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LAG Köln, Ur­teil vom 22.07.2010, 7 Sa 146/10

   
Schlagworte: Betriebsübergang, Teilbetriebsübergang, Teilbetrieb
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Aktenzeichen: 7 Sa 146/10
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 22.07.2010
   
Leitsätze: Beruft sich ein Arbeitnehmer darauf, dass sein Arbeitsverhältnis im Rahmen eines Teilbetriebsübergangs auf einen anderen Arbeitgeber übergegangen ist, so hat er zum einen darzulegen, dass der Betrieb seines bisherigen Arbeitgebers in zwei oder mehrere organisatorisch voneinander unterscheidbare Teilbetriebe unterfallen ist, zum anderen, dass sein eigener Arbeitsplatz gerade demjenigen Betriebsteil zuzuordnen war, der von dem Teilbetriebsübergang betroffen ist.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 24.09.2009, 17 Ca 569/09
   

7 Sa 146/10

17 Ca 569/09
Ar­beits­ge­richt Köln

Verkündet am 22. Ju­li 2010

W,
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT KÖLN

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

 

In dem Rechts­streit

1.
- Be­klag­te zu 1. und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

2.
- Be­klag­te zu 2) und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

g e g e n

- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 27.05.2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. C als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter T und S

für R e c h t er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten zu 1. und 2. hin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 24.09.2009 in Sa­chen 17 Ca 569/09 ab­geändert:

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.


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Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den dem Kläger auf­er­legt.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten dar­um, ob das zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten zu 1) be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis von der Be­klag­ten zu 1) wirk­sam be­triebs­be­dingt gekündigt wur­de oder ob es im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist.

Der am 01.08.1956 ge­bo­re­ne, le­di­ge Kläger stand seit dem 20.09.1983 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu der Be­klag­ten zu 1) als Flug­zeug­me­cha­ni­ker. Er wur­de am Stand­ort Flug­ha­fen K/B ein­ge­setzt und ver­dien­te ein­sch­ließlich di­ver­ser Zu­la­gen ca. 4.800,00 € brut­to mo­nat­lich.

Die Be­klag­te zu 2), ei­ne ehe­ma­li­ge Toch­ter­ge­sell­schaft der Be­klag­ten zu 1) und eben­so wie die­se dem LKon­zern an­gehörig, un­ter­hielt am Stand­ort Flug­ha­fen K/B 15 Air­bus-Ma­schi­nen. Die tech­ni­sche War­tung die­ser Ma­schi­nen hat­te die Be­klag­te zu 2) auf der Grund­la­ge ei­nes Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges der Be­klag­ten zu 1) über­tra­gen. Zu die­sem Zweck un­ter­hielt die Be­klag­te zu 1) am Flug­ha­fen K/B ei­ne Tech­nik­sta­ti­on mit ca. 60 Ar­beit­neh­mern. Ei­ner von die­sen war der Kläger.

Die Be­klag­te zu 2) kündig­te den mit der Be­klag­ten zu 1) be­ste­hen­den Dienst­leis­tungs­ver­trag mit Wir­kung zum 31.03.2009. Sie hat­te am Stand­ort K/B be­reits im Mai 2008 ei­nen ei­ge­nen klei­nen Tech­nik­be­trieb ge­gründet, in dem nach ih­rer Dar­stel­lung in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Be­ru­fungs­ge­richt ursprüng­lich fünf Ar­beit­neh­mer beschäftigt wa­ren. Ent­spre­chend der von ihr bei Kündi­gung des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 1) ver­folg­ten Pla­nung über­nahm sie nach Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges ca. 1/3 der an­fal­len­den War­tungs­ar­bei­ten selbst, nämlich die All­tags­war­tung und das sog. klei­ne Trou­ble-Shoo­ting (Ar­bei­ten mit


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ei­nem Vo­lu­men von bis zu fünf St­un­den). Hier­zu stock­te sie das Per­so­nal ih­res Tech­nik­be­trie­bes auf 25 – 28 Mit­ar­bei­ter auf. Da­bei stell­te sie auch den bis­he­ri­gen Mit­ar­bei­tern der Tech­nik­sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) an­heim, sich auf ei­ne ent­spre­chen­de Stel­le zu be­wer­ben und mit ihr ei­nen ent­spre­chen­den neu­en Ar­beits­ver­trag ab­zu­sch­ließen. Hier­von mach­ten nach erst­in­stanz­li­cher Dar­stel­lung der Par­tei­en 20 bzw. 21 ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) Ge­brauch. Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten zu 2) in der Be­ru­fungs­be­gründung wur­den 16 ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) von ihr ein­ge­stellt.

Die Be­klag­te zu 2) be­nutzt für die Ver­wal­tung des nun­mehr von ihr selbst aus­geführ­ten Teils der War­tungs­ar­bei­ten das – auch von an­de­ren Air­lines ver­wen­de­te – EDV-Sys­tem AMOS wei­ter. Die­ses war zu­vor auch bei der Be­auf­tra­gung der Be­klag­ten zu 1) mit den War­tungs­ar­bei­ten ver­wen­det wor­den. In ehe­ma­li­gen Büroräum­lich­kei­ten der Be­klag­ten zu 1) wur­den die Er­satz­teil­be­schaf­fung und die Auf­trags­be­ar­bei­tung der Be­klag­ten zu 2) un­ter­ge­bracht. Der Fuhr­park der ehe­ma­li­gen Tech­nik­sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) mit den sog. Vor­feld-Fahr­zeu­gen so­wie ca. 95 % des Werk­zeu­ges die­ser Tech­nik­sta­ti­on wer­den von der Be­klag­ten zu 2) nicht wei­ter ge­nutzt.

Die übri­gen 2/3 der bis­lang von der Be­klag­ten zu 1) auf der Grund­la­ge des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges an den Flug­zeu­gen der Be­klag­ten zu 2) ver­rich­te­ten War­tungs­ar­bei­ten wer­den jetzt von der D L T AG aus­geführt.

Nach Ab­schluss ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­pla­nes bei der Be­klag­ten zu 1) kündig­te die­se das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger mit Schrei­ben vom 29.12.2008, beim Kläger ein­ge­gan­gen am 30.12.2008, un­ter Ein­hal­tung der für das Ar­beits­verhält­nis nach Maßga­be des Haus­ta­rif­ver­tra­ges der Be­klag­ten zu 1) gel­ten­den Kündi­gungs­fris­ten zum 31.05.2009. Ge­gen die­se Kündi­gung er­hob der Kläger am 20.01.2009 vor dem Ar­beits­ge­richt Köln die vor­lie­gen­de Kla­ge.

Der zu der Kündi­gung nach § 102 Be­trVG an­gehörte Be­triebs­rat hat kei­ne Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben.


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Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die be­triebs­be­ding­te Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 sei rechts­un­wirk­sam. Viel­mehr sei sein Ar­beits­verhält­nis im Rah­men ei­nes (Teil-)Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 zum 31.05.2009 ge­en­det hat;

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten zu 2) un­gekündigt fort­be­steht.

Die Be­klag­ten ha­ben be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te zu 1) hat sich auf den Stand­punkt ge­stellt, dass die von ihr aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung auf­grund drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se wirk­sam das Ar­beits­verhält­nis be­en­det ha­be; denn sie ha­be nach der Kündi­gung des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 2) ih­re Tech­nik-Sta­ti­on auf dem Flug­ha­fen K/B still­ge­legt.

Die Be­klag­te zu 2) hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass ein (Teil-)Be­triebsüber­gang nicht statt­ge­fun­den ha­be, da sie von der Be­klag­ten zu 1) kei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit und auch kei­nen we­sent­li­chen Teil der Be­leg­schaft über­nom­men ha­be. Außer­dem ha­be der Kläger nicht be­gründet, war­um er von ei­nem (Teil-)Be­triebsüber­gang auf sie, die Be­klag­te zu 2), und nicht auf die D L T AG aus­ge­he.

Die 17. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Köln hat mit Ur­teil vom 24.09.2009 der Kla­ge in vol­lem Um­fang statt­ge­ge­ben. Auf die Ent­schei­dungs­gründe des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils wird Be­zug ge­nom­men.


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Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wur­de der Be­klag­ten zu 1) am 11.01.2010 und der Be­klag­ten zu 2) am 08.01.2010 zu­ge­stellt. Die Be­klag­te zu 1) hat hier­ge­gen am 29.01.2010, die Be­klag­te zu 2) am 03.02.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt. Die Be­klag­te zu 1) hat ih­re Be­ru­fung am 09.03.2010 be­gründet, die Be­klag­te zu 2) – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 08.04.2010 – am 07.04.2010.

Die Be­klag­ten wen­den sich ge­gen die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, dass vor­lie­gend das Ar­beits­verhält­nis des Klägers im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs von der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen sei. Das Ar­beits­ge­richt sei zwar zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass ein Be­triebsüber­gang den Über­gang ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ein­heit er­for­de­re, ha­be die­sen An­satz aber nicht sach­ge­recht auf den vor­lie­gen­den Fall an­ge­wandt.

Die Be­klag­te zu 1) und Be­ru­fungskläge­rin zu 1) so­wie die Be­klag­te zu 2) und Be­ru­fungskläge­rin zu 2) be­an­tra­gen nun­mehr,

das am 24.09.2009 verkünde­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln, Az. 17 Ca 569/09, auf­zu­he­ben und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger ist der An­sicht, dass das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend von ei­nem Be­triebsüber­gang i. S. d. § 613 a BGB aus­ge­gan­gen sei.

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach­vor­trags der Par­tei­en wird auf den vollständi­gen In­halt der Be­ru­fungs­be­gründungs­schrif­ten, der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung des Klägers so­wie den wei­te­ren Schrift­satz der Be­klag­ten zu 2) vom 26.05.2010 Be­zug ge­nom­men.


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E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

I. Die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zu 1) und der Be­klag­ten zu 2) ge­gen das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil vom 24.09.2009 sind zulässig. Die Be­ru­fun­gen sind gemäß § 64 Abs. 2 c) ArbGG statt­haft. Bei­de Be­ru­fun­gen wur­den auch nach Maßga­be der in § 66 Abs. 1 ArbGG vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten recht­zei­tig ein­ge­legt und be­gründet.

II. Die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten muss­ten auch Er­folg ha­ben. Sie sind be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt Köln hat zu Un­recht an­ge­nom­men, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Be­klag­ten zu 1) auf­grund ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist. Viel­mehr hat das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ei­ner wirk­sa­men ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen, nämlich we­gen Still­le­gung der Tech­nik-Sta­ti­on am Flug­ha­fen K/B frist­gemäß zum 31.05.2009 sein En­de ge­fun­den.

1. Die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 29.12.2008 ist gemäß § 1 Abs. 2 KSchG nicht so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt; denn sie ist durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se be­dingt, die ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung des Klägers in dem Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) ent­ge­gen­ste­hen.

a. Das drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis be­steht dar­in, dass die Be­klag­te zu 1) nach Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges mit der Be­klag­ten zu 2) zum 31.03.2009, wel­cher die Auf­ga­be der tech­ni­schen War­tung der am Flug­ha­fen K/B sta­tio­nier­ten Air­bus-Flot­te der Be­klag­ten zu 2) zum Ge­gen­stand hat­te, kei­nen Be­darf mehr an der Ar­beits­leis­tung des Klägers hat. Der Ar­beits­platz des Klägers bei der Be­klag­ten zu 1) ist mit Aus­lau­fen des Dienst­leis­tungs­ver­tra­ges zwi­schen der Be­klag­ten zu 1) und der Be­klag­ten zu 2) er­satz­los weg­ge­fal­len. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­trieb „Tech­nik-Sta­ti­on“ der Be­klag­ten zu 1) am Flug­ha­fen K/B von der Be­klag­ten zu 1)


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still­ge­legt wur­de und we­der ganz, noch teil­wei­se auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist.

b. Ei­ne Be­triebs­still­le­gung und ein Über­gang des Be­trie­bes auf ein an­de­res Un­ter­neh­men schließen sich ge­gen­sei­tig aus. Wäre von ei­nem (Teil-)Be­triebsüber­gang der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) aus­zu­ge­hen, hätte ei­ne Be­triebs­still­le­gung in Wahr­heit nicht statt­ge­fun­den und wäre so­mit auch ei­ne so­zia­le Recht­fer­ti­gung für den Aus­spruch ei­ner Be­en­di­gungskündi­gung zum 31.05.2009 i. S. v. § 1 Abs. 2 KSchG weg­ge­fal­len.

2. Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Klägers und der An­sicht des Ar­beits­ge­richts lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB nach dem der Ent­schei­dung zu­grun­de zu le­gen­den Sach­vor­trag der Par­tei­en nicht vor. Der Kläger hat schon nicht schlüssig vor­ge­tra­gen, dass sein Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten zu 1) im We­ge ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613 a) BGB auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen sein könn­te.

a. Von ei­nem Über­gang der ge­sam­ten Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) auf die Be­klag­te zu 2) geht der Kläger sel­ber nicht aus; denn er trägt selbst vor, dass von dem Ge­samt­vo­lu­men der früher von der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) aus­geführ­ten War­tungs­ar­bei­ten an den Air­bus-Ma­schi­nen der Be­klag­ten zu 2) nur ca. 1/3 nun­mehr von der Be­klag­ten zu 2) selbst aus­geführt wird. Dem­ent­spre­chend sind auch nur al­len­falls 1/3 der frühe­ren 60 Mit­ar­bei­ter der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nun­mehr bei der Be­klag­ten zu 2) tätig, um dort ent­spre­chen­de War­tungs­ar­bei­ten aus­zuführen. Den übri­gen, über­wie­gen­den Teil der War­tungs­ar­bei­ten lässt die Be­klag­te zu 2) un­strei­tig nun­mehr von der D L T AG ausführen.

b. Der Kläger selbst nimmt so­mit au­gen­schein­lich nur ei­nen Teil­be­triebsüber­gang an, zu­mal er für die An­nah­me, dass die Vor­aus­set­zun­gen des § 613 a BGB erfüllt sei­en, auch maßgeb­lich dar­auf ab­stel­len will, dass die Be­klag­te zu 2) ei­nen Teil der bis­he­ri­gen Be­leg­schaft der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) wei­ter­beschäftigt.


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c. Der Kläger bleibt je­doch je­de Aus­sa­ge da­zu schul­dig, in­wie­fern der frühe­re Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) in zwei – oder meh­re­re ? – or­ga­ni­sa­to­risch von­ein­an­der un­ter­scheid­ba­re Teil­be­trie­be un­ter­fal­len sein soll, und aus wel­chen Gründen der Kläger ge­ra­de dem­je­ni­gen Teil­be­trieb zu­zu­ord­nen wäre, der nach sei­ner Auf­fas­sung auf die Be­klag­te zu 2) über­ge­gan­gen ist. Der ent­spre­chen­de be­rech­tig­te Ein­wand der Be­klag­ten zu 2) ist vom Kläger – aber auch vom Ar­beits­ge­richt Köln – un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben.

3. Un­abhängig da­von fehlt es aber auch schon an der Dar­le­gung der all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB.

a. Zwar führt das Ar­beits­ge­richt im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend aus, dass für ei­nen Be­triebsüber­gang die Wah­rung der Iden­tität ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit er­for­der­lich sei, wo­bei ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit in die­sem Sin­ne aus ei­ner or­ga­ni­sier­ten Ge­samt­heit von Per­so­nen und/oder Sa­chen be­ste­he, die auf die dau­er­haf­te Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung an­ge­legt sei.

b. Das Ar­beits­ge­richt hat je­doch über­se­hen, dass dem Sach­vor­trag des Klägers kei­nes­wegs ent­nom­men wer­den kann, dass ge­ra­de die­se Vor­aus­set­zun­gen für den Über­gang ei­nes Be­trie­bes i. S. d. § 613 a) BGB ge­ge­ben sind.

Al­lein der Um­stand, dass die Be­klag­te zu 2) nun­mehr – teil­wei­se – gleich­ar­ti­ge Tätig­kei­ten in ei­ge­ner Re­gie ausführen lässt, wie sie vor­her von der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) aus­geführt wor­den sind, nämlich War­tungs­ar­bei­ten an der Air­bus-Flot­te der Be­klag­ten zu 2), reicht für sich be­trach­tet für die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs bei wei­tem nicht aus; denn ein Be­triebsüber­gang i. S. v. § 613 a BGB ist von ei­ner bloßen Auf­trags­neu­ver­ga­be mit Funk­ti­ons­nach­fol­ge ab­zu­gren­zen, bei wel­cher eben­falls gleich­ar­ti­ge oder gar iden­ti­sche Tätig­kei­ten von der Re­gie des ei­nen Un­ter­neh­mens in die Re­gie ei­nes an­de­ren Un­ter­neh­mens wech­seln.


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c. Um die Prüfung zu er­leich­tern, ob ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit un­ter Wah­rung ih­rer Iden­tität als or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ge­samt­heit von ei­nem Un­ter­neh­men auf ein an­de­res über­ge­gan­gen ist, un­ter­schei­det die Recht­spre­chung zunächst zwi­schen sol­chen Be­trie­ben, de­ren Iden­tität von ih­ren sächli­chen Be­triebs­mit­teln ge­prägt wird, und sog. be­triebs­mit­tel­ar­men Be­trie­ben, de­ren iden­titäts­stif­ten­de Quel­le z. B. in dem Know-how und der Ar­beits­kraft ei­ner den Be­trieb prägen­den Man­power verkörpert ist.

aa. Sähe man in der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) ei­nen be­triebs­mit­tel­ge­prägten Be­trieb, so schei­det die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs nach § 613 a BGB schon des­halb aus, weil die Be­klag­te zu 2) nur ei­nen letzt­lich un­we­sent­li­chen, nicht prägen­den Teil der Be­triebs­mit­tel über­nom­men hat. So hat die Be­klag­te zu 2) vom Fuhr­park der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nichts und von dem sons­ti­gen tech­ni­schen Equip­ment nur ca. 5 % der Aus­stat­tung über­nom­men. Dass die Be­klag­te zu 2) das­sel­be EDV-Pro­gramm zur „Ver­wal­tung“ der War­tungs­ar­bei­ten wei­ter­be­nutzt wie früher die Be­klag­te zu 1), er­scheint schon des­halb nicht iden­titäts­stif­tend, weil ein sol­ches Pro­gramm auch von et­li­chen an­de­ren Air­lines zu glei­chen Zwe­cken be­nutzt wird. Eben­so we­nig kann die iden­titäts­wah­ren­de or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit­lich­keit ent­schei­dend dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass die Be­klag­te zu 2) Tei­le der frühe­ren Büroräum­lich­kei­ten der Be­klag­ten zu 1) wei­ter­nutzt und die von ihr ein­ge­stell­ten ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten zu 1) ih­re al­te Per­so­nal­num­mer be­hal­ten konn­ten.

bb. Kein an­de­res Er­geb­nis er­gibt sich, wenn man von der Ei­gen­art der Auf­ga­ben­stel­lung her den Be­trieb „Tech­nik-Sta­ti­on“ der Be­klag­ten zu 1) als nicht be­triebs­mit­tel­ge­prägt an­sieht, son­dern die iden­titäts­wah­ren­de Struk­tur in der in dem Be­trieb or­ga­ni­sier­ten Man­power verkörpert sieht.

(1) Grundsätz­lich ist die Über­nah­me der Be­leg­schaft ei­nes Be­trie­bes als Rechts­fol­ge des § 613 a BGB an­zu­se­hen und nicht auf des­sen Vor­aus­set­zungs­ebe­ne an­ge­sie­delt. Den­noch sind Fall­kon­stel­la­tio­nen an­er­kannt, in de­nen die Über­nah­me ei­nes we­sent­li­chen Teils der Be­leg­schaft für die An­nah­me ei­nes Be­triebsüber­gangs i. S. d. § 613 a BGB


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aus­schlag­ge­bend sein kann, nämlich dann, wenn in dem über­nom­me­nen Teil in ent­schei­den­dem Maße ein ar­beits­tech­nisch not­wen­di­ges Know-how verkörpert ist.

(2) Vor­lie­gend wer­den von den ursprüng­lich 60 Mit­ar­bei­tern der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) nun­mehr un­strei­tig al­len­falls 1/3 von der Be­klag­ten zu 2) beschäftigt. War­um es sich in qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht bei die­sem jetzt bei der Be­klag­ten zu 2) be­find­li­chen Teil des Per­so­nals ge­ra­de um die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter han­delt, die – im Ge­gen­satz zu den übri­gen 2/3 der ehe­ma­li­gen Be­leg­schaft der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) – die ent­schei­den­den Know-how-Träger dar­stel­len, ist nicht er­sicht­lich. In quan­ti­ta­ti­ver Hin­sicht er­scheint der von der Be­klag­ten zu 2) beschäftig­te Teil der frühe­ren Mit­ar­bei­ter schon des­halb nicht prägend, weil er we­sent­lich we­ni­ger als die Hälf­te der frühe­ren Be­leg­schaft aus­macht.

d. Hin­zu kommt, dass der Kläger nicht dar­ge­legt hat, dass der nun­mehr von der Be­klag­ten zu 2) beschäftig­te Teil sei­ner ehe­ma­li­gen Kol­le­gen ei­ne durch ei­ne in­ne­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tur ver­bun­de­ne spe­zi­el­le Ein­heit der frühe­ren Tech­nik-Sta­ti­on dar­stell­te.

e. Darüber hin­aus fehlt auch je­der auch nur annähernd sub­stan­ti­ier­te Sach­vor­trag des Klägers da­zu, dass die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Struk­tu­ren und Abläufe im jet­zi­gen War­tungs­be­trieb der Be­klag­ten zu 2) mit den­je­ni­gen im Be­trieb der Be­klag­ten zu 1) iden­tisch sind.

f. Eben­so we­nig hat der Kläger dar­ge­legt, dass die Lei­tungs­struk­tu­ren gleich­ge­blie­ben sind. Im Ge­gen­teil hat er den Vor­trag der Be­klag­ten zu 2) nicht erschüttern können, dass de­ren jet­zi­ger ei­ge­ner War­tungs­be­trieb nicht et­wa von ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten zu 1), son­dern von ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten zu 2) geführt wird.

g. Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts kann schließlich auch nicht ent­schei­dend dar­auf ab­ge­stellt wer­den, dass von der Be­leg­schaft des jet­zi­gen War­tungs­be­trie­bes der Be­klag­ten zu 2) die Mehr­zahl der Mit­ar­bei­ter


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dem ehe­ma­li­gen Per­so­nal der Tech­nik-Sta­ti­on der Be­klag­ten zu 1) ent­stammt. Der jet­zi­ge Be­trieb der Be­klag­ten zu 2) stellt nämlich, wie be­reits auf­ge­zeigt, kei­ne or­ga­ni­sa­to­risch ver­selbständig­te Ein­heit dar, die mit ei­nem vor­her bei der Be­klag­ten zu 1) exis­tie­ren­den, or­ga­ni­sa­to­risch ver­selbständig­ten (Teil-)Be­trieb als iden­tisch an­ge­se­hen wer­den könn­te.

4. Bei al­le­dem muss­ten die Be­ru­fun­gen der Be­klag­ten zu 1) und zu 2) er­folg­reich sein und konn­te das Er­geb­nis des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils nicht auf­recht er­hal­ten blei­ben.

III. Die Kos­ten­fol­ge er­gibt sich aus § 91 Abs. 1 ZPO.

Ein ge­setz­li­cher Grund für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on ist nicht ge­ge­ben.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­se Ent­schei­dung ist ein wei­te­res Rechts­mit­tel nicht statt­haft.

Dr. C

T

S

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