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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/080

An­ord­nung von Kurz­ar­beit oh­ne An­kün­di­gungs­frist?

Ar­beits­ver­trag­li­che Kurz­ar­beits­klau­seln müs­sen die Vor­aus­set­zun­gen der ein­sei­ti­gen An­ord­nung von Kurz­ar­beit kon­kret re­geln: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 07.10.2010, 2 Sa 1230/10
Geschäftsführer hinter Schreibtisch mit Bauarbeitern Das Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers hat auch Gren­zen
26.04.2011. Kurz­ar­beit hat sich als Mit­tel be­währt, um Ar­beits­lo­sig­keit zu ver­mei­den. Ih­re so­zi­al­recht­li­chen Grund­la­gen sind in den §§ 169-182 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) ge­re­gelt. Ob der Ar­beit­ge­ber sie ein­sei­tig an­ord­nen darf, steht aber auf ei­nem an­de­ren Blatt. Denn die Wirk­sam­keit ei­ner vor­for­mu­lier­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Kurz­ar­beits­klau­sel rich­tet sich nach dem Recht der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB-Recht), vgl. §§ 305 Abs.1, 310 Abs.3 Satz 2 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch - BGB.

Da­nach sind Klau­seln un­wirk­sam, wenn sie den Ar­beit­neh­mer „un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen”. Das ist der Fall, wenn sie mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der sie ab­wei­chen, un­ver­ein­bar sind (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg hat­te vor kur­zem die Fra­ge zu klä­ren, ob ei­ne sol­che Be­nach­tei­li­gung vor­liegt, wenn der Ar­beit­ge­ber oh­ne Vor­an­kün­di­gungs­frist Kurz­ar­beit an­ord­nen darf (Ur­teil vom 07.10.2010, 2 Sa 1230/10).

Im Streit­fall nutz­te der Ar­beit­ge­ber ei­ne ar­beits­ver­trag­li­che Klau­sel, die es ihm er­laub­te, vom Ar­beits­amt an­er­kann­te Kurz­ar­beit frist­los ein­zu­füh­ren. Da­durch er­litt ei­ne Ar­beit­neh­me­rin Lohn­ein­bu­ßen, die sie vor dem Ar­beits­ge­richt Pots­dam (Ur­teil vom 22.04.2010, 8 Ca 2793/09) und vor dem LAG mit Er­folg ein­klag­te. Die Klau­sel ist mit § 611 BGB und § 2 Kün­di­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) un­ver­ein­bar und un­wirk­sam, so die Ge­rich­te, weil durch sie Lohn­an­sprü­che oh­ne wei­te­res be­sei­tigt wer­den könn­ten.

Fa­zit: Ar­beits­ver­trag­li­che Kurz­ar­beits­klau­sel er­lau­ben ra­bia­te Ein­grif­fe in die ar­beits­ver­trag­li­chen Rech­te des Ar­beit­neh­mers, ver­gleich­bar et­wa mit den Fol­gen ei­ner Än­de­rungs­kün­di­gung. Da­her müs­sen vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Kurz­ar­beits­klau­seln ge­nau re­geln, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und mit wel­cher An­kün­di­gungs­frist der Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig Kurz­ar­beit an­ord­nen darf. Da­bei ge­nügt es nicht, pau­schal auf die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Kurz­ar­bei­ter­gel­des zu ver­wei­sen.

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Letzte Überarbeitung: 7. Mai 2016

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