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BAG, Ur­teil vom 28.09.2005, 5 AZR 52/05

   
Schlagworte: AGB-Kontrolle, Ausschlussfrist, Treu und Glauben
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 5 AZR 52/05
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 28.09.2005
   
Leitsätze:

1. Eine einzelvertragliche Ausschlussfrist, die die schriftliche Geltendmachung aller Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb einer Frist von weniger als drei Monaten ab Fälligkeit verlangt, benachteiligt unangemessen entgegen den Geboten von Treu und Glauben (§ 307 Abs 1 Satz 1 BGB). Sie ist mit wesentlichen Grundgedanken des gesetzlichen Verjährungsrechts nicht vereinbar (§ 307 Abs 2 Nr 1 BGB) und schränkt wesentliche Rechte, die sich aus der Natur des Arbeitsvertrags ergeben, so ein, dass die Erreichung des Vertragszwecks gefährdet ist (§ 307 Abs 2 Nr 2 BGB).

2. Die Ausschlussklausel ist auf Grund der unangemessen kurzen Frist insgesamt unwirksam. Sie fällt bei Aufrechterhaltung des Arbeitsvertrags im Übrigen ersatzlos weg (§ 306 Abs 1 und 2 BGB).

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Bielefeld, Urteil vom 2.06.2004, 4 Ca 3984/03
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 16.11.2004, 19 Sa 1424/04
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

5 AZR 52/05

19 Sa 1424/04

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

28. Sep­tem­ber 2005

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 28. Sep­tem­ber 2005 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch und Dr. Linck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Prof. Dr. Dr. h.c. Hromad­ka und Busch­mann für Recht er­kannt:


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1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. No­vem­ber 2004 - 19 Sa 1424/04 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche auf Über­stun­den­vergütung.

Der Kläger war ab Ju­li 2003 bei der Be­klag­ten als Flei­scher­meis­ter beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te durch or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27. Ok­to­ber 2003 zum 14. No­vem­ber 2003.

Dem Ar­beits­verhält­nis lag ein von der Be­klag­ten ständig ver­wen­de­ter For­mu­lar­ar­beits­ver­trag vom 26. Mai 2003 zu­grun­de, in dem es ua. heißt:

§ 2 Ar­beits­zeit

Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit oh­ne Pau­sen beträgt 40 St­un­den.

Der Ar­beit­neh­mer ver­pflich­tet sich, sei­ne gan­ze Ar­beits­kraft sei­nen Auf­ga­ben­ge­biet bei dem Ar­beit­ge­ber zu wid­men und - so­weit dies er­for­der­lich ist - auch über die be­triebsübli­che Ar­beits­zeit hin­aus tätig zu wer­den.

§ 3 Vergütung

Der Ar­beit­neh­mer erhält ein mo­nat­li­ches Ge­halt von

€ 2.100,00 /brut­to

Über-, Mehr-, Sonn- und Fei­er­tags­stun­den sind durch das ge­zahl­te Brut­to­ge­halt ab­ge­gol­ten.

...

§ 8 Ver­fall­klau­sel

Al­le Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len mit Ab­lauf von 2 Mo­na­ten ab Fällig­keit, so­fern sie nicht in­ner­halb die­ser Frist schrift­lich gel­tend ge­macht wor­den sind.

Un­ter der Ver­fall­klau­sel fal­len nicht sol­che Ansprüche ei­nes Ar­beit­ge­bers oder ei­nes Ar­beit­neh­mers ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­ge­ber, die auf ei­ne straf­ba­re Hand­lung oder ei­ne un­er­laub­te Hand­lung gestützt wer­den. Für die­se Ansprüche gel­ten die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten.“

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Die Be­klag­te über­wies die sich aus 2.100,00 Eu­ro brut­to er­ge­ben­de Net­to­vergütung je­weils zum Mo­nats­en­de auf das Kon­to des Klägers.

Mit ei­nem Fax sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 3. No­vem­ber 2003 mach­te der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten Über­stun­den­vergütun­gen für die Mo­na­te Ju­li und Au­gust 2003 in Höhe von ins­ge­samt 1.075,00 Eu­ro brut­to gel­tend. Mit sei­ner am 21. No­vem­ber 2003 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten und der Be­klag­ten am 27. No­vem­ber 2003 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat der Kläger die­se Ansprüche wei­ter­ver­folgt. Er hat un­ter Vor­la­ge ei­ner Auf­stel­lung über Be­ginn und En­de der Ar­beits­zei­ten an den ein­zel­nen Ta­gen be­haup­tet, er ha­be un­ter Berück­sich­ti­gung ei­ner tägli­chen Pau­se von ei­ner bzw. an­dert­halb St­un­den im Ju­li 2003 235 St­un­den und im Au­gust 2003 273 St­un­den ge­ar­bei­tet. Die St­un­den sei­en von dem ihm vor­ge­setz­ten Schicht­lei­ter an­ge­ord­net wor­den. Die Über­stun­den­re­ge­lung in § 3 des Ar­beits­ver­trags be­tref­fe nur die ge­setz­li­che Höchst­ar­beits­zeit von 48 St­un­den wöchent­lich. Des­halb müsse die Be­klag­te für Ju­li 2003 19 Über­stun­den und für Au­gust 2003 67 Über­stun­den vergüten. Aus dem ver­ein­bar­ten Mo­nats­ge­halt er­ge­be sich ei­ne St­un­den­vergütung von 12,50 Eu­ro brut­to. Die Ansprüche sei­en nicht ver­fal­len, da die Ge­halts­ab­rech­nun­gen ver­spätet er­teilt wor­den sei­en.

Der Kläger hat, so­weit in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch von In­ter­es­se, be­an­tragt,

die Be­klag­te zur Zah­lung von 1.075,00 Eu­ro brut­to zu ver­ur­tei­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, die Ansprüche sei­en auf Grund der ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist ver­fal­len.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Im Lau­fe des Rechts­streits ist un­strei­tig ge­wor­den, dass der Kläger tägli­che Pau­sen von an­dert­halb St­un­den hat­te. Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Be­klag­te zur Zah­lung von 754,31 Eu­ro brut­to ver­ur­teilt. Im Übri­gen hat es die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te zu Recht ver­ur­teilt, an den Kläger 754,31 Eu­ro brut­to zu zah­len. 

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I. Die Ansprüche auf Über­stun­den­vergütung iHv. 754,31 Eu­ro sind gem. § 612 Abs. 1 und 2 BGB ent­stan­den.

1. Gem. § 612 Abs. 1 BGB gilt ei­ne Vergütung als still­schwei­gend ver­ein­bart, wenn die Ar­beits­leis­tung den Umständen nach nur ge­gen ei­ne Vergütung zu er­war­ten ist.

a) Nach den nicht an­ge­grif­fe­nen und da­mit für den Se­nat bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts (§ 559 Abs. 2 ZPO) hat der Kläger im Ju­li 2003 224,5 St­un­den und im Au­gust 2003 262 St­un­den ge­ar­bei­tet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den bei­der­sei­ti­gen Par­tei­vor­trag hier­zu gewürdigt und un­ter An­wen­dung von § 138 ZPO an­ge­nom­men, der Um­fang der Ar­beits­leis­tung sei als un­strei­tig an­zu­se­hen. In­so­weit hat die Be­klag­te we­der ei­nen An­trag auf Tat­be­stands­be­rich­ti­gung ge­stellt noch ei­ne Ver­fah­rensrüge er­ho­ben.

Auf der Grund­la­ge die­ser Fest­stel­lun­gen hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­ge­nom­men, der Kläger ha­be im Ju­li 2003 8,5 St­un­den über die gem. § 3 Arb­ZG zulässi­ge Ar­beits­zeit von 216 St­un­den (acht St­un­den/Werk­tag x 27 Werk­ta­ge) hin­aus und im Au­gust 2003 54 St­un­den über die gem. § 3 Arb­ZG zulässi­ge Ar­beits­zeit von 208 St­un­den (acht St­un­den/Werk­tag x 26 Werk­ta­ge) hin­aus ge­ar­bei­tet.

b) Je­den­falls hin­sicht­lich der al­lein zur Ent­schei­dung ste­hen­den Ar­beits­stun­den jen­seits der ge­setz­li­chen Höchst­ar­beits­zeit fehlt es an ei­ner - auch still­schwei­gen­den - Vergütungs­ab­re­de. Die Par­tei­en ha­ben zwar ver­ein­bart, dass über die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 40 St­un­den hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­stun­den („Über­stun­den“) durch das vor­ge­se­he­ne Mo­nats­ge­halt von 2.100,00 Eu­ro ab­ge­gol­ten sein sol­len. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aber an­ge­nom­men, hier­von würden nur die ge­setz­lich zulässi­gen Über­stun­den er­fasst; die Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung be­tref­fe nicht die über das zulässi­ge Maß des § 3 Arb­ZG hin­aus­ge­hen­de Ar­beit. Ge­gen die­se Ver­trags­aus­le­gung, die na­he liegt und kei­ne Rechts­feh­ler enthält, wen­det sich die Re­vi­si­on nicht. Der Se­nat hat sie der wei­te­ren Rechtsprüfung zu­grun­de zu le­gen. Da­nach be­darf es kei­ner Ent­schei­dung, ob die Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung rechts­wirk­sam ist.

c) Die streit­ge­genständ­li­che Mehr­ar­beit war nach den Umständen nur ge­gen ei­ne Vergütung zu er­war­ten. Die Be­klag­te muss­te da­von aus­ge­hen, dass der Kläger die Ar­beit nur ge­gen ei­ne Vergütung leis­ten wer­de. Zwar hätte sie die auf Grund des Beschäfti­gungs­ver­bots des § 3 Arb­ZG un­zulässi­ge Ar­beits­leis­tung we­der an­ord­nen noch ent­ge­gen­neh­men dürfen. Gleich­wohl hat der Kläger An­spruch auf Be­zah­lung der

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ge­leis­te­ten Ar­beit. Der Sinn des Beschäfti­gungs­ver­bots be­steht nur dar­in, die Ar­beits­leis­tung zu ver­hin­dern, um ei­ne Über­for­de­rung des Ar­beit­neh­mers zu ver­mei­den. Ei­ne ver­ein­bar­te Vergütung bleibt maßge­bend; § 612 BGB ist bei Feh­len ei­ner Vergütungs­ab­re­de an­wend­bar (vgl. BAG 14. De­zem­ber 1967 - 5 AZR 74/67 - AP AZO § 1 Nr. 2, zu 4 der Gründe). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­ter An­wen­dung von § 138 ZPO fest­ge­stellt, der Kläger ha­be die Über­stun­den auf An­ord­nung sei­nes Vor­ge­setz­ten ge­leis­tet (vgl. BAG 17. April 2002 - 5 AZR 644/00 - AP BGB § 611 Mehr­ar­beits­vergütung Nr. 40 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 148, zu II 3 der Gründe). Auch hier­ge­gen hat die Be­klag­te kei­nen Re­vi­si­ons­an­griff er­ho­ben (§ 559 Abs. 2 ZPO).

2. Die Höhe der Vergütung für Über­stun­den des Klägers war nicht be­stimmt (§ 612 Abs. 2 BGB). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend ei­ne übli­che Vergütung von 12,07 Eu­ro/St­un­de an­ge­setzt. Es hat an­ge­nom­men, die Ver­ein­ba­rung ei­ner Mo­nats­vergütung bei gleich­zei­ti­ger Fest­le­gung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit recht­fer­ti­ge den Schluss, dass sich die Mo­nats­vergütung grundsätz­lich auf die ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit be­zie­he und Über­stun­den an­tei­lig zu vergüten sei­en (vgl. Kütt­ner/Rei­ne­cke Per­so­nal­buch 2005 Über­stun­den Rn. 11). Da­ge­gen wen­det sich die Re­vi­si­on nicht. Die Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist selbst dann nicht zu be­an­stan­den, falls nach § 3 des Ar­beits­ver­trags Über­stun­den bis zur Gren­ze des § 3 Arb­ZG durch das Mo­nats­ge­halt wirk­sam ab­ge­gol­ten wur­den. Auch dann blie­be die ver­ein­bar­te re­gelmäßige Ar­beits­zeit für den Wert der Ar­beits­leis­tung maßge­bend; denn die­se soll die Re­gel bil­den und nicht ei­ne fik­ti­ve ma­xi­ma­le Ar­beits­zeit oder ei­ne un­be­stimm­te tatsächli­che Ar­beits­men­ge.

II. Die Ansprüche sind nicht ver­fal­len.

1. Für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kommt es ent­schei­dend auf die Wirk­sam­keit der ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­fall­klau­sel an. In­so­weit be­stimmt § 8 des Ar­beits­ver­trags ei­ne Frist zur Gel­tend­ma­chung al­ler Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb von zwei Mo­na­ten ab Fällig­keit. Die Ansprüche, die nicht recht­zei­tig schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, sol­len hier­nach ver­fal­len. Der Kläger hat die Ansprüche auf Vergütung von Über­stun­den nicht in­ner­halb der Frist, son­dern erst­mals am 3. No­vem­ber 2003 schrift­lich gel­tend ge­macht. Da die Fällig­keit im Ver­trag nicht ge­re­gelt ist, fin­det § 614 Satz 1 und 2 BGB An­wen­dung. Die Über­stun­den­vergütung für Ju­li wur­de am 1. Au­gust 2003 und die Über­stun­den­vergütung für Au­gust am 1. Sep­tem­ber 2003 fällig. Für die still­schwei­gen­de Ver­ein­ba­rung ei­ner späte­ren Fällig­keit be­ste­hen kei­ne aus­rei­chen­den An­halts­punk­te. Schon das Ar­beits­ge­richt hat im Übri­gen zu­tref-

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fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Feh­len der Ge­halts­ab­rech­nung die Ob­lie­gen­heit zur Gel­tend­ma­chung nicht berühr­te. Der Kläger konn­te er­ken­nen, dass die Be­klag­te Über­stun­den nicht vergüte­te. Er war in der La­ge, die Höhe sei­ner Ansprüche auch oh­ne Ab­rech­nung zu be­stim­men (vgl. BAG 27. Fe­bru­ar 2002 - 9 AZR 543/00 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 162 = EzA BGB § 138 Nr. 30, zu I 1 a der Gründe).

2. Die Aus­schluss­klau­sel ist nicht gem. §§ 134, 202 Abs. 1 BGB ins­ge­samt nich­tig.

a) Nach § 202 Abs. 1 BGB kann die Verjährung bei Haf­tung we­gen Vor­sat­zes nicht im Vor­aus durch Rechts­geschäft er­leich­tert wer­den. Die Vor­schrift ergänzt den all­ge­mei­nen Grund­satz des § 276 Abs. 3 BGB, wo­nach die Haf­tung we­gen Vor­sat­zes dem Schuld­ner nicht im Vor­aus er­las­sen wer­den kann. § 276 Abs. 3 BGB ent­fal­tet erst durch § 202 Abs. 1 BGB vol­le Wirk­sam­keit. Das Ge­setz be­zweckt ei­nen um­fas­sen­den Schutz ge­gen im Vor­aus ver­ein­bar­te Ein­schränkun­gen von Haf­tungs­ansprüchen aus vorsätz­li­chen Schädi­gun­gen. Des­halb ver­bie­tet § 202 Abs. 1 BGB nicht nur Ver­ein­ba­run­gen über die Verjährung, son­dern auch über Aus­schluss­fris­ten.

b) Ob die Haf­tung we­gen Vor­sat­zes von der Aus­schluss­frist um­fasst sein soll­te, er­scheint zwei­fel­haft. Mögli­cher­wei­se ha­ben die Par­tei­en mit § 8 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags auch al­le Ansprüche aus vorsätz­li­chen Ver­trags­verstößen aus­ge­klam­mert. So­weit die Aus­schluss­klau­sel da­ge­gen die­se Ansprüche er­fasst, ist sie teil­wei­se nich­tig. Das ge­setz­li­che Ver­bot be­zieht sich nur auf die be­son­de­ren Fälle des § 202 Abs. 1 BGB. Die Aus­schluss­klau­sel ist hin­sicht­lich der Art der er­fass­ten Ansprüche oh­ne wei­te­res teil­bar. Gem. § 139 BGB ist an­zu­neh­men, die Par­tei­en hätten die Aus­schluss­frist auch oh­ne den nich­ti­gen Teil ver­ein­bart. Zur An­wen­dung kommt § 202 Abs. 1 BGB, die Re­ge­lung bleibt im Übri­gen wirk­sam. An­ge­sichts der in § 202 Abs. 1 BGB ein­deu­tig ge­zo­ge­nen Gren­ze der Un­wirk­sam­keit stellt das kei­ne un­zulässi­ge gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on dar (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen , zu III 2 der Gründe mwN).

3. Bei dem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en han­delt es sich um All­ge­mei-

ne Geschäfts­be­din­gun­gen iSd. § 305 Abs. 1 Satz 1, 2 BGB. Die Be­klag­te hat die für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen dem Kläger in die­ser Form an­ge­bo­ten und da­mit im Rechts­sin­ne ge­stellt. Die Par­tei­en ha­ben die Ver­trags-

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be­din­gun­gen nicht aus­ge­han­delt (§ 305 Abs. 1 Satz 3 BGB). Das ist zwi­schen ih­nen un­strei­tig.

a) Aus­schluss­fris­ten können grundsätz­lich auch in For­mu­lar­ar­beits­verträgen ver­ein­bart wer­den (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 1 der Gründe; 2. März 2004 - 1 AZR 271/03 - BA­GE 109, 369, 381 f.). Die §§ 305 ff. BGB ent­hal­ten kei­ne Be­stim­mun­gen, die Aus­schluss­fris­ten für un­wirk­sam erklären.

b) Die ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lung (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB) dar; denn ge­setz­lich blei­ben Ansprüche ab­ge­se­hen von ei­ner Ver­wir­kung (§ 242 BGB) er­hal­ten und sind nur im Rah­men des Verjährungs­rechts gel­tend zu ma­chen. Die Klau­sel ent­spricht auch nicht ei­ner ta­rif­li­chen Be­stim­mung oder an­de­ren Norm iSd. § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB, die auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en un­mit­tel­bar An­wen­dung fin­den kann (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 2 der Gründe).

c) Die Ver­fall­klau­sel ist nicht über­ra­schend oder un­gewöhn­lich im Sin­ne des § 305c Abs. 1 BGB. Der Ar­beits­ver­trag hebt sie be­son­ders her­vor. Aus­schluss­fris­ten sind im Ar­beits­le­ben durch­aus üblich (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 3 der Gründe mwN).

d) Das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB ist nicht ver­letzt. Vor­aus­set­zun­gen und Fol­gen der Aus­schluss­frist wer­den hin­rei­chend klar ge­re­gelt (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - aaO, zu IV 4 der Gründe; 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 545/04 - zVv., zu I 5 b cc der Gründe).

4. Gem. § 309 Nr. 7 Buchst. b BGB ist ein Aus­schluss oder ei­ne Be­gren­zung der Haf­tung für sons­ti­ge Schäden, die auf ei­ner grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung des Ver­wen­ders oder auf ei­ner vorsätz­li­chen oder grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung ei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters oder Erfüllungs­ge­hil­fen des Ver­wen­ders be­ru­hen, in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam. Das be­trifft ua. Vermögensschäden. Die­se wer­den von der Aus­nah­me­re­ge­lung in § 8 Abs. 2 des Ar­beits­ver­trags nicht vollständig er­fasst. Da­nach un­ter­lie­gen ein­zel­ne Ansprüche der Ver­fall­klau­sel, für die ein Haf­tungs­aus­schluss in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht wirk­sam ver­ein­bart wer­den kann. Ein Ver­s­toß ge­gen § 309 Nr. 7 Buchst. b BGB liegt dar­in je­doch nicht, weil die Ob­lie­gen­heit ei­ner schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung kei­nen Haf­tungs­aus­schluss und kei­ne Haf­tungs­be­gren­zung enthält. Auch wäre nur von ei­ner teil­wei­sen Un­wirk­sam­keit

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der Aus­schluss­klau­sel aus­zu­ge­hen (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 6 der Gründe).

5. § 8 des Ar­beits­ver­trags ist gem. § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam. Nach die­ser Rechts­norm sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Die Re­ge­lung be­nach­tei­ligt den Kläger un­an­ge­mes­sen ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben. Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Ver­fall­frist von zwei Mo­na­ten ist mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts nicht ver­ein­bar (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Er­fasst sie al­le Vergütungs­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, schränkt sie we­sent­li­che Rech­te, die sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags er­ge­ben, so ein, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist ei­ne Frist für die erst­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung von we­ni­ger als drei Mo­na­ten un­an­ge­mes­sen kurz.

a) Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist weicht von dem ge­setz­li­chen Verjährungs­recht auch dann ab, wenn sie kei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung ver­langt (vgl. BAG 2. März 2004 - 1 AZR 271/03 - BA­GE 109, 369, 383, zu VI 2 b der Gründe). Maßge­bend ist nicht die Art und Wei­se der ge­for­der­ten Gel­tend­ma­chung, son­dern die ge­re­gel­te Rechts­fol­ge. In­so­fern be­gren­zen so­wohl Aus­schluss- als auch Verjährungs­fris­ten die Möglich­keit, das Recht durch­zu­set­zen, in­dem sie ein Tätig­wer­den des An­spruchs­in­ha­bers ver­lan­gen. Während der Ab­lauf der Aus­schluss­frist rechts­ver­nich­ten­de Wir­kung hat und von Amts we­gen zu berück­sich­ti­gen ist, gibt die Verjährung dem Schuld­ner ei­ne Ein­re­de und hin­dert da­mit die Durch­set­zung der recht­lich fort­be­ste­hen­den For­de­rung (§ 214 BGB). Da­mit be­sitzt die Aus­schluss­frist so­gar ei­ne stärke­re, für den Be­trof­fe­nen nach­tei­li­ge­re Wir­kung. Das Verjährungs­recht ist Aus­druck des vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Ziels, Rechts­frie­den her­zu­stel­len. Es be­zweckt ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen dem Schutz des Schuld­ners vor ei­ner dro­hen­den Be­weis­not und mögli­chem Ver­lust von Re­gress­ansprüchen ge­gen Drit­te ei­ner­seits und der Not­wen­dig­keit, den Gläubi­ger vor ei­nem un­ge­recht­fer­tig­ten An­spruchs­ver­lust zu be­wah­ren, an­de­rer­seits. Die­se Über­le­gun­gen tref­fen eben­so auf den Re­ge­lungs­ge­gen­stand der Aus­schluss­fris­ten zu. Auch hier soll das im In­ter­es­se des Rechts­frie­dens und der Rechts­si­cher­heit an­zu­er­ken­nen­de Klar­stel­lungs­in­ter­es­se des Schuld­ners in Ein­klang ge­bracht wer­den mit dem be­rech­tig­ten An­lie­gen des Ver­trags­part­ners, vor ei­nem Tätig­wer­den die Sach- und Rechts­la­ge ab­sch­ließend prüfen zu können und nicht zu vor­ei­li­ger (förm­li­cher) Gel­tend­ma­chung ge­zwun­gen zu sein.

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b) § 202 BGB lässt ei­ne Abkürzung der re­gelmäßigen Verjährungs­frist von drei Jah­ren (§§ 195, 199 BGB) im Grund­satz zu. Die Abkürzung ist auch in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zulässig, muss dann frei­lich den §§ 305 ff. BGB stand­hal­ten. Das gilt gleich­falls für die Ver­ein­ba­rung von Aus­schluss­fris­ten, die kürzer als die ge­setz­li­chen Verjährungs­fris­ten sind. Zu kurz be­mes­se­ne Fris­ten ent­hal­ten die Ge­fahr ei­ner nicht zu recht­fer­ti­gen­den Be­schnei­dung wohl er­wor­be­ner Ansprüche und stel­len des­halb ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar. Dar­an ändert die Gel­tung der Aus­schluss­frist für bei­de Tei­le nichts. Die ver­ein­bar­te Aus­schluss­frist muss dem Gläubi­ger ei­ne fai­re Chan­ce las­sen, sei­ne Ansprüche durch­zu­set­zen (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 b der Gründe). Zu berück­sich­ti­gen ist, dass zunächst ei­ne form­lo­se Gel­tend­ma­chung sinn­voll sein kann und dem Ver­trags­part­ner Zeit für die Erfüllung oder für ei­ne Erklärung ein­zuräum­en ist. Auch kann der Gläubi­ger Ver­an­las­sung ha­ben, sich mit den vom Schuld­ner mit­ge­teil­ten Gründen für das Aus­blei­ben der Leis­tung ein­ge­hend aus­ein­an­der zu set­zen. Zu­min­dest in schwie­ri­gen Fällen wird er in Erwägung zie­hen, fach­kun­di­gen Rat ein­zu­ho­len. Schon für den durch­schnitt­lich vor­ge­bil­de­ten Ar­beit­neh­mer ist das rich­ti­ge Vor­ge­hen viel­fach mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Es be­steht der verständ­li­che Wunsch, rechts­kun­di­ge Per­so­nen mit der förm­li­chen Gel­tend­ma­chung zu be­auf­tra­gen. Zu­dem kann ei­ne leicht­fer­ti­ge schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen das Ar­beits­verhält­nis be­las­ten. Aus die­sen Gründen muss aus­rei­chend Zeit blei­ben, die Chan­cen und wei­te­ren Kon­se­quen­zen der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung ab­zuwägen.

c) Der Vergütungs­an­spruch stellt ein we­sent­li­ches Recht des Ar­beit­neh­mers im Ar­beits­verhält­nis dar. Er er­gibt sich aus der Na­tur des Ar­beits­ver­trags (§ 611 Abs. 1 BGB). Zu den von § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB geschütz­ten Rech­ten gehört auch ih­re Ver­wirk­li­chung. Oh­ne die aus­rei­chen­de Möglich­keit ei­ner Durch­set­zung des An­spruchs wäre das Recht selbst ein­ge­schränkt und die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det. § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB be­grenzt des­halb auch Aus­schluss­klau­seln, die zwar nicht die Ent­ste­hung von Rech­ten, aber ih­re Ver­wirk­li­chung ein­schränken. Zu kurz be­mes­se­ne Aus­schluss­fris­ten für den Vergütungs­an­spruch be­inhal­ten die Ge­fahr, dass der für das Ver­trags­verhält­nis we­sent­li­che Leis­tungs­aus­tausch ver­fehlt wird. Sie ber­gen das ab ei­ner be­stimm­ten Gren­ze von dem Zweck der Aus­schluss­frist nicht mehr ge­deck­te und des­halb nicht hin­zu­neh­men­de Ri­si­ko, die frist­ge­rech­te Gel­tend­ma­chung zu ver­pas­sen und den Vergütungs­an­spruch zu ver­lie­ren. Bleibt die Leis­tung des Ar­beit­neh­mers oh­ne Ge­gen­leis­tung, ist der Ver­trags­zweck gefähr­det.

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d) Bei der Be­stim­mung der an­ge­mes­se­nen Länge der Frist ist zu berück­sich­ti­gen, dass in ar­beits­recht­li­chen Ge­set­zen be­vor­zugt verhält­nismäßig kur­ze Fris­ten zur Gel­tend­ma­chung von Rechts­po­si­tio­nen vor­ge­se­hen wer­den. So muss der Ar­beit­neh­mer nach § 4 KSchG in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gung Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben. Die glei­che Frist ist nach § 17 Tz­B­fG für Be­fris­tungs­kon­troll­kla­gen vor­ge­se­hen. Der An­spruch auf Entschädi­gung we­gen ge­schlechts­be­zo­ge­ner Be­nach­tei­li­gung muss un­ter Umständen in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung der Be­wer­bung schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den (§ 611a Abs. 4 BGB); nach § 61b Abs. 1 ArbGG be­darf es der Kla­ge in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung des An­spruchs. Ein An­spruch auf Entschädi­gung we­gen der Be­nach­tei­li­gung von schwer­be­hin­der­ten Be­wer­bern um ein Beschäfti­gungs­verhält­nis muss in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach der Ab­leh­nung der Be­wer­bung schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den (§ 81 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 SGB IX). Ta­rif­verträge ent­hal­ten viel­fach ge­genüber den ge­setz­li­chen Verjährungs­fris­ten deut­lich kürze­re Aus­schluss­fris­ten von we­ni­gen Wo­chen bis hin zu meh­re­ren Mo­na­ten. Sol­che Fris­ten wir­ken sich auf die in der Pra­xis des Ar­beits­le­bens er­war­te­te Dau­er ei­ner Aus­schluss­frist aus. Sie sind in ih­rer Ge­samt­heit als im Ar­beits­recht gel­ten­de Be­son­der­hei­ten gem. § 310 Abs. 4 Satz 2 BGB an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen. Gel­ten in wei­ten Be­rei­chen re­la­tiv kur­ze Aus­schluss­fris­ten auf nor­ma­ti­ver Grund­la­ge, kommt dem prägen­de Be­deu­tung zu. Nicht ent­ge­gen­steht, dass bal­di­ge Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit auch auf an­de­ren Rechts­ge­bie­ten ge­for­dert wer­den (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 c der Gründe). Un­zulässig ist des­halb ein Rück­griff auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, der ei­ne ein­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist für al­le Ansprüche, auch sol­che aus un­er­laub­ter Hand­lung, in ei­nem Rei­se­ver­trag (3. Ju­ni 2004 - X ZR 28/03 - NJW 2004, 2965) so­wie im Übri­gen die Verkürzung von Verjährungs­fris­ten auf drei Mo­na­te als un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ver­wor­fen (vgl. nur 24. Sep­tem­ber 1979 - II ZR 38/78 - VersR 1980, 40, 41; 19. Mai 1988 - I ZR 147/86 - BGHZ 104, 292, 294 ff.), sechs­mo­na­ti­ge Verjährungs­fris­ten da­ge­gen für zulässig er­ach­tet hat (vgl. nur 17. No­vem­ber 1980 - II ZR 248/79 - VersR 1981, 229, 230 f.; 4. Mai 1995 - I ZR 90/93 - BGHZ 129, 323, 326).

Der Frist­be­ginn zur Gel­tend­ma­chung wird nach § 8 des Ar­beits­ver­trags durch die Fällig­keit des An­spruchs aus­gelöst. Dem­ge­genüber be­ginnt die re­gelmäßige Verjährungs­frist nach § 199 Abs. 1 BGB erst mit dem Schluss des Jah­res, in dem der An­spruch ent­stan­den ist und der Gläubi­ger von den den An­spruch be­gründen­den Umständen und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis er­langt oder oh­ne gro­be Fahrlässig­keit er­lan­gen müss­te. Die­se Un­ter­schie­de be­gründen bei an­ge­mes­se­ner Berück­sich­ti-

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gung der im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten (§ 310 Abs. 4 Satz 2 1. Halbs. BGB) kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers. Übli­cher­wei­se ver­lan­gen ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten iSd. § 4 Abs. 4 Satz 3 TVG die Gel­tend­ma­chung nach Fällig­keit. Das ent­spricht ih­rem oben her­aus­ge­stell­ten Zweck, rasch Rechts­klar­heit zu schaf­fen. Der Be­griff der Fällig­keit wird da­bei von den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen un­ter Ein­be­zie­hung des Kennt­nis­stan­des des Gläubi­gers und sub­jek­ti­ver Zu­rech­nungs­ge­sichts­punk­te in­ter­es­sen­ge­recht aus­ge­legt (vgl. zu­letzt BAG 9. Fe­bru­ar 2005 - 5 AZR 175/04 - EzA BGB 2002 § 818 Nr. 1, zu III 5 c der Gründe mwN). Ein An­spruch ist re­gelmäßig erst dann im Sin­ne der Aus­schluss­frist fällig, wenn der Gläubi­ger ihn annähernd be­zif­fern kann (vgl. die Über­sicht bei Däubler/Zwan­zi­ger TVG § 4 Rn. 1139 f., 1141 ff.). Das ent­spricht im Grund­satz der Wer­tung des § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB.

e) Ei­ne Frist für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von we­ni­ger als drei Mo­na­ten im Rah­men ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Aus­schluss­frist ist un­an­ge­mes­sen kurz.

Die Dau­er der an­ge­mes­se­nen Aus­schluss­frist darf sich nicht an der un­te­ren Gren­ze der ge­nann­ten Fris­ten ori­en­tie­ren. Die In­halts­kon­trol­le nach den §§ 305 ff. BGB er­for­dert ei­ne ge­ne­rel­le Be­trach­tung. Die strei­ti­ge Aus­schluss­frist be­zieht ganz un­ter­schied­li­che Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ein und muss ih­nen um­fas­send Rech­nung tra­gen. Et­wai­ge Be­son­der­hei­ten ei­ner be­stimm­ten Bran­che oder be­stimm­ter Ar­beits­verhält­nis­se ste­hen nicht in Re­de.

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor Gel­tung der §§ 305 ff. BGB zur In­halts­kon­trol­le auf Grund der §§ 138, 242 BGB hat­te ein­mo­na­ti­ge, sechswöchi­ge und zwei­mo­na­ti­ge Fris­ten zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung noch ge­bil­ligt (13. De­zem­ber 2000 - 10 AZR 168/00 - BA­GE 96, 371, 377; 15. Ok­to­ber 1981 - 2 AZR 548/79 -, zu I 2 der Gründe; 27. Fe­bru­ar 2002 - 9 AZR 543/00 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 162 = EzA BGB § 138 Nr. 30, zu I 2 b der Gründe). Sie ist nicht mehr maßge­bend. Das Leit­bild des ge­setz­li­chen Verjährungs­rechts und die Berück­sich­ti­gung der übli­chen ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten führen zu ei­ner deut­lich länge­ren Frist. Die kur­ze Frist des § 4 KSchG trägt ge­ra­de dem Son­der­fall der Kündi­gung Rech­nung. § 81 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 SGB IX und § 611a Abs. 4 BGB be­tref­fen be­stimm­te Entschädi­gungs­ansprüche mit beträcht­li­chem Klar­stel­lungs­in­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers. Gleich­wohl be­stimmt § 611a Abs. 4 Satz 3 BGB man­gels an­der­wei­ti­ger Re­ge­lung ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Frist. Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist die für die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung als an­ge­mes­sen an­zu­se­hen­de Drei-Mo­nats-Frist (vgl. 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 7 d der Gründe) auch für die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung her­an­zu­zie­hen. Sie liegt im Be­reich des Durch­schnitts von übli­chen

 

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ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten und ist bei ei­ner Ge­samt­be­trach­tung als Maßstab ge­eig­net.

f) Auf Grund der un­an­ge­mes­se­nen Frist ist die Aus­schluss­klau­sel ins­ge­samt un­wirk­sam; denn es gibt kei­ne Aus­schluss­klau­sel oh­ne ei­ne be­stimm­te Frist.

6. Die Un­wirk­sam­keit der Aus­schluss­klau­sel führt zu ih­rem er­satz­lo­sen Weg­fall bei Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­ver­trags im Übri­gen (§ 306 Abs. 1 und 2 BGB).

a) Ei­ne so­ge­nann­te gel­tungs­er­hal­ten­de Re­duk­ti­on in dem Sin­ne, dass die we­gen un­an­ge­mes­se­ner Kürze der ver­ein­bar­ten Frist un­an­ge­mes­se­ne Aus­schluss­klau­sel auf ei­ne ge­ra­de noch oder in je­dem Fal­le zulässi­ge Dau­er aus­zu­deh­nen wäre, kommt nicht in Be­tracht. § 306 BGB sieht ei­ne sol­che Rechts­fol­ge nicht vor. Ei­ne teil­wei­se Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung liegt nicht vor. Der Zweck der In­halts­kon­trol­le, den Rechts­ver­kehr von un­wirk­sa­men Klau­seln frei­zu­hal­ten, würde nicht er­reicht, blie­ben un­wirk­sa­me Klau­seln mit veränder­tem In­halt auf­recht­er­hal­ten. Über­zo­ge­ne Klau­seln könn­ten weit­ge­hend oh­ne Ri­si­ko ver­wen­det wer­den. Erst in ei­nem Pro­zess würde der Ver­trags­part­ner die zu­tref­fen­de Dau­er der Aus­schluss­frist zu­verlässig er­fah­ren. Wer die Möglich­keit nut­zen kann, die ihm der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit für die Auf­stel­lung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen eröff­net, muss auch das vollständi­ge Ri­si­ko ei­ner Un­wirk­sam­keit der Klau­sel tra­gen (BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - NJW 2005, 3305, auch zVv., zu IV 8 a der Gründe mwN). An­de­ren­falls lie­fe das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB weit­ge­hend leer.

b) Ar­beits­recht­li­che Be­son­der­hei­ten ste­hen dem nicht ent­ge­gen. Lang­fris­tig an- ge­leg­te For­mu­lar­verträge kom­men re­gelmäßig im ge­sam­ten Ver­trags­recht vor. Ei­ne ergänzen­de Ver­trags­aus­le­gung schei­det aus. Sie setzt vor­aus, dass die An­wen­dung der ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten und das Un­ter­blei­ben der Ergänzung des Ver­trags kei­ne an­ge­mes­se­ne, den ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en Rech­nung tra­gen­de Lösung bie­tet (BAG 12. Ja­nu­ar 2005 - 5 AZR 364/04 - AP BGB § 308 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 308 Nr. 1, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu B II 1 der Gründe mwN). Das ist vor­lie­gend nicht der Fall. Die Un­wirk­sam­keit der be­an­stan­de­ten Klau­sel lässt den Re­ge­lungs­plan der Par­tei­en nicht als ver­vollständi-gungs­bedürf­tig er­schei­nen. Bei Weg­fall der Aus­schluss­frist grei­fen man­gels ge­setz­li­cher oder richter­recht­li­cher Re­ge­lun­gen zu Aus­schluss­fris­ten al­lein die Verjährungs­re­geln der §§ 195 ff. BGB ein, die ei­nen dem Re­ge­lungs­ge­dan­ken der Aus­schluss­fris­ten ver­gleich­ba­ren hin­rei­chen­den In­ter­es­sen­aus­gleich bie­ten. Be­son­der­hei­ten bei Alt­ver-


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trägen kom­men nicht zum Tra­gen; denn es han­delt sich um ei­nen nach dem 31. De­zem­ber 2001 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trag.

III. Die Be­klag­te hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.

Müller-Glöge Mi­kosch Linck

Hromad­ka Busch­mann

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