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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/077

Per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung bei lan­ger Haft­stra­fe

Per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung: Bei mehr als zwei Jah­ren Haft in der Re­gel zu­läs­sig: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.03.2011, 2 AZR 790/09
JVA Mit dem Haft­be­fehl die Kün­di­gung?
19.04.2011. Fällt ein Ar­beits­ver­hält­nis un­ter das Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG), kann es nur ge­kün­digt wer­den, wenn be­triebs­be­ding­te, ver­hal­tens­be­ding­te oder per­so­nen­be­ding­te Grün­de da­für vor­lie­gen (§ 1 Abs. 2 KSchG). Vor­aus­set­zung für ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung ist, dass der Ar­beit­neh­mer we­gen sei­ner in­di­vi­du­el­len Ei­gen­schaf­ten und Fä­hig­kei­ten sei­ne Ar­beits­leis­tung nicht (mehr) er­brin­gen kann. Der prak­tisch häu­figs­te Fall ist da­bei ei­ne Kün­di­gung we­gen Krank­heit.

Ein per­so­nen­be­ding­ter Kün­di­gungs­grund kann auch ei­ne lan­ge Haft­stra­fe sein, selbst wenn die Straf­tat an sich kei­nen Be­zug zum Ar­beits­ver­hält­nis hat. Das gilt aber nur, wenn es dem Ar­beit­ge­ber un­zu­mut­bar ist, auf den Ar­beit­neh­mer all­zu lan­ge zu war­ten. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat­te vor kur­zem zu klä­ren, wie lan­ge sich der Ar­beit­ge­ber ge­dul­den muss, bis er den Ar­beits­platz des Ar­beit­neh­mers neu be­set­zen kann (Ur­teil vom 24.03.2011, 2 AZR 790/09).

Im Streit­fall war ein Me­cha­ni­ker zu vier Jah­ren im ge­schlos­se­nen Voll­zug ver­ur­teilt wor­den. Er er­hielt des­halb ei­ne per­so­nen­be­ding­te Kün­di­gung und wehr­te sich mit ei­ner Kün­di­gungs­schutz­kla­ge. Die­se hat­te vor dem Ar­beits­ge­richt Braun­schweig kei­nen Er­folg, da­für aber vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen (Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 27.05.2009, 2 Sa 1261/08). Das BAG hielt die Kün­di­gung wie­der­um für wirk­sam. Mehr als zwei Jah­re War­te­zeit sind bei Haft­stra­fen nicht zu­mut­bar, so das Ge­richt.

Fa­zit: Wer au­ßer­halb sei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses ei­ne Straf­tat be­geht und des­halb ei­ne Frei­heits­stra­fe ver­büßt, ist selbst da­für ver­ant­wort­lich, dass er nicht ar­bei­ten kann. Der Ar­beit­ge­ber muss zwar an ei­nem Frei­gän­ger­sta­tus mit­wir­ken und ei­ne nicht all­zu lan­ge War­te­zeit über­brü­cken. Ist das Haf­ten­de oder der Frei­gang in wei­ter Fer­ne, muss der Ar­beit­ge­ber die Zeit aber nicht mit "ab­sit­zen". Bei ei­ner Ver­ur­tei­lung zu mehr als zwei Jah­ren kann der Ar­beits­platz in der Re­gel neu be­setzt wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­grün­de schrift­lich ab­ge­fasst und ver­öf­fent­licht. Die Ent­schei­dungs­grün­de im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Juli 2016

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Nina Wesemann
Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht

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