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Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 10.12.2013, 8 Sa 538/13

   
Schlagworte: Tarifvertrag
   
Gericht: Hessisches Landesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 8 Sa 538/13
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 10.12.2013
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Offenbach am Main, Urteil vom 12.03.2013, 9 Ca 350/12
nachgehend:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 17.06.2015, 4 AZR 61/14 (A)
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen
Urt. v. 10.12.2013, Az.: 8 Sa 538/13

Te­nor:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 12. März 2013 - 9 Ca 350/12 - wird zurück­ge­wie­sen.

Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die An­wend­bar­keit des Ta­rif­ver­tra­ges für den öffent­li­chen Dienst (im Fol­gen­den: TVöD) und des Ta­rif­ver­tra­ges zur Über­lei­tung der Beschäftig­ten der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber in den TVöD und zur Re­ge­lung des Über­g­angs­rechts seit dem 01. Ok­to­ber 2005 (im Fol­gen­den: TVÜ-VKA) auf ihr Ar­beits­verhält­nis.

Der Kläger, der Mit­glied der Ge­werk­schaft A ist, wur­de auf­grund Ar­beits­ver­trags vom 27. Fe­bru­ar 1978 mit Wir­kung zum 16. Fe­bru­ar 1978 vom Kreis B, der Mit­glied des kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­bands und Träger des C in D so­wie des Kreis­kran­ken­hau­ses in E war, als Haus­ar­bei­ter für das C ein­ge­setzt. § 2 des Ar­beits­ver­trags (Bl. 6 d. A.) lau­tet wie folgt:

"Das Ar­beits­verhält­nis rich­tet sich nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für Ar­bei­ter ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be (BMT-G II) vom 31.01.1962 und den die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträgen. Außer­dem fin­den die für den Be­reich des Ar­beit­ge­bers je­weils gel­ten­den sons­ti­gen Ta­rif­verträge An­wen­dung, so­fern bei­der­sei­ti­ge Ta­rif­bin­dung vor­liegt."

En­de 1995 wur­den das C in D und das Kreis­kran­ken­haus in E gemäß §§ 168 Um­wG in die Kreis­kli­ni­ken D-E GmbH (im Fol­gen­den nur noch: F GmbH) um­ge­wan­delt. Die F GmbH war Mit­glied im kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­band.

Die F GmbH glie­der­te ih­ren Wirt­schafts- und Ver­sor­gungs­dienst mit Wir­kung zum 31. De­zem­ber 1997 auf die Kreis­kli­ni­ken D-E Ser­vice GmbH i.G. (im Fol­gen­den: F Ser­vice-GmbH i.G.) aus. Die F GmbH und die F Ser­vice-GmbH i. G. so­wie der Be­triebs­rat der F GmbH schlos­sen am 4. No­vem­ber 1997 ei­nen Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag (im Fol­gen­den: PÜV 1997), der un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen enthält:

"Präam­bel

...

Zur Ab­si­che­rung des Be­sitz­stan­des der von der Aus­glie­de­rung be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, die sämt­lich von der Ser­vice-GmbH über­nom­men wer­den, wird fol­gen­der

Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag

ver­ein­bart:

§ 1 Aus­glie­de­rung

1. Die Be­rei­che von F, in de­nen bis­lang Auf­ga­ben des Wirt­schafts- und Ver­sor­gungs­diens­tes wahr­ge­nom­men wor­den sind und die sich im Ein­zel­nen aus An­la­ge 1 er­ge­ben, wer­den am Stich­tag in die Ser­vice-GmbH aus­ge­glie­dert.

2. Die Ar­beits­verhält­nis­se sämt­li­cher be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, die in An­la­ge 2 na­ment­lich auf­ge­lis­tet sind, ge­hen am Stich­tag gemäß § 613a BGB im We­ge der Ein­zel­rechts­nach­fol­ge auf die Ser­vice-GmbH über.

§ 2 Ar­beits­verhält­nis­se und Be­sitz­stand

1. Die Ser­vice GmbH tritt in die am Stich­tag be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se ein­sch­ließlich al­len dar­aus er­wor­be­nen Rech­ten und Pflich­ten mit den in der An­la­ge 2 auf­geführ­ten be­trof­fe­nen F-Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die auf die Ser­vice-GmbH über­ge­hen, ein.

2. Für die An­ge­stell­ten gilt wei­ter­hin der Bun­des-An­ge­stell­ten-Ta­rif­ver­trag ("BAT") vom 23.02.1961 in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung ein­sch­ließlich der den BAT ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge.

3. Für die Ar­bei­ter/Ar­bei­te­rin­nen gilt wei­ter­hin der Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­trag ("BMT-G II") für Ar­bei­ter/Ar­bei­te­rin­nen ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be vom 31.01.1962 in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ein­sch­ließlich der den BMT-G II ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge.

...

§ 10 Be­kannt­ga­be des Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­tra­ges

1. Je­der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin und je­dem be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter wird ein Ex­em­plar die­ses Ver­tra­ges recht­zei­tig zum Stich­tag aus­gehändigt.

2. Ein wei­te­res Ex­em­plar die­ses Ver­tra­ges wird zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men und wird bei Zu­stim­mung der Mit­ar­bei­te­rin/des Mit­ar­bei­ters hin­sicht­lich der auf sie/ihn je­weils zu­tref­fen­den Vor­schrif­ten Be­stand­teil des je­wei­li­gen Ar­beits­ver­tra­ges."

We­gen der wei­te­ren Re­ge­lun­gen des PÜV 1997 wird auf Bl. 7 - 16 d. A. Be­zug ge­nom­men. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers, der zum Be­reich Gärt­ne­rei gehörte und der in der An­la­ge 2 zum PÜV 1997 auf­geführt ist, ging am 31. De­zem­ber 1997 auf die F Ser­vice-GmbH i. G. über. Der Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag wur­de dem Kläger über­ge­ben. Nach Ab­schluss des Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trags und vor Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter wur­de die F Ser­vice-GmbH i. G. in F Fa­ci­li­ty Ma­nage­ment GmbH i. G. (im Fol­gen­den: G GmbH) um­be­nannt. Die G GmbH, die zu kei­nem Zeit­punkt Mit­glied des kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ban­des war, er­brach­te bis zum Jahr 2003 al­le ta­rif­li­chen Leis­tun­gen nach dem BMT-G II, sie gab ins­be­son­de­re die Loh­nerhöhun­gen an den Kläger wei­ter. Die­ser wi­der­sprach den Leis­tun­gen nicht. Die ta­rif­li­chen Ge­halts­stei­ge­run­gen zum 10. Ja­nu­ar 2004 und 1. Mai 2004 gab sie nicht wei­ter. Auch nach In­kraft­tre­ten des TVöD wand­te sie die Vor­schrif­ten des BMT-G II auf die Ar­beits­verhält­nis­se mit ih­ren Ar­bei­tern, u.a. auf das des Klägers an.

Am 18. Ju­ni 2008 schlos­sen die G GmbH, der bei ihr ge­bil­de­te Be­triebs­rat, die H mbH (im Fol­gen­den: H) und die Be­klag­te ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich, wo­nach die G GmbH das Un­ter­neh­men auf­spal­ten und be­stimm­te Be­triebs­tei­le in an­de­re Ge­sell­schaf­ten in­ner­halb des Kon­zerns ver­la­gert. We­gen der Re­ge­lun­gen des In­ter­es­sen­aus­gleichs wird auf Bl. 26 - 24 d. A. Be­zug ge­nom­men. Der Kläger ist in der An­la­ge zum In­ter­es­sen­aus­gleich na­ment­lich auf­geführt. Die glei­chen Ver­trags­par­tei­en schlos­sen ei­nen Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag (im Fol­gen­den: PÜV 2008), in dem die Be­klag­te als "K" be­zeich­net ist und der u. a. fol­gen­de Be­stim­mun­gen enthält:

"Präam­bel

...

Zur Ab­si­che­rung des Be­sitz­stands der von der Aus­glie­de­rung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die von der K bzw. der H über­nom­men wer­den, wird in Ergänzung zu dem be­tref­fen­den In­ter­es­sen­aus­gleich fol­gen­der

Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag

ver­ein­bart.

§ 1 Aus­glie­de­rung

1. Der Be­reich "Rei­ni­gung Kli­ni­kum D" wird im We­ge des Teil­be­triebsüber­gangs in die H über­ge­lei­tet.

2. Die Be­rei­che "Rei­ni­gung Kli­ni­kum E" und "Tech­nik E" so­wie "Tech­nik D" in­klu­si­ve Gärt­ner wer­den im We­ge des Teil­be­triebsüber­gangs in die K ver­la­gert.

Die Ar­beits­verhält­nis­se sämt­li­cher be­trof­fe­ner Ar­beit­neh­mer, die in der An­la­ge zum In­ter­es­sen­aus­gleich na­ment­lich auf­ge­lis­tet sind, ge­hen am Stich­tag gemäß § 613a BGB im We­ge der Ein­zel­rechts­nach­fol­ge auf die K bzw. H über.

3. Die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wech­seln mit al­len ar­beits­ver­trag­li­chen Rech­ten und Pflich­ten aus dem zum Zeit­punkt des Teil­be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis in die je­weils über­neh­men­de Ge­sell­schaft. Da­mit ge­hen ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen, Ge­samt­zu­sa­gen und be­trieb­li­che Übun­gen über.

4. Zu­schläge, ins­be­son­de­re für Er­schwer­nis und Schicht­ar­beit, wer­den ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des BAT und des BMT-G II in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung für die Mit­ar­bei­ter der Be­rei­che "Tech­nik", die in die K wech­seln, wei­ter gewährt, so­fern die tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen der ta­rif­li­chen Be­stim­mun­gen für die Zu­schläge je­weils erfüllt sind.

...

6. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen der FMG wer­den von H voll­umfäng­lich an­er­kannt und an­ge­wandt. Da­zu gehört auch der Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag von den Kreis­kli­ni­ken D-E an die FMG.

§ 3 Be­kannt­ga­be des Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trags/ Schluss­be­stim­mun­gen

Je­dem be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer wird ein Ex­em­plar die­ses Ver­trags vor Be­triebsüber­gang recht­zei­tig aus­gehändigt. Ein wei­te­res Ex­em­plar die­ses Ver­trags wird zur Per­so­nal­ak­te ge­nom­men und wird bei Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers hin­sicht­lich der auf sie/ihn je­weils zu­tref­fen­den Vor­schrif­ten Be­stand­teil des je­wei­li­gen Ar­beits­ver­trags."

We­gen der wei­te­ren Re­ge­lun­gen des PÜV 2008 wird auf Bl. 17 - 20 d. A. ver­wie­sen. Mit Wir­kung zum 01. Ju­li 2008 ging der Be­reich "Tech­nik D", zu dem der Kläger gehörte, auf die Be­klag­te über. Die G GmbH un­ter­rich­te­te die vom Teil­be­triebsüber­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer mit Schrei­ben vom 25. Ju­ni 2008 (Bl. 219 f. d. A.) über den Teil­be­triebsüber­gang. In die­sem Schrei­ben, in dem die Be­klag­te teil­wei­se verkürzt als "LE" be­zeich­net ist, heißt es u.a.:

"Für An­ge­stell­te, die zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs dem Gel­tungs­be­reich des Bun­des-An­ge­stell­ten-Ta­rif­ver­trag (BAT) vom 23.02.1961 oder dem BMTG II vom 31.01.1962 in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung ein­sch­ließlich der den BAT ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge in dy­na­mi­scher Form un­ter­fal­len, gilt der BAT / BMTG II in der zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs auf das je­wei­li­ge Ar­beits­verhält­nis an­ge­wen­de­ten Form wei­ter."

Die Be­klag­te wand­te auf das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger wei­ter­hin die Vor­schrif­ten des BMT-G II an. In den Jah­ren 2007 bis 2009 fan­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes Kon­zern­ta­rif­ver­trags statt. In die­sen Ta­rif­ver­hand­lun­gen for­der­te A den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags auf Ba­sis des TVöD, der für al­le M Kli­ni­ken gel­ten soll­te.

Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, dass auf sein Ar­beits­verhält­nis der TVöD und der TVÜ-VKA an­wend­bar sei­en. Der PÜV 1997 räume den Ar­beit­neh­mern die Wahlmöglich­keit zwi­schen der sta­ti­schen und der dy­na­mi­schen Wei­ter­gel­tung des BMT-G II ein. Durch Auf­nah­me sei­ner Tätig­keit bei der G GmbH ha­be er die dy­na­mi­sche Fort­gel­tung gewählt.

Der Kläger hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass auf das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis seit dem 01.10.2005 die Vor­schrif­ten des TVöD und den die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträgen so­wie TVÜ-VKA in ih­ren je­weils gülti­gen Fas­sun­gen An­wen­dung fin­den.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die An­sicht ver­tre­ten, dass der BMT-G II sta­tisch an­zu­wen­den sei. Die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel sei als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen. Der PÜV 1997 ha­be nur den Be­sitz­stand der Gleich­stel­lungs­ab­re­de wah­ren sol­len. Ei­ne dy­na­mi­sche Ta­rif­an­wen­dung hätten die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en nicht - auch nicht kon­klu­dent - ver­ein­bart. Ein et­wai­ges Wahl­recht ha­be der Kläger nicht, je­den­falls nicht recht­zei­tig, aus­geübt. Der PÜV 1997 ver­s­toße ge­gen das Ge­bot der Rechts­quel­len­klar­heit und stel­le ei­nen Ver­trag zu Las­ten Drit­ter dar. Vor­sorg­lich be­ru­fe sie sich auf die ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten, Verjährung und Ver­wir­kung.

Das Ar­beits­ge­richt Of­fen­bach am Main hat der Kla­ge durch Ur­teil vom 12. März 2013 -9 Ca 350/12 - statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, dass die An­wend­bar­keit des TVöD und des TVÜ-VKA auf §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV 1997 be­ru­he. Der PÜV 1997 sei ein Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter. Er räume dem Kläger ein Wahl­recht zwi­schen sta­ti­scher und dy­na­mi­scher An­wen­dung des BMT-G II und der die­sen ergänzen­den, ändern­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträge ein. Der Kläger ha­be die dy­na­mi­sche An­wen­dung da­durch gewählt, dass er nach dem Teil­be­triebsüber­gang der Wei­ter­ga­be der Ta­rif­loh­nerhöhun­gen nicht wi­der­spro­chen ha­be. Der An­spruch könne als Stamm­recht nicht ver­fal­len oder verjähren. An­halts­punk­te für das für ei­ne Ver­wir­kung er­for­der­li­che Um­stands­mo­ment ha­be die Be­klag­te nicht dar­ge­legt.

Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am 27. März 2013 zu­ge­stellt wor­den. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist am Mon­tag, den 29. April 2013 beim Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. Ih­re Be­ru­fungs­be­gründung ist nach recht­zei­tig be­an­trag­ter Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 27. Ju­ni 2013 am 26. Ju­ni 2013 beim Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen.

Die Be­klag­te ist der An­sicht, der Kläger ha­be die Ket­te der Be­triebsübergänge nicht schlüssig dar­ge­legt. Die Re­ge­lung in § 2 Abs. 3 PÜV sei aus­weis­lich der Präam­bel auf die Si­che­rung des bis­he­ri­gen Be­sitz­stan­des - ei­ner Gleich­stel­lungs­ab­re­de - be­schränkt und als sol­che zu ver­ste­hen. Je­den­falls ha­be der Kläger von ei­nem et­wai­gen Wahl­recht nicht recht­zei­tig Ge­brauch ge­macht. Die - vorüber­ge­hen­de - Wei­ter­ga­be der Ta­rif­loh­nerhöhun­gen sei nicht als An­ge­bot auf ei­ne dau­er­haf­te dy­na­mi­sche Ta­rif­an­wen­dung zu ver­ste­hen. Die An­nah­me der Leis­tun­gen sei al­len­falls als Ein­verständ­nis mit der je­wei­li­gen Ge­halts­erhöhung zu ver­ste­hen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 12. März 2013 -9 Ca 350/12 - ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes bis­he­ri­gen Vor­brin­gens. Er ha­be sein Recht nicht ver­wirkt. Sei­ne Untätig­keit in den Jah­ren 2007 bis 2009 sei dar­auf zurück­zuführen sei, dass er das Er­geb­nis der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen ab­ge­war­tet ha­be.

We­gen des wei­te­ren Par­tei­vor­brin­gens im Be­ru­fungs­rechts­zug wird auf die Schriftsätze vom 26. Ju­ni 2013 (Bl. 179 - 190 d. A.), vom 23. Sep­tem­ber 2013 (Bl. 205 - 209 d. A.), vom 2. De­zem­ber 2013 (Bl. 215 d. A.) und vom 9. De­zem­ber 2013 (Bl. 218-220 d. A.) so­wie auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 10. De­zem­ber 2013 (Bl. 216 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Of­fen­bach am Main vom 12. März 2013 - 9 Ca 350/12 - ist zulässig. Das Rechts­mit­tel ist nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stands statt­haft ( §§ 64 Abs. 2 b , 8 Abs. 2 ArbGG ). Die Be­klag­te hat die Be­ru­fung form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und ord­nungs­gemäß be­gründet ( §§ 519 , 520 ZPO , 66 Abs. 1 ArbGG ).

II. Die Be­ru­fung hat je­doch in der Sa­che kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben. Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet.

1. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig.

a) Der Kläger be­gehrt die Fest­stel­lung, dass auf das mit der Be­klag­ten be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis der TVöD und die die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträge und der TVÜ-VKA in ih­rer je­wei­li­gen Fas­sung An­wen­dung fin­den. Die Da­tums­an­ga­be "1. Ok­to­ber 2005" be­zieht sich er­kenn­bar auf das In­kraft­tre­ten der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge. Da­mit macht der Kläger gel­tend, dass sein Ar­beits­verhält­nis sich seit dem 1. Ok­to­ber 2005 nach die­sen Ta­rif­verträgen rich­tet. Da­ge­gen macht er aus­weis­lich sei­nes Vor­brin­gens nicht gel­tend, dass zu die­sem Zeit­punkt zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis be­stand ha­be.

b) Mit die­sem In­halt ist der An­trag zulässig.

aa) Ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 256 Abs. 1 ZPO kann die An­wend­bar­keit ei­nes be­stimm­ten Ta­rif­ver­tra­ges oder Ta­rif­wer­kes auf ein Ar­beits­verhält­nis zum Ge­gen­stand ha­ben ( BAG 21. April 2010 - 4 AZR 755/08 - Rn. 19, AP ZPO 1977 § 256 Nr. 101; BAG 22. Ok­to­ber 2008 - 4 AZR 784/07 - Rn. 11, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 66 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 39).

bb) Für die Fest­stel­lungs­kla­ge be­steht auch das be­son­de­re Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Mit dem An­trag, ge­rich­tet auf Fest­stel­lung der An­wend­bar­keit der Vor­schrif­ten des TVöD und der die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträgen so­wie des TVÜ-VKA in ih­ren je­weils gel­ten­den Fas­sun­gen, kann der Streit der Par­tei­en über den Um­fang der zukünf­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten, der aus der ein­zel­ver­trag­li­chen In­be­zug­nah­me­klau­sel, dem Be­triebsüber­gang und dem Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag re­sul­tiert, dau­er­haft be­rei­nigt wer­den. Das gilt auch für die Da­tums­an­ga­be, die für die Stu­fen­lauf­zei­ten von Be­deu­tung sein kann.

2. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist auch be­gründet. Zwi­schen den Par­ti­en be­steht ein Ar­beits­verhält­nis. Der TVöD und die die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträge so­wie der TVÜ-VKA fin­den in ih­ren je­weils gel­ten­den Fas­sun­gen auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers, das seit dem 1. Ju­li 2008 mit der Be­klag­ten be­steht, seit dem 1. Ok­to­ber 2005 An­wen­dung.

a) Zwi­schen den Par­tei­en be­steht - seit dem 1. Ju­li 2008 - ein Ar­beits­verhält­nis.

Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass der Kläger die Ket­te der Be­triebsübergänge nicht schlüssig dar­ge­legt hat. Der Kläger hat dar­ge­legt, dass er mit Wir­kung zum 16. Fe­bru­ar 1978 vom Kreis B ein­ge­stellt wor­den ist und dass sein Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge der Um­wand­lung des C En­de 1995 auf die F GmbH, da­nach durch Teil­be­triebsüber­gang am 31. De­zem­ber 1997 auf die G GmbH, die bei Be­triebsüber­gang noch F Ser­vice-GmbH i.G. fir­mier­te, und durch wei­te­ren Teil­be­triebsüber­gang mit Wir­kung zum 1. Ju­li 2008 auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen ist. Da­zu hat der Kläger den Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag vom 1. De­zem­ber 1995, den PÜV 1997 und den PÜV 2008 nebst In­ter­es­sen­aus­gleich vor­ge­legt. Bei der im PÜV 2008 als "K" be­zeich­ne­ten Ge­sell­schaft han­delt es sich um die Be­klag­te. Sie ist zwar im PÜV 2008 und dem In­ter­es­sen­aus­gleich als "L E GmbH" an­statt als "L E-D GmbH" be­zeich­net. Das ist je­doch unschädlich, da die Be­klag­te er­kenn­bar ge­meint ist. Ei­ne Ge­sell­schaft un­ter der Fir­ma "L E GmbH" gibt es nicht. Außer­dem ist die Be­klag­te auch im Un­ter­rich­tungs­schrei­ben teil­wei­se verkürzt als "L E GmbH" be­zeich­net. Ih­re Geschäftsführe­rin hat den In­ter­es­sen­aus­gleich und den PÜV 2008 un­ter­zeich­net hat. Die Be­klag­te stellt nicht in Ab­re­de, dass der Kläger seit dem 1. Ju­li 2008 bei ihr beschäftigt ist. Un­ter Berück­sich­ti­gung des­sen war dem An­trag der Be­klag­ten, ihr Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zum Schrift­satz des Klägers vom 9. De­zem­ber 2013, ein­zuräum­en, nicht nach­zu­kom­men.

b) Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den der TVöD und die die­sen ergänzen­den Ta­rif­verträge so­wie der TVÜ-VKA in ih­ren je­weils gel­ten­den Fas­sun­gen An­wen­dung. Die An­wend­bar­keit folgt zwar we­der aus ei­ner bei­der­sei­ti­gen Ta­rif­ge­bun­den­heit noch aus der Ver­wei­sungs­klau­sel in § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 27. Fe­bru­ar 1978. Sie kann aber dar­auf gestützt wer­den, dass der Kläger das sich aus § 2 Abs. 3 PÜV 1997 er­ge­ben­de An­ge­bot auf dy­na­mi­sche An­wen­dung des BMT-G II und der die­sen ergänzen­den, ändern­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträge an­ge­nom­men hat.

aa) Ein An­spruch des Klägers er­gibt sich nicht kraft nor­ma­ti­ver Gel­tung des TVöD bzw. TVÜ-VKA we­gen bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit, weil die Be­klag­te zu kei­nem Zeit­punkt Mit­glied der VKA war.

bb) Die An­wend­bar­keit des TVöD und des TVÜ-VKA folgt auch nicht aus der Be­zug­nah­me­klau­sel in § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 16. Fe­bru­ar 1978. Bei die­ser Ver­wei­sungs­klau­sel han­delt es sich um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de iSd. frühe­ren Recht­spre­chung des 4. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts.

(1) Nach der frühe­ren Recht­spre­chung des 4. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts wa­ren bei Ta­rif­ge­bun­den­heit des Ar­beit­ge­bers an die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge Be­zug­nah­me­klau­seln wie die im Ar­beits­ver­trag des Klägers in al­ler Re­gel als so­ge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­den aus­zu­le­gen. Da­bei ging das Bun­des­ar­beits­ge­richt von der wi­der­leg­li­chen Ver­mu­tung aus, dass es dem Ar­beit­ge­ber nur dar­um geht, durch die Be­zug­nah­me die nicht or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer mit den or­ga­ni­sier­ten hin­sicht­lich der Gel­tung des in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trags bzw. Ta­rif­werks gleich­zu­stel­len. Die Ver­wei­sung auf ei­nen Ta­rif­ver­trag oder ein Ta­rif­werk in der je­weils gel­ten­den Fas­sung wur­de des­halb ein­schränkend da­hin aus­ge­legt, dass die Dy­na­mik nur so weit wie bei ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer reicht, al­so dann en­det, wenn der Ar­beit­ge­ber we­gen Weg­falls der ei­ge­nen Ta­rif­ge­bun­den­heit nicht mehr nor­ma­tiv an künf­ti­ge Ta­ri­fent­wick­lun­gen ge­bun­den ist (vgl. BAG 18. März 2009 - 4 AZR 64/08 - Rn. 28, BA­GE 130, 43). Ab die­sem Zeit­punkt sind die in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­verträge nur noch sta­tisch an­zu­wen­den. Glei­ches gilt bei ei­nem Be­triebsüber­gang auf ei­nen nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber. Das be­deu­tet, dass die Be­zug­nah­me mit dem Be­triebsüber­gang auf ei­nen nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber un­abhängig von ei­ner et­wai­gen Ta­rif­bin­dung des Ar­beit­neh­mers ih­re Dy­na­mik ver­liert (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2008 - 4 AZR 881/07 - Rn. 18 ff., AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 68).

(2) Nach die­ser Aus­le­gungs­re­gel, die der 4. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus Gründen des Ver­trau­ens­schut­zes wei­ter­hin auf Be­zug­nah­me­klau­seln an­wen­det, die vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ver­ein­bart wor­den sind ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011-4 AZR 536/09 - Rn. 15, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 86; BAG 18. No­vem­ber 2009 - 4 AZR 514/08 - Rn. 18, 22, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 70 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 43), ist die Be­zug­nah­me­klau­sel in § 2 des Ar­beits­ver­trags des Klägers vom 16. Fe­bru­ar 1978 als Gleich­stel­lungs­ab­re­de aus­zu­le­gen, weil sie auf den BMT-G II und die die­sen ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge und da­mit auf die ein­schlägi­gen Ta­rif­verträge ver­weist und der da­ma­li­ge Ar­beit­ge­ber des Klägers zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ta­rif­ge­bun­den war. Be­son­de­re tatsächli­che Umstände, dass ein über die Gleich­stel­lung hin­aus­ge­hen­der Zweck mit der Be­zug­nah­me ver­bun­den war, sind we­der er­sicht­lich noch vor­ge­tra­gen. Mit dem Be­triebsüber­gang auf die nicht ta­rif­ge­bun­de­ne G GmbH hat die Be­zug­nah­me­klau­sel in § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 16. Fe­bru­ar ih­re Dy­na­mik ver­lo­ren.

cc) Die An­wend­bar­keit des TVöD und des TVÜ-VKA folgt aber aus §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV 1997 i.V.m. § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB . Die Re­ge­lung in §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV 1997 enthält ei­nen Ver­trag zu Guns­ten Drit­ter. Der von die­sem Ver­trag begüns­tig­te Kläger hat von sei­nem Wahl­recht nach § 10 Abs. 2 PÜV 1997 kon­klu­dent Ge­brauch ge­macht und mit sei­ner Zu­stim­mung die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf den BMT-G II und die die­sen ändern­den, ergänzen­den und er­set­zen­de Ta­rif­verträge gemäß § 2 Abs. 3 PÜV 1997 zum Be­stand­teil sei­nes Ar­beits­ver­trags ge­macht. Die­se Ver­ein­ba­rung ist nicht ab­be­dun­gen wor­den. Die Be­klag­te ist gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB an die­se Ver­ein­ba­rung ge­bun­den. Das Recht, sich auf die An­wend­bar­keit des TVöD und des TVÜ-VKA zu be­ru­fen, ist nicht ver­fal­len, verjährt oder ver­wirkt.

(1) Durch §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV ist dem Kläger im We­ge ei­nes wirk­sa­men Ver­trags zu­guns­ten Drit­ter ein An­spruch auf Ver­ein­ba­rung der dy­na­mi­schen Gel­tung des BMT-G II und der die­sen ergänzen­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträge ein­geräumt wor­den.

(a) Nach § 2 Abs. 3 PÜV 1997 gilt für die Ar­bei­ter wei­ter­hin der BMT-G II vom 31. Ja­nu­ar 1962 in sei­ner je­wei­li­gen Fas­sung ein­sch­ließlich der den BMT-G ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge. Nach § 10 Abs. 2 PÜV 1997 wer­den bei Zu­stim­mung des Mit­ar­bei­ters die je­weils zu­tref­fen­den Vor­schrif­ten des PÜV 1997 Be­stand­teil des Ar­beits­ver­trags. Mit die­sem In­halt han­delt es sich bei der Re­ge­lung in §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV 1997 um ei­nen Ver­trag zu Guns­ten Drit­ter iSv. § 328 Abs. 1 BGB .

(aa) Da ei­ne Dy­na­mi­sie­rung die Möglich­keit ei­ner Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen eröff­net, kann für ei­nen Ar­beit­neh­mer durch ei­nen Ver­trag, an dem er nicht be­tei­ligt ist, ei­ne dy­na­mi­sche An­wend­bar­keit ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges oder Ta­rif­werks oh­ne sei­ne Zu­stim­mung nicht ver­ein­bart wer­den. Das gilt nicht nur für den Fall der erst­ma­li­gen Ver­ein­ba­rung ei­ner Be­zug­nah­me, son­dern auch bei der Si­che­rung ei­ner bis­her gel­ten­den dy­na­mi­schen In­be­zug­nah­me ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 -, Rn. 27, AP BGB § 133 Nr 60 ). In ei­nem Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag kann aber den von ihm er­fass­ten Ar­beit­neh­mern die Be­rech­ti­gung ein­geräumt wer­den, ei­ne Ver­ein­ba­rung über die dy­na­mi­sche An­wen­dung der sich aus dem Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag er­ge­ben­den Ta­rif­verträge zu ver­lan­gen. Ein Ver­trag, der den Mit­ar­bei­tern als Drit­ten das Recht gibt sich zu ent­schei­den, ob ein Ta­rif­werk nur noch sta­tisch oder wei­ter­hin dy­na­misch an­ge­wen­det wird, be­gründet kei­ne Ver­pflich­tung oder Be­las­tung des Ar­beit­neh­mers. Ge­gen sei­ne Wirk­sam­keit als Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter i.S.v. § 328 Abs 1 BGB be­ste­hen kei­ne Be­den­ken ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 28, a.a.O.).

(bb) Da­nach ist hier von ei­nem Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter iSv § 328 BGB aus­zu­ge­hen.

(aaa) Bei der Zu­si­che­rung in § 2 Abs. 3 PÜV geht es nicht um die Er­hal­tung der Gleich­stel­lungs­klau­sel als Be­sitz­stand, son­dern um die Zu­si­che­rung der zeit­dy­na­mi­schen Gel­tung der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge. Dies er­gibt sich be­reits aus dem Wort­laut der Be­stim­mung. Die Par­tei­en des PÜV 1997 ha­ben die "klas­si­schen" For­meln ver­wen­det, die, was die Ta­rif­an­wen­dung an­geht, Dy­na­mik zum Aus­druck brin­gen, nämlich auf die "je­weils gel­ten­de Fas­sung" so­wie auf "ergänzen­de, ändern­de oder er­set­zen­de Ta­rif­verträge" Be­zug ge­nom­men. Aus die­ser Wort­wahl er­gibt sich die Zu­si­che­rung, ei­ne dy­na­mi­sche Ein­be­zie­hung der be­trof­fe­nen Ta­rif­re­ge­lun­gen zu gewähr­leis­ten (vgl. BAG 26. Au­gust 2009 - 4 AZR 290/08 - Rn. 24, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 69; 19. Sep­tem­ber 2007 - 4 AZR 710/06 - Rn. 22, AP BGB § 133 Nr. 54 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 36; BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 -, Rn. 32, AP BGB § 133 Nr. 60).

Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten kann die­se Re­ge­lung im Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag schon des­halb nicht als Gleich­stel­lungs­ab­re­de ver­stan­den wer­den, weil die G GmbH nicht Mit­glied des kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­bands war. Et­was an­de­res folgt auch nicht aus dem in der Präam­bel ge­nann­ten Zweck der "Ab­si­che­rung des Be­sitz­schut­zes". Dafür, dass die­se For­mu­lie­rung in der Präam­bel ent­ge­gen dem ein­deu­ti­gen Wort­laut von § 2 Abs. 3 PÜV 1997 be­stim­men soll­te, dass es hier ins­ge­samt nur um die Ab­si­che­rung des sta­ti­schen Be­sitz­stands zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs ge­hen soll­te, gibt es kei­nen er­kenn­ba­ren Hin­weis. Wäre nur das ge­wollt ge­we­sen, wäre § 2 Abs. 3 PÜV 1997 überflüssig und § 10 Abs. 2 PÜV 1997 nicht erklärbar. § 613a Abs. 1 BGB si­chert be­reits den bis da­hin be­ste­hen­den Be­sitz­stand sta­tisch ab. Die Un­be­dingt­heit der zu­ge­si­cher­ten Dy­na­mik zeigt sich zu­dem durch das Feh­len ei­ner Ein­schränkung in § 2 Abs. 3 PÜV. Der Ver­trags­text enthält darüber hin­aus kei­ne zeit­li­che Be­gren­zung für die in Aus­sicht ge­stell­te dy­na­mi­sche Ta­rif­an­wen­dung (vgl. BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 33 f., AP BGB § 133 Nr. 60).

Die Präam­bel gibt den An­lass und den Zweck der Re­ge­lun­gen des Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trags wie­der. Durch die Aus­glie­de­rung soll­ten die Mit­ar­bei­ter nicht schlech­ter ge­stellt wer­den als sie ge­stan­den hätten, wenn sie bei der ta­rif­ge­bun­de­nen F GmbH ge­blie­be­nen wären. Da der Ar­beits­ver­trag des Klägers ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de ent­hielt und die G GmbH nicht Mit­glied des kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des war, be­durf­te es zur Er­hal­tung der dy­na­mi­schen An­wend­bar­keit der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge der Ver­ein­ba­rung de­ren dy­na­mi­scher Gel­tung (vgl. BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 51, AP BGB § 133 Nr. 60).

(bbb) Nach § 10 Abs. 2 PÜV wer­den nur bei Zu­stim­mung des Mit­ar­bei­ters die auf ihn zu­tref­fen­den Vor­schrif­ten des PÜV 1997 Be­stand­teil sei­nes Ar­beits­ver­trags. Die Aus­le­gung die­ser Re­ge­lun­gen im Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag an­hand der §§ 133 , 157 BGB er­gibt, dass den An­ge­stell­ten, de­ren Ar­beits­verhält­nis nach § 613a BGB im We­ge der Ein­zel­rechts­nach­fol­ge auf die G GmbH über­ge­gan­gen ist, die dy­na­mi­sche Wei­ter­gel­tung des BMT-G II in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung ein­sch­ließlich der den BMT-G II ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge nicht auf­ge­zwun­gen wird. Denn die "je­weils zu­tref­fen­den Vor­schrif­ten", dh. auch § 2 Abs. 3 PÜV für Ar­bei­ter, die dem Be­triebsüber­gang nicht wi­der­spre­chen, wer­den nur Be­stand­teil des Ar­beits­ver­trags, wenn der Ar­bei­ter zu­stimmt. § 10 Abs. 2 PÜV sta­tu­iert da­mit ein Wahl­recht zwi­schen der An­nah­me der in § 2 Abs. 3 PÜV 1997 zu­ge­sag­ten dy­na­mi­schen An­wen­dung des BMT-G II und de­ren Ab­leh­nung und da­mit kei­ne Ver­pflich­tung oder Be­las­tung des Ar­beit­neh­mers. Ge­gen sei­ne Wirk­sam­keit als Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter be­ste­hen da­her kei­ne Be­den­ken (vgl. BAG 10. De­zem­ber 2008 - 4 AZR 881/07 - AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 68; LAG Hes­sen 2. Sep­tem­ber 2011 - 3 Sa 1606/10 - ).

(b) Die­se Zu­si­che­rung ist ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten wirk­sam.

(aa) Der An­wend­bar­keit der §§ 2 Abs. 3, 10 Abs. 2 PÜV steht nicht das Ge­bot der Rechts­quel­len­klar­heit ent­ge­gen.

(aaa) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ( BAG 15. April 2008 - 1 AZR 86/07 - Rn. 18, BA­GE 126, 251 = AP § 77 Be­trVG 1972 § 77 Nr. 96 = EzA TVG § 1 Nr. 49 ) müssen nor­ma­ti­ve Re­ge­lun­gen, durch wel­che der In­halt von Ar­beits­verhält­nis­sen un­mit­tel­bar und zwin­gend ge­stal­tet wer­den soll, dem Ge­bot der Rechts­quel­len­klar­heit im Sin­ne ei­ner Ein­deu­tig­keit der Norm ur­he­ber­schaft genügen.

Dies folgt aus den Er­for­der­nis­sen der Rechts­si­cher­heit, die in den Schrift­form­ge­bo­ten ins­be­son­de­re des § 1 Abs. 2 TVG und des § 77 Abs. 2 Satz 1 und 2 Be­trVG ih­ren ge­setz­li­chen Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Zu den Rechts­nor­men, die for­mel­le und ma­te­ri­el­le Ar­beits­be­din­gun­gen un­abhängig vom kon­kre­ten Wil­len der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer he­te­ro­nom ge­stal­ten, gehören ne­ben den Ge­set­zen ins­be­son­de­re Ta­rif­verträge und Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen.

(bbb) Es be­ste­hen vor­lie­gend be­reits er­heb­li­che Zwei­fel dar­an, ob es sich bei § 2 Abs. 3 PÜV 1997 um ei­ne Re­ge­lung han­delt, die dem Ge­bot der Rechts­quel­len­klar­heit zugäng­lich ist. Denn es han­delt sich we­gen des in § 10 Abs. 2 PÜV 1997 sta­tu­ier­ten Wahl­rechts nicht um ei­ne nor­ma­ti­ve Re­ge­lung, durch wel­che der In­halt von Ar­beits­verhält­nis­sen un­mit­tel­bar und zwin­gend un­abhängig vom Wil­len der ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer he­te­ro­nom ge­stal­tet wer­den soll. Gleich­wohl verstößt der Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag auch bei An­nah­me der Gel­tung des Ge­bots der Rechts­quel­len­klar­heit nicht hier­ge­gen. Bei mehr­sei­ti­gen, von Ar­beit­ge­ber, Ge­werk­schaft und Be­triebs­rat un­ter­zeich­ne­ten Ver­ein­ba­run­gen, sind je­den­falls die­je­ni­gen Re­ge­lungs­kom­ple­xe rechts­wirk­sam, die sich selbständig von den übri­gen ab­gren­zen las­sen und de­ren Ur­he­ber oh­ne wei­te­res er­kenn­bar sind (vgl. BAG 15. April 2008 - 1 AZR 86/07 -, Rn. 26, BA­GE 126, 251 = AP § 77 Be­trVG 1972 § 77 Nr. 96 = EzA TVG § 1 Nr. 49 ). Dies ist bei dem PÜV 1997 der Fall. Der Ver­trag weist zwar als Ver­trags­part­ner "ei­ner­seits" die Be­triebs­veräußer­in und Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten i.G. aus so­wie "an­de­rer­seits" den Be­triebs­rat der Be­triebs­veräußer­in. Den­noch ist er­kenn­bar, dass es sich bei dem PÜV 1997, so­weit die Re­ge­lung in § 2 Abs. 2 und 3 be­trof­fen ist, nicht um ei­ne Ver­pflich­tung han­delt, die in ei­nem De­ckungs­verhält­nis Be­triebs­rat, Be­triebs­veräußer­in und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten i.G. gel­ten soll­te. Es liegt viel­mehr - wie § 10 Abs. 2 PÜV 1997 zeigt -in­so­weit ein be­rech­ti­gen­der Ver­trag zu Guns­ten Drit­ter zwi­schen der Be­triebs­veräußer­in und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten i.G. vor, weil die Be­triebs­veräußer­in als Ver­spre­ch­ens­empfänge­rin die Leis­tung le­dig­lich im In­ter­es­se der vom Be­triebsüber­gang er­fass­ten Ar­beit­neh­mer ver­ab­re­det hat.

(bb) Die G GmbH konn­te als Be­triebs­er­wer­be­rin die­se Zu­si­che­rung wirk­sam er­tei­len. Zwei­fel an der Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis be­ste­hen nicht. Ein Ver­s­toß ge­gen die (ne­ga­ti­ve) Ko­ali­ti­ons­frei­heit nach Art. 9 Abs. 3 GG ist nicht an­zu­neh­men. Die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit ist nicht berührt, weil die Be­triebs­er­wer­be­rin die dy­na­mi­sche An­wen­dung der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge in Ausübung ih­rer Ver­trags­frei­heit auf­grund pri­vat­au­to­no­mer Ent­schließung zu­ge­sagt hat (vgl. BAG 23. Sep­tem­ber 2009 -4 AZR 331/08 -, Rn. 21, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 45).

(cc) Sch­ließlich fehlt es auch nicht an der Be­stimmt­heit der Zu­si­che­rung im Hin­blick auf die dy­na­mi­sche Aus­ge­stal­tung. Dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­seln ent­spre­chen ei­ner übli­chen Re­ge­lungs­tech­nik und die­nen den In­ter­es­sen bei­der Par­tei­en. Dies er­gibt sich aus der Zu­kunfts­ge­richtet­heit von Ar­beits­verhält­nis­sen. Es ist aus­rei­chend, wenn die im Zeit­punkt der je­wei­li­gen An­wen­dung in Be­zug ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen be­stimm­bar sind ( BAG 24. Sep­tem­ber 2008 - 6 AZR 76/07 - Rn. 31, AP BGB § 305c Nr. 11 = EzA BGB 2002 § 305c Nr. 15). Die­se An­for­de­rung ist ge­wahrt.

(c) Zur wirk­sa­men Ausübung des sich aus dem PÜV 1997 er­ge­ben­den Ver­ein­ba­rungs­an­spruchs genügte ei­ne ein­sei­ti­ge Erklärung des Ar­beit­neh­mers. Ei­ner Erklärung des Ar­beit­ge­bers be­durf­te es nicht. Das er­gibt die Aus­le­gung des PÜV 1997.

(aa) Ob es zur wirk­sa­men Ausübung ei­nes sich aus ei­nem Per­so­nalüber­lei­tungs­ver­trag er­ge­ben­den Ver­ein­ba­rungs­an­spruchs der Ar­beit­neh­mer aus­nahms­wei­se ei­ner Mit­wir­kung des Ar­beit­ge­bers nicht be­darf und die ein­sei­ti­ge Erklärung des Be­rech­tig­ten genügt, ist grundsätz­lich ei­ne Fra­ge der Aus­le­gung der be­rech­ti­gen­den Klau­sel. Ein we­sent­li­cher Ge­sichts­punkt ist da­bei, ob die Per­son des Be­rech­tig­ten so­wie die ihr zu­kom­men­den Rech­te und Pflich­ten be­reits fest­ste­hen, so dass für ei­ne Ge­stal­tungsmöglich­keit der Ver­ein­ba­rung kein Raum mehr bleibt. Fehlt ein Spiel­raum, so genügt in der Re­gel ei­ne ein­sei­ti­ge Erklärung des Be­rech­tig­ten ge­genüber dem Ver­pflich­te­ten, die mit der Einräum­ung der Be­rech­ti­gung be­reits vor­ab an­ge­nom­men ist ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 63, AP BGB § 133 Nr. 60).

(bb) Die Aus­le­gung des PÜV 1997 er­gibt, dass ei­ne ein­sei­ti­ge Erklärung des Ar­beit­neh­mers genügen soll­te. Das er­gibt sich schon aus § 10 Abs. 2, wo­nach ei­ne "Zu­stim­mung" des Ar­beit­neh­mers genügt, al­so ei­ne ein­sei­ti­ge Erklärung, die durch die Einräum­ung der Be­rech­ti­gung be­reits vor­ab an­ge­nom­men ist. Zu­dem fehlt ein Ge­stal­tungs­spiel­raum. Die Re­ge­lung des § 2 Abs. 3 über die dy­na­mi­sche An­wen­dung des BMT-G II in sei­ner je­weils gel­ten­den Fas­sung ein­sch­ließlich der den BMT-G II ergänzen­den, ändern­den oder er­set­zen­den Ta­rif­verträge wird bei Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers Be­stand­teil sei­nes Ar­beits­ver­trags. Für an­de­re Ge­stal­tun­gen be­steht nach dem PÜV 1997 kein Raum.

(2) Der Kläger hat sein Wahl­recht aus­geübt und die Zu­stim­mung zur dy­na­mi­schen An­wen­dung der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge er­teilt.

(a) Für ei­ne sol­che Zu­stim­mung be­steht kein Form­zwang. Die Erklärung kann auch kon­klu­dent er­fol­gen (vgl. BAG 22. April 2009 - 4 ABR 14/08 - Rn. 31, BA­GE 130, 286). Für ei­nen An­trag in die­sem Sin­ne kann ein Schrei­ben aus­rei­chen, in dem For­de­run­gen aus ei­nem der be­han­del­ten Ta­rif­verträge, die nach dem Be­triebsüber­gang ge­schlos­sen wur­den, gel­tend ge­macht wer­den. Auch die wi­der­spruchs­lo­se An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen auf das Ar­beits­verhält­nis kann als ent­spre­chen­de kon­klu­den­te Ver­ein­ba­rung zu ver­ste­hen sein ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 61 f., AP BGB § 133 Nr. 60).

Ei­ne Be­rech­ti­gung muss recht­zei­tig wahr­ge­nom­men wer­den. Von dem Zeit­punkt, in dem der Ar­beit­neh­mer das Er­for­der­nis der Zu­stim­mung er­ken­nen kann, be­ginnt ei­ne Frist zur Erklärung zu lau­fen. Auch wenn ei­ne aus­drück­li­che Frist­be­stim­mung fehlt, so ist doch er­for­der­lich, dass we­sent­li­che Ver­trags­be­din­gun­gen wie ei­ne dy­na­mi­sche An­wend­bar­keit von Ta­rif­wer­ken in an­ge­mes­se­ner Zeit fest­ste­hen müssen ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 62, a.a. O.; BAG 6. Fe­bru­ar 2003 - 2 AZR 674/01 -BA­GE 104, 315).

(b) Der Kläger hat sein Wahl­recht zu­guns­ten der dy­na­mi­schen An­wen­dung der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge recht­zei­tig kon­klu­dent aus­geübt. Die nach § 10 Abs. 2 PÜV 1997 er­for­der­li­che Zu­stim­mung kann ent­ge­gen der An­sicht des Klägers nicht dar­in ge­se­hen wer­den, dass der Kläger sein Wi­der­spruchs­recht nach § 613a Abs. 6 BGB nicht aus­geübt hat. Da­mit hat der Kläger nur zum Aus­druck ge­bracht, sein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­triebs­er­wer­be­rin fort­set­zen zu wol­len. Über die Ver­trags­be­din­gun­gen selbst be­sagt dies nichts. Die er­for­der­li­che Zu­stim­mung ist je­doch dar­in zu er­ken­nen, dass der Kläger in Kennt­nis der Re­ge­lun­gen des PÜV 1997 in den Jah­ren 1998 bis 2003 die Wei­ter­ga­be der Ta­rif­erhöhun­gen wi­der­spruchs­los hin­ge­nom­men hat (vgl. LAG München 29. März 2012 - 4 Sa 997/11 - zi­tiert nach Ju­ris). Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten ist dar­in nicht nur ein Ein­verständ­nis mit der je­wei­li­gen Loh­nerhöhung zu se­hen, da die Wei­ter­ga­be der Loh­nerhöhung die dy­na­mi­sche An­wen­dung der Ta­rif­verträge vor­aus­setzt. Der Kläger hat da­mit viel­mehr zum Aus­druck ge­bracht, mit der dy­na­mi­schen An­wen­dung der Ta­rif­verträge ein­ver­stan­den zu sein.

(3) Da­mit ist die Zu­si­che­rung in § 2 Abs. 3 PÜV Be­stand­teil des Ar­beits­ver­trags zwi­schen dem Kläger und der G GmbH ge­wor­den. Die­se Ver­ein­ba­rung er­fasst auch die An­wend­bar­keit des TVöD und des TVÜ-VKA. Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 Spie­gel­strich 4 TVÜ-VKA er­setzt der TVöD-VKA "in Ver­bin­dung mit die­sem Ta­rif­ver­trag", al­so dem TVÜ-VKA selbst, ua. den BMT-G II. Die­sen Wil­len ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en auch in Satz 1 ih­rer Nie­der­schrift zu § 2 TVÜ-VKA zum Aus­druck ge­bracht, nach der sie da­von aus­ge­hen, "dass der TVöD und die­ser Ta­rif­ver­trag bei ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­bern das bis­he­ri­ge Ta­rif­recht auch dann er­set­zen, wenn ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­men nicht aus­drück­lich den Fall der er­set­zen­den Re­ge­lung be­inhal­ten". Dies macht deut­lich, dass der TVöD-VKA und mit ihm auch der TVÜ-VKA nach Auf­fas­sung der ihn schließen­den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich an die Stel­le des BMT-G II tre­ten soll­ten ( BAG 22. April 2009 - 4 ABR 14/08 - Rn. 22, BA­GE 130, 286; BAG 25. Au­gust 2010 - 4 AZR 14/09 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Arzt Nr. 21). Da es sich dem­nach beim TVÜ-VKA in Ver­bin­dung mit dem TVöD-VKA um ei­nen den BMT-G II er­set­zen­den Ta­rif­ver­trag han­delt und die Zu­si­che­rung im PÜV 1997 die er­set­zen­den Ta­rif­verträge aus­drück­lich ein­sch­ließt, be­darf es in­so­fern kei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 - Rn. 61, AP BGB § 133 Nr. 60).

(4) Der Ar­beits­ver­trag ist vor dem wei­te­ren Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te nicht kon­klu­dent da­hin­ge­hend ab­geändert wor­den, dass der BMT-G II in sei­ner im Jahr 2003 gel­ten­den Fas­sung sta­tisch an­zu­wen­den ist. Die Tat­sa­che, dass die Ta­rif­erhöhun­gen ab 2004 nicht wei­ter­ge­ge­ben wor­den sind und dass der Kläger über den 30. Sep­tem­ber 2005 hin­aus nach dem BMT-G II und nicht dem TVöD vergütet wor­den ist und dies länge­re Zeit hin­ge­nom­men hat, er­gibt noch kei­ne Ver­tragsände­rung. Die Bei­be­hal­tung der im Jahr 2003 ge­zahl­ten Vergütung trotz Ta­rif­erhöhung ist ein rein tatsächli­ches Ver­hal­ten und nicht als An­ge­bot zum Ab­schluss ei­nes Ände­rungs­ver­trags zu ver­ste­hen. Auch der Hin­nah­me der Zah­lun­gen durch den Kläger kommt kein rechts­geschäft­li­cher Erklärungs­wert in Be­zug auf den In­halt des Ar­beits­verhält­nis­ses zu.

(5) Am 1. Ju­li 2008 ist die Be­klag­te als Be­triebsüber­neh­me­rin gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB in die Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger ein­ge­tre­ten. Zu den Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis gehört auch die Ver­ein­ba­rung über die dy­na­mi­sche An­wen­dung des BMT-G II und der die­sen er­set­zen­den Ta­rif­verträge, al­so zum Zeit­punkt des Teil­be­triebsüber­gangs die An­wen­dung des TVöD und des TVÜ-VKA in de­ren je­weils gel­ten­der Fas­sung.

(a) Der sich von Ge­set­zes we­gen, nämlich nach § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB , voll­zie­hen­de Ein­tritt des Er­wer­bers ei­nes Be­trie­bes oder Be­triebs­teils in die Rech­te und Pflich­ten der zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­se be­zieht sich auf al­le ar­beits­ver­trag­lich be­gründe­ten Rech­te und Pflich­ten und um­fasst mit­hin auch sol­che aus dy­na­mi­schen Ver­wei­sungs­klau­seln auf ei­nen Ta­rif­ver­trag bzw. auf ein Ta­rif­werk ( BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 15, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr 45). Dar­an ist fest­zu­hal­ten.

(aa) Durch die An­nah­me ei­nes Ein­tre­tens in dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­seln wird die Be­klag­te nicht in ih­ren Grund­rech­ten ver­letzt.

(aaa) Das gilt zunächst für das Grund­recht auf (ne­ga­ti­ve) Ko­ali­ti­ons­frei­heit­gemäß Art. 9 Abs. 3 GG .

Ein Ver­s­toß ge­gen die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit kommt nur dann in Be­tracht, wenn es um die von ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen un­abhängi­ge kol­lek­tiv-recht­li­che Wir­kungs­wei­se von ta­rif­li­chen Nor­men geht. Denn nur in die­sem Be­reich lässt sich die Ver­bind­lich­keit von Rech­ten und Pflich­ten mit der Wahr­neh­mung von ne­ga­ti­ver oder po­si­ti­ver Ko­ali­ti­ons­frei­heit be­gründen. So­weit bei der Be­gründung der Rech­te und Pflich­ten, die bei ei­nem Be­triebsüber­gang auf den Er­wer­ber über­ge­hen, we­der die Mit­glied­schaft in ei­ner ta­rif­sch­ließen­den Ko­ali­ti­on noch die Po­si­ti­on als Ta­rif­ver­trags­par­tei, et­wa bei ei­nem Fir­men­ta­rif­ver­trag, ei­ne Rol­le spie­len, son­dern die­se un­mit­tel­bar auf der Ab­ga­be ei­ner pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­erklärung ge­genüber dem Ar­beits­ver­trags­part­ner be­ru­hen, kann we­der die ne­ga­ti­ve Ko­ali­ti­ons­frei­heit des Veräußerers noch die­je­ni­ge des Er­wer­bers be­trof­fen sein. Der ar­beits­ver­trag­li­che Cha­rak­ter ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf ein frem­des Re­gel­werk wird durch die Her­kunft des Be­zugs­ob­jekts nicht geändert ( BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 -, Rn. 23 bis 27, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 45).

Auch in ih­ren Fol­ge­wir­kun­gen bleibt die­ser in­di­vi­du­al­ver­trag­li­che Cha­rak­ter er­hal­ten. An­ders als nach der Re­ge­lung des § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB, die zu ei­nem kol­lek­tiv­recht­li­chen In­halts­schutz mit zwin­gen­der Wir­kung für ein Jahr führt, können nach § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB über­ge­gan­ge­ne Ver­ein­ba­run­gen je­der­zeit ein­ver­nehm­lich und pri­vat­au­to­nom ab­geändert wer­den. Es herrscht grundsätz­lich die glei­che Ver­trags­frei­heit, wie sie im Veräußer­er­be­trieb be­stan­den hat (vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2010 - 4 AZR 691/08 -, Rn. 50, AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 75 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 47).

(bbb) Auch die Ver­trags­frei­heit der Be­klag­ten als Er­wer­be­rin ist nicht ver­letzt. Der Be­triebsüber­gang be­ruht auf ih­rer pri­vat­au­to­no­men Ent­schei­dung. Als Er­wer­be­rin muss sie sich so be­han­deln las­sen, als hätte sie den Ar­beits­ver­trag selbst un­ter­schrie­ben (zur Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie EuGH 6. No­vem­ber 2003 - C-4/01 [Mar­tin] - Rn. 29, Slg. 2003, I - 12859). Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die dy­na­mi­sche An­wen­dung des Ta­rif­werks des öffent­li­chen Diens­tes kann je­der­zeit ein­ver­nehm­lich und frei ab­geändert wer­den, auch zu­las­ten des Ar­beit­neh­mer ( BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 23 ff, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 45).

(bb) Die Bin­dung des Be­triebs­er­wer­bers an die vom Be­triebs­veräußerer mit dem Ar­beit­neh­mer in­di­vi­du­al­recht­lich ver­ein­bar­te dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me auf ei­nen Ta­rif­ver­trag verstößt auch nicht ge­gen Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG . Die Sys­te­ma­tik des § 613 a Abs. 1 BGB und sei­ne Kon­se­quen­zen für die Fort­gel­tung ver­trag­li­chen und ta­rif­ver­trag­li­chen Rechts über den Be­triebsüber­gang hin­aus ent­spricht der der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie. Auch die­se un­ter­schei­det in Art. 3 zwi­schen den bei­den un­ter­schied­li­chen Wir­kungs­gründen in­di­vi­du­al­ver­trag­lich und kol­lek­tiv­ver­trag­lich be­gründe­ter Rech­te und Pflich­ten.

(aaa) Art. 3 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG ent­spricht in­so­weit so­wohl nach den Vor­aus­set­zun­gen als auch nach den mit ihr her­bei­geführ­ten Rechts­fol­gen der Vor­schrift in § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB . Sie be­zweckt mit dem un­mit­tel­ba­ren und au­to­ma­ti­schen Ein­tritt des Er­wer­bers in die ar­beits­ver­trag­li­che Rechts­stel­lung des Veräußerers, dass der Ar­beit­neh­mer auch nach dem Be­triebsüber­gang un­ter den glei­chen Ver­trags­be­din­gun­gen wei­ter­ar­bei­ten kann, die er mit dem Veräußerer ver­ein­bart hat­te ( EuGH 12. No­vem­ber 1992 - C-209/91 - [Rask], EAS C RL 77/187/EWG Art. 1 Nr. 8; 14. Sep­tem­ber 2000 - C-343/98 - [Col­li­no/Chiap­pe­ro], Rn. 49, AP EWG-Richt­li­nie Nr. 77/187/EWG Nr. 29). Zu den Ver­trags­be­din­gun­gen zählen auch Be­zug­nah­me­klau­seln.

Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG re­gelt die - qua­li­fi­zier­te - Wei­ter­gel­tung von kol­lek­tiv­ver­trag­lich be­gründe­ten Rech­ten und Pflich­ten ei­genständig. Da­nach erhält der Er­wer­ber nach dem Be­triebsüber­gang die in ei­nem Kol­lek­tiv­ver­trag ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen bis zur Kündi­gung oder zum Ab­lauf des Kol­lek­tiv­ver­tra­ges bzw. bis zum In­kraft­tre­ten oder bis zur An­wen­dung ei­nes an­de­ren Kol­lek­tiv­ver­tra­ges in dem glei­chen Maße auf­recht, wie sie in dem Kol­lek­tiv­ver­trag für den Veräußerer vor­ge­se­hen wa­ren. Der Zeit­raum der Auf­recht­er­hal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen kann durch die Mit­glied­staa­ten ge­setz­lich be­grenzt wer­den, al­ler­dings nicht auf ei­ne kürze­re Zeit­span­ne als ein Jahr. Die Ablösung die­ser Be­din­gun­gen kann da­mit in­ner­halb die­ser Zeit auch nach der Richt­li­nie grundsätz­lich nicht ein­zel­ver­trag­lich er­fol­gen, wie dies für die in Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG ge­nann­ten Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­ver­trag möglich ist ( EuGH 12. No­vem­ber 1992 - C-209/91 - [Rask], Rn. 28, EAS C RL 77/187/EWG Art. 1 Nr. 8; 14. Sep­tem­ber 2000 - C-343/98 - [Col­li­no, Chiap­pe­ro], Rn. 53, AP EWG-Richt­li­nie Nr. 77/187 Nr. 29). Dar­aus wird deut­lich, dass auch aus ge­mein­schafts­recht­li­cher Sicht der kol­lek­tiv­recht­li­che Cha­rak­ter der vor dem Be­triebsüber­gang nor­ma­tiv gel­ten­den - und nach § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB und Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­ten -Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen nach dem Be­triebsüber­gang er­hal­ten bleibt ( BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 -, Rn. 34, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 45).

(bbb) Et­was an­de­res er­gibt sich nicht aus dem Ur­teil "Wer­hof des EuGH vom 9. März 2006 (- C-499/04 - Slg. 2006, I - 2397). Die­se Ent­schei­dung des EuGH schließt es aus, ei­ne Ver­wei­sung auf Ta­rif­verträge oder Ta­rif­wer­ke im Fal­le ei­nes Be­triebsüber­gangs un­abhängig vom übe­rein­stim­mend ge­bil­de­ten Wil­len der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en stets so zu ver­ste­hen, dass der Er­wer­ber an die be­tref­fen­den Ta­rif­verträge auch in den Fas­sun­gen ge­bun­den ist, die erst nach dem Be­triebsüber­gang ver­ein­bart wur­den. Die Fra­ge, wie das von Be­triebs­veräußerer und Ar­beit­neh­mer hin­sicht­lich ei­ner Ta­rif­an­wen­dung pri­vat­au­to­nom Ver­ein­bar­te aus­zu­le­gen ist, das gemäß Art. 3 Abs. 1 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie nach dem Über­gang des Be­trie­bes beim Er­wer­ber wei­ter gilt, war eben­so we­nig Ge­gen­stand der Ent­schei­dung des Ge­richts­hofs wie ei­ne ab­sch­ließen­de ge­mein­schafts­recht­li­che Be­wer­tung, dass ein be­stimm­tes Klau­sel­verständ­nis mit höher­ran­gi­gem Recht kol­li­diert ( BAG 23. Sep­tem­ber 2009 - 4 AZR 331/08 - Rn. 37, BA­GE 132, 169 = AP TVG § 1 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 71 = EzA TVG § 3 Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 45).

(ccc) Et­was an­de­res er­gibt sich schließlich nicht aus dem Ur­teil "Alemo Her­ron" vom 18. Ju­li 2013 (- C-426/11 -, zi­tiert nach Ju­ris). Die Alemo-Her­ron-Ent­schei­dung be­trifft Fall­ge­stal­tun­gen nach Art. 3 Abs. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG ; sie be­zieht sich da­ge­gen nicht auf Fall­ge­stal­tun­gen, die un­ter Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG fal­len.

Das er­gibt sich al­ler­dings nicht aus­drück­lich aus dem Wort­laut der Ent­schei­dung. Der EuGH hat ent­schie­den, dass Art. 3 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen ist, dass er es ei­nem Mit­glied­staat ver­wehrt, vor­zu­se­hen, dass im Fall ei­nes Un­ter­neh­mensüber­gangs die Klau­seln, die dy­na­misch auf nach dem Zeit­punkt des Über­gangs ver­han­del­te und ab­ge­schlos­se­ne Kol­lek­tiv­verträge ver­wei­sen, ge­genüber dem Er­wer­ber durch­setz­bar sind, wenn die­ser nicht die Möglich­keit hat, an den Ver­hand­lun­gen über die­se nach dem Über­gang ab­ge­schlos­se­nen Kol­lek­tiv­verträge teil­zu­neh­men. Der EuGH stellt so­wohl im Te­nor wie auch in den Ent­schei­dungs­gründen pau­schal auf Art. 3 der Richt­li­nie 2001/23/EG ab, an­statt zwi­schen Art. 3 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 3 zu dif­fe­ren­zie­ren.

Aus der der Ent­schei­dung zu Grun­de lie­gen­den Be­zug­nah­me­klau­sel folgt je­doch, dass es um Art. 3 Abs. 3 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie ging. Der EuGH hat­te sich mit ei­ner eng­li­schen Be­zug­nah­me­klau­sel zu be­fas­sen, die mit deut­schen Be­zug­nah­me­klau­seln nicht ver­gleich­bar sind. Nach eng­li­schem Recht können Be­zug­nah­me­klau­seln nicht nur durch "cust­om and prac­tice" in den Ver­trag ein­geführt wer­den, son­dern schon dann an­zu­neh­men sein, wenn der Ver­trag an­de­ren­falls nicht durchführ­bar wäre (Forst, DB 2013, 1847, 1849). Im eng­li­schen Ta­rif­ver­trags­recht sind ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­seln er­for­der­lich, um ei­ne rechts­ver­bind­li­che Wir­kung des Ta­rif­ver­trags im ein­zel­nen Ar­beits­verhält­nis zu be­gründen, da kei­ne un­mit­tel­ba­re und zwin­gen­de Gel­tung der Ta­rif­nor­men exis­tiert (Klauk/Klein, An­mer­kung zum Ur­teil des EuGH vom 18. Ju­li 20133, zi­tiert nach Ju­ris). Die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­trags können da­her in Eng­land nach ei­nem Be­triebsüber­gang nur auf­recht­er­hal­ten wer­den, wenn auch die Ver­wei­sungs­klau­sel wei­ter Be­stand hat. Da­mit geht es in der Ent­schei­dung funk­tio­nal um die kol­lek­tiv-recht­li­che Wir­kung und so­mit um Art. 3 Abs. 3 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie (Klauk/Klein, An­mer­kung zum Ur­teil des EuGH vom 18. Ju­li 20133, zi­tiert nach Ju­ris; Forst, DB 2013, 1847, 1849). Un­ter Berück­sich­ti­gung der Verände­rungs­sper­re in Art. 3 Abs. 3 der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie kann der Ar­gu­men­ta­ti­on des EuGH mit der Ver­trags­frei­heit ge­folgt wer­den.

Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on ist je­doch nicht auf die streit­ge­genständ­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel über­trag­bar. Die Be­klag­te kann zwar als Er­wer­be­rin kei­nen Ein­fluss auf die Ta­rif­ver­hand­lun­gen für den öffent­li­chen Dienst neh­men. Sie kann aber man­gels Gel­tung der Verände­rungs­sper­re des § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB mit ih­ren Ar­beit­neh­mern Ände­rungs­verträge schließen oder ggfs. ei­ne Ände­rungskündi­gung aus­spre­chen. Da­mit ist ihr Recht auf un­ter­neh­me­ri­sche Frei­heit (vgl. Rn. 36 der Ent­schei­dung des EuGH) aus­rei­chend geschützt.

Sch­ließlich ist der Sinn und Zweck der Be­triebsüber­g­angs­richt­li­nie zu berück­sich­ti­gen. Sie dient dem Schutz der Ar­beit­neh­mer. Al­lein durch den Be­triebsüber­gang soll der Ar­beits­ver­trags­in­halt nicht verändert wer­den. Das wäre aber der Fall, wenn al­lein der Be­triebsüber­gang - hier von ei­nem nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber zu ei­nem wei­te­ren nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber im Rah­men ei­ner Um­struk­tu­rie­rung in­ner­halb des Kon­zerns - da­zu führ­te, dass die Be­zug­nah­me­klau­sel ih­re Dy­na­mik einbüßte.

(b) Der PÜV 2008 sieht kei­ne (un­wirk­sa­me) von § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB ab­wei­chen­de Re­ge­lung vor. In § 1 Abs. 2 PÜV 2008 wird viel­mehr auf § 613 a BGB Be­zug ge­nom­men und in § 1 Abs. 3 PÜV 2008 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer mit al­len ar­beits­ver­trag­li­chen Rech­ten und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten wech­seln. So­weit in § 1 Abs. 4 auf den BAT und den BMT-G II Be­zug ge­nom­men wird, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ver­trags­par­tei­en irrtümlich von ei­ner Gel­tung die­ser Ta­rif­verträge und de­ren Dy­na­mik aus­ge­gan­gen sind. Die­ser Irr­tum hat kei­ne Aus­wir­kun­gen, da die Bin­dung des Be­klag­ten an den TVöD auf § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB be­ruht.

Der PÜV 2008 enthält auch kein An­ge­bot an die Ar­beit­neh­mer auf Ab­schluss ei­nes Ände­rungs­ver­trags über die sta­ti­sche An­wen­dung des BMT-G II. Dafür könn­te zwar § 3 PÜV 2008 spre­chen. Es fehlt aber ein ent­spre­chen­des An­ge­bot an die Ar­beit­neh­mer. § 1 PÜV 2008 nimmt viel­mehr auf die ge­setz­li­che Re­ge­lung Be­zug.

(6) Die Par­tei­en ha­ben die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me­klau­sel nach dem Be­triebsüber­gang nicht ein­ver­nehm­lich ab­be­dun­gen. Sie ha­ben den Ar­beits­ver­trag nicht durch das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben vom 25. Ju­ni 2008, die Gewährung und die An­nah­me der Leis­tun­gen nach dem BMT-G II kon­klu­dent geändert. Das gilt schon des­halb, weil das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben nicht als An­ge­bot auf Ände­rung des Ar­beits­ver­trags zu ver­ste­hen ist. Das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben stellt, so­weit es den Kläger über die sta­ti­sche Wei­ter­gel­tung des BMT-G II un­ter­rich­tet, ei­ne (un­rich­ti­ge) Wis­sens­erklärung dar. Durch das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben soll der Ar­beit­neh­mer über die Fol­gen des Be­triebsüber­gangs un­ter­rich­tet wer­den, die sich aus den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten er­ge­ben. Der Wil­le auf Ände­rung des Ver­trags kommt dar­in nicht zum Aus­druck. Außer­dem han­delt es sich nicht um ein Schrei­ben der Be­klag­ten.

(7) Sch­ließlich ist das Recht des Klägers, sich auf die Ver­ein­ba­rung über die An­wend­bar­keit der an­ge­spro­che­nen Ta­rif­verträge zu be­ru­fen, we­der ver­fal­len, noch verjährt noch ver­wirkt.

(a) Das Recht ist we­der ver­fal­len noch verjährt.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­ter­lie­gen über­ge­ord­ne­te Stamm­rech­te, aus wel­chen sich Ein­zel­ansprüche erst er­ge­ben und für wel­che selbst kein Fällig­keits­zeit­punkt be­steht, nicht der Verjährung und auch nicht dem Ver­fall auf Grund ta­rif­li­cher Aus­schluss­fris­ten ( BAG 15. Sep­tem­ber 2004 - 4 AZR 416/03 - zu II 1 der Gründe, AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Me­tall­in­dus­trie Nr. 191). Um sein sol­ches Stamm­recht han­delt es sich hier.

(b) Der An­spruch ist auch nicht ver­wirkt.

(aa) Die Ver­wir­kung stellt ei­nen Spe­zi­al­fall der un­zulässi­gen Rechts­ausübung dar und soll dem Bedürf­nis nach Rechts­klar­heit die­nen ( BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 10 AZR 35/06 - Rn. 20, EzA § 242 BGB 2002 Ver­wir­kung Nr. 2 ). Der Ver­wir­kung un­ter­liegt grundsätz­lich je­der An­spruch und je­des Recht. Die Ver­wir­kung setzt vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer sein Recht über länge­re Zeit hin­weg nicht aus­geübt hat - Zeit­mo­ment -und bei dem Ar­beit­ge­ber da­durch die Über­zeu­gung her­vor­ge­ru­fen hat, er wer­de sein Recht nicht mehr durch­set­zen - Um­stands­mo­ment - (vgl. BAG 15. Fe­bru­ar 2011 -9 AZR 584/09 - NZA-RR 2011, 467 ff.). Der Be­rech­tig­te muss un­ter Umständen untätig ge­blie­ben sein, die den Ein­druck er­we­cken konn­ten, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den. Hier­bei muss das schützens­wer­te Ver­trau­en des Schuld­ners das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass die­sem die Erfüllung des An­spruchs nicht mehr zu­zu­mu­ten ist ( BAG 23. Fe­bru­ar 2011 - 4 AZR 439/09 -, Rn. 43, AP BGB § 133 Nr. 60). Die Ver­wir­kung dient dem Ver­trau­ens­schutz ( BAG 14. Fe­bru­ar 2007 - 10 AZR 35/06 - NZA 2007, 690 ff.).

(bb) Es kann da­hin­ste­hen, ob das Zeit­mo­ment ge­ge­ben ist. Je­den­falls fehlt es an dem für die Ver­wir­kung er­for­der­li­chen Um­stands­mo­ment. Al­lein aus der wi­der­spruchs­frei­en Ver­trags­durchführung kann ein Um­stands­mo­ment nicht her­ge­lei­tet wer­den. Es fehlt an ei­ner be­son­de­ren ver­trau­ens­be­gründen­den Ver­hal­tens­wei­se des Klägers, mit der er ge­genüber der Be­klag­ten den An­schein hätte er­we­cken können, auch für ihn soll­te al­lein der BMT-G II die maßge­ben­de Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses bil­den.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO . Da­nach hat die Be­klag­te die Kos­ten des er­folg­lo­sen Rechts­mit­tels zu tra­gen.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG .

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