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BAG, Ur­teil vom 15.04.2015, 4 AZR 587/13

   
Schlagworte: Tarifvertrag: Günstigkeitsprinzip, Günstigkeitsprinzip
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 4 AZR 587/13
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 15.04.2015
   
Leitsätze:

1. Eine Kollision zwischen den kraft beiderseitiger Tarifgebundenheit für das Arbeitsverhältnis normativ geltenden und den aufgrund arbeitsvertraglicher Bezugnahme anwendbaren Tarifvorschriften ist nach dem Günstigkeitsprinzip (§ 4 Abs. 3 TVG) zu lösen. Danach hat ein Vergleich der in einem inneren sachlichen Zusammenhang stehenden Teilkomplexe der unterschiedlichen Regelungen zu erfolgen (sog. Sachgruppenvergleich).


2. Die Dauer der vom Arbeitnehmer zu erbringenden Arbeitsleistung und das ihm dafür zustehende Arbeitsentgelt bilden bei der Durchführung des Günstigkeitsvergleichs grundsätzlich eine einheitliche Sachgruppe, da beide Hauptleistungspflichten in einem engen, inneren sachlichen Zusammenhang stehen.


3. Ist nicht zweifelsfrei feststellbar, dass die einzelvertragliche Regelung für den Arbeitnehmer günstiger ist, bleibt es bei der zwingenden, normativen Geltung des Tarifvertrags.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 27.8.2012 - 18 Ca 4067/12
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 12.4.2013 - 6 Sa 2000/12
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


4 AZR 587/13
6 Sa 2000/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

15. April 2015

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger, Re­vi­si­onskläger und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te, Re­vi­si­ons­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

hat der Vier­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. April 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Tre­ber und die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Rinck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Han­nig und Dr. Krie­gel­stei­ner für Recht er­kannt:
 

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1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 12. April 2013 - 6 Sa 2000/12 - hin­sicht­lich der Ziff. 3. und Ziff. 4. auf­ge­ho­ben.

2. Im Um­fang der Auf­he­bung wird die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen.

3. Die wei­ter­ge­hen­de Re­vi­si­on der Be­klag­ten so­wie die Re­vi­si­on des Klägers wer­den zurück­ge­wie­sen.

4. Von den Kos­ten des Rechts­streits ha­ben der Kläger 2/3, die Be­klag­te 1/3 zu zah­len.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge der D T AG auf ihr Ar­beits­verhält­nis, den Um­fang der vom Kläger zu leis­ten­den Wo­chen­ar­beits­zeit so­wie wei­ter­ge­hen­de Vergütungs­ansprüche.


Der Kläger, Mit­glied der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di), und Be­triebs­rats­mit­glied, ist seit 1986 bei der Be­klag­ten und ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen in Voll­zeit beschäftigt. Im noch mit der D B ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag vom 1. Fe­bru­ar 1991 heißt es ua.:

„Für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten die für das in Art. 3 des Ei­ni­gungs­ver­tra­ges ge­nann­te Ge­biet ver­ein­bar­ten Be­stim­mun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges für die An­ge­stell­ten/Ar­bei­ter der D B T (TV Ang. (Ost) bzw. TV Arb (Ost)) und der sons­ti­gen für das ge­nann­te Ge­biet ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge der D B T in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung als un­mit­tel­bar zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en ver­ein­bart.“

Zum 1. Ja­nu­ar 1995 wur­de das Ar­beits­verhält­nis des Klägers im Zu­ge der Post­re­form und der Pri­va­ti­sie­rung der T auf die D T AG (im Fol­gen­den: DT AG) über­ge­lei­tet. In der Fol­ge­zeit wur­den auf das Ar­beits­verhält­nis die je­wei­li-gen Ta­rif­verträge der D B und später die der DT AG, ins­be­son­de­re der Man­tel-

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ta­rif­ver­trag (MTV DTAG), der Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag (ERTV DTAG) und die Ent­gelt­ta­rif­verträge (ETV DTAG) an­ge­wandt. Da­nach be­trug die ta­rif­ver­trag­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit für Voll­zeit­beschäftig­te 34 St­un­den. Auf der Grund­la­ge der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen der DT AG be­lief sich das Ent­gelt des Klägers im Jahr 2007 auf 40.911,80 Eu­ro brut­to. Am 25. Ju­ni 2007 ging sein Ar­beits­verhält­nis im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te über.


Eben­falls am 25. Ju­ni 2007 schloss die Be­klag­te mit der Ge­werk­schaft ver.di ua. ei­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag (MTV DT­TS), ei­nen Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag (ERTV DT­TS) und ei­nen Ent­gelt­ta­rif­ver­trag (ETV DT­TS 2007). Die­se Haus­ta­rif­verträge ent­hal­ten ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Ar­beits­zei­ten so­wie der Zu­sam­men­set­zung und Höhe der Vergütung Ab­wei­chun­gen von den bei der DT AG gel­ten­den Ta­rif­verträgen. Der ETV DT­TS wur­de seit­her mehr­fach geändert. Im Jahr 2011 be­lief sich das Jah­res­ziel­ent­gelt des Klägers bei ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 38 St­un­den auf 43.753,00 Eu­ro, das tatsächlich er­ziel­te Jah­res­ent­gelt auf 43.658,98 Eu­ro brut­to. In den Jah­ren 2012 und 2013 be­trug das Jah­res­ziel­ent­gelt des Klägers 44.760,00 Eu­ro und 45.700,00 Eu­ro.


Mit Schrei­ben vom 13. No­vem­ber 2011 for­der­te der Kläger die Be­klag­te un­ter Be­zug­nah­me auf meh­re­re Ur­tei­le des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 6. Ju­li 2011 auf, für sein Ar­beits­verhält­nis wie­der die Ta­rif­verträge der DT AG an­zu­wen­den, so­weit die­se güns­ti­ger sei­en als die ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen der Be­klag­ten. Ins­be­son­de­re for­der­te er, ihn wie­der mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 34 St­un­den zu beschäfti­gen und die sich für die letz­ten sechs Mo­na­te er­ge­ben­de Ar­beits­zeit­dif­fe­renz sei­nem Ar­beits­zeit­kon­to gut­zu­schrei­ben. Mit Schrei­ben vom 12. Ja­nu­ar 2012 wies die Be­klag­te die For­de­run­gen zurück.


Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger sein Be­geh­ren wei­ter­ver­folgt und gel­tend ge­macht, die Ta­rif­verträge der DT AG sei­en - so­weit sie güns­ti­ger sei­en - auf sein Ar­beits­verhält­nis wei­ter an­zu­wen­den. Als Voll­zeit­beschäftig­ter sei er im Hin­blick auf den zwi­schen den bei­den Man­tel­ta­rif­verträgen vor­zu­neh­men­den Güns­tig­keits­ver­gleich le­dig­lich mit der im MTV DT AG vor­ge­se­he­nen re­gelmäßigen Wo­chen­ar­beits­zeit von 34 St­un­den zu beschäfti­gen. Die Be­klag­te ha­be


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die von ihm in der Zeit vom 16. Mai bis 31. De­zem­ber 2011 darüber hin­aus ge­leis­te­ten St­un­den zu vergüten. In­so­weit hat er zu­letzt 3,5 St­un­den wöchent­lich bei ei­nem St­un­den­satz von 23,06 Eu­ro brut­to zuzüglich ei­nes Mehr­ar­beits­zu­schlags von 25 vH gel­tend ge­macht.


Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on noch von Be­lang - zu­letzt be­an­tragt,


1. fest­zu­stel­len, dass auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en die Be­stim­mun­gen der Ta­rif­verträge der D T AG mit Ta­rif­stand 24. Ju­ni 2007 kraft ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me An­wen­dung fin­den, so­weit sie güns­ti­ger sind als die ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen der Be­klag­ten,

2. fest­zu­stel­len, dass sei­ne re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit gem. § 11 Abs. 1 MTV der D T AG (Ta­rif-stand 24. Ju­ni 2007) 34 St­un­den beträgt,

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn für die Zeit vom 16. Mai 2011 bis 31. De­zem­ber 2011 ei­nen wei­te­ren Be­trag in Höhe von 3.329,29 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2012 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger könne sich nicht auf die für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en sta­tisch fort­wir­ken­den Ta­rif­verträge der DT AG stützen. Durch die wi­der­spruchs­lo­se Wei­ter­ar­beit über mehr als vier Jah­re ha­be er die prak­ti­zier­te Ver­tragsände­rung in die An­wend­bar­keit der Haus­ta­rif­verträge ak­zep­tiert. Er ha­be sein Recht ver­wirkt, sich auf die An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge der DT AG zu be­ru­fen. Die­se Ta­rif­verträge mit dem Stand des 24. Ju­ni 2007 sei­en auch nicht güns­ti­ger als die zwi­schen den Par­tei­en nor­ma­tiv gel­ten­den Haus­ta­rif­verträge der Be­klag­ten.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ins­ge­samt ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat dem An­trag zu 1. und 2. (im Te­nor un­ter 2. und 3.) vollständig so­wie dem An­trag zu 3. (im Te­nor un­ter 4.) iHv. 582,11 Eu­ro brut­to statt­ge­ge­ben. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit sei­ner


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vom Lan­des­ar­beits­ge­richt für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Zah­lungs­be­geh­ren in Höhe von 2.747,18 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen wei­ter. Die Be­klag­te be­gehrt mit ih­rer Re­vi­si­on wei­ter­hin die Kla­ge­ab­wei­sung in vol­lem Um­fang.


Ent­schei­dungs­gründe

Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten war das an­ge­foch­te­ne Ur­teil teil­wei­se auf­zu­he­ben. So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Be­ru­fung des Klägers hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­trags zu 2. und des Zah­lungs­an­trags iHv. 582,11 Eu­ro brut­to statt­ge­ge­ben hat, war die Ent­schei­dung auf­zu­he­ben und die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen. Im Übri­gen wa­ren die Re­vi­si­on der Be­klag­ten eben­so wie die Re­vi­si­on des Klägers, mit der er wei­te­re Zah­lun­gen für Mehr­ar­beit ge­for­dert hat, zurück­zu­wei­sen.


A. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet, so­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1. statt­ge­ge­ben hat. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den zulässi­gen Fest­stel­lungs­an­trag zu Recht als be­gründet an­ge­se­hen.

I. Der Kla­ge­an­trag zu 1. ist zulässig. 


1. Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Dem steht der Zu­satz „so­weit sie güns­ti­ger sind als die ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen der Be­klag­ten“ nicht ent­ge­gen. Der Kläger ver­folgt mit sei­nem Fest­stel­lungs­an­trag das Ziel, ei­ne rechts­kräfti­ge Grund­la­ge für die Vor­nah­me ei­nes Güns­tig­keits­ver­gleichs zu er­lan­gen. Da­mit han­delt es sich bei dem Zu­satz nicht um ei­nen ein­schränken­den - mögli­cher­wei­se nicht hin­rei­chend be­stimm­ten - Teil ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags, son­dern le­dig­lich um ein - als An­trags­be­stand­teil recht­lich nicht er­for­der­li­ches (vgl. BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 494/09 - Rn. 19) - Be­gründungs­ele­ment.


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2. Für den An­trag be­steht auch das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se.

a) Nach § 256 Abs. 1 ZPO kann Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens oder Nicht­be­ste­hens ei­nes Rechts­verhält­nis­ses er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an hat, dass das Rechts­verhält­nis durch rich­ter­li­che Ent­schei­dung als­bald fest­ge­stellt wird. Die­ses be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se muss als Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung in je­der La­ge des Ver­fah­rens, auch noch in der Re­vi­si­ons­in­stanz, ge­ge­ben sein. Sein Vor­lie­gen ist von Amts we­gen zu prüfen (st. Rspr., et­wa BAG 27. Au­gust 2014 - 4 AZR 518/12 - Rn. 15; 17. Ok­to­ber 2007 - 4 AZR 1005/06 - Rn. 14, BA­GE 124, 240). Da­bei kann sich die Fest­stel­lungs­kla­ge auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken (sog. Ele­men­ten­fest­stel­lungs­kla­ge). Auch die An­wend­bar­keit ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­ver­trags oder Ta­rif­werks auf ein Ar­beits­verhält­nis kann Ge­gen­stand ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge sein (st. Rspr., s. nur BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - Rn. 11 mwN, BA­GE 128, 165).

b) Durch ei­ne Ent­schei­dung über die be­gehr­te Fest­stel­lung wird je­den­falls die zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Fra­ge ab­sch­ließend geklärt, ob die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen der DT AG auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me über­haupt her­an­zu­zie­hen sind. Dies recht­fer­tigt die An­nah­me ei­nes recht­li­chen In­ter­es­ses selbst dann, wenn es nach­fol­gend doch noch zu wei­te­ren Rechts­strei­tig­kei­ten darüber kom­men soll­te, ob sich ein­zel­ne Rech­te und Pflich­ten aus den Ta­rif­verträgen der DT AG als güns­ti­ge­re ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lung im Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch­set­zen oder ob sie durch die fir­men­ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ver­drängt wer­den (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2014 - 4 AZR 991/12 - Rn. 12; 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 494/09 - Rn. 23 mwN).


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II. Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 1. ist be­gründet. 

1. Die Be­zug­nah­me­klau­sel im Ar­beits­ver­trag vom 1. Fe­bru­ar 1991 ver­weist - nach ge­bo­te­ner Aus­le­gung - auf die Ta­rif­verträge der DT AG (Ta­rif­stand 24. Ju­ni 2007).


a) Bei der vor­lie­gen­den ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel han­delt es sich um ei­ne sog. Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Recht­spre­chung des Se­nats. Sie ver­weist auf die fach­lich ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge, an die die da­ma­li­ge Ar­beit­ge­be­rin, die D B, ge­bun­den war (ausf. zu ei­ner na­he­zu gleich lau­ten­den Re­ge­lung BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 706/09 - Rn. 17 ff., BA­GE 138, 269).

b) Die An­wend­bar­keit der Ta­rif­verträge der DT AG er­gibt sich zwar nicht un­mit­tel­bar aus der Be­zug­nah­me­re­ge­lung, sie folgt aber aus de­ren ergänzen­der Aus­le­gung. Das hat der Se­nat in zahl­rei­chen tatsächlich und recht­lich gleich­ge­la­ger­ten Fall­ge­stal­tun­gen be­reits mehr­fach ent­schie­den und ausführ­lich be­gründet. Hier­auf wird zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen ver­wie­sen (BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 706/09 - Rn. 22 ff. mwN, BA­GE 138, 269; wei­ter­hin 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 579/10 - Rn. 39 f. mwN; 14. De­zem­ber 2011 - 4 AZR 179/10 - Rn. 28 ff.; 16. No­vem­ber 2011 - 4 AZR 822/09 - Rn. 21 ff.).

c) Der Se­nat hat auch in zahl­rei­chen ver­gleich­ba­ren Fällen ent­schie­den und ausführ­lich be­gründet (vgl. BAG 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 706/09 - Rn. 36 ff. mwN, BA­GE 138, 269; wei­ter­hin 6. Ju­li 2011 - 4 AZR 494/09 - Rn. 45 ff. mwN; 16. No­vem­ber 2011 - 4 AZR 822/09 - Rn. 21, 42 ff.; 14. De­zem­ber 2011 - 4 AZR 179/10 - Rn. 38 ff.), dass die von der Be­klag­ten ge­schlos­se­nen Haus­ta­rif­verträge von der Be­zug­nah­me­klau­sel nicht er­fasst wer­den. Sie ist kei­ne sog. Ta­rif­wech­sel­klau­sel und kann auch nicht als ei­ne sol­che ver­stan­den wer­den.

2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Recht an­ge­nom­men, dass der Kläger sein Recht, sich auf den In­halt der ver­trag­li­chen Ab­re­de zu be­ru­fen, nicht ver­wirkt hat (§ 242 BGB). Da­bei kann of­fen­blei­ben (sie­he be­reits die Ent­schei­dung des Se­nats 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 580/10 - Rn. 43), ob ge­gen die Gel­tend­ma­chung der ver­trag­li­chen Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses bei ei­ner eins­ei-
 

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ti­gen Ände­rung sei­ner prak­ti­schen Durchführung über­haupt der Ein­wand der Ver­wir­kung er­ho­ben wer­den kann oder ob in die­sem Fall nicht al­lein die Grundsätze ei­ner - mögli­cher­wei­se kon­klu­den­ten - Ver­tragsände­rung an­zu­wen­den sind. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist je­den­falls zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, so­wohl das im Rah­men ei­ner Ver­wir­kung nach Treu und Glau­ben ne­ben dem Zeit­mo­ment er­for­der­li­che Um­stands­mo­ment als auch das Zu­mut­bar­keits­mo­ment (zu die­sen Vor­aus­set­zun­gen et­wa BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 579/10 - Rn. 43 mwN) sei­en in kei­nem Fall ge­ge­ben. Schon des­halb schei­det ei­ne Ver­wir­kung aus.


a) Der Kläger war nicht ver­pflich­tet, die Be­klag­te dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er sich vor­behält, sei­ne Rech­te gel­tend zu ma­chen. Auch aus der wi­der­spruchs­lo­sen Durchführung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf Ba­sis der Haus­ta­rif­verträge der Be­klag­ten er­gibt sich kei­ne be­son­ders ver­trau­ens­be­gründen­de Ver­hal­tens­wei­se des Klägers (ausf. in ei­nem ähn­li­chen ge­la­ger­ten Sach­ver­halt BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 579/10 - Rn. 44 ff.). Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten gilt auch nicht des­halb et­was an­de­res, weil er in sei­ner Ei­gen­schaft als Mit­glied des bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rats die Höher­grup­pie­rung nach den Ta­rif­verträgen der Be­klag­ten ak­zep­tiert hat. Auch in­so­weit fehlt es an ei­nem „ak­ti­ven Ver­hal­ten“ des Klägers und da­mit an An­halts­punk­ten, dass die Be­klag­te als Schuld­ne­rin da­von aus­ge­hen konn­te, er ken­ne als Gläubi­ger sei­ne Rech­te und ma­che sie gleich­wohl über länge­re Zeit hin­weg be­wusst nicht gel­tend (vgl. BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 579/10 - Rn. 47; 13. Au­gust 2008 - 7 AZR 269/07 - Rn. 34 mwN).


b) Den Kläger trifft auch we­der ei­ne Pflicht, das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben zu über­prüfen noch ei­ne sol­che, den Ar­beit­ge­ber auf des­sen mögli­cher­wei­se feh­ler­haf­te Rechts­auf­fas­sung hin­zu­wei­sen (vgl. BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 4 AZR 580/10 - Rn. 50 f. mwN). Für die An­nah­me, ihm sei­en die feh­ler­haf­ten An­ga­ben in den Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vor Veröffent­li­chung der Ent­schei­dun­gen des Se­nats vom 6. Ju­li 2011 (- 4 AZR 706/09 - ua.) be­kannt ge­we­sen und er sei „in Kennt­nis sei­ner Rech­te treu­wid­rig ge­genüber der Be­klag­ten untätig ge­blie­ben“, fehlt es an An­halts­punk­ten.


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c) Die Rüge der Be­klag­ten, das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be ih­ren An­spruch auf Gewährung recht­li­chen Gehörs ver­letzt, in­dem es die Kennt­nis des Klägers um die Pro­ble­ma­tik der Be­zug­nah­me­klau­sel in sei­ner Funk­ti­on als Be­triebs­rats­mit­glied nicht berück­sich­tigt ha­be, ist un­zulässig. Es fehlt schon an ei­nem Vor­trag der Be­klag­ten zur Kau­sa­lität zwi­schen Ver­fah­rens­man­gel und Er­geb­nis des Be­ru­fungs­ur­teils als Be­stand­teil ei­ner zulässi­gen Ver­fah­rensrüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO (vgl. nur BAG 2. Mai 2014 - 2 AZR 490/13 - Rn. 16; 13. No­vem­ber 2013 - 10 AZR 639/13 - Rn. 12).


B. So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem zulässi­gen (zu den Vor­aus­set­zun­gen oben A I 2 a) Fest­stel­lungs­an­trag zu 2. so­wie dem Zah­lungs­be­geh­ren teil­wei­se statt­ge­ge­ben hat, ist die Re­vi­si­on der Be­klag­ten be­gründet. Dem­ge­genüber ist die Re­vi­si­on des Klägers, so­weit er wei­te­re Vergütung für den Zeit-raum vom 16. Mai bis zum 31. De­zem­ber 2011 be­gehrt hat, un­be­gründet. Dem Kläger ste­hen die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche nicht zu. Aus den auf sein Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­ren Ta­rif­verträgen der DT AG er­gibt sich we­der, dass sei­ne re­gelmäßige Wo­chen­ar­beits­zeit als Voll­zeit­beschäftig­ter 34 St­un­den beträgt, noch kann er aus ih­nen wei­ter­ge­hen­de Zah­lungs­ansprüche für den ge­nann­ten Zeit­raum her­lei­ten. Die Ta­rif­verträge der DT AG sind in­so­weit nicht güns­ti­ger iSv. § 4 Abs. 3 TVG als die Haus­ta­rif­verträge der Be­klag­ten.

I. Ei­ne Kol­li­si­on zwi­schen den kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nor­ma­tiv gel­ten­den und den auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me an­wend­ba­ren Ta­rif­vor­schrif­ten ist nach dem Güns­tig­keits­prin­zip (§ 4 Abs. 3 TVG) zu lösen (vgl. nur BAG 24. Fe­bru­ar 2010 - 4 AZR 691/08 - Rn. 43). Hier­nach tre­ten un­mit­tel­bar und zwin­gend gel­ten­de Ta­rif­be­stim­mun­gen hin­ter ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen zurück. Ob ein Ar­beits­ver­trag ab­wei­chen­de güns­ti­ge­re Re­ge­lun­gen ge­genüber dem Ta­rif­ver­trag enthält, er­gibt ein Ver­gleich zwi­schen der ta­rif­ver­trag­li­chen und der ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lung (sog. Güns­tig­keits­ver­gleich).


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1. Zu ver­glei­chen sind da­bei die durch Aus­le­gung zu er­mit­teln­den Teil­kom­ple­xe der un­ter­schied­li­chen Re­ge­lun­gen, die in ei­nem in­ne­ren Zu­sam­men­hang ste­hen (sog. Sach­grup­pen­ver­gleich, s. nur BAG 21. April 2010 - 4 AZR 768/08 - Rn. 39, BA­GE 134, 130; 30. März 2004 - 1 AZR 85/03 - zu II 4 b bb der Gründe mwN; ErfK/Fran­zen 15. Aufl. TVG § 4 Rn. 38; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 532; Wie­de­mann/Wank TVG 7. Aufl. § 4 Rn. 470 ff.; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 38). Ein sog. Ge­samt­ver­gleich, dh. die Ge­genüber­stel­lung des vollständi­gen Ar­beits­ver­trags auf der ei­nen und des ge­sam­ten Ta­rif­ver­trags auf der an­de­ren Sei­te, kommt eben­so we­nig in Be­tracht wie ein punk­tu­el­ler Ver­gleich von Ein­zel­re­ge­lun­gen, auch wenn auf­grund ei­ner um­fas­sen­den ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel der Sa­che nach zwei Ta­rif­verträge mit­ein­an­der zu ver­glei­chen sind (vgl. BAG 12. De­zem­ber 2012 - 4 AZR 328/11 - Rn. 46; 29. Au­gust 2007 - 4 AZR 767/06 - Rn. 20, BA­GE 124, 34; aA Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 543; ErfK/Fran­zen TVG § 4 Rn. 37; Wie­de­mann/Oet­ker TVG 7. Aufl. § 3 Rn. 291). Die auf­grund ein­zel­ver­trag­li­cher Ver­wei­sungs­klau­sel auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­ren Ta­rif­vor­schrif­ten ha­ben auch bei ei­ner um­fas­sen­den In­be­zug­nah­me le­dig­lich in­di­vi­du­al­ver­trag­li­chen Cha­rak­ter. Der Durchführung ei­nes Ge­samt­ver­gleichs steht be­reits der Wort­laut des § 4 Abs. 3 TVG („Re­ge­lun­gen“) ent­ge­gen, der nicht auf ei­ne Ge­samt­re­ge­lung oder ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­stellt (JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 37). Ab­wei­chen­de Ab­ma­chun­gen sind da­nach nur zulässig, „so­weit“ sie ua. ei­ne Ände­rung der Re­ge­lun­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten. Es kommt des­halb nicht auf die Güns­tig­keit der Ge­samt­heit der ab­wei­chen­den Re­ge­lun­gen, son­dern viel­mehr nur der ein­an­der ent­spre­chen­den Tei­le, dh. Sach­grup­pen, an. Im Übri­gen wäre ein Ge­samt­ver­gleich man­gels ein­heit­li­cher Ver­gleichs­maßstäbe prak­tisch kaum durchführ­bar (vgl. BAG 1. Ju­li 2009 - 4 AZR 261/08 - Rn. 60, BA­GE 131, 176; Löwisch/Rieb­le § 4 TVG 3. Aufl. Rn. 531; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 37).

2. Für die Durchführung ei­nes Güns­tig­keits­ver­gleichs sind die abs­trak­ten Re­ge­lun­gen maßge­bend, nicht das Er­geb­nis ih­rer An­wen­dung im Ein­zel­fall. Hängt es von den Umständen des Ein­zel­falls ab, ob die be­tref­fen­de Re­ge­lung


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güns­ti­ger ist oder nicht (sog. am­bi­va­len­te Re­ge­lung), ist kei­ne „Güns­tig­keit“ iSv. § 4 Abs. 3 TVG ge­ge­ben (BAG 17. April 2002 - 5 AZR 644/00 - zu II 4 b der Gründe; 12. April 1972 - 4 AZR 211/71 - BA­GE 24, 228; für den Ver­gleich ein­zel­ver­trag­li­cher und ge­setz­li­cher Kündi­gungs­fris­ten zu­letzt: BAG 29. Ja­nu­ar 2015 - 2 AZR 280/14 - Rn. 19; wei­ter­hin Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 562; ErfK/Fran­zen 15. Aufl. TVG § 4 Rn. 40; Däubler/Dei­nert TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 690). Dies gilt un­abhängig da­von, ob die Par­tei­en des Ar­beits­ver­trags die ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen vor oder nach In­kraft­tre­ten des Ta­rif­ver­trags ver­ein­bart ha­ben (BAG 17. April 2013 - 4 AZR 592/11 - Rn. 14, BA­GE 145, 37; 25. Ju­li 2001 - 10 AZR 391/00 - zu II 2 a bb (2) der Gründe).


3. Der Güns­tig­keits­ver­gleich ist an­hand ei­nes ob­jek­ti­ven Be­ur­tei­lungs­maßstabs vor­zu­neh­men. Maßge­bend ist die Einschätzung ei­nes verständi­gen Ar­beit­neh­mers un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­an­schau­ung (Schu­bert/ Za­chert in Kem­pen/Za­chert TVG 5. Aufl. § 4 Rn. 405; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 553; Däubler/Dei­nert TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 689; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 44; Wie­de­mann/Wank TVG 7. Aufl. § 4 Rn. 451; für ei­ne Kol­li­si­on von Be­triebs­ver­ein­ba­rung und ein­zel­ver­trag­li­cher Ab­re­de: BAG 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 AZR 148/03 - zu II 2 b aa der Gründe, BA­GE 109, 244). Auf die sub­jek­ti­ve Einschätzung des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers kommt es nicht an. Ist die ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lung bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung gleich oder gleich­wer­tig (sog. neu­tra­le Re­ge­lung), ist sie nicht güns­ti­ger iSv. § 4 Abs. 3 TVG.

4. Die Güns­tig­keit ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Re­ge­lung ge­genüber ei­ner nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­norm muss be­reits im Vor­aus - al­so un­abhängig von den kon­kre­ten Be­din­gun­gen des je­wei­li­gen An­wen­dungs­falls - fest­ste­hen (BAG 10. De­zem­ber 2014 - 4 AZR 503/12 - Rn. 42; 12. April 1972 - 4 AZR 211/71 - BA­GE 24, 228; 27. Ja­nu­ar 2004 - 1 AZR 148/03 - zu II 2 b aa der Gründe). Der Güns­tig­keits­ver­gleich ist erst­mals in dem Zeit­punkt durch­zuführen, in dem die nor­ma­tiv gel­ten­de ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung mit der ab­wei­chen­den ver­trag­li­chen Re­ge­lung kol­li­diert (BAG 12. April 1972 - 4 AZR 211/71 - BA­GE 24, 228; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 47; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 558). Da­bei ist ein re­präsen­ta­ti­ver Zeit­raum zu­grun­de zu le­gen.


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Be­stimmt sich das Ar­beits­ent­gelt nach ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen oder ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung et­wa als Jah­res­ent­gelt und schwankt die mo­nat­li­che Aus­zah­lung, ist auf das Ka­len­der­jahr ab­zu­stel­len. Ändert sich min­des­tens ei­ne der zu ver­glei­chen­den Re­ge­lun­gen - et­wa der ar­beits­ver­trag­lich (dy­na­misch) in Be­zug ge­nom­me­ne oder der nor­ma­tiv gel­ten­de Ta­rif­ver­trag -, ist ein er­neu­ter Güns­tig­keits­ver­gleich durch­zuführen (Schu­bert/Za­chert in Kem­pen/Za­chert TVG 5. Aufl. § 4 Rn. 419; Thüsing/Braun/Forst Kap. 7 Rn. 47; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 48; aA Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 558). Dies kann - ins­be­son­de­re bei Zu­sam­men­tref­fen ei­nes sta­tisch in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­werks mit ei­nem nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­ver­trag - da­zu führen, dass sich die ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lung zunächst als güns­ti­ger er­weist, dies sich aber auf­grund von An­pas­sun­gen der kraft Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Re­ge­lun­gen ändert.

5. Ist nach die­sen Maßstäben ob­jek­tiv nicht zwei­fels­frei fest­stell­bar, dass die vom nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­ver­trag ab­wei­chen­de Re­ge­lung für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger ist - sei es, weil es sich um ei­ne „am­bi­va­len­te“, sei es, weil es sich um ei­ne „neu­tra­le“ Re­ge­lung han­delt -, ver­bleibt es bei der zwin­gen­den Gel­tung des Ta­rif­ver­trags (BAG 10. De­zem­ber 2014 - 4 AZR 503/12 - Rn. 43; 12. April 1972 - 4 AZR 211/71 - BA­GE 24, 228; JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 39, 45; Thüsing/Braun/Forst Kap. 7 Rn. 46; Hens­s­ler/Moll/Be­p­ler Teil 9, Rn. 178). Das folgt so­wohl aus dem Wort­laut als auch aus der sys­te­ma­ti­schen Stel­lung von § 4 Abs. 3 Alt. 2 TVG als ge­setz­li­chem Aus­nah­me­tat­be­stand. Der Ge­setz­ge­ber hat ei­ne Ab­wei­chung vom Grund­satz der zwin­gen­den Wir­kung gel­ten­der Ta­rif­nor­men (Re­gel) nur für den Fall vor­ge­se­hen, dass die be­tref­fen-de Re­ge­lung „güns­ti­ger“ ist als die ta­rif­li­che Norm (Aus­nah­me). Ist die Güns­tig­keit der ab­wei­chen­den Re­ge­lung nicht si­cher fest­stell­bar, greift § 4 Abs. 3 Alt. 2 TVG nicht ein (vgl. Schu­bert/Za­chert in Kem­pen/Za­chert TVG 5. Aufl. § 4 Rn. 420; Wie­de­mann/Wank TVG 7. Aufl. § 4 Rn. 478; Däubler/Dei­nert TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 690; Löwisch/Rieb­le TVG 3. Aufl. § 4 Rn. 562; JKOS/Ja­cobs § 7 Rn. 48 mwN). Nach dem in § 4 TVG zum Aus­druck ge­kom­me­nen ge­setz­ge­be­ri­schen Wil­len gebührt den nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­verträgen Vor­rang vor dem


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in­di­vi­du­ell ver­ein­bar­ten Ar­beits­ver­trag. Dem­ent­spre­chend trägt der Ar­beit­neh­mer nach den all­ge­mei­nen zi­vil­pro­zes­sua­len Grundsätzen die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die Umstände, aus de­nen sich die Güns­tig­keit der ab­wei­chen­den Re­ge­lung er­gibt.

II. In An­wen­dung die­ser Grundsätze sind die auf­grund der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en an­wend­ba­ren Ta­rif­verträge der DT AG - je­den­falls für die streit­ge­genständ­li­chen Zeiträume - hin­sicht­lich der in bei­den Ta­rif­wer­ken ge­re­gel­ten „Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis­se“ nicht güns­ti­ger als die nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­be­din­gun­gen der DT­TS.

1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Aus­gangs­punkt zu Recht die Dau­er der Ar­beits­zeit und das dem Kläger als Ge­gen­leis­tung zu­ste­hen­de Ent­gelt zu ei­ner Sach­grup­pe zu­sam­men­ge­fasst.


a) Die Dau­er der vom Ar­beit­neh­mer zu er­brin­gen­den Ar­beits­leis­tung und das ihm dafür zu­ste­hen­de Ar­beits­ent­gelt ste­hen als Tei­le der ar­beits­ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflich­ten in ei­nem en­gen, in­ne­ren sach­li­chen Zu­sam­men­hang (BAG 12. De­zem­ber 2012 - 4 AZR 328/11 - Rn. 46; vgl. auch BAG 10. April 2014 - 2 AZR 812/12 -; 10. Fe­bru­ar 1999 - 2 AZR 422/98 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 91, 22). Die Güns­tig­keit ei­ner kürze­ren oder länge­ren Ar­beits­zeit ei­nes Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses lässt sich eben­so we­nig iso­liert be­ur­tei­len, wie das Ar­beits­ent­gelt oh­ne Rück­sicht auf die hierfür auf­zu­wen­den­de Ar­beits­zeit.
 

Al­lein der Um­stand, dass Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt zwei un­ter­schied­li­che Re­ge­lungs­ge­genstände be­tref­fen, führt nicht zu ei­ner un­ter­schied­li­chen Sach­grup­pen­zu­ord­nung (so aber LAG Ba­den-Würt­tem­berg 14. Ju­ni 1989 - 9 Sa 145/88 -). Es geht nicht dar­um, Ar­beits­zeit auf der ei­nen und Ar­beits­ent­gelt auf der an­de­ren Sei­te mit­ein­an­der zu ver­glei­chen. Zu ver­glei­chen sind viel­mehr die - sach­lich in un­trenn­ba­rem Zu­sam­men­hang ste­hen­den - Re­ge­lun­gen von Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt in dem ei­nen in An­spruch ge­nom­me­nen Re­gel­werk mit de­nen in ei­nem an­de­ren kraft Ta­rif­ge­bun­den­heit gel­ten­den Re­gel­werk.
 

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aa) Ei­ne länge­re Ar­beits­zeit ist nicht per se des­halb „ungüns­ti­ger“, weil mit ihr ein Ver­lust an Frei­zeit ein­her­geht (so aber Däubler Ta­rif­ver­trags­recht 3. Aufl. Rn. 218; ähn­lich Schu­bert/Za­chert in Kem­pen/Za­chert TVG 5. Aufl. § 4 Rn. 428). Ist nämlich die verlänger­te Ar­beits­zeit mit ei­ner Erhöhung des Ar­beits­ent­gelts ver­knüpft, führt die Ar­beits­zeit­verlänge­rung gleich­zei­tig zu ei­ner Stei­ge­rung der Ver­dienstmöglich­keit, die für ei­nen Ar­beit­neh­mer, der aus wel­chen Gründen auch im­mer an ei­nem höhe­ren Ent­gelt in­ter­es­siert ist, ins­ge­samt be­trach­tet güns­ti­ger sein mag. Ungüns­ti­ger kann sie hin­ge­gen für den Ar­beit­neh­mer sein, dem es wich­ti­ger ist, die­se Zeit zur frei­en Verfügung zu ha­ben. Um­ge­kehrt kann ei­ne - ein­zel­ver­trag­li­che - Verlänge­rung der Ar­beits­zeit nicht mit der Be­gründung als güns­ti­ger an­ge­se­hen wer­den, die Ar­beit die­ne zur „Persönlich­keits­ent­fal­tung“ (vgl. da­zu Sch­wei­bert, Die Verkürzung der Wo­chen­ar­beits­zeit durch Ta­rif­ver­trag, S. 201). Das wird be­reits dar­an deut­lich, dass ein Ar­beit­neh­mer re­gelmäßig nicht be­reit sein wird, um der „Selbst­ver­wirk­li­chung“ wil­len un­ent­gelt­lich länger zu ar­bei­ten (Kühnast, Die Gren­zen zwi­schen ta­rif­li­cher und pri­vat­au­to­no­mer Re­ge­lungs­be­fug­nis, S. 287). Viel­mehr hängt die Be­ur­tei­lung, ob ei­ne kürze­re oder länge­re Ar­beits­zeit güns­ti­ger ist, im­mer auch da­von ab, wel­che Ge­gen­leis­tung der Ar­beit­neh­mer für sei­ne Ar­beits­leis­tung erhält.

bb) Aus dem Zu­sam­men­hang zwi­schen zu zah­len­dem Ent­gelt und der hierfür auf­zu­wen­den­den Ar­beits­zeit folgt ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht, dass der Güns­tig­keits­ver­gleich aus­sch­ließlich auf der Grund­la­ge ei­nes zu er­mit­teln­den Ar­beits­ent­gelts pro St­un­de durch­zuführen wäre. Die An­nah­me, ein höhe­res St­un­den­ent­gelt sei stets als für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ger an­zu­se­hen, trifft nicht zu. Die Ar­beits­zeit ist nicht le­dig­lich ein un­selbständi­ger Be­rech­nungs­fak­tor des Ar­beits­ent­gelts. Viel­mehr ist beim Ver­gleich von „Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis­sen“ auch die An­zahl der maßge­ben­den St­un­den in die Be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen, weil an­de­ren­falls ei­ne mit der ge­rin­ge­ren Ar­beits­zeit ein­her­ge­hen­de Ent­geltab­sen­kung un­berück­sich­tigt blie­be. Et­was an­de­res würde nur dann gel­ten, wenn man dem Ar­beit­neh­mer ge­stat­te­te, die höhe­ren Ar­beits­zei­ten des ei­nen Re­gel­werks mit dem höhe­ren St­un­den-


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ent­gelt des an­de­ren Re­gel­werks zu kom­bi­nie­ren. Dies lie­fe aber auf ei­nen Ein­zel­ver­gleich hin­aus. Ein sol­cher ist ab­zu­leh­nen, weil er sach­li­che Re­ge­lungs­zu­sam­menhänge aus­ein­an­der ris­se (vgl. zB JKOS/Ja­cobs 2. Aufl. § 7 Rn. 36).

cc) Fer­ner ver­deut­li­chen die Fälle, in de­nen in ei­nem höhe­ren Ar­beits­ent­gelt ei­ne pau­scha­le Ab­gel­tung von Über­stun­den ent­hal­ten ist, den sach­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt. Selbst wenn ei­ne sol­che (ar­beits­ver­trag­li­che) Re­ge­lung nur dann klar und verständ­lich ist, wenn sich aus dem Ar­beits­ver­trag selbst er­gibt, wel­che Ar­beits­leis­tun­gen in wel­chem zeit­li­chen Um­fang von ihr er­fasst wer­den sol­len (vgl. nur BAG 22. Fe­bru­ar 2012 - 5 AZR 765/10 - Rn. 16), las­sen sich Ar­beits­zeit und Ent­gelt gleich­wohl nicht von­ein­an­der tren­nen, weil un­klar bleibt, ob die pau­schal vergüte­ten Über­stun­den tatsächlich an­fal­len. Den Güns­tig­keits­ver­gleich in der Wei­se durch­zuführen, dass der Ar­beit­neh­mer nur die re­guläre Ar­beits­zeit zu er­brin­gen hätte, dafür aber das höhe­re Ent­gelt for­dern könn­te, würde hier­bei zu un­sach­ge­rech­ten Er­geb­nis­sen führen.

b) Zur Sach­grup­pe „Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt“ gehört - wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt eben­falls zu Recht an­ge­nom­men hat - re­gelmäßig ne­ben der fest­ge­leg­ten Ar­beits­zeit das Ar­beits­ent­gelt im en­ge­ren Sin­ne. So­weit sich die­ses aus ei­nem fi­xen und ei­nem va­ria­blen Teil zu­sam­men­setzt, sind bei­de Be­stand­tei­le zu berück­sich­ti­gen. Nicht zur Sach­grup­pe „Ar­beits­zeit und Ar­beits­ent­gelt“ gehört, ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten, hin­ge­gen ei­ne Beschäfti­gungs­ga­ran­tie. Die Haupt­leis­tungs­pflich­ten auf der ei­nen und ei­ne Beschäfti­gungs­ga­ran­tie auf der an­de­ren Sei­te sind un­ter­schied­lich ge­ar­te­te Re­ge­lungs­ge­genstände, für de­ren Be­wer­tung es kei­nen ge­mein­sa­men Maßstab gibt. Ei­ne Beschäfti­gungs­si­che­rung durch den Aus­schluss be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen ist da­her nicht ge­eig­net, Ver­schlech­te­run­gen bei der Ar­beits­zeit oder dem Ar­beits­ent­gelt zu recht­fer­ti­gen (st. Rspr. BAG 1. Ju­li 2009 - 4 AZR 261/08 - Rn. 60, BA­GE 131, 176; 24. Sep­tem­ber 2008 - 6 AZR 657/07 - Rn. 29, BA­GE 128, 63; 6. No­vem­ber 2007 - 1 AZR 862/06 - Rn. 24, BA­GE 124, 323; 7. No­vem­ber 2002 - 2 AZR 742/00 - zu B I 1 d bb (2) der Gründe, BA­GE 103, 265).


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2. Der im We­ge ei­ner wer­ten­den Ge­samt­be­trach­tung vor­zu­neh­men­de Sach­grup­pen­ver­gleich führt hier­nach da­zu, dass die für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ein­zel­ver­trag­lich wei­ter­hin - sta­tisch - an­wend­ba­ren Re­ge­lun­gen der Ta­rif­verträge der DT AG be­tref­fend die Ar­beits­zeit und das Ar­beits­ent­gelt für den Zeit­raum vom 16. Mai bis 31. De­zem­ber 2011 nicht güns­ti­ger iSv. § 4 Abs. 3 TVG sind.

a) So­weit der Kläger Zah­lungs­ansprüche gel­tend macht, ist der Güns­tig­keits­ver­gleich nach Maßga­be der das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en im Zeit-raum vom 16. Mai bis 31. De­zem­ber 2011 be­stim­men­den Re­ge­lun­gen vor­zu­neh­men.

aa) Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat der Kläger im Jahr 2007 bei ei­ner Voll­zeittätig­keit von 34 St­un­den pro Wo­che ein Jah­res­ent­gelt von 40.911,80 Eu­ro er­hal­ten. Im Jahr 2011 be­trug das Jah­res­ziel­ent­gelt des - wei­ter­hin voll­zeit­beschäftig­ten - Klägers auf der Grund­la­ge der bei der Be­klag­ten gel­ten­den Haus­ta­rif­verträge 43.753,00 Eu­ro.

bb) Ob für die Durchführung des Güns­tig­keits­ver­gleichs bei ei­nem va­ria­blen Ent­gelt auf das für ei­nen ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer er­ziel­ba­re Ent­gelt oder auf das fest­ge­leg­te oder durch­schnitt­li­che Jah­res­ziel­ent­gelt ab­zu­stel­len ist, muss­te der Se­nat vor­lie­gend in An­be­tracht des im Jah­re 2011 tatsächlich ge­zahl­ten Ent­gelts von 43.658,98 Eu­ro nicht ab­sch­ließend ent­schei­den. Das Jah­res­ziel­ent­gelt war ob­jek­tiv und sub­jek­tiv - je­den­falls im Prin­zip - er­reich­bar. Be­son­de­re Umstände, die - wenn über­haupt - zu ei­ner an­de­ren Be­wer­tung führen könn­ten, hat der Kläger nicht dar­ge­tan.

cc) Da­mit lag das Ent­gelt des Klägers nach den bei der Be­klag­ten gel­ten­den Ta­rif­verträgen im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum in je­dem Fall höher als das­je­ni­ge, das er nach den Ta­rif­re­ge­lun­gen der DT AG (Stand 24. Ju­ni 2007) er­hal­ten hätte. Auf­grund des höhe­ren Ge­samt­ver­diens­tes im be­tref­fen­den Zeit­raum bei ei­ner erhöhten Ar­beits­zeit als voll­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer las­sen sich die ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen im Ver­gleich zu den ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen nicht als güns­ti­ger, son­dern - le­dig­lich - als am­bi­va­lent qua­li­fi­zie-
 

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ren. An­halts­punk­te dafür, dass das höhe­re Jah­res­ziel­ent­gelt des Klägers auf an­de­ren Fak­to­ren als den ta­rif­ver­trag­li­chen Ent­gelt­be­stim­mun­gen be­ruht, sind nicht er­sicht­lich. Die sta­tisch auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en wei­ter­hin an­wend­ba­ren Ta­rif­verträge der DT AG mit Stand vom 24. Ju­ni 2007 vermögen des­halb die nor­ma­tiv gel­ten­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen nicht zu ver­drängen. Da der Kläger da­nach auf der Grund­la­ge der bei der Be­klag­ten gel­ten­den Ta­rif­verträge ord­nungs­gemäß vergütet wor­den ist, kann er in­so­weit kei­ne wei­ter­ge­hen­den Zah­lungs­ansprüche gel­tend ma­chen.


dd) Die vom Kläger be­an­spruch­ten Mehr­ar­beits­zu­schläge iHv. 25 vH ste­hen ihm un­abhängig von ei­nem vor­zu­neh­men­den Güns­tig­keits­ver­gleich be­reits des­halb nicht zu, weil es sich bei den be­tref­fen­den St­un­den nicht um Mehr­ar­beit im ta­rif­li­chen Sin­ne han­delt. Gem. § 13 Abs. 1 MTV DTAG ist Mehr­ar­beit die über die für den Ar­beit­neh­mer be­trieb­lich fest­ge­leg­te wöchent­li­che Ar­beits­zeit hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­zeit. Die be­trieb­lich fest­ge­leg­te Ar­beits­zeit be­trug seit dem Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te nicht mehr 34, son­dern 38 St­un­den in der Wo­che. So­weit die - nicht tra­gen­den - Ausführun­gen im Ur­teil vom 21. No­vem­ber 2012 (- 4 AZR 231/10 -) ein an­de­res Er­geb­nis ent­nom­men wer­den könn­te, hält der Se­nat - klar­stel­lend - dar­an nicht fest.


b) Hin­sicht­lich des mit dem An­trag zu 2. ver­folg­ten Fest­stel­lungs­be­geh­rens, dass die re­gelmäßige Ar­beits­zeit des Klägers 34 St­un­den wöchent­lich beträgt, ist der Güns­tig­keits­ver­gleich ge­trennt nach Zeit­ab­schnit­ten vor­zu­neh­men.

aa) Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts lag das Jah­res­ziel­ent­gelt des Klägers 2011 bei 43.753,00 Eu­ro, 2012 bei 44.760,00 Eu­ro und 2013 bei 45.700,00 Eu­ro. In je­dem Zeit­raum lag das Ent­gelt da­mit über dem Jah­res­ent­gelt, wel­ches der Kläger auf der Grund­la­ge der nach der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me­klau­sel an­wend­ba­ren Ta­rif­verträge der DT AG mit Stand 24. Ju­ni 2007 er­hal­ten hätte.

bb) Da­nach führt der Güns­tig­keits­ver­gleich nach den dar­ge­stell­ten Maßstäben auch bezüglich der wei­te­ren Zeiträume da­zu, dass die ar­beits­ver­trag­lich in
 

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Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­be­stim­mun­gen am­bi­va­lent und folg­lich nicht güns­ti­ger sind als die nor­ma­tiv gel­ten­den. An­halts­punk­te dafür, dass das höhe­re Jah­res­ziel­ent­gelt auf an­de­ren Fak­to­ren als den ta­rif­ver­trag­li­chen Ent­gelt­be­stim­mun-gen be­ruht, hat der dar­le­gungs­pflich­ti­ge Kläger auch in­so­weit nicht vor­ge­tra­gen.

C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 92 Abs. 1 ZPO. 


Ey­lert 

Tre­ber 

Rinck

Han­nig 

Krie­gel­stei­ner

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