halts­mit­tel ge­trof­fen.

Der Kläger hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Be­tei­lig­ten ge­schlos­se­ne Ar­beits­verhält­nis über den 31.12.2007 hin­aus un­be­fris­tet fort­be­steht.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat sich auf den Be­fris­tungs­grund der Be­reit­stel­lung von 5.000 Ermäch­ti­gun­gen zur Beschäfti­gung von Kräften mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag im Haus­halts­plan 2007 be­ru­fen. Die Haus­halts­mit­tel sei­en nur zur Er­le­di­gung vorüber­ge­hen­der Auf­ga­ben zur Verfügung ge­stellt wor­den, in der An­nah­me, dass der Be­darf für die Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung bis zum 31.12.2007 zurück­ge­hen wer­de. Das sei ei­ne aus­rei­chen­de Zweck­be­stim­mung ge­we­sen.

 

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Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 28.01.2008 der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Da­bei hat es zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stellt, dass der Kläger aus den für be­fris­te­te Kräfte be­stimm­ten Haus­halts­mit­teln vergütet wor­den ist. Es hat ins­be­son­de­re dar­auf ab­ge­stellt, der Be­fris­tung feh­le die er­kenn­ba­re Wid­mung für ei­ne zeit­lich be­grenz­te Auf­ga­be. Der Haus­halts­ge­setz­ge­ber ha­be kei­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung zur Er­le­di­gung nur vorüber­ge­hen­der Auf­ga­ben vor­ge­nom­men. Der Tätig­keits­be­reich „Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nach SGB II“ sei zu weit ge­fasst und nicht hin­rei­chend in­halt­lich kon­kre­ti­siert. Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­gründe des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ver­wie­sen.

Ge­gen die­se der Be­klag­ten am 27.02.2008 zu­ge­stell­te Ent­schei­dung leg­te sie am 18.03.2008 Be­ru­fung ein, die nach Frist­verlänge­rung bis zum 26.05.2008 am 26.05.2008 be­gründet wur­de.

Sie ergänzt und ver­tieft im We­sent­li­chen ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Sie meint, zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses hätten die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­fris­tung mit dem Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG vor­ge­le­gen. Die Be­klag­te ha­be mit der Schaf­fung ih­rer Haus­haltspläne 2005 – 2007 kei­nes­wegs be­ab­sich­tigt, ih­re ge­setz­li­chen Dau­er­auf­ga­ben über be­fris­te­te Ar­beits­kräfte er­le­di­gen zu las­sen. Auf Ba­sis von hin­rei­chend kon­kre­ten tatsächli­chen Grund­la­gen ha­be sie pro­gnos­ti­ziert, dass ein vorüber­ge­hen­der Mehr­be­darf bis zum 31.12.2007 im Tätig­keits­be­reich der Auf­ga­ben nach SGB II vor­han­den sei. Spätes­tens seit Mai 2006 sei ein spürba­rer und kon­ti­nu­ier­li­cher Rück­gang an SGB II - Kun­den der AR­GEN zu ver­zeich­nen. Auf­grund der rückläufi­gen Ent­wick­lung der Ar­beits­lo­sen­zah­len in Schles­wig-Hol­stein so­wie der Jah­res­be­rich­te von 2005 und 2006 zum SGB II sei die Be­klag­te zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses im Haus­halts­jahr 2007 von ei­nem nur vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darf an Mit­ar­bei­tern im SGB II-Be­reich aus­ge­gan­gen. Die 4.000 im Haus­halts­plan 2007 für den Be­reich SGB II ge­schaf­fe­nen neu­en Plan­stel­len stünden dem nicht ent­ge­gen. Sie sei­en den 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag nicht hin­zu­zu­rech­nen. Viel­mehr ha­be es sich um die Wei­chen­stel­lung für die Um­wand­lung von 4.000 be­fris­te­ter Stel­len in un­be­fris­te­te ge­han­delt.

 

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Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel, Az. öD 2 Ca 1943 b/07, vom 28.01.2008, ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil so­wohl in tatsäch­li­cher, als auch in recht­li­cher Hin­sicht für zu­tref­fend. Die Zweck­be­stim­mung in Ka­pi­tel 5/425 02 des Haus­halts­pla­nes 2007 sei auch un­ter Berück­sich­ti­gung der An­la­ge so­wie des Haus­halts­ver­mer­kes zu pau­schal und un­be­stimmt und ent­hal­te kei­ner­lei Tätig­keits­be­zug. Mit ihr sei es der Be­klag­ten eröff­net, für Dau­er­auf­ga­ben be­fris­tet Beschäftig­te ein­zu­set­zen, was die Be­klag­te auch tue. Zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses im März 2007 ha­be ne­ben den 5000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Ar­beits­verträge aus­weis­lich des Haus­halts­pla­nes ein zusätz­li­cher Dau­er­be­darf für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern mit Auf­ga­ben nach dem SGB II in Höhe von 4.000 zusätz­li­chen Plan­stel­len be­stan­den. Gleich­wohl sei der Kläger oh­ne jeg­li­che Dif­fe­ren­zie­rung bezüglich sei­nes Tätig­keits­be­rei­ches aus dem Ti­tel der 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Ar­beits­kräfte im Ar­beits­be­reich SGB II be­fris­tet ein­ge­stellt wor­den. Die Be­klag­te ha­be zu­dem – das ist un­strei­tig – im Jahr 2007 weit mehr Per­so­nal im Be­reich der Auf­ga­ben nach dem SGB II be­fris­tet beschäftigt, als sich aus dem Haus­halts­ti­tel 5/425 02 für sie er­gibt. Die Be­klag­te de­cke bun­des­weit aus­weis­lich des Verhält­nis­ses von Plan­stel­len zu be­fris­te­ten Beschäfti­gun­gen 1/5 bis 1/6 ih­res ge­sam­ten Per­so­nals des Be­rei­ches SGB II mit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen ab. Das sei an­ge­sichts des Vor­lie­gens von Dau­er­auf­ga­ben im Be­reich SGB II zu weit­ge­hend und haus­halts­recht­lich nicht ge­recht­fer­tigt.

Hin­sicht­lich des wei­te­ren Vor­brin­gens wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

 

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I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und in­ner­halb der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist auch be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt in dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil der Ent­fris­tungs­kla­ge statt­ge­ge­ben und ins­be­son­de­re dar­auf ab­ge­stellt, der Sach­grund­be­fris­tung feh­le die er­for­der­li­che er­kenn­ba­re Wid­mung der Haus­halts­mit­tel für ei­ne be­stimm­te zeit­lich be­grenz­te Auf­ga­be. Die Aus­brin­gung der Haus­halts­mit­tel sei oh­ne aus­rei­chend kon­kre­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung er­folgt. Dem folgt das Be­ru­fungs­ge­richt. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen wird vor­ab auf die ausführ­li­chen Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ver­wie­sen.

Le­dig­lich ergänzend und auch auf den neu­en Sach­vor­trag der Par­tei­en ein­ge­hend wird Fol­gen­des aus­geführt:

1. Die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge ist be­gründet. Die Be­fris­tung ist nicht durch den Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Des­sen Vor­aus­set­zun­gen lie­gen für den hier streit­be­fan­ge­nen, für den Zeit­raum 01.04.2007 bis 31.12.2007 ge­schlos­se­nen Zeit­ver­trag nicht vor.

a) Ein sach­li­cher Grund ist nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG nur ge­ge­ben, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind, und wenn er ent­spre­chend beschäftigt wird.

Der Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG er­for­dert wie be­reits die wort­glei­che Vor­schrift des § 57b Abs. 2 Nr. 2 HRG in der bis zum 31. De­zem­ber 2004 gel­ten­den Fas­sung die Vergütung des Ar­beit­neh­mers aus Haus­halts­mit­teln, die mit ei­ner kon­kre­ten Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung ver­se­hen sind. Die Haus­halts­mit­tel müssen für ei­ne Auf­ga­be von vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein. Er­for­der­lich ist der über­wie­gen­de Ein­satz des be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ent­spre­chend der Zweck­set­zung der aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel. Da­bei sind die Umstände bei Ver­trags­schluss maßgeb­lich (BAG v.

 

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18.10.2006 – 7 AZR 419/05 – zit. nach JURIS, Rz. 11; BAG vom 707.05.2008 – 7 AZR 198/07 – zit. nach JURIS, Rz. 11).

b) Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG lie­gen nicht vor, wenn die Haus­halts­mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit ge­stellt wer­den oder dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers über­tra­gen wer­den (BAG vom 18.10.2006, a.a.O). Da für den Sach­grund des § 14 Abs.1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG nur Haus­halts­mit­tel für die „be­fris­te­te“ Beschäfti­gung von Be­deu­tung sind, muss es sich bei den in der Zweck­be­stim­mung ge­nann­ten Tätig­kei­ten um sol­che han­deln, die be­fris­tet sind, das heißt, ih­rer Art nach nicht dau­er­haft, son­dern nur vorüber­ge­hend an­fal­len (BAG a.a.O. Rz. 14). An­dern­falls würde dem Ar­beit­neh­mer jeg­li­cher Be­stands­schutz ent­zo­gen. Der Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses wäre un­abhängig von sei­ner Dau­er und dem In­halt der über­tra­ge­nen Auf­ga­ben durch den Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG stets ge­recht­fer­tigt, wenn al­lein die Aus­brin­gung von Haus­halts­mit­teln oh­ne An­ord­nung ei­ner be­son­de­ren Zweck­be­stim­mung den Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges recht­fer­ti­gen könn­te. Das wäre mit dem sich aus Art. 12 Abs. 1 GG er­ge­ben­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Un­ter­maßver­bot nicht ver­ein­bar und würde über­dies im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes zu ei­ner Ero­si­on des un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses als der vom Ge­setz­ge­ber so­zi­al­po­li­tisch erwünsch­ten Beschäfti­gungs­form führen (BAG a.a.O. Rz. 18).

c) Ei­ne im na­tio­na­len Recht durch § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG eröff­ne­te Be­fris­tungsmöglich­keit oh­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung stünde nicht im Ein­klang mit dem Ge­mein­schafts­recht, wenn sie ei­nen wie­der­hol­ten Ab­schluss von be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen für ei­ne Tätig­keit ermögli­chen würde, die nicht durch ob­jek­ti­ve Fak­to­ren, die mit den Be­son­der­hei­ten der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausführung zu­sam­menhängen, spe­zi­fisch ge­recht­fer­tigt sind (EuGH v. 4. Ju­li 2002 – C – 212/04 – EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 1 Rz. 72; BAG v. 18. Ok­to­ber 2006 – 7 AZR 419/05 – zit. nach JURIS, Rz. 21f).

 

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d) Ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Zweck­set­zung der Mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er ist bei­spiels­wei­se ge­ge­ben, wenn die Beschäfti­gung zur Ab­de­ckung ei­nes le­dig­lich vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs er­folgt. Ein der­ar­ti­ger Mehr­be­darf liegt u.a. vor, wenn die Ar­beits­men­ge so an­ge­stie­gen ist, dass sie nicht oder nicht in an­ge­mes­se­ner Zeit mit den nach dem Stel­len­plan verfügba­ren Stamm­per­so­nen er­le­digt wer­den kann. Es genügt, dass der Mehr­be­darf vor­aus­sicht­lich während der Dau­er des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags be­ste­hen wird (BAG v. 07.05.2008 – 7 AZR 198/07 – zit. nach JURIS, Rz. 17 mwN).

2. Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ist die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges des Klägers vom 26. März 2007 nicht durch den Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG als ge­recht­fer­tigt an­zu­se­hen Die Haus­halts­mit­tel 2007 sind nicht mit ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung für ei­ne nur vorüber­ge­hen­de Beschäfti­gung des Klägers im Zeit­raum 01.04.2007 bis 31.12.2007 ver­se­hen. Ein nur vorüber­ge­hen­der Beschäfti­gungs­be­darf im Be­reich SGB II war zu­dem zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses nicht er­sicht­lich.

a) Auch zweit­in­stanz­lich sei vor­lie­gend zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter Berück­sich­ti­gung ih­res Vor­brin­gens in der Be­ru­fungs­be­gründung zum Per­so­nalab­rech­nungs­sys­tem (PAS) un­ter­stellt, dass der Kläger zu Las­ten der im Haus­halts­plan 2007 im Ka­pi­tel 5 Ti­tel 425 02 aus­ge­wie­se­nen Haus­halts­mit­tel für be­fris­te­te Beschäfti­gun­gen vergütet wor­den ist. In­so­weit sei da­hin­ge­stellt, dass der Kläger die­ses als nicht nach­voll­zieh­bar mit Nicht­wis­sen be­strit­ten hat.

b) Der Kläger wur­de auch ent­spre­chend der Zweck­set­zung der be­reit­ste­hen­den Haus­halts­mit­tel beschäftigt. Der Haus­halts­plan enthält kei­ne kon­kre­te Zweck­set­zung. Es ist nur der Tätig­keits­be­reich „Auf­ga­ben nach dem SGB II“ an­ge­ge­ben. In die­sem Auf­ga­ben­be­reich hat der Kläger ge­ar­bei­tet. Er hat als be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beits­ver­mitt­ler in der AR­GE K. all­ge­mein Auf­ga­ben im SGB II-Be­reich er­le­digt. In­so­weit be­stand kei­ner­lei Un­ter­schied zwi­schen sei­nem Tätig­keits­be­reich und dem Tätig­keits­be­reich ei­nes Ar­beits­ver­mitt­lers bei der AR­GE K. im Auf­ga­ben­be­reich des SGB II mit un­be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag.

 

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c) Die haus­halts­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­hal­ten je­doch kei­ne den An­for­de­run­gen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG genügen­de Zweck­set­zung der für die be­fris­te­te Beschäfti­gung aus­ge­brach­ten Haus­halts­mit­tel. Ei­ne sol­che ist ih­nen auch nicht durch Aus­le­gung zu ent­neh­men.

Die haus­halts­recht­li­chen Vor­schrif­ten müssen, um ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung aus Haus­halts­mit­teln sach­lich recht­fer­ti­gen zu können, hin­rei­chend kon­kret die er­kenn­ba­re Wid­mung für ei­ne zeit­lich be­grenz­te Auf­ga­be ent­hal­ten, da­mit ih­nen ei­ne den An­for­de­run­gen des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG genügen­de Zweck­set­zung ent­nom­men wer­den kann. Al­lein die For­mu­lie­rung in ei­nem Haus­halts­plan, „mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wer­de die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird“, stellt kei­nen tätig­keits­be­zo­ge­nen Sach­grund im Sin­ne des § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG zur Er­le­di­gung von nur vorüber­ge­hen­den Auf­ga­ben dar.

aa) Nach der im Haus­halts­ti­tel 5/425 02 ge­nann­ten „Zweck­be­stim­mung“ wur­den die Mit­tel für „Gehälter der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ aus­ge­bracht. Kon­kre­te­re An­ga­ben wer­den – an­ders als z.B. beim Haus­halts­ti­tel 5/425 07 – un­ter der Über­schrift „Zweck­be­stim­mung“ im Haus­halts­ti­tel 5/425 02 nicht ge­macht. Es ist hier kein Hin­weis zu fin­den, wofür be­fris­te­te Verträge ge­schlos­sen wer­den dürfen, z.B. für „Aus­hilfstätig­kei­ten“ oder Ähn­li­ches.

bb) Die an­sch­ließen­den „Erläute­run­gen“ zum Haus­halts­ti­tel 5/425 02 be­sa­gen zur Zweck­set­zung nichts.

cc) Auch der Rück­griff auf die „An­la­ge 2 zum Haus­halt­plan der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für das Haus­halts­jahr 2007 – Per­so­nal­haus­halt“ gibt für ei­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­be­stim­mung im Sin­ne des Vor­lie­gens ei­ner Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er nichts her. Sie enthält „zur Ober­grup­pe 42 für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ nur An­ga­ben zu Stel­len­zah­len, zum Beschäfti­gungs­be­darf an sich, un­ter­glie­dert u.a. in Plan­stel­len, Leer­stel­len, ku- und kw-Ver­mer­ke, Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Ar­beits­verträge, Ermäch­ti­gun­gen für be­am­te­te Hilfs­kräfte etc. (An­la­gen­band, An­la­ge BB1, Sei­te 118, 126). Die­se An­la­ge weist da­her nur ei­ne Zweck­be­stim­mung

 

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„Auf­ga­ben nach dem SGB II“ auf. Das sind Auf­ga­ben, die ih­rem In­halt nach bei der Be­klag­ten dau­er­haft an­fal­len.

dd) Es bleibt für die Klärung der Zweck­be­stim­mung le­dig­lich der Rück­griff auf den „Haus­halts­ver­merk Nr. 1 zu Tit.425 05“ (An­la­gen­band, An­la­ge BB1, Sei­te 127). Dort heißt es, dass die be­reit­ge­stell­ten Mit­tel für 5000 Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) „für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen sind und mit der zeit­li­chen Be­fris­tung die Er­war­tung ver­bun­den wird, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird.

Hier­bei han­delt es sich je­doch nicht um ei­ne haus­halts­recht­lich hin­rei­chend kon­kre­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­be­stim­mung für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er. Mit die­sem Haus­halts­ver­merk wird der wie­der­hol­te Ab­schluss von be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen für ei­ne Tätig­keit ermöglicht, die nicht durch ob­jek­ti­ve Fak­to­ren spe­zi­fisch ge­recht­fer­tigt ist; durch Fak­to­ren, die mit den Be­son­der­hei­ten der be­tref­fen­den Tätig­keit und den Be­din­gun­gen ih­rer Ausführung zu­sam­menhängen. Das Vor­lie­gen sol­cher Fak­to­ren for­dert aber ge­ra­de das Ge­mein­schafts­recht (vgl. EuGH vom 04. Ju­li 2006 – C 212/04 – EzA EG-Ver­trag 1999 Richt­li­nie 99/70 Nr. 1 Rn. 72). Der Haus­halts­ver­merk enthält nur ei­ne abs­trak­te Er­war­tung, hin­ge­gen kei­ner­lei An­ga­ben zu ei­ner kon­kre­ti­sier­ten Auf­ga­be.

Dem Haus­halts­ver­merk kann nicht ent­nom­men wer­den, wel­che Tätig­keits­be­rei­che ih­rer Art nach im Be­reich SGB II nicht dau­er­haft, son­dern nur vorüber­ge­hend an­fal­len sol­len. Es ist kein An­halts­punkt vor­han­den, in wel­chem Be­reich auf­grund wel­cher Pro­gno­sen nur von ei­nem vorüber­ge­hen­den An­stieg des Be­darfs an Ar­beits­kräften für Auf­ga­ben nach dem SGB II aus­ge­gan­gen wer­den soll. Der Haus­halts­ver­merk be­zieht sich pau­schal auf die Dau­er­auf­ga­be SGB II. Dem Kläger wur­den Tätig­kei­ten be­fris­tet über­tra­gen, die ih­rer Art nach dau­er­haft an­fal­len.

Auch un­ter dem Ge­sichts­punkt der zu bewälti­gen­den Ar­beits­men­ge, ei­nes et­wai­gen vorüber­ge­hen­den An­stiegs des Ar­beits­an­falls er­gibt sich vor­lie­gend nichts An­de­res. Es fehlt schon jeg­li­che Kon­kre­ti­sie­rung ei­nes sol­chen et­wai­gen vorüber­ge­hen­den

 

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An­stiegs des Ar­beits­an­falls im Be­reich SGB II im Haus­halts­plan 2007. Es ist kei­ner­lei Zu­ord­nung möglich. We­der der Auf­ga­ben­be­reich ist kon­kre­ti­siert noch der Auslöser ei­nes et­wai­gen vorüber­ge­hen­den An­stiegs ei­nes Ar­beits­an­falls. Im Ge­gen­teil: Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­tra­ges im Frühjahr 2007 ist der Haus­halts­ge­ber an­ge­sichts der Schaf­fung von 4.000 zusätz­li­chen Plan­stel­len ne­ben den bei­be­hal­te­nen 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Verträge ge­ra­de von ei­nem beständig ho­hen Ni­veau der Ar­beits­men­ge im SGB II-Be­reich aus­ge­gan­gen. Gleich­wohl er­hielt der Kläger oh­ne wei­ter­ge­hen­de Kon­kre­ti­sie­rung zeit­gleich sei­nen drit­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für ei­ne nicht näher be­zeich­ne­te an­geb­lich zeit­lich be­grenz­te Auf­ga­be im Be­reich des SGB II.

Dass dem Haus­halts­ver­merk des Haus­halts­ge­bers 2007 mit sei­ner do­ku­men­tier­ten un­spe­zi­fi­schen Er­war­tungs­hal­tung ei­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung fehlt, er­gibt sich auch aus Fol­gen­dem: Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges mit dem Kläger im Haus­halts­jahr 2007 wa­ren nach dem ei­ge­nen Vor­brin­gen der Be­klag­ten die Ar­beits­lo­sen­zah­len in Schles­wig-Hol­stein be­reits rückläufig (Sei­te 4 der Be­ru­fungs­be­gründung v. 26. Mai 2008). Trotz po­si­ti­ver Ar­beits­markt­ent­wick­lung bei Auf­stel­lung der Haus­halts­mit­tel 2007 sind die Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Ar­beits­verträge im Ti­tel 5/425 02 der Höhe nach je­doch un­verändert ge­blie­ben. Zusätz­lich hat der Haus­halts­ge­ber für das Jahr 2007 für den Auf­ga­ben­be­reich SGB II im Ti­tel 5/425 01 noch 4.000 neue Plan­stel­len ge­schaf­fen und hierfür ständi­ge Mit­tel ein­ge­plant. Da­mit ist die Be­klag­te bei Ab­schluss des Haus­halts­pla­nes 2007 im No­vem­ber/De­zem­ber 2006 be­reits da­von aus­ge­gan­gen, dass sie nicht nur ei­nen vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darf an Ar­beits­kräften im Be­reich „Auf­ga­ben nach dem SGB II“ bis zum En­de des Jah­res 2007 ha­ben würde, son­dern in je­dem Fall ab Be­ginn des Haus­halts­jah­res 2007 ei­nen Dau­er­be­darf an zusätz­li­chen 4.000 Plan­stel­len. Der Kam­mer er­sch­ließt sich an­ge­sichts des­sen nicht, vor wel­chem Hin­ter­grund der Auf­ga­ben­be­reich des Klägers auf dem Ge­biet des SGB II nur von vorüber­ge­hen­der Dau­er ge­we­sen sein soll, der Auf­ga­ben­be­reich der po­ten­ti­el­len Ar­beits­ver­mitt­ler auf neu­en Plan­stel­len hin­ge­gen ab­grenz­bar dau­er­haft anfällt.
Der Haus­halts­ver­merk der Be­klag­ten ist da­her nicht nach­voll­zieh­bar. Er ist nicht ge­eig­net, ei­ne kon­kre­te tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung für ei­ne be­fris­te­te Aus­brin-

 

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gung von Haus­halts­mit­teln im Sin­ne des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG ab­zu­ge­ben. Er verstößt ge­gen das ver­fas­sungs­recht­li­che Un­ter­maßver­bot.

3. Es wäre, wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, not­wen­dig ge­we­sen, die haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben näher zu kon­kre­ti­sie­ren und ih­nen ei­ne kon­kre­te­re tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung zu­grun­de zu le­gen. Die Haus­halts­mit­tel für „Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ hätten ei­ne kon­kre­te­re Wid­mung er­fah­ren müssen, um das Vor­lie­gen ei­ner vorüber­ge­hen­den, zeit­lich be­grenz­ten Auf­ga­be für Beschäfti­gun­gen aus die­sem Haus­halts­ti­tel greif­bar zu ma­chen. In der vor­lie­gen­den All­ge­mein­heit „Auf­ga­ben­wahr­neh­mung nach dem SGB II“ genügen sie nicht dem ge­for­der­ten Be­stimmt­heits­ge­bot für die Recht­fer­ti­gung ei­ner Be­fris­tung durch den Sach­grund des § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG. Die letzt­ma­lig vor­ge­nom­me­ne Be­fris­tung des mit dem Kläger ein­ge­gan­ge­nen Ar­beits­verhält­nis­ses ist da­her nicht ge­recht­fer­tigt. Das hat zur Fol­ge, dass zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis über den 31.12.2007 hin­aus fort­be­steht. Aus die­sem Grun­de ist der Kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben wor­den. Die Be­ru­fung war da­her zurück­zu­wei­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 ZPO.

Die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat, wenn auch zum Haus­halts­jahr 2005, den Haus­halts­ti­tel 425 02 als hin­rei­chend be­stimmt und wirk­sa­men Be­fris­tungs­grund nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 7 Tz­B­fG an­ge­se­hen. Im Übri­gen han­delt es sich vor­lie­gend bun­des­weit nicht um ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung.

 

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