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Arbeitsrecht aktuell: 12/030 Kein Weihnachtsgeld nach Kündigung
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BAG erlaubt Weihnachtsgeldklausel, die den Anspruch im gekündigten Arbeitsverhältnis allgemein ausschließt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
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19.01.2012. Anders als ein 13. Gehalt soll ein Weihnachtsgeld nicht (oder nicht nur) die im vergangenen Jahr erbrachte Arbeitsleistung bezahlen, sondern (auch oder vor allem) die "Betriebstreue" des Arbeitnehmers honoriern. Daher können Arbeitnehmer vom Weihnachtsgeld durch arbeitsvertragliche Gratifikationsklauseln ausgeschlossen werden, die zum Auszahlungszeitpunkt im gekündigten Arbeitsverhältnis stehen, bereits ausgeschieden sind oder bis zum 31. März des Folgejahres ausscheiden.
Aber kann ein vom Arbeitgeber ausgearbeiteter Formulararbeitsvertrag auch vorsehen, dass unterschiedslos alle Arbeitnehmer vom Weihnachtsgeld ausgeschlossen sind, wenn sie zum Auszahlungszeitpunkt "im gekündigten Arbeitsverhältnis" stehen, d.h. ohne Rücksicht darauf, ob der Arbeitnehmer gekündigt hat oder der Arbeitgeber? Dann würde dem Arbeitnehmer im Falle einer vom Arbeitgeber ausgesprochenen betriebsbedingten Kündigung die größte Betriebstreue nichts nützen - er würde vom Weihnachtsgeld auch dann ausgeschlossen, wenn er das Arbeitsverhältnis lieber fortgesetzt hätte.
Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm hat hier vor gut einem Jahr entschieden, dass eine vom Arbeitgeber ausgesprochene betriebsbedingte Kündigung den Weihnachtsgeldanspruch nicht zu Fall bringen kann. Genauer gesagt: Soll das Weihnachtsgeld gemäß den vom Arbeitgeber erstellten Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) im gekündigten Arbeitsverhältnis entfallen, muss eine solche Weihnachtsgeldklausel laut LAG Hamm den Fall einer betriebsbedingten Kündigungen ausdrücklich ausnehmen (LAG Hamm, Urteil vom 16.09.2010, 15 Sa 812/10 - wir berichteten darüber in: Arbeitsrecht aktuell 10/245 Weihnachtsgeld auch im gekündigten Arbeitsverhältnis).
In dem Streitfall hatte eine Arbeitnehmerin im November eine ordentliche betriebsbedingte Kündigung erhalten, so dass sie sich am 30. November im gekündigten Arbeitsverhältnis befand. Der vom Arbeitgeber erstellte Formulararbeitsvertrag sah ein Ende November fälliges Weihnachtsgeld vor, enthielt aber außerdem die Regelung, dass der "Anspruch auf Gratifikation ausgeschlossen ist, wenn sich das Anstellungsverhältnis im Zeitpunkt der Auszahlung in gekündigtem Zustand befindet.“ Der Arbeitgber verweigerte unter Hinweis auf diese Vertragsklausel das Weihnachtsgeld. Die Arbeitnehmerin klagte und erhielt vor dem Arbeitsgericht Bochum (Urteil vom 15.04.2010, 3 Ca 228/10) und vor dem LAG Hamm (LAG Hamm, Urteil vom 16.09.2010, 15 Sa 812/10) recht.
Diese Entscheidungen hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) gestern aufgehoben und zugunsten des Arbeitgebers entschieden (BAG, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10 - Pressemitteilung). Soweit das der derzeit allein vorliegenden Pressemitteilung des BAG zu entnehmen ist, ließ sich das BAG dabei von folgenden Überlegungen leiten:
Ob eine Sonderzuwendung wie z.B. ein Weihnachtsgeld unter die Bedingung gestellt werden kann, dass das Arbeitsverhältnis zum Auszahlungszeitpunkt ungekündigt besteht, hängt davon ab, welcher Zweck mit der Zuwendung verfolgt wird. Wenn eine Zahlung wie im Streitfall nur von dem Bestand des Arbeitsverhältnisses abhängig gemacht wird, ist eine entsprechende Klausel mit der gesetzlichen Grundkonzeption des § 611 Bürgerliches Gesetzbuch BGB zu vereinbaren und hält einer Inhaltskontrolle stand.
Einziger Lichtblick für die Klägerin: Möglicherweise hatte der Arbeitgeber allein zu dem Zweck gekündigt, ihr das Weihnachtsgeld vorzuenthalten. Immerhin hatte die Klägerin behauptet, ihr sei gekündigt worden, weil sie nicht freiwillig auf die Zahlung der Weihnachtsgratifikation verzichtet habe. Sollte das so sein, hätte der Arbeitgeber den Eintritt der Bedingung (das Gekündigtsein des Arbeitsverhältnisses) treuwidrig im Sinne von § 162 Abs.2 BGB herbeigeführt, so dass die Bedingung als nicht eingetreten gilt.
Fazit: Ein gewinn- und leistungsabhängiger Bonus kann gekündigten Arbeitnehmern nicht generell versagt werden. Das hat das BAG bereits mehrfach als unangemessene Benachteiligung des Arbeitnehmers im Sinne von § 307 Abs. 1 BGB bewertet (BAG, Urteil vom 24.10.2007, 10 AZR 825/06; vgl. auch Urteil vom 06.05.2009, 10 AZR 443/08). Diese Entscheidungen sind allerdings zu Vergütungsbestandteilen ergangen und nicht zu Gratifikationen, mit denen die Betriebstreue honoriert werden soll. Das LAG Hamm glaubte, diese Entscheidungen auf das klassische Weihnachtsgeld übertragen zu können. Hier hat das BAG nicht mitgemacht.
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Letzte Überarbeitung: 13. Februar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hamburg, 24.05.2012 Fristlose Kündigung:
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11
Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
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