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LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 26.03.2010, 6 Sa 2345/09

   
Schlagworte: Befristung: Schriftform, Schriftform
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Aktenzeichen: 6 Sa 2345/09
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 26.03.2010
   
Leitsätze: Hat der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Entfristungsklage die Ablichtung einer Vertragsurkunde zur Akte gereicht, aus der sich das Fehlen einer Unterschrift auf Arbeitgeberseite ergibt, so ist das Landesarbeitsgericht nicht gehindert, seine Entscheidung auf den Mangel der Schriftform zu stützen.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Frankfurt (Oder), Urteil vom 25.08.2009, 6 Ca 47/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 26.03.2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

6 Sa 2345/09

6 Ca 47/09
Ar­beits­ge­richt Frank­furt (Oder)

St., VA
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit 

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Kam­mer 6,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 26. März 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt C. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter S. und U.

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richt Frank­furt (Oder) vom 25.08.2009 – 6 Ca 47/09 – wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.
2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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T a t b e s t a n d

Die Kläge­rin stand ab 19. April 2005 in ei­nem zunächst bis zum 31. De­zem­ber 2006 be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten, in des­sen Rah­men sie als Ar­beits­ver­mitt­le­rin bei der Ar­beits­agen­tur Ebers­wal­de ein­ge­setzt wur­de. Mit Da­tum vom 30. Sep­tem­ber 2005 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen Auflösungs­ver­trag (Ab­lich­tung Bl. 111 d. A.). Zu­gleich wur­de die Kläge­rin ab 1. Ja­nu­ar 2006 gemäß ei­nem eben­falls auf den 30. De­zem­ber 2005 da­tier­ten neu­en Ar­beits­ver­trag (Ab­lich­tung Bl. 9 und 10 d. A.) neu ein­ge­stellt, dies­mal be­fris­tet bis zum 31. De­zem­ber 2008.

Durch Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 2. Au­gust 2006 (Ab­lich­tung Bl. 7 und 8 d. A.) wur­de die Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin bis zum 31. De­zem­ber 2008 auf die Grund­kla­ge des zum 1. Ju­ni 2006 in Kraft ge­tre­te­nen Ta­rif­ver­trags für die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten (TV-BA) ge­stellt. Ei­ne wei­te­re Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 1. Fe­bru­ar 2007 (Ab­lich­tung Bl. 58 d. A.), bei de­ren Ab­schluss die Be­klag­te durch die Geschäftsführung der Ar­beits­agen­tur Frank­furt (Oder) ver­tre­ten wur­de, hat­te eben­falls die Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin bis zum 31. De­zem­ber 2008 zum Ge­gen­stand.

Das Ar­beits­ge­richt Frank­furt (Oder) hat auf die am 9. Ja­nu­ar 2009 ein­ge­reich­te Kla­ge der Kläge­rin fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf Grund Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2008 be­en­det wor­den sei. Zu­gleich hat es die Be­klag­te zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin ver­ur­teilt.

Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, ei­ner Be­fris­tungs­kon­trol­le sei der Ar­beits­ver­trag vom 30. De­zem­ber 2005 zu un­ter­zie­hen, weil die bei­den nach­fol­gen­den Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen kei­ne neue Be­fris­tungs­ab­re­de ent­hal­ten hätten. Ob es zur Un­ter­zeich­nung die­ses Ver­trags erst nach Ar­beits­auf­nah­me der Kläge­rin nach En­de ih­res Ur­laubs am 9. Ja­nu­ar 2006 ge­kom­men sei, könne da­hin­ste­hen, weil die ver­ein­bar­te Be­fris­tung oh­ne­hin nicht sach­lich ge­recht­fer­tigt ge­we­sen sei. So­weit sich die Be­klag­te auf ih­ren Haus­halts­plan für 2006 als Sach­grund für die Be­fris­tung be­ru­fe, wo­nach in Ka­pi­tel 5 un­ter Ti­tel 425 07 Mit­tel mit der Zweck­be­stim­mung „Vergütun­gen der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag zur wei­te­ren Ver­bes­se­rung des Be­treu­ungs­schlüssels Ar­beits­ver­mitt­ler zu Ar­beits­lo­sen/Be­trie­ben bis 31.12.2006 und zur Si­cher­stel­lung fach­lich adäqua­ter Be­treu­ungs­schlüssel bis 31.12.2008“ zur Verfügung ge­stellt würden, genüge dies nicht den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen. Dar­aus las­se sich nicht ein­mal an­satz­wei­se ent­neh­men, dass es sich le­dig­lich um ei­nen vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darf han­de­le und ob die Be­klag­te

 

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über­haupt ir­gend­ei­ne Pro­gno­se an­ge­stellt ha­be, dass der Be­treu­ungs­schlüssel nach dem 31. De­zem­ber 2008 auch oh­ne die be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beits­kräfte gewähr­leis­tet sei.

Ge­gen die­ses ihr am 2. Ok­to­ber 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­te­te sich die am 20. Ok­to­ber 2009 ein­ge­leg­te und am 15. De­zem­ber 2009 nach ent­spre­chen­der Verlänge­rung der Be­gründungs­frist be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Sie ver­tieft ihr Vor­brin­gen zu den An­for­de­run­gen an ei­ne sog. Haus­halts­be­fris­tung und ver­weist dar­auf, dass für ei­ne sol­che ge­ra­de kei­ne Pro­gno­se ge­stellt zu wer­den brau­che, dass die Ar­beits­men­gen nach En­de des Ar­beits­verhält­nis­ses wie­der mit dem nach dem Stel­len­plan verfügba­ren Per­so­nal bewältigt wer­den könne. Da sie an­ge­sichts der aus­drück­li­chen haus­halts­recht­li­chen Be­fris­tung der sach­lich um­schrie­be­nen Auf­ga­be über die Gel­tungs­dau­er des Haus­halts­plans 2006 hin­aus so­gar die Pro­gno­se ge­stellt ha­be, dass für ei­ne Beschäfti­gung der Kläge­rin nur bis zum 31. De­zem­ber 2008 Mit­tel zur Verfügung stünden, sei­en so­gar die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne sog. Be­darfs­be­fris­tung erfüllt.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge un­ter Ände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie tritt den An­grif­fen der Be­klag­ten mit Rechts­ausführun­gen im Ein­zel­nen ent­ge­gen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den Tat­be­stand des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und die in der Be­ru­fungs­in­stanz ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

1. Die in­ner­halb der verlänger­ten Be­gründungs­frist ord­nungs­gemäß be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten ist in der Sa­che un­be­gründet.

1.1 Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin zur Be­klag­ten hat nicht auf Grund Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2008 ge­en­det.

1.1.1 Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend dar­ge­legt hat, konn­te sich ei­ne Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses al­lein aus der Be­fris­tungs­ab­re­de in dem auf den 30. De­zem­ber 2005 da­tier­ten Ar­beits­ver­trag er­ge­ben (§ 69 Abs. 2 ArbGG). Während die­ser ei­ner­seits an die Stel­le der ursprüng­li­chen Ab­re­de über ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis

 

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zum 31. De­zem­ber 2006 ge­tre­ten ist, dien­ten die bei­den nach­fol­gen­den Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen le­dig­lich der An­pas­sung des Ar­beits­verhält­nis­ses an das neue Ta­rif­recht bzw. den neu­en Ein­satz­ort der Kläge­rin und ließen die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses un­berührt. Sol­che Ver­ein­ba­run­gen stel­len kei­ne Be­fris­tungs­ab­re­den dar (BAG, Ur­teil vom 12.08.2009 – 7 AZR 270/08 – ju­ris R 14).

1.1.2 Die Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 30. De­zem­ber 2005 ist un­wirk­sam.

1.1.2.1 Dar­auf, ob die Kläge­rin ih­re Un­ter­schrift un­ter den Ver­trags­text erst nach dem 31. De­zem­ber 2005 ge­setzt hat, kam es nicht an. Bis zum Zeit­punkt ih­rer Un­ter­schrifts-leis­tung war die Kläge­rin je­den­falls auf der Grund­la­ge des ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trags tätig ge­we­sen, des­sen Auf­he­bung erst zur sel­ben Zeit wie die neue Be­fris­tung ver­ein­bart wor­den ist.

1.1.2.2 Die Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 30. De­zem­ber 2005 ist gemäß § 125 Abs. 1, 126 Abs. 1 und 2 BGB nich­tig, weil sie ent­ge­gen § 14 Abs. 4 Tz­B­fG nicht von ei­nem Ver­tre­ter der Be­klag­ten un­ter­schrie­ben wor­den ist.

1.1.2.2.1 Zwar fin­det sich auf der rech­ten Un­ter­schrifts­zei­le am En­de des Ver­trags­tex­tes un­ter der An­ga­be „Im Auf­trag“ ein Schrift­zug, der nach der un­wi­der­spro­che­nen Dar­stel­lung der Be­klag­ten im Ver­hand­lungs­ter­min vom Geschäftsführer Fi­nan­zen der Ar­beits­agen­tur E. mit Na­men W. ge­leis­tet wor­den ist. Es ist je­doch nicht er­kenn­bar, dass es sich da­bei um des­sen Un­ter­schrift han­del­te. Viel­mehr be­steht der Schrift­zug le­dig­lich aus zwei durch ei­nen Punkt ge­trenn­te mehr oder min­der of­fe­ne Ha­ken, wo­bei der Punkt so tief ge­setzt ist, dass er die­se bei­den Ha­ken wie die Initia­len von Vor- und Fa­mi­li­en­na­men des Un­ter­zeich­ners er­schei­nen lässt, die je­doch wie ei­ne Pa­ra­phe als Na­menskürzel ge­ra­de kei­ne Un­ter­schrift i. S. d. § 126 Abs. 1 BGB dar­stel­len (vgl. BAG Ur­teil vom 24.01.2008 – 6 AZR 519/07 – BA­GE 125, 325 = AP BGB § 622 Nr. 64 R 12).

Dass der Geschäftsführer Fi­nan­zen auch ei­ne Un­ter­schrift­s­pro­be (Ab­lich­tung Bl. 214 d. A.) in fast glei­cher Wei­se ge­leis­tet hat, änder­te dar­an nichts. Der Wil­le ei­ne Un­ter­schrift zu leis­ten, ist im Rechts­ver­kehr nur in­so­weit von Be­deu­tung, wie er im Schrift­zug sei­nen Aus­druck ge­fun­den hat (BGH, Ur­teil vom 22.10.1993 – V ZR 112/92 – NJW 1994, 55). Sei­ne bloß in­ter­ne Do­ku­men­ta­ti­on genügt da­ge­gen nicht.

Be­zeich­nend er­schien hier noch, dass sich der Geschäftsführer Fi­nan­zen aus­weis­lich der wei­te­ren von der Be­klag­ten zur Ak­te ge­reich­ten Ab­lich­tun­gen (Bl. 208–213 d. A.) bei an­de­rer Ge­le­gen­heit ver­an­lasst ge­se­hen hat, sei­nen Schrift­zug noch um die ver­schlif­fe­nen An­fangs­buch­sta­ben sei­nes Vor­na­mens zu ergänzen und er sei­ne Ur­laubs­anträge in der

 

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Spal­te „Na­mens­zei­chen, Da­tum“ mit ex­akt dem­sel­ben Schrift­zug wie den Ar­beits­ver­trag vom 30. De­zem­ber 2005 aus­gefüllt hat.

1.1.2.2.2 Dass die Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Schrift­form erst­in­stanz­lich nicht the­ma­ti­siert wor­den ist, schloss nicht aus, dies in der Be­ru­fungs­in­stanz nach ent­spre­chen­dem Hin­weis gemäß § 139 Abs. 1 ZPO nach­zu­ho­len.

Zwar sieht § 6 Abs. 1 KSchG, der gemäß § 17 Satz 2 Tz­B­fG für ei­ne Ent­fris­tungs­kla­ge ent­spre­chend gilt, vor, dass sich der Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich nur bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ers­ter In­stanz zur Be­gründung der Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung auch auf in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist nicht gel­tend ge­mach­te Gründe be­ru­fen kann. Die­se Be­schränkung setzt je­doch vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer gemäß § 6 Satz 2 KSchG vom Ar­beits­ge­richt hier­auf hin­ge­wie­sen wor­den ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 08.11.2007 – 2 AZR 314/06 – BA­GE 124, 367 = AP KSchG 1969 § 4 Nr. 63 R 21), was hier nicht ge­sche­hen ist.

Zu­dem hat­te die Kläge­rin da­durch, dass sie ei­ne Ab­lich­tung der Ver­trags­ur­kun­de mit ih­rer Kla­ge­schrift zur Ak­te ge­reicht hat, auch be­reits die Form­wirk­sam­keit der ge­trof­fe­nen Be­fris­tungs­ab­re­de zur ge­richt­li­chen Über­prüfung ge­stellt. Selbst wenn ei­ne Par­tei durch Vor­la­ge ei­ner Ur­kun­de ihr ungüns­ti­ge Tat­sa­chen vorträgt, sind die­se bei der Ent­schei­dungs­fin­dung zu ver­wer­ten, so­weit es sich nicht um sol­che han­delt, die le­dig­lich ei­ne Ein­re­de be­gründen können und da­her nur be­acht­lich sind, wenn die ein­re­de­be­rech­tig­te Par­tei sich dar­auf be­ruft (BGH, Ur­teil vom 13.04.1983 – VIII ZR 320/80 – NJW 1984, 128 zu I 3b bb der Gründe). Es verhält sich in­so­weit nicht an­ders als bei der Erwähnung ei­ner Schwer­be­hin­de­rung (da­zu LAG Hamm, Urt. v. 19.11.2009 – 8 Sa 771/09 – LA­GE § 88 SGB IX Nr.1 zu I 2 b (2) (a) der Gründe) oder des Vor­han­den­seins ei­nes Be­triebs­rats, die be­reits An­lass ge­ben, den Ar­beit­ge­ber zur Dar­le­gung auf­zu­for­dern, die gemäß § 85 SGB IX er­for­der­lich Zu­stim­mung des In­te­gra­ti­ons­amts ein­ge­holt bzw. den Be­triebs­rat gemäß § 102 Abs. 1 Satz 1 und 2 Be­trVG ord­nungs­gemäß an­gehört zu ha­ben.

1.1.2.3 Es lag auch kein sach­li­cher Grund i. S. d. § 14 Abs. 1 Tz­B­fG für ei­ne Be­fris­tung vor.

1.1.2.3.1 Da das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin be­reits ab 19. April 2005 be­stan­den hat­te, konn­te sei­ne Verlänge­rung bis zum 31. De­zem­ber 2008 nicht gemäß § 14 Abs. 2 Satz 1 Ts. 1 Tz­B­fG sach­grund­los ver­ein­bart wer­den, der hierfür ei­ne Höchst­dau­er von le­dig­lich zwei Jah­ren zulässt.

1.1.2.3.2 Für ei­nen Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG genügte es nicht, dass Haus­halts­mit­tel „zur Si­cher­stel­lung fach­lich adäqua­ter Be­treu­ungs­schlüssel des 31.12.2008“

 

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aus­ge­bracht wor­den sind, weil sich aus dem da­zu­gehöri­gen Haus­halts­ver­merk nicht er­gab, ob da­durch der re­gelmäßige, ggf. auch erhöhte, oder ein nur vorüber­ge­hend erhöhter Be­darf hat bewältigt wer­den sol­len (da­zu ausführ­lich LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 03.12.2009 – 26 Sa 1449/09 – zu II 3 a bb der Gründe). Es ver­hielt sich in­so­weit nicht an­ders als bei der Re­ge­lung im Haus­halts­plan der Be­klag­ten für 2005, wo­nach „für Auf­ga­ben nach dem SGB II“ ei­ne Ermäch­ti­gung für bun­des­weit 5.000 Kräfte mit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen von drei Jah­ren Dau­er vor­ge­se­hen war (da­zu BAG, Ur­teil vom 17.03.2010 – 7 AZR 843/08 – Pres­se­mit­tei­lung Nr. 22/10).

1.1.2.3.3 Die Be­klag­te konn­te auch nicht ih­ren Haus­halt für 2006 als Grund­la­ge für ei­ne Pro­gno­se her­an­zie­hen, dass der be­trieb­li­che Be­darf an ei­ner Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin nur vorüber­ge­hend be­ste­hen wer­de (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG). Dar­aus ließ sich ein auf die kon­kre­te Stel­le be­zo­ge­ner be­fris­te­ter Be­darf nicht ab­lei­ten, zu­mal es um die Über­tra­gung ty­pi­scher Dau­er­auf­ga­ben ging. Zwar mag ein Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes auch ei­ner Dau­er­auf­ga­be für ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum be­son­de­re Be­deu­tung bei­mes­sen und zu ih­rer Er­le­di­gung be­wusst mehr Per­so­nal ein­set­zen. Dafür genügte je­doch ei­ne Be­zug­nah­me auf die im Haus­halts­plan ge­nann­te Ziel­set­zung „Si­cher­stel­lung fach­lich adäqua­ter Be­treu­ungs­schlüssel“ nicht, zu­mal die Fest­stel­lung des kon­kre­ten Be­darfs den ein­zel­nen Ar­beits­agen­tu­ren über­las­sen und von der Ein­spa­rung ent­spre­chen­der Mit­tel abhängig ge­macht wor­den war (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, wie vor, zu II 3 a cc der Gründe).

1.2 Die Kläge­rin hat ih­ren sich auf Grund ergänzen­der Ver­trags­aus­le­gung gemäß § 157 BGB er­ge­ben­den An­spruch auf Wei­ter­beschäfti­gung für die Zeit bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits we­gen Be­sorg­nis der Nich­terfüllung gemäß § 259 ZPO mit­tels Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung im We­ge ei­ner An­spruchshäufung nach § 260 ZPO ver­fol­gen können.

2. Die Be­klag­te hat gemäß § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen.

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 72 Abs. 1 ArbGG wa­ren nicht erfüllt, weil die Ent­schei­dung nicht nur auf der Be­ant­wor­tung ei­ner höchst­rich­ter­lich klärungs­bedürf­ti­gen Rechts­fra­ge be­ruht.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g

Ge­gen die­ses Ur­teil ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

C.

S.

U.

 

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