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Arbeitsrecht aktuell: 11/179 Diskriminierung wegen des Alters durch BAT-Lebensaltersstufen
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EuGH bestätigt Altersdiskriminierung durch BAT-Lebensaltersstufen. Überleitung des diskriminierenden Gehaltsgefüges vom BAT in den TVöD ist aber rechtens
EuGH, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
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14.09.2011. Tarifvertragliche Lebensaltersstufen besagen, dass man bei gleicher Arbeit und gleicher Berufserfahrung mehr Geld als andere bekommt, weil man älter ist. Lebensaltersstufen sind im Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT) vorgesehen, und sie sind nach überwiegender Einschätzung der Arbeitsgerichte und arbeitsrechtlichen Autoren eine vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbotene Diskriminierung wegen des Alters.
Nun wurde der BAT zwar vor einigen Jahren durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) abgelöst, der Lebensaltersstufen nicht mehr enthält, doch wurden die bestehenden Arbeitsverhältnisse vom BAT in den TVöD unter Wahrung des Besitzstandes übergeleitet: Wer zuletzt aufgrund der BAT-Lebensaltersstufen mehr erhielt als ein jüngerer Kollege, hat zunächst einmal ein höheres TVöD-Ausgangsgehalt als der jüngere Kollege.
Aufgrund einer Vorlage des Bundesarbeitsgerichts (BAG) hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor einigen Tagen entschieden, dass die BAT-Lebensaltersstufen wirklich eine Altersdiskriminierung jüngerer Arbeitnehmer sind. Bei der Gelegenheit hat der EuGH auch klargestellt, dass die besitzstandswahrende Überleitung des bestehenden diskriminierenden Gehaltsgefüges vom BAT in den TVöD rechtlich zulässig ist: EuGH, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai).
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin
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Aufgrund der BAT-Lebensaltersstufen erhalten Arbeitnehmer altersabhängig alle zwei Jahre mehr Lohn, bis die Endgrundvergütung erreicht ist. Diese Schlechterstellung jüngerer Arbeitnehmer verstößt recht klar gegen das AGG. Denn das AGG verbietet Diskriminierungen wegen des Alters im Erwerbsleben (§ 1, § 2 Abs.1 Nr.2; § 7 Abs.1 AGG). Allenfalls wäre eine Lohndifferenzierung nach dem Dienstalter gerechtfertigt, d.h. durch die unterschiedlich große Berufserfahrung.
Da der BAT trotz Einführung des TVöD im Oktober 2005 auf viele Arbeitsverhältnisse weiter angewandt wurde, v.a. in Berlin, haben viele jüngere Arbeitnehmer auf gleichen Lohn geklagt. Denn spätestens mit Inkrafttreten des AGG am 18.08.2006 sind Lebensaltersstufen kaum mehr zu rechtfertigen - oder vielleicht doch?
Und auch viele nach dem TVöD bezahlten Arbeitnehmer fragen nicht ohne Grund, ob die nach Überleitung ihrer Gehälter vom BAT in den TVöD fortbestehende Besserstellung älterer Arbeitnehmer rechtens ist. Können die infolge der Besitzstandsregelung schlechter bezahlten jüngeren Arbeitnehmer mehr Geld verlangen, nämlich den Lohn, den sie beziehen würden, wenn sie aus der höchsten BAT-Lebensaltersstufe in den TVöD übergeleitet worden wären?
Diese beiden Fragen hat das BAG im Mai 2010 dem EuGH zur Klärung vorgelegt (Beschluss vom 20.05.2010, 6 AZR 148/09 (A) und Beschluss vom 20.05.2010, 6 AZR 319/09 (A)), der sie nunmehr beantwortet hat (Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennigs und Mai).
In dem einen der BAG-Fälle ging es um den Geschäftsführer eines Berliner Pflegeheims, Herrn Mai, der auf Bezahlung nach der höchsten BAT-Lebensaltersstufe geklagt hatte. In dem anderen Fall ging es um eine Bauingenieurin, Frau Hennigs, die in den TVöD übergeleitet worden war, aber nicht auf Grundlage der höchsten BAT-Lebensaltersstufe. Und diese wollte sie haben.
Der EuGH entschied, dass die BAT-Lebensaltersstufen eine Altersdiskriminierung beinhalten - was nicht überrascht. Denn das Ziel, Berufserfahrung besser zu bezahlen, kann durch Berücksichtigung des Dienstalters erreicht werden. Die Fortsetzung der Besserstellung älterer Arbeitnehmer durch die Überleitung vom BAT in den TVöD ist aber, so der EuGH, rechtens, da sie nur zeitlich begrenzt ist und das Ziel verfolgt, den Tarifwechsel vom BAT zum TVöD ohne Vergütungsnachteile für die Betroffenen durchzuführen.
Fazit: Die Lebensaltersstufen des BAT sind eine verbotene Altersdiskriminierung. Wer immer noch oder bis vor kurzem nach BAT bezahlt wird bzw. wurde, sollte daher seine Ansprüche zur Wahrung von Ausschlussfristen schriftlich geltend machen und/oder eine Lohnklage erheben. Den vom BAT in den TVöD übergeleiteten Angestellten des öffentlichen Dienstes hilft das aktuelle EuGH-Urteil dagegen nicht.
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Letzte Überarbeitung: 2. März 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
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Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
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Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
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Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
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München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
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Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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