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LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21.10.2008, 22 Sa 35/08

   
Schlagworte: Betriebliche Übung, Bonus
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Aktenzeichen: 22 Sa 35/08
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 21.10.2008
   
Leitsätze: Das Entstehen eines Rechtsanspruchs auf Zahlung eines Jahresbonus in einer bestimmten Höhe aus betrieblicher Übung oder einzelvertraglicher konkludenter Änderungsvereinbarung setzt voraus, dass dieser Jahresbonus ergebnisunabhängig mindestens dreimal in der selben Höhe gewährt wurde.
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 01.07.2008, 7 Ca 89/08
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.04.2010, 10 AZR 163/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg -

Kam­mern Frei­burg

 

Verkündet

am 21.10.2008

Ak­ten­zei­chen:

22 Sa 35/08

7 Ca 89/08 (ArbG Frei­burg - Kn. Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen)
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

G
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In dem Rechts­streit

- Kläge­rin/Be­ru­fungskläge­rin -

Proz.-Bev.:

ge­gen

- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Proz.-Bev.:

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg -
22. Kam­mer -
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Till­manns,
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bau­er
und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Müller
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21.10.2008

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg, Ka. Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen vom 01.07.2008, 7 Ca 89/08 wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on für die Kläge­rin wird zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Kläge­rin be­gehrt von der Be­klag­ten als ih­rer ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­be­rin die Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus in Höhe von 60.000,00 € für das Jahr 2007 auf­grund ei­ner be­haup­te­ten be­trieb­li­chen Übung.

Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten in der Zeit vom 01.01.1998 bis zum 31.12.2007 beschäftigt. Die Kläge­rin war als Buch­hal­te­rin an­ge­stellt. Ihr mo­nat­li­ches Grund­ge­halt be­trug zu­letzt € 5.040,00 zuzüglich der Ge­stel­lung ei­nes PKW zur Pri­vat­nut­zung. Die Kläge­rin ist die ehe­ma­li­ge Ehe­frau des Geschäftsführers der Be­klag­ten, Herrn A. Z.. Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten ist Herr M. D.

Der Geschäftsführer der Be­klag­ten, Herr Z. ist schwer­punktmäßig im Außen­dienst im Ver­trieb tätig ge­we­sen. Ge­genüber den ca. 15 - 20 Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten war die Kläge­rin eben­falls „die Che­fin" und er­le­dig­te über die Buch­hal­tungs­ar­bei­ten hin­aus wei­te­re Lei­tungs­auf­ga­ben bei der Be­klag­ten.

Die Kläge­rin er­hielt in den Jah­ren 2000 bis 2006 je­weils mit der De­zem­be­r­ab­rech­nung des je­wei­li­gen Jah­res ei­nen als sol­chen aus­ge­wie­se­nen Jah­res­bo­nus. Die­ser be­trug im Jahr 2000 DM 52.000,00 im Jahr 2001 DM 57.000,00, im Jahr 2002 € 35.000,00, im Jahr 2003 € 50.000,00, im Jahr 2004 € 52.000,00, im Jahr 2005 € 57.500,00, im Jahr 2006 € 57.500,00. Für das Jahr 2007 er­hielt die Kläge­rin kei­ne Zah­lung.

Der zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Ar­beits­ver­trag sieht die Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus nicht vor, son­dern le­dig­lich die Zah­lung ei­nes 13. Ge­hal­tes.

Zur Be­gründung ih­res An­spruchs hat die Kläge­rin vor dem Ar­beits­ge­richt vor­ge­tra­gen, dass die Höhe des Jah­res­bo­nus je­weils von der Be­klag­ten in Ab­stim­mung mit dem Ge­sell­schaf­ter M. D. fest­ge­legt wor­den sei. Im Be­trieb der Be­klag­ten hätten al­le Mit­ar­bei­ter in­cl. des Geschäftsführers ei­nen jähr­li­chen Bo­nus er­hal­ten. Im Ge­gen­satz zu den übri­gen Mit­ar­bei­tern, wel­che ei­nen Frei­wil-

 

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lig­keits­vor­be­halt un­ter­zeich­net hätten, sei dies bei dem Geschäftsführer und der Kläge­rin ge­ra­de nicht der Fall ge­we­sen, so dass ein ver­trag­li­cher An­spruch der Kläge­rin auf Aus­zah­lung des Jah­res­bo­nus be­ste­he. Während in den bei­den ers­ten Beschäfti­gungs­jah­ren die Kläge­rin den Jah­res­bo­nus über den Geschäftsführer und ih­ren da­ma­li­gen Ehe­mann er­hal­ten ha­be, ha­be der Ge­sell­schaf­ter ent­schie­den, dass die Kläge­rin ab dem Jahr 2000 ei­nen ei­genständi­gen Bo­nus als Ho­no­rie­rung ih­res Bei­trags zum Be­triebs­er­geb­nis er­hal­te. Die Ab­rech­nung in den bei­den ers­ten Beschäfti­gungs­jah­ren über den Ehe­mann und Geschäftsführer ha­be den Hin­ter­grund ge­habt, dass die­ser ober­halb der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze ge­le­gen sei und so­mit die So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge nur ein­mal ab­zuführen ge­we­sen wa­ren.

Die Kläge­rin ha­be ei­ne Auf­lis­tung über die Jah­res­bo­ni des letz­ten Jah­res an den Ge­sell­schaf­ter D. schi­cken müssen, der dann die Bo­ni für das lau­fen­de Jahr fest­ge­legt ha­be. Nach Mit­tei­lung der je­wei­li­gen Jah­res­bo­ni sei dann ein Te­le­fon­gespräch zwi­schen der Kläge­rin und dem Ge­sell­schaf­ter D. er­folgt, anläss­lich des­sen sich die­ser bei der Kläge­rin für ihr En­ga­ge­ment be­dankt ha­be und ihr als Ge­gen­leis­tung dafür den je­wei­li­gen Jah­res­bo­nus mit­ge­teilt ha­be. Ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt sei ge­genüber der Kläge­rin nie­mals erklärt wor­den, wohl aber ge­genüber al­len an­de­ren Beschäftig­ten, die ei­nen Jah­res­bo­nus er­hal­ten hätten.

Ei­ne Kürzung des Jah­res­bo­nus sei zu kei­nem Zeit­punkt er­folgt, selbst dann nicht, als das Be-triebs­er­geb­nis schlech­ter als im Vor­jahr aus­ge­fal­len sei. In den Jah­ren, in de­nen ei­ne Stei­ge­rung des Be­triebs­er­geb­nis­ses er­reicht wor­den sei, ha­be er den Jah­res­bo­nus erhöht.

Auf­grund des­sen ha­be die Kläge­rin ei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus er­wor­ben. Es hand­le sich da­bei um die Ho­no­rie­rung des Ein­sat­zes und des En­ga­ge­ments der Kläge­rin und so­mit um die Ent­loh­nung ih­rer Diens­te. Der An­spruch auf Zah­lung sei durch schlüssi­ges Han­deln der Be­klag­ten ent­stan­den. Die Kläge­rin ha­be das Ver­hal­ten der Be­klag­ten da­hin­ge­hend ver­ste­hen dürfen, dass der Ar­beits­ver­trag da­hin­ge­hend ab­geändert wer­de, dass der Kläge­rin ein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus ein­geräumt wer­de, nach­dem die Kläge­rin bei min­des­tens gleich­blei­ben­dem bzw. ge­stei­ger­tem Jah­res­er­geb­nis ei­nen ent­spre­chen­den Jah­res­bo­nus er­hal­te. Im Übri­gen sei auch ein An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung ent­stan­den. Es hand­le sich nicht um ei­ne Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus nach Gutdünken, son­dern die Kläge­rin ha­be in den Jah­ren 2003 bis 2006 den Bo­nus in un­gefähr glei­cher Höhe er­hal­ten, in den Jah­ren 2005 und 2006 so­gar in iden­ti­scher Höhe. Auch der Um­stand, dass die übri­gen An­ge­stell­ten die Jah­res­son­der­zah­lung nur mit ei­nem Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt er­hiel­ten, die Kläge­rin hin­ge­gen nicht, las­se für sie nur den

 

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Schluss zu, dass ihr ein An­spruch auf den Bo­nus ein­geräumt wer­den soll­te. Da der Jah­res­bo­nus na­he­zu 50 % des Jah­res­ein­kom­mens der Kläge­rin aus­ma­che und da­her für ih­re Vergütung ei­nen er­heb­li­chen Be­stand­teil dar­stel­le, genüge es im Übri­gen an­ge­sichts sei­ner Be­deu­tung für das Ent­ste­hen ei­nes An­spruchs aus be­trieb­li­cher Übung, dass die Be­klag­te in den Jah­ren 2005 und 2006 die Leis­tun­gen in ex­akt glei­cher Höhe von € 57.500,00 er­bracht ha­be. Auch in Re­la­ti­on des Jah­res­bo­nus am Ge­samt­ein­kom­men der Kläge­rin er­ge­be sich, dass die Leis­tung im We­sent­li­chen in glei­cher Höhe er­bracht wor­den sei, nämlich für das Jahr 2003 in Höhe von 44,4 % An­teil am Ge­samt­jah­res­ein­kom­men, im Jahr 2004 in Höhe von 45,3 %, eben­so im Jahr 2005 und im Jahr 2006 in Höhe von 44,5 %.

Die Kläge­rin hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin € 100.625,00 brut­to zu zah­len nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz der EZB seit 01.01.2008.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt:

Die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie trägt zur Be­gründung vor, der von der Kläge­rin ge­for­der­te Be­trag von 100.625,00 € las­se sich nicht nach­voll­zie­hen. Es tref­fe zunächst nicht zu, dass die Kläge­rin in den ers­ten bei­den Jah­ren ih­rer Beschäfti­gung ei­nen über ih­ren Ehe­gat­ten ab­ge­rech­ne­ten Bo­nus er­hal­ten ha­be. Die Kläge­rin ha­be kei­nen Bo­nus er­hal­ten. Darüber hin­aus se­he der An­stel­lungs­ver­trag aus­drück­lich kei­ne wei­te­ren Zah­lun­gen vor und ent­hal­te die Ver­ein­ba­rung, dass Ände­run­gen des Ver­tra­ges zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form bedürf­ten.

Die Zah­lun­gen, die die Be­klag­te der Kläge­rin in den Jah­ren 2000 bis 2006 ge­leis­tet hat­ten, sei­en je­weils vom Ge­sell­schaf­ter M. D. mit dem Geschäftsführer der Be­klag­ten nach frei­em Be­lie­ben in­tern fest­ge­setz­te Ein­mal­zah­lun­gen, oh­ne dass hierfür ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen oder Ab-spra­chen exis­tier­ten. Mit den Zah­lun­gen ha­be der Geschäftsführer der Be­klag­ten sei­ner da­ma­li-gen Ehe­frau un­abhängig von den ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­tausch­ver­pflich­tun­gen ei­ne auf das Jah­res­en­de aus­ge­rich­te­te Weih­nachts­freu­de be­rei­ten wol­len. Der der Kläge­rin zu­ge­dach­te Be-trag sei je­weils von der Be­klag­ten von dem ei­gent­lich dem Geschäftsführer zu­ste­hen­den Bo­nus ab­ge­trennt wor­den. Der Geschäftsführer der Be­klag­ten, Herr Z. und der Ge­sell­schaf­ter, Herr M.

 

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D. hätten den Jah­res­bo­nus des Geschäftsführers , Herrn Z. frei aus­ge­han­delt und ab dem Jah­re 2000 hätte Herr Z. den ihm ei­gent­lich zu­ste­hen­den Bo­nus auf­ge­spal­ten und Herrn D. ge­be­ten, den ab­ge­spal­te­nen Teil an sei­ne da­ma­li­ge Ehe­frau, die Kläge­rin aus­zu­zah­len. Mit den Leis­tun­gen der Kläge­rin ha­be die­se Zah­lung nichts zu tun ge­habt. Die Kläge­rin ha­be an­ders als ihr Ehe­mann als Buch­hal­te­rin kei­nen ent­schei­den­den maßgeb­li­chen Ein­fluss auf den Er­folg des Un­ter­neh­mens ge­habt. Die Zah­lun­gen sei­en da­her kei­ne Ge­gen­leis­tung für die von der Kläge­rin ge­leis­te­te Ar­beit ge­we­sen. Die Höhe der Zah­lun­gen fußten aus­sch­ließlich auf der fa­mi­liären Ver­bin­dung der Kläge­rin mit dem Geschäftsführer der Be­klag­ten. Der Bo­nus sei kei­ne Ge­gen­leis­tung für die von der Kläge­rin ge­leis­te­te Ar­beit ge­we­sen, denn die­se sei be­reits durch die gu­te und leis­tungs­an­ge­mes­se­ne Vergütung und das 13. Mo­nats­ge­halt an­ge­mes­sen ho­no­riert wor­den. Es sei da­her auch kein An­spruch aus ei­ner be­trieb­li­chen Übung ent­stan­den. Zum Ei­nen ha­be der Geschäftsführer der Be­klag­ten nicht auf sein Recht zur frei­en Ent­schei­dung über die Auf­tei­lung sei­nes Geschäftsführ­er­bo­nus auf sich und sei­ne da­ma­li­ge Ehe­frau, die Kläge­rin ver­zich­ten wol­len und ins­be­son­de­re der Kläge­rin als sei­ner Ehe­gat­tin nicht an­stel­le sei­ner ei­nen ein­klag­ba­ren An­spruch auf ei­ne Zu­wen­dung zum Jah­res­en­de ver­schaf­fen wol­len. Zu dem sei­en die Zah­lun­gen in un­ter­schied­li­cher Höhe er­folgt, so dass be­reits aus die­sem Grun­de kei­ne be­trieb­li­che Übung hätte ent­ste­hen können.

Durch Ur­teil vom 01.07.2008 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, dass der Kläge­rin kein An­spruch auf den Jah­res­bo­nus zu­ste­he. Wenn je­weils tur­nusmäßig un­ter­schied­li­che Beträge ge­zahlt würden, so sei da­von aus­zu­ge­hen, dass grundsätz­lich nur ei­ne Bin­dung für das je­wei­li­ge Jahr er­fol­gen sol­le. An­de­res gel­te, wenn die ge­zahl­ten Beträge zwar in ih­rer Höhe un­ter­schied­lich aus­fie­len, die Er­mitt­lung der Höhe je­doch auf je­weils glei­cher Be­mes­sungs­grund­la­ge er­folg­ten. Die Kläge­rin neh­me zur Er­mitt­lung der Höhe ih­res An­spru­ches das Be­triebs­er­geb­nis des Jah­res 2006 als Be­mes­sungs­grund­la­ge und ge­he da­von aus, dass ihr ein Bo­nus von 14,37 % des Be­triebs­er­geb­nis­ses zu­ste­hen würde. Dass dies auch für die Jah­re 2000 bis 2005 gel­ten würde, sei dem kläge­ri­schen Vor­trag nicht zu ent­neh­men. Aus dem wei­te­ren Vor­trag der Kläge­rin er­ge­be sich viel­mehr, dass die Zah­lun­gen nicht das Er­geb­nis ei­ner strin­gen­ten arith­me­ti­schen Er­mitt­lung ge­we­sen sei­en, son­dern oh­ne Ver­wen­dung de­ter­mi­nier­ter Be­zugs­punk­te frei ge­fun­den wor­den sei­en. Die Aus­zah­lungs­beträge ließen sich arith­me­tisch nicht nach­voll­zie­hen, son­dern sei­en je­weils das Er­geb­nis ei­nes Dia­lo­ges zwi­schen dem Geschäftsführer und dem Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten zum En­de ei­nes je­wei­li­gen Jah­res. Auf­grund ei­ner sol­chen Zah­lungs­pra­xis vermöge sich bei ob­jek­ti­ver Be­trach­tung kein Ver­trau­ens-

 

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tat­be­stand auf Bei­be­hal­tung und zukünf­ti­ge Gewährung der ent­spre­chen­den Leis­tung ei­nes Jah-res­bo­nus er­ge­ben.

Das Ur­teil vom 01.07.2008 wur­de dem Kläger­ver­tre­ter am 09.07.2008 zu­ge­stellt. Die Be­ru­fung hier­ge­gen ging frist­ge­recht am Mon­tag, den 11.08.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein und wur­de eben­so frist­ge­recht am 14.08.2008 be­gründet.

Mit der Be­ru­fung ver­folgt die Kläge­rin noch die Zah­lung ei­nes Be­tra­ges von 60.000,00 € an sie. Zur Be­gründung trägt sie vor, die­ser An­spruch er­ge­be sich auf­grund ei­ner be­trieb­li­chen Übung. Sie ver­weist dar­auf, dass für die Jah­re 2006 bis 2003 der Jah­res­bo­nus ei­nem na­he­zu gleich­b­lei-ben­den An­teil am Ge­samt­ein­kom­men der Kläge­rin ent­spro­chen ha­be und le­dig­lich zwi­schen 44,4 und 45,3 % ge­schwankt sei und da­her bei der Kläge­rin die be­rech­tig­te Er­war­tung und das be­rech­tigt ge­bil­de­te Ver­trau­en ent­stan­den sei, jähr­lich ei­nen Jah­res­bo­nus in Höhe von 45 % ih­res Jah­res­ein­kom­mens zu er­hal­ten. Die Ab­wei­chun­gen von 0,3 % nach oben bzw. 0,5 % oder 0,6 % nach un­ten von der 45 %-Mar­ke sei­en mar­gi­nal und un­be­acht­lich. Sie be­ruh­ten al­lei­ne auf Run­dun­gen, wel­che durch die Be­klag­te vor­ge­nom­men wor­den sei­en. Die Kläge­rin ha­be im Jah­re 2007 ein Ge­samt­b­rut­to­ein­kom­men oh­ne den Jah­res­bo­nus von 73.557,16 € brut­to er­hal­ten. Dar­aus er­ge­be sich un­ter An­le­gung ei­nes An­spruchs auf ei­nen 45 %-igen Jah­res­bo­nus vom Ge­samt­ein­kom­men, dass die Kläge­rin ei­nen An­spruch auf ei­nen Jah­res­bo­nus in Höhe von € 60.183,13 brut­to ha­be, was zu ei­nem Ge­samt­jah­res­ein­kom­men von 133.740,29 € brut­to führe. Auf­grund der maßgeb­li­chen Größe von 45 % des Ge­samt­jah­res­ein­kom­mens er­ge­be sich bei ge­ringfügi­ger Ab­run­dung ein An­spruch auf ei­nen Jah­res­bo­nus in Höhe von 60.000,00 € brut­to. Der An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung er­ge­be sich auch dar­aus, dass die Kläge­rin die ein­zi­ge Ar­beit­neh­me­rin ge­we­sen sei, der der Jah­res­bo­nus oh­ne Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt ge­zahlt wor­den sei. Hilfs­wei­se steht der Kläge­rin zu­min­dest ein An­spruch auf ei­nen Jah­res­bo­nus in Höhe von 57.500,00 € brut­to zu, da die­se Zah­lung von der Be­klag­ten zwei­mal vor­be­halts­los hin­ter­ein­an­der er­bracht wor­den sind.

Die Kläge­rin be­an­tragt da­her:

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg, Kam­mern Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen vom 01.07.2008 - 7 Ca 89/08 wird ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 

 

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€ 60.000,00 zu zah­len nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba-sis­zins­satz der EZB seit 01.01.2008.

Die Be­klag­te be­an­tragt:

Die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie trägt zur Be­gründung vor, das Ar­beits­ge­richt ha­be die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen, denn der Kläge­rin ste­he auch der von ihr noch gel­tend ge­mach­te An­spruch von 60.000,00 € brut­to als Jah­res­bo­nus für das Jahr 2007 nicht zu. Zum Ei­nen sei­en die Zah­lun­gen in un­ter­schied­li­cher Höhe er­folgt, zum An­de­ren han­de­le es sich nicht um Ge­gen­leis­tung für die von der Kläge­rin ge­leis­te­te Ar­beit, son­dern es sei­en Zah­lun­gen ge­we­sen, die ein­zig und al­lei­ne im Hin­blick auf die bis da­hin be­ste­hen­de Ehe zwi­schen der Kläge­rin und dem Geschäftsführer der Be­klag­ten er­folgt sei­en. Es ha­be sich le­dig­lich um ei­ne Auf­tei­lung des dem Geschäftsführer der Be­klag­ten zu­ste­hen­den Geschäftsführ­er­bo­nus ge­han­delt. Ins­be­son­de­re aber ha­be die Be­klag­te den Zah­lun­gen, an­ders als von der Kläge­rin be­haup­tet, kein er­kenn­ba­res Sys­tem ei­ner jähr­li­chen Zah­lung von rund 45 % des Ge­samt­jah­res­ein­kom­mens zu­grun­de ge­legt. Die­se Be­rech­nungs­me­tho­de der Kläge­rin grei­fe rück­wir­kend nur bis zum Jahr 2003. In den Jah­ren da­vor sei der An­teil des Jah­res­bo­nus am Jah­res­ein­kom­men deut­lich ge­rin­ger ge­we­sen. Auch die von der Kläge­rin be­haup­te­ten Run­dun­gen hätten nicht statt­ge­fun­den, was be­reits dar­aus ab­zu­lei­ten sei, dass der Be­trag für das Jahr 2006 von ex­akt 58.201,00 € und der Be­trag für das Jahr 2005 in Höhe von ex­akt 57.013,00 € bei­de nicht auf 57.500,00 € zu run­den ge­we­sen wären, son­dern nach den An­ga­ben der Kläge­rin auf 58.200,00 bzw. 57.000,00 € hätten ge­run­det wer­den müssen. Im Übri­gen hätte sich die Kläge­rin die von ihr be­haup­te­te Sys­te­ma­tik willkürlich für ih­re Zwe­cke zu Recht ge­bo­gen. Das er­ken­ne man auch dar­an, dass die für die Jah­re 2002 bis 2006 ge­zahl­ten Jah­res­bo­ni zwi­schen 65,3 und 83,1 % des oh­ne Bo­nus ver­dien­ten Jah­res­brut­tos ge­le­gen hätten. Für das Jahr 2002 sei dies 65,3 % ge­we­sen, für das Jahr 2003 79,7 %, für das Jahr 2004 82,9 %, für das Jahr 2005 83,1 % und für das Jahr 2006 80,00 %. Ver­gleich­ba­re Zah­lun­gen in die­ser Höhe ha­be kein an­de­rer Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten er­hal­ten, so dass die Kläge­rin sich auch nicht mit die­sen an­de­ren Ar­beit­neh­mern ver­glei­chen könne.

We­gen des wei­te­ren Vor­trags der Par­tei­en wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze, ins­be­son­de­re den In­halt der Be­ru­fungs­ak­te Be­zug ge­nom­men.

 

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Ent­schei­dungs­gründe:

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist un­be­gründet und war da­her zurück­zu­wei­sen.

I. 

Die nach § 64 Abs. 2 ArbGG an sich statt­haf­te Be­ru­fung ist nach § 64 Abs. 6, Satz 1 ArbGG i. V. m. § 66 Abs. 1 ArbGG form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

Die Be­gründung genügt auch § 520 Abs. 3 ZPO. Die Kläge­rin setzt sich mit dem Ur­teil des Ar-beits­ge­richts in hin­rei­chen­der Form aus­ein­an­der. Ins­be­son­de­re legt sie dar, wie­so ih­rer An­sicht nach das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts un­zu­tref­fend ist, weil es nämlich ver­ken­ne, dass es sich im vor­lie­gen­den Fall nicht um ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, son­dern um ei­nen Jah­res­bo­nus han­de­le und von da­her ei­nen fal­schen Maßstab an die recht­li­che Be­ur­tei­lung an­ge­legt ha­be und darüber hin­aus ver­kannt ha­be, dass ei­ne be­trieb­li­che Übung be­reits des­we­gen ent­stan­den sei, weil die ge­leis­te­ten Jah­res­bo­ni je­weils rund 45 % des Ge­samt­jah­res­ein­kom­mens der Kläge­rin aus­ge­macht hätten und das Ar­beits­ge­richt ver­kannt ha­be, dass die Be­klag­te mit der Zah­lung des Jah­res­bo­nus ein nicht nur für die Kläge­rin klar er­kenn­ba­res Sys­tem zu­grun­de ge­legt ha­be.

II. 

Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet und da­her zurück­zu­wei­sen. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht den An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus für das Jahr 2007 ins­ge­samt ver­neint. Der Kläge­rin steht auch kein An­spruch auf Zah­lung von le­dig­lich 60.000,00 € bzw. 57.500,00 € zu, da es hier­zu an ei­ner An­spruchs­grund­la­ge fehlt.

Das Ar­beits­ge­richt hat in den Ent­schei­dungs­gründen auf­geführt, dass die Kläge­rin be­reits des-we­gen kei­nen An­spruch auf ei­nen An­teil an dem Jah­res­er­geb­nis ha­be, weil sie die­ses Jah­res­er­geb­nis le­dig­lich für das Jahr 2007 und nicht für die Vor­jah­re dar­le­ge, so dass nicht fest­stell­bar sei, wel­ches der Be­zugs­punkt für ei­nen Jah­res­bo­nus in Ge­stalt ei­nes An­teils der Kläge­rin am Jah­res­er­geb­nis sein sol­le.

Ge­gen die­se Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer Be­ru­fung nicht, son­dern führt aus, dass der nun­mehr noch gel­tend ge­mach­te An­spruch von € 60.000,00 auf Zah-

 

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lung ei­nes Jah­res­bo­nus der Kläge­rin auf­grund ei­ner ent­stan­de­nen be­trieb­li­chen Übung zu­ste­he. An ei­ner sol­chen be­trieb­li­chen Übung wie auch an an­de­ren An­spruchs­grund­la­gen für die Zah­lung ei­nes sol­chen Be­tra­ges fehlt es im vor­lie­gen­den Fall je­doch aus den nach­fol­gen­den Gründen.

1. Be­reits aus dem Vor­trag der Kläge­rin er­ge­ben sich kei­ne hin­rei­chen­den An­halts­punk­te dafür, dass ein Rechts­an­spruch auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus in Höhe von 60.000,00 € be­steht.

a) Da­bei ist zunächst zwei­fel­haft, ob hier über­haupt die Rechts­fi­gur der be­trieb­li­chen Übung An­wen­dung fin­den kann, denn die­se ist re­gelmäßig da­durch ge­kenn­zeich­net dass der Ar­beit­ge­ber ei­ner Viel­zahl von Ar­beit­neh­mern be­stimm­te Leis­tun­gen gewährt und die­se da­her zur Be­gründung ei­nen kol­lek­ti­ven Be­zug des Ver­hal­tens des Ar­beit­ge­bers auf­wei­sen muss.

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers zu ver­ste­hen, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder ei­ne Vergüns­ti­gung auf Dau­er ein­geräumt wer­den. Aus die­sem als Ver­trags­an­ge­bot zu wer­ten­den Ver­hal­tens des Ar­beit­ge­bers, das von den Ar­beit­neh­mern in der Re­gel still­schwei­gend nach § 151 BGB an­ge­nom­men wird, er­wach­sen ver­trag­li­che Ansprüche auf die üblich ge­wor­de­nen Leis­tun­gen. Ei­ne be­trieb­li­che Übung ist für je­den Ge­gen­stand vor­stell­bar, der ar­beits­ver­trag­lich in ei­ner so all­ge­mei­nen Form ge­re­gelt wer­den kann. Ent­schei­dend für die Ent­ste­hung ei­nes An­spruchs ist nicht der Ver­pflich­tungs­wil­le des Ar­beit­ge­bers, son­dern wie der Ar­beit­neh­mer als Erklärungs­empfänger die Erklärung oder das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­gleit­umstände ver­ste­hen muss­te und durf­te (BAG, Ur­teil v. 20.01.2004, 9 AZR 43/03 B II. 1. der Gründe; AP Nr. 65 zu § 242 Be­trieb­li­che Übung). Auf die sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers und da­mit auf die in­ter­ne Wil­lens­bil­dung kommt es nicht an.

Der kol­lek­tiv­recht­li­che Be­zug der be­trieb­li­chen Übung er­gibt sich dar­aus, dass es nach der Recht­spre­chung des BAG (Ur­teil v. 26.01.2005 - 9 AZR 200/04, AP Nr. 74 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung) un­er­heb­lich ist, ob der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer selbst bis­her schon in die Übung ein­be­zo­gen wor­den ist (BAG, 29.4.2003 - 3 AZR 339/02; 28.7.2004 -

 

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10 AZR 19/04 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 257). Es ist von dem all­ge­mei­nen Er­fah-rungs­satz aus­zu­ge­hen, dass der­ar­ti­ge begüns­ti­gen­de Leis­tun­gen all­ge­mein be­kannt wer­den (BAG, 27. 6. 2001 - 10 AZR 488/00 - EzA BGB § 242, Be­trieb­li­che Übung Nr. 44). Ent­schei­dend ist, ob die Ar­beit­neh­mer (bzw. Be­triebs­rent­ner) dem Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers ei­nen Ver­pflich­tungs­wil­len ent­neh­men können (vgl. u. a. BAG 19.5.2005 - 3 AZR 660/03 - AP BGB § 242, Be­trieb­li­che Übung Nr. 71). Die spe­zi­el­len Kennt­nis­se und das Verständ­nis des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers bzw. Ver­sor­gungs­anwärters oder Ver­sor­gungs­empfängers sind nicht maßgeb­lich. Da die be­trieb­li­che Übung zu ty­pi­sier­ten Leis­tungs­be­din­gun­gen führt, ist das Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers los­gelöst von den Umständen des Ein­zel­fal­les nach ob­jek­ti­ven Kri­te­ri­en aus­zu­le­gen (BAG, Ur­teil v. 31.7.2007, 3 AZR 189/06 AP Nr. 79 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung). Auch ist es un­er­heb­lich, ob der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer selbst bis­her schon in die Übung ein­be­zo­gen wor­den ist (BAG, 20.5.2008, 10 AZR 274/07 AP Nr. 80 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung).

b) Nach der Schil­de­rung der Kläge­rin fehlt es je­doch ge­ra­de an dem kol­lek­ti­ven Ele­ment der von ihr be­haup­te­ten Zah­lungs­pra­xis der Be­klag­ten, die nur der Kläge­rin als ein­zi­ger Ar-beit­neh­me­rin ei­nen Jah­res­bo­nus oh­ne Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt und wohl auch nur ihr in die­ser er­heb­li­chen Höhe gewährt hat. Eben­so we­nig be­haup­tet die Kläge­rin, dass der Ge­sell­schaf­ter Herr M. D. nicht nur der Kläge­rin, son­dern auch den an­de­ren Ar­beit­neh­mer de­ren Jah­res­bo­nus in ei­nem An­ruf persönlich mit­ge­teilt hat, was an­ge­sichts der Son­der­stel­lung, die die Kläge­rin als „Che­fin" hat­te, nach­voll­zieh­bar ist.

Die Fra­ge, ob hier über­haupt die Rechts­fi­gur der be­trieb­li­chen Übung an­zu­wen­den ist, kann je­doch da­hin­ge­stellt blei­ben, da zum ei­nen auch ih­re sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt sind.

Ge­ge­be­nen­falls kommt statt ei­ner an­spruchs­be­gründen­den be­trieb­li­chen Übung ei­ne kon­klu­den­te Ver­tragsände­rung in Be­tracht, für die im We­sent­li­chen glei­che Über­le­gun­gen da­hin an­zu­stel­len sind, ob sich aus dem von der Kläge­rin ge­schil­der­ten Leis­tungs­ver­hal­ten der Be­klag­ten ab­lei­ten lässt, dass die Kläge­rin die­ses so ver­ste­hen durf­te, dass die Be­klag­te da­mit ei­ne dau­er­haf­te Ver­pflich­tung zur Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus ein­ge­hen woll­te. Im Er­geb­nis fehlt es je­doch auch dar­an, so dass der An­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung des gel­tend ge­mach­ten Be­tra­ges nicht be­steht.

 

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2. Dem Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung als auch ei­ner kon­klu­den­ten Ver­tragsände­rung steht die ver­trag­li­che (ein­fa­che) Schrift­form­klau­sel nicht ent­ge­gen. So­weit die­se Klau­sel als all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung zu qua­li­fi­zie­ren sein soll­te, gilt nach § 305 b BGB der Vor­rang der In­di­vi­dua­la­b­re­de. Auch im Übri­gen würde die von der Be­klag­ten be­haup­te­te ein­fa­che Schrift­form­klau­sel das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung nicht ver­hin­dern. Nach all­ge­mei­nen Grundsätzen kann ei­ne ver­ein­bar­te Form auch oh­ne Ein­hal­tung der Schrift­form ab­be­dun­gen wer­den; das gilt so­gar dann, wenn die Par­tei­en bei Ab­schluss der an sich form­bedürf­ti­gen Ver­ein­ba­rung nicht an die Schrift­form ge­dacht ha­ben (BAG, Ur­teil vom 20.01.2004, 9 AZR 43/03 un­ter IV der Gründe m. w. N.).

3. Je­doch lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung auf Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus, der so hoch be­mes­sen ist, dass er un­ter Ad­di­ti­on des Grund­ge­hal­tes der Kläge­rin 45 % des so er­mit­tel­ten Ge­samt­jah­res­ein­kom­mens aus­macht, nicht vor.

Ob aus ei­nem tatsächli­chen Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers ei­ne be­trieb­li­che Übung da­hin­ge­hend ent­stan­den ist, er wer­de auch al­len Ar­beit­neh­mern zukünf­tig be­stimm­te Leis­tun­gen dau­er­haft gewähren, ha­ben die Tat­sa­chen­ge­rich­te un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les fest­zu­stel­len (BAG, eben­dort).

a) Al­ler­dings kann die Be­klag­te der Kläge­rin nicht ent­ge­gen hal­ten, der an sie aus­ge­zahl­te Jah­res­bo­nus sei in Wirk­lich­keit ein Teil des Jah­res­bo­nus ge­we­sen, der dem Geschäftsführer und da­ma­li­gen Ehe­mann der Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te zu­ge­stan­den ha­be. Die­ser ha­be ei­nen Teil sei­nes An­spruchs auf Jah­res­bo­nus dann zur Aus­zah­lung an die Kläge­rin ver­an­lasst, um die­ser anläss­lich des Weih­nachts­fes­tes nach sei­nem ei­ge­nen Gut-dünken ei­ne „Freu­de mit Sym­bol­wert" un­ter Ehe­leu­ten ei­ner in­tak­ten Be­zie­hung zu be­rei­ten ( so AS 20 un­ten der erst­in­stanz­li­chen Ak­te). Nach der von der Be­klag­ten in­so­weit un­wi­der­spro­che­nen Dar­stel­lung der Kläge­rin wur­de die­ser von dem Ge­sell­schaf­ter M. D. je­weils mit­ge­teilt, dass sie ei­nen Jah­res­bo­nus er­hal­ten würde und es wur­de ihr die je­wei­li­ge Sum­me ge­nannt. Dass es sich da­bei um ei­ne Zah­lung han­delt, die die Kläge­rin le­dig­lich er­hielt, weil ihr geschäftsführen­der Ehe­mann in ent­spre­chen­der Höhe auf sei­nen An­spruch auf ei­nen Jah­res­bo­nus ver­zich­tet hat, spielt für die Fra­ge der Be­ur­tei­lung, ob ei­ne be­trieb­li­che Übung ent­stan­den ist nur dann ei­ne Rol­le, wenn der Kläge­rin die­ser Um­stand des Ver­zich­tes ih­res Ehe­man­nes auch ge­ra­de be­kannt war. Das be­haup­tet die Be­klag­te je­doch zu kei­nem Zeit­punkt, nach den un­wi­der­spro­che­nen Dar­stel­lun­gen der Kläge­rin

 

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wur­de der ihr zu­ste­hen­de Jah­res­bo­nus auch le­dig­lich ihr von dem Geschäftsführer, Herrn M. D. mit­ge­teilt, nicht je­doch von dem die Zah­lung dann wohl ei­gent­lich ver­an­las­sen­den geschäftsführen­den Ehe­mann Herrn Z.. Oh­ne Kennt­nis der Kläge­rin von dem be­haup­te­ten Um­stand, dass es sich in Wirk­lich­keit um ei­nen An­teil der Zah­lung des Jah­res­bo­nus­ses des Geschäftsführers ge­han­delt hat, kann der Kläge­rin nicht vor­ge­hal­ten wer­den, dass be­reits aus die­sem Grun­de ein An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung nicht ent­stan­den sein kann.

b) Die von der Kläge­rin ge­schil­der­ten Ge­samt­umstände erfüllen die oben dar­ge­stell­ten An­for­de­run­gen an das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung je­doch nicht. Die Be­klag­te hat kein wie­der­hol­tes Ver­hal­ten ge­zeigt, aus der die Kläge­rin be­rech­tig­ter­wei­se den Schluss zie­hen durf­te und muss­te, die Be­klag­te wer­de ihr zukünf­tig wei­ter­hin ei­nen Jah­res­bo­nus zah­len, der so hoch be­mes­sen ist, dass er zu­sam­men mit dem Grund­ein­kom­men der Kläge­rin 45 % die­ses Ge­samt­ein­kom­mens aus­macht.

Will ein Ar­beit­ge­ber die Zah­lung ei­ner Vergüns­ti­gung von ei­ner Ent­schei­dung im je­wei­li­gen Ein­zel­fall abhängig ma­chen, muss er dies nach außen hin er­kenn­bar zum Aus­druck brin­gen (BAG, 28. Ju­li 2004 - 10 AZR 19/04 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 257). Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor.

aa) Ge­gen das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung spricht zunächst, dass die Be­klag­te die der Kläge­rin ge­zahl­ten Jah­res­bo­ni in schwan­ken­der Höhe ge­zahlt hat. Le­dig­lich in den Jah­ren 2005 und 2006 hat die Kläge­rin ei­nen gleich­blei­ben­den Be­trag er­hal­ten, der sich je­doch von den Zah­lun­gen in den Jah­ren 2003 und 2004 um mehr als 10 % un­ter­schied.

Nach der vom Ar­beits­ge­richts­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung be­reits zu Recht her­an­ge­zo­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil v. 28.02.1996, 10 AZR 516/95) spricht die Leis­tung von Son­der­zah­lun­gen, ins­be­son­de­re Gra­ti­fi­ka­tio­nen in schwan­ken­der Höhe dafür, dass der Ar­beit­ge­ber je­weils nach „Gutdünken" die Höhe der je­wei­li­gen Son­der­vergütung (zum Be­griff sie­he Er­fur­ter Kom­men­tar/Preis, § 6166 BGB, Rn. 527) fest­le­gen will. Aus der feh­len­den Gleichförmig­keit kann der Ar­beit­neh­mer er­ken­nen, dass der Ar­beit­ge­ber sich die Ent­schei­dung über die Zah­lung der Son­der­vergütung im Ein­zel­fall je­weils vor­be­hal­ten will. Die Kläge­rin er­hielt Son­der­vergütun­gen in wei­test­ge­hend un­ter-

 

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schied­li­cher Höhe. Le­dig­lich in den Jah­ren 2005 und 2006 er­hielt sie ei­nen iden­ti­schen Be­trag von € 57.500,00, während die Son­der­vergütun­gen in den Jah­ren zu­vor zum Teil er­heb­lich nied­ri­ger ge­we­sen sind.

bb) Für ei­nen auch für die Kläge­rin er­kenn­ba­ren feh­len­den Bin­dungs­wil­len der Be­klag­ten spricht darüber hin­aus auch, dass der Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten, Herr M. D. die Kläge­rin je­des Jahr vor Aus­zah­lung des Jah­res­bo­nus neu an­ge­ru­fen hat und ihr je­weils neu mit­ge­teilt hat, dass und in wel­cher Höhe sie ei­nen Jah­res­bo­nus erhält. Auch die­ser äußere Ab­lauf der Fest­le­gung des je­wei­li­gen Jah­res­bo­nus lässt für die Kläge­rin er­ken­nen, dass die Be­klag­te sich nicht fest­le­gen woll­te, in ei­ner be­stimm­ten Höhe sich auf die Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus fest­zu­le­gen. An­dern­falls wäre es nicht not­wen­dig ge­we­sen, dass Herr D. der Kläge­rin in ei­nem persönli­chen Te­le­fo­nat den je­wei­li­gen Jah­res­bo­nus mit­teilt.

cc) Auch der Um­stand, dass die je­wei­li­gen Jah­res­bo­ni et­wa 45 % am Ge­samt­ein­kom­men der Kläge­rin aus­ge­macht ha­ben, be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch auf ei­ne Zah­lung ei­nes Jah­res­bo­nus in Höhe von 45 % für das Jahr 2007. Bei der von der Kläge­rin gewähl­ten Be­rech­nungs­wei­se ge­lingt es ihr, zwar nicht be­tragsmäßig, je­doch im Hin­blick auf ei­nen Pro­zent­satz ei­nen gleich­blei­ben­den Be­trag zu er­rech­nen. Al­ler­dings ist der hierfür er­for­der­li­che Re­chen­weg für die Be­gründung ei­ner Jah­res­son­der­vergütung oder ei­nes Jah­res­bo­nus re­la­tiv un­gewöhn­lich und auch zunächst nur schwer zu durch­schau­en. Zwar können ggf. auch schwer durch­schau­ba­re Re­chen­ope­ra­tio­nen ei­nen An­spruch auf ei­ne be­trieb­li­che Übung be­gründen, wenn der Ar­beit­neh­mer ge­ra­de dar­auf ver­traut, dass die, wenn auch zunächst nicht of­fen­sicht­li­che Re­chen­ope­ra­ti­on vom Ar­beit­ge­ber wie­der­holt durch­geführt wor­den ist, um auf die­se Art und Wei­se zu ei­nem be­stimm­ten Er­geb­nis zu ge­lan­gen. Es ist je­doch für Jah­res­son­der­vergütun­gen eher un­gewöhn­lich, dass sich die­se so be­rech­nen, dass sie ei­nen be­stimm­ten Pro­zent­satz der Sum­me des Grund­ge­hal­tes plus dem Be­trag der Jah­res­son­der­vergütung er­ge­ben. Näher­lie­gend ist es schon, wie die Be­klag­te rech­ne­risch vor­ge­gan­gen ist, die Jah­res­son­der­vergütung als Pro­zent­satz vom Grund­ge­halt oder auch von ei­nem be­stimm­ten Be­triebs­er­geb­nis aus­zu­drücken. Drückt man sie wie von der Be­klag­ten be­rech­net als Pro­zent­satz der Kläge­rin des der Kläge­rin ge­zahl­ten Grund­ge­hal­tes aus, so er­ge­ben sich je­den­falls so ho­he Schwan­kun­gen, dass von ei­nem gleichförmi­gen Be­rech­nungs­mo­dus nicht mehr die Re­de sein kann, denn selbst in den letz­ten drei Jah­ren (2004 - 2006) schwan­ken die Beträge zwi­schen 83,1 und 80 %

 

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vom Jah­res­grund­ge­halt und un­ter Hin­zu­zie­hung der Jah­re 2002 und 2003 sind die Schwan­kun­gen er­heb­lich größer.

dd) Auch der von der Kläge­rin selbst be­schrie­be­ne Zweck der Jah­res­son­der­vergütung spricht ge­gen das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung. Die Kläge­rin schil­dert selbst, dass der Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten, Herr D. mit die­sem Jah­res­bo­nus den Zweck ver­folgt hat, nicht nur die Leis­tun­gen der Kläge­rin zu ho­no­rie­ren, son­dern auch die Kläge­rin am Be­triebs­er­geb­nis der Be­klag­ten teil­ha­ben zu las­sen. Wenn ei­ne be­stimm­te Jah­res­son­der­vergütung je­doch den Zweck ver­folgt, den Mit­ar­bei­ter am Ge­winn teil­ha­ben zu las­sen, oh­ne dass es als Ge­winn­be­tei­li­gung im en­ge­ren Sin­ne, ins­be­son­de­re rech­ne­risch nach­voll­zieh­bar aus­ge­stal­tet ist, so er­gibt sich be­reits aus die­sem Zweck, dass der Ar­beit­neh­mer nicht dar­auf ver­trau­en darf, dass er je­des Jahr ei­nen gleich­blei­ben kon­kre­ten Be­trag als Ge­winn­be­tei­li­gung er­hal­ten wird. Ge­winn­be­tei­li­gun­gen sind aus der Na­tur der Sa­che her-aus ge­ra­de va­ria­bel, denn der Ge­winn oder auch das Be­triebs­er­geb­nis ei­nes Un­ter­neh­mens sind Schwan­kun­gen un­ter­wor­fen, die es ver­bie­ten, dass sich der Ar­beit­ge­ber dau­er­haft auf ei­nen kon­kre­ten Be­trag oder Pro­zent­satz in Abhängig­keit vom Grund­ge­halt fest­legt. Ge­ra­de bei dem von der Kläge­rin dar­ge­leg­ten Zweck der Zah­lung, sie am Er­geb­nis teil­ha­ben zu las­sen, er­gibt sich zwangsläufig, dass dar­aus kein Rechts­an­spruch auf ei­ne Zah­lung in ei­ner be­stimm­ten Höhe in Abhängig­keit vom Ge­samt­jah­res­ein­kom­men und Grund­ge­halt sich er­ge­ben kann, denn maßgeb­lich ist zunächst ein­mal hierfür, dass von der Be­klag­ten über­haupt ein Ge­winn er­zielt wor­den ist. Die Be­haup­tung der Kläge­rin, es sei ei­ne be­trieb­li­che Übung ent­stan­den, würde ihr auch ei­nen Rechts­an­spruch auf die durch­aus be­acht­li­che Jah­res­son­der­vergütung einräum­en, wenn die Be­klag­te über­haupt kei­nen Ge­winn er­zielt hätte oder ei­nen deut­lich ge­rin­ge­ren. Dies ließe sich mit dem von der Kläge­rin selbst ge­schil­der­ten Zweck der ihr nach ih­rer ei­ge­nen Dar­stel­lung auch von dem Ge­sell­schaf­ter der Be­klag­ten, Herrn M. D. so mit­ge­teilt wor­den ist, sie am Ge­winn teil­ha­ben zu las­sen nicht ver­ein­ba­ren. Auch wenn der der Kläge­rin gewähr­te Jah­res­bo­nus in­so­weit ei­ne Son­der­vergütung mit Misch­cha­rak­ter dar­stellt als die Kläge­rin be­haup­tet, er sei auch in Ho­no­rie­rung ih­res be­son­de­ren Ein­sat­zes für die Be­klag­te gewährt wor­den, ändert dies nichts dar­an, dass zunächst ein­mal Vor­aus­set­zung für den Jah­res­bo­nus ist, dass die Be­klag­te ein ent­spre­chen­des Be­triebs­er­geb­nis er­zielt hat, das es über­haupt zulässt, zusätz­li­che Zah­lun­gen ins­be­son­de­re in der doch deut­li­chen Höhe wie im Fall der Kläge­rin an Mit­ar­bei­ter zu er­brin­gen. Das mag zwar in der Ver­gan­gen­heit der Fall ge­we­sen sein,

 

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je­doch erwächst dar­aus noch kein Rechts­an­spruch auf ei­nen er­geb­nis­un­abhängi­gen Jah­res­bo­nus.

So­weit die Kläge­rin vorträgt, bei ei­ner Ver­schlech­te­rung des Be­triebs­er­geb­nis­ses sei die Jah­res­son­der­zah­lung je­den­falls nicht gekürzt wor­den, kann auch die­ses Ar­gu­ment nicht da­zu führen, dass ei­ne be­trieb­li­che Übung ent­stan­den ist. Es zeigt le­dig­lich, dass es sich bei den Zah­lun­gen der Be­klag­ten nicht aus­sch­ließlich um ei­ne ge­winn- oder be­triebs­er­geb­nis­ori­en­tier­te Be­tei­li­gung ge­han­delt hat. Da die Kläge­rin je­doch kei­ne An­ga­ben darüber macht, in wel­chem Um­fang das Be­triebs­er­geb­nis sich ver­rin­gert hat - ge­ge­be­nen­falls nur ge­ringfügig - kann dar­aus nicht das für die be­trieb­li­che Übung not­wen­di­ge Ver­trau­en her­ge­lei­tet wer­den, los­gelöst vom Be­triebs­er­geb­nis sei die Be­klag­te be­reit, der Kläge­rin ei­nen er­heb­li­chen Jah­res­bo­nus nach ei­ner fi­xen Be­rech­nungs­for­mel zu gewähren.

ee) Der Um­stand, dass die übri­gen Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten bei dem je­wei­li­gen Jah­res­bo­nus ei­nen Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt un­ter­schrie­ben ha­ben, während dies bei der Kläge­rin und ih­rem Ehe­mann als Geschäftsführer der Be­klag­ten nicht der Fall ge­we­sen ist, ver­mag eben­falls nicht ei­ne be­trieb­li­che Übung zu be­gründen. Es ist zunächst schon sehr frag­lich, ob sich die Kläge­rin an­ge­sichts der be­acht­li­chen Höhe ih­res Jah­res­bo­nus in Re­la­ti­on zu ih­rem Brut­to­ge­halt über­haupt mit den an­de­ren Mit­ar­bei­tern der Be­klag­ten ver­glei­chen kann. Auch mag der Um­stand, dass die Kläge­rin hier an­ders be­han­delt wur­de als die übri­gen Mit­ar­bei­ter, be­reits dafür spre­chen, dass die Leis­tun­gen an die Kläge­rin mit de­nen an die an­de­ren Mit­ar­bei­ter nicht ver­gleich­bar sind und da­her für die Be­gründung ei­ner be­trieb­li­chen Übung nicht her­an­ge­zo­gen wer­den können.

Im Übri­gen ist das von der Kläge­rin hier an­geführ­te Ar­gu­ment ein zwei­sei­ti­ges. Es ist eben­so gut denk­bar, dass auf­grund der Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les bei der Kläge­rin (jähr­li­che persönli­che neue Zu­sa­ge durch den Ge­sell­schaf­ter, Herrn D. des Jah­res­bo­nus; Höhe des Jah­res­bo­nus in Re­la­ti­on zum Grund­ge­halt der Kläge­rin) das Feh­len des Frei­wil-lig­keits­vor­be­hal­tes ge­genüber der Kläge­rin auch ge­ra­de ent­behr­lich er­schien und des­we­gen die Kläge­rin aus den Frei­wil­lig­keits­vor­be­hal­ten ge­genüber an­de­ren Mit­ar­bei­tern nicht schließen durf­te, dass es sich bei ih­rer Leis­tung um kei­ne frei­wil­li­ge, son­dern um ei­ne mit rechts­ver­pflich­ten­dem Cha­rak­ter für die Zu­kunft ge­han­delt hat.

 

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ff) Auch der Um­stand, dass die Tätig­keit der Kläge­rin als ei­ner­seits Buch­hal­te­rin, durch­aus je­doch auch mit ge­wis­sen Führungs­funk­tio­nen im be­triebs­in­ter­nem Ab­lauf als Ehe­frau des Geschäftsführers („Che­fin") mit ei­nem steu­er­pflich­ti­gen Jah­res­brut­to von 73.500,00 € im Jahr 2007 und 71.800,00 € im Jah­re 2003 durch­aus mehr als an­ge­mes­sen ho­no­riert wor­den ist, spricht ge­gen ein be­rech­tig­tes Ver­trau­en der Kläge­rin da­hin, dass sie Jahr für Jahr ei­nen be­stimm­ten zusätz­li­chen Pro­zent­satz der 70 bis teil­wei­se 83 % ih­res Grund­ge­hal­tes aus­macht noch zusätz­lich als Vergütung erhält, die dann trotz ih­rer „Che­fin - Funk­ti­on" weit über je­des übli­che Maß hin­aus­ge­hen würde.

4. Die Kläge­rin hat auch kei­nen An­spruch auf Zah­lung von € 57.500. Der von der Kläge­rin an­geführ­te Um­stand, dass sie je­den­falls in den bei­den letz­ten Jah­ren je­weils ei­nen gleich­blei­ben­den Be­trag in Höhe von 57.500,00 € er­hal­ten hat, führt nicht da­zu, dass ein Ver­trau­en dar­auf ent­ste­hen konn­te, ei­nen be­stimm­ten Be­trag in die­ser Höhe re­gelmäßig für die Zu­kunft zu er­hal­ten.

Ei­ne all­ge­mein­ver­bind­li­che Re­gel, ab wel­cher An­zahl von Leis­tun­gen der Ar­beit­neh­mer er­war­ten darf, dass auch er die Leis­tung erhält, so­bald er die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, gibt es nicht. Die Re­gel, dass ei­ne drei­ma­li­ge vor­be­halt­lo­se Gewährung zur Ver­bind­lich­keit er­starkt, ist für jähr­lich an die ge­sam­te Be­leg­schaft ge­leis­te­te Gra­ti­fi­ka­tio­nen auf­ge­stellt wor­den. Bei an­de­ren So­zi­al­leis­tun­gen ist auf Art, Dau­er und In­ten­sität der Leis­tun­gen ab­zu­stel­len. Wie lan­ge die Übung be­ste­hen muss, da­mit die Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt er­war­ten können, dass sie fort­ge­setzt wer­de, hängt da­von ab, wie häufig die Leis­tun­gen er­bracht wor­den sind. Da­bei kommt es auf die Zahl der An­wen­dungsfälle im Verhält­nis zur Be­leg­schaftsstärke an. Fer­ner sind in die Be­wer­tung der Re­la­ti­on von An­zahl der Wie­der­ho­lun­gen und Dau­er der Übun­gen auch Art und In­halt der Leis­tun­gen ein­zu­be­zie­hen. Bei für den Ar­beit­neh­mer we­ni­ger wich­ti­gen Leis­tun­gen sind an die Zahl der Wie­der­ho­lun­gen höhe­re An­for­de­run­gen zu stel­len als bei be­deut­sa­me­ren Leis­tungs­in­hal­ten (BAG, 20.5.2008, 10 AZR 274/07 AP Nr. 80 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung; 28. Ju­ni 2006 ¬10 AZR 385/05 - BA­GE 118, 360 mwN).

Maßgeb­lich ist dem­nach vor­ran­gig die Häufig­keit der Leis­tungs­gewährung. Der Be­trag von 57.500 € wur­de in die­ser Höhe le­dig­lich zwei­mal hin­ter­ein­an­der gewährt, al­so kei­nes­wegs häufig. An­de­rer­seits han­delt es sich an­ge­sichts des Um­stan­des, dass es sich da­bei um ei­nen er­heb­li­chen An­teil am Jah­res­ein­kom­men der Kläge­rin han­delt, um ei­nen

 

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Um­stand, der es ver­bie­tet, zu ho­he An­for­de­run­gen an die Zahl der Wie­der­ho­lun­gen zu stel­len. Dem­ge­genüber ist aber wie­der­um zu berück­sich­tig­ten, dass es sich um ei­ne Leis­tung han­delt, die so und in die­ser Höhe wohl nur der Kläge­rin zu­ge­flos­sen ist. Zu­dem ist die gewähr­te Leis­tung im Verhält­nis zur Tätig­keit und zum sons­ti­gen Ein­kom­men der Kläge­rin so un­gewöhn­lich hoch, dass für ein Ver­trau­en der Kläge­rin auf Bei­be­hal­tung ei­ne häufi­ge­re als nur zwei­ma­li­ge Zah­lung die­ses kon­kre­ten Be­tra­ges zu ver­lan­gen ist.

Des Wei­te­ren sind die oben dar­ge­leg­ten wei­te­ren Umstände, die ge­gen ein be­rech­tig­tes Ver­trau­en der Kläge­rin auf Bei­be­hal­tung der Zah­lung in ei­ner be­stimm­ten Höhe spre­chen so über­wie­gend, dass der bloße Um­stand, dass zwei­mal hin­ter­ein­an­der der sel­be Be­trag gewährt wor­den ist, auch nicht aus­reicht, um ein Ver­trau­en zu be­gründen, dass jetzt ge­nau die­ser Be­trag auch für Zu­kunft be­zahlt wer­de. Auf die obi­gen Ausführun­gen kann ver­wie­sen wer­den.

Ein An­spruch aus ei­ner be­trieb­li­chen Übung be­steht da­her nicht.

4. Geht man da­von aus, dass das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung be­reits dar­an schei­tert, dass es sich bei der Zah­lung an die Kläge­rin um ei­nen Ein­zel­fall han­delt, so käme als Grund­la­ge für die Kläge­rin ei­ne kon­klu­den­te Ver­tragsände­rung in Be­tracht, die je­doch im Er­geb­nis aus den oben ge­nann­ten Gründen eben­falls zu ver­nei­nen ist.

a) Wil­lens­erklärun­gen wie das An­ge­bot auf ei­ne Ver­tragsände­rung können kon­klu­dent ab­ge­ge­ben wer­den. Der Erklären­de nimmt Hand­lun­gen vor, die für den­je­ni­gen, dem ge­genüber die Hand­lung er­folgt, den be­rech­tig­ten Schluss zu­las­sen, der Erklären­de hand­le mit ei­nem
be­stimm­ten Rechts­fol­ge­wil­len (Pa­landt/El­len­ber­ger, BGB 69. Aufl. vor § 116, Rn. 6).

Der In­halt von Wil­lens­erklärun­gen ist nach §§ 133, 157 BGB ob­jek­tiv un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände des Ein­zel­fal­les nach der Sicht des Empfängers zu be­stim­men. Das gilt auch für die Fra­ge, ob über­haupt ei­ne Wil­lens­erklärung vor­liegt (BAG, 9. No­vem­ber 1999 - 9 AZR 922/98). Der in der aus­zu­le­gen­den Erklärung oder in dem aus­zu­le­gen­den Ver­hal­ten verkörper­te recht­lich maßgeb­li­che Wil­le ist zu er­mit­teln. Lässt sich da­bei ein übe­rein­stim­men­der Wil­le der Par­tei­en fest­stel­len, so ist die­ser al­lein maßgeb­lich, auch wenn er in ei­ner Ver­ein­ba­rung nur ei­nen un­voll­kom­me­nen oder gar kei­nen Aus­druck ge­fun­den hat. Das übe­rein­stim­mend Ge­woll­te hat Vor­rang vor dem in­so­weit falsch oder nicht aus­drück­lich Erklärten. Kann ei­ne sol­che Fest­stel­lung nicht ge­trof­fen wer­den, so sind die

 

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je­wei­li­gen Erklärun­gen oder das Ver­hal­ten der Ver­trags­par­tei­en je­weils aus der Sicht des Erklärungs­empfängers so aus­zu­le­gen, wie er sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen durf­te und muss­te. Bei die­ser Aus­le­gung sind al­le den Par­tei­en er­kenn­ba­ren Be­gleit­umstände, die für den Erklärungs­in­halt von Be­deu­tung sein können, zu berück­sich­ti­gen. Hier­zu gehören vor­nehm­lich die Ent­ste­hungs­ge­schich­te, das Ver­hal­ten der Par­tei­en vor und nach Ver­trags­schluss, ih­re In­ter­es­sen und der Zweck ei­ner Ab­ma­chung. Auch für kon­klu­den­te Wil­lens­erklärun­gen ist ent­schei­dend, wie sie der Erklärungs­empfänger nach Treu und Glau­ben ver­ste­hen muss­te. Kon­klu­den­te Wil­lens­erklärun­gen set­zen in der Re­gel das Be­wusst­sein des Han­deln­den vor­aus, dass ei­ne Wil­lens­erklärung we­nigs­tens mögli­cher­wei­se er­for­der­lich ist. Da das Erklärungs­be­wusst­sein kein not­wen­di­ger Be­stand der Wil­lens­erklärung ist, kann schlüssi­ges Ver­hal­ten auch dann als Wil­lens­erklärung ge­wer­tet wer­den, wenn der Han­deln­de an die Möglich­keit ei­ner sol­chen Wer­tung nicht ge­dacht hat. Vor­aus­set­zung ist je­doch, dass der Han­deln­de bei An­wen­dung pflicht­gemäßer Sorg­falt er­ken­nen konn­te, dass sein Ver­hal­ten als Wil­lens­erklärung auf­ge­fasst wer­den durf­te und der an­de­re Teil es auch tatsächlich so ver­stan­den hat (vgl. Pa­landt/El­len­ber­ger BGB 68. Aufl. § 133 Rn. 7 ff.).

Auf­grund der Her­lei­tung der be­trieb­li­chen Übung nach der so­ge­nann­ten Ver­trags­theo­rie be­ste­hen die Un­ter­schie­de zwi­schen ihr und der kon­klu­den­ten Ver­tragsände­rung le­dig­lich dar­in, dass sich letz­te­re nicht auf ein Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers ge­genüber dem Kol­lek­tiv der Ar­beit­neh­mer stützt, son­dern auf ein schlüssi­ges Ver­hal­ten ge­genüber dem ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer. An­sons­ten sind die Umstände, die zur Be­gründung ei­ner Ver­tragsände­rung durch schlüssi­ges Ver­hal­ten führen können, der Sa­che nach gleich.

bb) Da­her kann für die Fra­ge, ob zwi­schen den Par­tei­en ei­ne ein­ver­nehm­li­che Ver­tragsände­rung zu­stan­de ge­kom­men ist, auf die obi­gen Ausführun­gen, mit de­nen das Ent­ste­hen ei­ner be­trieb­li­chen Übung ver­neint wur­de, ver­wie­sen wer­den. Aus dem Leis­tungs­ver­hal­ten der Be­klag­ten bei der Gewährung der Jah­res­bo­ni kann aus der Sicht ei­nes verständi­gen Drit­ten in der Po­si­ti­on der Kläge­rin nicht der Schluss ge­zo­gen wer­den, die Be­klag­te wol­le sich dau­er­haft ver­pflich­ten, der Kläge­rin das Grund­ge­halt durch ei­nen Jah­res­bo­nus in ei­ner be­stimm­ten Höhe, sei­en es 57.500 € oder 45% des Jah­res­ge­samt­ge­hal­tes auf­sto­cken.

 

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5. Ob durch das Ver­hal­ten der Be­klag­ten mögli­cher­wei­se ei­ne kon­klu­den­te Ver­tragsände­rung da­hin­ge­hend zu­stan­de ge­kom­men ist, dass die Kläge­rin ei­nen An­spruch dar­auf hat, dass die Be­klag­te zukünf­tig nach bil­li­gem Er­mes­sen ei­nen Jah­res­bo­nus un­ter Berück­sich­ti­gung des Be­triebs­er­geb­nis­ses und des An­teils der Kläge­rin am Zu­stan­de­kom­men des Be­triebs­er­geb­nis­ses fest­setzt, braucht hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Da­bei han­delt es sich zum Ei­nen um ei­nen an­de­ren Streit­ge­gen­stand, weil er ei­ne an­de­re Rechts­fol­ge - nämlich die Ausübung von Er­mes­sen und nicht die Zah­lung ei­nes nach fes­ten Re­geln zu er­mit­teln­den Be­tra­ges - be­tref­fen würde. Darüber hin­aus hat die Kläge­rin in der Be­ru­fung ih­ren An­spruch hier­auf nicht gestützt.

6. Ein Rechts­an­spruch der Kläge­rin auf Zah­lung ei­nes be­stimm­ten Be­tra­ges, hier­von 60.000,00 bzw. 57.500,00 € als Jah­res­bo­nus er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass die Be­klag­te hier er­heb­li­che An­tei­le der Jah­res­ge­samt­vergütung der Kläge­rin als frei­wil­li­ge Leis­tung er­bringt.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 24.10.2007 - 10 AZR 825/06 -Be­den­ken geäußert bezüglich Bo­nus­zah­lun­gen, die mehr als 25 % der Ge­samt­vergütung des Ar­beit­neh­mers aus­ma­chen (Rn. 28 d. Ent­schei­dung). Die­se Be­den­ken be­zo­gen ste­hen je­doch im Kon­text von Stich­tags­re­ge­lun­gen, die die Bo­nus­zah­lung für das zurück­lie­gen­de Jahr ent­fal­len las­sen, wenn der Ar­beit­neh­mer zu ei­nem be­stimm­ten Stich­tag nicht mehr in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis steht.

Die­se Pro­ble­ma­tik stellt sich im vor­lie­gen­den Fall nicht, da es sich hier nicht um den rück­wir­ken­den Ent­fall ei­ner Bo­nus­zah­lung han­delt, son­dern sich al­lein die Fra­ge stellt, ob durch das Ver­hal­ten der Be­klag­ten die Kläge­rin dar­auf ver­trau­en durf­te, auch in Zu­kunft ei­nen Bo­nus zu er­hal­ten. Es ist dem Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich un­be­nom­men, Zah­lun­gen - auch in er­heb­li­cher Höhe in Re­la­ti­on zur Grund­vergütung - zu er­brin­gen, ob­wohl hier­zu nach der Ver­trags­la­ge kei­ner­lei An­lass be­steht. Im Un­ter­schied zu dem zi­tier­ten vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist der Jah­res­bo­nus hier im Ver­trag der Kläge­rin nicht erwähnt, so dass sich nicht die Fra­ge der Ver­trags­in­halts­kon­trol­le stellt, son­dern le­dig­lich die Fra­ge, ob ent­we­der ei­ne kon­klu­den­te Ver­tragsände­rung oder ei­ne be­trieb­li­che Übung auf­grund des Ver­hal­tens der Be­klag­ten an­zu­neh­men ist. Letz­te­res ist wie oben aus­geführt nicht der Fall.

 

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Aus die­sem Grund ist die Be­ru­fung der Kläge­rin nach § 97 Abs. 1 ZPO auf ih­re Kos­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Re­vi­si­on war nach § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­zu­las­sen, da die Rechts­fra­ge, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen bei der Zah­lung von Jah­res­bo­ni, die ei­nen er­heb­li­chen An­teil am Ge­samt­ein-kom­men des Ar­beit­neh­mers aus­ma­chen, ei­ne be­trieb­li­che Übung oder ein in­di­vi­du­el­ler ver­trag­li-cher An­spruch ent­ste­hen kann, grundsätz­li­che Be­deu­tung hat.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. schrift­lich Re­vi­si­on ein­le­gen. Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat, die Re­vi­si­ons­be­gründung in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten bei dem

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­on und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten un-ter­zeich­net sein. Als Pro­zess­be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

a. Rechts­anwälte,
b. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
c. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 11 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 ArbGG erfüllen.

In den Fällen der lit. b und c müssen die han­deln­den Per­so­nen die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

 

Till­manns

Bau­er

Müller

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