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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/059

Selb­stän­di­ge Tä­tig­keit ei­ner EU-Aus­län­de­rin bei Schwan­ger­schaft

Die schwan­ger­schafts­be­ding­te Un­ter­bre­chung ei­ner selb­stän­di­gen Tä­tig­keit lässt Selb­stän­dig­keit und Auf­ent­halts­recht nicht ent­fal­len: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 19.09.2019, C-544-18 (Dak­ne­vici­u­te)
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06.05.2020. Ge­mäß Art.49 Abs.1 Ver­trag über die Ar­beits­wei­se der Eu­ro­päi­schen Uni­on (AEUV) sind Be­schrän­kun­gen der frei­en Nie­der­las­sung von Staats­an­ge­hö­ri­gen ei­nes Mit­glied­staats im Ho­heits­ge­biet ei­nes an­de­ren Mit­glied­staats grund­sätz­lich ver­bo­ten.

Un­ter Be­ru­fung auf die­se Vor­schrift hat der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) ent­schie­den, dass ei­ne schwan­ge­re EU-Aus­län­de­rin, die ih­re selb­stän­di­ge Tä­tig­keit kurz vor und nach der Ent­bin­dung vor­über­ge­hend auf­gibt, ih­re Ei­gen­schaft als Selb­stän­di­ge be­hält, wenn in ei­ner "an­ge­mes­se­nen" Zeit nach der Ge­burt ih­res Kin­des ih­re Tä­tig­keit wie­der auf­nimmt oder ei­ne an­de­re selb­stän­di­ge Tä­tig­keit oder Be­schäf­ti­gung fin­det.

In den aus Groß­bri­tan­ni­en stam­men­den Fall ging es um ei­ne Li­taue­rin, Frau Dak­ne­vici­u­te, die in Groß­bri­tan­ni­en zu­nächst bis En­de 2013 als Ar­beit­neh­me­rin be­schäf­tigt war und da­mit von ih­rem Recht auf Frei­zü­gig­keit in­ner­halb der EU Ge­brauch ge­macht hat­te. Sie gab ih­re Tä­tig­keit als Ar­beit­neh­me­rin auf und war im Jah­re 2014 nur noch in ge­rin­gem Um­fang als selbst­stän­di­ge Kos­me­ti­ke­rin tä­tig. Da­zu war sie auf­grund ih­rer Schwan­ger­schaft und Nie­der­kunft im Som­mer 2014 ge­zwun­gen.

Die zu­stän­di­ge Be­hör­de lehn­te ih­ren An­trag auf Kin­der­geld ab, da Frau Dak­ne­vici­u­te an­geb­lich nicht mehr die Vor­aus­set­zun­gen für die­se So­zi­al­leis­tung er­füll­te. Denn da­zu ge­hör­te u.a. ein Auf­ent­halts­recht nach bri­ti­schem Recht, und das lag aus Sicht der Be­hör­de nicht mehr vor, da Frau Frau Dak­ne­vici­u­te nur (noch) in ge­rin­gem Um­fang selbst­stän­dig tä­tig war.

Das Up­per Tri­bu­nal, das mit der Kla­ge auf Kin­der­geld be­fass­te Ge­richt, woll­te da­her vom EuGH fol­gen­des wis­sen: Be­hält ei­ne Frau, die ei­ne selb­stän­di­ge Tä­tig­keit we­gen der kör­per­li­chen Be­las­tun­gen im Spät­sta­di­um ih­rer Schwan­ger­schaft und nach der Ge­burt auf­gibt, ge­mäß dem Eu­ro­päi­schen Recht (Art.49 AEUV) ih­re Ei­gen­schaft als Selb­stän­di­ge, wenn sie in­ner­halb ei­ner an­ge­mes­se­nen Zeit nach der Ge­burt ih­res Kin­des die­se Tä­tig­keit wie­der auf­nimmt oder ei­ne an­de­re selb­stän­di­ge Tä­tig­keit oder Be­schäf­ti­gung fin­det?

Ja, so der EuGH, der da­mit zu­guns­ten der Klä­ge­rin ur­teil­te.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier.

Letzte Überarbeitung: 19. September 2020

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