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Ur­laubs­ab­gel­tung bei Tod des Ar­beit­neh­mers?

Der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung des Ar­beit­neh­mers kann nicht ver­erbt wer­den: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 20.09.2011, 9 AZR 416/10
Sterbehilfe Der An­spruch auf Ab­gel­tung des Ur­laus ist an die Per­son ge­bun­den

21.09.2011. Das Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG) schreibt vor, dass der Ur­laub im Ka­len­der­jahr zu neh­men ist und nur aus­nahms­wei­se auf das Fol­ge­jahr über­tra­gen wird (§ 7 Abs.3 BUrlG). Im Fal­le ei­ner Über­tra­gung ist der Ur­laub dann aber spä­tes­tens bis zum 31. März des Fol­ge­jah­res zu neh­men.

Aus die­sen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) frü­her ab­ge­lei­tet, dass lang­jäh­rig er­krank­te Ar­beit­neh­mer ih­ren Rest­ur­laubs­an­spruch aus dem Vor­jahr, den sie krank­heits­be­dingt nicht neh­men konn­ten, zum 31. März des Fol­ge­jah­res ver­lie­ren.

Da­mit ist auf­grund ei­nes Grund­satz­ur­teils des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs (EuGH) vom 20.01.2009 (C-350/06 - Schultz-Hoff) Schluss: Seit­dem steht fest, dass krank­heits­be­dingt nicht ge­nom­me­ner Ur­laub be­ste­hen bleibt. Da­her wird der Ur­laubs­an­spruch lang­zei­tig kran­ker Ar­beit­neh­mer im Lau­fe der Zeit im­mer grö­ßer - und da­her auch der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung bei ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­hält­nis­ses.

Aber ist der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung auch ver­erb­lich? Die­se Fra­ge hat das BAG ges­tern be­ant­wor­tet (BAG, Ur­teil vom 20.09.2011, 9 AZR 416/10).

Sind Ansprüche auf Ur­laubs­ab­gel­tung ver­erb­lich?

Ein Kraft­fah­rer war von April 2008 bis zu sei­nem Tod im April 2009 durch­ge­hend ar­beits­unfähig er­krankt. In­fol­ge des To­des en­de­te sein Ar­beits­verhält­nis. Dass Ar­beits­verhält­nis­se au­to­ma­tisch mit dem Tod des Ar­beit­neh­mers en­den, ist zwar ge­setz­lich nicht aus­drück­lich ge­re­gelt, folgt aber dar­aus, dass die Ar­beits­pflicht an die Per­son des Ar­beit­neh­mers ge­bun­den ist.

Dar­auf­hin tra­ten die Er­ben des ver­stor­be­nen Ar­beit­neh­mers auf den Plan: Sei­ne Wit­we und sein Sohn ver­lang­ten vom Ar­beit­ge­ber als ge­mein­schaft­li­che Er­ben Ur­laubs­ab­gel­tung für den nicht ge­nom­me­nen Ur­laub der Jah­re 2008 und 2009, im­mer­hin 3.692,31 EUR brut­to.

Das Ar­beits­ge­richt Bo­cholt wies die Kla­ge ab (Ur­teil vom 16.10.2009, 2 Ca 1497/09). An­ders das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm: Es gab der Kla­ge im We­sent­li­chen statt und ver­ur­teil­te den Ar­beit­ge­ber zur Ur­laubs­ab­gel­tung für 35 Ur­laubs­ta­ge, d.h. zur Zah­lung von 3.230,50 EUR brut­to (Ur­teil vom 22.04.2010, 16 Sa 1502/09).

BAG: Kei­ne Ver­erb­lich­keit von Ansprüchen auf Ur­laub und Ur­laubs­ab­gel­tung

Das BAG wie­der­um ent­schied zu­guns­ten des Ar­beit­ge­bers und wies die Kla­ge ab. Denn mit dem Tod des Ar­beit­neh­mers er­lischt der Ur­laubs­an­spruch, so das BAG. Da­her wan­delt sich der (er­lo­sche­ne bzw. nicht mehr be­ste­hen­de) Ur­laubs­ab­spruch auch nicht gemäß § 7 Abs.4 BUrlG in ei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung um.

Fa­zit: Mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses wird der Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ei­nes lan­ge er­krank­ten Ar­beit­neh­mers fällig - auch wenn er zu die­sem Zeit­punkt im­mer noch krank ist und sei­nen Ur­laub in Na­tur da­her krank­heits­be­dingt gar nicht neh­men konn­te. Das heißt aber nicht, dass der An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung von jeg­li­chem Er­ho­lungs­zweck los­gelöst wäre: Im­mer­hin kann ein im Aus­tritts­zeit­punkt kran­ker Ar­beit­neh­mer noch später Ur­laub ma­chen, und da­zu kann er die Ur­laubs­ab­gel­tung gut ge­brau­chen.

"Six feet un­der" macht aber nie­mand mehr Ur­laub. Ver­stor­be­ne Ar­beit­neh­mer wer­den da­durch auch nicht schlech­ter als an­de­re Ar­beit­neh­mer ge­stellt - sie ste­hen sich ins­ge­samt an­ders.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dungs­gründe schrift­lich ab­ge­fasst und veröffent­licht. Die Ent­schei­dungs­gründe im Voll­text fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. November 2016

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Sebastian Schroeder
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

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