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LAG Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 27.10.2016, 13 Sa 460/16

   
Schlagworte: Arbeitszeit, Arbeitszeiterhöhung, Teilzeitbeschäftigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Aktenzeichen: 13 Sa 460/16
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 27.10.2016
   
Leitsätze:

1. Aus § 9 TzBfG lässt sich kein Anspruch auf eine bloße Erhöhung der vereinbarten Arbeitszeit ableiten. Hat ein Arbeitgeber zusätzliche Arbeitsstunden zu vergeben, ist er darin frei, welchen Teilzeitbeschäftigten er eine Verlängerung der Arbeitszeit anbietet (Anschluss an BAG 13.02.2007 - 9 AZR 575/05 -).
2. Ein Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes hat bei der Vergabe freier Stundendeputate keine Bestenauslese durchzuführen. Bei der Erhöhung der Stundenzahl eines bereits im öffentlichen Dienst beschäftigten Arbeitnehmers handelt es sich nicht um einen "Zugang" iSv. Art. 33 Abs. 2 GG.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Duisburg, Urteil vom 03.11.2015, 2 Ca 524/15
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, 13 Sa 460/16


Te­nor:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Duis­burg vom 03.11.2015 - 2 Ca 524/15 - wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


1 T A T B E S T A N D :
2 Die Kläge­rin ver­langt von der Be­klag­ten die Erhöhung ih­rer Ar­beits­zeit.
3 Die Kläge­rin ist in der Mu­sik- und Kunst­schu­le der be­klag­ten Stadt seit 1997 als Kla­vier­leh­re­rin ge­gen ein Mo­nats­brut­to­ge­halt von zu­letzt 1.663,69 € an­ge­stellt. Zunächst war sie auf der Grund­la­ge ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags sechs Un­ter­richts­stun­den pro Wo­che tätig. Mit Ver­ein­ba­rung vom 07.11.1997 wur­de das Ar­beits­verhält­nis ent­fris­tet. Nach ver­schie­de­nen Ände­run­gen der Wo­chen­ar­beits­zeit be­trug die­se zu­letzt 11 St­un­den. Da­bei er­folg­te die letz­te Auf­sto­ckung oh­ne vor­he­ri­ge Durchführung ei­nes Aus­wahl­ver­fah­rens. Bei ei­ner Voll­zeittätig­keit beträgt bei der Be­klag­ten die Wo­chen­ar­beits­zeit 30 Un­ter­richts­stun­den à 45 Mi­nu­ten. Teil­wei­se war die Kläge­rin für die Be­klag­te auch im Rah­men des von ei­ner Lan­des­stif­tung fi­nan­zier­ten Pro­gramms "Je­Ki" (Je­dem Kind ein In­stru­ment) tätig. Da­bei han­delt es sich um in­stru­men­tel­len Grup­pen­un­ter­richt von bis zu fünf Kin­dern. Die­ser fin­det in der je­wei­li­gen Grund­schu­le statt.
4 Im Frühjahr 2009 schrieb die Be­klag­te frei wer­den­de St­un­den im Fach Kla­vier in­tern und ex­tern aus. Vor­ge­se­hen wa­ren ein Vor­spiel und ei­ne Lehr­pro­be. An die­sem Aus­wahl­ver­fah­ren nahm die Kläge­rin je­doch nicht teil. Sie er­hob beim Ar­beits­ge­richt Duis­burg Kla­ge auf Erhöhung ih­rer Ar­beits­zeit und be­rief sich dar­auf, der da­ma­li­ge Lei­ter der Mu­sik­schu­le ha­be ihr be­reits 1998 und dann wie­der­holt sol­ches zu­ge­sagt. Mit Ur­teil vom 17.08.2009 wies das Ar­beits­ge­richt Duis­burg (- 3 Ca 1450/09 - An­la­ge B 1 zur Kla­ge­er­wi­de­rung vom 29.04.2015, Blatt 153 ff. d.A.) die Kla­ge ab und führ­te u.a. aus, die Kläge­rin ha­be nicht dar­ge­legt, dass ihr auf­grund der Äußerun­gen des Lei­ters der Mu­sik­schu­le ein ver­trag­li­cher An­spruch auf Zu­wei­sung von wei­te­ren St­un­den zu­ste­he. Auf die Ur­teils­gründe im Ein­zel­nen wird ver­wie­sen. Das Ur­teil wur­de auf­grund Rück­nah­me der sei­tens der Kläge­rin ein­ge­leg­ten Be­ru­fung im Ter­min am 20.11.2009 rechts­kräftig (LAG Düssel­dorf - 10 Sa 1017/09 -).
5 Im Jahr 2014 kam es auf­grund der Nicht­verlänge­rung ei­ner be­fris­te­ten St­un­den­erhöhung zum Streit zwi­schen den Par­tei­en. Die von der Kläge­rin an­ge­streng­te Kla­ge (Ar­beits­ge­richt Duis­burg - 4 Ca 1711/14 -) en­de­te mit ge­richt­li­chem Ver­gleich vom 10.09.2014. Die­ser lau­tet aus­zugs­wei­se:
6 ...
7 2. Die Be­klag­te erklärt, die Ab­sicht nach Möglich­keit zukünf­tig für et­wai­ge St­un­den im Rah­men des Pro­jekts Je­Ki zu berück­sich­ti­gen.
8 ...
9 Auf den In­halt des Ver­gleichs im Ein­zel­nen wird ver­wie­sen (An­la­ge K 4 zur Kla­ge­schrift, Blatt 35 f. d.A.).
10 En­de 2014 schrieb die Be­klag­te für die Zeit ab dem 01.02.2015 zwei un­be­fris­tet zu ver­ge­ben­de De­pu­ta­te von je­weils sechs Un­ter­richts­stun­den im Fach Kla­vier in­tern aus (An­la­ge K 6 zur Kla­ge­schrift, Blatt 38 d.A.). Die St­un­den wa­ren da­durch frei ge­wor­den, dass der vor­mals eben­falls bei der Be­klag­ten beschäftig­te Ehe­mann der Kläge­rin zu die­sem Zeit­punkt in den Ru­he­stand ging. Ne­ben der Kläge­rin be­war­ben sich acht Mit­ar­bei­ter. Am 23.01.2015 fand ein Aus­wahl­ver­fah­ren (An­la­ge K 11a zur Kla­ge­schrift, Blatt 62 d.A.) statt. Dies be­stand aus ei­nem fünf­minüti­gen Vor­spiel, ei­ner 20-minüti­gen Lehr­pro­be und ei­nem fünf­minüti­gen Gespräch, in wel­chem die Be­wer­ber Fra­gen stel­len konn­ten. Der Aus­wahl­kom­mis­si­on gehörten die Lei­te­rin der Mu­sik- und Kunst­schu­le, der Fach­be­reichs­lei­ter Tas­ten­in­stru­men­te, Ge­sang, Tanz und Thea­ter so­wie ein Per­so­nal­rats­mit­glied an. Die bei­den Erst­ge­nann­ten verständig­ten sich dar­auf, dass je­des Mit­glied der Kom­mis­si­on die Leis­tun­gen der Be­wer­ber in Vor­spiel und Lehr­pro­be mit je­weils bis zu fünf Punk­ten be­wer­ten konn­te. Die aus­ge­schrie­be­nen De­pu­ta­te soll­ten an die bei­den Be­wer­ber ver­ge­ben wer­den, wel­che die meis­ten Punk­te er­hiel­ten. Nach Ab­schluss des Aus­wahl­ver­fah­rens ent­schied sich die Be­klag­te, die St­un­den­de­pu­ta­te an die Be­wer­ber Herrn O. und Herrn I. zu ver­ge­ben. Herr O. hat­te bei der Be­wer­bung ein St­un­den­de­pu­tat von 16, Herr I. ein sol­ches von sechs St­un­den. Der­zeit sind die St­un­den­de­pu­ta­te den ge­nann­ten Mit­ar­bei­tern durch be­fris­te­te Ver­tragsände­run­gen über­tra­gen. Herr O. hat an der G. Hoch­schu­le F. die Di­plom­prüfung im Stu­di­en­gang Künst­le­ri­sche In­stru­men­tal­aus­bil­dung mit der Stu­di­en­rich­tung Tas­ten­in­stru­men­te im Haupt­fach Cem­ba­lo und dem Be­gleit­fach Kla­vier be­stan­den. Herr I. hat das Ers­te Staats­ex­amen für das Lehr­amt an Gym­na­si­en ab­ge­schlos­sen und so­dann die Künst­le­ri­sche Rei­fe­prüfung an ei­ner staat­li­chen Hoch­schu­le für Mu­sik im Haupt­fach Kla­vier. Auf die von der Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Zeug­nis­se wird ver­wie­sen (Blatt 383 ff. d.A.).
11 Den An­trag der Kläge­rin auf ei­ne einst­wei­li­ge Verfügung des In­halts, der Be­klag­ten zu un­ter­sa­gen, von den 12 aus­ge­schrie­be­nen Un­ter­richts­stun­den nicht mehr als sechs an­der­wei­tig un­be­fris­tet zu ver­ge­ben, wies das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf (- 13 Sa­Ga 7/15 -) mit Ur­teil vom 11.06.2015 zurück.
12 Die Kläge­rin hat be­haup­tet, be­reits kur­ze Zeit nach Ab­schluss des un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ha­be der da­ma­li­ge Lei­ter der Mu­sik- und Kunst­schu­le ihr münd­lich zu­ge­sagt, ihr Un­ter­richts­de­pu­tat wer­de erhöht, so­bald zusätz­li­che Un­ter­richts­stun­den zu ver­ge­ben sein soll­ten. Ziel sei ei­ne Tätig­keit im Um­fang von min­des­tens 21 Un­ter­richts­stun­den pro Wo­che.
13 Die­se Zu­sa­ge ha­be er bis zum Jahr 2000 mehr­fach er­neu­ert. Sie sei im Zu­ge ei­nes in die­sem Zeit­rah­men statt­ge­fun­de­nen Ar­beits­plan­gesprächs auch schrift­lich fi­xiert wor­den. Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, sie sei für die En­de 2014 aus­ge­schrie­be­nen St­un­den auf­grund ih­rer Aus­bil­dung und ih­rer be­ruf­li­chen Er­fah­rung in be­son­de­rer Wei­se ge­eig­net. Dies gel­te auch des­halb, weil sie hier­durch in die La­ge ver­setzt wer­de, die bis­he­ri­gen Schüler ih­res Man­nes zu "über­neh­men". Sie ver­folg­ten ei­nen ge­mein­sa­men künst­le­ri­schen und pädago­gi­schen An­satz. Sie hat be­haup­tet, zu Be­ginn des Aus­wahl­ver­fah­rens ha­be der Fach­be­reichs­lei­ter sie zum ei­nen auf­ge­for­dert, statt mit dem Vor­spiel mit der Lehr­pro­be zu be­gin­nen. Erst auf ih­re Be­schwer­de hin und nach ei­ner Dis­kus­si­on sei die ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Rei­hen­fol­ge ein­ge­hal­ten wor­den. Un­mit­tel­bar vor dem Vor­spiel ha­be die Kom­mis­si­on zum an­de­ren ent­schie­den, dass die Lehr­pro­benschüle­rin be­reits während des Vor­spiels im Prüfungs­raum an­we­send sein dürfe. Auch hierüber ha­be sich ei­ne Dis­kus­si­on ent­fal­tet. Bei­des ha­be sie in ih­rer Kon­zen­tra­ti­on be­ein­träch­tigt. Ei­ne er­be­te­ne kur­ze Pau­se zwi­schen Vor­spiel und Lehr­pro­be sei ihr ver­wei­gert wor­den. Sie ha­be im Aus­wahl­ver­fah­ren kei­ne schlech­te­ren Leis­tun­gen er­bracht als die übri­gen Be­wer­ber. Sie hat ge­meint, sie ha­be nach § 9 Tz­B­fG ei­nen An­spruch auf Verlänge­rung ih­rer Ar­beits­zeit um min­des­tens sechs Un­ter­richts­stun­den. Die­je­ni­gen Be­wer­ber, die zu­vor im Je­Ki-Be­reich tätig wa­ren, sei­en als be­triebs­fremd an­zu­se­hen. Auch sei die Aus­wah­l­ent­schei­dung ver­fah­rens­feh­ler­haft zu­stan­de ge­kom­men. Den aus­gewähl­ten Be­wer­bern feh­le die er­for­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on, da es ih­nen an ei­ner kla­vierpädago­gi­schen Aus­bil­dung feh­le. Es ver­s­toße zu­dem ge­gen den Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se, dass die Be­klag­te ih­re Aus­wahl al­lein auf die im Rah­men von Vor­spiel und Lehr­pro­be an­geb­lich er­brach­ten Leis­tun­gen gestützt, die bis­her im Ar­beits­verhält­nis ge­zeig­ten Leis­tun­gen hin­ge­gen völlig un­berück­sich­tigt ge­las­sen ha­be. Das Aus­wahler­mes­sen der Be­klag­ten sei auf­grund der Zu­sa­gen des frühe­ren Schul­lei­ters re­du­ziert ge­we­sen. Auch sei­en die maßgeb­li­chen Aus­wahl­erwägun­gen nicht hin­rei­chend schrift­lich nie­der­ge­legt wor­den; in­so­weit reich­ten die be­klag­ten­seits über­ge­be­nen Un­ter­la­gen (Blatt 251 ff. d.A.) nicht aus. Die Aus­wahl­kom­mis­si­on sei feh­ler­haft be­setzt ge­we­sen, da we­der ein aus­ge­bil­de­ter Pia­nist noch ei­ne Per­son mit staat­lich ge­prüftem Mu­sik­leh­rer­ex­amen im Fach Kla­vier be­tei­ligt ge­we­sen sei. Die Be­klag­te ha­be zu­dem die Vor­ga­ben des Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­set­zes NRW nicht be­ach­tet.
14 Die Kläge­rin hat be­an­tragt,
15 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ih­rer Erhöhung der durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Un­ter­richts­ver­pflich­tung mit Wir­kung zum 01.02.2015 auf wöchent­lich 17 Un­ter­richts­stun­den zu­zu­stim­men.
16 Hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, über ih­re Be­wer­bung un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts neu zu ent­schei­den.
17 Die Be­klag­te hat be­an­tragt,
18 die Kla­ge ab­zu­wei­sen.
19 Sie hat - wo­bei der Sach­ver­halt in­so­weit un­strei­tig ist - dar­auf ver­wie­sen, ihr lie­ge das Zeug­nis der Kläge­rin über die Staat­li­che Kla­vier­leh­rer­prüfung je­den­falls jetzt nur un­vollständig vor. Auf­for­de­run­gen, die Sei­ten vor­zu­le­gen, aus de­nen sich die Be­no­tung er­ge­be, sei die Kläge­rin nicht nach­ge­kom­men. Die Kläge­rin könne sich be­reits des­halb auf den Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se nicht be­ru­fen. Sie hat be­haup­tet, in Ver­an­stal­tun­gen der Mu­sik­schu­le hätten Schüler­beiträge aus der Klas­se der Kläge­rin ei­nen eher un­ter­durch­schnitt­li­chen Ein­druck hin­ter­las­sen. Ei­ge­ne künst­le­ri­sche Beiträge der Kläge­rin sei­en sel­ten und dann in ho­hem Maße un­ter­durch­schnitt­lich, teil­wei­se un­ter dem Ni­veau vie­ler Schüler. Die Mu­sik­schul- und die Fach­be­reichs­lei­tung hätten ihr den­noch mit der Teil­nah­me am Aus­wahl­ver­fah­ren ei­ne Chan­ce ge­ben wol­len. Die Be­klag­te hat wei­ter be­haup­tet, die Aus­ge­stal­tung des Aus­wahl­ver­fah­rens sei im Vor­feld der Aus­schrei­bung mit dem Per­so­nal­rat ab­ge­stimmt wor­den. Zum Ab­lauf des Aus­wahl­ver­fah­rens hat sie be­haup­tet, die Kläge­rin sei le­dig­lich ge­fragt wor­den, ob sie lie­ber zu­erst spie­len oder un­ter­rich­ten wol­le. Da die Kläge­rin sich für das Vor­spiel ent­schie­den ha­be, sei sie wei­ter ge­fragt wor­den, ob sie ein­ver­stan­den sei, dass die draußen war­ten­de Schüle­rin bei dem Vor­spiel da­bei sein sol­le. Ei­ne kur­ze Pau­se sei der Kläge­rin nicht ver­wei­gert wor­den. Die­se ha­be sich be­reits da­durch er­ge­ben, dass die Schüle­rin ab­ge­holt und in den Raum geführt so­wie der Kläge­rin und der Kom­mis­si­on vor­ge­stellt wor­den sei. Im An­schluss an die Lehr­pro­be sei die Kläge­rin ge­fragt wor­den, ob sie noch Fra­gen an die Kom­mis­si­on ha­be; dies ha­be sie ver­neint. Das Vor­spiel der Kläge­rin ha­be nach künst­le­ri­schen und pia­nis­ti­schen Maßstäben auf Schüler­ni­veau ge­le­gen. Herr O. ha­be von der Lei­te­rin der Mu­sik- und Kunst­schu­le und dem Fach­be­reichs­lei­ter je­weils die ma­xi­ma­le Zahl von je­weils zehn Punk­ten er­hal­ten, Herr I. je­weils neun. Die Kläge­rin ha­be ins­ge­samt nur elf Punk­te und da­mit die nied­rigs­te Punkt­zahl al­ler Be­wer­ber er­zielt. Das Per­so­nal­rats­mit­glied ha­be Herrn O. mit neun, Herrn I. mit acht und die Kläge­rin mit fünf Punk­ten be­wer­tet. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, bei der Be­wer­tung der er­brach­ten Leis­tun­gen ste­he ihr je­den­falls ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu.
20 Mit Ur­teil vom 03.11.2015 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Es hat an­ge­nom­men, ein An­spruch der Kläge­rin er­ge­be sich we­der aus § 9 Tz­B­fG noch aus ei­ner Zu­sa­ge des ehe­ma­li­gen Lei­ters der Mu­sik­schu­le. Auf die Ur­teils­gründe im Ein­zel­nen wird Be­zug ge­nom­men.
21 Ge­gen das ihr am 11.01.2016 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin am 11.02.2016 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 11.04.2016 - mit ei­nem an die­sem Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.
22 Sie wie­der­holt und ver­tieft ih­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Die Be­klag­te sei bei der Ver­ga­be der aus­ge­schrie­be­nen St­un­den an die Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 2 GG ge­bun­den ge­we­sen. Dies gel­te je­den­falls, da sie ein Aus­wahl­ver­fah­ren durch­geführt ha­be. Hier­aus fol­ge ei­ne ent­spre­chen­de Selbst­bin­dung. Ein frei­er Ar­beits­platz im Sin­ne des § 9 Tz­B­fG lie­ge be­reits vor, wenn ei­ne Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit in Re­de ste­he. In­so­weit sei auf das Ur­teil des hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 25.09.2015 (- 18 Sa 520/14 -) zu ver­wei­sen. Die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be ei­ne bes­se­re Eig­nung der an­de­ren Be­wer­ber nach­ge­wie­sen, sei be­reits auf­grund der un­zu­rei­chen­den Do­ku­men­ta­ti­on der Leis­tungs­be­wer­tun­gen falsch. Feh­ler­haft ha­be das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, sie ha­be ei­ne Zu­sa­ge des vor­ma­li­gen Lei­ters der Mu­sik- und Kunst­schu­le nicht hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt. Die Nicht­be­ach­tung der Rech­te des Per­so­nal­rats be­zo­gen auf die Aus­ge­stal­tung des Aus­wahl­ver­fah­rens be­gründe je­den­falls ih­ren An­spruch auf Neu­be­schei­dung ih­rer Be­wer­bung.
23 Die Kläge­rin be­an­tragt,
24 un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Duis­burg vom 03.11.2015 - Az. 2 Ca 524/15 - die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,
25 1.der Erhöhung ih­rer durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Un­ter­richts­ver­pflich­tung mit Wir­kung zum 01. Fe­bru­ar 2015 auf wöchent­lich 17 Un­ter­richts­stun­den zu­zu­stim­men,
26 2.hilfs­wei­se, über ih­re Be­wer­bung un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts neu zu ent­schei­den,
27 3.hilfs­wei­se, fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te zum Er­satz al­ler Schäden ver­pflich­tet ist, die ihr durch die Ver­ei­te­lung des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs auf Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung zur Erhöhung des St­un­den­de­pu­tats bzw. auf Neu­be­schei­dung der Be­wer­bung un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts, al­so des zum Er­satz ver­pflich­ten­den Er­eig­nis­ses ent­stan­den sind und noch ent­ste­hen wer­den.
28 Die Be­klag­te be­an­tragt,
29 die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.
30 Sie ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil un­ter Be­zug­nah­me auf den erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Sie führt ergänzend an, die An­nah­men der Kläge­rin führ­ten auf­grund des dann ent­ste­hen­den Auf­wan­des bei St­un­den­schwan­kun­gen zu ei­ner Lähmung des öffent­li­chen Diens­tes.
31 We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten bei­der In­stan­zen Be­zug ge­nom­men.
32 E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :
33 A.
34 Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig, ins­be­son­de­re un­ter Be­ach­tung der Vor­ga­ben der §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.
35 B.
36 Die Be­ru­fung ist je­doch nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge mit Recht ab­ge­wie­sen.
37 I. Al­ler­dings be­darf das Kla­ge­be­geh­ren zunächst der Aus­le­gung, so­weit die von der Kläge­rin be­haup­te­te Zu­sa­ge des vor­ma­li­gen Schul­lei­ters in Re­de steht.
38 1. Erst­in­stanz­lich hat sich die Kläge­rin in­so­weit womöglich le­dig­lich dar­auf be­ru­fen wol­len, die­se be­ein­flus­se die Aus­wah­l­ent­schei­dung der Be­klag­ten im Rah­men der ak­tu­el­len Aus­schrei­bung. Das Ar­beits­ge­richt hat ih­ren Vor­trag je­doch da­hin­ge­hend ge­prüft, ob sich dar­aus ein ei­genständi­ger An­spruch für das Kla­ge­be­geh­ren er­gibt. Dem hat die Kläge­rin in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht wi­der­spro­chen, son­dern sich - wenn auch mit an­de­rem Er­geb­nis - an­ge­schlos­sen. Be­reits in der Dar­stel­lung des Sach­ver­halts in der Be­ru­fungs­be­gründung hat sie der Zu­sa­ge ei­nen ei­ge­nen Glie­de­rungs­punkt ge­wid­met. Ent­spre­chen­des gilt für die recht­li­che Würdi­gung un­ter "B." der Be­ru­fungs­be­gründung. Dort be­fin­det sich die aus der Aus­schrei­bung ab­ge­lei­te­te Ar­gu­men­ta­ti­on auf der­sel­ben Glie­de­rungs­ebe­ne wie die Zu­sa­ge; die­se stellt al­so nicht le­dig­lich ei­nen Un­ter­punkt der Erst­ge­nann­ten dar.
39 2. Mit der aus der Aus­schrei­bung ab­ge­lei­te­ten Ar­gu­men­ta­ti­on und der be­haup­te­ten Zu­sa­ge macht die Kläge­rin im Haupt­an­trag un­ter­schied­li­che Streit­ge­genstände gel­tend.
40 a) Der Streit­ge­gen­stand wird durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die von dem Kläger in An­spruch ge­nom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Le­bens­sach­ver­halt (An­spruchs­grund) be­stimmt, aus dem der Kläger die be­gehr­te Rechts­fol­ge ab­lei­tet (BGH 29.09.2011 - IX ZB 106/11 - NJW 2011, 3653 RN 7 und 11). Zum An­spruchs­grund gehören al­le Tat­sa­chen, die bei ei­ner natürli­chen, vom Stand­punkt der Par­tei­en aus­ge­hen­den Be­trach­tungs­wei­se zu dem durch den Vor­trag des Klägers zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Tat­sa­chen­kom­plex gehören, den der Kläger zur Stützung sei­nes Rechts­schutz­be­geh­rens dem Ge­richt zu un­ter­brei­ten hat. Dies gilt un­abhängig da­von, ob die ein­zel­nen Tat­sa­chen des Le­bens­sach­ver­hal­tes von den Par­tei­en vor­ge­tra­gen wor­den sind (BAG 11.10.2011 - 3 AZR 795/09 - NZA-RR 2013, 211 RN 17; BGH 25.10.2012 - IX ZR 207/11 - DB 2012, 2932).
41 b) Da­nach lie­gen un­ter­schied­li­che Streit­ge­genstände vor. Bestünde die von der Kläge­rin an­ge­nom­me­ne ver­bind­li­che Zu­sa­ge, könn­te das Kla­ge­be­geh­ren un­abhängig von der vor­ge­nom­me­nen Aus­schrei­bung be­gründet sein. Das gilt auch um­ge­kehrt. Ein Zu­sam­men­hang be­steht le­dig­lich in­so­weit, als bei­de Sach­ver­hal­te ge­mein­sam ha­ben, dass bei der Be­klag­ten zusätz­li­che St­un­den­de­pu­ta­te zu ver­ge­ben sind.
42 3. Ob­wohl in­so­weit al­so ei­ne al­ter­na­ti­ve Kla­gehäufung vor­liegt, ist die Kla­ge nicht un­zulässig. Dies wäre nur an­zu­neh­men, wenn die Kläge­rin dem Ge­richt die Wahl überlässt, aus wel­chem Streit­ge­gen­stand die Ver­ur­tei­lung er­fol­gen soll (vgl. BAG 15.11.2012 - 6 AZR 321/11 - DB 2013, 692 RN 24; BGH 24.03.2011 - I ZR 108/09 - MDR 2011, 1311). Aus dem Kla­ge­vor­brin­gen er­gibt sich je­doch zur Über­zeu­gung der Be­ru­fungs­kam­mer hin­rei­chend deut­lich, dass die Kläge­rin sich in ers­ter Li­nie dar­auf stützt, das auf­grund der Aus­schrei­bung durch­geführ­te Aus­wahl­ver­fah­ren ha­be da­zu führen müssen, ihr die frag­li­chen St­un­den an­zu­bie­ten. Wie dar­ge­legt hat sie erst­in­stanz­lich die Zu­sa­ge wohl eher nur in­so­weit an­geführt, als sich aus die­ser ei­ne Re­du­zie­rung des Aus­wahler­mes­sens er­ge­ben soll. In das Be­ru­fungs­ver­fah­ren ist die Zu­sa­ge als ei­genständi­ger Streit­ge­gen­stand auf­grund der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dungs­gründe ge­langt. Auch dort ist sie erst nach­ran­gig ge­prüft wor­den, oh­ne dass die Kläge­rin wi­der­spro­chen hätte. Im Übri­gen hat sie an­ders als im Jahr 2009 am Aus­wahl­pro­zess teil­ge­nom­men, sich al­so auf die­sen ein­ge­las­sen und erst nach für sie ne­ga­ti­ver Aus­wahl die Kla­ge er­ho­ben.
43 So­weit dar­in, dass die Kläge­rin sich im Be­ru­fungs­ver­fah­ren auf die be­haup­te­te Zu­sa­ge im Sin­ne ei­nes ei­genständi­gen An­spruchs be­ruft, ei­ne Kla­geände­rung liegt, be­ste­hen kei­ne Be­den­ken an de­ren Zulässig­keit nach § 533 ZPO.
44 II. Der An­trag der Kläge­rin auf Zu­stim­mung der Be­klag­ten zur Erhöhung der wöchent­li­chen Un­ter­richts­ver­pflich­tung ist un­be­gründet.
45 1. Al­ler­dings er­gibt sich die­ses Er­geb­nis zur Über­zeu­gung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht be­reits des­halb, weil die Be­klag­te die frag­li­chen St­un­den­de­pu­ta­te der­zeit be­fris­tet an­de­ren Mit­ar­bei­tern über­tra­gen hat. Dies folgt be­reits dar­aus, dass die Be­klag­te die St­un­den zur un­be­fris­te­ten Über­tra­gung aus­ge­schrie­ben hat­te. Auch die der­zeit be­fris­tet berück­sich­tig­ten Mit­be­wer­ber der Kläge­rin ha­ben da­her bis­lang nicht das er­hal­ten, wor­auf sie sich be­wor­ben ha­ben. Es ist der Be­klag­ten da­her nicht unmöglich, den gel­tend ge­mach­ten An­spruch zu erfüllen. Ein frei­es St­un­den­de­pu­tat stellt an­ders als in den Fällen der endgülti­gen Ver­ga­be ei­ner im Be­reich des öffent­li­chen Diens­tes aus­ge­schrie­be­nen Stel­le (vgl. hier­zu BAG 28.05.2002 - 9 AZR 751/00 - NZA 2003, 324) zu­dem kei­ne ei­genständi­ge Stel­le dar, die ein Kon­kur­rent endgültig be­set­zen kann.
46 2. Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin lässt sich ein An­spruch der Kläge­rin auf Zu­stim­mung zur Erhöhung der wöchent­li­chen Un­ter­richts­ver­pflich­tung nicht aus dem durch­geführ­ten Aus­wahl­ver­fah­ren ab­lei­ten.
47 a) Ein sol­cher An­spruch folgt nicht aus § 9 Tz­B­fG.
48 (1) An­ders als die Kläge­rin ist die Be­ru­fungs­kam­mer der An­sicht, dass die­se Re­ge­lung nur auf vom Ar­beit­ge­ber neu ein­ge­rich­te­te Ar­beitsplätze, nicht je­doch auf bloße Erhöhun­gen der Ar­beits­zeit an­wend­bar ist; da­bei ist der Ar­beit­ge­ber frei, wel­chen Teil­zeit­beschäftig­ten er ei­ne Verlänge­rung der Ar­beits­zeit an­bie­tet (so auch BAG 13.02.2007 - 9 AZR 575/05 - NZA 2007, 807; vgl. auch BAG 15.08.2008 - 9 AZR 8/06 - NZA 2007, 255). Der Schutz­be­reich des § 9 Tz­B­fG ist ge­ra­de nicht berührt, wenn sich der Ar­beit­ge­ber nicht zur Schaf­fung ei­nes neu­en (auch Teil­zeit-) Ar­beits­plat­zes, son­dern da­zu ent­schließt, Teil­zeit­lern die Auf­sto­ckung ih­rer Ar­beits­zeit an­zu­bie­ten. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung dient der Förde­rung der Teil­zeit (BAG 15.08.2008 - 9 AZR 8/06 - NZA 2007, 255). Das Tz­B­fG setzt die Richt­li­nie 97/81/EG des Ra­tes vom 15.12.1997 zu der von UN­ICE, CEEP und EGB ge­schlos­se­nen Rah­men­ver­ein­ba­rung über Teil­zeit­ar­beit um. Auch die­se be­zwe­cken, die Teil­zeit­ar­beit zu fördern und die Un­gleich­be­hand­lung von Teil­zeit- und Voll­zeit­beschäftig­ten zu be­sei­ti­gen (EuGH 24.04.2008 - C-55/07 und C-56/07, C-55/07, C-56/07 - ju­ris).
49 Die­se In­ten­ti­on hat ein Ar­beit­ge­ber mit dem an Teil­zeit­kräfte ge­rich­te­ten An­ge­bot ei­ner Auf­sto­ckung be­reits erfüllt. Dar­auf, wel­cher Teil­zeit­beschäftig­te das zusätz­li­che St­un­den­de­pu­tat erhält, kommt es für ei­ne Förde­rung der Teil­zeit nicht an. Be­reits die Ent­schei­dung des Ar­beit­ge­bers, das freie St­un­den­de­pu­tat nicht ei­nem neu­en Ar­beits­platz zu­zu­ord­nen, son­dern es be­ste­hen­den Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­sen zu­zu­schla­gen, macht das Ar­beits­zeit­mo­dell der Teil­zeit at­trak­ti­ver, da er da­mit ei­nem Erhöhungs­wunsch ei­nes Teil­zeit­ar­beit­neh­mers nach­kommt. Für ei­ne sol­che Kon­stel­la­ti­on be­durf­te es kei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung, die Teil­zeit­mit­ar­bei­tern vor­ran­gi­ge Rech­te einräumt. So­weit sich die Kläge­rin auf ein ob­iter dic­tum im Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 25.09.2015 (- 18 Sa 520/14 - ju­ris) be­ruft, ist an­zu­mer­ken, dass sich die­ses nicht mit der ab­wei­chen­den An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der­setzt.
50 An­de­res folgt auch nicht aus § 5 Abs. 3 Buchst. b "Teil­zeit­ar­beitsmöglich­kei­ten" der Richt­li­nie. Wenn die Kläge­rin dar­auf ver­weist, dort wer­de die Erhöhung der Ar­beits­zeit ne­ben dem Wech­sel in ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis ge­nannt, ver­kennt sie, dass da­mit kei­ne Re­ge­lung für die Kon­kur­renz meh­re­rer Teil­zeit­be­wer­ber ge­trof­fen wird. Der For­de­rung der Richt­li­nie, Anträge von Teil­zeit­ar­beit­neh­mern auf Erhöhung ih­rer Ar­beits­zeit zu berück­sich­ti­gen, kommt die Be­klag­te nach. Den Sinn und Zweck der Richt­li­nie könn­te sie nur dann kon­ter­ka­rie­ren, wenn sie - an­statt die bei­den Kon­tin­gen­te be­ste­hen­den Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­sen zu­zu­schla­gen - aus die­sen neue Teil­zeit­ar­beitsplätze ein­ge­rich­tet hätte.
51 (2) Selbst wenn § 9 Tz­B­fG auch auf Auf­sto­ckungs­ver­lan­gen an­wend­bar wäre, führ­te dies nicht zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis.
52 Zu der Fra­ge­stel­lung, wie ein Ar­beit­ge­ber im Gel­tungs­be­reich des § 9 Tz­B­fG auswählen soll, wenn meh­re­re Teil­zeit­ar­beit­neh­mer ih­ren Wunsch nach länge­rer Ar­beits­zeit an­ge­zeigt ha­ben, enthält das Ge­setz kei­ne aus­drück­li­chen Re­ge­lun­gen. Teil­wei­se wird ver­tre­ten, er müsse dann ei­ne Ent­schei­dung nach bil­li­gem Er­mes­sen gemäß § 315 BGB bzw. § 106 Ge­wO tref­fen (An­nuß/Thüsing-Ja­cobs Tz­B­fG 3. Aufl. § 9 RN 30; ErfK-Preis 31. Aufl. § 9 Tz­B­fG RN 8. Da­bei wird auf die Ge­set­zes­be­gründung (BT-Drucks. 14/4625 Sei­te 20) ver­wie­sen.
53 Nach der Ge­gen­an­sicht ist der Ar­beit­ge­ber bei kon­kur­rie­ren­den Be­wer­bun­gen meh­re­rer Teil­zeit­ar­beit­neh­mer frei (Laux/Schlach­ter Tz­B­fG 2. Aufl. § 9 RN 72; Münch­KommBGB-Müller-Glöge 6. Aufl. § 9 Tz­B­fG RN 9; Ar­nold/Gräfl-Vos­sen Tz­B­fG § 9 RN 38; Sie­vers Tz­B­fG 5. Aufl. § 9 RN 37; Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb-Schma­len­berg 7. Aufl. § 9 Tz­B­fG RN 4 und 10; Mei­nel/Heyn/Herms Tz­B­fG 5. Aufl. § 9 RN 19).
54 Die Be­ru­fungs­kam­mer hält die letzt­ge­nann­te An­sicht für zu­tref­fend. Die Ge­set­zes­be­gründung ist be­reits wi­dersprüchlich, in­dem sie ei­ner­seits dar­auf ver­weist, der Ar­beit­ge­ber könne in der frag­li­chen Kon­stel­la­ti­on grundsätz­lich frei auswählen und an­de­rer­seits for­mu­liert, er ha­be die Ent­schei­dung nach bil­li­gem Er­mes­sen zu tref­fen. Mögli­cher­wei­se soll die zwei­te For­mu­lie­rung nur dar­auf hin­wei­sen, dass die Ent­schei­dung willkürfrei er­fol­gen muss und nicht dis­kri­mi­nie­rend sein darf. Ein mögli­cher Wil­le des Ge­setz­ge­bers, den Ar­beit­ge­ber nach § 315 BGB zu bin­den, hat je­den­falls im Ge­set­zes­wort­laut kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den. Zu­tref­fend wei­sen Laux/Schlach­ter (aaO) dar­auf hin, dass im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren die zunächst be­ab­sich­tig­te Be­schränkung der Aus­wah­l­ent­schei­dung im Hin­blick auf so­zia­le Kri­te­ri­en wie­der auf­ge­ge­ben wor­den ist. Nach dem Ge­set­zes­wort­laut un­ter­liegt der Ar­beit­ge­ber kei­nen Bin­dun­gen. § 315 BGB bzw. § 106 Ge­wO sind be­reits des­halb nicht an­wend­bar, weil es sich um ei­ne Ver­tragsände­rung, nicht um die Ausübung des Wei­sungs­rechts des Ar­beit­ge­bers han­delt.
55 Da­nach ist die Ent­schei­dung der Be­klag­ten vor dem Hin­ter­grund von § 9 Tz­B­fG nicht zu be­an­stan­den. Greif­ba­re An­halts­punk­te für ei­ne nach dem hier ver­tre­te­nen Maßstab rechts­wid­ri­ge Aus­wahl sind we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich. Die Be­klag­te hat sich le­dig­lich in­tern dafür ent­schie­den, ih­re Ent­schei­dung über die Ver­ga­be der St­un­den­de­pu­ta­te auf Ba­sis des ge­schil­der­ten Aus­wahl­ver­fah­rens vor­zu­neh­men. Sie blieb den­noch - ge­ra­de auch vor dem Hin­ter­grund des dem Ar­beit­ge­ber bei der Aus­wahl von Ar­beit­neh­mern zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raums - frei dar­in, sich für an­de­re Be­wer­ber als die Kläge­rin zu ent­schei­den.
56 So­weit sich die Kläge­rin dar­auf be­ruft, bei den Be­wer­bern han­de­le es sich teil­wei­se um "Be­triebs­frem­de", ver­kennt sie den In­halt der ge­setz­li­chen Re­ge­lung. § 9 Tz­B­fG ist nicht be­triebs­be­zo­gen, son­dern un­ter­neh­mens­be­zo­gen (BAG 15.08.2008 - 9 AZR 8/08 - NZA 2007, 255 RN 31). So­weit die Kläge­rin in­so­weit ge­gen­tei­li­ge Li­te­ra­tur­stim­men her­an­zieht, han­delt es sich um ei­ne Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on der dort wie­der­ge­ge­be­nen Auf­fas­sun­gen.
57 Dar­auf, dass das Vor­brin­gen der Kläge­rin, wel­che teil­wei­se selbst Je­Ki-St­un­den ge­ge­ben hat, die Fest­stel­lung ge­trenn­ter Be­trie­be "Mu­sik­schu­le" und Je­Ki-Be­reich nicht trägt, kommt es da­her aus Rechts­gründen nicht an.
58

b) Ein An­spruch der Kläge­rin auf Zu­stim­mung zur Erhöhung der wöchent­li­chen Un­ter­richts­ver­pflich­tung im Zu­sam­men­hang mit dem durch­geführ­ten Aus­wahl­ver­fah­ren lässt sich auch nicht aus Art. 33 Abs. 2 GG ab­lei­ten.

59 (1) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ist die dort pos­tu­lier­te Bes­ten­aus­le­se für den hier ge­ge­be­nen Fall ei­ner Ver­ga­be von St­un­den­de­pu­ta­ten auf be­reits beschäftig­te Ar­beit­neh­mer nicht an­wend­bar.
60 Nach Art 33 Abs. 2 GG hat je­der Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befähi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zu­gang zu je­dem öffent­li­chen Am­te. Öffent­li­che Ämter iSd. Art. 33 Abs. 2 GG sind nicht nur Be­am­ten­stel­len, son­dern auch sol­che, die ein öffent­li­cher Ar­beit­ge­ber mit Ar­beit­neh­mern zu be­set­zen be­ab­sich­tigt. Der un­be­schränkt und vor­be­halt­los gewähr­leis­te­te Grund­satz der Bes­ten­aus­le­se dient zum ei­nen dem öffent­li­chen In­ter­es­se an der bestmögli­chen Be­set­zung der Stel­len des öffent­li­chen Diens­tes. Zum an­de­ren trägt die Ver­fas­sungs­norm dem be­rech­tig­ten In­ter­es­se der Be­diens­te­ten an ei­nem an­ge­mes­se­nen be­ruf­li­chen Fort­kom­men da­durch Rech­nung, dass sie grund­rechts­glei­che Rech­te auf er­mes­sens- und be­ur­tei­lungs­feh­ler­freie Ein­be­zie­hung in die Be­wer­be­r­aus­wahl be­gründet. Dies gilt nicht nur für die Be­gründung von Dienst- und Ar­beits­verhält­nis­sen, son­dern auch für den Zu­gang zu Beförde­rungsämtern und -stel­len, al­so für den be­ruf­li­chen Auf­stieg (vgl. nur BAG 19.05.2015 - 9 AZR 837/13 - NZA 2015, 1074; BAG 10.02.2015 - 9 AZR 554/13 - AP GG Art 33 Abs. 2 Nr. 76).
61 An­ders als die Kläge­rin meint, han­delt es sich bei der Erhöhung der St­un­den­zahl ei­nes be­reits im öffent­li­chen Dienst beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nicht um ei­nen "Zu­gang" iSv. Art. 33 Abs. 2 GG.
62 Den Zu­gang zum öffent­li­chen Dienst hat die Kläge­rin wie auch die an­de­ren Be­wer­ber be­reits ab­sol­viert. Für die frag­li­che Tätig­keit als Mu­sik­schul­leh­rer ha­ben sich die Be­wer­ber sämt­lich be­reits in ei­nem Ver­fah­ren der Bes­ten­aus­le­se durch­ge­setzt. Ei­ne höhe­re St­un­den­zahl macht aus dem Ar­beits­platz kein an­de­res Amt bzw. kei­ne an­de­re Stel­le iSd. Art. 33 Abs. 2 GG. Die Kläge­rin ver­langt nicht den Zu­gang zu ei­ner Stel­le, son­dern die­sel­be Stel­le in ei­nem an­de­ren Um­fang. Ih­re Auf­fas­sung, hier­in lie­ge ein re­du­zier­tes Verständ­nis der Be­griff­lich­keit, ver­mag die Be­ru­fungs­kam­mer nicht nach­zu­voll­zie­hen. Den Be­griff Zu­gang auch auf Vorgänge ei­ner bloßen St­un­den­erhöhung zu er­stre­cken, be­deu­te­te viel­mehr ei­ne Er­wei­te­rung über den nor­ma­len Sprach­ge­brauch hin­aus. Wer schon ein­ge­tre­ten ist (in ein Gebäude, ei­nen Ver­ein oder eben in ein Amt des öffent­li­chen Diens­tes), der kann nicht er­neut ein­tre­ten. Auch bei der Beförde­rung tritt der Be­wer­ber in ein an­de­res Amt ein. Für ei­ne Er­wei­te­rung des Wort­lauts be­steht kei­ne Ver­an­las­sung. Wäre die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung der Kläge­rin zu­tref­fend, auch nach er­folg­tem Zu­gang zum öffent­li­chen Dienst müsse nach dem Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se ent­schie­den wer­den, wer Tätig­kei­ten er­brin­gen dürfe, dann müss­te auch ei­ne
63 St­un­den­re­du­zie­rung durch Ände­rungskündi­gung oder Be­en­di­gungskündi­gung nicht nach ei­ner So­zi­al­aus­wahl gemäß § 1 Abs. 3 KSchG er­fol­gen, son­dern nach Eig­nung und Leis­tung ("Schlech­tes­ten­aus­le­se"). An­ders als die Kläge­rin meint, ist un­ter "be­ruf­li­chem Auf­stieg" nicht je­de Ver­bes­se­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­ste­hen, son­dern nur ei­ne sol­che, die zu ei­nem höhe­ren Amt, ei­ner Beförde­rung führt.
64 An­de­res er­gibt sich auch nicht aus dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG ver­tre­te­nen Ein­stel­lungs­be­griff. In­so­weit über­sieht die Kläge­rin, dass die Re­ge­lung der Mit­be­stim­mung und die Norm des Art. 33 Abs. 2 GG un­ter­schied­li­che Schutz­zwe­cke ha­ben. Die Bes­ten­aus­le­se dient wie dar­ge­legt auch dem öffent­li­chen In­ter­es­se an der bestmögli­chen Be­set­zung der Stel­len des öffent­li­chen Diens­tes. Zweck der Mit­be­stim­mung bei Ein­stel­lun­gen nach § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG ist hin­ge­gen der kol­lek­ti­ve Schutz der in der Dienst­stel­le be­reits täti­gen Beschäftig­ten und ih­rer hier­bei zu berück­sich­ti­gen­den In­ter­es­sen (BVerwG 24.11.2015 - 5 P 13/14 - NZA-RR 2016, 219). Bei den Fra­ge, ob ei­ne Erhöhung der St­un­den­zahl ei­ne Ein­stel­lung im mit­be­stim­mungs­recht­li­chen Sinn dar­stellt, hebt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in­so­weit dar­auf ab, dass sich die Fra­ge nach mögli­chen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründen neu und mögli­cher­wei­se un­ter an­de­ren Ge­sichts­punk­ten stel­le, und zwar im Hin­blick auf den Schutz an­de­rer be­reits Beschäftig­ter (BVerwG 23.03.1999 - 6 P 10/97 - NVwZ-RR 2000, 518). Im Übri­gen lässt die Kläge­rin die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu § 99 Be­trVG außer Be­tracht. Da­nach liegt ein nach die­ser Norm als Ein­stel­lung mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ger Vor­gang bei ei­ner Erhöhung der St­un­den­zahl nur vor, wenn die­se im Um­fang von zehn Wo­chen­stun­den er­fol­gen soll (BAG 09.12.2008 - 1 ABR 74/07 - DB 2009, 743).
65 Letzt­lich führ­te die Auf­fas­sung der Kläge­rin in An­be­tracht der ho­hen ver­fah­rensmäßigen An­for­de­run­gen an die Bes­ten­aus­le­se zu ei­ner Über­for­de­rung der Ar­beit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes. Da nicht aus­zu­sch­ließen ist, dass ein Ar­beit­neh­mer im Lau­fe sei­nes Be­rufs­le­bens sei­ne Ar­beits­zeit zunächst re­du­ziert und sie später wie­der erhöhen möch­te, müss­ten sie nicht nur für je­den Ar­beit­neh­mer un­abhängig da­von, ob er je­mals für ei­ne Beförde­rung in Be­tracht kom­men kann, ein Be­ur­tei­lungs­we­sen einführen. Sie wären zu­dem ge­hal­ten, im Rah­men des Aus­wahl­ver­fah­rens ins­be­son­de­re den ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nen be­son­de­ren Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten nach­zu­kom­men (vgl. hier­zu BAG 21.01.2003 - 9 AZR 72/02 - AP GG Art. 33 Abs. 2 Nr. 59; zu­letzt BVerfG 25.11.2015 - 2 BvR 1461/15 - NJW 2016, 309).
66 Nach Auf­fas­sung der Bun­des­ar­beits­ge­richts hat der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber ei­ne Bes­ten­aus­le­se al­ler­dings auch dann zu tref­fen, wenn der Ar­beit­neh­mer sich um ein an­de­res Amt be­wirbt, das ihm im Rah­men ei­ner Ver­set­zung über­tra­gen wer­den könn­te und nicht zu ei­ner Beförde­rung führ­te (BAG 05.11.2002 - 9 AZR 451/01 - NZA 2003, 798). Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­tritt hin­ge­gen die An­sicht, die Be­wer­bung auf ein gleich­wer­ti­ges Amt fal­le nicht un­ter Art. 33 Abs. 2 GG (BVerwG 25.11.2004 - 2 C 17/03 - NVwZ 2005, 702; BVerwG 26.01.2012 - 2 A 7/09 - NVwZ 2012, 1477 RN 32). Die von der Kläge­rin be­gehr­te Zu­stim­mung zur Ver­tragsände­rung be­zieht sich auf die­sel­be, al­so ei­ne gleich­wer­ti­ge Tätig­keit. Es han­delt sich auch nicht um ein an­de­res Amt/ei­ne an­de­re Stel­le, son­dern um die­sel­be Tätig­keit in le­dig­lich an­de­rem Um­fang. Auf die ge­schil­der­te Di­ver­genz in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung kommt es da­her nicht an.
67 In­dem die Kläge­rin sich dar­auf be­ruft, un­ter Zu­grun­de­le­gung der hier ver­tre­te­nen An­sicht ha­be die Be­klag­te die frei ge­wor­de­nen Un­ter­richts­stun­den auch an den bei ihr in Teil­zeit beschäftig­ten Haus­meis­ter ver­ge­ben können, ver­kennt sie - ab­ge­se­hen von der Ab­sur­dität die­ses Bei­spiels -, dass in die­sem Fall frag­los ei­ne Beförde­rung vorläge.
68 So­weit sich die Kläge­rin für ih­re An­sicht auf Pah­len (rich­ti­ger­wei­se La­ber, in Gro­eger: Ar­beits­recht im Öffent­li­chen Dienst, 2. Aufl. 2014, A. Teil­zeit RN 60) be­ruft, han­delt es sich um ein Fehl­zi­tat.
69 (2) Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin hat die Be­klag­te auch nicht aus dem Ge­sichts­punkt der Selbst­bin­dung die Grundsätze der Bes­ten­aus­le­se ein­zu­hal­ten.
70 Zu­tref­fend hat die Be­klag­te in­so­weit dar­auf ver­wie­sen, dass ihr frag­li­ches Han­deln nicht ver­wal­tungs­recht­li­cher Na­tur war. Der öffent­lich-recht­li­che Grund­satz der "Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung" gilt nämlich nicht bei pri­vat­recht­li­chen Be­zie­hun­gen und da­her auch nicht - wie hier - zwi­schen Lehr­kräften im An­ge­stell­ten­verhält­nis und ih­ren öffent­li­chen Ar­beit­ge­bern. Er gehört nicht dem Pri­vat­recht, son­dern dem öffent­li­chen Recht an. Er be­trifft den Er­mes­sens­ge­brauch der Ver­wal­tung bei öffent­lich-recht­li­chen Verhält­nis­sen, wenn der Ver­wal­tung im Ein­zel­fal­le nach ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ge­genüber dem Bürger ein Er­mes­sen ein­geräumt wor­den ist. Im Rah­men bürger­lich-recht­li­cher bzw. ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zie­hun­gen ist für die An­wen­dung die­ses dem Ver­wal­tungs­recht an­gehören­den Grund­sat­zes eben­so we­nig Raum wie für die un­mit­tel­ba­re Gel­tung von Er­las­sen. Das muss schon des­we­gen gel­ten, weil Grundsätze wie die der ver­wal­tungs­recht­li­chen Selbst­bin­dung spe­zi­fisch öffent­lich-recht­li­chen
71 Cha­rak­ter tra­gen und ei­ne Rechts­be­zie­hung des öffent­li­chen Rechts vor­aus­set­zen. Ih­re Über­nah­me in das Ar­beits­recht würde zu ei­ner durch nichts ge­recht­fer­tig­ten Bes­ser­stel­lung der Ar­beit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes führen, weil außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes für die An­wen­dung die­ses Grund­sat­zes oh­ne­hin kei­ne Möglich­keit be­steht. Den Schutz, den das Prin­zip der Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung dem ihr ge­genüber­ste­hen­den Bürger in öffent­lich-recht­li­chen Be­zie­hun­gen gewähren will, ge­nießt der Ar­beit­neh­mer oh­ne­hin und nicht auf den öffent­li­chen Dienst be­schränkt nach dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und ggf. un­mit­tel­bar nach dem Gleich­heits­satz des Art. 3 GG (BAG 18.05.1988 - 4 AZR 765/87 - AP BAT §§ 22, 23 Leh­rer Nr. 24). Die­ser Schutz führt al­ler­dings nicht zu der von der Kläge­rin be­gehr­ten An­wen­dung ei­ner Re­ge­lung, son­dern setzt vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber die­se an­wen­det. Die von ihr im Schrift­satz vom 19.10.2016 zi­tier­te ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung geht da­her an der Sa­che vor­bei.
72 Außer­dem hat sich die Be­klag­te mit dem von ihr gewähl­ten Aus­wahl­ver­fah­ren ge­ra­de nicht auf ei­ne Bes­ten­aus­le­se iSd. Art. 33 Abs. 2 GG fest­ge­legt. Wie auch die Kläge­rin er­kannt hat, stellt ei­ne Aus­wah­l­ent­schei­dung, die al­lein auf den Ein­druck ei­nes Aus­wahl­gesprächs ab­stellt, al­len­falls ei­ne Mo­ment­auf­nah­me dar und hat da­her nur ei­ne be­schränk­te Aus­sa­ge­kraft; es han­delt sich al­so nicht um ei­ne Bes­ten­aus­le­se iSd. Art. 33 Abs. 2 GG (vgl. nur OVG NRW 09.11.2001 - 1 B 1146/01 - NVwZ-RR 2002, 291). Ei­ne Selbst­bin­dung der Be­klag­ten, sich bei der Aus­wahl den ho­hen An­for­de­run­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Bes­ten­aus­le­se­prin­zips zu un­ter­wer­fen, ist ih­rem Ver­hal­ten al­so ge­ra­de nicht zu ent­neh­men.
73 (3) Es war der Be­klag­ten da­her recht­lich er­laubt, ei­ne Aus­wahl zu tref­fen, die zwar nach Leis­tungs­ge­sichts­punk­ten er­fol­gen, aber in Maßstab, Kri­te­ri­en und Ver­fah­ren hin­ter dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se zurück­blei­ben soll­te. Da sie in ih­rer Aus­wah­l­ent­schei­dung grundsätz­lich frei ist, erschöpft sich die Be­deu­tung des durch­geführ­ten Aus­wahl­ver­fah­rens in ei­ner le­dig­lich in­ter­nen Wil­lens­bil­dung, oh­ne dass ei­ne - je­den­falls willkür- und dis­kri­mi­nie­rungs­frei ge­trof­fe­ne - Be­wer­tung ge­richt­lich über­prüfbar ist. Das gewähl­te Ver­fah­ren ist auch frei von Willkür, son­dern er­scheint ge­eig­net, An­halts­punk­te für die zu tref­fen­de Ent­schei­dung zu er­brin­gen. Es be­zieht sich auf die zu er­brin­gen­de Tätig­keit, wel­che da­durch ge­kenn­zeich­net ist, dass die Be­wer­ber sie im Re­gel­fall außer­halb der Wahr­neh­mung der Be­klag­ten er­brin­gen. So­weit die Kläge­rin die Zu­sam­men­set­zung der Aus­wahl­kom­mis­si­on rügt, er­scheint dies vor dem Hin­ter­grund, dass ihr die Lei­te­rin der Mu­sik­schu­le und der Fach­be­reichs­lei­ter an­gehörte, oh­ne­hin eher be­fremd­lich. Vor dem Hin­ter­grund
74 des ge­schil­der­ten Maßstabs bleibt die Rüge je­den­falls oh­ne recht­li­che Re­le­vanz. Ent­spre­chen­des gilt für den Vor­wurf man­geln­der Do­ku­men­ta­ti­on des Aus­wahl­ver­fah­rens. Für ein der in­ter­nen Wil­lens­bil­dung im ge­schil­der­ten Maßstab die­nen­des Aus­wahl­ver­fah­ren ist ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on nicht er­for­der­lich.
75 So­weit die Kläge­rin sich dar­auf be­ruft, ver­fah­rens­feh­ler­haft be­han­delt und da­durch in ih­rer Kon­zen­tra­ti­on be­ein­träch­tigt wor­den zu sein, ver­mag die Be­ru­fungs­kam­mer Der­ar­ti­ges nicht zu er­ken­nen. Be­reits auf der Grund­la­ge ih­rer ei­ge­nen Be­haup­tun­gen er­schei­nen die Ände­run­gen in den Abläufen nicht der­art gra­vie­rend, dass die Be­klag­te die An­for­de­run­gen hier­durch in ir­re­gulärer Art erhöht hätte. In An­be­tracht des­sen, dass die Schüle­rin für die Lehr­pro­be be­reits er­schie­nen war, er­wei­sen sich bei­de An­sin­nen der Be­klag­ten als ab­so­lut so­zi­al­adäquat. Ei­ne Pau­se zwi­schen Vor­spiel und Lehr­pro­be war im Aus­wahl­ver­fah­ren auch für die an­de­ren Be­wer­ber nicht vor­ge­se­hen. Ei­ne auf der Grund­la­ge des Kläger­vor­brin­gens zu Ta­ge tre­ten­de feh­len­de Fle­xi­bi­lität nährt in­so­weit eher Zwei­fel an der Eig­nung der Kläge­rin für das Un­ter­rich­ten von Kin­dern. Hin­zu tritt, dass die Kläge­rin ih­re Be­haup­tun­gen nicht un­ter Be­weis ge­stellt hat. Nach dem Be­klag­ten­vor­trag ist die Kläge­rin oh­ne­hin nicht be­drängt, son­dern le­dig­lich nach ih­rem Ein­verständ­nis ge­fragt wor­den. Ei­ne re­le­van­te Feh­ler­haf­tig­keit des Ver­fah­rens lässt sich da­nach we­der im Tatsächli­chen noch auf der Ba­sis des recht­li­chen Maßstabs fest­stel­len.
76 (4) Ei­ne Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, mit der Kläge­rin ei­ne Erhöhung der St­un­den­zahl zu ver­ein­ba­ren, er­gibt sich selbst dann nicht, wenn die Grundsätze des Art. 33 Abs. 2 GG an­wend­bar wären.
77 Nach die­ser Be­stim­mung hat je­der Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befähi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zu­gang zu je­dem öffent­li­chen Amt. Öffent­li­che Ämter in die­sem Sin­ne sind nicht nur Be­am­ten­stel­len, son­dern auch Stel­len, die mit Ar­beit­neh­mern be­setzt wer­den können (BAG 28.05.2002 - 9 AZR 751/00 - AP GG Art. 33 Abs. 2 Nr. 56, zu II 1 der Gründe). Aus Art. 33 Abs. 2 GG er­gibt sich ein An­spruch auf Ein­stel­lung je­doch nur dann, wenn sämt­li­che Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen in der Per­son des Be­wer­bers erfüllt sind und des­sen Ein­stel­lung die ein­zig denk­ba­re rechtmäßige Ent­schei­dung der Behörde ist, weil sich je­de an­de­re Ent­schei­dung als rechts­wid­rig oder er­mes­sens­feh­ler­haft dar­stellt (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 09.11.1994 - 7 AZR 19/94 - AP GG Art. 33 Abs. 2 Nr. 33, zu I 1 der Gründe mwN; BAG 04.02.1981 - 4 AZR 967/78 - AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 45).
78 Die Be­ru­fungs­kam­mer ver­moch­te dem Vor­brin­gen der Kläge­rin nicht zu ent­neh­men, dass nach den Er­geb­nis­sen des durch­geführ­ten Aus­wahl­ver­fah­rens die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Ihr bloßes Be­strei­ten der Punk­te­ver­ga­be reicht in­so­weit nicht aus. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung der von der Kläge­rin nach ei­ge­nem Vor­trag bis­lang im Ar­beits­verhält­nis ge­zeig­ten Leis­tun­gen kann da­her nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die Über­tra­gung ei­nes der bei­den St­un­den­de­pu­ta­te auf die Kläge­rin un­ter Berück­sich­ti­gung des der Be­klag­ten zu­ste­hen­den Be­ur­tei­lungs­spiel­raums sich als ein­zig denk­ba­re rechtmäßige Ent­schei­dung dar­stellt. So­weit sie dar­auf ver­weist, ei­ne höhe­re Qua­li­fi­zie­rung zu ha­ben als ei­ni­ge der an­de­ren Be­wer­ber, ist dar­auf zu ver­wei­sen, dass es grundsätz­lich dem Ar­beit­ge­ber ob­liegt, das An­for­de­rungs­pro­fil für aus­zuüben­de Tätig­kei­ten fest­zu­le­gen. Dass die Be­wer­ber sämt­lich die in der Aus­schrei­bung auf­ge­stell­ten for­ma­len Kri­te­ri­en erfüllen, hat die Kläge­rin nach Vor­la­ge de­ren Qua­li­fi­ka­tio­nen durch die Be­klag­te nicht kon­kret be­strit­ten.
79 c) Ein an­de­res Er­geb­nis folgt auch nicht aus dem Lan­des­gleich­stel­lungs­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len (LGG NW). Nach des­sen § 13 Abs. 7 ist auf An­trag ei­ne Ände­rung des Um­fangs der Teil­zeit­beschäfti­gung oder der Über­gang zur Voll­zeit­beschäfti­gung zu­zu­las­sen, wenn den Beschäftig­ten die Teil­zeit­beschäfti­gung im bis­he­ri­gen Um­fang nicht mehr zu­ge­mu­tet wer­den kann und dienst­li­che Be­lan­ge nicht ent­ge­gen­ste­hen. Ein An­spruch der Kläge­rin, an­de­ren Teil­zeit­beschäftig­ten vor­ge­zo­gen zu wer­den, folgt dar­aus nicht.
80 d) Er­folg­los bleibt auch die Rüge der Kläge­rin, die Be­klag­te ha­be den Per­so­nal­rat nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt.
81 Zu­tref­fend hat die Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen, die An­sicht der Kläge­rin, der Per­so­nal­rat sei nach § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG im Vor­feld bei der Aus­ge­stal­tung des Aus­wahl­ver­fah­rens zu be­tei­li­gen ge­we­sen, ge­he be­reits des­halb fehl, weil das Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz nur für Per­so­nal­ver­tre­tun­gen im Bun­des­dienst gilt. So­weit die Kläge­rin sich auf das LPVG NW be­ruft, gilt im Er­geb­nis nichts an­de­res. Un­ter­stellt, die frag­li­che Über­tra­gung ei­nes St­un­den­de­pu­tats stel­le ei­ne Ein­stel­lung im Sin­ne des LPVG NW dar, ist zunächst nichts dafür er­sicht­lich, dass die Be­klag­te die dem Per­so­nal­rat nach § 65 Abs. 2 LPVG NW zu­ste­hen­den Rech­te ver­letzt hat. So­weit die Kläge­rin in die­sem Zu­sam­men­hang auf das Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats nach § 72 Abs. 1 Nr. 1 LPVG NW ver­weist, ver­kennt sie, dass sich aus ei­ner - zu ih­ren Guns­ten un­ter­stell­ten - Ver­let­zung die­ses Rechts nicht die be­gehr­te Rechts­fol­ge er­ge­ben kann. Das sich nach §§ 66, 72 Abs. 1 Nr. 1 LPVG NW er­ge­ben­de Zu­stim­mungs­er­for­der­nis er­streckt sich nicht auf den In­halt ei­nes Aus­wahl­ver­fah­rens.
82 So­fern die Kläge­rin gel­tend ma­chen möch­te, die Ver­ga­be an die Mit­be­wer­ber sei un­ter Ver­s­toß ge­gen das LPVG NW er­folgt, ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se zum ei­nen nach wie vor nicht er­folgt ist und zum an­de­ren ein un­ter­stell­ter Ver­s­toß nicht die von der Kläge­rin be­gehr­te Rechts­fol­ge hätte.
83 e) So­weit die Kläge­rin meint, die Be­klag­te ha­be sie auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en im Rah­men des Aus­wahl­ver­fah­rens be­vor­zugt berück­sich­ti­gen müssen, ver­mag die Be­ru­fungs­kam­mer die­se An­sicht nicht zu tei­len.
84 Ih­re An­sicht, sol­ches fol­ge aus dem Ver­gleich der Par­tei­en vom 10.09.2014 im Vor­pro­zess, er­sch­ließt sich der Be­ru­fungs­kam­mer be­reits auf­grund des ein­deu­ti­gen Wort­lauts nicht. Ab­ge­se­hen da­von, dass die Be­klag­te un­ter Zif­fer 2 des Ver­gleichs ei­ne bloße Ab­sichts­erklärung ab­ge­ge­ben hat, be­zieht sich die­se aus­drück­lich nur auf St­un­den im Rah­men des Pro­jekts "Je­Ki", wel­che hier nicht im Streit ste­hen.
85 So­weit die Kläge­rin sich in­so­weit auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren auf die be­haup­te­te Zu­sa­ge des frühe­ren Schul­lei­ters be­ru­fen will, bleibt dies be­reits des­halb er­folg­los, weil rechts­kräftig fest­steht, dass es ei­ne sol­che ver­bind­li­che Zu­sa­ge nicht ge­ge­ben hat. In­so­weit er­laubt sich die Be­ru­fungs­kam­mer, auf die an­sch­ließen­den Ausführun­gen un­ter 3. Be­zug zu neh­men.
86 3. Auf die be­haup­te­te Zu­sa­ge des frühe­ren Schul­lei­ters kann die Kläge­rin ih­ren Erhöhungs­an­spruch be­reits des­halb nicht er­folg­reich stützen, weil ihr ein sol­cher An­spruch rechts­kräftig ab­er­kannt ist.
87 a) Ein aus­schlag­ge­ben­der, die Kla­ge­ab­wei­sung tra­gen­der Grund wird Teil des in Rechts­kraft er­wach­sen­den Ent­schei­dungs­sat­zes und ist nicht al­lein ein Ele­ment der Ent­schei­dungs­be­gründung. Zu den Rechts­kraft­wir­kun­gen gehört des­halb die Präklu­si­on der im ers­ten Pro­zess vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen, die zu ei­ner Ab­wei­chung von der rechts­kräftig fest­ge­stell­ten Rechts­fol­ge führen sol­len. Auch wenn ei­ne in ei­nem Vor­pro­zess rechts­kräftig ent­schie­de­ne Rechts­fra­ge le­dig­lich Vor­fra­ge für die Ent­schei­dung des nach­fol­gen­den Rechts­streits ist, ist die sich aus der Rechts­kraft der frühe­ren Ent­schei­dung er­ge­ben­de Bin­dungs­wir­kung von Amts we­gen zu be­ach­ten (vgl. ins­ge­samt BAG 19.08.2010 - 8 AZR 315/09 - NZA 2010, 1443; BAG 15.6.2016 - 4 AZR 485/14 - ju­ris).
88 b) Da­nach ist die Kläge­rin mit ih­rem Vor­brin­gen aus­ge­schlos­sen, der da­ma­li­ge Schul­lei­ter ha­be ihr rechts­ver­bind­lich ei­ne Erhöhung der St­un­den­zahl zu­ge­sagt. Das Ar­beits­ge­richt Duis­burg hat in sei­nem Ur­teil vom 17.08.2009 dar­auf er­kannt, dass ei­ne sol­che ver­trag­li­che Zu­sa­ge nicht
89 vor­liegt. Zu die­sem Ur­teil stünde es in Wi­der­spruch, wenn die Kläge­rin aus dem­sel­ben Sach­ver­halt nun­mehr den­noch ei­ne rechts­ver­bind­li­che Zu­sa­ge her­lei­ten könn­te.
90
91 III. Auch der Hilfs­an­trag der Kläge­rin auf Neu­be­schei­dung ist un­be­gründet.
92 Wie un­ter II. dar­ge­legt, ver­moch­te die Be­ru­fungs­kam­mer Ver­fah­rens­feh­ler nicht zu er­ken­nen. Selbst wenn die Be­ru­fungs­kam­mer ei­nen Ver­fah­rens­feh­ler un­ter­stell­te, wäre der An­trag un­be­gründet. Wie dar­ge­stellt be­steht für die hier frag­li­che Ver­ga­be ei­nes St­un­den­de­pu­tats an teil­zeit­beschäftig­te Be­wer­ber kei­ner­lei recht­li­che Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Durchführung ei­nes be­stimm­ten Aus­wahl­ver­fah­rens. Ins­be­son­de­re fehlt es be­reits des­halb an ei­nem auf Art. 33 Abs. 2 GG be­ru­hen­den Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch, weil die­se Norm wie un­ter II. 2. b) be­gründet auf die frag­li­che Kon­stel­la­ti­on un­an­wend­bar ist. Selbst wenn sich die ge­trof­fe­ne Aus­wah­l­ent­schei­dung auf­grund von Ver­fah­rens­feh­lern als feh­ler­haft er­wie­sen hätte, wäre die Be­klag­te - an­ders als im Gel­tungs­be­reich von Art. 33 Abs. 2 GG - nicht ver­pflich­tet, ein neu­es Aus­wahl­ver­fah­ren durch­zuführen.
93 An­de­res er­gibt sich ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin auch nicht dann, wenn dem bei der Be­klag­ten ge­bil­de­ten Per­so­nal­rat bei der Ver­ga­be des St­un­den­de­pu­tats ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 72 Abs. 1 Nr. 1 LPVG NW zu­steht. Die Ent­schei­dung des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 16.06.1998 (- 9 Sa 1025/97 - LA­GE GG Art. 33 Nr. 8) verhält sich zu ei­ner Un­ter­sa­gung der Be­set­zung ei­ner Beförde­rungs­stel­le im öffent­li­chen Dienst im We­ge der einst­wei­li­gen Verfügung nach § 940 ZPO. Ein An­spruch auf Neu­be­schei­dung kann sich hier­aus nicht er­ge­ben.
94 IV. Der wei­te­re Hilfs­an­trag fällt nicht zur Ent­schei­dung an. Wie sich be­reits aus der For­mu­lie­rung "durch die Ver­ei­te­lung des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs" er­gibt, ist die­ser nur für den Fall ge­stellt, dass die Be­ru­fungs­kam­mer die Kla­ge auf Zu­stim­mung zur St­un­den­erhöhung bzw. Neu­be­schei­dung mit dem Ar­gu­ment ab­weist, die Be­klag­te ha­be in­so­weit durch Ver­ga­be an an­de­re Ar­beit­neh­mer Fak­ten ge­schaf­fen. Dies hat die Kläge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Be­ru­fungs­kam­mer bestätigt. Wie dar­ge­legt (oben un­ter B. II. 1.) hält die Be­ru­fungs­kam­mer den Haupt­an­trag und den ers­ten Hilfs­an­trag je­doch aus­sch­ließlich aus an­de­ren Gründen für un­be­gründet.
95 C.
96 Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 64 Abs. 6 ArbGG, 525, 97 Abs. 1 ZPO.
97 Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.
98 RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG
99 Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei
100 R E V I S I O N
101 ein­ge­legt wer­den.
102 Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.
103 Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim
104 Bun­des­ar­beits­ge­richt
105 Hu­go-Preuß-Platz 1
106 99084 Er­furt
107 Fax: 0361-2636 2000
108 ein­ge­legt wer­den.
109 Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.
110 Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:
111 1.Rechts­anwälte,
112 2.Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
113 3.Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.
114 In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.
115 Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.
116 Bezüglich der Möglich­keit elek­tro­ni­scher Ein­le­gung der Re­vi­si­on wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I Sei­te 519) ver­wie­sen.
117 * ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

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