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BAG, Ur­teil vom 27.06.2017, 9 AZR 368/16

   
Schlagworte: Arbeitszeitverringerung, Teilzeitbeschäftigung, Teilzeitantrag
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 9 AZR 368/16
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 27.06.2017
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 26.05.2015, 24 Ca 8821/14
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 11.04.2016, 17 Sa 814/15
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

9 AZR 368/16
17 Sa 814/15
Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
27. Ju­ni 2017

UR­TEIL

Brüne, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te, Re­vi­si­onskläge­rin und An­schluss­re­vi­si­ons­be­klag­te,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin, Re­vi­si­ons­be­klag­te und An­schluss­re­vi­si­onskläge­rin,

hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 27. Ju­ni 2017 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer und

 

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Dr. Suckow so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Mer­te und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lücke für Recht er­kannt:

1. Auf die An­schluss­re­vi­si­on der Kläge­rin wird un­ter Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on der Be­klag­ten das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 11. April 2016 - 17 Sa 814/15 - auf­ge­ho­ben, so­weit die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 26. Mai 2015 - 24 Ca 8821/14 - zurück­ge­wie­sen wur­de.

2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frank­furt am Main vom 26. Mai 2015 - 24 Ca 8821/14 - ins­ge­samt ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin gemäß ih­rem Teil­zeit­an­trag vom 22. Ju­ni 2014 mit ei­ner auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit re­du­zier­ten Ar­beits­zeit durch block­wei­se Frei­stel­lung in den Mo­na­ten Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber ei­nes je­den Jah­res zu beschäfti­gen.

3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit der Kläge­rin auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit bei ei­ner block­wei­sen Frei­stel­lung je­weils in den Mo­na­ten Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber ei­nes je­den Jah­res.

Die Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten seit dem 17. De­zem­ber 1989 auf­grund des Ar­beits­ver­trags vom 13. De­zem­ber 1989 als Flug­be­glei­te­rin, zu­letzt als Purs­e­ret­te mit Sta­tio­nie­rungs­ort Frank­furt am Main, beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me die für das Ka­bi­nen­per­so­nal der Be­klag­ten gel­ten­den Ta­rif­verträge An­wen­dung. Zu-

 

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letzt ar­bei­te­te die Kläge­rin auf­grund des Teil­zeit­ar­beits­ver­trags vom 22. Au­gust 2006 mit ei­ner Ar­beits­zeit von 51,09 % der Vol­l­ar­beits­zeit.

In der Pro­to­koll­no­tiz Ziff. 17 zum Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 2 für das Ka­bi­nen­per­so­nal der DLH heißt es ua.:

„17. Teil­zeit/Mo­nats­pla­nung
A. Die DLH kann den Mit­ar­bei­tern des Ka­bi­nen­per­so­nals, die in Ka­len­der­mo­na­ten ge­plant wer­den, Teil­zeit­beschäfti­gung in fol­gen­den For­men an­bie­ten:
(1) Mo­nats­wei­se Frei­stel­lung vom flie­ge­ri­schen Ein­satz im mo­nat­li­chen Wech­sel (Mo­dell 1),
(2) Frei­stel­lung für zwei­mal drei zu­sam­menhängen­de Mo­na­te im drei­mo­nat­li­chen Wech­sel, wo­bei die Frei­stel­lung mit dem ers­ten oder mit dem zwei­ten Quar­tal be­gin­nen kann (Mo­dell 2),
...
(7) Ta­ge­wei­se Frei­stel­lung in­ner­halb je­den Mo­nats, wo­bei sich der An­spruch auf freie Ta­ge in­ner­halb des Mo­nats auf 19 und in­ner­halb des Quar­tals auf 62 Ka­len­der­ta­ge erhöht (Mo­dell 7),
...“

Die Teil­zeit­mo­del­le und das so­ge­nann­te Re­quest­ver­fah­ren der Be­klag­ten zur Ver­ga­be von Teil­zeit­mo­del­len sind in ei­nem Merk­blatt der Be­klag­ten „Teil­zeit 2015“ dar­ge­stellt.

Seit April 2009 hat­te die Kläge­rin in­fol­ge Schwan­ger­schaft, Beschäfti­gungs­ver­bot nach der Ent­bin­dung, El­tern­zeit, so­ge­nann­tem „Luft­han­sa-Fa­mi­li­en­jahr“ und ei­nem dar­an an­knüpfen­den Son­der­ur­laub kei­ne Ar­beits­leis­tun­gen mehr er­bracht. Anläss­lich ih­rer Rück­kehr an ih­ren Ar­beits­platz reich­te sie am 22. Ju­ni 2014 un­ter Nut­zung ei­nes elek­tro­ni­schen Sys­tems der Be­klag­ten un­ter „Teil­zeit 2015“ ei­nen An­trag auf wei­te­re Ver­rin­ge­rung ih­rer Ar­beits­zeit bei der Be­klag­ten ein. In dem An­trag heißt es aus­zugs­wei­se wie folgt:

 

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„Be­wer­bungs­mo­del­le in der Rei­hen­fol­ge Ih­rer Prio­ri­sie­rung
1. Prio­rität: H2 - Frei­stel­lungs­mo­na­te
FEB/APR/JUN/AUG/OKT/DEZ
Ur­laub 21 Ta­ge, Ar­beits­zeit/Vergütung 50,00 %
2. Prio­rität: H1 - Frei­stel­lungs­mo­na­te
JAN/MAR/MAI/JUL/SEP/NOV
Ur­laub 21 Ta­ge, Ar­beits­zeit/Vergütung 50,00 %

Op­tio­nen

Sie ha­ben die Re­du­zie­rung der Jah­res­flug­stun­den zu ei­nem Jah­res­mo­dell be­an­tragt.

Sie ha­ben im Fal­le der Nicht­gewährung ei­nes Wunsch­mo­dells die Re­du­zie­rung der Jah­res­flug­stun­den zu ei­nem Jah­res­mo­dell auch für das ak­tu­el­le TZ-Mo­dell be­an­tragt.

Durch die­se Ein­ga­be ha­ben Sie Ih­re Teil­zeitwünsche ver­bind­lich ge­spei­chert.“

Die Be­klag­te teil­te der Kläge­rin mit ei­nem ma­schi­nell er­stell­ten und nicht un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben vom 1. Au­gust 2014 un­ter dem Be­treff „Ihr An­trag auf Teil­zeit­ar­beit in 2015“ ua. Fol­gen­des mit:

„...
lei­der müssen wir Ih­nen mit­tei­len, dass Ihr An­trag auf Teil­zeit­ar­beit für 2015 - we­gen Ih­rer ein­ge­schränk­ten An­ga­be von al­ter­na­ti­ven Wunsch­mo­del­len - aus Se­nio­ritäts­gründen nicht berück­sich­tigt wer­den konn­te.
...
Deut­sche Luft­han­sa Ak­ti­en­ge­sell­schaft Per­so­nal­be­treu­ung & -ent­wick­lung Ca­bin Crews
Die­ses Schrei­ben wur­de ma­schi­nell er­stellt und ist auch oh­ne Un­ter­schrift gültig.“

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, ihr Teil­zeit­ver­lan­gen sei nach dem ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont aus­zu­le­gen. Da­nach wer­de deut­lich, dass sie auch ei­nen An­trag nach § 8 Tz­B­fG ge­stellt ha­be und nicht le­dig­lich ei­nen An­trag nach dem Re­quest­ver­fah­ren der Be­klag­ten. Dass sie sich hier­bei in­ner­halb des von der Be­klag­ten vor­ge­hal­te­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­mo­dells ha­be hal­ten wol­len, ste­he dem nicht ent­ge­gen. Es sei für ei­nen ob­jek­ti­ven Empfänger nicht er­sicht­lich, dass sie ih­ren An­trag nur auf ei­ne von zwei mögli­chen An­spruchs­grund­la-

 

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gen ha­be stützen wol­len. Die Be­klag­te ha­be ih­ren An­trag nicht un­ter Ein­hal­tung der Schrift­form ab­ge­lehnt, so­dass die Fik­ti­on nach § 8 Abs. 5 Satz 2 und Satz 3 Tz­B­fG ein­ge­tre­ten sei. Das Ab­leh­nungs­schrei­ben der Be­klag­ten vom 1. Au­gust 2014 ver­s­toße ge­gen das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 8 Abs. 5 Tz­B­fG. Ei­ne Ab­leh­nung in Text­form genüge nicht. Im Übri­gen sei­en auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 126b BGB nicht erfüllt, da die Per­son des Erklären­den nicht er­sicht­lich sei.

Das Teil­zeit­ver­lan­gen sei auch nicht rechts­miss­bräuch­lich, weil sie nur ei­ne wei­te­re Ver­rin­ge­rung ih­rer Ar­beits­zeit um 1,09 % be­an­tragt ha­be. Sie ha­be da­mit ih­re fa­mi­liären und be­ruf­li­chen Be­lan­ge mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren wol­len. Durch die re­gelmäßige Frei­stel­lung sol­le die Be­treu­ung ih­res Kin­des gleichmäßig und plan­bar ge­re­gelt und mit ih­rem Le­bens­part­ner, wel­cher bei der Be­klag­ten als Flug­ka­pitän im Schicht­dienst und eben­falls in Teil­zeit beschäftigt sei, auf­ge­teilt wer­den. Die Be­klag­te bie­te den Wech­sel zwi­schen zwei Teil­zeit­mo­del­len aus­drück­lich an.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie gemäß Teil­zeit­an­trag vom 22. Ju­ni 2014 mit ei­ner auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit re­du­zier­ten Ar­beits­zeit durch block­wei­se Frei­stel­lung im Mo­nat Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber ei­nes je­den Jah­res zu beschäfti­gen;

2. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem An­trag zu 1. fest­zu­stel­len, dass sich ih­re Ar­beits­zeit gemäß Teil­zeit­an­trag vom 22. Ju­ni 2014 auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit re­du­ziert hat durch block­wei­se Frei­stel­lung im Mo­nat Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber ei­nes je­den Jah­res;

3. hilfs­wei­se für den Fall des Un­ter­lie­gens mit den Anträgen zu 1. und 2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ei­ner Re­du­zie­rung der jähr­li­chen Ar­beits­zeit der Kläge­rin um 50 % auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit durch block­wei­se Frei­stel­lung im Mo­nat Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber ei­nes je­den Jah­res ab dem 1. Ja­nu­ar 2015 zu­zu­stim­men gemäß Teil­zeit­an­trag vom 22. Ju­ni 2014.

 

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie ist der Auf­fas­sung, bei dem An­trag der Kläge­rin vom 22. Ju­ni 2014 ha­be es sich aus­sch­ließlich um ei­nen An­trag im Rah­men des von ihr zur Verfügung ge­stell­ten Re­quest­ver­fah­rens ge­han­delt. Dies er­ge­be die Aus­le­gung des An­trags. Für sie als Empfänge­rin der Erklärung sei nicht er­sicht­lich ge­we­sen, dass es sich auch um ei­nen An­trag nach § 8 Tz­B­fG ha­be han­deln sol­len. Die Kläge­rin ha­be den An­trag über das für das Re­quest­ver­fah­ren vor­ge­se­he­ne elek­tro­ni­sche Sys­tem ge­stellt und sich für be­stimm­te, mit den ta­rif­ver­trag­li­chen Kürzeln be­zeich­ne­te Teil­zeit­mo­del­le be­wor­ben, die das Tz­B­fG nicht ken­ne. Das Re­quest­ver­fah­ren be­ste­he ge­son­dert ne­ben dem An­spruch nach § 8 Tz­B­fG und be­ein­träch­ti­ge die­sen nicht. In­so­weit sei der Ar­beit­ge­ber frei, hierfür ge­son­der­te Re­geln auf­zu­stel­len. Zu­min­dest sei das Teil­zeit­be­geh­ren rechts­miss­bräuch­lich, da es der Kläge­rin al­lein um ei­ne Neu­ver­tei­lung der Ar­beits­zeit ge­he. Sie ha­be ei­ne Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit um le­dig­lich 1,09 % mit dem Ziel ver­langt, ei­ne Neu­ver­tei­lung der Ar­beits­zeit zu er­rei­chen. Ein er­kenn­ba­res In­ter­es­se an ei­ner wei­te­ren Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung be­ste­he nicht. Schon des­halb ha­be ei­ne Fik­ti­on nach § 8 Abs. 5 Tz­B­fG nicht ein­tre­ten können. Je­den­falls ha­be sie den An­trag form­wirk­sam ab­ge­lehnt, da die Ein­hal­tung der Text­form hierfür aus­rei­chend sei. Bei der Mit­tei­lung nach § 8 Abs. 5 Tz­B­fG ste­he die In­for­ma­ti­ons- und Do­ku­men­ta­ti­ons­funk­ti­on im Vor­der­grund.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem ers­ten Hilfs­an­trag statt­ge­ge­ben; den Haupt­an­trag hat es als un­zulässig er­ach­tet. Mit ih­rer Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung. Die Kläge­rin er­strebt mit ih­rer An­schluss­re­vi­si­on die Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten nach dem Haupt­an­trag.

Ent­schei­dungs­gründe

A. Die An­schluss­re­vi­si­on der Kläge­rin ist zulässig und be­gründet. Die Kläge­rin hat An­spruch auf die aus dem Haupt­an­trag er­sicht­li­che Beschäfti­gung.

 

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Des­halb kann die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen die Ver­ur­tei­lung gemäß dem ers­ten Hilfs­an­trag kei­nen Er­folg ha­ben. Die­ser fällt nicht mehr zur Ent­schei­dung an.

I. Die An­schluss­re­vi­si­on der Kläge­rin ist zulässig und be­gründet.

1. Die An­schluss­re­vi­si­on ist zulässig. Sie erfüllt ins­be­son­de­re die Vor­aus­set­zun­gen des § 554 ZPO.

a) Die An­schluss­re­vi­si­on nach § 554 ZPO muss ei­nen Le­bens­sach­ver­halt be­tref­fen, der mit dem von der Re­vi­si­on er­fass­ten Streit­ge­gen­stand in ei­nem un­mit­tel­ba­ren recht­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­hang steht (BAG 20. Mai 2009 - 5 AZR 312/08 - Rn. 25; vgl. auch BGH 22. No­vem­ber 2007 - I ZR 74/05 - Rn. 38 ff. mwN, BGHZ 174, 244).

b) Die­sen An­for­de­run­gen wird die An­schluss­re­vi­si­on der Kläge­rin ge­recht.

Sie ver­folgt da­mit ih­ren ursprüng­li­chen, vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ab­ge­wie­se­nen Haupt­an­trag, ge­rich­tet auf Beschäfti­gung in dem von ihr gel­tend ge­mach­ten Um­fang und mit der von ihr gel­tend ge­mach­ten Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit, wei­ter. Über die­sen Streit­ge­gen­stand hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­den. Die­ser An­spruch steht auch mit dem in die Re­vi­si­ons­in­stanz ge­lang­ten An­spruch in un­mit­tel­ba­rem recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­hang.

2. Die An­schluss­re­vi­si­on ist be­gründet.

a) Der Haupt­an­trag ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts zulässig. Er ist ins­be­son­de­re hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

aa) Ein An­trag muss so be­stimmt sein, dass die ei­gent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann. Im Fal­le ei­ner dem An­trag statt­ge­ben­den Ent­schei­dung muss für den Schuld­ner ein­deu­tig er­kenn­bar sein, was von ihm ver­langt wird. Die Prüfung, wel­che Maßnah­men der Schuld­ner vor­zu­neh­men oder zu un­ter­las­sen hat, darf nicht in das Voll­st­re-

 

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ckungs­ver­fah­ren ver­la­gert wer­den (vgl. zum Be­schluss­ver­fah­ren BAG 27. Ju­li 2010 - 1 ABR 74/09 - Rn. 11).

bb) Die­sen An­for­de­run­gen wird der Haupt­an­trag ge­recht. Aus ihm geht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit her­vor, wel­che kon­kre­te Hand­lung von der Be­klag­ten ver­langt wird. Die Be­klag­te soll ver­ur­teilt wer­den, die Kläge­rin bei ei­ner ge­genüber ei­nem Voll­zeit­beschäftig­ten auf 50 % ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit nur außer­halb der im An­trag ge­nann­ten Ka­len­der­mo­na­te zu beschäfti­gen. Ein Man­gel an Be­stimmt­heit er­gibt sich nicht aus der feh­len­den An­ga­be, auf wel­che Ta­ge/St­un­den die Ar­beits­zeit ver­teilt sein soll. Dar­aus wird le­dig­lich deut­lich, dass die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit im Übri­gen dem Wei­sungs­recht der Be­klag­ten un­ter­lie­gen soll. Das schließt zwar nicht aus, dass die von der Be­klag­ten nach bil­li­gem Er­mes­sen zu be­stim­men­de La­ge der Ar­beits­zeit zwi­schen den Par­tei­en künf­tig strei­tig wer­den kann. Die­se Fra­ge be­trifft aber nicht den hier gel­tend ge­mach­ten An­spruch.

b) Der Haupt­an­trag ist be­gründet. Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten ver­lan­gen, in dem gel­tend ge­mach­ten Um­fang und nicht in den im An­trag ge­nann­ten Mo­na­ten beschäftigt zu wer­den. Die Ar­beits­zeit der Kläge­rin hat sich gemäß § 8 Abs. 5 Satz 2 Tz­B­fG in dem von ihr gewünsch­ten Um­fang ver­rin­gert. Nach § 8 Abs. 5 Satz 3 Tz­B­fG gilt die von ihr gewünsch­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit als fest­ge­legt.

aa) Die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 8 Tz­B­fG wa­ren erfüllt. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en be­stand länger als sechs Mo­na­te (§ 8 Abs. 1 Tz­B­fG). Die Be­klag­te beschäftigt re­gelmäßig mehr als 15 Ar­beit­neh­mer (§ 8 Abs. 7 Tz­B­fG).

bb) Die Kläge­rin hat ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten die Ver­rin­ge­rung ih­rer Ar­beits­zeit auch spätes­tens drei Mo­na­te vor de­ren Be­ginn gel­tend ge­macht und die gewünsch­te Ver­tei­lung gemäß § 8 Abs. 2 Tz­B­fG an­ge­ge­ben.

 

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(1) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den An­trag der Kläge­rin vom 22. Ju­ni 2014 aus­ge­legt und die Erklärung auch als An­ge­bot nach § 8 Tz­B­fG, die re­gelmäßige Ar­beits­zeit auf 50 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit zu re­du­zie­ren bei ei­ner block­wei­sen Frei­stel­lung in den Mo­na­ten Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber je­den Jah­res, ver­stan­den. Die­se Aus­le­gung lässt kei­nen Rechts­feh­ler er­ken­nen.

(2) Das Ver­rin­ge­rungs­ver­lan­gen ei­nes Ar­beit­neh­mers nach § 8 Abs. 1 Tz­B­fG ist ei­ne auf die Ände­rung des Ar­beits­ver­trags ge­rich­te­te Wil­lens­erklärung. Das Ände­rungs­an­ge­bot (§ 145 BGB), das dem Ar­beit­ge­ber spätes­tens drei Mo­na­te vor Be­ginn der be­gehr­ten Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung zu­ge­hen muss (§ 8 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG), muss nach all­ge­mei­nem Ver­trags­recht re­gelmäßig so kon­kret sein, dass der Adres­sat des An­ge­bots die­ses mit ei­nem ein­fa­chen „Ja“ an­neh­men kann. Der In­halt ei­nes zwi­schen den Par­tei­en zu­stan­de kom­men­den Ände­rungs­ver­trags muss fest­ste­hen (vgl. BAG 16. Ok­to­ber 2007 - 9 AZR 239/07 - Rn. 20 mwN, BA­GE 124, 219). Nicht er­for­der­lich ist, dass der Ar­beit­neh­mer sein Ände­rungs­an­ge­bot aus­drück­lich als Teil­zeit­an­trag be­zeich­net (BAG 20. Ja­nu­ar 2015 - 9 AZR 860/13 - Rn. 19). Der Ar­beit­neh­mer soll die gewünsch­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit bei der Gel­tend­ma­chung der Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit und des Um­fangs der Ver­rin­ge­rung an­ge­ben, ist da­zu aber nicht ver­pflich­tet (BAG 16. Ok­to­ber 2007 - 9 AZR 239/07 - Rn. 17, aaO).

(a) Die Kläge­rin hat für die Be­klag­te er­kenn­bar ei­ne rechts­er­heb­li­che und ver­bind­li­che Erklärung ab­ge­ge­ben. Dies wird schon an dem Zu­satz in der An­trags­mas­ke „Durch die­se Ein­ga­be ha­ben Sie Ih­re Teil­zeitwünsche ver­bind­lich ge­spei­chert“ deut­lich. Hierüber be­steht zwi­schen den Par­tei­en kein Streit.

(b) Der An­trag der Kläge­rin ist auch hin­rei­chend be­stimmt. Das Aus­maß der Ver­rin­ge­rung auf 50 % ist in dem An­trag aus­drück­lich ent­hal­ten. Der Zeit­punkt der Ver­rin­ge­rung er­gibt sich zwar nicht aus­drück­lich aus dem An­trag selbst. Er ist aber aus den Umständen ein­deu­tig er­kenn­bar. Die Kläge­rin hat im Sys­tem der Be­klag­ten un­ter „Teil­zeit 2015“ ein Teil­zeit­mo­dell be­an­tragt, wel­ches ein Jah­res­mo­dell dar­stellt. Die Be­klag­te hat den An­trag auch of­fen­sicht­lich so ver­stan­den, dass er ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit ab dem 1. Ja­nu­ar

 

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2015 enthält. In ih­rem Ab­leh­nungs­schrei­ben vom 1. Au­gust 2014 be­zieht sich die Be­klag­te aus­drück­lich auf die „Teil­zeit­ar­beit in 2015“. Die Be­klag­te be­ruft sich auch nicht dar­auf, der Zeit­punkt der gewünsch­ten Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung sei aus dem An­trag nicht er­kenn­bar ge­we­sen.

(c) Die Kläge­rin hat außer­dem - un­ter „01. Prio­rität“ - die gewünsch­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit bei ei­ner Frei­stel­lung in den Ka­len­der­mo­na­ten Fe­bru­ar, April, Ju­ni, Au­gust, Ok­to­ber und De­zem­ber an­ge­ge­ben. Dass sie darüber hin­aus al­ter­na­tiv - un­ter „02. Prio­rität“ - ei­ne Frei­stel­lung in den Ka­len­der­mo­na­ten Ja­nu­ar, März, Mai, Ju­li, Sep­tem­ber und No­vem­ber an­ge­ge­ben hat, ist vor­lie­gend unschädlich. Durch die­se Ver­ga­be von Prio­ritäten wird deut­lich, dass die zwei­te Al­ter­na­ti­ve nur zum Tra­gen kom­men soll­te, wenn die Be­klag­te die primär be­gehr­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit ab­lehnt.

(d) Es han­delt sich auch um ei­nen An­trag nach § 8 Tz­B­fG. Ei­ne Be­schränkung des An­trags auf das von der Be­klag­ten durch­geführ­te Re­quest­ver­fah­ren ist ihm ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht zu ent­neh­men.

Unschädlich ist in­so­weit, dass die Kläge­rin § 8 Tz­B­fG nicht aus­drück­lich erwähnt hat. Gemäß § 8 Abs. 2 Tz­B­fG muss der Ar­beit­neh­mer die Ver­rin­ge­rung sei­ner Ar­beits­zeit und den Um­fang der Ver­rin­ge­rung gel­tend ma­chen. Die Be­nen­nung ei­ner An­spruchs­grund­la­ge ist hierfür nicht er­for­der­lich. Auch wenn die Kläge­rin das von der Be­klag­ten zur Verfügung ge­stell­te elek­tro­ni­sche Ver­fah­ren nutz­te und sich an die in die­sem Rah­men an­ge­bo­te­nen Teil­zeit­mo­del­le mit ih­rer je­wei­li­gen Be­zeich­nung hielt, lässt dies nach dem ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont nicht dar­auf schließen, dass es das aus­sch­ließli­che Ziel der Erklärung ge­we­sen sein soll­te, an dem Re­quest­ver­fah­ren teil­zu­neh­men. So heißt es in dem vor­for­mu­lier­ten Text „Durch die­se Ein­ga­be ha­ben Sie Ih­re Teil­zeitwünsche ver­bind­lich ge­spei­chert“. Die Be­klag­te bestätig­te da­mit, dass die Teil­zeitwünsche ein­ge­gan­gen sind. Dass da­mit Teil­zeitwünsche nach § 8 Tz­B­fG nicht ge­meint sein sol­len, wird im Text nicht deut­lich.

 

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cc) Ei­ne Be­fris­tung des Teil­zeit­be­geh­rens, wel­che der Wirk­sam­keit ei­nes Ver­rin­ge­rungs­ver­lan­gens nach § 8 Tz­B­fG ent­ge­gen­ste­hen würde (vgl. hier­zu BAG 12. Sep­tem­ber 2006 - 9 AZR 686/05 - Rn. 20, BA­GE 119, 254), enthält der An­trag der Kläge­rin nicht.

dd) Die Be­klag­te hat den Teil­zeit­an­trag der Kläge­rin nicht recht­zei­tig schrift­lich ab­ge­lehnt, so­dass sich die Ar­beits­zeit in dem von der Kläge­rin gewünsch­ten Um­fang ver­rin­ger­te (§ 8 Abs. 5 Satz 2 Tz­B­fG) und die von ihr be­gehr­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit als fest­ge­legt gilt (§ 8 Abs. 5 Satz 3 Tz­B­fG). Die Ab­leh­nung des Teil­zeit­wunschs durch die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 1. Au­gust 2014 ist we­gen Form­m­an­gels nich­tig (§ 125 Satz 1 BGB). Sie ent­spricht nicht der vom Ge­setz in § 8 Abs. 5 Tz­B­fG an­ge­ord­ne­ten Schrift­form (§ 126 Abs. 1 BGB).

(1) Die Ab­leh­nung des Ver­rin­ge­rungs­ver­lan­gens der Kläge­rin hätte un­ter Ein­hal­tung der Schrift­form des § 126 Abs. 1 BGB er­fol­gen müssen.

(a) Ver­wen­det der Ge­setz­ge­ber den Be­griff „schrift­lich“ im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Wil­lens­erklärung, meint er re­gelmäßig die Schrift­form des § 126 Abs. 1 BGB (vgl. BAG 10. Mai 2016 - 9 AZR 145/15 - Rn. 17). For­dert das Ge­setz, dass et­was „schrift­lich“ mit­zu­tei­len ist, ist die Schrift­form je­den­falls dann ein­zu­hal­ten, wenn es sich bei der Erklärung um ein Rechts­geschäft, ins­be­son­de­re um ei­ne Wil­lens­erklärung, han­delt (Lützen NJW 2012, 1627, 1630). Die Ab­leh­nung des Ar­beit­ge­bers, der Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit zu­zu­stim­men, ist ei­ne emp­fangs­bedürf­ti­ge, an den Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te Wil­lens­erklärung (vgl. BAG 20. Ja­nu­ar 2015 - 9 AZR 860/13 - Rn. 25 mwN).

(b) Selbst wenn darüber hin­aus Sinn und Zweck des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses zu berück­sich­ti­gen wären, er­gibt sich hier­aus nichts an­de­res. Die Wah­rung der Schrift­form des § 126 Abs. 1 BGB bei der Ab­leh­nung ei­nes Ver­rin­ge­rungs­ver­lan­gens nach dem Tz­B­fG be­wirkt Rechts­si­cher­heit für die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en und ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung im Rechts­streit, ob der hier­zu Be­rech­tig­te den An­trag des Ar­beit­neh­mers ab­ge­lehnt hat. Da­mit ver­bun­den ist die Rechts­si­cher­heit darüber, ob ei­ne Fik­ti­on gemäß § 8 Abs. 5 Tz­B­fG ein­ge-

 

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tre­ten ist. Durch die Un­ter­zeich­nung und de­ren Ver­bin­dung mit dem Erklärungs­text wird gewähr­leis­tet, dass die Erklärung in­halt­lich vom Un­ter­zeich­ner herrührt (vgl. zu § 16 BEEG aF: BAG 10. Mai 2016 - 9 AZR 145/15 - Rn. 26; vgl. auch BAG 17. De­zem­ber 2015 - 6 AZR 709/14 - Rn. 27, BA­GE 154, 40). Dar­aus wird deut­lich, dass für ei­ne wirk­sa­me Ab­leh­nung die Ein­hal­tung der Schrift­form des § 126 Abs. 1 BGB kon­sti­tu­tiv wirkt. An­halts­punk­te dafür, dass der Ge­setz­ge­ber die Form­vor­schrift ein­geführt hat, oh­ne die­se iSv. § 125 Satz 1 BGB ein­zu­ord­nen, feh­len.

(c) Für die Gel­tung des stren­gen For­mer­for­der­nis­ses des § 126 Abs. 1 BGB spricht darüber hin­aus die Ge­set­zes­his­to­rie. Ins­be­son­de­re macht die­se deut­lich, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ei­ne Ab­leh­nung in Text­form (§ 126b BGB) nicht genügt. Zwar galt § 126b BGB bei In­kraft­tre­ten des Tz­B­fG zum 1. Ja­nu­ar 2001 noch nicht. Die­se Vor­schrift wur­de erst mit Wir­kung vom 1. Au­gust 2001 ein­geführt (BGBl. I S. 1542). Je­doch hat der Ge­setz­ge­ber seit­dem, trotz zwi­schen­zeit­li­cher sons­ti­ger Ände­run­gen des Tz­B­fG, da­von ab­ge­se­hen, das Wort „schrift­lich“ durch die For­mu­lie­rung „in Text­form“ zu er­set­zen. Die­ser Wil­le des Ge­setz­ge­bers ist zu ach­ten, zu­mal die­ser Text­form iSv. § 126b BGB vor­nehm­lich nicht bei Wil­lens­erklärun­gen, son­dern bei rechts­geschäftsähn­li­chen Hand­lun­gen oder bei ge­setz­li­chen In­for­ma­ti­ons­pflich­ten aus­rei­chen lässt (vgl. MüKoBGB/Ein­se­le 7. Aufl. § 126 Rn. 4). In­so­fern kann von ei­ner be­wuss­ten Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers aus­ge­gan­gen wer­den, über die sich die Ge­rich­te auch dann nicht hin­weg­set­zen dürfen, wenn sie das Schrift­for­mer­for­der­nis nicht für an­ge­mes­sen er­ach­ten (vgl. zu § 16 BEEG aF: BAG 10. Mai 2016 - 9 AZR 145/15 - Rn. 24; aA ErfK/Preis 17. Aufl. § 8 Tz­B­fG Rn. 17).

(2) Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 1. Au­gust 2014 erfüllt die An­for­de­run­gen des § 126 Abs. 1 BGB nicht. Hier­nach muss die Ur­kun­de von dem Aus­stel­ler ei­genhändig durch Na­mens­un­ter­schrift oder mit­tels no­ta­ri­ell be­glau­big­ten Hand­zei­chens un­ter­zeich­net wer­den. Dies ist hier nicht der Fall.

 

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ee) Dem Ein­tritt der Fik­ti­on auch hin­sicht­lich der Neu­ver­tei­lung der Ar­beits­zeit steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin in ih­rem An­trag vom 22. Ju­ni 2014 nicht aus­sch­ließlich die mit dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ver­lang­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit - un­ter „01. Prio­rität“ - an­ge­ge­ben hat, son­dern darüber hin­aus - un­ter „02. Prio­rität“ - ei­ne hier­von ab­wei­chen­de Ver­tei­lung. Denn der An­trag ist so aus­zu­le­gen, dass die hier ver­lang­te Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit er­kenn­bar vor­ran­gig war. Zu ei­ner Ent­schei­dung der Be­klag­ten über die mit „02. Prio­rität“ ge­kenn­zeich­ne­te Ver­tei­lung soll­te es ein­deu­tig nur dann kom­men, wenn die Be­klag­te die mit „01. Prio­rität“ ge­kenn­zeich­ne­te Ver­tei­lung ab­lehnt. Die An­nah­me des An­trags der Kläge­rin mit „01. Prio­rität“ war durch ein ein­fa­ches „Ja“ der Be­klag­ten möglich.

ff) Dem Ein­tritt der Fik­ti­on kann der Ein­wand des Rechts­miss­brauchs nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob ein Rechts­miss­brauch hier dar­in lie­gen kann, dass die Kläge­rin nur ei­ne ge­rin­ge Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit von 51,09 % auf 50 % ver­langt hat.

Gemäß § 8 Abs. 5 Satz 2 Tz­B­fG gilt die vom Ar­beit­neh­mer be­an­trag­te Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung als ver­ein­bart, wenn der Ar­beit­ge­ber den frist­ge­recht ge­stell­ten An­trag des Ar­beit­neh­mers auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit nicht spätes­tens ei­nen Mo­nat vor dem ge­plan­ten Be­ginn der Ver­tragsände­rung schrift­lich ab­lehnt. Die Fik­ti­on er­setzt die An­nah­me des An­trags des Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber. Sie tritt des­halb mit dem In­halt des An­trags ein, den der Ar­beit­ge­ber auch hätte an­neh­men können. Wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend an­nimmt, hätte die Be­klag­te auch ei­nen rechts­miss­bräuch­li­chen An­trag an­neh­men können. Eben­so kann der Ar­beit­ge­ber auch durch bloße Untätig­keit die Zu­stim­mungs­fik­ti­on zu ei­nem aus sei­ner Sicht rechts­miss­bräuch­li­chen An­trag her­beiführen. Auch ein rechts­miss­bräuch­li­cher An­trag stellt da­her ei­nen wirk­sa­men An­trag dar, der vom Ar­beit­ge­ber an­ge­nom­men wer­den kann und der im Fall der nicht frist- oder form­ge­rech­ten Ab­leh­nung die Fik­tio­nen des § 8 Abs. 5 Satz 2 und Satz 3 Tz­B­fG auslösen kann.

II. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist un­be­gründet, da schon dem Haupt­an­trag statt­zu­ge­ben war.

 

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B. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1 ZPO

Brühler
Suckow
Krasshöfer
Mer­te
Mar­tin Lücke

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