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Arbeitsrecht aktuell: 07/62 Entwurf eines Mindestlohngesetzes liegt vor




Entwurf eines Gesetzes über die Festsetzung des Mindestlohns (Mindestlohngesetz – MindLohnG) vom 04.09.2007 -
Gesetzesantrag des Landes Rheinland-Pfalz

von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin

22.10.2007. Das Thema Mindestlohn gewinnt derzeit wieder an Bedeutung, nachdem es bereits in der ersten Jahreshälfte die Schlagzeilen bestimmt hatte. Neue Nahrung bekommt das Thema nun gleich aus zwei Richtungen:

Zum einen soll der Tariflohn für Briefzusteller, den der Arbeitgeberverband Postdienste e.V. bzw. sein dominierendes Mitglied, die Deutsche Post AG, am 04.09.2007 mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelt und im „Tarifvertrag zur Regelung der Mindestlöhne in der Branche Postdienste (TV Mindestlohn)“ festgeschrieben hat, nach derzeitigen Planungen der Bundesregierung auch für die Konkurrenten der Post verbindlich werden. Dieser tarifliche Stundenlohn beträgt immerhin 9,80 EUR (West) bzw. 9,00 EUR (Ost). Breitenwirkung soll er erhalten durch die Aufnahme der Postbranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz sowie durch die begleitende Allgemeinverbindlicherklärung des TV Mindestlohn.

Zum anderen – und weitergehend - zielt der von Rheinland-Pfalz am 04.09.2007 in den Bundesrat eingebrachte Entwurf eines Gesetzes über die Festsetzung des Mindestlohns (Mindestlohngesetz – MindLohnG) darauf, eine branchenübergreifende gesetzliche Mindestlohnfestsetzung zu ermöglichen. Dabei berufen sich die Entwurfverfasser auf die in Großbritannien geltenden Regelungen, die dort angeblich nicht nur keine nachteiligen, sondern sogar positive Beschäftigungseffekte haben sollen.

Angelehnt an die britische „Low Pay Commission“ sieht der Entwurf vor, dass eine Mindestlohnkommission mit Zuständigkeit für ganz Deutschland und für alle Branchen gebildet wird, in der je drei Vertreter der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite sowie weitere drei sachverständige Personen tätig sind. Die Mindestlohnkommission soll jährlich bis zum 31. August die Höhe des gesetzlichen Mindestlohns vorschlagen. Diesem Vorschlag kann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zustimmen, woraufhin er durch Rechtsverordnung festgesetzt wird, oder aber ablehnen, woraufhin sich die Bundesregierung mit der Frage zu befassen hat. In diesem Fall bestimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales selbst den Mindestlohn und setzt ihn „mit Zustimmung der Bundesregierung“ durch Rechtsverordnung fest (§ 4 des Entwurfs). Der Mindestlohn wird als Bruttostundenlohn fixiert (§ 1 Abs.2 des Entwurfs).

Ist der staatliche Mindestlohn einmal in dieser Weise, d.h. per Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales festgesetzt worden, hat er dem Entwurf zufolge ähnliche Rechtswirkungen wie ein Tariflohn: Er wirkt unmittelbar und zwingend auf die ihm unterworfenen Arbeitsverhältnisse ein, d.h. er hat normative Wirkung für die Parteien des Arbeitsvertrags (§ 2 Abs.1 des Entwurfs). Abweichende Lohnvereinbarungen sind nur wirksam, soweit sie für den Arbeitnehmer günstiger oder zumindest ebenso günstig sind wie der Mindestlohn (§ 2 Abs.2 des Entwurfs). Ein Verzicht auf den Mindestlohn ist unwirksam (§ 2 Abs.3 Satz 1 des Entwurfs).

Um dem Mindestlohn eine noch stärkere Bedeutung für das Arbeitsleben zu verschaffen, sollen Ausschlussfristen für den Anspruch auf Mindestlohn nicht gelten. Auch eine Verwirkung wird gesetzlich ausgeschlossen (§ 2 Abs.3 Satz 1, 2 des Entwurfs). Außerdem soll die Verjährung des Mindestlohnanspruchs - abweichend von der allgemeinen gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren - erst nach zehn Jahren eintreten (§ 2 Abs.3 Satz 3 des Entwurfs). Schließlich handeln Arbeitgeber, die den Mindestlohn nicht oder „nicht rechtzeitig“ zahlen, ordnungswidrig und werden mit Geldbußen bis zu 500.000 EUR (!) bedroht (§ 6 des Entwurfs). Diese Sanktion erwartet auch denjenigen, der ein Subunternehmen mit Leistungen beauftragt, falls dieses bei der Auftragserfüllung die Mindestlohnverpflichtung nicht beachtet. Hier genügt bereits die fahrlässige Unkenntnis von den Mindestlohnverstößen des Subenternehmers.

Nachdem sich die Gewerkschaften zu einer Unterstützung der Mindestlohnpolitik durchgerungen haben, sind grundsätzliche Einwände gegen eine staatliche Lohnfestsetzung derzeit „vom Tisch“. Im Detail ist eine solche Kritik allerdings dringend nötig, wie der jetzt vorliegende rheinland-pfälzische Entwurf eines Mindestlohngesetzes deutlich macht: Dafür, dass der Mindestlohnanspruch gegen die allgemeinen Verjährungsfristen und gegen die Rechtsfolgen der Verwirkung immunisiert werden sollte, ist kein sachlicher Grund erkennbar. Die Gesetzesbegründung nennt daher auch keinen Grund. Auch die weitere Absicherung des Anspruchs mit Hilfe hoher Geldbußen ist unverhältnismäßig: Immerhin kam die Bundesrepublik Deutschland nunmehr fast ein halbes Jahrhundert lang ohne die segensreichen Auswirkungen einer staatlichen Mindestlohnpolitik aus. Wieso Arbeitgeber jetzt plötzlich nicht nur den staatlichen Mindestlohn zahlen sollen, sondern sich - darüber hinaus – bei Verstößen gegen die Mindestlohnpflicht wie Schwarzarbeitgeber behandeln lassen müssen, ist unerfindlich.

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Letzte Überarbeitung: 23. Mai 2008

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Arbeitsrecht aktuell:


Hannover, 08.02.2012
Chefarzt

Privatliquidationsrecht durch Schadensersatzanspruch gesichert

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09

Frankfurt, 07.02.2012
Fristlose Kündigung

Fristlose Kündigung trotz Freistellung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11

Berlin, 03.02.2012
Kündigungsschutz:

Auslandsvertrag zählt bei Wartezeit mit

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10

München, 02.02.2012
Altersdiskriminierung:

Altersgrenze für Sachverständige gekippt

Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11

Berlin, 31.01.2012
Betriebsrat:

Benachteiligung durch Verweigerung der Festanstellung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11

Berlin, 27.01.2012
Befristung:

Europarecht erlaubt Befristung zur Vertretung - auch jahrelang

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)

Berlin, 25.01.2012
Europarecht:

Anspruch auf vier Wochen Urlaub auch ohne jährliche Mindestarbeitszeit

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)

Frankfurt, 23.01.2012
Mobbingklage:

Oberarzt verklagt mobbenden Chefarzt auf 500.000 EUR Schadensersatz

Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10

Berlin, 20.01.2012
Geschäftsführer:

Geschäftsführer erhebt Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11

Hannover, 19.01.2012
Weihnachtsgeld

Kein Weihnachtsgeld nach Kündigung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10

Berlin, 17.01.2012
Bewerberdiskriminierung

Auskunftsanspruch des Stellenbewerbers über Auswahlentscheidung oder nicht?

Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister

Berlin, 13.01.2012
Betriebsratswahl:

Abbruch nur bei Nichtigkeit

Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10

Berlin, 11.01.2012
BAT Altersstufen:

Berlin und Hessen müssen für BAT-Altersstufen bluten

Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09

Berlin, 10.01.2012
CGZP-Tarifverträge:

Tarifverträge der CGZP waren auch 2004, 2006 und 2008 unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11

München, 05.01.2012
Aufhebungsvertrag:

Aufhebungsvertrag ohne Abfindung, aber mit Ausgleichsklausel?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10

Berlin, 03.01.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaub und Urlaubsabgeltung bei Krankheit - nur 15 Monate lang?

Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11

Berlin, 20.12.2011
Sozialauswahl:

Sozialauswahl und Altersdiskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10

Stuttgart, 05.12.2011
Kündigung:

Entschädigung für diskriminierende Kündigung

Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10

Berlin, 23.11.2011
Urlaub und Krankheit:

Krankheitsbedingt nicht genommener Urlaub kann nach 15 Monaten verfallen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte

Berlin, 05.11.2011
Kündigungsschutzklage:

Arbeitsgericht Berlin großzügig bei Fristversäumung durch Anwalt

Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11

München, 02.11.2011
Fristlose Kündigung:

LAG München: Kündigung nach Betrug mit 20 EUR Schaden

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10

Frankfurt, 26.10.2011
Kündigung:

Kündigung wegen Alkohols am Steuer

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11

Frankfurt, 21.10.2011
Fristlose Kündigung:

Fristlose Kündigung wegen Diensthandy-Missbrauchs?

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10

Hamburg, 23.09.2011
Kündigung:

LAG Hamburg -
Kündigung bei Beschäftigungsmöglichkeit im Ausland

Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11

Berlin, 14.09.2011
BAT-TVöD:

Diskriminierung wegen des Alters durch BAT-Lebensaltersstufen

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)

Frankfurt, 13.09.2011
Altersgrenzen:

EuGH kippt Altersgrenze 60 für Lufthansa-Piloten

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)

Berlin, 12.09.2011
Chefarzt:

Kündigung eines Chefarztes wegen Wiederverheiratung?

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10

Hannover, 09.09.2011
Arbeitszeitbetrug:

Fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10

Berlin, 08.09.2011
Whistleblowing:

Verpfeifen / Whistleblowing ohne Risiko einer Kündigung?

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)

Berlin, 06.09.2011
Bonus - Kündigung:

Anspruch auf Bonus trotz Kündigung und Ausscheiden im Folgejahr

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09

Frankfurt, 05.09.2011
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Zwangsverwaltung eines Hotelgrundstücks

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10

Berlin, 02.09.2011
GlobeGround Berlin:

Betriebsratswahl bei GlobeGround in Berlin unwirksam

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11

Frankfurt, 31.08.2011
Kündigung:

Kündigung und Krankmeldung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10

Hamburg, 25.08.2011
Probezeitkündigung:

Kündigung in der Probezeit wegen Heirat einer Chinesin

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11

Frankfurt, 23.08.2011
Kündigung und Vollmacht:

Kündigung mit Vollmacht, aber ohne Vollmachtsurkunde

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09