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BAG, Be­schluss vom 17.12.2019, 1 ABR 25/18

   
Schlagworte: Wirtschaftsausschuss, Einigungsstelle, Betriebsrat
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 1 ABR 25/18
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 17.12.2019
   
Leitsätze:

1. Die Zuständigkeit einer Einigungsstelle nach § 109 BetrVG setzt nicht voraus, dass der Wirtschaftsausschuss über sein an den Unternehmer gerichtetes Auskunfts- oder Vorlageverlangen zuvor einen (ordnungsgemäßen) Beschluss gefasst hat.

 

2. § 106 Abs. 2 Satz 1 BetrVG verpflichtet den Unternehmer, den Wirtschaftsausschuss über die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Unternehmens anhand aussagekräftiger Unterlagen zu unterrichten. Einer zusätzlichen Erforderlichkeitsprüfung bedarf es nicht.

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Vorinstanzen: Arbeitsgericht Brandenburg an der Havel, Beschluss vom 14.12.2017, 4 BV 14/17,
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 02.05.2018, 4 TaBV 111/18 -
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 25/18
4 TaBV 111/18
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
17. De­zem­ber 2019

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­le­rin, Be­schwer­deführe­rin und Rechts­be­schwer­deführe­rin,

 

2.

 

 

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 17. De­zem­ber 2019 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt K. Schmidt und Dr. Ah­rendt so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin We­ge und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Züfle für Recht er­kannt:

 

- 2 -

Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 2. Mai 2018 - 4 TaBV 111/18 - wird zurück­ge­wie­sen.

 

Von Rechts we­gen!

 

Gründe

 

 

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Pflicht zur Vor­la­ge von Un­ter­la­gen an den Wirt­schafts­aus­schuss.

1

Die Ar­beit­ge­be­rin be­treibt in Bran­den­burg in den Or­ten L, T und B drei psych­ia­tri­sche Fach­kran­kenhäuser, in de­nen je­weils ein Be­triebs­rat gewählt ist. Es sind ein Ge­samt­be­triebs­rat und ein Wirt­schafts­aus­schuss er­rich­tet.

2

Die Ar­beit­ge­be­rin schließt nach Maßga­be der Ver­ord­nung zur Re­ge­lung der Kran­ken­haus­pfle­gesätze (Bun­des­pfle­ge­geld­ver­ord­nung - BPflV) für je­des Jahr und für je­des ih­rer Kran­kenhäuser mit den zuständi­gen Kran­ken­kas­sen schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen (Bud­get­ver­ein­ba­run­gen). Die Ver­hand­lun­gen zum Ab­schluss die­ser Bud­get­ver­ein­ba­run­gen fin­den häufig erst im lau­fen­den Ka­len­der­jahr statt. Die Ge­genstände, wel­che die Ver­trags­par­tei­en in den kran­ken­haus­in­di­vi­du­el­len Bud­get­ver­ein­ba­run­gen be­han­deln dürfen, sind in der Bun-des­pfle­ge­geld­ver­ord­nung fest­ge­legt. Die ab­ge­schlos­se­nen Bud­get­ver­ein­ba­run­gen wer­den nach Ge­neh­mi­gung durch die zuständi­ge Lan­des­behörde wirk­sam.

3

Die Ar­beit­ge­be­rin leg­te die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die drei Fach­ kran­kenhäuser in der Ver­gan­gen­heit dem Wirt­schafts­aus­schuss vor. An­fang Ja­nu­ar 2017 bat die­ser die Ar­beit­ge­be­rin ver­geb­lich um Vor­la­ge der Bud­get­ver­ein­ba­run­gen auch für die Jah­re 2015 und 2016. Die dar­auf­hin vom Ge­samt­be­triebs­rat an­ge­ru­fe­ne Ei­ni­gungs­stel­le be­schloss auf des­sen An­trag am 12. Ju­li 2017 aus­zugs­wei­se fol­gen­den Spruch:

„hat die Ei­ni­gungs­stel­le ... die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet, den Wirt­schafts­aus­schuss an­hand der nach­ste­hen­den Un­ter­la­gen zu un­ter­rich­ten:

 

- 3 -

  1. Vor­la­ge der Bud­getab­schlüsse der Ar­beit­ge­be­rin mit den Kran­ken­kas­sen für al­le Be­triebs­tei­le in L, T und B der Jah­re 2015 und 2016“.

 

4

Die Ar­beit­ge­be­rin hat gel­tend ge­macht, der ihr am 19. Ju­li 2017 zu­ge­lei­te­te Spruch sei (in­so­weit) un­wirk­sam. Sie sei nicht ver­pflich­tet, dem Wirt­schafts­aus­schuss die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen vor­zu­le­gen. Die Aus­wahl der für des­sen Un­ter­rich­tung er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen lie­ge in ih­rem Er­mes­sen. Un­ge­ach­tet des­sen verfüge der Wirt­schafts­aus­schuss be­reits über al­le not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen. Zu­dem würden - wor­auf sich die Ar­beit­ge­be­rin erst­mals in der Rechts­be­schwer­de be­ruft - bei ei­ner Vor­la­ge Geschäfts- und Be­triebs­ge­heim­nis­se gefähr­det.

5

Die Ar­beit­ge­be­rin hat zu­letzt be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le vom 12. Ju­li 2017 in­so­weit un­wirk­sam ist, als sie ver­pflich­tet wor­den ist, den Wirt­schafts­aus­schuss un­ter Vor­la­ge ih­rer Bud­getab­schlüsse mit den Kran­ken­kas­sen für al­le Be­triebs­tei­le in L, T und B der Jah­re 2015 und 2016 zu un­ter­rich­ten.

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Der Ge­samt­be­triebs­rat hat An­trags­ab­wei­sung be­an­tragt. 7

Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­wie­sen. Die von ihr ein­ge­leg­te Be­schwer­de hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Ar­beit­ge­be­rin ihr Be­geh­ren wei­ter.

8

B. Die Rechts­be­schwer­de der Ar­beit­ge­be­rin bleibt er­folg­los. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat de­ren Be­schwer­de ge­gen den an­trags­ab­wei­sen­den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts im Er­geb­nis zu Recht zurück­ge­wie­sen. Der zulässi­ge An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ist un­be­gründet.

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I. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist zulässig. 10

1. Der An­trag be­darf der Aus­le­gung. Zwar be­zieht er sich nach sei­nem Wort­laut aus­sch­ließlich auf die Fest­stel­lung, dass der Spruch der Ei­ni­gungs­s­tel­le vom 12. Ju­li 2017 un­wirk­sam ist. Wie die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­ge­be­ne

 

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Be­gründung er­ken­nen lässt, zielt er je­doch zu­dem auf die Fest­stel­lung ab, dass sie nicht ver­pflich­tet ist, dem Wirt­schafts­aus­schuss die mit den Kran­ken­kas­sen für die drei Fach­kran­kenhäuser ab­ge­schlos­se­nen Bud­get­ver­ein­ba­run­gen der Jah­re 2015 und 2016 vor­zu­le­gen. We­gen der Be­son­der­hei­ten des Ei­ni­gungs-stel­len­ver­fah­rens nach § 109 Be­trVG ge­bie­tet auch die er­kenn­ba­re In­ter­es­sen­la­ge der Ar­beit­ge­be­rin in der Re­gel ein sol­ches An­trags­verständ­nis.

11

a) Nach § 109 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG ent­schei­det die Ei­ni­gungs­stel­le, wenn ei­ne Aus­kunft über wirt­schaft­li­che An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens iSd. § 106 Be­trVG ent­ge­gen dem Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses nicht, nicht recht­zei­tig oder nur un­genügend er­teilt wird und hierüber zwi­schen Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kommt. Das in § 109 Be­trVG nor­mier­te Kon­fliktlösungs­ver­fah­ren ist für Aus­ein­an­der­set­zun­gen über Grund, Um­fang und Mo­da­litäten der Un­ter­rich­tungs- und Vor­la­ge­pflicht des Un­ter­neh­mers nach § 106 Abs. 2 Be­trVG vor­ge­se­hen (vgl. BAG 12. Fe­bru­ar 2019 - 1 ABR 37/17 - Rn. 14, BA­GE 165, 330). Die Vor­schrift be­gründet ei­ne ge­setz­li­che Primärzuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le; bei Kon­flik­ten über ein Aus­kunfts­ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses soll das Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren als vor­ge­schal­te­tes Ver­fah­ren den Be­triebs­par­tei­en die Möglich­keit ei­ner ra­schen Ei­ni­gung auf be­trieb­li­cher Ebe­ne eröff­nen (vgl. BAG 11. Ju­li 2000 - 1 ABR 43/99 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 95, 228).

12

b) Da der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le nach den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben in § 109 Satz 2 Be­trVG die Ei­ni­gung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat er­setzt, ist der Ar­beit­ge­ber nach § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ver­pflich­tet, den - auf ei­ne hin­rei­chend be­stimm­te Leis­tungs­ver­pflich­tung er­ken­nen­den - Spruch durch­zu­führen (vgl. in die­sem Sinn auch BAG 8. Au­gust 1989 - 1 ABR 61/88 - zu B II 1 der Gründe, BA­GE 62, 294; DKKW/Däubler 16. Aufl. § 109 Rn. 13; Oet­ker GK-Be­trVG 11. Aufl. § 109 Rn. 35: „ei­genständi­ge An­spruchs­grund­la­ge“). Will er dem nicht nach­kom­men, muss er des­sen Un­wirk­sam­keit ge­richt­lich gel­tend ma­chen. Der die­sem Be­geh­ren ent­spre­chen­de An­trag ist auf ei­ne Fest­stel­lung zu rich­ten, da ei­ne ge­richt­li­che Ent­schei­dung über die Wirk­sam­keit des Spruchs

 

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le­dig­lich fest­stel­len­de Wir­kung hat (vgl. et­wa BAG 22. März 2016 - 1 ABR 10/14 - Rn. 27 mwN, BA­GE 154, 322).

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c) An­ders als ei­nem Ei­ni­gungs­stel­len­spruch in den An­ge­le­gen­hei­ten der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung (§ 87 Abs. 2 Be­trVG) kommt dem Spruch nach § 109 Satz 2 Be­trVG al­ler­dings kei­ne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung zu. Die Ei­ni­gungs­stel­le hat über die Be­rech­ti­gung ei­nes vom Wirt­schafts­aus­schuss gel­tend ge­mach­ten Ver­lan­gens und da­mit über den In­halt ge­setz­lich de­fi­nier­ter Ansprü­che zu be­fin­den. Ih­re Ent­schei­dung be­trifft kei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Re­ge­lungs­fra­gen, son­dern Rechts­fra­gen (vgl. BAG 12. Fe­bru­ar 2019 - 1 ABR 37/17 - Rn. 14, BA­GE 165, 330; Fit­ting 29. Aufl. § 109 Rn. 1, 5; An­nuß in Ri­char­di Be­trVG 16. Aufl. § 109 Rn. 19; DKKW/Däubler 16. Aufl. § 109 Rn. 13; Oet­ker GK-Be­trVG 11. Aufl. § 109 Rn. 35 f.; ErfK/Ka­nia 20. Aufl. Be­trVG § 109 Rn. 1). Bei der Be­ur­tei­lung, wann, in wel­cher Art und Wei­se und un­ter Vor­la­ge wel­cher Un­ter­la­gen ei­ne Aus­kunft zu er­fol­gen hat, wen­det die Ei­ni­gungs­stel­le le­dig­lich die in § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ent­hal­te­nen un­be­stimm­ten Rechts­be­grif­fe an, trifft je­doch kei­ne in ih­rem Er­mes­sen ste­hen­de Ent­schei­dung. Aus die­sem Grund un­ter­liegt ihr Spruch auch kei­ner ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Kon­trol­le nach § 76 Abs. 5 Be­trVG, son­dern ei­ner um­fas­sen­den Rechts­kon­trol­le (vgl. BAG 11. Ju­li 2000 - 1 ABR 43/99 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 95, 228). Macht der Ar­beit­ge­ber die Un­wirk­sam­keit ei­nes ei­ne Un­ter­rich­tungs- oder Vor­la­ge­pflicht er­ken­nen­den Spruchs gel­tend, will er da­her - so­fern kei­ne ge­gen­tei­li­gen An­halts­punk­te be­ste­hen - re­gelmäßig nicht nur den Ei­ni­gungs­stel­len­spruch ge­richt­lich für un­wirk­sam erklären, son­dern auch fest­stel­len las­sen, dass kei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung be­steht, dem zu-grun­de­lie­gen­den Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses nach­zu­kom­men. Nur mit ei­nem sol­chen An­trags­verständ­nis wird der zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en be­ste­hen­de Streit über den Un­ter­rich­tungs-/Vor­la­ge­an­spruch des Wirt­schafts­aus­schus­ses oder sei­nen Mo­da­litäten ab­sch­ließend geklärt.

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2. Der so ver­stan­de­ne An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt, § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Die strit­ti­ge Vor­la­ge­ver­pflich­tung ist in­halt­lich aus­rei­chend deut­lich. Wie die in der Ver­gan­gen­heit bei der Ar­beit­ge­be­rin geübte Pra­xis zeigt, be­steht über

 

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das dem Be­griff des „Vor­le­gens“ zu­grun­de­lie­gen­de Verständ­nis zwi­schen den Be­tei­lig­ten kein Streit.

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3. Der An­trag ist nach § 256 Abs. 1 ZPO zulässig. 16

a) Das (Nicht-)Be­ste­hen ei­ner - durch die er­set­zen­de Wir­kung ei­nes (wirk­sa­men) Spruchs nach § 109 Satz 2 Be­trVG fin­gier­ten - kon­kre­ten Ei­ni­gung der Be­triebs­par­tei­en ist eben­so ein Rechts­verhält­nis, wel­ches ei­ner ge­richt­li­chen Fest­stel­lung zugäng­lich ist, wie die Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge be­stimm­ter Un­ter­la­gen an den Wirt­schafts­aus­schuss nach § 106 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG. Da die Be­tei­lig­ten hierüber strei­ten, hat die Ar­beit­ge­be­rin an der be­gehr­ten Fest­s­tel­lung ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se.

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b) Unschädlich ist, dass sich ihr An­trag nur ge­gen ei­nen Teil der im an­ge­foch­te­nen Spruch aus­ge­spro­che­nen Un­ter­rich­tungs- und Vor­la­ge­ver­pflich­tun­gen rich­tet. Die An­fech­tung be­zieht sich auf ein selbständig fest­stell­ba­res Teil­rechts­verhält­nis, da die Be­triebs­par­tei­en den übri­gen In­halt des Spruchs über­ein­stim­mend gel­ten las­sen wol­len. Das be­geg­net kei­nen Be­den­ken (vgl. BAG 18. Ju­li 2017 - 1 ABR 59/15 - Rn. 9, BA­GE 159, 360).

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II. Der An­trag ist un­be­gründet. Der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le ist - so­weit er Ge­gen­stand der Rechts­be­schwer­de ist - wirk­sam. Die Ar­beit­ge­be­rin ist nach § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ver­pflich­tet, dem Wirt­schafts­aus­schuss die für ih­re drei Fach­kran­kenhäuser ab­ge­schlos­se­nen Bud­get­ver­ein­ba­run­gen der Jah­re 2015 und 2016 vor­zu­le­gen.

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1. Die Wirk­sam­keit des an­ge­foch­te­nen Ei­ni­gungs­stel­len­spruchs schei­tert nicht dar­an, dass die­ser nicht dem Schrift­form­ge­bot des § 76 Abs. 3 Satz 4 Be­trVG genügt. Un­abhängig da­von, dass der den Be­triebs­par­tei­en zu­ge­lei­te­te Spruch vor­lie­gend vom Ei­ni­gungs­stel­len­vor­sit­zen­den un­ter­schrie­ben war, hätte ein sol­cher Form­feh­ler im Rah­men des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens nach § 109 Be­trVG nicht des­sen Un­wirk­sam­keit zur Fol­ge. Dies be­dingt der be­son­de­re Ge­gen­stand die­ses Ver­fah­rens.

 

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a) Nach § 76 Abs. 3 Satz 4 Be­trVG sind die Be­schlüsse der Ei­ni­gungs­s­tel­le schrift­lich nie­der­zu­le­gen, vom Vor­sit­zen­den zu un­ter­schrei­ben und Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat zu­zu­lei­ten. Das Schrift­form­ge­bot in § 76 Abs. 3 Satz 4 Be­trVG dient vor­ran­gig der Rechts­si­cher­heit. Die Un­ter­schrift des Vor­sit­zen­den be­ur­kun­det und do­ku­men­tiert den Wil­len der Ei­ni­gungs­stel­len­mit­glie­der (vgl. zu­letzt BAG 13. Au­gust 2019 - 1 ABR 6/18 - Rn. 16 mwN).

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a) In den An­ge­le­gen­hei­ten der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung ist die Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Schrift­form in § 76 Abs. 3 Satz 4 Be­trVG Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­spruchs (vgl. zu­letzt BAG 13. Au­gust 2019 - 1 ABR 6/18 - Rn. 16 mwN). Maßge­bend hierfür ist, dass für die Be­triebs­par­tei­en und die im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer durch die Schrift­form rechts­si­cher bestätigt wer­den soll, dass das vom Vor­sit­zen­den un­ter­zeich­ne­te Schriftstück das von der Ei­ni­gungs­stel­le be­schlos­se­ne Re­gel­werk enthält. Die Be­ur­kun­dung und Do­ku­men­ta­ti­on ist er­for­der­lich, weil dem - die feh­len­de Ei­ni­gung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat er­set­zen­den - Ei­ni­gungs­stel­len-spruch erst dann die glei­che nor­ma­ti­ve Wir­kung (§ 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG) wie ei­ner von den Be­triebs­par­tei­en ge­schlos­se­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung zu­kom­men kann (vgl. zu­letzt BAG 13. Au­gust 2019 - 1 ABR 6/18 - Rn. 16 mwN). Zu­dem sol­len die im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer da­durch er­ken­nen können, dass das vom Ar­beit­ge­ber nach § 77 Abs. 2 Satz 3 Be­trVG an ge­eig­ne­ter Stel­le aus­zu­le­gen­de Re­gel­werk auch tatsächlich von der Ei­ni­gungs­stel­le be­schlos­sen wur­de und da­mit auf ei­ner er­zwun­ge­nen Ei­ni­gung der Be­triebs­par­tei­en be­ruht (vgl. ausf. BAG 14. Sep­tem­ber 2010 - 1 ABR 30/09 - Rn. 16 ff., BA­GE 135, 285).

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a) Die­se für das Schrift­form­ge­bot als Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung tra­gen­ den Erwägun­gen grei­fen bei ei­nem von ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le iSv. § 109 Be­trVG be­schlos­se­nen Spruch nicht. Die­ser schafft kein im Be­trieb für die Ar­beit­neh­mer gel­ten­des Re­gel­werk, son­dern be­trifft le­dig­lich ei­ne in­ter­ne An­ge­le­gen­heit zwi­schen Ar­beit­ge­ber und (Ge­samt-)Be­triebs­rat. Gemäß § 109 Satz 2 Be­trVG er­setzt der Spruch die nach Satz 1 der Norm zu­vor nicht zu­stan­de ge­kom­me­ne Ei­ni­gung der Be­triebs­par­tei­en über ein Aus­kunfts­be­geh­ren des Wirt­schafts­aus-

 

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schus­ses. Da­mit ent­spricht er funk­tio­nal ei­ner Re­ge­lungs­ab­re­de der Be­triebs­par­tei­en. Für die­se ord­net § 77 Be­trVG we­der ei­ne ih­re Wirk­sam­keit be­din­gen­de Schrift­form noch ein Ge­bot zur Aus­le­gung im Be­trieb an. Dem­ent­spre­chend ha­ben Verstöße ge­gen das Schrift­form­ge­bot des § 76 Abs. 3 Satz 4 Be­trVG auch im Rah­men ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens nach § 109 Be­trVG nicht die Un­wirk­sam­keit des Spruchs zur Fol­ge.

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2. Die Ei­ni­gungs­stel­le verfügte über ei­ne Spruch­kom­pe­tenz. 24

a) Gemäß § 109 Satz 1 und Satz 2 Be­trVG ent­schei­det die Ei­ni­gungs­stel­le durch Spruch, wenn ent­ge­gen dem Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses ei­ne Aus­kunft über wirt­schaft­li­che An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens iSd. § 106 Be­trVG nicht, nicht recht­zei­tig oder nur un­genügend er­teilt wird und hierüber zwi­schen Un­ter­neh­mer und Be­triebs­rat kei­ne Ei­ni­gung zu­stan­de kommt.

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b) Die­se Vor­aus­set­zun­gen la­gen vor. Die Ei­ni­gungs­stel­le war zur Ent­schei­dung be­fugt.

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aa) Der Wirt­schafts­aus­schuss for­der­te die Ar­beit­ge­be­rin An­fang Ja­nu­ar 2017 ver­geb­lich auf, ihm die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die Jah­re 2015 und 2016 vor­zu­le­gen.

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(1) Die­ses Aus­kunfts­be­geh­ren hat der Ei­ni­gungs­stel­le ei­ne Spruch­kom­pe­tenz ver­mit­telt. Nach der ge­setz­li­chen Kon­zep­ti­on des § 109 Be­trVG wird durch das Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses der Zuständig­keits­rah­men der Ei­ni­gungs­stel­le ab­ge­steckt. Nur ein Ver­lan­gen, dass hin­rei­chend be­stimmt auf die Er­tei­lung ei­ner Aus­kunft, die Vor­la­ge be­stimm­ter Un­ter­la­gen, de­ren je­wei­li­ge Zeit­punk­te oder de­ren sons­ti­ge Mo­da­litäten ge­rich­tet ist, ver­mag ih­re Zustän­dig­keit zu be­gründen. Aus­sch­ließlich auf der Grund­la­ge kon­kre­ter Vor­ga­ben kann die Ei­ni­gungs­stel­le be­ur­tei­len, über wel­che Kon­flik­te der Be­triebs­par­tei­en - und da­mit wel­che Rechts­fra­gen - sie zu be­fin­den hat. Da die er­for­der­li­che Spruch­kom­pe­tenz der Ei­ni­gungs­stel­le spätes­tens bei Be­schluss­fas­sung ge­ge­ben sein muss, genügt es, wenn zu die­sem Zeit­punkt das (er­folg­lo­se) Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses hin­rei­chend kon­kret ge­fasst ist.

 

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(2) Un­er­heb­lich ist, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen hat, ob der Wirt­schafts­aus­schuss über sein Ver­lan­gen zu­vor ei­nen ent­spre­chen­den Be­schluss ge­fasst hat. Auch des­sen feh­len­de oder nicht ord­nungs­gemäße Be­schluss­fas­sung stünde ei­ner Zuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le nicht ent­ge­gen (aA LAG Schles­wig-Hol­stein 24. No­vem­ber 2016 - 4 TaBV 40/16 - zu II 1 der Gründe; LAG Düssel­dorf 26. Fe­bru­ar 2016 - 4 TaBV 8/16 - zu II der Gründe; LAG Hamm 2. No­vem­ber 2015 - 13 TaBV 70/15 - zu B der Gründe; Oet­ker GK-Be­trVG 11. Aufl. § 109 Rn. 17 mwN). Ei­ne sol­che for­mel­le Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung gibt § 109 Satz 1 Be­trVG nicht vor.

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(a) So­wohl der in § 109 Be­trVG an­ge­leg­te Ei­ni­gungs­vor­rang zwi­schen Be­triebs­rat und Un­ter­neh­mer als auch die Vor­ga­ben des § 76 Abs. 2 Satz 1 bzw. Abs. 5 Satz 1 iVm. Abs. 2 Satz 2 Be­trVG las­sen er­ken­nen, dass es für die Ein­lei­tung des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens auf die Wil­lens­bil­dung des Be­triebs­rats, nicht auf die des Wirt­schafts­aus­schus­ses an­kommt. Der Be­triebs­rat hat es in der Hand, durch ei­ne Ei­ni­gung mit dem Ar­beit­ge­ber den Streit über ein Aus-kunfts- oder Vor­la­ge­ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses bei­zu­le­gen. Ei­ne ent­spre­chen­de Ei­ni­gung ist für die Mit­glie­der des Wirt­schafts­aus­schus­ses bin­dend (Fit­ting 29. Aufl. § 109 Rn. 8; DKKW/Däubler 16. Aufl. § 109 Rn. 7; WPK/Preis 4. Aufl. Be­trVG § 109 Rn. 3; An­nuß in Ri­char­di Be­trVG 16. Aufl. § 109 Rn. 13). Kommt ei­ne sol­che nicht zu­stan­de, so ob­liegt es der al­lei­ni­gen Ent­schei­dung des Be­triebs­rats, ob er die Ei­ni­gungs­stel­le an­ruft. Der Wirt­schafts­aus­schuss ist hier­zu - selbst bei ent­spre­chen­der Be­schluss­fas­sung - nicht be­fugt (vgl. Oet­ker GK-Be­trVG 11. Aufl. § 109 Rn. 29; H/W/G/N/R/H/Hess 10. Aufl. § 109 Rn. 16).

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(a) Ge­gen die An­nah­me, nur ei­ne wirk­sa­me Be­schluss­fas­sung auch des Wirt­schafts­aus­schus­ses ver­mitt­le der Ei­ni­gungs­stel­le ei­ne Spruch­kom­pe­tenz, spricht zu­dem sei­ne Funk­ti­on als Hilfs­or­gan des Be­triebs­rats. In die­ser Funk­ti­on dient er letzt­lich nur der Erfüllung von Auf­ga­ben des Be­triebs­rats (BAG 15. März 2006 - 7 ABR 24/05 - Rn. 23; 9. Mai 1995 - 1 ABR 61/94 - zu B I 2 und II 2 a der Gründe je­weils mwN, BA­GE 80, 116). Der Wirt­schafts­aus­schuss ist selbst we­der Träger von Mit­be­stim­mungs- oder Be­tei­li­gungs­rech­ten, noch ist er

 

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be­fugt, die Erfüllung von Aus­kunfts- oder Vor­la­ge­ansprüchen nach § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG vor Ge­richt ein­zu­for­dern (vgl. BAG 9. Mai 1995 - 1 ABR 61/94 - zu B I 2 und II 2 a der Gründe je­weils mwN, aaO). Dem­ent­spre­chend sind Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über die Aus­kunfts­pflich­ten des Un­ter­neh­mers ge­gen­über dem Wirt­schafts­aus­schuss auch im Rah­men des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah-rens nach § 109 Be­trVG nicht von die­sem, son­dern vom Be­triebs­rat mit dem Un­ter­neh­mer aus­zu­tra­gen (BAG 15. März 2006 - 7 ABR 24/05 - Rn. 23). Ent­schei­det sich der Be­triebs­rat, durch An­ru­fung der Ei­ni­gungs­stel­le ein er­folg­lo­ses Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses ge­genüber dem Un­ter­neh­mer wei­ter­zu­ver­fol­gen, macht er da­her letzt­lich ein ei­ge­nes - le­dig­lich in­halt­lich durch das vor­her­ge­hen­de Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses be­grenz­tes - Be­geh­ren ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend. Für des­sen Durch­set­zung kann es nicht auf die (ord­nungs­gemäße) Wil­lens­bil­dung des Wirt­schafts­aus­schus­ses an­kom­men.

31

bb) Wie die An­ru­fung der Ei­ni­gungs­stel­le durch den Ge­samt­be­triebs­rat und die nach­fol­gen­den er­geb­nis­lo­sen Ver­hand­lun­gen in der­sel­ben zei­gen, konn­ten die Be­tei­lig­ten über das Vor­la­ge­ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses kein Ein­verständ­nis er­zie­len.

32

cc) Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin war die Ei­ni­gungs­stel­le auch be­rech­tigt, durch Spruch über das Ver­lan­gen des Wirt­schafts­aus­schus­ses zu be­fin­den. Des­sen Vor­la­ge­be­geh­ren be­zog sich auf ei­ne wirt­schaft­li­che An­ge­le­gen­heit des Un­ter­neh­mens iSv. § 106 Abs. 3 Be­trVG.

33

(1) Zu den wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens gehört nach § 106 Abs. 3 Nr. 1 Be­trVG des­sen wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le La­ge. Hier­zu zählen al­le Fak­to­ren, die für die wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le Ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens von Be­deu­tung sind (vgl. BAG 8. Au­gust 1989 - 1 ABR 61/88 - zu B II 3 a der Gründe, BA­GE 62, 294).

34

(2) Die in den Bud­get­ver­ein­ba­run­gen mit den Kran­ken­kas­sen be­han­del­ten Ge­genstände sind für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der Ar­beit­ge­be­rin be­deut­sam.

 

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(a) Der In­halt der Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die Jah­re 2015 und 2016 hängt da­von ab, ob die Ar­beit­ge­be­rin während die­ser Zeit das in § 17d des Ge­set­zes zur wirt­schaft­li­chen Si­che­rung der Kran­kenhäuser und zur Re­ge­lung der Kran­ken­haus­pfle­gesätze (Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz) idF vom 21. Ju­li 2012 vor­ge­se­he­ne Vergütungs­sys­tem ein­geführt hat. Des­sen Einführung er­folg­te nach § 3 Abs. 1 Satz 2 BPflV nur „auf Ver­lan­gen des Kran­ken­hau­ses“. Für die­je­ni­gen Kran­ken­haus­träger, die von die­ser Op­ti­on kei­nen Ge­brauch ge­macht ha­ben, gilt nach der Über­g­angs­vor­schrift in § 18 Abs. 1 BPflV idF vom 11. De­zem­ber 2018 grundsätz­lich die Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung in der am 31. De­zem­ber 2012 gel­ten­den Fas­sung (im Fol­gen­den aF) wei­ter. Zwar hat ein Großteil der be­trof­fe­nen Ein­rich­tun­gen den Um­stieg auf das „neue“ Vergü­tungs­sys­tem im Jahr 2014 voll­zo­gen (vgl. Lor­ke in: Schul­ze-Os­ter­loh/ Henn­richs/Wüste­mann Hand­buch des Jah­res­ab­schlus­ses 73. Lfg. 09.2019 Abt. VIII Die Rech­nungs­le­gung von Kran­kenhäusern Rn. 156). Ob hier­zu auch die Ar­beit­ge­be­rin gehört, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt we­der fest­ge­stellt noch lässt sich dies dem Vor­trag der Be­tei­lig­ten ent­neh­men.

36

(b) Den­noch be­durf­te es des­we­gen kei­ner Zurück­ver­wei­sung des Ver­fah­rens an das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die Jah­re 2015 und 2016 ent­hal­ten - un­ge­ach­tet des von der Ar­beit­ge­be­rin an­ge­wen­de­ten Vergütungs­sys­tems - Fak­to­ren, die für die wirt­schaft­li­che La­ge der Ar­beit­ge­be­rin von Be­deu­tung sind.

37

(aa) In ei­ner (Pfle­ge­satz)Ver­ein­ba­rung iSv. § 17 BPflV aF müssen die Ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich für ein Ka­len­der­jahr das sog. Bud­get, Art, Höhe und Lauf­zeit der ta­ges­glei­chen Pfle­gesätze so­wie die Berück­sich­ti­gung der Aus­g­lei­che und Be­rich­ti­gun­gen nach die­ser Ver­ord­nung ver­ein­ba­ren. Das Bud­get ist gemäß § 12 Abs. 1 BPflV aF für den Pfle­ge­satz­zeit­raum auf der Grund­la­ge der vor­aus­sicht­li­chen Leis­tungs­struk­tur und -ent­wick­lung des Kran­ken­hau­ses zu ver­ein­ba­ren. In ei­ner auf der Grund­la­ge von § 11 Abs. 1 Satz 1 bis 3 BPflV in der seit dem 25. Ju­li 2014 gel­ten­den Fas­sung ab­ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­rung re­geln die Ver­trags­par­tei­en hin­ge­gen grundsätz­lich für je­des Kran­ken­haus den sog. Ge­samt­be­trag, das Erlösbud­get, die Sum­me der Be­wer­tungs­re­la­tio­nen,

 

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den kran­ken­haus­in­di­vi­du­el­len Ba­sis­ent­gelt­wert, die Erlössum­me, die sons­ti­gen Ent­gel­te so­wie die Zu- und Ab­schläge und die Mehr- und Min­der­erlösaus­glei­che.

38

(bb) Da­mit ent­hal­ten die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die wirt­schaft­li­che La­ge der Ar­beit­ge­be­rin ent­schei­den­de Vor­ga­ben.

39

(aaa) Vor al­lem durch die Fest­le­gung ei­nes (Erlös)Bud­gets für die ein­zel­nen Fach­kran­kenhäuser soll der Um­fang der von die­sen zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen ge­lenkt wer­den. Das Bud­get hat die Funk­ti­on ei­ner Men­gen­steue­rung; es gibt grundsätz­lich den Rah­men vor, in­ner­halb des­sen das Kran­ken­haus Leis­tun­gen er­brin­gen kann (vgl. BSG 21. April 2015 - B 1 KR 9/15 R - Rn. 34, BS­GE 118, 225). Die von den Kran­ken­kas­sen oder den Selbst­zah­lern im lau­fen­den Ka­len­der­jahr er­brach­ten Zah­lun­gen für die ab­ge­rech­ne­ten Be­hand­lungsfälle stel­len in­so­weit le­dig­lich ei­nen Ab­schlag hier­auf dar (vgl. BVerwG 4. Mai 2017 - 3 C 17.15 - Rn. 20 mwN, BVerw­GE 159, 15). Wird das Bud­get - wie ty­pi­scher­wei­se (vgl. BSG 21. April 2015 - B 1 KR 9/15 R - Rn. 34, aaO „vergütungsmäßig [nur] im Ide­al­fall ge­nau aus­gefüllt“) - durch die tatsächlich er­ziel­ten Erlöse des Kran­ken­hau­ses un­ter- oder über­schrit­ten, hat ein Aus­gleich der Mehr- oder Min­der­erlöse über das Bud­get des nächs­ten Ver­ein­ba­rungs­zeit­raums statt­zu­fin­den (vgl. § 12 Abs. 2 Satz 1 und Satz 5 BPflV aF, § 3 Abs. 7 BPflV; vgl. BVerwG 18. März 2009 - 3 C 14.08 - Rn. 17 mwN). Die­ser er­folgt über Zu- oder Ab­schläge auf die im künf­ti­gen Ver­ein­ba­rungs­zeit­raum zu erhe­ben­den Ent­gel­te (vgl. Quaas in: Quaas/Zuck/Cle­mens Me­di­zin­recht 4. Aufl. § 26 Rn. 446).

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(bbb) Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin ist es un­er­heb­lich, dass die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen in der Pra­xis - an­ders als in § 17 Abs. 3 Satz 2 BPflV aF bzw. § 11 Abs. 3 Satz 2 BPflV vor­ge­se­hen - nicht so recht­zei­tig ab­ge­schlos­sen wer­den, dass sie spätes­tens mit Ab­lauf des lau­fen­den Ver­ein­ba­rungs­zeit­raums in Kraft tre­ten können. Zwar mögen sie da­mit die vom Ver­ord­nungs­ge­ber be­ab­sich­tig­te Steue­rungs­funk­ti­on ggf. nur noch ein­ge­schränkt erfüllen; doch folgt dar­aus nicht zwangsläufig, dass sie ih­re Funk­ti­on als In­stru­ment der Men­gen­steue­rung vollständig ver­lie­ren.

 

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(3) Die In­hal­te der von der Ar­beit­ge­be­rin ge­schlos­se­nen Bud­get­ver­ein­ba­run­gen be­tref­fen auch die wirt­schaft­li­che und fi­nan­zi­el­le La­ge ih­res Un­ter­neh­mens. Sie sind zwar kran­ken­haus­in­di­vi­du­ell und da­mit be­zo­gen auf die von ihr un­ter­hal­te­nen Be­trie­be ab­ge­schlos­sen. In ih­rer Zu­sam­men­schau ge­ben die Ver­ein­ba­run­gen je­doch Aus­kunft über die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Kran­ken­haus­trägers und da­mit der Ar­beit­ge­be­rin.

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3. Der Spruch be­geg­net auch in­halt­lich kei­nen Be­den­ken. Die Ar­beit­ge­be­rin ist ver­pflich­tet, dem Wirt­schafts­aus­schuss die Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die Jah­re 2015 und 2016 vor­zu­le­gen.

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a) Bei die­sen han­delt es sich um er­for­der­li­che Un­ter­la­gen iSv. § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG.

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aa) Gemäß § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG muss der Un­ter­neh­mer den Wirt­schafts­aus­schuss recht­zei­tig und um­fas­send über die wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens un­ter Vor­la­ge der er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen un­ter­rich­ten, so­weit da­durch nicht die Be­triebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se des Un­ter­neh­mens gefähr­det wer­den. Ent­ge­gen der An­nah­me der Ar­beit­ge­be­rin setzt der Un­ter­rich­tungs- und Vor­la­ge­an­spruch des Wirt­schafts­aus­schus­ses we­der vor­aus, dass dar­legt wird, wofür er die be­gehr­ten In­for­ma­tio­nen benötigt, noch steht die Vor­la­ge er­for­der­li­cher Un­ter­la­gen in ih­rem Aus­wahler­mes­sen. § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber viel­mehr, ei­ne Un­ter­rich­tung des Wirt­schafts­aus­schus­ses an­hand ge­eig­ne­ter und da­mit aus­sa­ge­kräfti­ger Un­ter­la­gen vor­zu­neh­men. Dies er­gibt die Aus­le­gung der Norm.

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(1) Be­reits die sprach­li­che Fas­sung von § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG lässt dar­auf schließen, dass an den Be­griff der Er­for­der­lich­keit vor­zu­le­gen­der Un­ter­la­gen kei­ne auf­ga­ben-, son­dern nur in­halts­be­zo­ge­ne An­for­de­run­gen zu stel­len sind. Die For­mu­lie­rung „un­ter Vor­la­ge ... zu un­ter­rich­ten“ bringt zum Aus­druck, dass die Pflicht zur Vor­la­ge von er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen an die Pflicht zur Un­ter­rich­tung an­knüpft und zwi­schen bei­den le­dig­lich ei­ne in­halt­li­che Kon­ne­xität ge­ge­ben sein muss.

 

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(2) Der Ver­gleich mit § 80 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 1 Be­trVG bestätigt dies. Da­nach sind dem Be­triebs­rat auf Ver­lan­gen (nur) die zur Durchführung sei­ner Auf­ga­ben er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen zur Verfügung zu stel­len. Be­dingt durch die in ih­rer fi­na­len Be­deu­tung ver­wen­de­te Präpo­si­ti­on zu(r) ist der Aus­kunfts­an­spruch des Be­triebs­rats auf­ga­ben­be­zo­gen aus­ge­stal­tet (da­zu BAG 12. März 2019 - 1 ABR 48/17 - Rn. 23 mwN). Ei­ne sol­che Vor­aus­set­zung stellt § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG nicht auf.

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(2) Al­ler­dings be­stimmt die Norm - an­ders als § 92 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG - auch nicht aus­drück­lich, dass die Un­ter­rich­tung des Wirt­schafts­aus­schus­ses „an­hand von Un­ter­la­gen“ zu er­fol­gen hat. Für ein sol­ches Verständ­nis spricht je­doch die Ge­set­zes­his­to­rie. Be­reits das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz 1952 sah in sei­nem § 67 Abs. 2 Satz 1 ei­ne Un­ter­rich­tung des Wirt­schafts­aus­schus­ses „über die wirt­schaft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens an­hand der Un­ter­la­gen“ vor. Aus­weis­lich des Aus­schuss­be­richts zum Ent­wurf des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes 1952 soll­te es sich hier­bei um die „nach La­ge des Fal­les ge­eig­ne­ten“ Un­ter­la­gen han­deln (vgl. BT-Drs. I/3585 S. 15). An die­sem Maßstab woll­te der Ge­setz­ge­ber auch durch die veränder­te sprach­li­che Fas­sung des § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG nichts ändern. Nach der Be­gründung zum Ent­wurf ei­nes Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes (BT-Drs. VI/1786 S. 53) soll­te die neue Re­ge­lung „im we­sent­li­chen dem gel­ten­den Recht“ ent­spre­chen. An­halts­punk­te, dass durch den Be­griff der Er­for­der­lich­keit an die Pflicht zur Vor­la­ge von Un­ter­la­gen wei­ter­ge­hen­de in­halt­li­che An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den soll­ten, las­sen sich dem nicht ent­neh­men.

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(2) Sys­te­ma­ti­sche Erwägun­gen stützen die­se Aus­le­gung. Durch Art. 4 Nr. 1 Buchst. a des Ge­set­zes zur Be­gren­zung der mit Fi­nanz­in­ves­ti­tio­nen ver­bun­de­nen Ri­si­ken (Ri­si­ko­be­gren­zungs­ge­setz) vom 12. Au­gust 2008 (BGBl. I S. 1666) wur­de § 106 Abs. 2 Be­trVG um ei­nen wei­te­ren Satz ergänzt. Da­nach gehört „zu den er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen ... in den Fällen des Ab­sat­zes 3 Nr. 9a ins­be­son­de­re die An­ga­be über den po­ten­ti­el­len Er­wer­ber und des­sen Ab­sich­ten im Hin­blick auf die künf­ti­ge Geschäftstätig­keit des Un­ter­neh­mens so­wie die sich dar­aus er­ge­ben­den Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beit­neh­mer“. Nach den Ge­set­zes-

 

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ma­te­ria­li­en soll­te durch die­se Anfügung „deut­lich ge­macht“ wer­den, „wel­che Un­ter­la­gen bei ei­ner Un­ter­neh­mensüber­nah­me in je­dem Fall als er­for­der­lich im Sin­ne des Satz 1 an­zu­se­hen sind“ (vgl. BR-Drs. 763/07 S. 17). Der Um­stand, dass der Ge­setz­ge­ber so­wohl nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut von § 106 Abs. 2 Satz 2 Be­trVG als auch der hier­zu ge­ge­be­nen Be­gründung die Er­tei­lung von Auskünf­ten („An­ga­be“) ei­ner Vor­la­ge von Un­ter­la­gen gleich­setzt, lässt den Schluss dar­auf zu, dass er die Pflicht zur Un­ter­rich­tung und zur Vor­la­ge „er­for­der­li­cher“ Un­ter­la­gen iSv. Satz 1 der Norm als ei­ne - le­dig­lich in­halt­lich auf­ei­nan­der be­zo­ge­ne - ein­heit­li­che Ver­pflich­tung an­sieht.

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(5) Auch Sinn und Zweck der Vor­la­ge­pflicht spre­chen hierfür. Durch die Vor­la­ge von Un­ter­la­gen soll dem Wirt­schafts­aus­schuss ei­ne gleich­ge­wich­ti­ge und da­mit grundsätz­lich vom sel­ben Kennt­nis­stand aus­ge­hen­de Be­ra­tung mit dem Un­ter­neh­mer ermöglicht wer­den (vgl. BAG 22. Ja­nu­ar 1991 - 1 ABR 38/89 - zu B II 3 der Gründe, BA­GE 67, 97). Die­ser Zweck wird nur er­reicht, wenn des­sen Un­ter­rich­tung an­hand der für die er­teil­ten Auskünf­te aus­sa­ge­kräf­ti­gen Un­ter­la­gen er­folgt.

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bb) Aus­ge­hend hier­von han­delt es sich bei den Bud­get­ver­ein­ba­run­gen für die Jah­re 2015 und 2016 um Un­ter­la­gen, die dem Wirt­schafts­sau­schuss vor­zu­le­gen sind.

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(1) Nach § 106 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG hat die Ar­beit­ge­be­rin den Wirt­schafts­aus­schuss an­hand der Vor­la­ge der Bud­get­ver­ein­ba­run­gen über de­ren Ab­schluss und In­halt in Kennt­nis zu set­zen, da die­se für die wirt­schaft­li­che La­ge der Ar­beit­ge­be­rin iSv. § 106 Abs. 3 Nr. 1 Be­trVG be­deut­sam sind. Die in den Bud­get­ver­ein­ba­run­gen ver­han­del­ten Ge­genstände bil­den ei­ne we­sent­li­che Grund­la­ge für den Fi­nan­zie­rungs­rah­men der drei von der Ar­beit­ge­be­rin un­ter­hal­te­nen Kran­kenhäuser.

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(2) An­ders als von der Ar­beit­ge­be­rin an­ge­nom­men ist ei­ne Un­ter­rich­tung an­hand der Bud­get­ver­ein­ba­run­gen nicht des­halb ent­behr­lich, weil der Wirt­schafts­aus­schuss be­reits über die ent­spre­chen­den In­for­ma­tio­nen an­hand an­de­rer Un­ter­la­gen verfügt. We­der der Jah­res­ab­schluss - al­so die Bi­lanz so­wie die

 

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Ge­winn- und Ver­lust­rech­nung (vgl. § 242 Abs. 3 HGB) - noch ih­re be­triebs­wirt­schaft­li­chen Aus­wer­tun­gen ge­ben Aus­kunft über die in den Bud­get­ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fe­nen Eck­da­ten (vgl. hier­zu auch § 4 der Ver­ord­nung über die Rech-nungs- und Buchführungs­pflich­ten von Kran­kenhäusern [Kran­ken­haus-Buchführungs­ver­ord­nung]). Glei­ches gilt für den im Amts­blatt für Bran­den­burg veröffent­lich­ten Kran­ken­haus­plan (vgl. die Fort­schrei­bung des Drit­ten Kran­ken­haus­pla­nes des Lan­des Bran­den­burg vom 18. Ju­ni 2013 ABl. Nr. 34/2013 S. 2111 ff., geändert durch Be­schluss der Lan­des­re­gie­rung vom 16. Fe­bru­ar 2016 ABl. Nr. 7/2016 S. 183 ff.) und die - je­weils für ei­nen Zehn-Ta­ges-Zeit­raum fort­ge­schrie­be­nen - De­ka­den­sta­tis­ti­ken. Letz­te­re ent­hal­ten le­dig­lich An­ga­ben zu den Soll- und Ist-Be­rech­nungs­ta­gen, den ku­mu­lier­ten Soll- und Ist-„Fällen“ mit der sich hier­aus er­ge­ben­den fort­ge­schrie­be­nen pro­zen­tua­len Aus­las­tung, zur An­zahl der be­leg­ten Bet­ten und der sich hier­aus - be­zo­gen auf die auf­ge­stell­te Bet­ten­zahl - er­ge­ben­den pro­zen­tua­len Aus­las­tung.

53

b) Der von der Ar­beit­ge­be­rin erst­mals in der Rechts­be­schwer­de er­ho­be­ne Ein­wand ei­ner Gefähr­dung von Be­triebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen greift nicht durch.

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aa) Die Pflicht zur Un­ter­rich­tung und zur Vor­la­ge er­for­der­li­cher Un­ter­la­gen steht un­ter dem Vor­be­halt, dass da­durch nicht Be­triebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se gefähr­det wer­den. Ob ei­ne sol­che Gefähr­dung an­zu­neh­men ist, hat die Ei­ni­gungs­stel­le im Rah­men des Ver­fah­rens nach § 109 Be­trVG zu ent­schei­den (vgl. BAG 11. Ju­li 2000 - 1 ABR 43/99 - zu B I 2 a der Gründe, BA­GE 95, 228). Da­durch soll ei­ne der „in­terns­ten An­ge­le­gen­hei­ten der Un­ter­neh­mens­lei­tung“ zunächst ei­ner un­ter­neh­mens­in­ter­nen Re­ge­lung zu­geführt wer­den (vgl. den Aus­schuss­be­richt zum Ent­wurf des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes 1952 zu § 70 Be­trVG 1952, BT-Drs. I/3585 S. 15).

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bb) Die im Ge­setz an­ge­leg­te Primärzuständig­keit der Ei­ni­gungs­stel­le hat zur Fol­ge, dass der Un­ter­neh­mer sei­nen Ein­wand, durch die ver­lang­te Un­ter­rich­tung oder Vor­la­ge von Un­ter­la­gen sei­en Be­triebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se gefähr­det, be­reits im Rah­men des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens vor­brin­gen muss. Un­terlässt er dies, kann er sich in ei­nem nach­fol­gen­den ge­richt­li­chen

 

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Ver­fah­ren hier­auf je­den­falls dann nicht mehr be­ru­fen, wenn die Umstände, die ei­ne Gefähr­dung be­gründen sol­len, nicht erst nach Ab­schluss des Ei­ni­gungs-stel­len­ver­fah­rens ein­ge­tre­ten sind.

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cc) Schon aus die­sem Grund kann die Ar­beit­ge­be­rin mit ih­rer Be­ru­fung auf Be­triebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se vor­lie­gend nicht gehört wer­den. Im Ei­ni-gungs­stel­len­ver­fah­ren hat sie ei­nen ent­spre­chen­den Ein­wand nicht er­ho­ben. An­halts­punk­te, dass ihr dies we­gen erst nach Ab­schluss die­ses Ver­fah­rens ein­ge­tre­te­ner Umstände nicht möglich war, sind nicht er­sicht­lich. Ei­ne ge­setz­li­che Pflicht auch zur un­ter­neh­mens­in­ter­nen Ge­heim­hal­tung der Bud­get­ver­ein­ba­run­gen be­steht - un­ge­ach­tet ih­rer recht­li­chen Be­deu­tung für § 106 Abs. 2 Be­trVG - nicht.

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Schmidt

K. Schmidt 

Ah­rendt

D. We­ge 

Ri­go Züfle

 

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