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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/092

Auf­he­bungs­ver­trag - An­fech­tung oder Rück­tritt bei In­sol­venz?

An­fech­tung ei­ner Ab­fin­dungs­re­ge­lung und Rück­tritt bei In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers meist aus­ge­schlos­sen: Lan­des­ar­beits­ge­richt Nie­der­sach­sen, Ur­teil vom 15.12.2010, 2 Sa 742/10
Dokument mit Unterschriftenzeile und Füller Auf­he­bungs­ver­trag: Vor­sicht - Rück­tritt ist meist aus­ge­schlos­sen
12.05.2011. Mit ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag be­en­den Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber ge­mein­sam ihr Ar­beits­ver­hält­nis. Lag bei ei­nem sol­chen Ver­trag ei­ne vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung vor und wird de­ren Wirk­sam­keit ver­trag­lich fest­ge­klopft, spricht man von ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag. Oft wer­den Ab­wick­lungs­ver­trä­ge in ei­nem Kün­di­gungs­schutz­pro­zess ver­ein­bart, näm­lich als ver­fah­rens­be­en­den­de güt­li­che Ei­ni­gung („Ver­gleich“).

Der we­sent­li­che In­halt die­ser Ver­ein­ba­run­gen ist in der Re­gel die Auf­ga­be des Ar­beits­ver­hält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung. Kann die ver­ein­bar­te Ab­fin­dung aber auf­grund ei­ner In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers nicht ge­zahlt wer­den, fragt sich, ob der Ar­beit­neh­mer vom Ver­trag durch An­fech­tung oder Rück­tritt los­kommt: Denn wird die ver­ein­bar­te Ab­fin­dung nicht ge­zahlt, soll es auch kei­ne Ver­trags­be­en­di­gung ge­ben, so die Sicht­wei­se des Ar­beit­neh­mers. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Nie­der­sach­sen ent­schied kürz­lich über ei­nen sol­chen Fall (Ur­teil vom 15.12.2010, 2 Sa 742/10).

Ei­ne ge­kün­dig­te Ab­tei­lungs­lei­te­rin hat­te ei­nen ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ge­schlos­sen. Am Fol­ge­tag mel­de­te ihr Ar­beit­ge­ber In­sol­venz an. Die Ar­beit­neh­me­rin woll­te da­her die Un­wirk­sam­keit des Ver­gleichs ge­richt­lich fest­stel­len las­sen, hat­te da­mit aber we­der vor dem Ar­beits­ge­richt Braun­schweig (Ur­teil vom 25.03.2010, 6 Ca 654/09) noch vor dem LAG Er­folg. Ih­re Kennt­nis der Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten ver­hin­der­te ei­ne An­fech­tung und das vor­ran­gi­ge In­sol­venz­recht schloss ei­nen Rück­tritt aus.

Fa­zit: Kla­re Re­geln des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) zum Rück­tritt vom Auf­he­bungs­ver­trag oder vom Ab­fin­dungs­ver­gleich bei In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers gibt es noch nicht. Der hier strei­ti­ge Fall ist aber beim BAG an­hän­gig (AZ: 2 AZR 42/11). Wahr­schein­lich wird auch das BAG pro Ar­beit­ge­ber ent­schei­den. Ar­beit­neh­mer müs­sen da­her da­mit rech­nen, dass Auf­he­bungs­ver­trä­ge und Ab­fin­dungs­ver­glei­che meist end­gül­ti­ge Re­ge­lun­gen sind, de­nen man da­her nicht oh­ne Be­denk­zeit und an­walt­li­chen Rat zu­stim­men soll­te.

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Letzte Überarbeitung: 12. Juli 2015

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