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BAG, Ur­teil vom 13.05.1982, 6 AZR 360/80

   
Schlagworte: Urlaub: Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit: Urlaub
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 6 AZR 360/80
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 13.05.1982
   
Leitsätze: 1. Der Anspruch eines Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber auf Gewährung von Erholungsurlaub besteht nach dem Bundesurlaubsgesetz nur jeweils während des Urlaubsjahrs sowie bei Vorliegen der Merkmale nach BUrlG § 7 Abs 3 S 2 bis zum Ende des Übertragungszeitraums am 31. März des folgenden Jahres.

2. Daran ändert sich nichts, wenn ein Arbeitnehmer infolge lang dauernder Arbeitsunfähigkeit gehindert war, den Urlaub vor Ablauf des Urlaubsjahres bzw des Übertragungszeitraums zu nehmen. Auch dann ist der Urlaubsanspruch in seinem Bestand auf die genannten Zeiträume beschränkt (Abweichung von BAG 1969-11-13 5 AZR 82/69 = BAGE 22, 211 ff = AP Nr 2 zu § 7 BUrlG Übertragung).

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Rheine, Urteil vom 14.09.1979, 2 Ca 577/79
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 9.05.1980, 11 Sa 1502/79
   

6 AZR 360/80
11 Sa 1502/79 Hamm

Verkündet am

13. Mai 1982

Haust,
Reg. Ober­se­kretärin
als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le 

Im Na­men des Vol­kes!

Ur­teil

 

In Sa­chen


PP.

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 13. Mai 1982 durch den Vi­ze­präsi­den­ten Prof. Dr. Auf­farth, die Rich­ter Dr. Jobs und Dr. Lei­ne­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Mi­chels und Dr. Hoff­mann für Recht er­kannt:

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 9. Mai 1980 - 11 Sa 1502/79 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Rhei­ne vom 14. Sep­tem­ber 1979 - 2 Ca 577/79 - un­ter Zurück­wei­sung der An­schlußbe­ru­fung des Klägers ab­geändert, so­weit es der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat.

3. Die Kla­ge wird auch im übri­gen ab­ge­wie­sen.

4. Der Kläger hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!


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Tat­be­stand:


Der Kläger war bei der Be­klag­ten seit dem Jah­re 1973 als Spin­ne­rei­ar­bei­ter beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis sind kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung die ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen für die Ar­bei­ter der Tex­til­in­dus­trie West­fa­lens und des Re­gie­rungs­be­zirks Os­nabrück an­zu­wen­den. Nach § 2 des Ur­laubs­ab­kom­mens für Ar­bei­ter und An­ge­stell­te i.d.F. vom 21. Mai 1977 (UA) steht dem Kläger ein Ur­laubs­an­spruch von 26 Ta­gen zu. § 4 UA ver­weist im übri­gen auf die Be­stim­mun­gen des Bun­des­ur­laubs­ge­set­zes.

Die Be­klag­te hat­te dem Kläger im Jah­re 1977 sechs Ta­ge Ur­laub gewährt und auch das ta­rif­li­che Ur­laubs­geld ge­zahlt. Am 8. Ju­li 1977 er­litt der Kläger während ei­ner Ur­laubs­fahrt in sein Hei­mat­land ei­nen Ver­kehrs­un­fall, in­fol­ge des­sen er bis ein­sch­ließlich 7. Ja­nu­ar 1979 un­un­ter­bro­chen ar­beits­unfähig krank war. Sei­ne Tätig­keit im Be­trieb der Be­klag­ten nahm der Kläger am 8. Ja­nu­ar 1979 wie­der auf.

Nach­dem der Kläger die Be­klag­te am 23. Ja­nu­ar 1979 schrift­lich oh­ne Er­folg ge­be­ten hat­te, ihm Rest­ur­laub für das Jahr 1977 zu gewähren, hat der Kläger am 19. Ju­ni 1979 des­we­gen Kla­ge er­ho­ben und die Gewährung ei­nes Rest­ur­laubs von 20 Ta­gen be­gehrt. Die­sen Ur­laub ha­be er be­reits in den Mo­na­ten Ok­to­ber, No­vem­ber und De­zem­ber 1977 gel­tend ge­macht.

Der Kläger hat be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm im Ka­len­der­jahr 1979 zusätz­lich 20 Ta­ge Ur­laub zu gewähren und dafür ein Ur­laubs­ent­gelt in Höhe von 1.643,40 DM brut­to zu zah­len, hilfs­wei­se an den Kläger zur Ab­gel­tung von 20 Ta­gen Ur­laub im Jah­re 1977 1.643,40 DM brut­to zu zah­len. Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.


Das Ar­beits­ge­richt hat auf den Hilfs­an­trag die Be­klag­te zur Zah­lung von Ur­laubs­ab­gel­tung ver­ur­teilt. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten blieb er­folg­los. Auf die An­schlußbe­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt das Ur­teil des Ar­beits­ge-
 


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richts ab­geändert und dem geänder­ten nun­mehr auf Fest­stel­lung ge­rich­te­ten Haupt­an­trag des Klägers statt­ge­ge­ben. Es hat an­ge­nom­men, der Ur­laubs­an­spruch des Klägers sei auf das Jahr 1979 über­ge­gan­gen.


Mit der zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Pro­zeßziel ers­ter In­stanz wei­ter. Der Kläger bit­tet, die Re­vi­si­on zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die Re­vi­si­on ist be­gründet.

I. Dem Kläger steht der von ihm gel­tend ge­mach­te Ur­laubs­an­spruch aus dem Jah­re 1977 nicht mehr zu.

Nach § 2 UA hat­te der Kläger im Ur­laubs­jahr 1977 ei­nen Ur­laubs­an­spruch von 26 Ur­laubs­ta­gen. Da die­ser Ur­laubs­an­spruch zur Zeit des Ver­kehrs­un­falls des Klägers erst teil­wei­se erfüllt war, konn­te der Kläger im Ur­laubs­jahr 1977 noch 20 Ur­laubs­ta­ge be­an­spru­chen. Die­ser An­spruch ist je­doch mit Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums (§ 4 UA i.V. mit § 7 Abs. 3 S. 3 BUr1G) ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­lo­schen, so daß die Kla­ge ins­ge­samt kei­nen Er­folg ha­ben konn­te. Ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung, daß der Ur­laubs­an­spruch über den in 7 Abs. 3 BUr1G ge­nann­ten Über­tra­gungs­zeit­raum hin­aus er­hal­ten bleibt, enthält das ta­rif­li­che Ur­laubs­ab­kom­men nicht.

II.1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, daß we­gen der lang dau­ern­den Krank­heit des Klägers des­sen Ur­laubs­an­spruch auf das Jahr 1979 über­ge­gan­gen sei.


2. Die­ser Auf­fas­sung, mit der das Lan­des­ar­beits­ge­richt an die Ent­schei­dung des Fünf­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 13. No­vem­ber 1969 (- 5 AZR 82/69 BAG 22, 211 = AP Nr. 2 zu § 7 BUr1G Über­tra­gung) an­knüpft, kann nicht ge­folgt wer­den. Der nun­mehr für die Ent­schei­dung von Ur­laubs­rechts­fra­gen zuständi­ge er­ken­nen­de Se­nat hält in Ab­wei­chung vom bis­her zuständi­gen Fünf­ten Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht dar­an fest,


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daß nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz ent­stan­de­ne Ur­laubs­ansprüche, die we­gen Krank­heit ei­nes Ar­beit­neh­mers nicht gewährt und nicht ge­nom­men wer­den können, auf das gan­ze nach­fol­gen­de Ur­laubs­jahr über­ge­hen. Da­mit schei­det auch ein Über­gang auf ein wei­te­res (übernächs­tes) Ur­laubs­jahr aus.


3. Der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts (aa0) hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Über­tra­gungs­re­ge­lung nach § 7 Abs. 3 BUr1G ha­be nicht den Fall im Au­ge, daß die Ver­wirk­li­chung des Ur­laubs im Ka­len­der­jahr und im Über­tra­gungs­zeit­raum we­gen der be­ste­hen­den Krank­heit, al­so aus nicht zu be­he­ben­den Gründen, unmöglich­ge­we­sen ist. Hier voll­zie­he sich nicht i.S. des § 7 Abs. 3 BUr1G ei­ne Über­tra­gung des Ur­laubs auf das ers­te Vier­tel­jahr des Nach­jah­res, son­dern kraft der ge­ge­be­nen Umstände un­ver­meid­bar und au­to­ma­tisch der Über­gang des Ur­laubs auf ei­nen späte­ren Zeit­raum (vgl. eben­so im Grund­satz BAG vom 21. Ju­li 1973 ® 5 AZR 105/73 AP Nr. 3 zu § 7 BUr1G Über­tra­gung: "in­fol­ge Ar­beits­unfähig­keit er­zwun­ge­ner Über­gang des Ur­laubs auf das nächs­te Ka­len­der­jahr"). Of­fen­ge­las­sen ist in die­ser Ent­schei­dung, auf wel­chen Zeit­raum die­ser Über­gang des Ur­laubs be­schränkt ist, ins­be­son­de­re ob das En­de des nach­fol­gen­den Jah­res ei­ne unüber­wind­ba­re zeit­li­che Schran­ke bil­det.


4.a) Der er­ken­nen­de Se­nat geht auch von der vom Fünf­ten Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu­grun­de ge­leg­ten Auf­fas­sung zum Bun­des­ur­laubs­ge­setz aus, daß der Ur­laubs­an­spruch nur im Ur­laubs­jahr und ggf. bei Vor­lie­gen der be­son­de­ren in § 7 Abs. 3 BUr1G ge­nann­ten Merk­ma­le darüber hin­aus noch im Über­tra­gungs­zeit­raum be­steht, da­nach aber er­lischt (BAG vom 26. Ju­ni 1969 - 5 AZR 393/68 AP Nr. 1 zu § 7 BUr1G Ur­laubs­jahr). Dies ent­spricht der ge­setz­li­chen Re­ge­lung in § 1 und § 7 Abs. 3 BUr1G: Da­nach hat je­der Ar­beit­neh­mer in je­dem Ka­len­der­jahr An­spruch auf be­zahl­ten Er­ho­lungs­ur­laub (§ 1 BUr1G). Nach § 7 Abs. 3 BUr1G muß der Ur­laubs im lau­fen­den Ka­len­der­jahr gewährt und ge­nom­men wer­den. Der Ur­laubs­an­spruch be­steht im Ur­laubs­jahr, nicht für das Ur­laubs­jahr.

Das Ent­ste­hen des Ur­laus­an­spruchs nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz ist, wie der er­ken­nen­de Se­nat be­reits in sei­nem Ur­teil

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vom 28. Ja­nu­ar 1982 (- 6 AZR 571/79 - zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen) dar­ge­legt hat, ab­ge­se­hen vom Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses nur an die Erfüllung der War­te­zeit nach § 4 BUr1G ge­knüpft und in sei­nem Be­stand an das Ur­laubs­jahr bzw. wei­ter den Über­tra­gungs­zeit­raum ge­bun­den. Es be­steht kei­ne Ver­an­las­sung und kein An­halts­punkt im Ge­setz, hier­von ab­zu­ge­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer als Gläubi­ger des Frei­stel­lungs­an­spruchs durch Krank­heit ge­hin­dert ist, den Ur­laubs­an­spruch zu ver­wirk­li­chen.

b) Die Unmöglich­keit der Ur­laubs­ver­wirk­li­chung we­gen Krank­heit ist im Ge­setz nicht über­g­an­gen wor­den, son­dern in § 7 Abs. 3 BUrlG mit­ge­re­gelt: Die Vor­schrift über die Über­tra­gung des Ur­laubs nach § 7 Abs. 3 Satz 2 BUrlG greift nur ein, wenn im Ur­laubs­jahr drin­gen­de be­trieb­li­che oder in der Per­son des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Gründe dies recht­fer­ti­gen. Durch die­se Be­stim­mung wird da­mit die Be­fug­nis, Ur­laub zu neh­men, auf ei­nen wei­te­ren Zeit­raum von drei Mo­na­ten bis zum 31. März des fol­gen­den Jah­res er­streckt. Für die­sen Zeit­ab­schnitt ist im Ge­gen­satz zur Re­ge­lung über das Ur­laubs­jahr nicht die Möglich­keit vor­ge­se­hen, den An­spruch auf Ur­laub wei­ter zu er­hal­ten, wenn der Ar­beit­neh­mer we­gen Krank­heit den Ur­laub nicht an­tre­ten kann. Ent­spre­chend hat nun­mehr an­ders als während des Ur­laubs­jah­res auch der Ar­beit­ge­ber kein Recht ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer, die Gewährung von Ur­laub aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen zu ver­wei­gern. Der Ur­laub muß viel­mehr - ist er ein­mal auf den Über­tra­gungs­zeit­raum über­ge­gan­gen - gewährt und ge­nom­men wer­den, oder er er­lischt mit Ab­lauf die­ses Zeit­raums je­den­falls dann, wenn wie hier die Be­klag­te als Schuld­ner der Pflicht zur Ur­laubser­tei­lung die Unmöglich­keit der Ur­laubs­gewährung nicht zu ver­tre­ten hat. Der Kläger hat den Un­fall im Straßen­ver­kehr er­lit­ten; ein Ver­schul­den der Be­klag­ten an der da­durch be­ding­ten Ar­beits­unfähig­keit des Klägers ist aus­ge­schlos­sen. Da­mit ist für ei­nen "un­ver­meid­ba­ren Über­gang des Ur­laubs­an­spruchs" auf ei­nen späte­ren Zeit­ab­schnitt kein Raum.


Da nach der ge­setz­li­chen Re­ge­lung im Bun­des­ur­laubs­ge­setz der Ur­laubs­an­spruch von vorn­her­ein als auf das Ur­laubs­jahr

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be­fris­tet ent­steht, die Be­fris­tung sich nur aus­nahms­wei­se auf die ers­ten drei Mo­na­te des fol­gen­den Jah­res er­streckt, be­durf­te es auch kei­ner Vor­schrift über den Ver­fall des Ur­laubs (a.A. Dersch/Neu­mann, BUr1G 6. Aufl. § 7 Rz 93 m.w.N. über den Mei­nungs­stand).

c) Auch aus § 9 BUr1G kann ein an­de­res Er­geb­nis nicht her­ge­lei­tet wer­den. Nach die­ser Vor­schrift sind nach­ge­wie­se­ne Zei­ten der Ar­beits­unfähig­keit nicht auf den Jah­res­ur­laub an­zu­rech­nen. Da­mit trägt das Bun­des­ur­laubs­ge­setz ein­mal der Tat­sa­che Rech­nung, daß ei­ne dop­pel­te Frei­stel­lung von der Ar­beits­pflicht so­wohl we­gen Krank­heit als auch we­gen Ur­laubs­gewährung nicht möglich ist (vgl. das Se­nats­ur­teil vom 28. Ja­nu­ar 1982 aa0). Wei­ter­hin be­steht der In­halt der Re­ge­lung dar­in, für die­se Zei­ten die Wir­kun­gen der zeit­wei­sen Unmöglich­keit der Ur­laubser­tei­lung ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer aus­zu­sch­ließen. Ei­ne zeit­li­che Aus­deh­nung des Ur­laubs­an­spruchs über den Über­tra­gungs­zeit­raum hin­aus kann der Be­stim­mung, aber nicht ent­nom­men wer­den.

d) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung von Neu­mann (Dersch/Neu­mann, aa0 § 7 Rz 95) ist dies auch nicht et­wa un­ter Hin­weis auf § 4 Arb­Plat­zSchutzG und § 55 SeemG zu recht­fer­ti­gen. Ab­ge­se­hen da­von, daß die ge­nann­ten Re­ge­lun­gen kei­ne Be­stim­mun­gen über die Über­tra­gung von Ur­laub we­gen Krank­heit ent­hal­ten, kann aus die­sen Vor­schrif­ten für den Ur­laub nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz nichts her­ge­lei­tet wer­den, weil sie als Son­der­be­stim­mun­gen für ei­ne be­stimm­te Be­rufs­grup­pe oder für die Su­s­pen­die­rung der Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis we­gen der Ab­leis­tung des Wehr­diens­tes nicht auf Sach­ver­hal­te über­trag­bar sind, die den in die­sen Vor­schrif­ten ent­hal­te­nen Merk­ma­len nicht ent­spre­chen.


e) Sch­ließlich ist auch der Um­stand, daß der Kläger vor sei­ner Ar­beits­unfähig­keit we­gen des am 8. Ju­li 1977 er­lit­te­nen Un­falls Ar­beits­leis­tun­gen für die Be­klag­te er­bracht hat, nicht ge­eig­net, den Ur­laubs­an­spruch für ei­nen Zeit­ab­schnitt nach dem Über­tra­gungs­zeit­raum auf­recht­zu­er­hal­ten. Der Ur­laubs­an­spruch
 


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nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz knüpft we­der an die Fürsor­ge­pflicht des Ar­beit­ge­bers an, noch an ein (abs­trak­tes oder in­di­vi­du­el­les) Er­ho­lungs­bedürf­nis des Ar­beit­neh­mers, auch nicht dar­an, daß der Ur­laub et­wa durch Ar­beits­leis­tun­gen des Ar­beit­neh­mers im Ur­laubs­jahr ver­dient ist, son­dern setzt als ge­setz­lich be­ding­ter Frei­stel­lungs­an­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis le­dig­lich die in § 1 und § 4 BUr1G ge­nann­ten Merk­ma­le vor­aus. Da­mit kann we­der die Tat­sa­che, daß der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ge­rin­ge Ar­beits­leis­tun­gen er­bracht hat, den Ur­laubs­an­spruch aus­sch­ließen (vgl. Se­nats­ur­teil vom 28. Ja­nu­ar 1982 aaO), noch ist um­ge­kehrt der Um­stand, daß der Ar­beit­neh­mer im Ur­laubs­jahr ge­ar­bei­tet hat, ge­eig­net, ihm den Ur­laubs­an­spruch über den Über­tra­gungs­zeit­raum hin­aus zu er­hal­ten, wenn er die­sen Ur­laub we­gen Krank­heit, al­so aus vom Ar­beit­ge­ber nicht zu ver­tre­ten­den Gründen, nicht hat neh­men können. Wie zu ent­schei­den ist, wenn der Ar­beit­ge­ber die Nicht­gewährung des Ur­laubs während des Ur­laubs­jah­res oder des Über­tra­gungs­zeit­raums zu ver­tre­ten hat, et­wa weil die­ser die Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers ver­schul­det oder den Ur­laub nicht er­teilt hat, ob­wohl der Ar­beit­neh­mer von der Ar­beits­pflicht hätte frei­ge­stellt wer­den können und dies vom Ar­beit­ge­ber be­gehrt hat, ist nicht Ge­gen­stand die­ses Rechts­streits, eben­so nicht, in wel­chem Um­fang Ur­laubs­ansprüche durch ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen auf nach­fol­gen­de Jah­re über­trag­bar sind.

Der Se­nat hat bei der Ent­schei­dung berück­sich­tigt, daß die vom Bun­des­ur­laubs­ge­setz ge­ge­be­nen Vor­aus­set­zun­gen für die Re­ge­lung des Ur­laubs nur ei­nen Min­dest­rah­men um­fas­sen. Die­sen zu er­wei­tern und ggf. an­de­re Über­tra­gungsmöglich­kei­ten vor­zu­se­hen ist Auf­ga­be der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (§ 13 Abs. 1 BUr1G, vgl. da­zu BAG aa0 AP Nr. 3 zu § 7 BUr1G Über­tra­gung).

5. War da­mit der Ur­laubs­an­spruch des Klägers für das Ur­laubs­jahr 1977 je­den­falls mit Ab­lauf des Über­tra­gungs­zeit­raums am 31. März 1978 er­lo­schen, kommt es auf das Vor­brin­gen des Klägers nicht an, er ha­be be­reits im Ok­to­ber, No­vem­ber und De­zem­ber 1977 sei­nen Ur­laubs­an­spruch gel­tend ge­macht, da die Erfüllung des Ur­laubs­an­spruchs bis zu des­sen Erlöschen

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nicht möglich war. Be­reits aus die­sem Grun­de mußte auch die hilfs­wei­se ge­for­der­te Ab­gel­tung schei­tern.


Dr. Auf­farth 

Dr. Jobs 

Dr. Lei­ne­mann

Dr. Hoff­mann 

Dr. Mi­chels

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