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ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/104

An­spruch auf Brü­cken­teil­zeit

Der Re­fe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­ar­beits­mi­nis­ters für ei­ne zeit­lich be­grenz­te Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung stößt bei den So­zi­al­part­nern auf Kri­tik: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung des Teil­zeit­rechts – Ein­füh­rung ei­ner Brü­cken­teil­zeit vom 17.04.2018
Uhr und Kalender, Arbeitszeit und Arbeitszeitrecht

26.04.2018. In ih­rem Ko­ali­ti­ons­ver­trag vom 07.02.2018 hat sich die Bun­des­re­gie­rung dar­auf fest­ge­legt, in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf be­fris­te­te Teil­zeit zu ver­ab­schie­den (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 18/037 „Gro­Ko“ will Teil­zeit- und Be­fris­tungs­recht an­pas­sen).

Zu­vor hat­te sich die ehe­ma­li­ge SPD-Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les mit ih­rem Vor­schlag ei­ner sol­chen Ge­set­zes­än­de­rung nicht durch­set­zen kön­nen, d.h. ge­gen En­de der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode lief hier nichts mehr (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 17/008 An­spruch auf be­fris­te­te Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung).

Nun hat der neue Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter, Hu­ber­tus Heil (SPD), sei­nen Re­fe­ren­ten­ent­wurf für ei­ne Re­form des Teil­zeit­rechts vor­ge­stellt: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung des Teil­zeit­rechts - Ein­füh­rung ei­ner Brü­cken­teil­zeit vom 17.04.2018.

Was sieht das gel­ten­de Teil­zeit- und Be­fris­tungs­recht zur Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung vor?

Nach § 8 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) können Ar­beit­neh­mer un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit um ei­ne gewünsch­te An­zahl von Ar­beits­stun­den zu ver­rin­gern.

Dafür muss der Ar­beit­ge­ber re­gelmäßig mehr als 15 Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen (§ 8 Abs.7 Tz­B­fG). Aus­zu­bil­den­de wer­den bei der Be­rech­nung nicht mit­gezählt. Zu­dem müssen Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ha­ben möch­ten, länger als sechs Mo­na­te im Un­ter­neh­men an­ge­stellt sein (§ 8 Abs.1 Tz­B­fG).

Sind die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, muss der Ar­beit­neh­mer sei­nen An­spruch min­des­tens drei Mo­na­te vor Be­ginn der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung un­ter An­ga­be der gewünsch­ten Ver­tei­lung der Ar­beits­stun­den gel­tend ma­chen.

Auch Ar­beit­neh­mer, die be­reits in Teil­zeit ar­bei­ten, können ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit ver­lan­gen, z.B. von 30 auf 25 St­un­den. Ei­ne Un­ter­gren­ze der Ar­beits­stun­den sieht das Ge­setz nicht vor. Dem­nach ist auch ei­ne Re­du­zie­rung auf drei oder fünf St­un­den pro Wo­che möglich.

Wer ein­mal ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung durch­ge­setzt hat, muss mit ei­nem wei­te­ren Teil­zeit­an­trag min­des­tens zwei Jah­re war­ten (§ 8 Abs.6 Tz­B­fG). Die­se Ka­renz­zeit gilt auch, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen Teil­zeit­an­trag be­rech­tig­ter­wei­se ab­ge­lehnt hat.

Wel­chen Nach­teil ha­ben die ak­tu­el­len Teil­zeit­re­ge­lun­gen für Ar­beit­neh­mer?

Verkürzt man sei­ne Ar­beits­zeit nach den o.g. Re­ge­lun­gen, dann macht man dies auf un­be­grenz­te Zeit. Zwar ist ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung der Ar­beits­stun­den nach zwei Jah­ren möglich. Ei­nen An­spruch auf Rück­kehr zur ursprüng­li­chen (länge­ren) Ar­beits­zeit gibt es aber der­zeit auf der Grund­la­ge des Tz­B­fG nicht.

Das heißt: Wenn die Ent­schei­dung für ei­ne Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung nur vorüber­ge­hend sinn­voll ist, z.B. weil man klei­ne Kin­der hat, sitzt man später in der Teil­zeit­fal­le. Denn so­bald die Kin­der zur Schu­le ge­hen, könn­te man ja wie­der länger ar­bei­ten. Dafür ist man aber der­zeit auf das OK des Ar­beit­ge­bers an­ge­wie­sen.

Be­son­ders Frau­en sind da­von be­trof­fen. So ar­bei­ten nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts 72 Pro­zent der Mütter mit min­derjähri­gen Kin­dern auf Teil­zeit­ba­sis, während nur sechs Pro­zent der Väter aus fa­mi­liären Gründen im Be­ruf kürzer tre­ten (wir be­rich­te­ten in Ar­beits­recht ak­tu­ell: 18/099a Stu­die über Frau­en in Teil­zeit).

Hier hilft der­zeit auch § 9 Tz­B­fG we­nig: Da­nach hat der Ar­beit­ge­ber Teil­zeit­beschäftig­te bei der Be­set­zung von Ar­beitsplätzen zu be­vor­zu­gen, wenn sie den Wunsch nach ei­ner Verlänge­rung ih­rer Ar­beits­zeit geäußert ha­ben. Da­zu muss aber erst ein­mal ein ent­spre­chen­der Ar­beits­platz im Be­trieb frei sein, und für die­sen frei­en Ar­beits­platz muss der Teil­zeit-Ar­beit­neh­mer gleich gut ge­eig­net sein wie ein an­de­rer (ex­ter­ner) Be­wer­ber. Zu­dem dürfen die Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer Teil­zeit­beschäftig­ter so­wie drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe der Auf­sto­ckung der Ar­beits­zeit nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Und da nach der­zeit gel­ten­dem Recht der Ar­beit­neh­mer nach­wei­sen muss, dass ei­ne Stel­le frei ist, für die er ge­eig­net wäre, kommt es sel­ten vor, dass teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer un­ter Be­ru­fung auf § 9 Tz­B­fG ei­ne Ar­beits­zeit­verlänge­rung durch­set­zen können.

Wie soll die neue Brücken­teil­zeit aus­ge­stal­tet wer­den?

Mit dem neu­en Ge­setz soll ei­ne sog. Brücken­teil­zeit, al­so ein An­spruch auf zeit­lich be­grenz­te Teil­zeit­ar­beit, in das Tz­B­fG ein­geführt wer­den, und zwar in Ge­stalt ei­nes neu­en § 9a Tz­B­fG.

Da­mit können Ar­beit­neh­mer künf­tig ih­re Ar­beits­zeit für ei­ne vor­her fest­ge­leg­te Dau­er um die gewünsch­ten Ar­beits­stun­den re­du­zie­ren, d.h. mit der Ge­wiss­heit, dass sie im An­schluss wie­der zu ih­rer al­ten länge­ren Ar­beits­zeit zurück­keh­ren. Der­zeit gibt es ei­ne sol­che recht­li­che Möglich­keit nur im Rah­men ei­ner El­tern­zeit gemäß § 15 Abs.5 bis 7 Bun­des­el­tern­geld und -El­tern­zeit­ge­setz (BEEG). Da­nach können El­tern­zeit-Ar­beit­neh­mer ih­re Ar­beits­zeit ver­rin­gern, al­ler­dings nur in ei­nem Kor­ri­dor zwi­schen min­des­tens 15 und höchs­tens 30 St­un­den pro Wo­che (§ 15 Abs.7 Satz 1 Nr.3 BEEG).

Der Re­fe­ren­ten­ent­wurf sieht vor, dass die Zeit der Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung zwi­schen ei­nem und fünf Jah­re dau­ern kann. Von die­sem zeit­li­chen Rah­men können die Ta­rif­par­tei­en ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen tref­fen. Wie nach der­zeit gel­ten­dem Teil­zeit­recht müssen Ar­beit­neh­mer für ei­nen Wunsch nach Brücken­teil­zeit kei­ne Gründe an­ge­ben.

Hat sich der Ar­beit­neh­mer für ei­ne be­stimm­te Dau­er der tem­porären Teil­zeit und für ei­ne be­stimm­te (re­du­zier­te) An­zahl von Ar­beits­stun­den ent­schie­den, soll er dar­an auch ge­bun­den sein. Während der Brücken­teil­zeit be­steht laut Ge­setz­ent­wurf kein An­spruch auf ei­ne wei­te­re Verkürzung oder auf ei­ne Verlänge­rung der Ar­beits­zeit bzw. auf ei­ne vor­zei­ti­ge Rück­kehr zur al­ten Ar­beits­zeit. Auf ei­ne sol­che Re­ge­lung müss­ten sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer frei­wil­lig ei­ni­gen.

Be­trieb­li­che Vor­aus­set­zung für den neu­en Teil­zeit­an­spruchs ist, dass der Ar­beit­ge­ber in der Re­gel mehr als 45 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. Die­se Min­dest­be­triebs­größe weicht von der Re­ge­lung zur un­be­fris­te­ten Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ab, die ei­ne ge­rin­ge Min­dest­be­triebs­größe von über 15 Ar­beit­neh­mern vor­sieht (§ 8 Abs.7 Tz­B­fG).

Eben­so wie beim der­zei­ti­gen Teil­zeit­be­geh­ren kann sich der Ar­beit­ge­ber ge­genüber dem Ver­lan­gen nach ei­ner Brücken­teil­zeit auf ent­ge­gen­ste­hen­de "be­trieb­li­che Gründe" be­ru­fen. Hier ver­weist der Ge­setz­ent­wurf auf § 8 Abs.4 Tz­B­fG in der der­zeit gel­ten­den Fas­sung.

Darüber hin­aus soll es für Ar­beit­ge­ber, die re­gelmäßig mehr als 45 bis 200 Ar­beit­neh­mer beschäftig­ten, ei­ne Zu­mut­bar­keits­gren­ze ge­ben. Kon­kret heißt das: Be­trie­be die­ser Größe müssen nur ei­nem pro 15 Ar­beit­neh­mer ei­ne Brücken­teil­zeit gewähren.

Als wei­te­re Neue­rung sieht der Ge­setz­ent­wurf vor, dass Teil­zeit­anträge künf­tig in Text­form (§ 126b Bürger­li­ches Ge­setz­buch - BGB) ge­stellt wer­den müssen, al­so z.B. per E-Mail. Das gilt so­wohl für die be­fris­te­te als auch für die un­be­fris­te­te Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung. Die Fris­ten zur Ein­rei­chung des An­trags (drei Mo­na­te im Vor­aus) und zur Be­ant­wor­tung des Teil­zeit­be­geh­rens durch den Ar­beit­ge­ber (ei­nen Mo­nat im Vor­aus) blei­ben un­verändert.

Nach der Rück­kehr aus der zeit­lich be­gren­zen Teil­zeit oder nach ei­ner be­rech­tig­ten Ab­sa­ge des Ar­beit­ge­bers auf­grund der o.g. Zu­mut­bar­keits­gren­ze soll ei­ne er­neu­te Ver­rin­ge­rung frühes­tens nach ei­nem Jahr ver­langt wer­den können. Lehnt der Ar­beit­ge­ber den Wunsch der Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung da­ge­gen be­rech­tig­ter­wei­se aus be­trieb­li­chen Gründen ab, so soll die ak­tu­ell gel­ten­de Frist von zwei Jah­ren (§ 8 Abs.6 Tz­B­fG) für ei­nen er­neu­ten An­trag gel­ten.

Und während Ar­beit­neh­mer der­zeit, wenn sie ih­re Ar­beits­zei­ten verändern möch­ten, vom Ar­beit­ge­ber über pas­sen­de freie Ar­beitsplätze nur in­for­miert wer­den müssen (§ 7 Abs.2 Tz­B­fG), hat der Ar­beit­ge­ber sol­che Wünsche künf­tig mit dem Ar­beit­neh­mer zu erörtern.

Wel­che Ver­bes­se­run­gen sind bei der Verlänge­rung der Ar­beits­zeit gemäß § 9 Tz­B­fG ge­plant?

Auf der Grund­la­ge des re­for­mier­ten Tz­B­fG wird es künf­tig zwei Grup­pen von Teil­zeit­kräften ge­ben: Die Brücken-Teil­zeit­kräfte, die in ab­seh­ba­rer Zeit wie­der zu ih­rer al­ten Ar­beits­zeit zurück­keh­ren wer­den, und die "nor­ma­len" Teil­zeit­kräfte, die dau­er­haft in Teil­zeit ar­bei­ten.

Um auch die Rech­te der zwei­ten Grup­pe von Teil­zeit­kräften zu ver­bes­sern, soll § 9 Tz­B­fG geändert wer­den. Denn der­zeit müssen Teil­zeit­ar­beit­neh­mer, wie oben erwähnt, bei der Be­ru­fung auf § 9 Tz­B­fG nach­wei­sen, dass ei­ne für sie ge­eig­ne­te Stel­le frei ist. Die­se aus Ar­beit­neh­mer­sicht ungüns­ti­ge Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last er­gibt sich aus dem Wort­laut von § 9 Tz­B­fG, der dem Ar­beit­ge­ber nur die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für mögli­cher­wei­se ent­ge­gen­ste­hen­de Gründe auf­er­legt ("es sei denn, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ... ent­ge­gen­ste­hen").

§ 9 Tz­B­fG lau­tet in sei­ner der­zei­ti­gen Fas­sung:

"Der Ar­beit­ge­ber hat ei­nen teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer, der ihm den Wunsch nach ei­ner Verlänge­rung sei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit an­ge­zeigt hat, bei der Be­set­zung ei­nes ent­spre­chen­den frei­en Ar­beits­plat­zes bei glei­cher Eig­nung be­vor­zugt zu berück­sich­ti­gen, es sei denn, dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe oder Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen."

Dem­ge­genüber soll die künf­ti­ge Fas­sung von § 9 Tz­B­fG so lau­ten:

"Der Ar­beit­ge­ber hat den in Text­form an­ge­zeig­ten Wunsch ei­nes teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mers nach ei­ner Verlänge­rung sei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit bei der Be­set­zung ei­nes Ar­beits­plat­zes be­vor­zugt zu berück­sich­ti­gen, es sei denn, dass es sich da­bei nicht um ei­nen ent­spre­chen­den frei­en Ar­beits­platz han­delt, für den der teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer nicht min­des­tens gleich ge­eig­net ist wie ein an­de­rer Be­wer­ber oder drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe oder Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen."

Die re­for­mier­te Ge­set­zes­fas­sung bringt im We­sent­li­chen ei­ne weit­ge­hen­de Ver­la­ge­rung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last auf den Ar­beit­ge­ber mit sich ("es sei denn, dass..."). Da­nach muss nämlich ein teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer künf­tig nur noch "den Fin­ger he­ben" bzw. auf ei­nen aus sei­ner Sicht ge­eig­ne­ten Ar­beits­platz hin­wei­sen, wenn er ei­ne Verlänge­rung sei­ner Ar­beits­zeit wünscht. Im nächs­ten Schritt ist es dann am Ar­beit­ge­ber, dar­zu­le­gen bzw. im Streit­fal­le vor Ge­richt zu be­wei­sen,

  • dass der vom teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ge­nann­te Ar­beits­platz gar nicht frei ist, d.h. zur Be­set­zung an­steht, und/oder
  • dass der vom teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ge­nann­te Ar­beits­platz für ihn gar nicht ge­eig­net ist, d.h. dass es sich nicht um ei­nen "ent­spre­chen­den" Ar­beits­platz han­delt, und/oder
  • dass der teil­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer we­ni­ger gut ge­eig­net ist wie ein an­de­rer Be­wer­ber, und/oder
  • dass drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe der Be­set­zung des Ar­beits­plat­zes mit dem teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen, und/oder
  • dass Ar­beits­zeitwünsche an­de­rer teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer der Be­set­zung des Ar­beits­plat­zes mit dem teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­ste­hen.

Wie man sieht, muss der Ar­beit­ge­ber beim Streit um die Ver­ga­be ei­ner (an­geb­lich frei­en) Stel­le mit höhe­rer St­un­den­zahl an ei­nen an ei­ner St­un­den­auf­sto­ckung in­ter­es­sier­ten Teil­zeit­ar­beit­neh­mer künf­tig sehr viel ge­nau­er als bis­her nach­wei­sen, dass ei­ne sol­che St­un­den­auf­sto­ckung nicht möglich ist.

Ände­run­gen bei der Ar­beit auf Ab­ruf

Sch­ließlich enthält der Ge­setz­ent­wurf auch ei­ni­ge Ände­run­gen für die Ar­beit auf Ab­ruf. Dem­nach soll der An­teil der zusätz­lich vom Ar­beit­ge­ber ab­ruf­ba­ren Ar­beit künf­tig nicht mehr als 25 Pro­zent der ver­ein­bar­ten wöchent­li­chen Min­dest­ar­beits­zeit be­tra­gen. Die ma­xi­ma­le Ver­rin­ge­rung der Höchst­ar­beits­zeit soll auf 20 Pro­zent be­grenzt wer­den.

Ist kei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit fest­ge­legt, sol­len 20 St­un­den als ver­ein­bart gel­ten. Die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall soll künf­tig auf Grund­la­ge der Durch­schnitts­ar­beits­zeit der letz­ten drei Mo­na­te be­rech­net wer­den. Glei­ches gilt für die Ent­gelt­zah­lung an Fei­er­ta­gen.

Stim­men zum Re­fe­ren­ten­ent­wurf

Wie nicht an­ders zu er­war­ten ist, stößt das Vor­ha­ben des Bun­des­ar­beits­mi­nis­ters bei den Ar­beit­ge­bern auf Kri­tik.

Bei sei­nem Be­such des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des BDA bemängel­te Ar­beit­ge­ber­präsi­dent In­go Kra­mer laut der deut­schen Pres­se­agen­tur (dpa) ins­be­son­de­re die ge­plan­te Be­weis­last­um­kehr. Die­se würde „zu ei­nem dau­er­haf­ten Miss­verständ­nis führen“. In ei­ner Pres­se­mit­tei­lung vom 17.04.2018 ließ der BDA zu­dem ver­lau­ten, dass man das Ge­setz strikt ab­leh­ne, da es sich um „büro­kra­ti­sche Re­ge­lun­gen und di­ri­gis­ti­sche Ein­grif­fe des Ge­setz­ge­bers in die be­trieb­li­che Ar­beits­zeit­ge­stal­tung“ han­de­le.

Auch der Haupt­geschäftsführer des Zen­tral­ver­bands Deut­sches Bau­ge­wer­be, Fe­lix Pa­kleppa, brach­te in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung vom 18.04.2018 sei­ne Ab­leh­nung zum Aus­druck:

„Die vom Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um vor­ge­schla­ge­nen Verände­run­gen des Teil­zeit­ge­set­zes leh­nen wir ab. Sie sind in wei­ten Tei­len welt­fremd, ge­hen an der be­trieb­li­chen Rea­lität in Bau­un­ter­neh­men vor­bei und führen zu wei­te­ren büro­kra­ti­schen Las­ten. Das können wir Un­ter­neh­mern nicht mehr zu­mu­ten.“

Der Ko­ali­ti­ons­part­ner, der das Ge­setz mit zu ver­tre­ten hat, ist eben­falls noch nicht ganz über­zeugt. So sag­te CDU-Ge­ne­ral­se­kretärin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung:

„Wir müssen ei­ni­ges ver­han­deln. So ein­fach geht es nicht.“

Auf der an­de­ren Sei­te hat auch der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB), an sich ein grundsätz­li­cher Befürwor­ter der be­fris­te­ten Teil­zeit, Kri­tik an dem Re­form­ent­wurf. Der Neu­en Os­nabrücker Zei­tung ge­genüber kri­ti­sier­te Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach die Quo­ten und Aus­nah­men für klei­ne­re Un­ter­neh­men.

Fa­zit

Dass die Ar­beit­ge­ber­sei­te von der ge­plan­ten Ge­set­zesände­rung nicht be­geis­tert ist, kann man ver­ste­hen. Im­mer­hin stellt der neue be­fris­te­te Teil­zeit­an­spruch Un­ter­neh­men vor Pro­ble­me bei Per­so­nal­pla­nung. Sie müssen künf­tig für die Zeit ei­ner be­fris­te­ten Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung Über­g­angslösun­gen fin­den, um den Ar­beits­aus­fall ab­zu­fe­dern, und nach dem En­de der Brücken­teil­zeit stellt sich das um­ge­kehr­te Pro­blem.

Hier könn­ten zwar theo­re­tisch be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se Ab­hil­fe schaf­fen, doch ist es an­ge­sichts des der­zei­ti­gen Fach­kräfte­man­gels zu­neh­mend schwer, neue Mit­ar­bei­ter für be­fris­te­te Stel­len zu be­geis­tern. Eben die­se Ar­beits­markt­si­tua­ti­on und die an­hal­tend gu­te wirt­schaft­li­che La­ge dürf­ten an­de­rer­seits dafür sor­gen, dass vie­le Ar­beit­ge­ber kei­ne großen Pro­ble­me da­mit ha­ben, die Wo­chen­stun­den­zahl von Teil­zeit­kräften nach Ab­lauf ei­ner Brücken­teil­zeit wie­der auf­zu­sto­cken.

Berück­sich­tigt man die Tat­sa­che, dass vie­le gut qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen schon heu­te auf­grund des Ar­beits­kräfte­man­gels recht selbst­be­wusst und "pro­ak­tiv" ih­re Ar­beits­zeitwünsche vor­tra­gen (und durch­set­zen) können, dürf­ten sich die Pro­ble­me vie­ler Per­so­nal­ab­tei­lun­gen durch das Ge­setz nicht grund­le­gend verschärfen.

So oder so wird die Brücken­teil­zeit, auf die sich die Große Ko­ali­ti­on im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ja ver­bind­lich ge­ei­nigt hat, im Lau­fe die­ses Jah­res al­ler Vor­aus­sicht nach Ge­setz wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 27. August 2018

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