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BAG, Ur­teil vom 25.03.2009, 7 AZR 710/07

   
Schlagworte: Arbeitsvertragsrichtlinien, AVR, Befristung: Sachgrundlos
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 7 AZR 710/07
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 25.03.2009
   
Leitsätze: In Arbeitsrechtsregelungen der Kirchen kann von der zweijährigen Befristungsdauer des § 14 Abs. 2 Satz 1 TzBfG nicht zuungunsten der Arbeitnehmer abgewichen werden.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bonn, Urteil vom 19.12.2006, 6 Ca 2531/06 Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 21.06.2007, 10 Sa 225/07
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 AZR 710/07
10 Sa 225/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Köln

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

25. März 2009

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. März 2009 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dörner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Be­cher und Busch für Recht er­kannt:
 


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Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 21. Ju­ni 2007 - 10 Sa 225/07 - wird zurück­ge­wie­sen mit der Maßga­be, dass fest­ge­stellt wird, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht auf­grund der Be­fris­tung vom 13. Fe­bru­ar 2006 zum 31. De­zem­ber 2006 be­en­det wor­den ist.


Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2006 ge­en­det hat.

Der Kläger wur­de bei der Be­klag­ten auf­grund des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags vom 17. Fe­bru­ar 2004 für die Zeit vom 1. März 2004 bis zum 28. Fe­bru­ar 2006 als Mit­ar­bei­ter im Ver­wal­tungs­dienst in der Ver­wal­tung des Son­der­haus­hal­tes Evan­ge­li­sche Mi­litärseel­sor­ge ein­ge­stellt. Am 13. Fe­bru­ar 2006 schlos­sen die Par­tei­en für die Zeit vom 1. März 2006 bis zum 31. De­zem­ber 2006 ei­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag zu an­sons­ten un­veränder­ten Ver­trags­be­din­gun­gen. Nach § 2 des Ar­beits­ver­trags vom 13. Fe­bru­ar 2006 rich­ten sich das Ar­beits­verhält­nis und die Vergütung nach der Dienst­ver­trags­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und nach den die­se ergänzen­den oder ändern­den Be­stim­mun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung.

Der Rat der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land hat in ei­ner Richt­li­nie für ein Kir­chen­ge­setz über das Ver­fah­ren zur Re­ge­lung der Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst vom 8. Ok­to­ber 1976 (ABl. EKD S. 398) den Glied­kir­chen emp­foh­len, die Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter im kirch­li­chen Dienst auf der Grund­la­ge ei­nes von ihm ver­ab­schie­de­ten Mus­ter­ent­wurfs ei­nes Kir­chen­ge­set­zes zu re­geln (sog. „Drit­ter Weg“). Die meis­ten Lan­des-
 


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kir­chen sind der Emp­feh­lung des Rats der EKD ge­folgt und ha­ben durch Kir­chen­ge­setz das Re­ge­lungs­sys­tem des Drit­ten We­ges ein­geführt.


Auf­grund § 2 Abs. 1 des für die Be­klag­te gel­ten­den Ar­beits­rechts­re­ge­lungs­ge­set­zes - ARRG-EKD - vom 10. No­vem­ber 1988 (ABl. EKD S. 366) ist für den Be­reich der Dienst­stel­len der Be­klag­ten, der Haupt­geschäfts­stel­le ih­res Dia­ko­ni­schen Wer­kes so­wie der Ein­rich­tun­gen und Wer­ke, die die ar­beits­recht­li­chen Be­stim­mun­gen der Be­klag­ten oder der Haupt­geschäfts­stel­le ih­res Dia­ko­ni­schen Wer­kes an­wen­den, zur Ord­nung und Fort­ent­wick­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ua. der An­ge­stell­ten und Ar­bei­ter ei­ne Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ge­bil­det. Nach § 2 Abs. 2 ARRG-EKD hat die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on die Auf­ga­be, Re­ge­lun­gen zu be­sch­ließen, die den In­halt, den Ab­schluss und die Be­en­di­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen be­tref­fen. Die nach § 2 Abs. 2 ARRG-EKD ge­fass­ten Be­schlüsse der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on sind ver­bind­lich. Es dürfen nur Ar­beits­verträge ab­ge­schlos­sen wer­den, die den auf die­sen Be­schlüssen und Ent­schei­dun­gen be­ru­hen­den Re­ge­lun­gen ent­spre­chen (§ 3 ARRG-EKD).


Die bei der Be­klag­ten ge­bil­de­te Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on ist pa­ritätisch mit Ver­tre­tern der Dienst­ge­ber und Mit­ar­bei­ter be­setzt (§ 4 ARRG-EKD). Die Ver­tre­ter der Mit­ar­bei­ter wer­den von den be­ruf­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen der Mit­ar­bei­ter oder - wenn ein Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad von 20 % nicht er­reicht wird - von der Ge­samt­mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung der Amts- und Dienst­stel­len der EKD be­stellt (§ 5 Abs. 1 und 2 ARRG-EKD). Nach § 7 Abs. 1 ARRG-EKD sind die Mit­glie­der der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on un­abhängig und an Wei­sun­gen nicht ge­bun­den. Sie dürfen in der Ausübung ih­res Amts nicht be­hin­dert und we­gen ih­rer Tätig­keit in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on we­der be­nach­tei­ligt oder begüns­tigt wer­den. Die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on wird auf­grund von Anträgen der in § 10 ARRG-EKD be­zeich­ne­ten An­trags­be­rech­tig­ten tätig. Kommt in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on kein Be­schluss zu­stan­de oder wer­den ge­gen ei­nen ge­fass­ten Be­schluss auch nach er­neu­ter Be­ra­tung Ein­wen­dun­gen er­ho­ben (§ 11 Abs. 5 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 ARRG-EKD), so ent­schei­det über die An­ge­le­gen­heit ein pa­ritätisch zu­sam­men­ge­setz­ter Sch­lich­tungs­aus­schuss un­ter Mit­wir­kung ei­nes neu­tra­len Vor­sit­zen­den (§ 12 ARRG-EKD). Die Ent-
 


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schei­dun­gen des Sch­lich­tungs­aus­schus­ses sind ver­bind­lich und im Amts­blatt der EKD zu veröffent­li­chen.

Am 4. Mai 2001 be­schloss die Ar­beits­recht­li­che Kom­mis­si­on der Be­klag­ten ei­ne „Ar­beits­rechts­re­ge­lung zur An­wen­dung der Son­der­re­ge­lun­gen für Zeit­an­ge­stell­te, An­ge­stell­te für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er und für Aus­hilfs­an­ge­stell­te (SR 2y BAT)“, die aus­zugs­wei­se wie folgt lau­tet:


„(1) Die SR 2y BAT fin­den für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se An­wen­dung, so­weit im Fol­gen­den nichts Ab-wei­chen­des be­stimmt ist.

(2) Ar­beits­verhält­nis­se nach § 14 Absätze 2 und 3 des Ge­set­zes über Teil­zeit­ar­beit und be­fris­te­te Ar­beits­verträge (Tz­B­fG) können be­gründet wer­den. Für die Aus­ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se gilt Fol­gen­des:

a) ...


b) Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges nach § 14 Ab­satz 2 Satz 1 Tz­B­fG ist bis zur Dau­er von drei Jah­ren zulässig; bis zu die­ser Ge­samt­dau­er ist auch die höchs­tens drei­ma­li­ge Verlänge­rung zulässig.

c) ...“

Der Kläger hat mit sei­ner am 9. Sep­tem­ber 2006 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge die Un­wirk­sam­keit der in dem Ar­beits­ver­trag vom 13. Fe­bru­ar 2006 ent­hal­te­nen Be­fris­tung gel­tend ge­macht. Er hat ge­meint, die nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG höchst­zulässi­ge Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren für den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags sei über-schrit­ten.


Der Kläger hat be­an­tragt, 


1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung vom 13. Fe­bru­ar 2006 zum 31. De­zem­ber 2006 en­den wird, son­dern auf un­be­stimm­te Zeit fort­be­steht;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Fest­stel­lungs­rechts­streits zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als
 


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Mit­ar­bei­ter im Ver­wal­tungs­dienst in dem Haus­halt Evan­ge­li­sche Seel­sor­ge in der Bun­des­wehr wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 


Sie hat die in dem Ar­beits­ver­trag vom 13. Fe­bru­ar 2006 ver­ein­bar­te Be­fris­tung nach der von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on be­schlos­se­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lung vom 4. Mai 2001 für ge­recht­fer­tigt ge­hal­ten. Die­se auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Ver­ein­ba­rung sei bei der An­wen­dung des § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ei­nem Ta­rif­ver­trag gleich­ge­stellt. Der Ge­setz­ge­ber sei bei Er­lass der Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen in § 7 Abs. 4 Arb­ZG, § 21a Abs. 3 JAr­bSchG da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kir­chen auf­grund ih­res durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst-be­stim­mungs­rechts Ab­wei­chun­gen von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben vor­se­hen könn­ten. Ha­be der Ge­setz­ge­ber - wie im Tz­B­fG - ei­ne an sich er­for­der­li­che Kir­chen­klau­sel nicht vor­ge­se­hen, sei ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des Ge­set­zes vor­zu­neh­men, die im Streit­fall da­zu führe, die Vor­schrift des § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG so aus­zu­le­gen, als ob sie ei­ne Kir­chen­klau­sel ent­hal­te. An­de­ren­falls wer­de ihr Selbst­be­stim­mungs­recht durch ta­rif­dis­po­si­ti­ve Vor­schrif­ten wie § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG, die kei­ne aus­drück­li­che Kir­chen­klau­sel ent­hal­ten, in nicht ge­recht­fer­tig­ter Wei­se ein­ge­schränkt. Der Ge­setz­ge­ber dürfe den Kir­chen auch un­ter Gleich­be­hand­lungs­ge­sichts­punk­ten den in Ta­riföff­nungs­klau­seln den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ein­geräum­ten Re­ge­lungs­spiel­raum nicht vor­ent­hal­ten. Die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen böten wie Ta­rif­verträge die Gewähr für ei­ne aus­ge­wo­ge­ne und sach­ge­rech­te Lösung.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter, während der Kläger die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben dem Kla­ge­an­trag zu 1. zu Recht statt­ge­ge­ben. Bei dem An­trag han­delt es sich trotz sei­nes letz­ten Halb­sat­zes, der auf ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge iSv. § 256 Abs. 1 ZPO hin­deu­ten könn­te, aus­sch­ließlich um ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge nach § 17 Abs. 1 Tz­B­fG, was der Se­nat bei der Neu­fas­sung des Te­nors berück­sich­tigt hat. Die al­lein zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­ge Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 13. Fe­bru­ar 2006 ist un­wirk­sam, weil die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­te Frist für den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags von zwei Jah­ren über­schrit­ten ist. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 Tz­B­fG für ei­ne über die­sen Zeit­raum hin­aus­ge­hen­de Fest­le­gung der höchst­zulässi­gen Be­fris­tungs­dau­er lie­gen nicht vor. Die Be­klag­te kann sich zur Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung nicht auf die ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ar­beits­rechts­re­ge­lung zur An­wen­dung der Son­der­re­ge­lun­gen für Zeit­an­ge­stell­te, An­ge­stell­te für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er und für Aus­hilfs­an­ge­stell­te (SR 2y BAT) vom 4. Mai 2001 be­ru­fen. Die­se auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Ar­beits­rechts­re­ge­lung ist kein Ta­rif­ver­trag iSd. § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG, durch des­sen ver­trag­li­che In­be­zug­nah­me nach § 14 Abs. 2 Satz 4 Tz­B­fG von der Ge­samt­dau­er von zwei Jah­ren für den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zu­un­guns­ten des Klägers ab­ge­wi­chen wer­den kann. § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ist nicht da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen der Kir­chen Ta­rif­verträgen iSd. § 1 Abs. 1 TVG gleich­ge­stellt sind. Das Be­fris­tungs­recht des Tz­B­fG enthält kei­ne Re­ge­lungslücke, die es ge­bie­ten würde, § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG über sei­nen Wort­laut hin­aus auf die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen zu er­stre­cken. Die nach § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG Ta­rif­verträgen vor­be­hal­te­ne Möglich­keit, ei­ne länge­re als die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­te Frist fest­zu­le­gen, ver­letzt die Be­klag­te nicht in ih­rem durch Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV ga­ran­tier­ten Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs­recht. Die auf Ta­rif­nor­men be­schränk­te Öff­nung in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG
 


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verstößt auch nicht ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG. Der zu 2. ge­stell­te Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an.


I. Die Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 13. Fe­bru­ar 2006 ist nicht nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt, da die für den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­te höchst­zulässi­ge Ge­samt­dau­er von 2 Jah­ren über­schrit­ten ist.


1. Nach § 14 Abs. 2 Satz 1 1. Halbs. Tz­B­fG ist die ka­len­dermäßige Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des bis zur Dau­er von zwei Jah­ren zulässig. Bis zu die­ser Ge­samt­dau­er ist nach § 14 Abs. 2 Satz 1 2. Halbs. Tz­B­fG auch die höchs­tens drei­ma­li­ge Verlänge­rung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zulässig. Durch Ta­rif­ver­trag kann die An­zahl der Verlänge­run­gen oder die Höchst­dau­er der Be­fris­tung ab­wei­chend von Satz 1 fest­ge­legt wer­den. Im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­trags können nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ver­ein­ba­ren (§ 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 Tz­B­fG). Nach § 22 Abs. 1 Tz­B­fG kann außer in den Fällen des § 12 Abs. 3, § 13 Abs. 4 und § 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 von den Vor­schrif­ten des Tz­B­fG nicht zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­ge­wi­chen wer­den.

2. Da­nach ist die Be­fris­tung in dem Ar­beits­ver­trag vom 13. Fe­bru­ar 2006 nicht nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Der Kläger war über die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­te Frist von zwei Jah­ren hin­aus bei der Be­klag­ten auf­grund ei­nes nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags beschäftigt.


3. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 2 Satz 3 und 4 Tz­B­fG, un­ter de­nen nach § 22 Abs. 1 Tz­B­fG zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers von der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­ten Frist für ei­nen nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ab­ge­wi­chen wer­den kann, lie­gen im Streit­fall nicht vor. Die von den Par­tei­en ein­zel­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­ne Ar­beits­rechts­re­ge­lung zur An­wen­dung der Son­der­re­ge­lun­gen für Zeit­an­ge­stell­te, An­ge­stell­te für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er und für Aus­hilfs­an­ge­stell­te (SR 2y BAT)
 


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vom 4. Mai 2001 ist kein Ta­rif­ver­trag iSd. § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG. Sie ist ei­ne auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Re­ge­lung, die von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on der Be­klag­ten be­schlos­sen wor­den ist. § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG kann nach sei­nem Wort­laut und sei­ner Ent­ste­hungs­ge­schich­te nicht da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass kir­chen­recht­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen als Ta­rif­ver­trag iSd. § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG an­zu­se­hen sind. Die in § 7 Abs. 4 Arb­ZG, § 21a Abs. 3 JAr­bSchG ent­hal­te­nen Kir­chen­klau­seln las­sen kei­nen ge­ne­rel­len ge­setz­ge­be­ri­schen Wil­len er­ken­nen, den Kir­chen glei­cher­maßen wie den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Möglich­keit zum Ab­wei­chen von ei­ner ta­rif­dis­po­si­ti­ven Re­ge­lung zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers zu ermögli­chen.


a) Der Wort­laut des § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ist ein­deu­tig. Er er­fasst nur Ta­rif­verträge, zu de­nen die von der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on der Be­klag­ten be­schlos­se­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen we­der nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch noch nach dem der Rechts­spra­che gehören. Ta­rif­verträge iSd. § 1 Abs. 1 TVG können nur von den in § 2 Abs. 1 TVG ge­nann­ten Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ab­ge­schlos­sen wer­den.


b) Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Tz­B­fG lässt nicht er­ken­nen, dass von dem Be­griff des Ta­rif­ver­trags iSd. § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen er­fasst wer­den soll­ten.

Die Auf­nah­me des Rechts der be­fris­te­ten Ar­beits­verträge in das Tz­B­fG ist er­folgt, weil der Ge­setz­ge­ber die sei­ner­zei­ti­ge ge­setz­li­che Re­ge­lung im Bürger­li­chen Ge­setz­buch und im Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz als unüber­sicht­lich und lücken­haft an­ge­se­hen hat (BT-Drucks. 14/4374 S. 1 f.). Darüber hin­aus soll­ten die Vor­ga­ben aus der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge vom 18. März 1999, die durch die Richt­li­nie 1999/70/EG des Ra­tes vom 28. Ju­ni 1999 (ABl. EG Nr. L 175 S. 43) durch­geführt wor­den ist, in na­tio­na­les Recht um­ge­setzt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber woll­te die nach dem BeschFG 1996 be­ste­hen­den er­leich­ter­ten Be­fris­tungsmöglich­kei­ten im Be­reich der sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­se im
 


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In­ter­es­se ei­ner fle­xi­blen Beschäfti­gung und als Brücke zu un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen bei­be­hal­ten (BT-Drucks. 14/4625 S. 2). Die durch das BeschFG 1985 bzw. das BeschFG 1996 ge­schaf­fe­ne Möglich­keit zur sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen war we­der ta­rif­dis­po­si­tiv aus­ge­stal­tet noch konn­te sie durch ei­ne zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer wir­ken­de Ar­beits­rechts­re­ge­lung der Kir­chen geändert wer­den. Ei­ne § 6 Abs. 3 BeschFG 1985/1996 ver­gleich­ba­re Kir­chen­klau­sel, nach der von den im BeschFG ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen über die Teil­zeit­ar­beit ab­ge­wi­chen wer­den konn­te, exis­tier­te für das Be­fris­tungs­recht des BeschFG 1985/1996 nicht. We­der die Be­gründung des Re­gie­rungs­ent­wurfs zum Tz­B­fG im All­ge­mei­nen Teil noch die Ein­zel­be­gründung zu § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ent­hal­ten An­halts­punk­te für die An­nah­me, dass der Ge­setz­ge­ber § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG nicht nur ta­rif­dis­po­si­tiv aus­ge­stal­ten, son­dern auch zu­guns­ten der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen der Kir­chen öff­nen woll­te. Fer­ner sind in der in die RL 1999/70/EG in­kor­po­rier­ten Rah­men­ver­ein­ba­rung Aus­nah­men für die Ar­beits­verhält­nis­se der Kir­chen nicht vor­ge­se­hen. Der wei­te­re Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens spricht ge­gen ein un­be­wuss­tes Ab­se­hen von ei­ner be­son­de­ren Kir­chen­klau­sel. Der Sach­verständi­ge Ri­char­di hat in der vom Aus­schuss für Ar­beit und So­zi­al­ord­nung durch­geführ­ten öffent­li­chen Anhörung an­ge­merkt, „es sei ver­wun­der­lich, dass die Kir­chen­klau­sel, wie sie bis­her im gel­ten­den § 6 Abs. 3 Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz ent­hal­ten sei, nicht in dem neu­en Ge­setz ste­he“ (BT-Drucks. 14/4625 S. 18). Die­ser Hin­weis hat den Ge­setz­ge­ber je­doch eben­so we­nig zu ei­ner Kor­rek­tur der vom Aus­schuss be­schlos­se­nen Fas­sung des Re­gie­rungs­ent­wurfs ver­an­lasst wie der im Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens von der Be­klag­ten vor­ge­tra­ge­ne Wunsch nach ei­ner Einfügung ei­nes drit­ten Ab­sat­zes in § 22 Tz­B­fG, wo­nach es den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ermöglicht sein soll­te, ua. von § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ab­zu­wei­chen.

c) Der Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang mit den ar­beits­zeit­recht­li­chen Vor­schrif­ten in § 7 Abs. 4 Arb­ZG, § 21a Abs. 3 JAr­bSchG, die in dem dort be­stimm­ten Um­fang ei­ne von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ab­wei­chen­de Ge­stal­tung durch Re­ge­lun­gen der Kir­chen und der öffent­lich-recht­li­chen Re­li­gi­ons-
 


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ge­mein­schaf­ten ermögli­chen, spricht nicht mit der not­wen­di­gen Ein­deu­tig­keit für ei­nen ge­ne­rel­len ge­setz­ge­be­ri­schen Wil­len, das auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Recht bei der An­wen­dung von ta­rif­dis­po­si­ti­ven Vor­schrif­ten Ta­rif­verträgen iSd. § 1 Abs. 1 TVG gleich­zu­stel­len.


Der Ge­setz­ge­ber hat die ar­beits­zeit­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Arb­ZG und des JAr­bSchG grundsätz­lich ein­sei­tig-zwin­gend aus­ge­stal­tet. Von sei­nen Vor­ga­ben kann ua. durch Ta­rif­ver­trag bzw. auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags in dem in § 7 Abs. 1 bis 3 Arb­ZG, § 21a Abs. 1 und 2 JAr­bSchG be­stimm­ten Um­fang ab­ge­wi­chen wer­den. Durch § 7 Abs. 4 Arb­ZG, § 21a Abs. 3 JAr­bSchG wird die für Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­ste­hen­de Öff­nung auf die Re­ge­lun­gen der Kir­chen und öffent­lich-recht­li­chen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten er­streckt. Nach der in­so­weit übe­rein­stim­men­den Ge­set­zes­be­gründung zu die­sen Vor­schrif­ten be­ruht die Nor­mie­rung der Möglich­keit, von den ar­beits­zeit­recht­li­chen Vor­ga­ben ab­zu­wei­chen, auf ih­rem ver­fas­sungsmäßig ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­recht gem. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV so­wie der hier­zu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ar­beits­ge­richts; die Be­gründung spricht in­so­weit von ei­ner „Klar­stel­lung“ durch den Ge­setz­ge­ber (BT-Drucks. 12/5888 S. 28, 10/2012 S. 14 f.). Aus den Ausführun­gen in der Ge­set­zes­be­gründung zu § 21a Abs. 3 JAr­bSchG, § 7 Abs. 4 Arb­ZG lässt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht zwin­gend fol­gern, der Ge­setz­ge­ber ha­be die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen der Kir­chen bei der An­wen­dung von ta­rif­dis­po­si­ti­vem Recht Ta­rif­verträgen ge­ne­rell gleich­stel­len wol­len. Sie können auch da­hin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass der Ge­setz­ge­ber zwar im Be­reich des Ar­beits­zeit­rechts auf­grund des den Kir­chen ga­ran­tier­ten Selbst­be­stim­mungs­rechts von dem Er­for­der­nis ei­ner Öff­nungs­klau­sel zu­guns­ten von kirch­li­chen Re­ge­lun­gen aus­ge­gan­gen ist, nicht aber in an­de­ren Be­rei­chen des Ar­beits­rechts, in de­nen er die Möglich­keit zur Ab­wei­chung von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben auf Ta­rif­verträge be­schränkt hat. Hierfür spricht, dass die Öff­nungsmöglich­keit in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG, wie auch in an­de­ren ta­rif­dis­po­si­tiv aus­ge­stal­te­ten Vor­schrif­ten (zB § 1 Abs. 3 Nr. 1 AÜG, § 622 Abs. 4 BGB, § 13 Abs. 1 Satz 2 BUrlG, § 17 Abs. 3 Satz 2 Be­trAVG, § 4 Abs. 4 EFZG) an­ders als
 


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in § 21a Abs. 3 JAr­bSchG, § 7 Abs. 4 Arb­ZG auf Ta­rif­verträge be­schränkt ist. Dies legt den Schluss na­he, dass der Ge­setz­ge­ber das ein­sei­tig-zwin­gen­de Ge­set­zes­recht für Ta­rif­nor­men und kirch­li­che Re­gel­wer­ke außer­halb des Ar­beits­zeit­rechts be­wusst un­ter­schied­lich geöff­net hat.


4. Die im Tz­B­fG ent­hal­te­ne Re­ge­lung über die Dau­er ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ge­bie­tet von Ver­fas­sungs we­gen kei­ne wort­sinn-über­stei­gen­de Aus­le­gung von § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG bzw. ei­ne ent-spre­chen­de An­wen­dung der Norm auf im Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Re­ge­lun­gen. Die ein­sei­tig-zwin­gen­de Aus­ge­stal­tung der Dau­er für ein nach § 14 Abs. 2 Satz 1, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ver­letzt die Be­klag­te nicht in ih­rem ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Selbst­ver­wal­tungs-und Selbst­stim­mungs­recht. Der Ge­setz­ge­ber war nicht ver­pflich­tet, den Kir­chen die Möglich­keit ein­zuräum­en, durch ei­ne auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­ne Re­ge­lung von der Vor­schrift in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ab­zu­wei­chen. Die Be­stim­mun­gen in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG be­gren­zen als Re­ge­lun­gen ei­nes für al­le gel­ten­den Ge­set­zes iSv. Art. 137 Abs. 3 WRV das kirch­li­che Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs­recht in zulässi­ger Wei­se. Die auf Ta­rif­verträge be­schränk­te Öff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG hält sich im Rah­men des ge­setz­ge­be­ri­schen Ge­stal­tungs­er­mes­sens.


a) Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV ga­ran­tiert den Re­li­gi­ons­ge­sell­schaf­ten, zu de­nen die ver­fass­ten Kir­chen und die ih­nen zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen zählen, ih­re An­ge­le­gen­hei­ten selbständig in­ner­halb der Schran­ken des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes zu ord­nen und zu ver­wal­ten.


aa) Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gewähr­leis­tet die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs­rechts den Kir­chen, darüber zu be­fin­den, wel­che Diens­te es in ih­ren Ein­rich­tun­gen ge­ben soll und in wel­chen Rechts­for­men sie wahr­zu­neh­men sind. Die Kir­chen sind da­bei nicht dar­auf be­schränkt, für den kirch­li­chen Dienst be­son­de­re Ge­stal­tungs­for­men zu ent­wi­ckeln. Sie können sich auch der je­der­mann of­fen­ste­hen­den Pri­vat­au­to­no­mie be­die­nen, um ein Dienst-
 


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verhält­nis zu be­gründen und zu re­geln. Die im Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen ent­hal­te­ne Ord­nungs­be­fug­nis gilt nicht nur für die kirch­li­che Ämter­or­ga­ni­sa­ti­on, son­dern all­ge­mein für die Ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes. „Ord­nen“ und „Ver­wal­ten“ iSd. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV meint das Recht der Kir­chen, al­le ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten gemäß den spe­zi­fi­schen kirch­li­chen Ord­nungs­ge­sichts­punk­ten, dh. auf der Grund­la­ge des kirch­li­chen Selbst­verständ­nis­ses, recht­lich ge­stal­ten zu können. Dar­un­ter fällt auch die recht­li­che Vor­sor­ge für die Wahr­neh­mung kirch­li­cher Diens­te durch den Ab­schluss ent-spre­chen­der Ar­beits­verträge (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - BVerfGE 70, 138, 165 = AP GG Art. 140 Nr. 24 = EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24).


bb) Staat­li­che Re­ge­lun­gen, die in den durch Art. 140 GG geschütz­ten Be­reich ein­grei­fen, sind nur durch ein „für al­le gel­ten­des Ge­setz“ iSv. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV zulässig (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 - BVerfGE 70, 138, 166 = AP GG Art. 140 Nr. 24 = EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24). Dies sind nur sol­che, die für die Re­li­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten die­sel­be Be­deu­tung ha­ben wie für je­der­mann (BVerfG 13. De­zem­ber 1983 - 2 BvL 13/82 ua. - BVerfGE 66, 1, 20 = AP GG Art. 140 Nr. 17), die die­se al­so in ih­rer Be­son­der­heit nicht härter tref­fen als an­de­re (BVerfG 21. Sep­tem­ber 1976 - 2 BvR 350/75 - BVerfGE 42, 312, 334 = AP GG Art. 140 Nr. 5). Al­ler­dings kann nicht je­des all­ge­mei­ne staat­li­che Ge­setz, so­fern es nur aus welt­li­cher Sicht von der zu re­geln­den Ma­te­rie her als vernünf­tig er­scheint, oh­ne wei­te­res in den den Kir­chen zu­ste­hen­den Au­to­no­mie­be­reich ein­grei­fen (BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - BVerfGE 53, 366, 404 = AP GG Art. 140 Nr. 6). Bei rein in­ne­ren kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten kann ein staat­li­ches Ge­setz für die Kir­che über­haupt kei­ne Schran­ke ih­res Han­delns bil­den (BVerfG 13. De­zem­ber 1983 - 2 BvL 13/82 ua. - aaO). Dies be­trifft vor­nehm­lich Fra­gen der rich­ti­gen Glau­bens­leh­re, aber auch sol­che des kirch­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­rechts, wenn und so­weit es al­lein um die in­ne­re Or­ga­ni­sa­ti­on geht, die den bürger­li­chen Rechts­kreis nicht berührt (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - BVerfGE 70, 138, 164 aaO). Aber auch in dem Be­reich, in dem der Staat zum Schut­ze an­de­rer für das Ge­mein­we­sen

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be­deut­sa­mer Rechtsgüter ord­nen und ge­stal­ten kann, trifft ein dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht Schran­ken zie­hen­des Ge­setz sei­ner­seits auf ei­ne eben­sol­che Schran­ke, nämlich auf die ma­te­ri­el­le Wer­tent­schei­dung der Ver­fas­sung, die über den für die Staats­ge­walt oh­ne­hin un­an­tast­ba­ren Frei­heits-raum der Kir­chen hin­aus ih­re und ih­rer Ein­rich­tun­gen be­son­de­re Ei­genständig­keit ge­genüber dem Staat an­er­kennt (BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - aaO). Die­ser Wech­sel­wir­kung von Kir­chen­frei­heit und Schran­ken­zweck ist durch ent­spre­chen­de Güter­abwägung Rech­nung zu tra­gen. Da­bei ist dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen ein be­son­de­res Ge­wicht bei­zu­mes­sen (BVerfG 14. Mai 1986 - 2 BvL 19/84 - BVerfGE 72, 278, 289 = AP GG Art. 140 Nr. 28).

cc) Be­die­nen sich die Kir­chen wie je­der­mann der Pri­vat­au­to­no­mie zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen, so fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. Das ist nach Auf­fas­sung des BVerfG „die schlich­te Fol­ge ei­ner Rechts­wahl“ (4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - BVerfGE 70, 138, 165 = AP GG Art. 140 Nr. 24 = EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24). Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt den­noch für die Ge­stal­tung der Ar­beits­verhält­nis­se im kirch­li­chen Be­reich we­sent­lich. Die Ein­be­zie­hung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf (BVerfG 25. März 1980 - 2 BvR 208/76 - BVerfGE 53, 366, 392 = AP GG Art. 140 Nr. 6). Sie darf des­halb die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes, das spe­zi­fisch Kirch­li­che, das kirch­li­che Pro­pri­um, nicht in Fra­ge stel­len (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - aaO).

dd) Be­trifft das die Frei­heit der Kir­chen ein­schränken­de Ge­setz kei­ne rein in­ner­kirch­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten, ist der im Grund­ge­setz an­ge­leg­ten Wech­sel­wir­kung von Kir­chen­frei­heit und Schran­ken­zweck durch ent­spre­chen­de Güter­abwägung Rech­nung zu tra­gen, wo­bei bei der In­ter­pre­ta­ti­on des In­di­vi­dual­ar­beits­rechts dem Selbst­verständ­nis der Kir­chen ein be­son­de­res Ge­wicht bei­zu­mes­sen ist (BVerfG 13. De­zem­ber 1983 - 2 BvL 13/82 ua. - BVerfGE 66, 1, 22 = AP GG Art. 140 Nr. 17). Als all­ge­mei­ne Ge­set­ze, die für die auf Ver­trags­ebe­ne be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­se die Ge­stal­tungs­frei­heit des kirch-

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li­chen Ar­beit­ge­bers nach Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV be­schränken können, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nach ih­rer Ziel­set­zung und ih­rer rechts-po­li­ti­schen Be­deu­tung zB die kündi­gungs­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 1 KSchG, 626 BGB an­ge­se­hen. Ei­nen ge­ne­rel­len Vor­rang der all­ge­mei­nen staat­li­chen Ge­set­ze hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht an­ge­nom­men. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts steht an­der­seits der An­wen­dung der den Be­stands­schutz gewähr­leis­ten­den Ge­set­ze nicht ent­ge­gen, son­dern sie ge­bie­tet nur, dass die Be­son­der­heit des kirch­li­chen Diens­tes bei ih­rer Aus­le­gung und An­wen­dung zu be­ach­ten ist (zum KSchG: BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - BVerfGE 70, 138, 168 ff. = AP GG Art. 140 Nr. 24 = EzA BGB § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 24). Die Kir­chen können ihr Selbst­be­stim­mungs­recht aber nicht zur Ein­schränkung des ar­beits­recht­li­chen Be­stands­schut­zes im In­ter­es­se ih­rer haus­haltsmäßigen Be­weg­lich­keit in An­spruch neh­men (BVerfG 4. Ju­ni 1985 - 2 BvR 1703/83 ua. - BVerfGE 70, 138, 170 aaO).

b) Nach die­sen Grundsätzen er­weist sich die durch § 14 Abs. 2, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG be­wirk­te Aus­ge­stal­tung des Selbst­ver­wal­tungs- bzw. Selbst­be­stim­mungs­rechts der Be­klag­ten nicht als un­verhält­nismäßig.

aa) Die den Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nach Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 WRV zu­ste­hen­de Frei­heit bei der Ord­nung ih­rer An­ge­le­gen­hei­ten um-fasst auch die weit­ge­hen­de in­halt­li­che Aus­ge­stal­tung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se durch die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen als ei­ge­ne An­ge­le­gen­heit (BAG 8. Ju­ni 2005 - 4 AZR 412/04 - Rn. 57, AP Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tungG-EK Rhein­land-West­fa­len § 42 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 6; ähn­lich BAG 11. Ok­to­ber 2006 - 4 AZR 354/05 - Rn. 43, AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 203 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 11 - „in der Re­gel“).


Die Wahl der Ge­stal­tungs­form des Drit­ten We­ges be­ruht auf der Grund­ent­schei­dung der bei­den großen christ­li­chen Kir­chen in Deutsch­land, die den Ta­rif­ver­trag über­wie­gend als ein un­ge­eig­ne­tes In­stru­ment zur Ge­stal­tung ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se an­se­hen. Aus ih­rer Sicht gründet sich das Ta­rif­ver-
 


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trags­sys­tem auf den Ant­ago­nis­mus von Ar­beit­ge­ber- und Ar­beit­neh­mer­sei­te und setzt die Durch­set­zung der er­ho­be­nen For­de­run­gen zur Ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen mit dem Mit­teln des Ar­beits­kampfs vor­aus. Der Durchführung von Ar­beitskämp­fen im kirch­li­chen Be­reich steht nach der Auf­fas­sung der Kir­chen die Ein­heit des kirch­li­chen Diens­tes und der Ge­dan­ke der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft ent­ge­gen, wo­nach al­le in den Ein­rich­tun­gen der Kir­che Täti­gen durch ih­re Ar­beit oh­ne Rück­sicht auf ih­re ar­beits­recht­li­che Stel­lung ge­mein­sam da­zu bei­tra­gen, dass die Ein­rich­tung ih­ren Teil des Sen­dungs­auf­trags der Kir­che erfüllen kann (Ri­char­di Ar­beits­recht in der Kir­che 5. Aufl. § 10 Rn. 11 f. mwN; Thüsing Kirch­li­ches Ar­beits­recht S. 115; krit. da­zu Kühling Ar­buR 2001, 241, 243 ff.). Es ist da­nach von Ver­fas­sungs we­gen ge­bo­ten, den Kir­chen im Hin­blick auf ihr Selbst­be­stim­mungs­recht durch die An­er­ken­nung von Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­run­gen ei­ge­ner Art die Ge­stal­tung der all­ge­mei­nen Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Beschäftig­ten zu ermögli­chen, die zu ei­nem weit­ge­hen­den Ver­zicht auf Ar­beitskämp­fe führen (ErfK/Die­te­rich 9. Aufl. Art. 4 GG Rn. 52). Der Staat muss den Kir­chen bei der Ge­stal­tung ih­rer so­zia­len Ord­nung ei­ge­ne We­ge of­fen hal­ten, da­mit sie die zur Wah­rung ih­rer Auf­ga­ben un­erläss­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on schaf­fen können (BVerfG 17. Fe­bru­ar 1981 - 2 BvR 384/78 - BVerfGE 57, 220, 224 = AP GG Art. 140 Nr. 9 = EzA GG Art. 9 Nr. 32; ErfK/Die­te­rich Rn. 49). Die von den Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen be­schlos­se­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen sind da­nach als ein auf dem kirch­li­chen Grund­verständ­nis be­ru­hen­des Ge­stal­tungs­mit­tel zur Ord­nung der Rechts­be­zie­hun­gen mit ih­ren in Ar­beits­verhält­nis­sen beschäftig­ten Mit­ar­bei­tern an­zu­se­hen.


bb) Die ein­sei­tig-zwin­gen­den Re­ge­lun­gen über den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags in § 14 Abs. 2, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG stel­len ein all­ge­mei­nes Ge­setz iSv. Art. 140 GG iVm. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV dar, durch das der Ge­setz­ge­ber das Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs-recht der Kir­chen aus­ge­stal­tet hat. Die Vor­schrif­ten des Tz­B­fG re­geln die Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen außer­halb des Hoch­schul­be­fris­tungs­rechts des Wiss­Zeit­VG der Ab­schluss von sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen ge­recht­fer­tigt ist. Von den in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG ent­hal­te­nen
 


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Vor­ga­ben wer­den zwar die Kir­chen nicht härter be­trof­fen als an­de­re pri­va­te und öffent­li­che Ar­beit­ge­ber. Die ein­sei­tig-zwin­gen­de Wir­kung der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­ten Höchst­be­fris­tungs­dau­er be­schränkt je­doch die Ge­stal­tungs­frei­heit der Kir­chen bei dem Ab­schluss von sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen, was ei­ne Güter­abwägung zwi­schen dem Schran­ken-zweck und der ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tier­ten Au­to­no­mie der Kir­chen er­for­der­lich macht.


Die­se Abwägung er­gibt die Rechtmäßig­keit der ge­setz­li­chen Re­ge­lung. Der Ge­setz­ge­ber konn­te bei der Nor­mie­rung der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG von ei­ner Öff­nungs­klau­sel ab­se­hen, die den Kir­chen ein Ab­wei­chen von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ermöglicht. Die durch § 14 Abs. 2 Satz 1, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG be­wirk­te Aus­ge­stal­tung ih­res Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs­rechts er­weist sich un­ter Berück­sich­ti­gung des mit der Re­ge­lung ver­folg­ten Zwecks und der be­trof­fe­nen Grund­rech­te der Ar­beit­neh­mer, die von ei­ner Lo­cke­rung der Vor­aus­set­zun­gen be­trof­fen wären, un­ter de­nen ein sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag ab­ge­schlos­sen wer­den kann, als ge­recht­fer­tigt.

(1) § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ist ei­ne ar­beits­markt­po­li­tisch mo­ti­vier­te Vor­schrift, die nach der ge­setz­ge­be­ri­schen Vor­stel­lung als Brücke zur Über­nah­me des zunächst nur be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers in ein Dau­er­ar­beits­verhält­nis die­nen soll.

Nach der Vor­stel­lung des Ge­setz­ge­bers ist nicht der be­fris­te­te, son­dern der un­be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag der so­zi­al­po­li­tisch erwünsch­te Nor­mal­fall (BT-Drucks. 14/4374 S. 12). Dem­ge­genüber stellt be­reits § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ei­nen Aus­nah­me­tat­be­stand dar. Der Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ist zwar zulässig, aber grundsätz­lich nur mit Sach­grund möglich. Mit der durch § 14 Abs. 2 Tz­B­fG eröff­ne­ten sach­grund­lo­sen Be­fris­tung hat der Ge­setz­ge­ber aus ar­beits­markt­po­li­ti­schen Gründen ei­nen über § 14 Abs. 1 Tz­B­fG hin­aus-ge­hen­den wei­te­ren Aus­nah­me­tat­be­stand ge­genüber dem Nor­mal­fall ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses ge­schaf­fen. Die Möglich­keit zur sach­grund-lo­sen Be­fris­tung soll Un­ter­neh­mern durch Neu­ein­stel­lun­gen ei­ne fle­xi­ble Re-


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ak­ti­on auf ei­ne un­si­che­re und schwan­ken­de Auf­trags­la­ge und wech­seln­de Markt­be­din­gun­gen durch Neu­ein­stel­lun­gen ermögli­chen und da­mit ih­re Wett­be­werbsfähig­keit si­chern. Der Ge­setz­ge­ber hat die im Rah­men ei­ner sach-grund­lo­sen Be­fris­tung vor­ge­nom­me­nen Neu­ein­stel­lun­gen als ein beschäfti­gungs­po­li­tisch sinn­vol­les Ge­genstück zur Über­stun­den­ar­beit und zum sog. Out­sour­cing an­ge­se­hen, die für vie­le Ar­beit­neh­mer ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur Ar­beits­lo­sig­keit und zu­gleich ei­ne Brücke zur Dau­er­beschäfti­gung bil­det (BT-Drucks. 14/4374 S. 13 f.). Durch die Re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG soll der Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst wer­den, den Ar­beit­neh­mer nach Ausschöpfung der Möglich­keit zur sach­grund­lo­sen Be­fris­tung ent­we­der un­be­fris­tet oder im Rah­men ei­ner Sach­grund­be­fris­tung wei­ter­zu­beschäfti­gen oder bei wei­ter be­ste­hen­dem vorüber­ge­hen­den Ar­beits­kräfte­be­darf ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer be­fris­tet ein­zu­stel­len (BT-Drucks. 14/4374 S. 14). Da­mit hat der Ge­setz­ge­ber aus ar­beits­markt­po­li­ti­schen Gründen den Be­stands­schutz der auf­grund ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers weit­ge­hend zurück­ge­nom­men. Ta­rif­verträge, die ei­ne nach § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG zulässi­ge ab­wei­chen­de Fest­le­gung der An­zahl der Verlänge­run­gen oder der Höchst­dau­er der Be­fris­tung zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ent­hal­ten, führen zu ei­ner noch wei­te­ren Ein­schränkung des ge­setz­li­chen Be­stands­schut­zes.

(2) Die auf Ta­rif­verträge be­schränk­te Möglich­keit, von der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­ten Frist zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­zu­wei­chen, ver­letzt die Kir­chen nicht in ih­rem Selbst­ver­wal­tungs- und Selbst­be­stim­mungs-recht.

Der Ge­setz­ge­ber muss­te es den Kir­chen nicht ermögli­chen, von der zwin­gen­den Aus­ge­stal­tung des § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ab­zu­wei­chen. Durch die Be­gren­zung des Ab­schlus­ses von sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen auf die Dau­er von längs­tens zwei Jah­ren wer­den we­der das Selbst­verständ­nis der Kir­chen noch die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes be­trof­fen. Es ist nicht er­sicht­lich und von der Re­vi­si­on auch nicht näher aus­geführt, dass die ge­setz­li­che Aus­ge­stal­tung der sach­grund­lo­sen


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Be­fris­tung in § 14 Abs. 2 Tz­B­fG die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land und die ihr zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen in ih­rer Ent­schei­dung darüber be­schränkt, wel­che Diens­te es bei ih­nen ge­ben soll und in wel­chen Rechts­for­men sie wahr­zu­neh­men sind. Eben­so we­nig ist er­kenn­bar, in­wie­weit der Be­klag­ten durch die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­te Be­fris­tungs­dau­er die Erfüllung der von ihr über­nom­me­nen Auf­ga­ben er­schwert wird. Die Be­klag­te kann nach Ab­lauf des Zwei-Jah­res-Zeit­raums für den Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags den Ar­beit­neh­mer ent­we­der im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG mit Sach­grund oder in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis wei­ter­beschäfti­gen. Sie kann auch von der Über­nah­me des bis­her be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers ab­se­hen und ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG bis zu zwei Jah­ren sach­grund­los be­fris­tet neu ein­stel­len. Durch die Ar­beits­rechts­re­ge­lung vom 4. Mai 2001 soll die Be­klag­te da­mit letzt­lich die Möglich­keit er­hal­ten, ei­nen be­reits ein­ge­ar­bei­te­ten Ar­beit­neh­mer ein wei­te­res Jahr in ei­nem sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis und da­mit oh­ne si­gni­fi­kan­ten ar­beits­recht­li­chen Be­stands­schutz wei­ter­zu­beschäfti­gen, oh­ne dass die­ser ei­ne recht­lich ab­ge­si­cher­te Möglich­keit zur Be­gründung ei­nes mit Sach­grund be­fris­te­ten oder ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses erhält. Die­ses nicht mit dem Verkündi­gungs­auf­trag im Zu­sam­men­hang ste­hen­de Fle­xi­bi­li­sie­rungs­in­ter­es­se der Be­klag­ten recht­fer­tigt an­ders als in ein­zel­nen Ta­rif­be­rei­chen kei­ne über § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG hin­aus­ge­hen­de Ein­schränkung des oh­ne­hin nur noch schwach aus­ge­stal­te­ten ge­setz­li­chen Be­stands­schut­zes der nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, der nur noch dar­in be­steht, dass die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen ei­nen nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag auf die Ein­hal­tung des Vor­beschäfti­gungs­ver­bots, der Höchst­be­fris­tungs­dau­er und ggf. der An­zahl der zulässi­gen Verlänge­run­gen so­wie des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses (§ 14 Abs. 4 Tz­B­fG) über­prüfen.

5. Der Ge­setz­ge­ber ist auch nicht nach dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­heits­ge­bot ver­pflich­tet, den Kir­chen im Be­reich der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG glei­cher­maßen wie den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Möglich­keit zu eröff­nen, von der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG


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be­stimm­ten Höchst­be­fris­tungs­dau­er zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ab­zu­wei­chen. Die auf Ta­rif­nor­men be­schränk­te Öff­nung in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG verstößt nicht ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG.


a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ge­bie­tet es der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG dem Ge­setz­ge­ber, we­sent­lich Glei­ches gleich und we­sent­lich Un­glei­ches un­gleich zu be­han­deln. Er ist ver­letzt, wenn sich ein vernünf­ti­ger, sich aus der Na­tur der Sa­che er­ge­ben­der oder sonst­wie sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für die ge­setz­li­che Dif­fe­ren­zie­rung oder Gleich­be­hand­lung nicht fin­den lässt, so dass die Be­stim­mung als ob­jek­tiv willkürlich be­zeich­net wer­den muss (BVerfG 4. April 2001 - 2 BvL 7/98 - BVerfGE 103, 310, 318 = AP BAT-O § 19 Nr. 19 mwN).


b) Im Streit­fall be­darf es kei­ner Ent­schei­dung der in Recht­spre­chung und Schrift­tum um­strit­te­nen Fra­ge, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Ge­setz­ge­ber auf­grund des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes des Art. 3 Abs. 1 GG bei der Aus­ge­stal­tung von ta­rif­dis­po­si­ti­vem Recht zu ei­ner Gleich­stel­lung der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen mit Ta­rif­nor­men ver­pflich­tet ist. Der Se­nat kann zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­tel­len, dass ei­ne auf Ta­rif­verträge be­schränk­te Öff­nungs­klau­sel glei­cher­maßen ei­ne Ab­wei­chung durch kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen ermögli­chen muss, wenn kein sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für ei­ne Un­gleich­be­hand­lung zwi­schen den Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen der Kir­chen und Ta­rif­nor­men be­steht. Denn für die in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG ent­hal­te­ne Be­schränkung auf Ta­rif­nor­men be­steht ein sach­li­cher Grund.


aa) Die Fra­ge, ob der Ge­setz­ge­ber auf­grund des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes aus Art. 3 Abs. 1 GG bei der Aus­ge­stal­tung von ta­rif­dis­po­si­ti­vem Recht den Kir­chen wie Ta­rif­ver­trags­par­tei­en die Möglich­keit einräum­en muss, durch die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­zu­wei­chen, ist in Recht­spre­chung und Schrift­tum um­strit­ten.
 


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(1) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat über die all­ge­mei­ne und ge­ne­rel­le Gleich­stel­lung von kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen bei der An­wen­dung von ta­rif­dis­po­si­ti­vem Ge­set­zes­recht noch nicht ent­schie­den. Die­se Fra­ge ist ins­be­son­de­re vom 9. Se­nat für den im Tz­B­fG ge­re­gel­ten Be­reich der Teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­se aus­drück­lich of­fen ge­las­sen wor­den (18. Mai 2004 - 9 AZR 319/03 - zu B III 5 der Gründe, BA­GE 110, 356 = AP AVR Ca­ri­tas­ver­band An­la­ge 5 Nr. 3 = EzA Tz­B­fG § 8 Nr. 11). In den bei­den von der Re­vi­si­on be­son­ders her­vor­ge­ho­be­nen Ent­schei­dun­gen ha­ben der Fünf­te Se­nat (6. No­vem­ber 1996 - 5 AZR 334/95 - BA­GE 84, 282 = AP AVR Ca­ri­tas­ver­band § 10a Nr. 1 = EzA BGB § 611 Aus­bil­dungs­bei­hil­fe Nr. 16) und der Sechs­te Se­nat (17. No­vem­ber 2005 - 6 AZR 160/05 - AP BGB § 611 Kir­chen­dienst Nr. 45 = EzA BGB 2002 § 611 Kirch­li­che Ar­beit­neh­mer Nr. 7) zwar an­ge­nom­men, dass für die In­halts­kon­trol­le kirch­li­cher Ar­beits­ver­trags­richt­li­ni­en die für Ta­rif­verträge gel­ten­den Maßstäbe her­an­zu­zie­hen sind, so­weit Ta­rif­ver­trags­re­ge­lun­gen ganz oder mit im We­sent­li­chen glei­chen In­hal­ten über­nom­men wer­den. Über ei­ne Gleich­stel­lung von kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen mit Ta­rif­verträgen bei der An­wen­dung von Ta­riföff­nungs­klau­seln ent­hal­ten die an­geführ­ten Ent­schei­dun­gen des Fünf­ten und des Sechs­ten Se­nats kei­ne Aus­sa­ge. Das Ar­beits­ge­richt Ber­lin (28. Ok­to­ber 1983 - 16 Ca 164/83 - EzA BUrlG § 13 Nr. 21) und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin (3. Mai 1984 - 7 Sa 8/84 - AP GG Art. 140 Nr. 19) ha­ben je­weils in ei­ner älte­ren Ent­schei­dung zur Be­mes­sung der Ur­laubs­vergütung die AVR des Dia­ko­ni­schen Wer­kes den Ta­rif­verträgen bei der An­wen­dung des § 13 Abs. 1 BUrlG gleich­ge­stellt. Die Fra­ge war im an­sch­ließen­den Re­vi­si­ons­ver­fah­ren nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, weil nach An­sicht des Fünf­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts die Höhe der Vergütung ei­nes An­ge­stell­ten im Krank­heits­fall auch durch Ta­rif­ver­trag nicht be­schränkt wer­den konn­te (25. März 1987 - 5 AZR 415/84 - BA­GE 54, 308 = AP AVR Dia­ko­ni­sches Werk § 20a Nr. 1 = EzA BGB § 616 Nr. 36; of­fen­ge­las­sen auch von BAG 28. Ok­to­ber 1987 - 5 AZR 518/85 - zu III 1 a der Gründe, AP AVR Ca­ri­tas­ver­band § 7 Nr. 1 = EzA BGB § 125 Nr. 10).

(2) Nach Auf­fas­sung der wohl über­wie­gen­den An­zahl der Au­to­ren im Schrift­tum sind die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen


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von Ver­fas­sungs we­gen den Ta­rif­verträgen gleich­zu­stel­len. Zur Be­gründung wird an­geführt, dass es sich nicht um ein vom Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig ge­setz­tes Recht han­delt, son­dern die Re­ge­lun­gen in ei­nem Ver­fah­ren zu­stan­de kom­men, bei dem die Ar­beit­neh­mer im We­sent­li­chen pa­ritätisch mit­wir­ken (zu kirch­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen all­ge­mein: MünchArbR/Ri­char­di 2. Aufl. § 195 Rn. 41; Pahl­ke NJW 1986, 350, 355; Greth­lein NZA 1986 Beil. 1 S. 18, 21). Nach ei­nem wei­ter­ge­hen­den An­satz ga­ran­tiert das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht ei­ne der Ta­rif­au­to­no­mie ver­gleich­ba­re Re­ge­lungs­au­to­no­mie. Die­se Par­al­le­le führe da­zu, dem Ge­setz­ge­ber nur dann die Be­rech­ti­gung zur zwin­gen­den Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen zu­zu­ge­ste­hen, wenn dies un­ter Berück­sich­ti­gung des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts auch der Verhält­nismäßig­keit ent­spre­che, wes­halb als mil­de­res Mit­tel - wie bei der Ta­rif­au­to­no­mie - stets die Form des dis­po­si­ti­ven Rechts in Be­tracht kom­me (v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne RdA 2002, 65, 67 f.). Da­ne­ben wird un­ter Her­vor­he­bung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes des Art. 3 Abs. 1 GG dar­auf hin­ge­wie­sen, dass kein sach­lich ein­leuch­ten­der Grund für die Un­gleich­be­hand­lung im Be­reich des ta­rif­dis­po­si­ti­ven Rechts er­kenn­bar sei. Durch die im Ver­fah­ren des Drit­ten We­ges zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen könn­ten die mit der Ta­rif­dis­po­si­ti­vität ver­folg­ten Zwe­cke (größere Sachnähe, leich­te­re An­pas­sungsmöglich­keit so­wie ma­te­ri­el­le Rich­tig­keits­gewähr) eben­so er­reicht wer­den (Müller-Vol­behr NZA 2002, 301, 304; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne RdA 2002, 65, 68; Thüsing RdA 1997, 163, 168 ff.).

(3) Nach der Ge­gen­auf­fas­sung im Schrift­tum kann ta­rif­dis­po­si­ti­ves Recht we­gen der feh­len­den Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Kir­chen nicht durch die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen ar­beits­recht­li­chen Re­ge­lun­gen er­setzt wer­den (so ins­be­son­de­re Däubler TVG 2. Aufl. Ein­lei­tung Rn. 899d; im Er­geb­nis auch Kem­pen/Za­chert TVG 4. Aufl. Grund­la­gen Rn. 185). Da­ne­ben wird ein­ge­wandt, dass es bei dem Zu­stan­de­kom­men von kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen an ei­nem ma­te­ri­el­len Ver­hand­lungs­gleich­ge­wicht (Ham­mer ZTR 2002, 302, 313) und an ei­nem Aus­han­deln durch Ver­tre­ter von zwei gleich mäch­ti­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen feh­le (Kühling Ar­buR 2001, 241, 245). Darüber hin­aus sei bei­den „Ver­tre­tungs­be­rei­chen“ nicht die Un­abhängig­keit des Art. 9
 


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Abs. 3 GG ein­geräumt (zu § 613a Abs. 1 Satz 3 BGB: LAG Hamm 17. Ok­to­ber 2000 - 7 Sa 1122/00 - LA­GE BGB § 613a Nr. 80; of­fen­ge­las­sen im Er­geb­nis von BAG 20. März 2002 - 4 AZR 101/01 - BA­GE 101, 9 = AP GG Art. 140 Nr. 53 = EzA BGB § 613 a Nr. 208).


bb) Im Streit­fall be­darf es we­gen der feh­len­den Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit der Fra­ge nach ei­ner ge­ne­rel­len Gleich­stel­lung der auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen mit Ta­rif­verträgen bei der An­wen­dung von ta­rif­dis­po­si­ti­vem Recht kei­ner ver­tie­fen­den Aus­ein­an­der­set­zung mit den dar­ge­stell­ten Auf­fas­sun­gen. Der Se­nat meint al­ler­dings, dass die Rechts­fra­ge nicht für al­le ta­rif­dis­po­si­ti­ven Vor­schrif­ten ein­heit­lich, son­dern nur norm­be­zo­gen zu be­ant­wor­ten ist. Dies kann in­des da­hin­ste­hen. Selbst wenn zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stellt würde, dass die auf Ta­rif­verträge be­schränk­te Öff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG am Maßstab des Art. 3 Abs. 1 GG zu mes­sen wäre, führ­te das Feh­len ei­ner Kir­chen­klau­sel nicht zu ei­ner Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Gleich­heits­sat­zes. Die Aus­klam­me­rung der kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen ist be­reits auf­grund des un­ter­schied­li­chen Ver­fah­rens bei dem Zu­stan­de­kom­men von Ta­rif­verträgen und den auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen ge­recht­fer­tigt. Die auf Ta­rif­nor­men be­schränk­te Öff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG hält sich un­abhängig von den ver­fah­rens­recht­li­chen Un­ter­schie­den bei dem Zu­stan­de­kom­men von Ta­rif­verträgen und kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen auch in­halt­lich in­ner­halb des dem Ge­setz­ge­ber bei der Öff­nung von ein­sei­tig-zwin­gen­den Nor­men zu­ste­hen­den Er­mes­sens­spiel­raums.


(1) Die Un­ter­schie­de bei dem Zu­stan­de­kom­men von Ta­rif­verträgen und kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen recht­fer­ti­gen die Be­schränkung der Öff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG auf Ta­rif­verträge. Der Ge­setz­ge­ber konn­te da­von aus­ge­hen, dass ta­rif­li­che Ver­ein­ba­run­gen nach § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG nicht ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te, son­dern nur ein­ver­nehm­lich und nicht oh­ne ei­ne an­ge­mes­se­ne Kom­pen­sa­ti­on der Ar­beit­ge­ber­sei­te ab­ge­schlos­sen wer­den. Das be­son­de­re Ver­fah­ren bei den auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Re­ge­lun­gen bie­tet kei­ne ver­gleich­ba­re

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Gewähr. Ein kirch­li­cher Ar­beit­ge­ber kann letzt­lich we­gen der beim Drit­ten Weg in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Zwangs­sch­lich­tung ei­ne Ar­beits­rechts­re­ge­lung, mit der zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer von den in § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ent­hal­te­nen Vor­ga­ben über die Be­fris­tungs­dau­er oder die An­zahl der Verlänge­run­gen ab­ge­wi­chen wird, ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te und oh­ne Zu­geständ­nis­se bei den Ar­beits­be­din­gun­gen der im Kir­chen­dienst beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer her­beiführen.

(a) Der Ge­setz­ge­ber hat den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch die ta­rif­dis­po­si­ti­ve Aus­ge­stal­tung von § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ei­nen Ge­stal­tungs­spiel­raum ge­schaf­fen, der es ih­nen ermöglicht, zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer bei der Dau­er ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses und der An­zahl der Verlänge­run­gen von den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben in § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ab­zu­wei­chen. Al­ler­dings ist die Her­beiführung ei­ner vom Ge­setz ab­wei­chen­den ta­rif­li­chen Re­ge­lung über die Dau­er ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses oder die An­zahl der Verlänge­run­gen ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te re­gelmäßig nicht möglich. Die Vor­schrift des § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG eröff­net den Ge­werk­schaf­ten nur die Möglich­keit, in Ta­rif­ver­hand­lun­gen über die ta­rif­dis­po­si­tiv aus­ge­stal­te­te Ma­te­rie ein­zu­tre­ten, um Zu­geständ­nis­se der Ar­beit­ge­ber­sei­te an an­de­rer Stel­le zu er­rei­chen. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te kann zwar theo­re­tisch durch Ar­beits­kampf­maßnah­men die Ge­werk­schaft zum Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags zwin­gen, der ei­ne zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer wir­ken­de Re­ge­lung über die in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG be­stimm­ten Ge­genstände enthält. In ei­nem der­ar­ti­gen - nach Auf­fas­sung des Se­nats oh­ne­hin we­nig wahr­schein­li­chen - Ar­beits­kampf könn­te die Ar­beit­neh­mer­sei­te ih­rer­seits mit Ar­beits­kampf­maßnah­men re­agie­ren. Des­halb konn­te der Ge­setz­ge­ber da­von aus­ge­hen, dass von der in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG ent­hal­te­nen Ta­riföff­nungs­klau­sel ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te kein Ge­brauch ge­macht wird und es bei der Re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ver­bleibt, so­fern nicht ein an­der­weit ge­re­gel­ter Aus­gleich vor­ge­nom­men wird.
 


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(b) Die­ses durch das Druck­mit­tel des Ar­beits­kamp­fes aus­ta­rier­te Kräfte­gleich­ge­wicht be­steht bei den auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de ge­kom­me­nen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen, durch die in dem durch § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG be­stimm­ten Um­fang von den Vor­ga­ben des § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ab­ge­wi­chen wer­den soll, nicht. Im Be­reich der Kir­chen kann die Ar­beit­ge­ber­sei­te ei­ne zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer wir­ken­de Ar­beits­rechts­re­ge­lung nach § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG oh­ne Zu­geständ­nis­se an die Ar­beit­neh­mer­sei­te oder den mit ei­nem Ar­beits­kampf ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Auf­wand ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te durch­set­zen, so­weit der Drit­te Weg gewählt wor­den ist. Das von den Kir­chen ge­schaf­fe­ne Ver­fah­ren zur Her­beiführung ei­ner Ar­beits­rechts­re­ge­lung sieht zwar zunächst die Her­beiführung ei­ner Ei­ni­gung über ei­nen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­stell­ten An­trag vor. Kommt in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on kein Be­schluss zu­stan­de oder wer­den ge­gen ei­nen ge­fass­ten Be­schluss auch nach er­neu­ter Be­ra­tung Ein­wen­dun­gen er­ho­ben (§ 11 Abs. 5 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 ARRG-EKD), ent­schei­det über die An­ge­le­gen­heit der Sch­lich­tungs­aus­schuss un­ter Mit­wir­kung ei­nes neu­tra­len Vor­sit­zen­den ver­bind­lich (§ 12 ARRG-EKD). Kirch­li­che Ar­beit­ge­ber können ei­ne Ar­beits­rechts­re­ge­lung, mit der von den Vor­ga­ben des § 14 Abs. 2 Satz 1 und 2 Tz­B­fG ab­ge­wi­chen wird, an­ders als Ta­rif­ver­trags­par­tei­en iSd. § 2 Abs. 1 TVG, da­her im Er­geb­nis ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­sei­te und oh­ne Zu­geständ­nis­se bei der Aus­ge­stal­tung der Ar­beits­be­din­gun­gen der kirch­li­chen Ar­beit­neh­mer an an­de­rer Stel­le er­rei­chen. An­ge­sichts des­sen ist es oh­ne Be­deu­tung, ob den Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen der Kir­chen we­gen der be­son­de­ren Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens des Drit­ten We­ges ei­ne be­son­de­re Rich­tig­keits­gewähr zu­kommt. Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in der Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on ha­ben - an­ders als die Ge­werk­schaf­ten bei Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen - kei­ne recht­lich ab­ge­si­cher­te Möglich­keit, das Zu­stan­de­kom­men ei­ner Ar­beits­rechts­re­ge­lung über die Dau­er der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung oder die An­zahl der Verlänge­run­gen, durch die in den Be­stands­schutz der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ein­ge­grif­fen würde, zu ver­hin­dern. Die­se un­ter­schied­lich aus­ge­stal­te­ten Ver­hand­lungs­po­si­tio­nen der Ar­beit­neh­mer­sei­te kann der Ge­setz­ge­ber bei sei­ner Ent­schei­dung, ob und in­wie­weit er ar­beits-

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recht­li­che Nor­men für Re­ge­lun­gen zu­un­guns­ten von Ar­beit­neh­mern öff­net, berück­sich­ti­gen. Die Re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG, die nur den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne Ab­wei­chung zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer ermöglicht, er­weist sich da­nach als ei­ne am Norm­zweck ori­en­tier­te Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den in Be­tracht kom­men­den Rechts­quel­len, die den An­for­de­run­gen des Willkürver­bots genügt.


(2) Die nach § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG auf Ta­rif­verträge be­schränk­te Möglich­keit, von der Dau­er der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung und der An­zahl der Verlänge­run­gen ab­zu­wei­chen, hält sich un­abhängig von den ver­fah­rens­recht­li­chen Un­ter­schie­den beim Zu­stan­de­kom­men von Ta­rif­nor­men und kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen auch in­halt­lich in­ner­halb des dem Ge­setz­ge­ber zu­ste­hen­den Er­mes­sens­spiel­raums.

(a) Der Ge­setz­ge­ber un­ter­liegt bei der Aus­ge­stal­tung der Öff­nungs­klau­sel des § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG le­dig­lich den Schran­ken des Willkürver­bots. Es ist von Ver­fas­sungs we­gen nicht ge­bo­ten, al­len Bran­chen mit ei­ner Öff­nungs­klau­sel glei­cher­maßen ei­nen Frei­raum für zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer gel­ten­de Re­ge­lun­gen ein­zuräum­en. Der Ge­setz­ge­ber kann ent­spre­chend dem von ihm ver­folg­ten Re­ge­lungs­zweck da­nach dif­fe­ren­zie­ren, ob und in wel­chem Um­fang er ei­ne von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung er­set­zen­de Norm­set­zung ermöglicht. So enthält § 7 Arb­ZG für be­stimm­te Be­rei­che der Ar­beits­zeit ei­ne Ab­wei­chungsmöglich­keit für Ta­rif­verträge oder auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags, für kirch­li­che Re­ge­lun­gen so­wie für Be­wil­li­gun­gen durch die Auf­sichts­behörde. Bei der auf Ta­rif­nor­men oder auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­trags be­schränk­ten Öff­nung des ein­sei­tig-zwin­gen­den Ge­set­zes­rechts hat der Ge­setz­ge­ber die Ge­stal­tungs­spielräume der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en aber nicht durch­ge­hend ein­heit­lich, son­dern un­ter­schied­lich aus­ge­stal­tet. In ei­ni­gen Nor­men wird ih­nen ei­ne an kei­ne wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpfte Möglich­keit zur Er­set­zung der ge­setz­li­chen Re­ge­lung ein­geräumt. Dies be­trifft ua. die in § 622 Abs. 4 BGB vor­ge­se­he­ne Möglich­keit zu ei­ner von den Absätzen 1 bis 3 ab­wei­chen­den Re­ge­lun­gen über die Kündi­gungs­fris­ten und die Ver­ein­ba­rung ei­ner ab­wei­chen­den Be­mes­sungs­grund­la­ge für das fort­zu­zah­len­de Ar­beits­ent­gelt (§ 4
 


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Abs. 4 EFZG) glei­cher­maßen wie die in § 13 Abs. 1 BUrlG, § 17 Abs. 3 Be­trAVG auf be­stimm­te Re­ge­lungs­be­rei­che be­schränk­ten Ab­wei­chungsmöglich­kei­ten. Da­ne­ben hat es der Ge­setz­ge­ber nicht al­len Bran­chen, son­dern nur be­stimm­ten Wirt­schafts­zwei­gen ermöglicht, vom Ge­setz ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen zu tref­fen, wie zB in § 1 Abs. 3 Nr. 1 AÜG, § 13 Abs. 2 und 3 BUrlG.


(b) Da­nach hält sich die Re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Satz 3, § 22 Abs. 1 Tz­B­fG im Rah­men des dem Ge­setz­ge­ber nach Art. 3 Abs. 1 GG zu­ste­hen­den Ge­stal­tungs­spiel­raums. Aus den be­reits bei der Verhält­nismäßig­keitsprüfung im Rah­men des Ein­griffs in das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht gewürdig­ten Gründen be­steht im Be­reich der Kir­chen kein auf dem Verkündi­gungs­auf­trag be­ru­hen­des Bedürf­nis, zu Las­ten der Ar­beit­neh­mer von der in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG be­stimm­ten Dau­er für die sach­grund­lo­se Be­fris­tung ab­zu­wei­chen. Die Be­klag­te hat im ge­sam­ten Ver­fah­ren auch kei­nen Vor­trag ge­hal­ten, nach dem es un­ter Berück­sich­ti­gung des mit der Re­ge­lung in § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ver­folg­ten wirt­schafts- und ar­beits­markt­po­li­ti­schen Zwecks als willkürlich an­zu­se­hen wäre, die in § 14 Abs. 2 Satz 3 Tz­B­fG vor­ge­se­he­ne Öff­nung nicht auf die Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen der Kir­chen zu er­stre­cken.


II. Der zu 2. ge­stell­te Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Er ist auf die Wei­ter­beschäfti­gung bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag ge­rich­tet. Die Ent­schei­dung des Se­nats über den Fest­stel­lungs­an­trag wird mit der Verkündung rechts­kräftig.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 


Dörner 

Gräfl 

Koch

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