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ARBEITSRECHT AKTUELL // 11/162

Klei­der­ord­nung und Out­fit-Vor­ga­ben per Be­triebs­ver­ein­ba­rung

Wel­che Vor­ga­ben kann ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu Fri­sur, Bart­tracht und Be­klei­dung ma­chen?: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Be­schluss vom 18.08.2010, 3 TaBV 15/10
Klei­der­vor­schrif­ten per Be­triebs­ver­ein­ba­rung
22.08.2011. Das Recht auf freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit ist in Art. 2 Abs. 1 Grund­ge­setz (GG) ga­ran­tiert und um­fasst auch die Ent­schei­dung über das ei­ge­ne Aus­se­hen, d.h. über Be­klei­dung, die Fri­sur und ei­ne Bart­tracht. Die­ses Recht muss auch der Ar­beit­ge­ber re­spek­tie­ren. An­de­rer­seits le­gen v.a. Dienst­leis­tungs­be­trie­be Wert auf ein ge­pfleg­tes Out­fit ih­rer Mit­ar­bei­ter, so dass Dienst­an­wei­sun­gen zur Klei­der­ord­nung ein­schließ­lich Haar­tracht, Bär­ten, Fin­ger­nä­geln und Schmin­ke weit ver­brei­tet sind - und oft um­strit­ten.

Gibt es ei­nen Be­triebs­rat, hat er hier ein Mit­be­stim­mungs­recht in so­zia­len An­ge­le­gen­hei­ten ge­mäß § 87 Abs.1 Nr.1 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG), da es um Fra­gen der "Ord­nung des Be­triebs" geht. Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen zum Er­schei­nungs­bild und Dienst­klei­dung kön­nen aber trotz Mit­wir­kung des Be­triebs­rats Ar­beit­neh­mer­rech­te zu sehr be­schnei­den, wie ein Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln (LAG) vom 18.08.2010 (3 TaBV 15/10) zeigt.

Ein Un­ter­neh­men der Flug­gast­kon­trol­le stritt mit dem Be­triebs­rat über die Recht­mä­ßig­keit ein­zel­ner Punk­te ei­ner be­triebs­über­grei­fen­den Ge­samt­be­triebs­ver­ein­ba­rung. Her­aus kam, dass ge­gen die Pflicht zu ge­wa­sche­nen Haa­ren, kur­zen Fin­ger­nä­geln und ei­ner fri­schen Ra­sur nichts ein­zu­wen­den ist. Auch Un­ter­wä­sche kann an­ge­ord­net wer­den, da das die Halt­bar­keit der Dienst­klei­dung er­höht. Nicht rech­tens sind aber ein Ver­bot mehr­far­bi­ger Fin­ger­na­gel­la­ckie­rung und künst­li­cher Haa­re, d.h. ein Tou­pet­ver­bot.

Fa­zit: Der Be­schluss ist rechts­kräf­tig, da das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) den Fall nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men hat (BAG, Be­schluss vom 17.05.2011, 1 ABN 2/11). Das LAG Köln hat ziem­lich weit­ge­hen­de Ein­schrän­kun­gen des Per­sön­lich­keits­rechts für rech­tens er­klärt. Da der Ar­beit­ge­ber der­ar­ti­ge Fra­gen im­mer nur mit dem Be­triebs­rat zu­sam­men ent­schei­den kann, ha­ben Be­triebs­rä­te hier ei­ne gro­ße Ver­ant­wor­tung, sich für das Per­sön­lich­keits­recht und die Pri­vat­sphä­re der Ar­beit­neh­mer ein­zu­set­zen.

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Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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Thomas Becker
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