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ArbG Ber­lin, Ur­teil vom 01.02.2017, 56 Ca 5356/15

   
Schlagworte: Diskriminierung - Geschlecht
   
Gericht: Arbeitsgericht Berlin
Aktenzeichen: 56 Ca 5356/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 01.02.2017
   
Leitsätze:
Vorinstanzen:
   

Ar­beits­ge­richt Ber­lin
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
56 Ca 5356/15

Verkündet
am 01.02.2017

Ge­richts­beschäftig­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

Pp

hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 56. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 07.12.2016
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt E. als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Frau B. und
den eh­ren­amt­li­cher Rich­ter Herr R.
für Recht er­kannt: 

I. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

II. Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

III. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 128.756,79 Eu­ro fest­ge­setzt. 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über den Sta­tus der Kläge­rin, Aus­kunfts­ansprüche we­gen ei­ner von der Kläge­rin be­haup­te­ten Un­gleich­be­hand­lung so­wie Entschädi­gungs­ansprüche we­gen der von ihr be­haup­te­ten Dis­kri­mi­nie­rung als Frau.

Die Kläge­rin ist seit dem 15.03.2007 bei der Be­klag­ten zunächst als „On­line-Re­dak­teu­rin“ und seit dem 01.04.2008 als Re­dak­teu­rin des von der Be­klag­ten pro­du­zier­ten Ma­ga­zins „F…“ beschäftigt, seit dem 01.07.2016 ge­gen ei­ne Vergütung in Höhe von 5.918,93 Eu­ro brut­to. Zu­vor war die Kläge­rin im An­schluss an ihr Hoch­schul­stu­di­um knapp 10 Jah­re als TV Re­dak­teu­rin, zu­letzt bei S. TV, tätig.
Beschäftigt wur­de die Kläge­rin als freie Mit­ar­bei­te­rin. Der letz­te zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Ver­trag da­tiert vom 05.07.2011. Nach des­sen § 1 Abs. 2 ist die Kläge­rin als freie Mit­ar­bei­te­rin gemäß dem „Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Frei­en Mit­ar­beit im 2. Kreis“ als Re­dak­teu­rin mit be­son­de­rer Ver­ant­wor­tung, § 2 Zif­fer 1, tätig. Die Ver­ein­ba­rung lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:

㤠2

Die Ver­trags­part­ne­rin wird für das Z. in fol­gen­dem Rah­men tätig:

1. Die Ver­trags­part­ne­rin wird in der Zeit vom 01.07.2010 bis auf wei­te­res in der Chef­re­dak­ti­on als Re­dak­teu­rin mit be­son­de­rer Ver­ant­wor­tung tätig.

2. Ein­satz­ort ist Mainz. Vom 01.07.2010 bis zum 30.06.2012

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er­folgt ei­ne Ver­set­zung in­ner­halb der Chef­re­dak­ti­on zur Sen­de­re­dak­ti­on F. mit Ein­satz­ort Ber­lin.

3. Das Z. ist be­rech­tigt, die Ver­trags­part­ne­rin auch in an­de­ren ver­gleich­ba­ren Funk­ti­ons­be­rei­chen oder an an­de­ren Ein­satz­or­ten ein­zu­set­zen.

4. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Beschäfti­gungs­zeit um­fasst ei­ne Voll­zeit­beschäfti­gung. Die wöchent­li­che Ar­beits­zeit beträgt 40 St­un­den. Auf Grund der be­fris­te­ten Über­nah­me in ein Teil­zeit­beschäfti­gungs­verhält­nis beträgt die wöchent­li­che Ar­beits­zeit in der Zeit vom 01.07.2010 bis 31.03.2012 34 St­un­den und ist mon­tags bis frei­tags zu er­brin­gen. Das Z. kann die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit an­ders re­geln, wenn be­trieb­li­che In­ter­es­sen dies er­for­dern. Das Glei­che gilt, wenn die Ver­trags­part­ne­rin ei­nen ent­spre­chen­den Wunsch äußert und be­trieb­li­che Gründe nicht ent­ge­gen­ste­hen. Die Ver­trags­part­ne­rin übt ih­re Tätig­keit in Ab­stim­mung und nach den Vor­ga­ben der Lei­tung des je­wei­li­gen Funk­ti­ons­be­reichs aus.

§ 3

1. Das Ho­no­rar rich­tet sich nach dem Ho­no­rar­band IV Re­dak­ti­on der Ho­no­rar­struk­tur des Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung der frei­en Mit­ar­beit im 2. Kreis (im Fol­gen­den Ta­rif­ver­trag ge­nannt) und ist zum 15. ei­nes Mo­nats fällig. Das Ho­no­rar ver­steht sich in­klu­si­ve Ur­laubs- und Fei­er­tags­an­spruch.

Auf­grund der gleich­zei­ti­gen Ho­no­rarhöhe erhält die Ver­trags­part­ne­rin gem. § 2 Zif­fer 3 a des Ta­rif­ver­tra­ges im Rah­men des Be­sitz­stan­des ab 01.07.2010 bis zum 30.06.2012 bei ei­ner Voll­zeit­beschäfti­gung ein mo­nat­li­ches Ho­no­rar in Höhe von der­zeit 4.651,95 Eu­ro.

5. Soll­te die Ver­trags­part­ne­rin aus ei­nem Grund, den die Ver­trags­part­ne­rin zu ver­tre­ten hat, nicht in der La­ge sein, die ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen zu er­brin­gen, ver­rin­gert sich das ver­ein­bar­te Ho­no­rar in dem Um­fang, in dem die Ver­trags­part­ne­rin ih­re Tätig­keit nicht aus­geübt hat. Dies un­be­scha­det der Re­ge­lun­gen der Zif­fer 7.5 des Ta­rif­ver­tra­ges für die auf Pro­duk­ti­ons­dau­er beschäftig­ten Z. so­wie ent­spre­chend des § 616 BGB. Dies gilt nicht bei ei­ner Er­kran­kung der Ver­trags­part­ne­rin. Das Ho­no­rar wird in die­sem Fall längs­tens bis zu 6 Wo­chen wei­ter­ge­zahlt.

Ei­ne über drei Ka­len­der­ta­ge hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­unfähig­keit ist dem Z. auch dann durch Vor­la­ge ei­ner ärzt­li­chen At­tes­tes an­zu­zei­gen, wenn die Ar­beits­unfähig­keit in ei­nen Zeit­raum fällt, in dem kei­ne Ar­beits­ver­pflich­tung be­steht.
….

9. Die Über­nah­me und Ausübung ei­ner be­zahl­ten oder un­be­zahl­ten außer­dienst­li­chen Ne­bentätig­keit be­darf der vor­her­ge­hen­den schrift­li­chen, in Eilfällen münd­li­chen Zu­stim­mung des Z.. So­weit in be­gründe­ten Aus­nah­mefällen auf Grund der Eil­bedürf­tig­keit zunächst ei­ne vorläufi­ge Zu­stim­mung münd­lich er­teilt wur­de, ist die Ent­schei­dung un­verzüglich schrift­lich nach­zu­ho­len. Im Übri­gen fin­den die Be­stim­mun­gen des § 9 MTV in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ent­spre­chen­de An­wen­dung.“

We­gen der Ein­zel­hei­ten des zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen Ver­tra­ges vom 05.07.2011 wird auf des­sen ein­ge­reich­te Ko­pie, Bl. 201 ff. d.A., Be­zug ge­nom­men.

Als On­line-Re­dak­teu­rin or­ga­ni­sier­te die Kläge­rin On­line-Chats, stell­te TV-Beiträge ins Con­tent-Ma­nage­ment-Sys­tem, be­ar­bei­te­te von Kol­le­gen geführ­te TV-In­ter­views und Fo­tos. Auf Grund der Zu­lie­fe­rung von In­for­ma­tio­nen an­de­rer TV-Au­to­ren schrieb sie wei­ter Tex­te für das F.- und h. on­line An­ge­bot. Die von ihr ge­schrie­be­nen Tex­te wur­den vor de­ren Ein­stel­lung in das On­line-An­ge­bot von an­de­ren Mit­ar­bei­tern des Z. ab­ge­nom­men. Da­ne­ben hat sie sen­dungs­be­glei­ten­de Tex­te und Vi­de­os pro­du­ziert. Tex­te und Vi­de­os so­wie den Veröffent­li­chungs­plan hat die Kläge­rin an­hand der Nut­zer­zah­len an­ge­passt. Da­bei wur­den ihr die The­men vor­ge­ge­ben und die dann von ihr er­stell­ten On­line-Tex­te und Vi­de­os re­di­giert und ab­ge­nom­men.

Als Re­dak­teu­rin von F. ist es Auf­ga­be der Kläge­rin, The­men zu re­cher­chie­ren und die­se der Re­dak­ti­ons­kon­fe­renz vor­zu­schla­gen. Wird der Vor­schlag der Kläge­rin an­ge­nom­men, so or­ga­ni­siert die Kläge­rin den Dreh ein­sch­ließlich der hier­zu er­for­der­li­chen Or­te und In­ter­view­part­ner. Der Sen­de­ter­min wird in Abhängig­keit von der Dau­er der Dreh­ar­bei­ten von der Kläge­rin vor­ge­schla­gen. Zur Fer­tig­stel­lung des Films be­stellt die Kläge­rin in der Pro­duk­ti­on der Be­klag­ten den Schnitt. Die Pro­duk­ti­on or­ga­ni­siert Cut­ter und Raum und trägt das Bei­trags­the­ma der Kläge­rin in den Schnitt­plan ein. Seit 2014 wird die Kläge­rin bis zu zwei­mal im Jahr als Che­fin vom Dienst

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ein­ge­setzt. In die­ser Funk­ti­on er­stellt sie ei­genständig sen­de­fer­ti­ge Fas­sun­gen von Stücken frei­er Au­to­ren und un­terstützt die Sen­de-Re­gie so­wie die Sen­de-Pla­nung.
Die Be­klag­te stellt der Kläge­rin ei­nen Büroar­beits­platz und Ar­beits­mit­tel so­wie Per­so­nen für die von ihr ge­fer­tig­ten Beiträge. Sie erhält ei­nen News­let­ter „F“. Wei­ter nimmt die Kläge­rin wie­der­holt an Re­dak­ti­ons­sit­zun­gen und Schalt­kon­fe­ren­zen zur Sen­de­kri­tik teil. Die Kläge­rin wird re­gelmäßig auf­ge­for­dert, die Leis­tun­gen aus Rech­nun­gen ex­ter­ner Dienst­leis­tun­gen zu bestäti­gen. Auch verfügt sie ver­gleich­bar den fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­tern über ei­nen Pres­se­aus­weis.

Die Be­klag­te beschäftigt in der Re­dak­ti­on F., wie auch in an­de­ren Be­rei­chen, Fest­an­ge­stell­te, de­ren Ar­beits­verhält­nis­se durch ei­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag (Bl. 126 d.A.), und ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Vergütungs­ord­nung (An­la­ge K 44 c) ge­re­gelt ist. Die Ein­stu­fung in der Vergütungs­grup­pe er­folgt nach § 18 MTV nach der er­brach­ten Be­rufs­zeit und stei­gert sich nach der Be­triebs­zu­gehörig­keit, § 23 MTV. Die Vergütung der von der Be­klag­ten beschäftig­ten frei­en Mit­ar­bei­ter im sog. „3. Kreis“ rich­tet sich nach ei­nem Vergütungs­ta­rif­ver­trag, der für ein­zel­ne Tätig­kei­ten be­stimm­te Ho­no­rar­rah­men vor­sieht. Da­ne­ben beschäftigt die Be­klag­te freie Mit­ar­bei­ter im sog. „2. Kreis“, bei de­nen es sich um ar­beit­neh­merähn­li­che Per­so­nen han­delt, die, wie die Kläge­rin, das An­ge­bot ei­nes Ver­tra­ges auf der Grund­la­ge des Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung der frei­en Mit­ar­beit im 2. Kreis vom 21.09.2010 mit Wir­kung zum 01.07.2010 ver­ein­bart ha­ben. Der Ta­rif­ver­trag sieht die Ein­grup­pie­rung nach Ho­no­r­arbändern vor, wo­nach die Kläge­rin als Re­dak­teu­rin mit be­son­de­rer Ver­ant­wor­tung dem Ho­no­rar­band IV zu­ge­ord­net ist. In­ner­halb der Ho­no­r­arbände er­folgt die Zu­ord­nung zu fünf Stei­ge­rungs­stu­fen, wo­bei grundsätz­lich die nächst höhe­re Stu­fe nach 4 Jah­ren in der dar­un­ter lie­gen­den Stu­fe er­reicht wird. § 2 (3) a des Ta­rif­ver­trags sieht für die erst­ma­li­ge Zu­ord­nung der Mit­ar­bei­ter/in­nen in den „2. Kreis“ ei­ne Be­sitz­stands­wah­rung der zum Zeit­punkt der Zu­ord­nung be­ste­hen­den bis­he­ri­gen Ho­no­rarhöhe vor durch Zu­ord­nung zu der dem Be­sitz­stand ent­spre­chen­den Stu­fe. Gemäß § 2 (3) b S. 2 des Ta­rif­ver­trags wer­den Mit­ar­bei­ter/in­nen, de­ren Ho­no­rar zum Zeit­punkt der Zu­ord­nung zum Ho­no­rar­sys­tem mehr als 100,- EUR un­ter der 1. Stu­fe des maßge­ben­den Ho­no­rar­ban­des liegt, erst nach 2 Jah­ren der 1. Stu­fe zu­ge­ord­net . Bezüglich der Ein­zel­hei­ten der ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen wird auf des­sen als An­la­ge K 12 ein­ge­reich­te Ko­pie, Bl. 113 ff. d.A., Be­zug ge­nom­men.

Auf­grund ih­rer Ho­no­rarhöhe bei Auf­nah­me in den 2. Kreis am 01.07.2010 wur­de die Kläge­rin erst zum 01.07.2012 der 1. Stu­fe zu­ge­ord­net.

Noch kurz vor der Auf­nah­me in den „2. Kreis“ ge­neh­mig­te die Chef­re­dak­ti­on der Kläge­rin auf de­ren For­de­rung hin ei­ne Ho­no­rar­erhöhung in Höhe 250,00 Eu­ro.

Ne­ben der Kläge­rin sind, bzw. wur­den in der Re­dak­ti­on F. u.a. beschäftigt:
1. Herr F. K., Fest­an­ge­stell­ter Re­dak­teur von 1993 – April 2012
2. Herr B., Fest­an­ge­stell­ter seit 1991
3. Herr L., Fest­an­ge­stell­ter seit 1992
4. Herr J. S., frei­er Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“

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5. Herr A. H., frei­er Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“, Re­dak­teur
6. Herr Ch. R., frei­er Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“, stellv. Re­dak­ti­ons­lei­ter, tätig für die Be­klag­te seit 2006
7. Herr W. D., frei­er Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“, Re­dak­teur bei F. seit dem 01.04.2001
8. Herr J. G., frei­er Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“, tätig für die Be­klag­te als Au­tor seit 2011
9. Herr H., frei­er Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“, kurz­fris­tig 2014 an 35 Ta­gen beschäftigt
10. Herr G., frei­er Mit­ar­bei­ter im 3. Kreis
11. Frau H., freie Mit­ar­bei­te­rin im 3. Kreis
12. Frau S., freie Mit­ar­bei­te­rin im 3. Kreis, seit 2009 Re­dak­teu­rin bei F.
13. Frau J., freie Mit­ar­bei­te­rin im 3.Kreis, seit 2011 Ab­lauf-Re­dak­teu­rin bei F.

Herr G. pro­fi­tiert, an­ders als die Kläge­rin, nicht von den tur­nus­gemäßen Stu­fen­stei­ge­run­gen im 2. Kreis, so dass er be­reits ab 2016 we­ni­ger ver­dient als die Kläge­rin.

In den obers­ten 3 Vergütungs­grup­pen der Fest­an­ge­stell­ten wa­ren in den Jah­ren 2012 und 2013 le­dig­lich 36 % der fest­an­ge­stell­ten Frau­en und 60% der Männer ein­ge­stuft. In den Führungs­po­si­tio­nen sind Frau­en mit 36,7 % ver­tre­ten. An­sons­ten hat sich das Ge­schlech­ter­verhält­nis bei der Be­klag­ten zwi­schen al­len Mit­ar­bei­tern, Fest­an­ge­stell­ten und frei­en Mit­ar­bei­tern, in den Jah­ren 1997 bis 2013 auf 50,5 % Frau­en und 49,5 % Männer na­he­zu an­ge­gli­chen. Un­ter den frei­en Mit­ar­bei­tern über­wie­gen mit 53,7 % die männ­li­chen Mit­ar­bei­ter.

In ei­nem Schrei­ben an die Kläge­rin vom 03.03.2016 wie­der­hol­te die Be­klag­te im Rah­men die­ses Rechts­streits ein Ver­gleichs­an­ge­bot und wies da­bei dar­auf­hin, dass die Er­fah­rung zei­ge, „dass langjähri­ge Ar­beits­rechts­strei­tig­kei­ten häufig zu wech­sel­sei­ti­gen Be­las­tun­gen des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses führen können“.

Anläss­lich ei­nes Es­sens am 27.05.2016, zu dem die Re­dak­ti­ons­lei­te­rin, Frau B., ein­ge­la­den hat­te, erklärte die­se, dass, wenn die wer­ten­den An­ga­ben der Kläge­rin aus dem Ver­fah­ren, mit de­nen sie sich ge­genüber an­de­ren Mit­ar­bei­tern ver­gleicht, öffent­lich würden, in der Re­dak­ti­on „Krieg“ herr­schen würde.

Mit Schrei­ben vom 12. Ja­nu­ar 2015 (Bl. 87 d.A.) und mit Schrei­ben vom 23. Ja­nu­ar 2015 (Bl. 89 d.A.), wand­te sich die Kläge­rin an die Be­klag­te und be­an­stan­de­te die von ihr an­ge­nom­me­ne Un­gleich­heit zwi­schen ih­rer Be­zah­lung und der der männ­li­chen Kol­le­gen und mach­te Entschädi­gungs­ansprüche gel­tend.

Die Kläge­rin be­haup­tet im We­sent­li­chen, sie sei in Dienst­pläne ein­ge­bun­den und es wer­de ständi­ge Ar­beits­be­reit­schaft von ihr er­war­tet. So ha­be sich der Chef vom Dienst am 14.07.2015 u.a. an sie mit der Bit­te ge­wandt, noch­mals bei „Twit­ter und Face­book“ vor­bei­zu­schau­en (Bl. 1376 d.A.). Mit Mail vom 15. Fe­bru­ar 2016 an die Re­dak­ti­on ha­be die Re­dak­ti­ons­lei­te­rin mit­ge­teilt, dass

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für die „ak­tu­el­len Teams“, die je­weils aus zwei Mit­ar­bei­tern be­ste­hen, je­weils ei­ner fest ein­ge­teilt und der an­de­re in der Vor­wo­che be­stimmt wird. Sie sei dem­ent­spre­chend für das Jahr 2016 für den 07.06. und 13.12. (Bl. 1389 d.A.) ein­ge­teilt wor­den. Da­bei sei den Mit­ar­bei­tern frei­ge­stellt wor­den, un­ter­ein­an­der zu tau­schen, wo­von die­se auch Ge­brauch ge­macht hätten. Für den On­line-Auf­tritt der Be­klag­ten ha­be sie ih­ren Beiträgen ent­spre­chen­de The­menankündi­gun­gen er­stel­len müssen, wo­zu sie bei­spiel­haft mit Mail der On­line-Re­dak­teu­rin mit Mail vom 10. März 2016 (Bl. 1379 d.A.) auf­ge­for­dert wur­den sei. Ver­schie­dent­lich wer­de sie auch von den Re­dak­teu­ren an­de­rer Sen­dun­gen, so der Kul­tur­sen­dung „A.“ und dem „H…“ im Zu­sam­men­hang mit den von ihr ge­fer­tig­ten Beiträgen auf­ge­for­dert, noch Beiträge für die­se Sen­dun­gen zu fer­ti­gen, so u.a. mit Mail der Re­dak­ti­on „A.“ vom 10.11.2016 (Bl. 1380 d.A.).
Mehr­ar­beits­stun­den und die dar­aus re­sul­tie­ren­den frei­en Ta­ge würden von ihr auf dafür zur Verfügung ste­hen­den For­mu­la­ren er­fasst. Dar­aus re­sul­tie­ren­de Aus­gleichs­ta­ge sei­en wie Ur­lau­be der Re­dak­ti­on zu mel­den, wo­zu ein mit „Ur­laubs­an­trag“ über­schrie­be­nes For­mu­lar ge­nutzt wer­de. Mit Mail vom 30.11.2013 ha­be der Re­dak­ti­ons­lei­ter, Herr R., die Kläge­rin ge­be­ten, die von ihr gewünsch­ten Frei­ta­ge erst ab dem 17.12.2013 zu neh­men (Bl. 1387 d.A.). Mit Mail vom 1. Fe­bru­ar 2016 (Bl. 1392 d.A.), ha­be der Chef vom Dienst sie auf­ge­for­dert, für ei­ne Schalt­kon­fe­renz, an de­ren Teil­nah­me sie ver­hin­dert ge­we­sen sei, ei­nen Er­satz zu be­nen­nen. Mit Mail vom 27.11.2016 (Bl. 1393 d.A.), an die Re­dak­ti­on von F. sei­en die Re­dak­ti­ons­mit­glie­der und da­mit auch sie dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass sich die „AG Auf­ma­cher“ wie­der tref­fe und wer mit­ma­chen wol­le, sich bit­te recht­zei­tig zu mel­den ha­be. Mit Schrei­ben vom 05.02.2016 ha­be die Be­klag­te u.a. sie zur Teil­nah­me an ei­ner „PS F.-Re­dak­ti­ons­klau­sur“ vom 10. – 11.02.2014 ein­ge­la­den. In dem Schrei­ben heißt es u.a. „mit Er­halt die­ser Ein­la­dung wird Ih­res Se­min­ar­teil­nah­me ver­bind­lich“. Mit Mail vom 25. Ja­nu­ar 2016 (Bl. 1398 d.A.), sei sie von der Be­klag­ten zu ei­nem Se­mi­nar am 28.06.2016 ein­ge­la­den wor­den. In die­ser Ein­la­dung heißt es u.a. wie­der­um, dass die Teil­nah­me der Kläge­rin mit die­ser Ein­la­dung ver­bind­lich sei und bei ei­ner Stor­nie­rung al­le bis da­hin ent­stan­de­nen Stor­no­kos­ten ih­rem Fach­be­reich zu­ge­ord­net wer­den. Aus­weis­lich des Ein­la­dungs­schrei­bens ging die­ser Ein­la­dung ei­ne An­mel­dung durch u.a. die Kläge­rin vor­aus. Zu­vor ha­be mit Mail vom 14. Ja­nu­ar 2016 Herr H. sei­tens der Be­klag­ten dar­auf hin­ge­wie­sen, dass al­le Re­dak­ti­ons­mit­glie­der an ei­ner Schu­lung teil­neh­men müss­ten (Bl. 1400 d.A.). In ver­schie­de­nen Mit­ar­bei­ter­gesprächen mit ihr sei­en Ziel­ver­ein­ba­run­gen mit der Re­dak­ti­ons­lei­tung ge­trof­fen wor­den, in de­nen u.a. The­men­kom­ple­xe so­wie Fort­bil­dun­gen, an de­nen sie teil­neh­men wol­le, fest­ge­hal­ten wur­den sei­en (Bl. 1334 d.A.,). An Re­dak­ti­ons­kon­fe­ren­zen ha­be sie, wenn sie nicht für an­de­re Beiträge re­cher­chiert, ge­dreht oder die­se ge­schnit­ten ha­be, re­gelmäßig teil­neh­men müssen (Bl. 1330 d.A.), eben­so an Schalt­kon­fe­ren­zen, bei de­nen nicht nur ih­re Sen­dun­gen, son­dern auch an­de­re Sen­dun­gen kri­tisch zu be­wer­ten ge­we­sen sei­en.

Sen­de­ter­mi­ne würden in Ab­spra­che mit ihr fest­ge­legt, da sie gewähr­leis­ten müsse, dass der Sen­de­ter­min ge­hal­ten wer­den könne. Al­ler­dings rich­te sich der Sen­de­ter­min nach den Vor­ga­ben der Nach­rich­ten­la­ge (Bl. 1336 d.A.). Im Übri­gen un­ter­schei­de sich ih­re Ar­beits­zeit nicht von der fest­an­ge­stell­ter Mit­ar­bei­ter, die tatsächlich in der Ge­stal­tung ih­rer Ar­beits­zeit sich eben­falls nach

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den Bedürf­nis­sen der Sen­dung rich­ten.

In­halt­lich sei sie wei­sungs­ge­bun­den. Als on­line Re­dak­teu­rin ha­be die Be­klag­te sie auch nicht mit pro­gram­ge­stal­ten­den Tätig­kei­ten be­auf­tra­gen dürfen, da der Staats­ver­trag in § 11 (1) ein ei­genständi­ges On­line-An­ge­bot nicht er­lau­be. Pro­gramm­ge­stal­tend sei sie erst mit der Tätig­keit als Re­dak­teu­rin seit dem 1. April 2008 tätig (Bl. 1188 d.A.). Die Ent­schei­dung der Ver­wirk­li­chung von The­men­vor­schlägen hin­ge von der Re­dak­ti­ons­lei­tung ab. Wie­der­holt ha­be die Re­dak­ti­ons­lei­tung The­menwünsche an sie her­an­ge­tra­gen, so z.B. zum HIV-Schutz mit Mail vom 17.04.2008 (Bl. 1407 d.A.) zum The­ma „Bis­phe­nol A“ mit Mail vom 06.04.2009 (Bl. 1409 d.A. f.), und mit Mail vom 28.06.2015 zum The­ma „Grie­chen­land“. Der Re­dak­ti­ons­lei­ter R. ha­be sie in ei­ner Mail vom 27.01.2016 im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Sen­dung zur AfD um ei­ne Se­kundärre­cher­che ge­be­ten, zu der der stell­ver­tre­ten­de Re­dak­ti­ons­lei­ter ihr ein paar Ar­ti­kel mit­ge­ge­ben ha­be. Die­se ließen kei­nen Zwei­fel an der in­halt­li­chen Aus­sa­ge der er­war­te­ten „Se­kundärre­cher­che“ (Bl. 1338 d.A.). Zu ei­nem Stück „Le­ga­le Flucht­we­ge“ hat der­sel­be stell­ver­tre­ten­de Re­dak­ti­ons­lei­ter am 8. April 2016 der Kläge­rin per Mails Links ge­schickt, die eben­falls ei­ne in­halt­li­che Aus­rich­tung der Sen­dung vor­ge­ge­ben hätten. Ihr Ar­beits­tag ent­spre­che dem der fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter (Bl. 1341 d.A.).

Ih­re Wei­sungs­ge­bun­den­heit fol­ge auch aus dem In­for­ma­ti­ons­pa­pier „Trans­pa­renz: Fra­gen und Ant­wor­ten zur Z.-Be­richt­er­stat­tung“. Dort heißt es zu der Fra­ge, ob Au­to­ren Vor­ga­ben er­hal­ten, dass es in den Sit­zun­gen zur Be­richt­er­stat­tung zu Ver­ab­re­dun­gen über die Art und Wei­se der Be­richt­er­stat­tung kom­me, die „durch­aus als Vor­ga­ben an die Au­to­ren be­zeich­net wer­den“ können. Wei­ter heißt es in dem Pa­pier, dass es in den Sen­de­re­dak­tio­nen „sog. Pla­ner“ gibt, die die Re­le­vanz von Bei­trags­vor­schlägen prüfen und Beiträge bei Fach­re­dak­tio­nen be­stel­len. „Wel­che The­men in der Sen­dung in wel­cher Rei­hen­fol­ge und Ausführ­lich­keit be­rich­tet wird im Zwei­fel die sog. „Schluss­re­dak­ti­on oder Re­dak­ti­ons­lei­tung ent­schei­det“.

Sie wer­de bei gleich­wer­ti­ger Tätig­keit schlech­ter be­zahlt, als die männ­li­chen Kol­le­gen. So ha­be Herr H. als Pro­du­cer ei­ner Do­ku­men­ta­ti­on ein Ho­no­rar er­hal­ten, wel­ches ei­nem Voll­zeit-Äqui­va­lent von 6630,- EUR im Mo­nat ent­spre­che. Herr G. er­zie­le um­ge­rech­net auf ein Voll­zeitäqui­va­lent rund 700,-EUR mehr als sie mo­nat­lich, Frau H., kurz vor Herrn Gö. bei der Be­klag­ten an­ge­fan­gen, er­hal­te ein mit ca. 4300,- EUR ge­rin­ge­res Ho­no­rar als Herr Gö. , der hin­ge­gen ca. 5200,- er­hal­te. Die Zeu­gin J. ver­die­ne um­ge­rech­net auf ein voll­zeitäqui­va­lent mehr als sie (Bl. 437 d. A.).

Herr H. ha­be sei­ne Tätig­keit erst ca. 2 – 3 Mo­na­te vor ihr bei der Be­klag­ten be­gon­nen (Bl. 438 d. A.). Sei­ne vor­he­ri­ge Tätig­keit als Re­dak­teur im Z. Lan­des­stu­dio Düssel­dorf sei nicht ver­gleich­bar.

Herr K. ha­be kurz vor sei­nem Aus­schei­den ca. 8500,- EUR er­hal­ten, Herr H. ver­die­ne ca. 7000,-EUR. Die F.-Re­dak­teu­rin­nen, die ihr Ein­stiegs­ge­halt mit dem da­ma­li­gen F.-Re­dak­ti­ons­lei­ter C. R. ver­han­delt hätten, hätten deut­lich ge­rin­ge­re Gehälter als männ­li­che Kol­le­gen im ver­gleich­ba­ren Po­si­tio­nen er­zielt (Bl. 51 d. A.). Be­rech­net auf das Voll­zeitäqui­va­lent würden auch die Mit­ar­bei­ter des „3. Krei­ses“ mehr ver­die­nen als sie. Bei ih­rer Ein­stel­lung ha­be man ihr erklärt, dass es für die Be­zah­lung von Mit­ar­bei­tern haus­in­ter­ne Vor­ga­ben für das Ein­stel­lungs­ge­halt ge­be und das Ge­halt

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nicht ver­han­del­bar sei. Hin­ge­gen ha­be z.B. der als frei­er Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“ täti­ge Zeu­ge Gö., der ein Vo­lon­ta­ri­at bei dem N. ab­ge­leis­tet hat­te, sein zu­letzt ge­zahl­tes Ge­halt beim N. als Ein­stiegs­ho­no­rar beim Z. durch­set­zen können.

Im Übri­gen sei der TV 2. Kreis al­lein aus haushälte­ri­schen Gründen ge­schaf­fen wor­den, da die Be­klag­te nicht über ge­nug Plan­stel­len für Fest­an­ge­stell­te verfüge und so die Dau­er­stel­len im „2. Kreis“ „ge­parkt“ ha­be. Da­mit ver­s­toße sie ge­gen den Grund­satz der Haus­halts­wahr­heit, wes­we­gen die sie tatsächlich zu der Grup­pe der Fest­an­ge­stell­ten gehöre (Bl. 1309 d. A.).

Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung las­se sich nicht nur auf Grund der un­ter­schied­li­chen Be­zah­lung an­neh­men, son­dern hierfür spre­che bei­spiel­haft auch ein bei der Ver­ab­schie­dung des Vor­ge­setz­ten Dr. C. R. ge­fer­tig­tes Vi­deo, in dem die­ser u.a. ausführt „Frau­en in Ma­ga­zi­nen – schwie­rig, ganz schwie­rig. De­nen fehlt eben ein­fach die Härte“. Bezüglich der Ein­zel­hei­ten des Wort­lau­tes wird auf die Kla­ge­schrift, Sei­te 11f (Bl. 50f d. A.) Be­zug ge­nom­men. Wei­ter spre­che für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung, dass die Be­klag­te sich ei­ner Be­schwer­de­stel­le für Verstöße ge­gen das AGG berühme, die­se aber we­gen des Aus­schei­dens ei­nes Mit­glieds gar nicht ar­beitsfähig und noch nie zu­sam­men­ge­kom­men sei. Auch würden Stel­len häufig nicht aus­ge­schrie­ben, was wie­der­rum ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Frau­en be­gründe.

Auch würden die Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“ bei glei­cher Ar­beit schlech­ter be­zahlt als die Fest­an­ge­stell­ten. Da im „2. Kreis“ mit 60% der Frau­en­an­teil über­wie­ge, führe auch dies zu ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en (Bl. 392 d. A.). Ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Fest­an­ge­stell­ten und Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern des „2. Krei­ses“ sei un­ge­recht­fer­tigt, da es hierfür sach­lich ein­leuch­ten­de Gründe nicht ge­be.

Die Kläge­rin ist der An­sicht, dass sie nach Art. 157 AEUV ei­nen An­spruch auf Zah­lung des ent­gan­ge­nen Ver­diens­tes im Verhält­nis zu den ge­nann­ten männ­li­chen Ver­gleichs­per­so­nen ha­be. Art. 157 AEUV ver­lan­ge ei­ne glei­che Be­zah­lung bei gleich­wer­ti­gen Ar­beitstätig­kei­ten, wo­zu ei­ne Er­mitt­lung der mit der Ar­beit ver­bun­de­nen tatsächli­chen An­for­de­run­gen und Be­las­tun­gen vor­zu­neh­men sei. Ent­schei­dend sei al­lein der je­wei­li­ge Ar­beits­in­halt, nicht der wirt­schaft­li­che Wert der Ar­beit für den Ar­beit­ge­ber. Dies be­gründe den Aus­kunfts­an­spruch. Die­ser er­ge­be sich auch un­ter dem Ge­sichts­punkt der Gleich­be­hand­lung.

Wei­ter sei die Be­klag­te auf Grund der Dis­kri­mi­nie­rung zur Zah­lung ei­ner Entschädi­gung in Höhe von min­des­tens 70.000,00 Eu­ro ver­pflich­tet. Ein Scha­den­er­satz­an­spruch er­ge­be sich auch aus der sit­ten­wid­ri­gen Schädi­gung durch die Be­klag­te, da die­se ihr durch den Re­dak­ti­ons­lei­ter R. wahr­heits­wid­rig erklärt ha­be, dass die Ein­stel­lungs­gehälter nicht ver­han­del­bar sei­en. Die Höhe der Entschädi­gung wer­de auch durch die rechts­wid­ri­ge Maßre­ge­lung nach § 16 AGG be­gründet.

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Die Kläge­rin be­an­tragt,

I.
fest­zu­stel­len, dass seit dem 15. März 2007,

hilfs­wei­se seit dem 1. Ju­li 2010,

zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis be­steht, der­zeit als auf un­be­stimm­te Zeit mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 38,5 St­un­den als voll­zeit­beschäftig­te Re­dak­teu­rin mit be­son­de­rer Ver­ant­wor­tung;

II.
1.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit von 15.03.2007 bis 30.04.2012 Aus­kunft zu er­tei­len über die mo­nat­li­chen Vergütun­gen (be­ste­hend aus Grund­vergütung, Zu­la­gen und Fa­mi­li­en­zu­schlag in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen), die der Re­dak­teur F. K. bei F. er­hal­ten hat,

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2007 bis 30.04.2012 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit;

2.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 15.03.2007 bis 07.12.2016 Aus­kunft zu er­tei­len über die mo­nat­li­chen Vergütun­gen (be­ste­hend aus Grund­vergütung, Zu­la­gen und Fa­mi­li­en­zu­schlag in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen) al­ler für F. fest­an­ge­stell­ten männ­li­chen Re­dak­teu­re, mit Aus­nah­me des Re­dak­teurs F. K., - in nach­prüfba­rer na­ment­li­cher Be­nen­nung, hilfs­wei­se an­ony­mi­siert – gemäß dem „Man­tel­ta­rif­ver­trag zwi­schen ver.di Fach­be­reich Me­di­en (FB 8), dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band, Ver­ei­ni­gung der Rund­funk-, Film- und Fern­seh­schaf­fen­den und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

und

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b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 01.05.2012 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz,

3.
hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags/der Anträge zu 1. und/oder 2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 15.03.2007 bis 07.12.2016 Aus­kunft zu er­tei­len über die durch­schnitt­li­chen mo­nat­li­chen Vergütun­gen (be­ste­hend aus Grund­vergütung, Zu­la­gen und Fa­mi­li­en­zu­schlag in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen) al­ler für F. fest­an­ge­stell­ten männ­li­chen Re­dak­teu­re gemäß dem Man­tel­ta­rif­ver­trag zwi­schen ver.di Fach­be­reich Me­di­en (FB 8), dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band, Ver­ei­ni­gung der Rund­funk-, Film- und Fern­seh­schaf­fen­den und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2007 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz;

4.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin Aus­kunft zu er­tei­len über die mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen des Re­dak­teurs J. S. vom 15.03.2007 bis 07.12.2016

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2010 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz;

5.
hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags zu 4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin Aus­kunft zu er­tei­len über al­le mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen des Re­dak­teurs A. H. ab 15.03.2007 bis 07.12.2016

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2007 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz;

6.
hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags zu 5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 01.07.2010 bis 07.12.2016 Aus­kunft zu er­tei­len über die mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re (in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen) al­ler für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re im 2. Kreis der Be­klag­ten – in nach­prüfba­rer na­ment­li­cher Be­nen­nung, hilfs­wei­se an­ony­mi­siert – gemäß dem „Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Mit­ar­beit im 2. Kreis zwi­schen der ver.di Fach­be­reich Me­di­en, dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band e.V. und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

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und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 01.07.2010 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz;

7.
höchst hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung der Anträge 4. bis 6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 01.07.2010 bis 07.12.2016 Aus­kunft zu er­tei­len über die durch­schnitt­li­chen mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen al­ler für Fron­tal 21 täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re im 2. Kreis der Be­klag­ten gemäß dem „Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Mit­ar­beit im 2. Kreis zwi­schen der ver.di Fach­be­reich Me­di­en, dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band e.V. und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 01.07.2010 bis 07.12.2016 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz,

8.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 15.03.2007 bis 30.06.2010 Aus­kunft zu er­tei­len über die mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re (in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen) al­ler für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re im 2. Kreis der Be­klag­ten gemäß dem „Ta­rif­ver­trag für freie Mit­ar­bei­ter/-in­nen zwi­schen ver.di Fach­be­reich Me­di­en, dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band, Ver­ei­ni­gung der Rund­funk-, Film- und Fern­seh­schaf­fen­den und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

und

b) die Kläge­rin nach Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2007 bis 30.06.2010 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz;

9.
hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu 8. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

a) der Kläge­rin für die Zeit vom 15.03.2007 bis 30.06.2010 Aus­kunft zu er­tei­len über die durch­schnitt­li­chen mo­nat­li­chen Ver­diens­te bzw. Ho­no­ra­re in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen al­ler für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re im 2. Kreis der Be­klag­ten gemäß dem „Ta­rif­ver­trag für freie Mit­ar­bei­ter/-in­nen zwi­schen der ver.di Fach­be­reich Me­di­en, dem Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­band, Ver­ei­ni­gung der Rund­funk-, Film- und Fern­seh­schaf­fen­den und dem Z., An­stalt des öffent­li­chen Rechts (Z.)“

und

b) die Kläge­rin Maßga­be der Aus­kunft zu a) für die Zeit vom 15.03.2007 bis 30.06.2010 gleich zu be­zah­len nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz.

III.

1.
die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und künf­tig die glei­che Vergütung wie ei­nem für F. fest­an­ge­stell­ten männ­li­chen Re­dak­teur in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der

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vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 2. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len;

2.
hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags zu III. 1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die durch­schnitt­li­che Vergütung der für Frontal21 fest­an­ge­stell­ten männ­li­chen Re­dak­teu­re in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 3. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len;

3.
wei­ter hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags zu III.

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläger ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die glei­che Vergütung wie dem Re­dak­teur J. S. in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­la­ge II. 4. a.) zu be­zif­fern­de Höhe zu zah­len.

4.
wei­ter hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­trags zu III.

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die glei­che Vergütung wie dem Re­dak­teur A. H. in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 5. a.) zu be­zif­fern­den Höhe die Vergütung zu zah­len;

5.
wei­ter hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu III.

4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die glei­che Vergütung wie ei­nem für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teur im 2. Kreis in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 6. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len;

6.
höchst hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu III.

5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die durch­schnitt­li­che Vergütung der bei F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re im 2. nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 7. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len;

7.
höchst hilfs­wei­se für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu III.

6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die glei­che Vergütung wie ei­nem nach dem Ta­rif­ver­trag für freie Mit­ar­bei­ter für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teur in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 8. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len, so­weit das er­mit­tel­te Ent­gelt höher als das ak­tu­el­le Ent­gelt der Kläge­rin ist;

8.
für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu III.

7. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ab dem 08.12.2016 und zukünf­tig die durch­schnitt­li­che Vergütung der nach dem Ta­rif­ver­trag für freie Mit­ar­bei­ter für F. täti­gen männ­li­chen Re­dak­teu­re in ei­ner nach Er­tei­lung der auf der vor­her­ge­hen­den Stu­fe be­gehr­ten Aus­kunft (An­trag II. 9. a.) zu be­zif­fern­den Höhe zu zah­len, so­weit das er­mit­tel­te Ent­gelt höher als das ak­tu­el­le Ent­gelt der Kläge­rin ist.

IV.

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung in Höhe von min­des­tens 70.000,00 Eu­ro nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

V.

hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin sämt­li­che ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden zu er­set­zen, die ihr aus der Un­gleich­be­hand­lung bei der Be­zah­lung im Verhält­nis der männ­li­chen Re­dak­teu­re bei F. durch die Be­klag­te ent­stan­den sind oder künf­tig ent­ste­hen wer­den.

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Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Sta­tus­kla­ge sei un­zulässig, da sie be­zo­gen sei auf ein ver­gan­ge­nes Rechts­verhält­nis. Als pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­te­rin un­ter­lie­ge die Kläge­rin we­der Schicht- noch Dienst­plänen. Auch sei sie fach­li­chen Wei­sun­gen nicht un­ter­wor­fen. Da die Kläge­rin die Dreh­ter­mi­ne ei­genständig or­ga­ni­sie­re, könne ein Sen­de­ter­min al­lein auf Grund ei­ner Ver­ab­re­dung zwi­schen der Re­dak­ti­ons­lei­te­rin und der Kläge­rin fest­ge­legt wer­den. Ein der­ar­ti­ger Sen­de­ter­min müsse, soll­te die Kläge­rin zum ge­plan­ten Sen­de­ter­min mit ih­rem Bei­trag nicht fer­tig sein, ver­scho­ben wer­den. Die Kläge­rin agie­re bei The­men­wahl, Aus­wahl der Prot­ago­nis­ten und Dreh­or­ten, bei Bild­ge­stal­tung und Text ei­genständig.

Die Be­klag­te be­haup­tet, Herr J. S. sei seit dem 1. Ja­nu­ar 1998 un­un­ter­bro­chen für sie tätig ge­we­sen (Bl. 1223 d. A.). Be­vor er in et­wa zeit­gleich mit der Kläge­rin zu F. ge­wech­selt sei, ha­be er 7 Jah­re für „Z.re­por­ter“ ge­ar­bei­tet. Herr H. sei be­reits seit dem 07.08.2003 für sie tätig. Herr R. sei nach sei­nem Vo­lon­ta­ri­at beim N. im Jahr 2000 durch­ge­hend im öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen tätig und auf­grund sei­ner Er­fah­rung 2006 di­rekt als Ma­ga­zin-Au­tor bei F. an­ge­fan­gen. Die Ho­no­ra­re der von der Kläge­rin be­nann­ten Mit­ar­bei­ter im 3. Kreis würden sich al­le im Rah­men des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges be­we­gen.

Et­wai­ge höhe­re Gehälter bei der Ein­ord­nung in den TV 2. Kreis be­ruh­ten al­lein auf Wah­rung der Be­sitzstände, die zu die­sem Zeit­punkt von den je­wei­li­gen frei­en Mit­ar­bei­tern er­reicht wa­ren. Dass die Kläge­rin vor der Auf­nah­me in den sog. „2. Kreis“ ein ge­rin­ge­res Ho­no­rar er­hal­ten ha­be, be­ru­he dar­auf, dass sie zunächst als On­line-Re­dak­teu­rin ein­ge­setzt wur­de und die Tätig­keit als On­line-Re­dak­teu­rin schlech­ter vergütet wer­de als die der übri­gen Re­dak­teu­re in der Re­dak­ti­on. Ein wei­te­res Kri­te­ri­um für die Vor­auf­nah­me in den 2. Kreis aus­ge­han­del­te Ho­no­rarhöhe sei ge­we­sen, dass die Kläge­rin von „außen“ kam, während vie­le an­de­re Re­dak­ti­ons­mit­ar­bei­ter über länge­re Beschäfti­gungs­zei­ten bei dem Z. verfügten. Auch ha­be die Kläge­rin kein Vo­lon­ta­ri­at und kein jour­na­lis­ti­sche oder wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­ches Stu­di­um ab­ge­schlos­sen. Vor ih­rer Tätig­keit für die Be­klag­te ha­be sie über kei­ner­lei Er­fah­rung in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Po­lit­ma­ga­zin verfügt.

Auch sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Ho­no­ra­re von frei­en Mit­ar­bei­tern im Rah­men des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges für freie Mit­ar­bei­ter frei ver­han­del­bar sei­en.

Ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin er­ge­be sich aus dem Be­richt der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten, An­la­ge K 14, für das Jahr 2013 nicht, dass Frau­en in der Chef­re­dak­ti­on oder im Z. grundsätz­lich schlech­ter be­zahlt würden als Männer. Auch er­ge­be sich aus dem Be­richt auf des­sen Sei­te 34, dass die Be­klag­te bei der Beschäfti­gung von Frau­en in Führungs­po­si­tio­nen mit 36,7 % im Ver­gleich zu an­de­ren Me­di­en­un­ter­neh­men po­si­tiv da­ste­he.

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Die Be­klag­te ist der An­sicht, dass ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin Fak­to­ren wie Art der Ar­beit, Aus­bil­dungs­an­for­de­rung und Ar­beits­be­din­gun­gen auch ei­ner qua­li­ta­ti­ven Be­wer­tung der Ar­beit zu Grun­de ge­legt wer­den können und da­mit die Höhe der Vergütung be­ein­flus­se. Die Kläge­rin könne sich auch nicht mit den Mit­ar­bei­tern des 3. Krei­ses ver­glei­chen. Die­se würden nicht durchgängig auf der Grund­la­ge ei­nes Ho­no­r­ar­zeit­ver­tra­ges, son­dern ta­ge­wei­se, bzw. bei­trags­be­zo­gen beschäftigt. Da­mit sei­en sie so­zi­al deut­lich schlech­ter ab­ge­si­chert, weil sie im Un­ter­schied zu Ar­beit­neh­mern oder ar­beit­neh­merähn­li­chen Per­so­nen im 2. Kreis kei­ne verläss­li­che, lang­fris­ti­ge Er­werbs­per­spek­ti­ve hätten. Des­we­gen ver­bie­te sich auch, wie von der Kläge­rin vor­ge­nom­men, ei­ne Hoch­rech­nung de­ren Zeitho­no­ra­re auf das ei­ner Voll­zeit­stel­le. So­weit sich die Kläge­rin zur Be­gründung ih­rer be­haup­te­ten Un­gleich­be­hand­lung auf sta­tis­ti­sche Da­ten be­ru­fe, sei­en die­se nicht aus­sa­ge­kräftig. Al­lein der Um­stand, dass in ei­ner wie auch im­mer de­fi­nier­ten Grup­pe Frau­en in ei­nem be­stimm­ten Be­reich über- oder un­ter­re­präsen­tiert sei­en, er­ge­be kein aus­rei­chen­des In­diz für ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung (Bl. 1214 d.A.). So­weit die Kläge­rin auf Sei­te 13 ih­res Schrift­sat­zes vom 21.12.2015 die Be­haup­tung auf­stel­le, al­le Frau­en in der Re­dak­ti­on F. würden schlech­ter be­zahlt als Männer und un­ter den An­wen­dungs­be­reich des TV „2. Kreis“ würden über­wie­gend Frau­en fal­len, wel­che bei ei­ner ver­gleich­ba­ren Tätig­keit schlech­ter be­zahlt würden als fest­an­ge­stell­te Ar­beit­neh­mer, le­ge sie hierfür kon­kre­te Be­rech­nungs­grund­la­gen nicht dar. Die An­ga­ben über den Frau­en­an­teil im „2. Kreis“ al­lein auf Grund ei­ner Power­point-Präsen­ta­ti­on des Per­so­nal­ra­tes wie­der­zu­ge­ben, genüge nicht. Selbst aber die­se Zah­len als zu­tref­fend un­ter­stellt, be­gründe­ten sie kei­nen we­sent­li­chen zah­lenmäßigen Un­ter­schied. Ins­be­son­de­re kei­ne si­gni­fi­kan­te Ab­wei­chung. Aus dem Be­richt der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten er­ge­be sich viel­mehr, dass für die Jah­re 1997 bis 2013 sich das Ge­schlech­ter­verhält­nis über die Jah­re hin­weg in Be­zug auf al­le Mit­ar­bei­ter auf 50,5 % Frau­en zu 49,5 % Männer na­he­zu an­ge­gli­chen hat. Dies gel­te auch für die Grup­pe der frei­en Mit­ar­bei­ter, die aber mit 53,7 % im­mer noch durch ei­nen leicht über­wie­gen­den An­teil männ­li­cher Mit­ar­bei­ter ge­kenn­zeich­net sei (Bl. 1215 d. A.). Un­ge­ach­tet der von der Kläge­rin nicht nach­voll­zieh­ba­ren Kri­te­ri­en sei al­lein ein Bin­nen­ver­gleich in der Re­dak­ti­on F. auf Grund der be­grenz­ten Mit­ar­bei­ter­zahl nicht ge­eig­net, ir­gend­wel­che Aus­sa­gen über ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Vergütungs­mus­ter der Be­klag­ten zu tref­fen (Bl. 1216 d.A.).

Auch ent­ge­gen der Be­haup­tung der Kläge­rin würden Stel­len in al­ler Re­gel aus­ge­schrie­ben wer­den. Dies be­reits des­we­gen, weil ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren hier­zu für Ar­beit­neh­mer in ei­ner Dienst­ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen sei, auf das auch § 8 des TV 2. Kreis Be­zug nimmt. Im Übri­gen sei nicht er­sicht­lich, war­um feh­len­de Stel­len­aus­schrei­bun­gen ein In­diz für ei­ne Ge­schlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­len soll­ten. So­weit die Kläge­rin be­haup­te, le­dig­lich Männer könn­ten mit der Be­klag­ten ihr Ge­halt aus­han­deln, ste­he dem be­reits die An­he­bung ih­res mo­nat­li­chen Ho­no­rars um 250,00 Eu­ro vor In­kraft­tre­ten des TV 2. Kreis ent­ge­gen.

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We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen die­sen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die im We­sent­li­chen zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet.

I. Zulässig ist die Sta­tus­fest­stel­lungs­kla­ge, mit der die Kläge­rin die Fest­stel­lung des Be­ste­hens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses be­gehrt.

1. In ei­nem be­ste­hen­den Ver­trags­verhält­nis, wie vor­lie­gend, hat der Beschäftig­te stets ein In­ter­es­se, dass sein Sta­tus als­bald fest­ge­stellt wird (BAG v. 21.06.2000 – 5 AZR 782/98, Rn. 17, ju­ris). Da­bei kann auch die Fest­stel­lung be­gehrt wer­den, seit wann der gel­tend ge­mach­te Sta­tus be­steht, da von der Dau­er des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zahl­rei­che ar­beits- und so­zi­al­recht­li­che Fol­gen, die ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se be­gründen, abhängig sind (vgl. BAG v. 15.12.1999 – 5 AZR 3/99, Rn. 45, ju­ris). Hin­ge­gen be­steht ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se oh­ne be­son­de­re Be­gründung dann nicht, wenn, ent­ge­gen dem vor­lie­gen­den Fall, das Beschäfti­gungs­verhält­nis be­reits be­en­det ist (BAG v. 21.06.2000 - 5 AZR 782/98, ju­ris; BAG v. 15.12.1999 – 5 AZR 457/98, ju­ris).

2. Zulässig ist auch die im We­ge der Stu­fen­kla­ge nach § 254 ZPO er­ho­be­ne Aus­kunfts­kla­ge. Der Zulässig­keit steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin ver­ein­zelt be­reits über annähern­de An­ga­ben zur Höhe der Vergütung ein­zel­ner Beschäftig­ter an­geführt hat, über de­ren Vergütung sie Aus­kunft ver­langt, da es sich hier­bei man­gels kon­kre­ter Kennt­nis der Kläge­rin über die Ge­haltshöhen le­dig­lich um Annäherun­gen han­delt.

3. Zulässig sind im We­sent­li­chen auch die un­ter III. ge­stell­ten Anträge mit Aus­nah­me der Anträge zu III. 1., III. 5. und III. 7.

Die zu­letzt ge­nann­ten Anträge sind nicht hin­rei­chend be­stimmt, da sich aus ih­nen nicht er­gibt wel­che glei­che Vergütung kon­kret wel­chen Mit­ar­bei­ters die Be­klag­te zah­len soll.

Mit den Anträgen zu III. be­gehrt die Kläge­rin die Zah­lung ei­ner der Höhe nach ent­spre­chen­den Vergütung ver­gleich­ba­rer Beschäftig­ter der Be­klag­ten für die Zu­kunft, die abhängig ist von ih­rer nach § 614 BGB vor­zu­leis­ten­de Ge­gen­leis­tung. Zwar kann nach § 259 ZPO auch auf künf­ti­ge Leis­tung ge­klagt wer­den, je­doch sind die (wei­te­ren) Vor­aus­set­zun­gen, un­ter de­nen im Nor­mal­fall der An­spruch je­weils nach Ab­lauf des Zeit­ab­schnitts ent­steht, im An­trag zu be­nen­nen und ihr Ein­tritt vor der Voll­stre­ckung für je­den Ein­zel­fall nach­zu­wei­sen (BAG, Ur­teil vom 09. April 2008 – 4 AZR 104/07 –, Rn. 33, ju­ris). Da je­doch im Streit­fall das Kla­ge­ziel der Kläge­rin er­sicht­lich dar­in

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be­steht, den Grund­satz der Ent­gelt­gleich­heit durch­zu­set­zen, kann ihr An­trag da­hin­ge­hend aus­ge­legt wer­den, dass sämt­li­che Be­din­gun­gen, un­ter de­nen das Ur­teil voll­streck­bar sein soll, Teil des An­trags sind und in den Te­nor ei­ner statt­ge­ben­den Ent­schei­dung hätten auf­ge­nom­men wer­den können (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21. Ok­to­ber 2013 – 1 Sa 7/13 –, Rn. 48, ju­ris).


II. Die Kla­ge ist un­be­gründet.

1. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Ar­beits­verhält­nis.

Das Ar­beits­verhält­nis un­ter­schei­det sich von dem Rechts­verhält­nis ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ters durch den Grad der persönli­chen Abhängig­keit, in der sich der zur Dienst­leis­tung Ver­pflich­te­te be­fin­det. Ar­beit­neh­mer ist, wer auf­grund ei­nes pri­vat­recht­li­chen Ver­trags im Diens­te ei­nes an­de­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Ar­beit in persönli­cher Abhängig­keit ver­pflich­tet ist. Das Wei­sungs­recht kann In­halt, Durchführung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit be­tref­fen. Ar­beit­neh­mer ist der­je­ni­ge Mit­ar­bei­ter, der nicht im We­sent­li­chen frei sei­ne Tätig­keit ge­stal­ten und sei­ne Ar­beits­zeit be­stim­men kann (vgl. § 84 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 HGB). Da­bei sind al­le Umstände des Ein­zel­falls in Be­tracht zu zie­hen und in ih­rer Ge­samt­heit zu würdi­gen. Der je­wei­li­ge Ver­trags­typ er­gibt sich aus dem ob­jek­ti­ven Geschäfts­in­halt. Der ob­jek­ti­ve Geschäfts­in­halt ist den aus­drück­lich ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen und der prak­ti­schen Durchführung des Ver­trags zu ent­neh­men. Wi­der­spre­chen sich Ver­ein­ba­rung und tatsächli­che Durchführung, ist letz­te­re maßge­bend.

Die­se Grundsätze sind auch im Be­reich Funk und Fern­se­hen an­zu­wen­den (BAG, Ur­teil vom 20. Mai 2009 - 5 AZR 31/08 - Rn. 20, ju­ris). Al­ler­dings kommt es im Rund­funk­be­reich we­gen des in­ter­pre­ta­ti­ons­lei­tend zu berück­sich­ti­gen­den Grund­rechts der Rund­funk­frei­heit aus Art. 5 GG auf die Un­ter­schei­dung zwi­schen pro­gramm­ge­stal­ten­den und nicht pro­gramm­ge­stal­ten­den Tätig­kei­ten an. Denn die Rund­funk­frei­heit gibt den Rund­funk­an­stal­ten das Recht, bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern frei von frem­der Ein­fluss­nah­me über die Aus­wahl, Ein­stel­lung und Beschäfti­gung zu be­stim­men (BAG, Ur­teil vom 17. April 2013 – 10 AZR 272/12 – Rn. 18, ju­ris; LArbG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 02. Ju­ni 2015 – 11 Sa 89/15 –, Rn. 42, ju­ris). Pro­gramm­ge­stal­ten­de Mit­ar­bei­ter sind die Mit­ar­bei­ter, die an Hörfunk- und Fern­seh­sen­dun­gen in­halt­lich ge­stal­tend mit­wir­ken. Das gilt na­ment­lich, wenn sie ty­pi­scher­wei­se ih­re ei­ge­ne Auf­fas­sung zu po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen, künst­le­ri­schen oder an­de­ren Sach­fra­gen, ih­re Fach­kennt­nis­se und In­for­ma­tio­nen, ih­re in­di­vi­du­el­le künst­le­ri­sche Befähi­gung und Aus­sa­ge­kraft in die Sen­dung ein­brin­gen, wie dies z.B. bei Re­gis­seu­ren, Mo­de­ra­to­ren, Kom­men­ta­to­ren, Wis­sen­schaft­lern und Künst­lern der Fall ist. In Ab­gren­zung hier­zu gehören nicht zu den pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern das be­triebs­tech­ni­sche und das Ver­wal­tungs­per­so­nal so­wie die­je­ni­gen, die zwar bei der Ver­wirk­li­chung des Pro­gramms mit­wir­ken, aber kei­nen in­halt­li­chen Ein­fluss dar­auf ha­ben (BVerfG

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13. Ja­nu­ar 1982 - 1 BvR 848/77 ua. - zu C II 1 b der Gründe, BVerfGE 59, 231). Bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern wird häufig ein frei­es Mit­ar­bei­ter­verhält­nis vor­lie­gen. Nur wenn der/die be­tref­fen­de Mit­ar­bei­ter/in weit­ge­hen­den in­halt­li­chen Wei­sun­gen un­ter­liegt, so dass nur ein ge­rin­ges Maß an Ge­stal­tungs­frei­heit, Ei­gen­in­itia­ti­ve und Selbständig­keit ver­bleibt und der Sen­der in­ner­halb ei­nes zeit­li­chen Rah­mens über die Ar­beits­leis­tung verfügen kann, liegt ein Ar­beits­verhält­nis vor (LArbG Ber­lin-Bran­den­burg, a. a. O., Rn. 43, ju­ris). Letz­te­res ist dann der Fall, wenn ständi­ge Dienst­be­reit­schaft er­war­tet wird oder wenn der Mit­ar­bei­ter in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang auch oh­ne ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung durch Dienst­pläne her­an­ge­zo­gen wird, ihm al­so die Ar­bei­ten letzt­lich zu­ge­wie­sen wer­den (BAG, Ur­teil vom 17. April 2013, a. a. O., Rn. 18)

1.1. Ge­mes­sen dar­an ist und war die Kläge­rin durch­ge­hend pro­gramm­ge­stal­tend für die Be­klag­te tätig.

Dass die Kläge­rin als Re­dak­teu­rin für Fron­tal 21 pro­gramm­ge­stal­tend tätig ist, ist un­strei­tig und folgt zwang­los dar­aus, dass sie selbst Sen­de­beiträge, nach The­men­vor­schlag oder auf Grund ei­ge­ner Vor­schläge, re­cher­chiert und er­stellt. Da­mit bringt sie in die­se Beiträge auch ih­re Fach­kennt­nis­se und ei­ge­nen In­for­ma­tio­nen ein.

Aber auch als On­line-Re­dak­teu­rin in der Zeit vom 15.03.2007 bis zum 01.04.2008 war die Kläge­rin pro­gramm­ge­stal­tend tätig. So­weit die Kläge­rin in die­ser Zeit TV-Beiträge in das Con­tent-Ma­nage­ment-Sys­tem ein­ge­stellt hat, mag die­ses noch ei­ne rein tech­ni­sche Ar­beit ge­we­sen sein. Die Kläge­rin hat da­ne­ben in die­ser Zeit aber nach ei­ge­nem Vor­brin­gen auch TV-In­ter­views und Fo­tos be­ar­bei­tet und Tex­te, die in das On­line-An­ge­bot ge­stellt wor­den, er­stellt. Da­mit hat sie den On­line-Auf­tritt auch in­halt­lich ge­stal­tet.

War­um der pro­gramm­ge­stal­ten­den Tätig­keit der Kläge­rin als On­line-re­dak­teu­rin der Rund­funk­staats­ver­trag ent­ge­gen­ste­hen soll bleibt un­er­find­lich. § 11d Abs. 1 des RStV sieht aus­drück­lich das An­ge­bot von Te­le­me­di­en durch die öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stal­ten ein­sch­ließlich der Be­klag­ten vor. Zu den Te­le­me­di­en gehören nach § 1 Abs. 1 TMG al­le elek­tro­ni­schen In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te und da­mit auch das On­line-An­ge­bot der Be­klag­ten

Ist und war die Kläge­rin pro­gramm­ge­stal­tend tätig, kann die Kläge­rin so­wohl in ei­nem frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis als auch in ei­nem Ar­beits­verhält­nis beschäftigt wer­den. Für die Be­ur­tei­lung des zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­den Rechts­verhält­nis­ses ist da­nach maßge­bend, ob die Kläge­rin weit­ge­hen­den in­halt­li­chen Wei­sun­gen un­ter­liegt und die Be­klag­te in­ner­halb ei­nes zeit­li­chen Rah­mens über ih­re Ar­beits­leis­tung verfügen kann.


1.2. Ei­ne in­halt­li­che Wei­sungs­be­fug­nis und Verfügungs­ge­walt der Be­klag­ten über die Ar­beits­zeit der Kläge­rin folgt nicht aus der zu­letzt zwi­schen den Par­tei­en ge­schlos­se­nen

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Ver­ein­ba­rung vom 05.07.2001.

1.2.1. Die Par­tei­en ha­ben un­ter § 1 Abs. 2 des Ver­trags aus­drück­lich ver­ein­bart, dass die Kläge­rin als freie Mit­ar­bei­te­rin beschäftigt wird. Der Ver­trag dien­te auch ent­spre­chend §1 (1) b) des Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung der frei­en Mit­ar­beit im „2. Kreis“ der Ein­ord­nung der Kläge­rin in die­sen Ta­rif­ver­trag, der al­lein auf die Beschäfti­gungs­verhält­nis­se frei­er Mit­ar­bei­ter An­wen­dung fin­det, so dass mit­hin die Par­tei­en bei Ab­schluss des Ver­tra­ges ein frei­es Mit­ar­bei­ter­verhält­nis ver­ein­bart ha­ben.

Dem ste­hen die wei­te­ren Re­ge­lun­gen des Ver­tra­ges nicht ent­ge­gen.

1.2.2. Der Ver­set­zungs­vor­be­halt un­ter § 2 Zif­fer 2 und 3 des Ver­tra­ges be­gründet kei­ne Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung an ei­nem be­stimm­ten Ort. Ar­beit­neh­mer ist, wer sei­ne Ar­beits­leis­tung in persönli­cher Abhängig­keit er­bringt und da­mit dem Di­rek­ti­ons­recht des Ar­beit­ge­bers u.a. bezüglich des Ar­beits­or­tes als des Or­tes, wo er sei­ne kon­kre­te Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen hat un­ter­liegt. Mit dem Ver­set­zungs­vor­be­hal­ten ist aber al­lein ei­ne Zu­ord­nung zu dem je­wei­li­gen Stand­ort der Re­dak­ti­on ver­bun­den, oh­ne das hier­aus ei­ne Ver­pflich­tung der Kläge­rin er­folgt, ih­re tatsächli­che Ar­beits­leis­tung an ei­nem be­stimm­ten Ar­beits­ort zu er­brin­gen.

1.2.3. Auch die Ver­ein­ba­rung ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit un­ter § 2 Zif­fer 4 von 40 Wo­chen­stun­den be­gründet kein Wei­sungs­recht des Ar­beit­ge­bers bezüglich der La­ge der Ar­beits­zeit, son­dern be­schreibt nur den in St­un­den ge­mes­se­nen quan­ti­ta­ti­ven Um­fang der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin, oh­ne selbst ei­ne Ver­pflich­tung fest­zu­le­gen, wann die­se St­un­den zu er­brin­gen sind. Die Ver­ein­ba­rung ei­nes fes­ten St­un­den­kon­tin­gents steht der An­nah­me ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis­ses nicht ent­ge­gen (vgl. LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 20. Fe­bru­ar 2002 – 11 Sa 2/02 –, Rn. 77, ju­ris) Mit der Ver­ein­ba­rung ei­ner fes­ten Wo­chen­stun­den­zahl ist der Um­fang der Ar­beits­leis­tung jeg­li­cher Wei­sung ent­zo­gen. Bei der zeit­li­chen Um­set­zung der ver­ein­bar­ten Ar­beits­stun­den ist die Kläge­rin nach dem Ver­trag völlig frei. So trägt die Kläger selbst vor, dass sie ih­re Ar­beits­leis­tung je nach den Pro­duk­ti­ons­an­for­de­run­gen so­wohl un­ter der Wo­che als auch am Wo­chen­en­de er­bringt.

1.2.4. Auch die Ver­pflich­tung zur Vor­la­ge ei­ner Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung nach § 3 Zif­fer 5 Ab­satz 2 spricht nicht ge­gen die An­nah­me ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis­ses, da die Be­klag­te sich un­ter § 3 Abs. 5 ver­trag­lich zu ei­ner Fort­zah­lung des Ho­no­rars auf 6 Wo­chen im Krank­heits­fall ver­pflich­tet hat. Da­mit dient die Vor­la­ge des At­tes­tes der Ver­wirk­li­chung des Ho­no­rar­fort­zah­lungs­an­spru­ches nach § 3 Zif­fer 5 des Ver­tra­ges.

1.2.5. Sch­ließlich be­gründet auch die Ne­bentätig­keits­ge­neh­mi­gung nach § 3 Zif­fer 9 des Ver­tra­ges nicht die An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses, da die­se Re­ge­lung al­lein dem

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Kon­kur­ren­ten­schutz dient, wie er z.B. auch für den eben­falls selbständig täti­gen Han­dels­ver­tre­ter aus § 86 HGB folgt.

1.3. Der An­nah­me ei­nes frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis­ses steht auch nicht ei­ne hier­von ab­wei­chen­de prak­ti­sche Durchführung des Ver­trags­verhält­nis­ses ent­ge­gen.

Für den Geschäfts­in­halt ei­nes Ver­tra­ges ist maßgeb­lich nicht, die Be­zeich­nung des­sel­ben, son­dern des­sen tatsächli­che Durchführung. Be­ste­hen zwi­schen Ver­trag und Durchführung kei­ne Dif­fe­ren­zen, ist der aus dem Ver­trag er­mit­tel­te Wil­le der Par­tei­en maßgeb­lich. Be­ste­hen Dif­fe­ren­zen, ist der wirk­li­che Wil­le der Par­tei­en primär an­hand der tatsächli­chen Ver­trags­durchführung zu er­mit­teln (LAG Rhein­land-Pfalz vom 24.02.2014 – 3 Sa 446/13 - Rn. 71, ju­ris).
Für ei­ne von dem aus­drück­lich ge­schlos­se­nen Ver­trag die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft der Kläge­rin be­gründen­de ab­wei­chen­de Hand­ha­bung, ist die Kläge­rin dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig.

1.3.1. Dass die Kläge­rin bei der prak­ti­schen Durchführung des Ver­tra­ges weit­ge­hend der in­halt­li­chen Wei­sungs­be­fug­nis der Be­klag­ten un­ter­lag, ver­moch­te die Kläge­rin nicht dar­zu­le­gen.

Weit­ge­hen­den in­halt­li­chen Wei­sun­gen un­ter­liegt die Mit­ar­bei­te­rin, wenn ihr nur ein ge­rin­ges Maß an Ge­stal­tungs­frei­heit, Ei­gen­in­itia­ti­ve und Selbständig­keit ver­bleibt (BAG, Ur­teil vom 20. Mai 2009 , a. a. O., Rn. 22, ju­ris)

Dass und gg­fls. in wel­cher Form der Kläge­rin bei Er­stel­lung ih­rer Beiträge Vor­ga­ben er­teilt wer­den, die ih­re Ge­stal­tungs­frei­heit weit­ge­hend ein­schränkt, ist dem Vor­brin­gen der Kläge­rin nicht zu ent­neh­men. Ein sol­ches Vor­brin­gen stände auch im Wi­der­spruch zu dem Vor­brin­gen der Kläge­rin, dass sie für ih­re Tätig­keit u. a. ih­re „über­durch­schnitt­li­chen hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten als Au­to­rin“ und ih­re „be­son­de­re Krea­ti­vität in der Hand­ha­bung fil­mi­scher Mit­tel“ (Bl. 440 d.A.) ein­brin­ge. Wäre ih­re Ge­stal­tungs­frei­heit weit­ge­hend durch in­halt­li­che Vor­ga­ben der Be­klag­ten ein­ge­schränkt, bedürf­te es die­ser Fähig­kei­ten nicht. Auch nimmt die Kläge­rin die Prämie­rung ver­schie­de­ner, von ihr in Zu­sam­men­ar­beit mit Kol­le­gen aus der Re­dak­ti­on von F. er­stell­ter Beiträge als Be­leg der Wer­tig­keit auch ih­rer Tätig­keit in An­spruch, wofür kein An­lass bestände, wenn sie an die­sen nicht selbständig und wei­te­ge­hend ge­stal­tungs­frei mit­ge­wirkt hätte.

Dass die Be­klag­te selbst The­men vor­ge­schla­gen oder Vor­schläge der Kläge­rin ab­ge­wie­sen hat und die Ausführ­lich­keit der Be­richt­er­stat­tung der Schluss­re­dak­ti­on oder Re­dak­ti­ons­lei­tung vor­be­hal­ten ist, ändert an der weit­ge­hen­den Ge­stal­tungs­frei­heit der Kläge­rin nichts. Selbst­verständ­lich ist es das Recht der Be­klag­ten ver­gleich­bar ei­nem Werk­be­stel­ler, § 631 BGB, darüber zu ent­schei­den, wel­che Beiträge ge­fer­tigt und in wel­cher Ausführ­lich­keit ge­sen­det wer­den. Aus­schlag­ge­bend ist al­lein, ob bei der Fer­ti­gung die­ser Beiträge der Kläge­rin noch ein Maß Ge­stal­tungs­frei­heit, Ei­gen­in­itia­ti­ve und Selbständig­keit ver­bleibt.

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1.3.2. Die Kläge­rin ver­moch­te auch nicht zur Über­zeu­gung des Ge­richts dar­zu­le­gen, dass die Be­klag­te in­ner­halb des ver­trag­lich ver­ein­bar­ten zeit­li­chen Rah­mens von 40 Wo­chen­stun­den über ih­re Ar­beits­leis­tung verfügen konn­te.

So­weit die Kläge­rin be­haup­tet, in Dienst­pläne ein­ge­bun­den zu sein, hat sie der­ar­ti­ge Dienst­pläne selbst nicht näher vor­tra­gen können. Dass sie bis zu zwei­mal im Jahr als Che­fin vom Dienst ein­ge­setzt wird und mit Mail der Be­klag­ten vom 15. Fe­bru­ar 2016 für das Jahr 2016 zum Dienst am 07.06. und 13.12. ein­ge­teilt wor­den ist, be­gründet noch nicht die An­nah­me der Her­an­zie­hung zum Dienst in nicht un­er­heb­li­chem Um­fang.

Auch die ver­ein­zelt von der Kläge­rin vor­ge­tra­ge­nen Mails, mit de­nen die Kläge­rin ge­be­ten wur­de, zu be­stimm­ten Sen­dun­gen oder The­men bei­zu­tra­gen, be­gründen auf Grund des zeit­li­chen Um­fangs noch kei­ne An­nah­me der ständi­gen Dienst­be­reit­schaft.

Die Abhängig­keit von Sen­de­ter­mi­nen und Schnitt­plätzen be­gründet re­gelmäßig bei pro­gramm­ge­stal­ten­den Mit­ar­bei­tern und da­mit auch bei der Kläge­rin nicht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft. Glei­ches gilt für die An­we­sen­heit zu fest­ste­hen­den Zei­ten vor und nach der Sen­dung eben­so wie die not­wen­di­ge Teil­nah­me an zeit­lich fest­ge­leg­ten Ab­stim­mungs­kon­fe­ren­zen (BAG v. 20.05.2009 – 5 AZR 31/08 – Rn. 25, ju­ris).

1.3.3. Auch das Er­fas­sen von Mehr­ar­beits­stun­den und de­ren Mel­dung an die Re­dak­ti­on auf ei­nem „Ur­laubs­an­trag“ be­gründet nicht die Ar­beit­neh­mer­ei­gen­schaft der Kläge­rin.

Dass Mehr­ar­beits­stun­den er­fasst wer­den, folgt be­reits aus der Not­wen­dig­keit de­ren Aus­gleichs. Die Mit­tei­lung der Aus­gleichs­ta­ge an die Re­dak­ti­on dient of­fen­sicht­lich nur in­for­ma­to­ri­schen Zwe­cken. Je­den­falls be­durf­te es für die frei­en Ta­ge aus­weis­lich der von der Kläge­rin ein­ge­reich­ten An­la­gen K 117ff of­fen­sicht­lich kei­ner Ge­neh­mi­gung durch die Be­klag­te, da die­se „Anträge“ an den dafür zur Ge­neh­mi­gung vor­ge­se­he­nen Stel­len nicht von der Be­klag­ten ge­gen­ge­zeich­net wor­den. Auch spricht die Mail vom 30.11.2013, An­la­ge K 119, nicht dafür, dass es ei­ner Ge­neh­mi­gung be­durf­te, hätte es doch an­sons­ten der Re­dak­ti­ons­lei­ter in der Hand ge­habt, der Kläge­rin die von ihm nicht gewünsch­ten Aus­gleichs­ta­ge nicht zu gewähren, statt sie dar­um zu bit­ten, die von ihr frei ge­nom­me­nen Ta­ge teil­wei­se zu ver­schie­ben.

1.3.4. Auch die Teil­nah­me der Kläge­rin an von der Be­klag­ten or­ga­ni­sier­ten Schu­lun­gen führt nicht zu der An­nah­me ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.
Zwar spricht die Mail des Herrn H. vom 14.01.2016 über die Not­wen­dig­keit der Teil­nah­me an der Schu­lung ge­gen ein frei­es Mit­ar­bei­ter­verhält­nis, je­doch be­ru­hen die Schu­lun­gen aus­weis­lich des Vor­brin­gens der Kläge­rin auf Ziel­ver­ein­ba­run­gen mit der Re­dak­ti­ons­lei­tung, so dass die­se wie­der­rum nicht ein­sei­tig im Rah­men ei­nes ver­meint­li­chen Di­rek­ti­ons­rech­tes zu­ge­wie­sen wor­den.

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1.3.5. Das Stel­len von Ar­beits­mit­teln, wie Pres­se­aus­weis, Lap­top und ei­nes Büroar­beits­plat­zes be­gründet eben­so we­nig den Ar­beit­neh­mer­sta­tus der Kläge­rin durch Ein­glie­de­rung in die be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on der Be­klag­ten wie das Stel­len von Per­so­nal durch die Be­klag­te.

Auch in ei­nem frei­en Mit­ar­bei­ter­verhält­nis täti­ge Film­her­stel­ler und Mo­de­ra­to­ren müssen sich des Per­so­nals und der Ein­rich­tun­gen des Sen­ders be­die­nen, um ih­re Beiträge tech­nisch sen­de­reif fer­tig­zu­stel­len. Die Not­wen­dig­keit, auf Mit­ar­bei­ter und Ein­rich­tun­gen des Sen­ders zurück­zu­grei­fen, kann nicht als Um­stand ge­wer­tet wer­den, der auf ei­ne Ein­glie­de­rung und persönli­che Abhängig­keit schließen lässt (BAG, Ur­teil vom 19. Ja­nu­ar 2000 – 5 AZR 644/98 –, Rn. 32, ju­ris; LAG Köln, Be­schluss vom 08. April 2013 – 4 Ta 11/13 –, Rn. 54, ju­ris).

2. Der Kläge­rin ste­hen die un­ter II. gel­tend ge­mach­ten Aus­kunfts­ansprüche nicht zu.

2.1. Ein wie von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ter Aus­kunfts­an­spruch kann sich als Ne­ben­pflicht aus dem Ar­beits­verhält­nis gem. § 242 BGB er­ge­ben.

Zwar be­steht ei­ne all­ge­mei­ne, nicht aus be­son­de­ren Rechts­gründen ab­ge­lei­te­te Pflicht zur Aus­kunfts­er­tei­lung re­gelmäßig nicht, je­doch ist ge­wohn­heits­recht­lich an­er­kannt, dass Aus­kunfts­ansprüche nach Treu und Glau­ben be­ste­hen können, wenn die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en es mit sich brin­gen, dass der Be­rech­tig­te in ent­schuld­ba­rer Wei­se über Be­ste­hen und Um­fang sei­nes Rechts im Un­ge­wis­sen ist und der Ver­pflich­te­te die zur Be­sei­ti­gung der Un­ge­wiss­heit er­for­der­li­che Aus­kunft un­schwer ge­ben kann. Dies setzt ei­nen dem Grun­de nach fest­ste­hen­den Leis­tungs­an­spruch vor­aus (BAG, Ur­teil vom 01. De­zem­ber 2004 – 5 AZR 664/03 –, Rn. 23, ju­ris; vom 04. No­vem­ber 2015 – 7 AZR 972/13 -, Rn. 19, ju­ris).


2.2. Die Kläge­rin hat je­doch kei­nen ei­nem Aus­kunfts­an­spruch zu Grun­de lie­gen­den Leis­tungs­an­spruch aus Art. 157 AEUV.

Zwar kann sich die Kläge­rin auf Art. 157 AEUV als Primärrecht und da­mit un­mit­tel­bar an­wend­ba­res Recht be­ru­fen, je­doch be­zweckt Art. 157 AEUV ent­ge­gen der An­sicht der Kläge­rin nicht, den Grund­satz „glei­cher Lohn für glei­che Ar­beit“ im Ar­beits­verhält­nis ge­ne­rell vor­zu­schrei­ben. Die Vor­schrift ver­bie­tet „nur“ die ge­schlechts­be­ding­te un­ter­schied­li­che Ent­loh­nung. Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen ver­s­toßen da­her nur dann ge­gen Art. 157 AEUV, wenn sie an die Zu­gehörig­keit zu ei­nem der bei­den Ge­schlech­ter ei­ne nach­tei­li­ge Wir­kung knüpfen (BAG, Ur­teil vom 09. Ok­to­ber 2012 – 3 AZR 477/10 –, Rn. 22, ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21. Ok­to­ber 2013 – 1 Sa 7/13 –, Rn. 53, ju­ris; ErfK/Schlach­ter AEUV Art. 157 Rn. 14). Dies folgt dar­aus, dass Art. 157 AEUV Art. 4 der Richt­li­nie 2006/54/EG zur

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Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der Chan­cen­gleich­heit und Gleich­be­hand­lung von Männern und Frau­en in Ar­beits- und Beschäfti­gungs­fra­gen kon­kre­ti­siert (LAG Ba­den-Würt­tem­berg, a. a. O., Rn. 52).

Selbst aber, wenn man Art. 157 AEUV nicht auf ein Ver­bot der ge­schlechts­dis­kri­mi­nie­ren­den Ent­loh­nung be­grenzt, steht Art. 157 AEUV ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung der Ent­loh­nung auch bei an sich gleich­wer­ti­ger Ar­beit an Hand wei­te­rer Kri­te­ri­en nicht ent­ge­gen. So können die Be­rufs­aus­bil­dung (EuGH, Ur­teil vom 11. Mai 1999 – C-309/97 –, ju­ris), die von ei­nem Ar­beit­neh­mer er­wor­be­nen Be­rufs­er­fah­rung, die es die­sem ermöglicht, sei­ne Ar­beit bes­ser zu ver­rich­ten (EuGH, Ur­teil vom 08. Sep­tem­ber 2011 – C-297/10 und C-298/10 –, ju­ris) und Fak­to­ren, wie Art der Ar­beit, Aus­bil­dungs­an­for­de­run­gen und Ar­beits­be­din­gun­gen (EuGH, Ur­teil vom 26. Ju­ni 2001 – C-381/99 –, ju­ris; Ur­teil vom 28. Fe­bru­ar 2013 – C-427/11 –, ju­ris) ei­ne un­ter­schied­li­che Vergütung für Ar­beit­neh­me­rin­nen, die die glei­che Ar­beit ver­rich­ten, ob­jek­tiv recht­fer­ti­gen. Bei der Berück­sich­ti­gung der Be­rufs­er­fah­rung kann auch da­nach dif­fe­ren­ziert wer­den, ob die­se bei dem­sel­ben oder ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber er­wor­ben wur­de. So verstößt die Dif­fe­ren­zie­rung hin­sicht­lich der Lohnhöhe in § 16 Abs. 2 Satz 2 und Satz 3 TV-L da­nach, ob der Ar­beit­neh­mer be­reits zu­vor in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zum sel­ben Ar­beit­ge­ber stand oder ob er von ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber zum Land ge­wech­selt ist, nicht ge­gen Art. 3 Abs. 1 GG (BAG, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 6 AZR 180/09 –, Rn. 14; ver­gleich­bar auch: EuGH, Ur­teil vom 07. Ju­ni 2012 – C-132/11 –, ju­ris) und auch nicht ge­gen Uni­ons­recht (LArbG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 08. Ok­to­ber 2015 – 5 Sa 660/15 5 Sa 668/15, 5 Sa 660/15, 5 Sa 668/15 -, ju­ris)

Setzt Art. 157 AEUV da­nach ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts vor­aus, so ist ein sol­cher Kau­sal­zu­sam­men­hang be­reits dann ge­ge­ben, wenn die Be­nach­tei­li­gung an das Ge­schlecht an­knüpft und da­durch mo­ti­viert ist. Hier­zu hat die Kläge­rin in An­wen­dung von § 22 AGG Tat­sa­chen dar­zu­le­gen, die aus ob­jek­ti­ver Sicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit (BAG, Ur­teil vom 11. Au­gust 2016 – 8 AZR 375/15 –, ju­ris) dar­auf schließen las­sen, dass die ge­rin­ge­re Vergütung durch das Ge­schlecht mo­ti­viert ist (EuGH, Ur­teil vom 28. Fe­bru­ar 2013 – C-427/11 –, ju­ris; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 21. Ok­to­ber 2013, a. a. O., Rn. 56, ju­ris).

Der­ar­ti­ge In­di­zi­en, die ei­ne schlech­te­re Be­zah­lung der Kläge­rin auf Grund ih­res Ge­schlechts mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit ver­mu­ten las­sen, hat die Kläge­rin nicht dar­zu­le­gen ver­mocht.

2.2.1. Da­nach be­gründet die höhe­re Vergütung der fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter kein In­diz dafür, dass die Kläge­rin die­sen ge­genüber auf Grund ih­res Ge­schlechts schlech­ter vergütet wird, da sich die Kläge­rin als freie Mit­ar­bei­te­rin im „2. Kreis“ die­sen ge­genüber be­reits nicht in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­det. An­ders als die Kläge­rin un­ter­lie­gen die fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter dem Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­ten. Auch rich­tet sich die Vergütung der

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fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter nach ei­nem an­de­ren Ta­rif­ver­trag als den der Kläge­rin, der selbst wie­der­rum nicht an das Ge­schlecht der von ihm er­fass­ten Mit­ar­bei­ter an­knüpft.

Im Übri­gen ist auch fest­zu­stel­len, dass die von der Kläge­rin zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­ter sämt­lich über ei­ne, die höhe­re Vergütung recht­fer­ti­gen­de, länge­re Be­triebs­zu­gehörig­keit verfügen, der ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­ter K. bis zu des­sen Aus­schei­den im April 2012.

2.2.2. Nicht ver­gleich­bar ist die Kläge­rin auch mit den „frei­en Frei­en“, den frei­en Mit­ar­bei­tern im „3. Kreis“.

Auch die­se Mit­ar­bei­ter wer­den nach ei­nem an­de­ren Ta­rif­ver­trag, der wie­der­rum nicht an das Ge­schlecht an­knüpft, vergütet, was be­reits der An­nah­me ent­ge­gen­steht, die Kläge­rin wer­de mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit die­sen Mit­ar­bei­tern ge­genüber we­gen ih­res Ge­schlechts schlech­ter vergütet.
Auch über­zeugt es nicht, die Be­haup­tung der höhe­ren Vergütung der Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“ da­durch zu be­le­gen, dass die Kläge­rin de­ren auf­trags- bzw. ta­ges­be­zo­ge­ne Vergütung auf ein Mo­natsäqui­va­lent hoch­rech­net. Dies lässt außer Acht, dass die auf die­ser Ba­sis täti­gen Mit­ar­bei­ter, an­ders als die Kläge­rin, die ein re­gelmäßiges mo­nat­li­ches Ho­no­rar er­zielt, nicht über ein verläss­li­ches Ein­kom­men verfügen.

Im Übri­gen kommt die Kläge­rin bei die­ser Be­rech­nungs­me­tho­de bezüglich der im „3. Kreis“ täti­gen Mit­ar­bei­te­rin Jung zu dem Er­geb­nis, dass die­se mehr ver­dient als sie, was eben­so der An­nah­me ent­ge­gen­steht, sie wer­de auf Grund ih­res Ge­schlechts schlech­ter vergütet.

2.2.3. Ver­gleich­bar ist die Kläge­rin grundsätz­lich, so­weit sie ei­ne ver­gleich­ba­re Tätig­keit ausübt, mit den Mit­ar­bei­tern im „2. Kreis“. Dies verfügen je­doch al­le über ei­ne die höhe­re Vergütung recht­fer­ti­gen­de länge­re Zeit der Be­rufstätig­keit bei der Be­klag­ten.

Herr S. ist nach dem Vor­brin­gen der Be­klag­ten seit dem 01. Ja­nu­ar 1998 un­un­ter­bro­chen für sie tätig, da­von vor dem mit der Kläge­rin zeit­glei­chen zu Wech­sel F. 7 Jah­re für „Z.re­por­ter“. Das pau­scha­le Be­strei­ten der Kläge­rin mit Nicht­wis­sen ist un­be­acht­lich, da es ent­we­der un­ter Ver­s­toß ge­gen die aus § 138 Abs. 1 ZPO fol­gen­de Pflicht zum vollständig und der Wahr­heit ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­trag ins Blaue hin­ein er­folgt oder der der Kläge­rin nach § 138 Abs. 2 ZPO ob­lie­gen­den Sub­stan­ti­ie­rungs­last nicht genügt, da nicht er­sicht­lich ist, dass der Kläge­rin im Rah­men ih­rer Er­kun­di­gungs­pflicht die Ein­ho­lung von In­for­ma­tio­nen hier­zu nicht möglich, bzw. un­zu­mut­bar ist.

Un­strei­tig ist auch Herr H. seit 2003 und da­mit länger als die Kläge­rin für die Be­klag­te tätig. War­um sei­ne Tätig­keit als Re­dak­teur im Z. Lan­des­stu­dio nicht ver­gleich­bar ist, er­sch­ließt sich nicht, kann je­doch da­hin­ge­stellt blei­ben, da er auf Grund sei­ner Tätig­keit für die Be­klag­te seit 2003 über ei­ne

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länge­re bei der Be­klag­ten er­wor­be­ne Be­rufs­er­fah­rung verfügt, was nach obi­gen Ausführun­gen ei­ne un­ter­schied­li­che Vergütung zu recht­fer­ti­gen ge­eig­net ist.

Auch Herr R. verfügt über ei­ne, wenn auch nur ge­ringfügig, länge­re Be­triebs­zu­gehörig­keit, seit 2006, als die Kläge­rin. Außer­dem verfügt er über ei­nen, ei­ne höhe­re Vergütung recht­fer­ti­gen­den, ein­schlägi­gen Hoch­schul­ab­schluss in Jour­na­lis­tik. Sch­ließlich übt Herr R. mit der stell­ver­tre­ten­den Re­dak­ti­ons­lei­tung ge­genüber der als Re­dak­teu­rin täti­gen Kläge­rin ei­ne höher­wer­ti­ge Tätig­keit aus.

Sch­ließlich verfügt auch Herr D. mit ei­ner Tätig­keit seit dem 01. April 2001 in der Re­dak­ti­on von F. über ei­ne er­heb­lich länge­re Be­rufs­er­fah­rung bei der Be­klag­ten als die Kläge­rin, was auch wie­der­rum ge­eig­net ist, sei­ne et­waig höhe­re Vergütung zu recht­fer­ti­gen.

2.2.4. Auch so­weit die männ­li­chen Mit­ar­bei­ter bei der Überführung in den „2. Kreis“ auf­grund der in § 2 (3) a des Ta­rif­ver­trags zum „2. Kreis“ ge­re­gel­ten Be­sitz­stands­wah­rung der zum Zeit­punkt der Zu­ord­nung be­ste­hen­den Ho­no­rarhöhe ei­ne höhe­re Vergütung nach dem Vergütungs­ta­rif­ver­trag für Freie Mit­ar­bei­ter/in­nen als die Kläge­rin er­hiel­ten, be­gründet dies nicht die Ver­mu­tung der Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin auf Grund ih­res Ge­schlechts.

Der Vergütungs­ta­rif­ver­trag für Freie Mit­ar­bei­ter/in­nen sieht für die ein­zel­nen Tätig­kei­ten Spann­brei­ten vor, in­ner­halb de­ren die Vergütung ver­ein­bart wer­den kann. Auch da­bei konn­te die länge­re Be­rufs­er­fah­rung bei der Be­klag­ten und Qua­li­fi­ka­ti­on auf Grund des Hoch­schul­ab­schlus­ses in Jour­na­lis­tik berück­sich­tigt wer­den. Un­ter § 2 des Ta­rif­ver­tra­ges sieht die­ser das für ein­zel­ne Tätig­kei­ten aus­drück­lich vor. Auch kann bei der Ver­ein­ba­rung der Vergütungshöhe der je­wei­li­ge Mit­ar­bei­ter sei­ne Mark­macht durch­set­zen. So trägt die Kläge­rin selbst vor, dass der im „3. Kreis“ täti­ge Mit­ar­bei­ter G., der zu­vor für den N. tätig war, sein dor­ti­ges Ge­halt bei der Be­klag­ten als Ein­stiegs­ge­halt bei der Be­klag­ten durch­zu­set­zen ver­moch­te. Die Kläge­rin selbst hat noch vor der Ein­ord­nung in den Ta­rif­ver­trag für den „2. Kreis“ und da­mit noch als „freie Freie“ ei­ne Ho­no­rar­erhöhung von 250,- EUR durch­set­zen können. Mit­hin be­gründet das höhe­re Ho­no­rar der männ­li­chen Re­dak­teu­re bei Ein­ord­nung in den „2. Kreis“ nicht die Ver­mu­tung ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin. Dies kann aber im Er­geb­nis auch da­hin­ge­stellt blei­ben, da die höhe­re Vergütung der von der Kläge­rin zum Ver­gleich her­an­ge­zo­ge­nen männ­li­chen Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“ be­reits aus den un­ter 2.2.3. aus­geführ­ten Gründe nicht die An­nah­me der Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin be­gründen.

2.2.5. Sch­ließlich wird die Kläge­rin auch nicht mit­tel­bar durch den TV 2. Kreis dis­kri­mi­niert, da die­ser ge­rin­ge­re Vergütun­gen als die Vergütungs­ord­nun­gen für Fest­an­ge­stell­te und für freie Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“ vor­se­he und im TV 2. Kreis mit 60 % mehr Frau­en als Männer tätig sei­en.
Auch die je­weils höhe­ren Vergütun­gen in den Vergütungs­ord­nun­gen außer­halb des „2. Kreis“ und den von die­sem er­fass­ten Frau­en­an­teil als zu­tref­fend un­ter­stellt, be­gründet dies nicht die

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An­nah­me ei­ner mit­tel­ba­ren Dis­kri­mi­nie­rung. Zum ei­nen sind die Mit­ar­bei­ter im „2. Kreis“ aus den oben un­ter 2.2.1. und 2.2.2. ge­nann­ten Gründen nicht ver­gleich­bar und zum an­de­ren müss­te von ei­ner der­ar­ti­gen Re­ge­lung, um zufälli­ge Un­ter­schie­de aus­zu­sch­ließen, ei­ne er­heb­lich höhe­re An­zahl von Frau­en als Männer be­trof­fen sein (EuGH, Ur­teil vom 28. Fe­bru­ar 2013 – C-427/11 –, Rn. 42, ju­ris) was bei ei­nem be­haup­te­ten, den Männer­an­teil um 20% über­stei­gen­den Frau­en­an­teil nicht ge­ge­ben ist.

Auch spricht der Um­stand, dass die ver­schie­de­nen Vergütungs­ord­nun­gen ta­rif­ver­trag­lich ge­re­gelt sind, dafür, dass die Un­ter­schie­de auf ob­jek­ti­ven Fak­to­ren be­ru­hen und nichts mit ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung auf Grund des Ge­schlechts zu tun ha­ben (EuGH, Ur­teil vom 28. Fe­bru­ar 2013, a. a. O., Rn. 49).

3. Der Kläge­rin steht ein dem Aus­kunfts­an­spruch zu­grun­de lie­gen­der Leis­tungs­an­spruch auch nicht aus dem all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu.

Der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bie­tet dem Ar­beit­ge­ber, der Tei­len sei­ner Ar­beit­neh­mer frei­wil­lig nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip Leis­tun­gen gewährt, Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die sich in glei­cher oder ver­gleich­ba­rer La­ge be­fin­den, gleich zu be­han­deln. Un­ter­sagt ist ihm da­nach so­wohl ei­ne willkürli­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in­ner­halb ei­ner Grup­pe als auch ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung. Da­bei gilt der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz bei Fra­gen der Vergütung nur ein­ge­schränkt; in­so­weit hat der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit für in­di­vi­du­ell aus­ge­han­del­te Gehälter Vor­rang. Er­folgt die Vergütung je­doch nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren und ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip, in­dem er be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder be­stimm­te Zwe­cke fest­legt, greift der ar­beits­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auch im Be­reich der Ent­gelt­zah­lung (BAG, Ur­teil vom 21. Mai 2014 – 4 AZR 50/13 –,Rn. 19, ju­ris).

Nach vor­ste­hen­den Ausführun­gen liegt be­reits kei­ne Un­gleich­be­hand­lung man­gels ver­gleich­ba­rer La­ge vor. Auch ist ein ge­ne­ra­li­sie­ren­des Prin­zip, nach­dem die Be­klag­te Frau­en in ver­gleich­ba­ren Si­tua­tio­nen un­gleich be­han­delt nicht er­kenn­bar. Sch­ließlich steht der An­nah­me ei­ner Un­gleich­be­hand­lung ge­genüber den männ­li­chen Mit­ar­bei­ter, die wie die Kläge­rin in den „2. Kreis“ überführt wor­den und da­bei auf Grund der ta­rif­ver­trag­lich ge­si­cher­ten Be­sitz­stands­wah­rung ein höhe­res Ge­halt als die Kläge­rin be­zie­hen, der Grund­satz der Ver­trags­frei­heit ent­ge­gen, so­weit die­se auf Grund der Spann­brei­te der ta­rif­ver­trag­li­chen Ho­no­ra­re für freie Mit­ar­bei­ter im „3. Kreis“ vor der Überführung in den TV – 2. Kreis höhe­re Ho­no­ra­re ver­ein­bart ha­ben als die Kläge­rin.

4. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf ei­ne Entschädi­gung aus § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG, da die hierfür dar­le­gungs- und be­weis­pflich­ti­ge Kläge­rin be­reits kei­ne Tat­sa­chen dar­legt, die mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung ih­rer Per­son we­gen ih­res Ge­schlechts ver­mu­ten las­sen.

Der Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG setzt ei­nen Ver­s­toß der Be­klag­ten

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ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG we­gen ei­ner der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe, vor­lie­gend des Ge­schlechts, vor­aus.

Hierfür sieht § 22 AGG ei­ne Be­wei­ser­leich­te­rung vor. Wenn im Streit­fall die die Dis­kri­mi­nie­rung gel­tend ma­chen­de Par­tei In­di­zi­en be­weist, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen, trägt nach § 22 AGG die an­de­re Par­tei die Be­weis­last dafür, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gung vor­ge­le­gen hat. Da­nach genügt ei­ne Per­son, die sich durch ei­ne Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes für be­schwert hält, ih­rer Dar­le­gungs­last be­reits dann, wenn sie In­di­zi­en vorträgt, die mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit dar­auf schließen las­sen, dass ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des er­folgt ist (BAG, Ur­teil vom 17. De­zem­ber 2015 – 8 AZR 421/14 –, Rn. 25, ju­ris).

4.1. Aus den oben un­ter 2.2. an­geführ­ten Gründen er­gibt sich aus der höhe­ren Vergütung der männ­li­chen Kol­le­gen der Kläge­rin kein In­diz für ei­ne Un­gleich­be­hand­lung we­gen des Ge­schlechts.

4.2. Un­taug­lich für ei­ne In­dizwir­kung der Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin we­gen ih­res Ge­schlechts durch die Be­klag­te ist der hierfür von der Kläge­rin an­geführ­te Ab­schieds­film für C. R.. Dies folgt be­reits aus der von der Kläge­rin ein­geräum­ten „sa­ti­risch-hu­mor­vol­len Wei­se“ des Films, der mit­hin kei­ne ob­jek­ti­ven Aus­sa­gen trifft.

4.3. Auch der von der der Kläge­rin aus­zugs­wei­se her­an­ge­zo­ge­ne und als An­la­ge K 14 ein­ge­reich­te Be­richt der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten be­gründet kei­ne In­dizwir­kung für die An­nah­me der Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin.

Die­ser hält fest, dass die Be­klag­te mit 50,3 % mehr Frau­en als Männer beschäftigt bei ei­ner Stei­ge­rung des Frau­en­an­teils in den da­vor lie­gen­den Jah­ren um 10,2%. Un­ter den frei­en Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen beträgt der Frau­en­an­teil 46,3%. In den höhe­ren Vergütungs­grup­pen sind 33,3% der Männer ge­genüber le­dig­lich 22,5% der Frau­en beschäftigt. Al­lein in der AT/ÜT- Grup­pe über­wiegt der Männer­an­teil mit 47 Männern ge­genüber 9 Frau­en deut­lich. Bei 636 Re­dak­teu­ren über­wiegt der Frau­en­an­teil mit 51%, wo­bei je­doch mit 60,7% die meis­ten Männer in den höhe­ren Vergütungs­grup­pen zu fin­den sind. In den Führungs­funk­tio­nen hat sich der Frau­en­an­teil auf 36,7% ge­stei­gert.

Zwar können sich auch aus Sta­tis­ti­ken grundsätz­lich In­di­zi­en für ei­ne Ge­schlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung er­ge­ben, so­weit sie aus ei­nem re­gel­haft ei­nem Merk­mal­sträger ge­genüber geübten Ver­hal­ten auf ei­ne sol­cher­maßen (mit) mo­ti­vier­te Ent­schei­dung schließen las­sen, je­doch kann sich ei­ne Ver­mu­tung für ein der­ar­tig re­gel­haf­tes Ver­hal­ten aus sta­tis­ti­schen Da­ten nur dann er­ge­ben, wenn sie sich kon­kret auf den be­tref­fen­den Ar­beit­ge­ber be­zie­hen und im Hin­blick auf des­sen Ver­hal­ten aus­sa­ge­kräftig sind (BAG, Ur­teil vom 22. Ju­li 2010 – 8 AZR 1012/08 –, Rn. 68, ju­ris)

Da das AGG auf den Ein­zel­fall ab­stellt, ist es für ein „In­diz“ iSd. § 22 AGG nicht aus­rei­chend, wenn

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le­dig­lich „auffälli­ge Un­gleich­ge­wich­te“ beim Frau­en­an­teil in ver­schie­de­nen Hier­ar­chie­ebe­nen ei­nes Un­ter­neh­mens vom An­spruchs­stel­ler an­hand von Sta­tis­ti­ken be­wie­sen sind. Viel­mehr be­darf es für die An­nah­me ei­ner ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en über die bloße Sta­tis­tik hin­aus wei­te­rer An­halts­punk­te (BAG, Ur­teil vom 22. Ju­li 2010, a. a. O., Rn. 76, ju­ris).

Dass 33,3% der Männern ge­genüber 22,5% der Frau­en in den höhe­ren Vergütungs­grup­pen beschäftigt wer­den er­gibt ge­nau so we­nig ein „auffälli­ges Un­gleich­ge­wicht“ wie der Um­stand, dass bei den Re­dak­teu­ren 60,7% in den höhe­ren Vergütungs­grup­pen männ­lich sind. Glei­ches gilt für den An­teil der Frau­en in Führungs­funk­tio­nen. Auffällig in die­sem Sinn mag der über­wie­gen­de An­teil von Männern in der AT/ÜT- Grup­pe sein, je­doch ist, eben­so wie bei dem Frau­en­an­teil in Führungs­po­si­tio­nen, al­lein die Sta­tis­tik oh­ne wei­te­re An­halts­punk­te für ei­ne ge­schlechts­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rung nicht aus­sa­ge­kräftig, da sie u. a. ge­sell­schaft­li­che Verhält­nis­se, wie die Aus­wir­kun­gen von, nach wie vor über­wie­gend von Frau­en wahr­ge­nom­men, Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten und dar­aus re­sul­tie­ren­den ne­ga­ti­ven Chan­cen zum be­ruf­li­chen Auf­stieg nicht berück­sich­tigt (BAG, Ur­teil vom 22. Ju­li 2010, a. a. O., Rn. 74, ju­ris).

4.4. Auch das von der Kläge­rin be­haup­tet Feh­len der Aus­schrei­bun­gen von frei­en Stel­len ist nicht ge­eig­net, ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung zu in­di­zie­ren, wären doch da­von Frau­en wie Männer glei­cher­maßen be­trof­fen.

Auch steht die­ser Be­haup­tung der Kläge­rin die un­wi­der­spro­chen ab­ge­schlos­se­ne Dienst­ver­ein­ba­rung zu Stel­len­be­set­zun­gen ent­ge­gen, auf die § 8 Satz 2 des TV „2. Kreis“ aus­drück­lich Be­zug nimmt.

4.5. Un­er­find­lich bleibt auch, war­um die von der Kläge­rin be­haup­te­te feh­len­de Funk­ti­onsfähig­keit der von der Be­klag­ten ein­ge­rich­te­ten Be­schwer­de­stel­le we­gen Be­nach­tei­li­gun­gen aus ei­nem der Gründe des § 1 AGG die ge­schlechts­be­ding­te Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin in­di­zie­ren soll.
Ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung zur Ein­rich­tung ei­ner selbständi­gen, ei­gens zu die­sem Zweck ein­ge­rich­te­ten Be­schwer­de­stel­le nach § 13 AGG be­steht nicht (Däubler/Bertz­bach, All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz, AGG § 13 Rn. 17 - 19, beck-on­line).

5. Sch­ließlich hat die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch aus § 826 BGB auf Scha­den­er­satz ge­gen die Be­klag­te auf Grund der von ihr be­haup­te­ten Ver­wei­ge­rung von Ver­trags­ver­hand­lun­gen.

Nach § 826 BGB ist dem an­de­ren zum Er­satz des Scha­dens ver­pflich­tet, den er ihm in ei­ner ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­s­toßen­den Wei­se vorsätz­lich zufügt

Selbst die Be­haup­tung der Kläge­rin als zu­tref­fend un­ter­stellt, der Re­dak­ti­ons­lei­ter Herr R. ha­be ihr ge­genüber bei ih­rer Ein­stel­lung be­haup­tet, es ge­be haus­in­ter­ne Vor­ga­ben für die

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Ein­stel­lungs­gehälter und die Re­dak­ti­ons­lei­te­rin P. ha­be ihr ge­genüber erklärt, es gäbe kei­ne Ver­hand­lungs­spiel­raum, be­gründen die­se Aus­sa­gen kei­ne Scha­dens­er­satz­an­spruch, da da­mit ma­xi­mal erklärt wor­den wäre, dass man nicht be­reit sei, über das Ge­halt zu ver­han­deln, was man­gels ei­ner Ver­pflich­tung hier­zu kei­ne ei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch be­gründen­de Pflicht­ver­let­zung be­gründet.

Auch war die Kläge­rin, be­vor sie in den TV 2. Kreis ein­ge­tre­ten ist, als Ho­no­rar­kraft im Rah­men des Vergütungs­ta­rif­ver­tra­ges für freie Mit­ar­bei­ter beschäftigt, der je­weils Span­nen vor­sah für die ein­zel­nen Ho­no­ra­re. Be­reits auf Grund des­sen war der Kläge­rin er­sicht­lich, dass die Ho­no­ra­re zu­min­dest im Rah­men des Ta­rif­ver­tra­ges, und, da die­ser nur Min­dest­be­din­gun­gen vor­schreibt, auch darüber hin­aus, ver­han­del­bar wa­ren. Ent­spre­chend hat die Be­klag­te auf For­de­run­gen der Kläge­rin auch im Ja­nu­ar 2010 das Ho­no­rar der Kläge­rin um 250,00 Eu­ro erhöht, was der Be­haup­tung der Kläge­rin, auf Grund der Aus­sa­gen von Herrn R. und Frau P. sei sie da­von aus­ge­gan­gen, die Ho­no­rarhöhe sei nicht ver­han­del­bar, ent­ge­gen­steht.

6. Auf Grund ih­res Un­ter­lie­gens hat die Kläge­rin gem. § 91 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Für den gem. § 61 ArbGG fest­zu­set­zen­de Streit­wert ist der Sta­tus­fest­stel­lungs­an­trag gem. § 42 Abs. 2 GKG mit der drei­fa­chen Brut­to­mo­nats­vergütung der Kläge­rin zu berück­sich­ti­gen.

Die Aus­kunfts­ansprüche sind ins­ge­samt bei ei­ner an­ge­nom­me­nen Vergütungs­dif­fe­renz von 1000,- EUR mo­nat­lich mit dem 36-fa­chen Be­trag gem. § 42 Abs. 1 GKG zu be­wer­ten. Der mit dem An­trag zu V. gel­tend ge­mach­te Scha­dens­er­satz­an­spruch ist man­gels nähe­rer An­ga­ben zu des­sen Höhe mit dem Re­gel­streit­wert des § 23 Abs. 3 RVG zu berück­sich­ti­gen. Hin­zu kommt der gel­tend ge­mach­te Entschädi­gungs­an­spruch in vol­ler Höhe.

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