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Arbeitsrecht aktuell: 11/205 Fristlose Kündigung wegen Diensthandy-Missbrauchs?




Die missbräuchliche Privatnutzung des Diensttelefons rechtfertigt in der Regel keine fristlose Kündigung

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10

21.10.2011. Notebooks, Internetzugänge, E-Mail-Adressen und Mobiltelefone gehören heute zum betrieblichen Alltag. Obwohl für den Dienstgebrauch bestimmt, ist auch eine private Nutzung dieser Kommunikationsmittel technisch meist möglich. Von daher sollte man erwarten, dass Arbeitgeber klare Regeln darüber aufstellen, ob auch eine Privatnutzung erlaubt ist - und wenn ja, in welchem Umfang.

Tatsächlich gehen die viele Arbeitgeber diesem Thema lieber aus dem Weg, reagieren dann aber betont schockiert und hart auf ein "Fehlverhalten" ihrer Arbeitnehmer. Statt von vornherein klare Regeln aufzustellen und ihre Einhaltung mit Abmahnungen durchzusetzen, kommt es dann übergangslos zu einer außerordentlichen verhaltensbedingten Kündigung, d.h. zu einer einer fristlosen Entlassung der "Übeltäter".

So kam es auch zum Handy-Streit zwischen der Lufthansa-Tochter LSG Sky und ihren auf dem Flughafen eingesetzten Fahrern. Mittlerweile hat das Hessische Landesarbeitsgericht (LAG) in diesem Handy-Streit geurteilt (Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10).

von Rechtsanwalt Benjamin Biere, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Frankfurt am Main

Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Frankfurt am Main

Wie darf der Arbeitgeber auf die unerlaubte Privatnutzung eines Diensthandys reagieren?

Eine außerordentliche fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist nur als letztes Mittel rechtmäßig, um auf extreme Vertragsstörungen zu reagieren. Kann man auch mit einem weniger einschneidenden Mittel erreichen, dass die Gegenseite wieder ihre vertraglichen Pflichten erfüllt, wäre eine fristlose Kündigung zu hart bzw. „unverhältnismäßig“ und deshalb unwirksam. Bei übermäßiger Privatnutzung eines Diensttelefons z.B. ist deshalb die Drohung mit einer Kündigung, d.h. eine Abmahnung, meist ausreichend und daher das Mittel der Wahl.

Nur in extremen und seltenen Fällen, in denen der Arbeitnehmer nicht damit rechnen kann, dass der Arbeitgeber sein Verhalten (noch) hinnimmt, sind fristlose Kündigungen zulässig - z.B. bei einer heimlichen und/oder systematischen Schädigung des Arbeitgebers. Dagegen reichen auch (große) „Dummheiten“ meist nicht für eine fristlose Kündigung. Ein Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts (LAG) macht das wieder einmal deutlich (Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10).

Hessisches LAG: Klare Grenzen für die Privatnutzung von Mobiltelefonen sind entscheidend

Wegen der Privatnutzung dienstlicher Handys erhielten viele Hubwagenfahrer der Lufthansa-Tochter LSG Sky die fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber hatte die Telefone für die innerbetriebliche Kommunikation zur Verfügung gestellt. Telefongespräche im Inland waren kostenlos, Auslandsgespräche und SMS dagegen nicht. Außerdem durften die Handys über einen Privatmodus auf eigene Kosten privat genutzt werden.

Bei einer Überprüfung des Nutzungszeitraums April 2008 bis Januar 2010 stellte das Unternehmen bei etwa 60 Angestellten eine massive Privatnutzung des Dienstmodus fest. Einer der Arbeitnehmer hatte mehr als 16.000 (!) SMS verschickt, die meisten davon wohl privat. Obwohl der Arbeitgeber monatliche Rechnungen von der Telefongesellschaft erhielt, hatte er sich fast zwei Jahre nicht gerührt und reagierte nun mit einer fristlosen Kündigung.

Der Fahrer war irrtümlich davon ausgegangen, dass er auch den SMS-Service kostenlos nutzen durfte, so jedenfalls sein Vortrag. Außerdem verwies er auf die langjährige Duldung durch den Arbeitgeber. Das Arbeitsgericht Frankfurt (Urteil vom 24.09.2010, 24 Ca 1697/10) und das LAG ließen sich davon überzeugen. Unter den hier gegebenen Umständen hätte der Arbeitgeber zunächst klare Grenzen ziehen müssen. Konkret war eine Abmahnung nötig, da der Arbeitgeber ohne Schädigungsabsicht gehandelt und nur eine „Dummheit“ begangen hatte.

Fazit: Der gekündigte Arbeitnehmer kam hier im Streitfall mit einem blauen Auge davon, wie die meisten seiner Kollegen. Der Streit hätte aber auch weniger glimpflich enden können. So ging das LAG in einem Parallelverfahren aufgrund umfangreicher Auslandstelefonate von einer gezielten Schädigung des Arbeitgebers aus und bewertete eine deshalb ausgesprochene fristlose Kündigung als rechtens (Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 153/11). Wer öfter mal privat telefonieren muss oder private SMS versenden möchte, sollte das besser von seinem privaten Handy aus tun.

Nähere Informationen finden Sie hier:

 

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Letzte Überarbeitung: 7. Dezember 2011

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Arbeitsrecht aktuell:


Berlin, 22.05.2012
Konkurrentenklage:

Mit Konkurrentenklage rechtswidrige Stellenbesetzung verhindert

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Berlin, 19.05.2012
Teilzeitanspruch:

Arbeitszeitverringerung im Eilverfahren

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Berlin, 17.05.2012
Outsourcing:

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Berlin, 17.05.2012
Öffentlicher Dienst:

Leistungsentgelt gemäß § 18 TVöD

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11

München, 16.05.2012
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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11

Hannover, 15.05.2012
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Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11

Frankfurt, 14.05.2012
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Für Leiharbeitsfirmen werden die CGZP-Tarifverträge teuer

Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER

Berlin, 12.05.2012
Betriebsübergang:

Betriebsübergang bei Rettungszweckverband

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10

Köln, 09.05.2012
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Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11

Köln, 08.05.2012
Lohnrückzahlung:

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Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11

München, 07.05.2012
Kündigungsschutzklage:

LAG München zu Kündigungsschutzklage und Rücknahme der Kündigung

Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10

Frankfurt, 04.05.2012
Urlaub und Krankheit:

Urlaubsabgeltung nach langer Krankheit auch für Beamte

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Köln, 03.05.2012
Korruption:

Kündigung - Schmiergeld als Kündigungsgrund

Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11

Köln, 02.05.2012
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Arbeitsgericht Trier: Kündigung nach Krankmeldung als Maßregelung

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Köln, 30.04.2012
Fristlose Kündigung:

Betriebsrat - Fristlose Kündigung und trotzdem im Amt?

Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11

Frankfurt, 25.04.2012
Urlaubsabgeltung:

Urlaubsabgeltung nach Krankheit und Verfallfrist

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Diskriminierungsschutz:

Geschäftsführer und Altersdiskriminierung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10

Frankfurt, 23.04.2012
Fristlose Kündigung:

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Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11

Hamburg, 20.04.2012
Lohnuntergrenzen:

Mindestlohn gemäß Arbeitnehmer-
Entsendegesetz (AEntG)

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10

Hamburg, 20.04.2012
Diskriminierung:

Auskunftsanspruch des abgelehnten Stellenbewerbers?

Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)

Hannover, 18.04.2012
Gleichbehandlung:

Altersteilzeit und Betriebsrente

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10

Hamburg, 13.04.2012
Kündigungsschutzklage:

Anfechtung eines Vergleichs nur im Ausnahmefall

Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10

Stuttgart, 12.04.2012
Änderungskündigung:

Abmahnung vor Änderungskündigung

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11

Köln, 28.03.2012
Ermahnung:

Entfernung einer Ermahnung aus der Personalakte

Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11

Frankfurt, 26.03.2012
Mitarbeitergespräche:

Mitbestimmung des Betriebsrates bei Mitarbeiterjahresgesprächen

Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11

Berlin, 22.03.2012
Massenentlassungsanzeige

Massenentlassung und Stellungnahme des Betriebsrats

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10

Berlin, 21.03.2012
Gleicher Urlaub:

Urlaub nach Alter ist eine Diskriminierung

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10

Berlin, 18.03.2012
Änderungskündigung:

Fallstricke bei betriebsbedingter Änderungskündigung wegen Betriebsschließung

Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11

Berlin, 16.03.2012
Bewerberdiskriminierung

Diskriminierung - Frist zur Forderung von Entschädigung rechtens

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11

Berlin, 15.03.2012
Urlaubsrecht:

Kein Urlaubsverfall bei günstigem Arbeitsvertrag

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10